Aufbruch

von imaginary
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12
03.03.2013
03.03.2013
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TITEL Aufbruch
FANDOM Elfenmagie | Elfenkrieg von Sabrina Qunaj. Unbedingt zu empfehlen, wunderbare Bücher!
AN in einem Word War mit der wunderbaren Jojo entstanden und dank der wunderbaren Jules gepostet. Meine erste Fanfiction nach über einem Jahr, hinzu kommt eine Uhrzeit von viertel eins in der Nacht, jah. Hab heute Elfenkrieg fertig gelesen und Himmel, das Buch ist pures Gold. Die Autorin ist ein absolutes Genie (und ihr gehören natürlich auch die ganzen Charaktere usw., ebenso wie der Satz unter dem Titel)! Es spielt nach dem Ende des zweiten Bandes.





AUFBRUCH
Sie war keine Königin mehr, keine Drachenelfe. Sie war nichts.



Der Weg nachhause war lang. Auch wenn sie sich beeilen hätte können und die Zeit so sicherlich um einiges verkürzt hätte, tat Aurün das nicht; sie wollte die letzten Momente der stillen Taubheit genießen, bevor die Härte der Realität zweifelsfrei auf sie einschlagen würde.

Der Wunsch, nie anzukommen, umhüllte sie schweigend, schirmte sie ein wenig von der Erinnerung ab, die sie zu überkommen drohte. Lange würde ihm das allerdings nicht mehr gelingen, das wusste sie. Vielleicht war es auch besser so, schließlich würde es ohnehin früher oder später passieren.Und obwohl sie es aufgrund dieses Bewusstseins versuchte, so war es Aurün doch gewissermaßen unmöglich, die damit verbundenen Gefühle zu ertragen.

Verrat schoss es ihr durch den Kopf, war das einzige, was sie denken konnte, während ihre Hände sich verkrampften und die Fingernägel sich schmerzhaft in die Handflächen bohrten. Verrat, am liebsten hätte sie es geschrien, hinaus in die Welt, aber sie konnte sich beherrschen, so wie immer, es war alles so wie immer.

Selbst jetzt kamen die Geschehnisse ihr unwirklich vor, so absurd waren sie. Hätte ihr gestern jemand davon erzählt, hätte sie vermutlich lachend den Kopf geschüttelt, nein, das würden sie nicht tun, vollkommener Schwachsinn – oder?

Langsam zweifelte Aurün sogar daran.

Der Druck, der auf ihrer Brust lag und ihr den Atem zu rauben schien, war lästig, inzwischen allgegenwärtig, verstärkte sich beim Gedanken an die vergangenen Tage und ihr war, als würde ihr Herz jeden Moment zerspringen. Sie wusste nicht, wie lange sie damit leben werden müsse, aber offensichtlich war es etwas für die Ewigkeit. Ebenso wie die anderen Dinge, und von denen war dieses wohl das geringste Problem.

Verrat. Das Wort war zischend und beißend und stechend, ließ sie nicht los, hielt sie umklammert, verdammt, konnte sie es nicht einfach zerreißen?! Es fühlte sich an, als stäche es mit tausend Dolchen auf sie ein, während Schwerter ihre Haut zerteilten und Pfeile sich durch ihre Organe bohrten, gleichzeitig zerfraß das Gift sie von innen heraus, vernichtete sie, jedoch nicht schnell genug. Nichts würde schnell genug sein.

Und obwohl es in ihrem Inneren brodelte, saß Aurün aufrecht und anmutig auf dem Pferd, das Gesicht ausdruckslos. Niemand würde hinter die Fassade blicken, sie würde es nicht zulassen. Nie wieder. Sie hatte ihren Fehler erkannt, dafür gebüßt und daraus gelernt, so einfach war das.

Die Silberritter ritten schweigend neben ihr her und einen Moment lang kam Aurün die Idee, zu beschleunigen und verschwinden, eine lächerliche Vorstellung, angesichts dessen, was sie sich eben noch eingestanden hatte, aber dennoch gewissermaßen verlockend.

Die Königin war es gewesen, die auf die Eskorte bestanden hatte, nicht Aurün. Sie fragte sich, wieso, immerhin gab es nichts mehr, vor dem sie beschützt werden könnte, fast hätte sie gelacht, jetzt, da es ohnehin viel zu spät ist. Dennoch glaubte sie, dass mehr als nur reine Höflichkeit dahinter steckte, dass sie mehr zum Schutz der Königin beziehungsweise Eamon selbst dienten, zum Schutz vor ihr, Aurün.

Um ehrlich zu sein, war der Gedanke gar nicht so abwegig.

Nach allem, was passiert ist. Sie verspürte einen bitteren Geschmack, der sich nur allzu gut mit dem erschwerenden Druck ergänzte, hinzu kam das erneute Bedürfnis, laut zu schreien, ihrer Wut einfach Luft zu machen.

Sie hatten sie alle verraten.

Noch immer konnte sie nicht glauben, wie dumm, wie naiv sie gewesen war. Trotz allem hatte Aurün ihnen vertraut, die ganze Zeit, selbst als sie ihre Entscheidungen angezweifelt hatte, hatte sie dennoch gewusst, dass sie im Grunde richtig waren, dass alles gut werden würde, dass sie zu so etwas nie fähig sein würden …

Sie hatte noch nie zuvor so falsch gelegen.

Vielleicht hatte sie einfach zu sehr festgehalten, an dem, was gewesen war, vor vierundachtzig Jahren, vierundachtzig Jahre waren nichts für einen Elfen, wie kam es dann, dass sie es vergessen hatten? Sie war blind gewesen, blind vor Liebe, ebenso wie ein dummes Menschenmädchen, das vor lauter Schwärmereien die Welt übersah. Genau so.

Aurün wusste, sie hätte es ahnen müssen. Und dennoch war das, was passiert war, einfach unfassbar.

Sie hatte Eamon vertraut, ihn geliebt, die ganze Zeit über, und er … er hatte ihr Volk vernichtet.

Für was? Für das Glück eines einzelnen Elfen.

Er hatte ihr Volk vernichtet, damit dieser Elfe sterben und seine Seele zu der seiner Gefährtin auffahren konnte, der Weiße Ritter ist endlich bei seiner Vanora und stellt jeden anderen Stern in den Schatten.

Dass dadurch gleichzeitig Ardemir und die anderen Silberritter ihre elfischen Gestalten zurückerlangten mochte von Königin Liadan als berechtigter Grund dafür angegeben werden, aber Aurün wusste genauso gut wie sie, dass es nur ein angenehmer Nebeneffekt war, denn nach alldem ging es immer nur um eines, nach all der Zeit drehte sich immer noch alles, jede Handlung, jeder Plan, jeder Elf um sie; Vanora. So war es schon gewesen, noch bevor sie als Halbelfe durch das Weltentor gegangen war, ja, es hatte in dem Augenblick begonnen, als Eamon sie zum ersten Mal gesehen hatte. Vermutlich sogar noch früher, und wahrscheinlich auch noch in Zukunft. Es spielte keine Rolle, wie lange sie schon tot war, sie würden einen Grund finden.

Und trotz dieser Überzeugung gab sie nicht Vanora die Schuld an dem, was passiert war, auch nicht Nevliin, schließlich war es nur zu erwarten gewesen, wie der Weiße Ritter handeln würde und um ehrlich zu sein konnte Aurün ihm keinen Vorwurf machen, ebenso wenig wie Königin Liadan, der der Handlungsablauf zweifelsfrei zugesagt hatte, nein, nicht einmal ihr; der einzige, den sie dafür verantwortlich machte, war Eamon, einzig und allein Eamon.

Eamon, der vor über vierundachtzig Jahren zu ihr gekommen war und um Hilfe im Krieg gegen Alkariel gebeten hatte. Eamon, dem sie nach einer Ewigkeit endlich wieder gegenübergetreten war, Eamon, von dem sie geglaubt hatte, er würde ihre Gefühle nach all der Zeit erwidern. Eamon, der das Schwert in die Hand des sterbenden Nevliins gelegt, diese umschlossen und so das Drachenherz und damit ihr Volk vernichtet hatte. Eamon, den sie so geliebt und vertraut hat wie keinem anderen, dem sie einst den Schlüssel gegeben hatte. Eamon, der sie so enttäuscht und verletzt hatte wie kein anderer.

Es war immer nur Eamon gewesen.
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