Impressions of Four Seasons

von - Leela -
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Eddie Futura Jake
02.03.2013
07.01.2014
5
13969
 
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Diese Geschichte gehört zu dem Projekt »Four Seasons, Four Pairings«.



Frühlingsspaziergang

Jack & Arlene: Neubeginn


Jack sah aus dem Fenster in den Garten, und obwohl das Fenster geschlossen war, konnte er förmlich den Duft der Frühlingsblumen wahrnehmen. Sein Blick schweifte in die Ferne, während er eine gewisse Rastlosigkeit im Inneren spürte: Es war so ein schöner Tag, den durfte man nicht verstreichen lassen, ohne draußen gewesen zu sein, um die wunderbare Atmosphäre zu genießen, die der Beginn des neuen Jahres mit sich brachte.
      Er wandte sich vom Fenster ab und sah sich, aufgeregt von diesem Gedanken, um. Er fand Arlene im Obergeschoß beim Wäsche zusammenlegen. Sie hatte ihn noch gar nicht bemerkt, während sie Hemden auf dem Bett faltete. Einen kurzen Augenblick hielt er inne und nahm seinen rasenden Puls wahr. Wie lange hatte er das schon nicht mehr gespürt…? Mira, seine erste Frau, war nun mittlerweile gute zwanzig Jahre tot. Und seither hatte es keine Frau mehr geschafft, solche Gefühle in ihm auszulösen; keine – außer Arlene!
      Er blieb hinter ihr stehen und legte sanft die Hände auf ihre Seiten. Sie zuckte unwillkürlich zusammen, da sie ihn nicht bemerkt hatte. Zumindest hoffte er, daß es nur daran lag. „Was hältst du davon, wenn du die Arbeit für eine Weile liegen läßt, und statt dessen mit mir zusammen den herrlichen Tag genießt?“
      Ein Schauer lief durch ihren Körper. Das konnte er sehen! „Meinst du wirklich?“ fragte sie, etwas verunsichert.
      Er mußte lachen. „Ja, natürlich!“
      „Aber die Arbeit macht sich nicht von allein“, wandte sie ein.
      „Na und? Das machen wir nachher zusammen!“ erwiderte er leichthin. Er schob sich vor sie, so daß er ihren Blick einfing und ergänzte sanft: „Ich möchte mit dir den ganzen Tag draußen in der Natur verbringen, spazieren gehen, vielleicht irgendwo zum Kaffee einkehren, und auf einer hübschen Parkbank mit dir in meinen Armen einfach alles um mich herum vergessen! Bitte sag’ jetzt nicht, daß du keine Lust dazu hast…“ Den letzten Satz hatte er bewußt angefügt, konnte es aber nicht verhindern, daß ihm leicht die Stimme dabei abrutschte.
      Sie überlegte nur kurz. „Gib’ mir zwei Minuten! Dann bin ich bei dir!“ Und damit lief sie euphorisch aus dem Zimmer, um sich ein wenig frisch zu machen. Entweder das, oder um sich einen Moment zu sammeln…
      Jack seufzte. Da war sie wieder gewesen, diese Unsicherheit, die sie noch immer nicht ganz ablegen konnte, als könne sie kaum glauben, daß ihr tatsächlich so etwas schönes widerfuhr. Was hatte Nicolas nur alles kaputtgemacht, in der Zeit, in der er mit ihr verheiratet gewesen war?
      Er wußte, er mußte viel Geduld mit ihr haben. Und irgendwann würde sie auch registrieren, daß nicht alle so waren wie Nicolas – im Gegenteil, daß er die Ausnahme war. Sie würde ihn nicht mehr mit Nicolas vergleichen. Irgendwann würde sie begreifen, daß es nicht an ihr lag, und daß die Erfahrungen, die sie vor ihm gemacht hatte, sich nicht wiederholen würden. Sie würde feststellen, daß sie sich bei ihm so geben konnte, wie sie fühlte, und dabei nie abgewiesen wurde. Sie würde verinnerlichen, daß er sie von Herzen liebte, und alles für sie tun würde. Und sie würde endlich einsehen, wie unermeßlich viel wert sie war – insbesondere für ihn.
      Er wußte, bis dahin war noch ein gutes Stück Weg vor ihnen. Aber vielleicht, mit dem heutigen Tage… Vielleicht schaffte er es, an diesem schönen Tag, endgültig ihr Vertrauen zu gewinnen…

Nur eine Handvoll Minuten später kam sie wieder zu ihm. Sie hatte sich komplett umgezogen, und das legere »Hausfrauenoutfit« gegen ein hübsches Frühlingskleid getauscht. Die zuvor noch provisorisch zusammengebundenen Haare lagen jetzt in einem ordentlichen Pferdeschwanz, und wenn man sie so ansah, strahlte sie eine Jugend aus, die ihr wirkliches Alter verhöhnte. Selbst das war früher, zu Nicolas’ Zeiten, anders geewsen.
      Er konnte gar nicht anders, als sie verliebt anzulächeln, ging zu ihr herüber und umfaßte sie sanft. „Du siehst umwerfend aus!“
      „Danke“, erwiderte sie verlegen.
      Er schmunzelte neckisch. „Komm’, ich möchte ein bißchen mit dir angeben!“
      Damit brachte er sie zumindest zum lachen, auch wenn er sie erneut in Verlegenheit brachte.
      Als sie die Treppe hinunterliefen und aus dem Haus traten war es, als hätte man die Zeit zurückgedreht – als würde man wieder all die Gefühle in sich spüren, die man als Jugendlicher durchlebt hatte. Und Jack bezweifelte nicht, daß die Atmosphäre der Jahreszeit mit daran Schuld war. Als sie in’s Freie kamen und die klare Frühlingsluft tief einatmeten, wirkte es fast wie eine Droge.
      Jack gab seinem inneren Impuls nach und nahm Arlene fest in die Arme. Er genoß es, als sie die Geste erwiderte. Er wußte, daß sie es sich gewünscht hatte, er spürte, die Sehnsucht und die Dankbarkeit, als sie sich jetzt an ihn schmiegte. Jetzt mußte er sie nur noch so weit kriegen, daß sie nicht nur auf ihn reagierte, sondern sich traute, selbst die Initiative zu ergreifen, wenn ihr der Sinn danach stand.
      Aus der Umarmung gingen sie fließend in einen eng umschlungenen Spaziergang über. Eine Weile sagte keiner ein Wort, sie ließen nur die Natur auf sich wirken; den Duft der Blumen, das Zwitschern der Vögel, das leise Geräusch eines sprudelnden Baches in den Wiesen…
      Doch ein Gedanke beschäftigte Jack die ganze Zeit. „Du bist noch immer so unsicher, nicht wahr?“ fragte er sanft. Er hatte nicht vermeiden können, daß ein Hauch Trauer durch seine Worte mitschwang.
      „Es tut mir leid“, hauchte sie. Sie atmete durch. „Ich wünschte, ich könnte meine Vergangenheit einfach ablegen. Vor allem, weil ich eigentlich weiß, daß ich dir Unrecht tue, aber…“
      „Shht…“ unterbracht er sie. „Keine Entschuldigungen, Liebes! Ich weiß, daß man alte Gewohnheiten und langjährige Erfahrungen nicht einfach so ablegen kann. Ich frage mich nur, wie ich dir helfen kann. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich merke, wie du gegen deine eigenen Gefühle angehst, vor allem, weil du es nicht muß! Nicht mehr, zumindest!“
      Sie lächelte, ein wenig bitter. „Ich muß nur immer noch verinnerlichen, daß das alles wirklich wahr ist, und nicht nur ein schöner Traum!“ Sie atmete durch, dann erzählte sie: „Nicolas wäre nie auf die Idee gekommen, einen Frühlingsspaziergang zu machen. Ich wäre darauf gekommen. Er hat sich auch sogar darauf eingelassen, wenn ich einen solchen Vorschlag gemacht habe! Aber wenn es so war, fühlte es sich an, als müsse er eine Pflichtübung absolvieren, und er war froh, wenn es dann endlich vorbei war, und er an seine Arbeit zurückkehren konnte. So, wie es mit allen Sachen war, wenn es um mich ging. Irgendwann habe ich es einfach nicht mehr angeregt. Ich wußte, es hat keinen Sinn, und es ging mir besser, wenn ich es gelassen habe. Und irgendwann fing ich an zu glauben, daß das normal ist. Zumindest für mich.“
      „Dann hoffe ich, du hast dich bereits eines besseren belehren lassen!“ bemerkte Jack ernst und unterstrich seine Worte mit einer liebevollen Geste, als er sanft über ihre Seite streichelte.
      Sie lächelte leicht. „Glaub’ mir, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Du gibst mir so unglaublich viel. In den Momenten, in denen ich früher an etwas schönes dachte, bekam ich nie eine Reaktion zurück. Und jetzt bist du da, und ich komme gar nicht mehr dazu, darüber nachzudenken, bis du schon einen schönen Vorschlag machst, und wenn wir dann zusammen sind, dann stimmt einfach alles. Ich spüre all deine Liebe, und ich spüre die Sehnsucht nach dir - ein Gefühl übrigens, das ich schon hatte, als ich noch mit Nicolas zusammen war - und zum ersten Mal habe ich das Gefühl, es ist alles so, wie es gehört. Ich… habe nur so viel Selbstvertrauen in den Jahren mit Nicolas eingebüßt. Ich habe noch immer Angst, daß ich dir zu aufdringlich werden könnte, oder daß es gerade unpassend sein könnte…“
      Er stellte sich ihr sanft in den Weg und sah ihr in die Augen. „Und das ist der größte Blödsinn, Arlene! Du kannst gar nicht aufdringlich oder unpassend sein! Die Sehnsucht, von der du gerade sprachst, die habe ich auch. Du ahnst nicht, wie sehr. Und nichts, was ich gerade tue, könnte mehr Priorität haben als du. – Ich weiß, es ist nicht einfach für dich, aus alten Mustern auszubrechen. Ich wünschte nur, du würdest mich nicht mehr mit Nicolas vergleichen. Mir tut es genauso weh. Ich merke immer wieder, wie sehr du gelitten haben mußt, und keiner hat es wirklich gemerkt. Das macht mich traurig und wütend, vor allem, weil ich mir jetzt erkämpfen muß, was mir wirklich wichtig ist: Das du glücklich bist!“
      „Darum mußt du nicht kämpfen, Jack, auch wenn es nicht immer so aussieht“, erwiderte sie. Ihre Stimme begann leicht zu zittern, und für den Bruchteil einer Sekunde mußte sie Tränen niederkämpfen. „Ich bin glücklich! Ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich gewesen, wie mit dir.“
      Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah sie tiefgehend an, während seine Geste fließend in ein Streicheln über ihre Wange überging. „Dann lebe dieses Glück. Was würdest du tun, wenn du so handeln würdest, wie du dich fühlst?“ Er spürte ihr leichtes Zittern, doch obwohl sie ihm die Antwort schuldig blieb, hatte er sie deutlich erhalten. „Nicht nur davon träumen, Arlene, handele nach deinen Gefühlen! Du ahnst nicht, wie glücklich du mich damit machen würdest, nicht nur, weil es dir guttut, deine Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern auch, weil ich mich danach sehne. Ich liebe dich, Arlene. Und ich brauche dich!“
      Sie sah ihm in die Augen und merkte, wie ihr Atem schwerer ging, und anstatt einer Antwort nahm sie ihn in die Arme und drückte ihn fest an sich.
      Daß sie nicht klüger in diesem Moment hätte handeln können, merkte sie an der Art, wie er sich sehnsuchtsvoll an sie schmiegte. „Das solltest du viel öfter tun; einfach deinen Impulsen nachgeben!“ sagte er leise, glücklich.
      „Ich werde es versuchen. Aber gib’ mir bitte noch etwas Zeit“, bat sie.
      „Die bekommst du, mein Schatz. Aber bitte warte nicht zu lange. Sonst bin ich bald in der Situation, aus der du eigentlich mittlerweile raus bist!“ Er spürte, wie sie in seinen Armen zusammenzuckte, als er das sagte. Er wußte selbst nicht, woher der Gedanke gekommen war, wie er so schnell den Weg über seine Lippen gefunden hatte, aber plötzlich hatte er das Gefühl, als wäre er ein Schlüssel gewesen.
      Eine ganze Weile standen sie in der Umarmung, ohne daß einer Anstalten machte, sie zu lösen. Sie brauchten es auch nicht – sie hatten Zeit.
      Arlene klammerte sich an ihn und ließ ihren Tränen freien Lauf.
      Jack hatte damit gerechnet. Er wußte, sie weinte nicht aus Trauer, sondern Glück, und er wußte, wie wichtig es war. Es war, als würde es ihre Seele reinigen. Und er hielt sie fest, war für sie da, bis sie wieder ruhiger wurde, und würde es auch für den Rest ihres Lebens sein, bis zum letzten Tag.
      Er spürte schon jetzt, wie ihm eine Last von der Seele gefallen war, und war erleichtert, sich doch dafür entschieden zu haben, seine Sorgen anzusprechen. Es war ein Trugschluß gewesen, daß der romantische Spaziergang für dieses Thema unpassend sein könnte. Im Gegenteil, es hätte keinen besseren Moment dafür geben können.
      Langsam gingen sie weiter, und Jack konnte sich nicht helfen, die Atmosphäre hatte sich ein wenig geändert. Es war, als wäre eine unsichtbare Mauer gefallen. Auf ihrem Weg schmiegte sie sich an ihn, und das erste Mal hatte er das Gefühl, sie war nicht so unsicher dabei, so wie es in solchen Situationen sonst der Fall gewesen war; und er quittierte es, indem er die Geste erwiderte, und ihr - wahrscheinlich das erste Mal in ihrem Leben - signalisierte, daß sie auf ihre Initiative hin etwas wiederbekam.
      Arlene atmete durch. Sie wußte nicht, ob es klug war, den Gedanken auszusprechen, den sie gerade gehabt hatte, doch sie mußte es einfach tun. „Deine Frau muß damals sehr glücklich gewesen sein!“
      „Ich denke schon“, lächelte er. Dann fuhr er in Gedanken verloren fort: „Mira und ich haben früher oft solche Spaziergänge gemacht – zuerst allein, dann mit Jake… Als sie starb, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ohne Jake weiß ich nicht, ob ich es überhaupt geschafft hätte, das alles zu überwinden. In meinem Leben war er bislang der einzige, der mir den Halt gegeben hat, immer weiterzumachen, obwohl ich manchmal alles nur in grau gesehen habe. – Du bist die einzige, die es geschafft hat, mich so tief zu berühren, wie Mira es früher getan hat. Du hast meinem Leben wieder einen Sinn gegeben. Jetzt weiß ich wieder, wofür es sich zu leben lohnt. Und ich möchte dir einfach alles geben, so wie ihr früher.“
      Arlene sah gedankenvoll vor sich auf den Weg. „Es ist für uns beide ein Neuanfang. Ein symbolischer Frühling.“ Sie atmete durch. „Vielleicht ist es jetzt sogar die beste Zeit, um mit vergangenem abzuschließen, und das neue einfach auf sich zukommen zu lassen.“
      Jack lächelte. „Dann habe ich ja noch Hoffnung!“ meinte er neckisch.
      Auf dem Weg, der am See vorbeiführte, blieben sie stehen, und ohne jede Absprache versanken sie in einem seelentiefen Kuß. Ein Stück weiter machten sie bei einer Parkbank Halt und setzten sich.
      Arlene zog ihre Schuhe aus und die Beine auf die Bank, während sie sich in Jacks Arme kuschelte, und gemeinsam beobachteten sie das Schwanenpärchen, das gerade vorüberzog.
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