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Les Trois Mousquetaires - Französisch für Vollprofis

von Hibiscia
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
06.03.2013
24.04.2013
8
19.747
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06.03.2013 1.786
 
Hallöchen,
was soll ich sagen? Julia, d'Artagnan und Co haben noch nicht ausgelitten, und nachdem die erste Geschichte nun abgeschlossen ist, habe ich mich entschlossen, eine Forsetzung zu schreiben.
Ich hoffe, ein paar bekannte Namen wiederzuentdecken, die auch schon den Vorgänger dieser Geschichte angeklickt haben, aber vielleicht bekomme ich ja auch ein paar neue Leser.
In diesem Sinne: Habt Spaß und gebt Julia und d'Artagnan eine weitere Chance!
Viele liebe Grüße,
Hibiscia ^.^
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Als ich aufwache, habe ich einen dicken, warmen Sonnenstreifen auf meinem Kopfkissen, der mir sofort verrät, dass ich viel zu spät dran bin und der mir direkt den kompletten Tag versaut.
„Scheiße!“, murmle ich, wühle mich aus meiner Bettdecke und werfe rasch einen Blick auf meinen Wecker.
7:30 Uhr.
Toll. Wie soll ich denn das noch rechtzeitig schaffen?!
Wie vom Blitz geschlagen springe ich auf und wusle Richtung Badezimmer.
Ich würde gerne rein, aber jemand kam mir zuvor und hat die Tür abgeschlossen. Was zum…?!
„Aufmachen!“, brülle ich ungehalten, für Nettigkeiten bleibt keine Zeit, „Schnell, ich muss rein!“
Wie in Zeitlupe scheint das Schloss aufzugehen. Mein Vater ist drin und föhnt sich im Bademantel die Haare. Föhnen! Bei der Hitze!
„Bitte, Papa, ich hab verschlafen, kannst du dich woanders föhnen?“
Ohne seine Antwort abzuwarten, schiebe ich ihn beiseite und angle nach Zahnpasta und Zahnbürste. Mein Vater murmelt etwas unverständliches – es klingt nicht sehr nett – gibt aber nach und verzieht sich, während ich mir mit der einen Hand die Zähne putze und mit der anderen versuche, mir das blöde Nachthemd über den Kopf zu ziehen.
Es funktioniert nicht und endet damit, dass ich es mit Zahnpasta bekleckere.
Macht nichts.
Ich schleudere das Ding Richtung Waschmaschine (Mama wird ausrasten, wenn sie es VOR und nicht DARIN finden wird) und taste noch immer die Zähne schrubbend nach Deo und BH.
Ich finde beides und brauche jetzt aber wohl doch zwei Hände.
Hektisch spüle ich mir den Mund aus, verstaue Zahnpasta und  Co im Spiegelschrank und mache insgeheim einen Haken auf die schier endlose To-Do-List in meinem Kopf.
Mein Deo riecht nach Blumen, aber es ist fast leer, weshalb ich wie irre auf dem Knopf herumpresse, bis eine halbwegs ansehnliche Menge unter meinen Armen ist.
Ich sehe ein paar Härchen sprießen und habe gute Lust, auf irgendwas einzuschlagen. Zum Rasieren bleibt auf jeden Fall GAR keine Zeit!
Stattdessen sprinte ich also in BH und Slip zurück in mein Zimmer, schlüpfe in kurze Shorts und ein Shirt, das ich, glaube ich, schon gestern und vorgestern angehabt habe, und werfe ohne nachzudenken einen Block und einen Kuli in meine Schultasche. Mehr werde ich für den letzten Schultag ja nicht brauchen, oder?
„Julia!“, kräht meine Mutter aus dem Wohnzimmer. Was auch immer sie will, es kommt mit ungelegen!
Zeit-Check: 7:45 Uhr. Das schaffe ich niemals!
„Was?“, rufe ich gestresst zurück und falle beim Versuch, in meine Flip-Flops zu schlüpfen, der Länge nach hin.
„Was machst du für einen Radau, Mädchen?“, fragt Papa, der mit einer Tasse Kaffee in den Flur kommt, um zu sehen, was da so gerumpelt hat.
„Nichts Papa“, zische ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und frage mich, wie er bei 28° am Morgen einen heißen Kaffee trinken kann.
„Hast du dich schon gekämmt?“
„Mist, nein!“
In Flip-Flops renne ich zurück ins Bad und fahre mir halbherzig mit der Bürste durch die Haare. Vielleicht hätte ich es lieber lassen sollen, denn jetzt kleben sie mir feucht vom Schweiß und auch ein wenig fettig am Kopf. Ich versuche, das Malheur mit den Händen in Ordnung zu bringen, doch es klappt nicht, also springe ich wieder in den Flur, schnappe mir meine Tasche und verlasse mit einem kurzen Gruß das Haus.
Jetzt aber Tempo!
Irgendein Arschloch hat die Luft aus meinem hinteren Reifen gelassen und am liebsten würde ich das Fahrrad mit einem Tritt umhauen, aber dann steige ich doch auf und radle wie eine Irre zur Schule.
Es ist verdammt heiß.
Es ist verdammt anstrengend.
Und ich bin verdammt spät.
Wenn ein Tag schon so anfängt, kann der Rest nicht besser werden.
Wobei, heute ist der letzte Schultag vor den Sommerferien, ein weiteres Schuljahr geschafft!
Und Charles hat heute auch seinen letzten Tag hier in Deutschland und das ist vermutlich das Beste an diesem Tag, denn dann muss ich diesen schmierigen Franzosen endlich nicht mehr sehen.
Ich schüttle mich und trete vor Wut schneller in die Pedale.
Warum müssen meine Beziehungen auch immer in die Brüche gehen? Das ist doch wie verhext!
Ich bin so in Gedanken, dass ich das Auto an der Kreuzung, das jetzt von rechts kommt, fast übersehen hätte. Es gibt ein Hupkonzert, mein Gesicht verliert jegliche Farbe, ich bremse, mein platter Reifen schlittert und schnarrt auf der Straße, ich reiße den Lenker herum und trete um mein Leben.
Ich frage mich, ob es ein Wunder ist, dass ich noch lebe.  
Ein leises Stimmchen in mir sagt mir, dass ich umkehren, und mich zum Heulen in meinen Sessel verziehen soll, aber meine Beine strampeln weiter.
Komplett K.O. erreiche ich die Schule. Überall stehen Fahrräder – bei dem schönen Wetter fahren sie alle damit zur Schule – aber es ist weit und breit kein Schüler zu sehen.
Mir war eh klar, dass ich zu spät kommen würde, also bin ich nicht überrascht darüber. Vielmehr mache ich mir Sorgen darüber, wie ich jetzt vollkommen verschwitzt in die Klasse gehen, und neben Charles Platz nehmen soll, als wäre nichts gewesen!
Ich möchte heulen, aber heulen ist was für kleine Kinder, also recke ich das Kinn und marschiere wie ein Bundeswehrsoldat ins Hauptgebäude.
Die Gänge sind wie ausgestorben, hinter manchen Klassenzimmertüren ist die Hölle los, so auch hinter meinem.
Bevor ich reingehe, bleibe ich kurz vor der Tür stehen und lausche, weil alle durcheinandergrölen.
Also gut.
Drei.
Zwei.
Eins.
Ich mache die Tür auf und schlüpfe ins Klassenzimmer.
Es scheint gar nicht aufzufallen, dass ich mitten in der Stunde einfach so reinkomme, denn die hitzige Diskussion geht weiter. Ich winke den Jungs aus der letzten Reihe zu, die mich breit angrinsen und ich grinse zurück.
Charles sitzt gelangweilt auf seinem Stuhl und beobachtet mich aus den Augenwinkeln.
„Morgen“, sage ich in gewohnter Weise und setze mich neben ihn.
„Morgen“, erwidert er.  
„Julia.“ Frau Engelhardt steht vor mir. Vor ihr bleibt nichts geheim.
„Hm?“ Möglichst lässig blicke ich auf und krame blind meinen Kugelschreiber aus der Tasche hervor.
„Wo kommst du her?“
„Mein Fahrrad hat einen Platten“, sage ich wahrheitsgetreu.
„Aha. Und deswegen kommst du zwanzig Minuten zu spät?“
Ich sehe erschrocken auf die Uhr über der Tafel. Es stimmt, es ist zwanzig nach acht.
Junge, junge, ich hab WIRKLICH lange gebraucht.
„Ja“, sage ich kleinlaut.
Charles beobachtet mich und ich würde ihn gerne auf den Mond schießen. Könnte er nicht wenigstens ein bisschen Partei für mich ergreifen?!
Frau Engelhardt sieht mich abwartend an. Mein Selbstbewusstsein verschwindet.
„Hätte an der Kreuzung fast einen Unfall gebaut“, murmle ich.
„Aha“, sagt Frau Engelhardt erneut, „wie glaubwürdig.“
„Es ist so“, versuche ich zu erklären und stelle mit den Händen sie Szene mit dem Auto nach. Die Engelhardt zieht die Stirn kraus, schüttelt den Kopf und lässt mich dann in Ruhe.
„Tut mir Leid!“, rufe ich ihr hinterher und sie dreht sich um und lächelt mich versöhnlich an.
Ich atme erleichtert aus und bemerke, dass mich Charles anstarrt. Also drehe ich den Kopf und starre zurück.
„Na?“, frage ich und fahre mir mit der Hand über den Nacken. Er ist klatschnass.
„Na?“, fragt er zurück und guckt in der Klasse rum.
Auf jeden Fall ein super Gespräch.
Unmerklich schüttle ich den Kopf und kritzle einen Totenkopf auf die Tischfläche. Weiter oben ist noch das J+C in das braune Holz eingeritzt. Energisch kritzle ich es durch.
„Warum machst du es weg?“, fragt Charles.
Als ich ihn anschaue, sind seine Augen groß und irgendwie traurig.
Ich zucke mit den Achseln.
„Es hat nichts mehr zu bedeuten.“
Charles seufzte und zieht einen Fuß auf seinen Stuhl. Er hat graue Jeans an, und ein weißes, kurzärmliges Hemd.
Ich erinnere mich, dass er dasselbe anhatte, als wir uns gestritten haben.
„Ist bei dir Winter?“, frage ich bissig und deute auf seine Jeans.
„Ist kühl im Flugzeug“, sagt er, „und in Frankreich regnet‘s.“
„Wie schade.“
Auf einmal bin ich wieder genauso sauer wie vor zwei Wochen. So sauer, dass ich ihn kaum ansehen kann. Ich kneife die Lippen zusammen, um nichts zu sagen und gucke auf das durchgekritzelte J+C.
Es gibt kein Julia+Charles mehr. Nie, nie, nie wieder.
Die Jungs aus der letzten Reihe grölen; ich frage mich, warum Frau Engelhardt überhaupt hier ist, wenn sie ja doch nichts macht. Die Zeugnisse kriegen wir in der zweiten Stunde. Die beginnt in zehn Minuten.
„Julia, es tut mir leid“, sagt Charles in dem Moment.
Ich sehe ihn nicht an.
Wie kann er das sagen, es tut ihm leid? Er hat nicht das Recht, das zu sagen. Es hört sich falsch an. Er darf es nicht sagen. Es kann ihm nicht leidtun, sonst wäre es gar nicht erst passiert.
„Ist mir egal“, sage ich, „es ist nichts mehr zwischen uns.“
„Aber, es tut mir wirklich leid!“, wiederholt Charles und setzt sich wieder anständig hin.
„Es ist mir egal!“, sage ich wütend, „hör jetzt auf damit!“
„Ich will dir doch nur sagen, dass – “
„Boah!“, mache ich wütend, stehe auf und setze mich zwei Reihen weiter hinter neben Lucy.
Immerhin hab ich mich mit ihr wieder vertragen. Sonne fällt auf ihre Haare und lässt sie fuchsrot schimmern. Lucy hat die schönsten roten Haare, die ich kenne.
Jetzt lächelt sie mich an und ich sehe die kleine Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen.
„Na du?“, sagt sie und wuschelt mir freundschaftlich durch die nass geschwitzten Haare.
Ich lache und drehe den Kopf weg.
„Stresst dich der alte Franzacke wieder?“, fragt Lucy. Ich weiß nicht wie, aber sie hat es binnen Sekunden geschafft, mich glücklich zu machen. Wie immer.
Ich muss grinsen.
„Jep“, sage ich, „ist halt ein Franzacke.“
Wir lachen und hören erst auf, als der Schulgong ertönt.
„Och nee, Zeugnisse“, stöhnt Lucy und lässt theatralisch ihren Kopf auf die Tischplatte sinken.
„Du hast doch eh bestanden“, scherze ich und klopfe ihr auf den Rücken.
„Ja, schon, aber trotzdem.“ Lucy lacht und richtet sich auf. „Immerhin haut Charles heute ab.“
„Hey, ja!“ Ich versuche euphorisch zu klingen, aber ich versage kläglich.
„Jetzt nimm das nicht so schwer“, meint Lucy mütterlich und boxt mir in die Seite, „nach der Schule gehen wir richtig lecker Eis essen. Was meinst du?“
„Hört sich gut an!“, rufe ich und kichere mit Lucy vor mich hin.

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Bitte hinterlasst mir doch ein kleines Review. Ich schwöre, dass ich jedes Mal fast umkippe vor Freude, wenn ich Rückmeldungen kriege! :)
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