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Les Trois Mousquetaires - Französisch für Vollprofis

von Hibiscia
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
06.03.2013
24.04.2013
8
19.747
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06.03.2013 2.081
 
Vorsicht, es kitscht von Vorne bis Hinten! *.* (Ich konnte nicht widerstehen)
Shame on me! *grins*
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Ich habe zwei Einser in meinem Zeugnis. Der erste ist Deutsch.
Okay. Das war mir klar, Deutsch ist nämlich seit jeher mein Paradefach.
Aber dass es dieses Jahr auch einen in Französisch gibt, verdanke ich wohl nur den endlosen Diskussionen mit d’Artagnan.
Zusammen mit Lucy laufe ich zur Eisdiele. Es hat ordentlich an Hitze zugelegt und Lucy hatte Verständnis, dass ich bei den Temperaturen nicht mit einem Platten radeln will, also schieben wir nun beide gemächlich unsere Räder die Straße entlang.
„Schule aus, Jahr geschafft, Sommerferien“, sagt Lucy gerade und wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn, „könnte ein Rekordsommer werden, was meinst du?“
„Die Chancen stehen auf jeden Fall gut“, keuche ich und quäle meinen kaputten Reifen weiter.
„Fährst du weg?“, fragt Lucy. Ich hasse diese Frage und mag sie eigentlich gar nicht beantworten, weil es mich selbst so deprimiert.
„Nee, dieses Jahr nicht“, sage ich und kneife die Augen zusammen, weil mir die Sonne ins Gesicht scheint.
„Schade“, sagt Lucy. Ich weiß, dass sie mir zuliebe gerade zurückhält, was sie sagen wollte. Sie ist so nett, deswegen will ich sie trotzdem zum Reden bringen.
„Fährst du weg?“, frage ich also. Lucy scheint froh zu sein, dass ich es doch hören will, denn sie lächelt mich an und nickt.
„Ja, wir fahren nach Kreta zu meiner Oma. Die hat doch da ein Haus, direkt an der Küste.“
Ich könnte vor Neid erblassen.
„Mann, geil“, sage ich stattdessen und bleibe stehen, weil ich nicht mehr kann.
„Wollen wir uns hinsetzen?“, fragt Lucy und deutet auf eine Bank in der Nähe von uns.
Ich nehme das Angebot nur zu gerne an und lasse mich entkräftet auf die Parkbank fallen. Gemütlich strecke ich die Beine von mir, genau in den Sonnenstreifen. Dafür, dass das Wetter schon seit drei Wochen so sommerlich, heiß und schön ist, ist meine Haut noch viel zu bleich. Lucy dagegen ist schon braun gebrannt und das an jeder erdenklichen Körperstellte. Ich weiß nicht, wie sie das schafft, aber vielleicht liegt es ja auch einfach an den griechischen Wurzeln.
„Ist das herrlich“, summt Lucy, verschränkt die Arme hinterm Kopf, macht die Augen zu und streckt ihr Gesicht genüsslich in die Gluthitze der Sonne.
Ich mache ein zustimmendes Geräusch, schlüpfe aus meinen Flip-Flops und ziehe die Beine an den Körper. Die Sonne knallt mir jetzt genau auf die Schienbeine. So sehr, dass es beinahe brennt.
Ich bin fast am Verdursten. Aber jetzt sitzen wir ja hier und verschnaufen.
„Wann geht’s denn los, nach Kreta?“, frage ich und lehne meinen Kopf an.
„Morgen früh. Um sechs geht der Flieger.“ Lucy macht die Augen wieder auf, sieht mich an und verzieht gequält das Gesicht.
„Um sechs Uhr morgens“, sagt sie anklagend, „Mama will, dass wir um zwei aufstehen, damit alle nochmal duschen können. Das ist doch der Hammer!“
Ich muss zugeben, dass ich es auch nicht so toll fände, nachts um zwei aufzustehen, aber wenn man ein Fünf-Personen-Haushalt ist, dann ist es wohl sinnvoll.
„Sei doch froh, dass du überhaupt wegkannst von hier“, murre ich und gucke verstimmt auf einen schwitzenden Jogger, der an uns vorbeihetzt.
„Hast ja Recht, tut mir leid“, sagt Lucy und umarmt mich von der Seite.
Ich zwicke sie versöhnlich ins Knie und sie quietscht auf. An dieser Stelle ist sie besonders kitzelig. Im Gegenzug sticht sie mir nun mit dem Finger in den Bauch. Jetzt kreische ich los und Sekunden später liegen wir rangelnd und kreischend auf der Bank.
„Stopp“, rufe ich schließlich völlig geplättet, „ich verdurste gerade und will endlich meinen Schokobecher!“
„Du wolltest dich ja hinsetzen, du Schnarchnase“, lacht Lucy und zieht mich hoch.
Fröhlich setzen wir unseren Weg fort. Meine Kehle ist staubtrocken und der Schweiß rinnt mir in Strömen über den Körper. Alles klebt.
Dann, endlich, sehe ich die Eisdiele. Je näher wir kommen, desto voller scheint sie zu werden.
Wir haben das rettende Gebäude fast erreicht, als Lucy’s Handy klingelt. Genervt geht sie ran. Ich bleibe stumm neben ihr stehen und höre ihre Wortfetzen.
Gegen Ende des Gesprächs scheint sie sauer zu werden. Schließlich legt sie mit krauser Stirn auf.
„Sorry, Juli, aber ich kann nicht. Meine Mum hat mich nach Hause bestellt. Gibt wohl irgendwie Stress mit meinem kleinen Bruder, oder so.“
Ich versuche, mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.
„Ist doch kein Problem. Dein Urlaub geht jetzt vor, da kannst du ja immer noch so viel Eis schlecken wie du willst!“
„Du bist nicht sauer?“, fragt sie vorsichtig.
„Spinnst du?“, lache ich und freue mich, wie echt es klingt, „Hau schon ab. Aber wehe, du schreibst keine Postkarte!“
Sie lacht und umarmt mich über ihren Fahrradlenker hinweg.
„Okay“, sagt sie, als wir uns voneinander lösen, „ich wünsch dir wunderschöne Ferien! Und vergiss endlich den ollen Charles.“
Ich grinse.
„Der sollte doch schon im Flieger nach Paris sitzen, oder?“
„Hoffen wir’s!“
Lucy drückt mir vier Euro in die Hand.
„Für dein Eis“, sagt sie, „ich habs dir ja schließlich versprochen!“
Ich kriege ein kleines Küsschen auf die linke Backe, dann radelt Lucy davon und lässt mich mit dem Geld stehen.
Ich bin nicht sauer. Nur ein bisschen enttäuscht. Ich hatte mich ehrlich auf das gemeinsame Eis essen gefreut. Aber egal. Ich gönne Lucy den Urlaub auf Kreta. Sechs Wochen am Strand, mit Oliven, Schafskäse und dem Mittelmeer.
Herrlich.
Aber hier werde ich es doch bestimmt auch schön haben, oder?
Ich schließe meine Hand fest um die Eurostücke und schiebe mein Rad weiter. Das Geld reicht genau für einen Schokobecher, aber auf der Terrasse ist kein Platz mehr frei, deswegen kaufe ich mir nur zwei Kugeln Stracciatella in der Waffel. Die kann ich essen, während ich nach Hause laufe.
Zwei Euro bleiben übrig. Mir fällt erst ein, dass ich dringend was trinken wollte, als ich die Eisdiele schon zwei Straßen hinter mir liegen habe. Muss ich wohl bis zuhause warten.
Langsam laufe ich durch eine schattige Baumallee, vorbei an der Sparkasse, dann an einer Dönerbude und dann an einem Fast-Food-Restaurant. Ich kann die fettigen Pommes noch eine ganze Weile riechen.
Das Eis schmilzt mit jedem Schritt mehr, mein Mund ist komplett verschmiert und klebrig.
Als mir das Eis schließlich aus der Waffel auf mein Shirt tropft, entschließe ich mich, die Abkürzung durch den Park zu nehmen. Ich werfe den Eismatsch in den nächsten Mülleimer, wo sich die Wespen schon tummeln und schiebe mein Rad weiter.
Gottseidank ist es durch die ganzen Bäume hier etwas schattiger und nicht ganz so heiß.
Links neben mir erstreckt sich ein riesiger Kinderspielplatz und ich kann die kleinen Kinder kreischen, toben und spielen hören. Früher war ich auch oft auf diesem Spielplatz und habe Sandkuchen gebacken. Irgendwann kam ich auch mal auf die Idee, einen dieser Kuchen zu probieren.
Die nächsten drei Tage endeten mit ununterbrochenem Erbrechen, einem Besuch im Krankenhaus und einer Infusion.
Ich muss grinsen, als ich mich erinnere. Auf den Parkbänken sitzen Mütter und gucken ihren Kindern beim Spielen zu oder lesen Frauenzeitschriften.  
Im Gucken laufe ich weiter und verrenke mir den Kopf immer mehr nach links.  
Es kommt wie es kommen muss.
Ich pralle volle Kanne gegen jemanden, der mir entgegengekommen sein muss, den ich vor lauter Spielplatz aber nicht gesehen habe.
„Oh mein Gott, Entschuldigung!“, rufe ich sofort, bleibe schlagartig stehen und sehe nach, wie groß der Schaden ist. Sofort runzle ich die Stirn, denn derjenige, den ich getroffen habe, scheint den Weg rückwärts gelaufen zu sein. Pah! Da ist es ja wohl auch seine Schuld!
Ich bereue meine Entschuldigung und will mich mit meinem Rad an dem Typ vorbeidrängen, doch irgendwie scheint er etwas verwirrt zu sein, denn er torkelt von links nach rechts und sieht sich irritiert nach allen Richtungen um. Nur hinter sich schaut er nicht. Den Stoß mit meinem Fahrradreifen scheint er nicht mal mitbekommen zu haben.
So ein Depp.
Ich schüttle den Kopf und will endlich weiter, da dreht sich der Kerl endlich mal um und sieht mich mit großen Augen an.
Zuerst nehme ich ihn gar nicht wahr und will nur weiter, doch dann scheint sich ein Zeitlupenknopf zu aktivieren und ich starre mein Gegenüber an.
Mein Gehirn beginnt zu rechnen und zu vergleichen und schließlich habe ich ein großes Endergebnis vor Augen.
Das vor mir, das ist d’Artagnan!
Er ist es, zu 100%, das sehe ich sofort. So aussehen kann nur er! Außerdem fühle ich, dass er es ist.
Trotz der Hitze wird mir plötzlich kalt und ich habe das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren.
D’Artagnans Augen werden immer größer und schließlich klappt ihm sogar die Kinnlade herunter.
Ich weiß nicht, wie ich aussehe, aber wahrscheinlich ähnlich wie er.
Wie in Trance klappe ich den Fahrradständer herunter, damit ich endlich den Lenker loslassen kann.
„Mon Dieu!“, sagt er. Seine Stimme klingt anders, als er es sagt, so atemlos und hoch.
Und plötzlich macht er einen Schritt auf mich zu und ehe ich reagieren kann, nimmt er mich mit einer stählernen Umarmung gefangen.
Im ersten Moment stehe ich nur stocksteif da, dann schließe auch ich langsam die Arme um ihn. Aber nicht so fest wie er.
Sein Hemd, das ich noch von damals kenne, ist heiß und klatschnass, aber es macht mir nichts aus. Ungläubig fahre ich über den Stoff, von dem ich gedacht hätte, ihn nie wieder zu spüren.
D’Artagnan drückt mich, als hinge sein Leben davon ab, seine rechte Hand krallt sich so fest an mein Shirt, dass er ein bisschen Haut von der Schulter erwischt und es weh tut, seine linke Hand steckt dafür tief in meinen feuchten Haaren und zieht meinen Kopf in seine Richtung.  
Er hat sein Gesicht an meiner Halsbeuge vergraben und muss sich ein bisschen herunterbeugen, damit er das überhaupt schafft. Offenbar ist er etwas mehr gewachsen als ich.
Dann fühle ich, wie sein Bauch zuckt. Ich höre d’Artagnan an meinem Hals schniefen.
Er weint!
Ich bekomme Panik und will ihn wegschieben, aber gleichzeitig will ich ihn auch trösten und auf gar keinen Fall loslassen. Überfordert bleibe ich einfach stehen und fahre ihm unbeholfen über den Rücken.
Langsam beruhigt er sich und schließlich hebt er sogar seinen Kopf und lässt mich los.
Endlich kann ich ihn ansehen.
Ich sehe seine Lippen, seine Nase, seine Wangen, seine Augen. Er hat sich verändert.
Er ist jetzt – erwachsen, reif, vollkommen. Er ist ein Mann geworden, während ich noch immer dasselbe Mädchen von damals bin:
Nicht dick, nicht schlank. Nicht schön.
Es ist ein seltsames Gefühl, so dicht bei einem so schönen Mann zu stehen.
Ein Mann und ein Mädchen.
Es klingt wie ein Märchen.
Ich schäme mich dafür, aber ich kann den Gedanken nicht vertreiben: Ich passe nicht mehr zu ihm. Und der ganze Park starrt uns nun an und gibt mir Recht.
D’Artagnans Augen sind ein bisschen rot und ein bisschen feucht. Ehe ich etwas sagen kann, zieht er die Nase hoch und umarmt mich nochmal.
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich komme nicht klar.
Die Trennung damals war so plötzlich, so schwer, so endgültig.
Und jetzt ist er wieder hier?!
Ich habe ihn so vermisst, und es tat so weh.
Ich merke, dass ich weine, aber ich weine nicht wie er gerade eben. Es ist ein hilfloses, kleines Weinen, mit vielen Tränen und wenig Stimme. Das Schluchzen ist eher ein kleines Wimmern.
D’Artagnan zieht mich an sich und bettet meinen Kopf an seine Schulter.
Da muss ich noch mehr weinen, also mache ich mich von ihm los.
Als ob es selbstverständlich wäre, nimmt er mein Gesicht in seine Hände, streicht mir mit den Daumen die Tränen weg und küsst mich auf die Stirn.
Und, bei Gott, er lässt sich einfach nicht abwimmeln. Wieder schlingt er die Arme um mich und plötzlich ist sein Mund an meinem Ohr.
„Du lebst“, sagt er nasal, „mein Gott, du lebst.“
Erst jetzt verstehe ich.
Ich bin vor ihm gestorben. Wie konnte er auch wissen, dass ich hier aufwache und mein Leben weiterlebe?
Ich bin unfähig, etwas zu sagen, weil ich plötzlich nicht mehr denken kann.
„Du bist hier“, bringe ich schließlich über die Lippen.
„Ja“, flüstert er.
„Wie – “, setze ich an, doch er unterbricht mich.
„Ganz egal. Ganz egal.“
Und er erstickt meinen Protest, indem er seine Lippen auf meine legt und mich küsst, wie nie zuvor.
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Wenn ich wieder zwei so liebe Reviews bekomme, bin ich auf Wolke sieben!
Liebe Grüße,
Hibiscia ^.^
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