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Die Tochter der Königin

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
01.03.2013
25.06.2013
3
4.563
 
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01.03.2013 1.701
 
Langsam ließ sie sich auf den Boden sinken und legte erschöpft den Kopf in den Nacken. ‚Nicht gut‘ Dachte sie sich. ‚Ich muss wirklich mehr trainieren, darf mich nicht mehr so aus der Fassung bringen lassen‘ Ein leises Schluchzen holte sie aus ihren Gedanken. Sie blickte über ihre Schulter zurück zu der Stelle wo die andere Asari neben dem Kroganer hockte, und musste seufzen. Bedächtig darauf ihre Freundin nicht zu erschrecken, stand sie auf und ging müden Schrittes zurück zum Brunnen, hockte sich hin und wartete darauf ihre Aufmerksamkeit zu haben, bekam diese aber nicht. Sie wollte ihre Hand auf die Schulter der Anderen legen, traute sich aber nicht und lies sie auf halbem Weg wieder sinken. Sie setzte sich hin und wartete einfach nur ab. Leute wie die junge Frau vor ihr waren einfach nicht für solche Situationen geschaffen. Langsam zog sie sich die Handschuhe aus und schob den kurzen Ärmel des Kleides hoch um die Wunde genauer zu inspizieren, die sie bei dem Streifschuss davongetragen hatte. Es war keine schlimme verletzung und mit ein bisschen Medigel würde sie schnell heilen, trotzdem wurde ihr flau im Magen bei dem Gedanken daran, dass sie selbst an allem Schuld war. Sie musste schwer schlucken.

„Neema?“ Fragte die noch immer schluchzende Asari. Ihre Antwort war nur ein gedämpftes  „Ja?“ „Bitte bleib bei uns! Es ist nicht deine Schuld…Keiner wird dir böse sein.“  Bei den Worten wurde ihr Weinen leiser und sie blickte ihre Retterin von unten an. ‚Kann sie Gedanken lesen?!‘  Fragte sich Neema. Sie musste wegsehen. ‚Natürlich ist es meine Schuld, daran ist nichts zu rütteln, wessen soll es auch sonst sein? Ich hätte vorsichtiger sein sollen‘ Fluchte sie in Gedanken, bis sie eine sanfte, leicht stechende Berührung an ihrer verletzten Wange spürte. „Das sollte sich jemand ansehen.“ Ihre Stimme war so freundlich, ohne eine Spur von Vorwurf oder Wut, ein klein wenig Trauer aber sonst nur Fürsorge. ‚Wie kannst du in diesem Moment an mich denken?‘ Manchmal verstand sie wirklich nicht, was das immer sollte. Sie zeigte aber keine Reaktion nach außen. „Neema?“ Ihre andere Handfläche legte sich auf Neemas unversehrte Wange. „Wir sollten gehen. Oder?“ Ein leichtes Nicken. Sie erhob sich in einer fließenden Bewegung und rechte der Asari, in ihrem komplett verdreckten Kleid ihre Hand um ihr aufzuhelfen. Ein wenig Blut lief noch ihren Arm herunter und tropfte von ihren Fingerspitzen lautlos auf den Boden, was Neema wieder schwer schlucken lies.

Sie wollten gerade losgehen, als Neemas neuer bester Freund ein paar unzusammenhängende Laute von sich gab. Sie lachte leise bei dem Anblick den er ihnen bot, sabbernd und blutend unterbrochen von unkontrolliertem Wimmern. ‚Dich hätte ich beinahe vergessen Bastard‘ Schmunzelte sie in sich hinein. Als der durchaus demolierte Söldner zusammengeschnürt und reisebereit war, setzten sie sich in Bewegung und schiffen ihn, bewusstlos wie er war, durch den Matsch hinter sich her. ‚Wir werden noch eine Menge Spaß haben‘ Das gedämpfte Lachen lies die andere Asari aufblicken und schmunzeln.

„Geht es dir wieder besser?“ Sie bekam nur ein Kopfschütteln als Antwort. Ein paar Momente später aber zusätzlich eine leichte Berührung am Rücken, irgendwie war ihr danach.
Auf ihrem Weg zurück zur Siedlung kamen sie ab und zu an toten Söldnern vorbei und Neema freute sich fast schon, als sie ihre Pheaston wiederfand. Sie schmiss das Mattock in den Schlamm, welcher vom Regen des vergangenen Abends noch feucht war und hackte die Waffe an ihrer Hüfte ein. Langsam graute der Morgen und es waren zum Glück keine toten Kolonisten in Sicht. Als sie den Park verlassen hatten, war die Sonne bereits aufgegangen und sie sahen bei den Gebäuden die Verwüstungen vom Kampf der Nacht. Verwundete Kolonisten wurden behandelt und Schutt von einer Explosion wurde weggekarrt. Neema schüttelte den Kopf über ihre Unaufmerksamkeit und schalt sich für ihre verlorengegangene Paranoia. ‚Wie konnte ich das übersehen haben, all diese Anzeichen für einen Verrat und ich habs nicht bemerkt‘ Sie war so wütend auf sich, dass sie die Frau erst bemerkte als sie ihren Namen rief. ‚Oh nein‘

„NEEMA! WIE KANNST DU ES WAGEN DICH HIER BLICKEN ZU LASSEN?“ Die schon ältere Asari, welche dort angelaufen kam war die Verwalterin des örtlichen Krankenhauses, aber gleichzeitig auch die Mutter der Asari neben ihr. Sena wandte sich ihrer Tochter zu. „Ist dir etwas passiert? Haben sie dir etwas angetan?“ Sie schien beinahe in Ohnmacht zu fallen, als sie die Schulter ihrer Tochter sah. „Bleib ganz ruhig Mutter, alles ist in Ordnung. Neema hat mir ja geholfen. Um sie solltest du dir Sorgen machen, sieh dir ihr Gesicht…“ Das schien der aufgewühlten Mutter den Rest zu geben.  „GROßARTIG! Neema war da! Dieser kleine Teufel hat doch an allem Schuld! Ohne sie wäre das alles NIE passiert!“ Ihre Stimme überschlug sich. „Hör auf Mutter“ Murmelte die junge Asari kraftlos. „Nein ich höre garantiert nicht auf! Das alles hat angefangen, als diese Reinblutschlampe mit ihren Lakaien in unsere Kolonie kam!“ „MUTTER!“ „Ist doch wahr!“

Resigniert ging Neema an der empörten Frau vorbei, sie keines Blickes würdigend und zog den Söldner hinter sich her. „Neema warte!“ Die junge Asari wollte ihr hinterher, doch ihre Mutter hielt sie fest. „Untersteh dich!“ Sie riss sich los, lief der traurigen Kämpferin hinterher und folgte ihr bis zum Labor. Dort wurde der Söldner abgelegt und beide betraten den Raum.

Da die Lüftung noch funktionierte, war es kühler als Draußen. Die Sonne erhitzte den Planeten schon morgens auf über zwanzig Grad, unteranderem aus dem Grund so schnell, weil die Temperatur über Nacht kaum sank. Das Klima war konstant, es regnete nicht zu viel und nicht zu wenig, eben perfekt für eine erfolgreiche Asari –Kolonie. Überall lagen Scherben, Blut aller Art klebte an Teilen der Wände und tropfte auf den Fußboden, ein Großteil davon menschlich, wie sie zufrieden feststellte. Zufrieden daher, da es in dem Labor keine Menschen, außer den Söldnern gegeben hatte.

Langsam durchquerte sie den Raum, ohne darauf zu achten wer ihr folgte. Sie schaute sich bedächtig um und fand endlich was sie gesucht hatte. Das Datenpad, welches einer der Idioten fallen lassen hatte war unbeschädigt und die Informationen darauf würden ihrer Mutter noch ein paar Credits mehr entlocken. ‚Und der hat gesagt ich sei dumm?!‘ Sie übertrug die Daten auf ihr Omnitool  und ging in die hinteren Räume, wo sie am liebsten wieder Kehrt gemacht hätte als sie den Turianer sah. ‚Noch eine Diskussion übersteh ich nicht.‘ Dachte sie verzweifelt, doch jetzt wieder raus zu gehen würde sie nur wieder in die Arme von Sena treiben. Außerdem bemerkte sie die Anwesenheit der jungen Asari hinter sich und entschloss sich dazu ausnahmsweise mal nicht vor etwas wegzulaufen.

Der Turianer drehte sich um, legte den Kopf schief und betrachtete Neema von oben bis unten. Seine Augen weiteten sich kurz nur um kurz darauf per Omnitool nach einem Arzt zu schicken. Die beschämte Asari wich seinem Blick aus und er wusste, dass sie kurz davor war zu verschwinden, hätte nicht Druna hinter ihr gestanden. Gäbe es diese kleine Asari nicht, wäre Neema wahrscheinlich schon lange durchgedreht. Gerade mal einhundertzwei  aber die Kleine tat der Kämpferin wirklich gut, auch wenn diese das nicht wirklich registrierte. ‚Ach Neema‘ Dachte er sich und schüttelte den Kopf, woraufhin die Asari das Standbein wechselte und noch demonstrativer wegsah. Sie beobachtete ihn weiterhin aus dem Augenwinkel, das wusste er, da ihr normalerweise nie etwas entging. Der Turianer hatte sie noch nie so fertig gesehen, die Augen gerötet und noch immer diese verdreckte Rüstung tragend zitterte sie unmerklich. Die sanfte, hellblaue Farbe ihrer Haut war auf der ihm zugewandten Seite von großen Striemen überzogen, welche die Muster auf ihrer Wange unterbrachen und die Haut darum herum einen ungesunden Ton annehmen ließ. Sie kaute auf ihrer Unterlippe und verschränkte die Arme, als Druna sich an ihr vorbeischob und ihm etwas zuflüsterte. „Ihr geht es wirklich nicht gut, sie hat noch kein einziges Mal gesprochen seitdem das passiert ist. Ich mache mir langsam wirklich Sorgen um sie.“ ‚Diese kleine Asari denkt wirklich immer nur an die Anderen, genauso wie du Neema.‘  Dachte er sich und beobachtete wie  sie die beiden Flüsternden skeptisch aus den Augenwinkeln beobachtete.

„Was gedenkst du jetzt zu tun Boss?“ Fragte er die zitternde junge Frau und verschränkte die Arme so gut es in dieser Rüstung ging. „Wieso was SIE zu tun gedenkt? Wir warten jetzt erstmal darauf, dass der Arzt ihre Wunden untersucht und dann räumen wir hier auf!“ Unterbrach Druna. „Meinst du wirklich sie würde auf einen von uns hören?“ Der Turianer kannte Neema lange genug um zu wissen, dass sie garantiert nicht das tun würde, was die beiden zu sagen hatten. „Oder Neema?“ Sie ballte die die Hände zu Fäusten.

Druna war sehr nervös, verlagerte ständig ihr Gewicht und fummelte an ihrem Kleid herum, bis sie sich dazu entschloss zu ihrer Retterin zu gehen. Sie löste Neemas Arme aus der Verschränkung und fing an ihr die Panzerung abzunehmen. Erstaunt darüber, dass sie sich das gefallen ließ, legte sie die Handschuhe auf eine der nahestehenden Kisten. Sie ließ es einfach über sich ergehen, was normalerweise nicht ihre Art war. „Ich habe mich noch nicht einmal richtig für die Rettung bedankt.“ Eine kurze Pause. Ein Zögernder Blick zu der älteren Asari. „Also…danke Neema.“ Dieser Satz schien ihr den Rest zu geben und das erste Mal seit dem Angriff erhob sie ihre Stimme.

„BIST DU NOCH GANZ DICHT?“ Druna zuckte erschrocken zusammen. „ICH HAB DICH DOCH ERST IN DIESE LAGE GEBRACHT!“ Schrie sie und warf ihr Gewehr in die Ecke. Die junge Frau wusste nicht was sie machen sollte und trat ein paar Schritte zurück. „WÄRE ICH NICHT GEWESEN, SÄHE DIESE KOLONIE AUS WIE FRÜHER! KEINER WÄRE VERLETZT UND DU…“ Sie wandte sich an den ebenfalls erschrockenen Turianer. „…DU WÄRST NOCH FRIEDLICH AUF DIESER VERDAMMTEN STATION UND WÜRDEST DEINEM LEBEN NACHGEHEN!“ Als sie sich wieder an Druna wenden wollte stockte sie. Tränen standen der Asari in den Augen. Neema atmete tief durch, schluckte schwer, sah zu Boden und dann wieder in das Gesicht der jungen Frau. „Wäre ich niemals hier her gekommen ginge es dir gut…“ Waren ihre letzten kraftlosen Worte bevor sie aus dem Labor stürmte. Keiner sollte die Tränen sehen, welche kurz davor waren sie zu überwältigen. ‚Verdammt!‘
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