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Die Tochter der Königin

GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
01.03.2013
25.06.2013
3
4.563
 
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01.03.2013 1.396
 
Atemlos. Sie rannte durch die Nacht und sah nichts, nichts als das Gesicht dieses Bastards der sie so verärgert hatte. Schreie schienen von allen Seiten zu kommen, sie stolperte über scheinbar jeden Stein, jede noch so kleine Wurzel und fühlte die Wut in sich aufsteigen. ‚Jetzt nicht die Kontrolle verlieren.‘ Dachte sie sich, doch es gelang nicht. In ihrem Zorn übersah sie einen tiefer hängenden Ast, welcher sie zu Fall brachte und ein brennendes Mal auf ihrer Wange hinterließ. Mit dem Rücken im Matsch liegend, konnte sie nichts tun als keuchend in den Himmel zu starren und darauf zu warten, dass der Schwindel nachließ, aber es war nichts zu machen.
Die Schreie waren unerträglich in ihrem Kopf verankert, überall und dann noch dieses Lachen, dieses eine Lachen welches sie so in Rage versetzt hatte mochte unter anderem ein Grund für den Schwindel sein. Die junge Asari setzte sich auf, langsam und bedacht darauf sich nicht zu schnell zu bewegen tastete sie nach ihrer Wange. Als sie die Hand wieder weg nahm fühlte sie das klebrige Nass und ließ ihren Kopf auf die angewinkelten Knie sinken. ‚Es ist vorbei. Es darf nicht vorbei sein! Warum sollte es? Nein!‘  Sie rappelte sich auf, es war ihr egal, dass ihr dabei schwarz vor Augen wurde, denn das einzige was sie jetzt wollte war dieses ekelhafte Lachen endlich zum Schweigen zu bringen. Ein für alle Mal!

Als sie in der Mitte des Parks ankam, stand er dort mit dem Rücken zu ihr. Stand einfach nur da. ‚Selbstgefälliges Arschloch.‘ Er schien ihren gehetzten Atem sogar zu genießen, das wusste sie. Er musste sie bemerkt haben, es ging nicht anders. Nicht, dass sie leise gewesen wäre und ihre Schritte musste man schon von weitem deutlich gehört haben, aber genau das wollte sie. Sie wollte, dass dieser Mann seinen Tod kommen hörte, auch wenn er es noch nicht ahnte. Ein selbstgefälliges Lachen erfüllte den Platz, breitete sich bis zum ersten Baumkreis aus, welcher in einem Umkreis von fünfzig Metern begann und für die, in die Nacht gehüllten Pfade Platz ließ. Der Brunnen neben dem der Verräter stand war riesig, bestimmt drei Meter hoch und man hörte das Wasser sanft plätschern. Das passt nicht zu ihrer Laune und es ärgerte sie, dass er es wagte dieses Kulturdenkmal auch nur anzusehen, geschweige denn zu berühren. ‚BASTARD!‘

Langsam drehte er sich um, offensichtlich viel zu sehr von sich überzeugt. Er war normalerweise nicht überheblich, passte aber ganz gut zu seinem Verrat, dachte sie sich. Doch dann wusste sie, warum er so fröhlich war, warum er wusste, nicht verlieren zu können. In ihrer Wut hatte die Asari einen weiteren Söldner übersehen, welcher dicht neben einer Bank am Brunnen stand. Sie kannte ihn nicht, war ihr aber auch egal, bis sie sah, was er da hinter sich herzog. ‚Nein!‘ Atemlos starrte sie von der jungen Frau, welche er umklammert hielt zu dem Verräter und wieder zurück. Sie durfte jetzt nicht aufgeben, das wusste sie, gerade jetzt nicht! Aber er hatte ein starkes Argument welches er bestimmt einzusetzen wusste. Sie nahm eine entspanntere Haltung ein, immer noch das Mattock fest im Griff, welches ihr beim Sturz vorhin beinahe abhandengekommen war. Nicht ihre Lieblingswaffe sondern nur ein, von einem toten Söldner genommener Ersatz für ihre geliebte Phaeston, welche für einen Kampf auf diesem Platz genauso wenig geeignet war. Sie sondierte die Lage gründlich, versuchte die letzten Funksprüche aus ihren Gedanken zu verbannen und konzentrierte sich allein auf den Verräter und sein Kanonenfutter, versuchte die wimmernde Asari zu verdrängen und sich atmen zu hören, als er seine nervige Stimme erhob. ‚Scheiß Mensch! Warum gibt es euch überhaupt?‘ Sein weitaus größerer Untergebener rückte ein wenig näher zu ihm und nahm die Frau mit sich.

„Ich hab das wirklich genossen weißt du?“ Rauchiges Lachen seinerseits. „ Du hast keine Ahnung wie genial die Gesichtsausdrücke deiner kleinen Freunde waren, als meine Söldner ins Labor marschiert kamen.“ Sein bescheuerter Kroganer stimmte in das Lachen ein. „Oder auch wie toll das Gesicht deiner süßen Partnerin hier war.“ Schmachtender Blick zur jungen Asari, das brachte das Fass beinahe zum Überlaufen. „Und ihr hattet absolut….keine…Ahnung.“ Dieses widerliche Lachen verschwand abrupt. Er nahm seinen Helm ab und drehte ihn in seinen Händen, betrachtete ihn sorgfältig. „Ich glaub ich werde euch sogar ein kleines Bisschen vermissen. Die Art, wie süß ihr euch um mich gekümmert und aufgenommen habt..“ Ein Räuspern vom Kroganer um dessen Lachen zu vertuschen. „…und dann dieses … Vertrauen.“ Das letzte Wort betonte er mit all der Abfälligkeit, welche er aufbringen konnte.
Hatte ihre Mutter doch recht gehabt? Konnte man niemandem in dieser verdammten Galaxie trauen? ‚Bei der Göttin, wie konnte ich so dumm sein, warum hab ich nicht auf sie gehört?!‘  >Vertraue NIEMALS jemandem, den du nicht mit irgendetwas in der Hand hast! < Hatte sie zumindest immer zu ihr gesagt als diese noch plante ihre Tochter in ihre Geschäfte mit einzubeziehen.

Sie konzentrierte sich nun wieder auf den Bastard, welcher sich dazu entschlossen hatte auf dem marmornen Rand des Brunnens Platz zu nehmen. Seinen Helm legte er neben sich hin und fing an seine Pistole gründlich zu inspizieren. Er gab seinem Kanonenfutter ein kleines Zeichen und dieser brachte die Asari näher zu seinem Boss, stellte sich hinter sie um ihre Arme hinter ihrem Rücken besser festhalten zu können. Den Blick dennoch unverwandt auf den Feind gerichtet und missbilligend beobachtend, dass dieser Feind ein bisschen näher trat. Da er aber kein Zeichen vom Bastard zu erhalten schien, blieb er einigermaßen ruhig. Wobei sie am überlegen war, warum er überhaupt Ansätze von Nervosität zeigte. Doch dann fiel ihr auf, wie furchterregend sie in diesem Moment aussehen musste. Sie konnte sich das gut vorstellen, eine angeschlagene, leichte Rüstung die im Licht der schwachen Laternen vom Blut und Matsch glänzen musste. Dazu noch der biotische Schimmer, welcher sich in einem hellen Blauton über sie zog und ihre Augen zornig zum Funkeln brachten. Bei der Vorstellung musste sie ein Schmunzeln unterdrücken. ‚Nicht in dieser Situation, beherrsch dich!‘  

Aber der Gedanke zog schnell vorüber, als der Verräter seine Pistole unter das Kinn der anderen Asari hielt und ihren gesenkten Kopf somit nach oben drückte. Ein gequälter Ton entfuhr den Lippen der Geisel und ein besorgter Blick schoss in Richtung ihrer einzigen Hoffnung. Doch der Söldner ließ sich Zeit und redete gemütlich weiter. „Was hast du denn eigentlich erwartet hm? Bei deiner Mutter müsste man dir eigentlich ein wenig mehr Intelligenz und Vorsicht zutrauen.“ Er schüttelte den Kopf. „Diese kleine Schlampe aber auch. Nein. Mal ganz ernsthaft…“ eine kurze Pause in der er den Feind von oben bis unten musterte. „…was zum Teufel hast du dir gedacht? Meinst du man würde niemals herausfinden wer du bist? Wo du dich aufhältst und keiner würde deine Schwäche herausfinden? Hast wohl gedacht du wärst zu clever, hm? Oder hast du angenommen, dass wenn man dich ausfindig macht, man dich tot bräuchte?“ Leichter Wind raschelte durch die Bäume und zum Ärgernis des Bastards zuckte der Kroganer kurz zusammen. Big Boss warf ihm einen verächtlichen Blick zu. Doch dann erschrak er selbst, als seine Geisel plötzlich zu sprechen anfing. „Natürlich wusste sie das alles! Natürlich hat sie gewusst, dass man sie finden könnte, dass …“  PENG. Ein Streifschuss an ihrer Schulter unterbrach sie. „HABE ICH DIR ERLAUBT ZU REDEN DU ASARI SCHLAMPE? HAB ICH MIT DIR GEREDET HM?“  Er war aufgesprungen, so erzürnt war er. Seine Nerven schienen das auch nicht mehr lange mitzumachen und das Wissen wen er hier zum Feind hatte, schien ihn zusätzlich zu belasten. Stille Tränen rannen über die Wangen der jungen Frau.

Das hatte ihr den Rest gegeben. Sie nutzte die Unaufmerksamkeit des Bastards und des Kanonenfutters aus, platzierte gekonnt eine Kugel im rechten Auge des Kroganers und schleuderte den menschlichen Söldner mit ihrer Biotik gegen die Hauptsäule des Brunnens. So stark, dass sie seine Rüstung brechen hören konnte. Der Kroganer brach sofort tot zusammen und die Asari fiel, eine Hand an ihrer Schulter auf die Knie. Sie marschierte auf den Brunnen zu, hob den Mann mit Biotik hoch und schleuderte ihn die fünfundzwanzig Meter zum nächsten großen Baum. Gefolgt von einem Kinnhaken stürmte sie auf den Bastard zu und gab ihm damit den Rest. Ihre Mutter würde eine gute Belohnung zahlen dafür ihn lebend in die Finger zu kriegen, auch wenn sie sich ziemlich zurückhalten musste. Ein genüssliches Grinsen zog sich nun über ihr Gesicht.
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