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No more - Aaron Cross  [The Bourne Legacy]

von Mara Jade
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
01.03.2013
17.03.2013
3
9.290
2
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
01.03.2013 3.207
 
Titel: Das Bourne Vermächtnis – No more
Autor: Mara Jade
Beta: Callie (Danke für die Tipps und Anregungen)
Rating: FSK 12
Genre: Romanze (Action)
Pairing: Marta Shearing und Aaaron Cross
Banner: Promotionbild

Disclaimer: Alles nur ausgeliehen: Alle Rechte an dem Film und der Buchreihe, ihre Charaktere und Handlungsstränge gehören der Produktionsfirma Universal Pictures, sowie dem Autoren der Serie (Robert Ludlum, Eric Van Lustbader)
Die Story und die nicht in dem Film erwähnten Personen und Orte sind meiner Fantasie entsprungen. Mögliche Ähnlichkeiten mit lebenden Menschen oder realen Ereignissen sind reiner Zufall und nicht von mir beabsichtigt!!!

Diese Geschichte ist nicht für die freie Verbreitung im Netz vorgesehen. Sollte jemand Interesse daran haben diese Story auf anderen Seiten zu posten oder zu verlinken, bitte vorher bei mir melden!





No more




1. Kapitel


Ich wusste noch immer nicht, wie ich in diese Situation geraten war, aber Fakt war, dass ich mich zusammen mit Aaron Cross, einem genmanipulierten Outcome-Agent, auf der Flucht befand. Für mich fing alles vor fünf Tagen an, als mein Kollege und Freund, Dr. Donald Foite, aus scheinbar unerklärlichen Gründen in unserem Labor, Amok lief. Noch immer konnte ich mir sein Handeln nicht erklären, aber ich war mir mittlerweile sicher, dass auch er mit Pillen aus unseren Forschungs-Projekten manipuliert worden war. Jedenfalls war ich, Dr. Marta Shearing, die einzige Überlebende und als kurz darauf der CIA bei mir aufkreuzte und versuchte mich zu ermorden, tauchte Cross auf und rettete mich. Seitdem befanden wir uns auf der Flucht. Dabei kann ich noch nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, vor wem genau wir fliehen. Denn genau genommen sind es viele. Mein ehemaliger Arbeitgeber Treadstone, der CIA, eine Geheimorganisation mit Namen NRAG und einem Wahnsinnigen, der egal was wir anstellten, immer noch auf seinem Motorrad saß und hinter uns her jagte.

Gerade eben erst hatte ich ihm meinen Helm entgegen geschleudert, aber außer dass es mich beinah vom Motorrad gerissen hätte, hatte es bei ihm nur wenig Erfolg gezeigt. Allerdings war er dadurch etwas zurück gefallen, was uns einen winzigen Vorsprung einbrachte. Doch so langsam lief uns die Zeit davon. Aaron war verletzt. Ich wusste noch nicht wie schlimm es war, aber so wie die Wunde an seinem Bein blutete, schien eine Arterie verletzt zu sein. Eine weitere Kugel hatte ihn an der Schulter getroffen, auch hier sickerte viel zu viel Blut durch seine Lederjacke und er lenkte unser Bike zeitweilig nur noch mit einer Hand. Vorsichtig legte ich meine Hand auf seine Beinwunde und versuchte durch Druck wenigstens den Blutverlust abzuschwächen, aber ich wusste, dass ich das abbinden musste, sonst war es wohl nur eine Frage der Zeit  bis er zusammenbrach.

Aus dem Augenwinkel bemerkte ich wie unser Verfolger wieder näher kam. Mein Herz schlug mir vor Angst bis zum Hals und genau in dem Moment, wo er ein weiteres Mal zu uns aufschloss, legte sich Aarons Hand auf meine und drückte sie. Das war glaube ich der Moment wo mir klar wurde, dass ich mich jetzt nicht mehr auf meinen starken Krieger verlassen konnte, sondern selbst tätig werden musste. Also hob ich mein Bein, winkelte es an, unser Motorrad schlingerte, doch noch hatte Aaron genug Kraft gegen zu steuern. Meine Muskeln spannten sich an und dann, als der Bastard nah genug war, trat ich mit aller Kraft, die mir noch zur Verfügung stand, zu.

Zuerst dachte ich mein Tritt hätte nichts bewirkt, doch dann sah ich wie sein Motorrad schwankte und letztendlich gegen einen Betonpfeiler stieß. Es gab ein hässliches Geräusch, als sich sein Bike mehrfach überschlug. Völlig von dem Geschehen gebannt, sah ich ihn durch die Luft fliegen. Und als er auf dem Boden aufschlug und sich dort ebenfalls noch ein paarmal überschlug, da wusste ich dass dieser Spuk hier und jetzt beendet war.

Aufatmend drehte ich mich wieder zu Aaron um, doch mir blieb keine Zeit ihm die gute Nachricht mitzuteilen.  Das Ende der Halle kam immer näher und Aaron schien in keiner guten Verfassung.

„Aaron, Aaron, Aaron!“, rief ich gegen den Fahrtwind an.

Aber noch immer bewegte er sich nicht und es waren nur noch wenige Meter. Mir blieb keine Zeit mehr, ich musste handeln und das Motorrad zum Halten bringen, die Frage war nur wie. Panisch suchte ich nach einer Lösung, aber die Angst lähmte mein Gehirn,  so dass mir die rettende Idee fast zu spät kam.

Ich schlang meine Arme noch fester um seine Hüften und ließ mich zusammen mit ihm zur Seite fallen. In dem Moment als unsere Körper auf dem Boden aufschlugen, das Motorrad mit einem Kreischen von Stahl auf Beton sich von uns wegbewegte und das Ende der Halle unaufhaltsam näher rückte, verlor ich Aaron aus meinem Griff. Wir rollten und schlitterten getrennt über den Boden, bis wir endlich an Schwung verloren und zum Halten kamen.

~~~***~~~

Er hörte Marta schreien, aber es war ihm einfach nicht mehr möglich rechtzeitig zu reagieren. Sein Gesichtsfeld wurde aufgrund des Blutverlustes immer kleiner und er sah nur noch verschwommen. Er hatte ihr zwar gesagt, dass es nicht so schlimm war, aber das war zu ihrer Beruhigung gewesen. Lange würde er nicht mehr durchhalten und die wenige Kraft die er noch hatte, brauchte er um das Bike im Gleichgewicht zu halten. Aaron spürte wie sich ihre Arme fest um seine Taille legten, ihn auf dem Motorrad hielten und stabilisierten, während sein Sicht immer dunkler wurde. Das letzte, dass er mitbekam, war das ihm Flügel wuchsen und….. er flog.

~~~***~~~

Schmerz war das erste was ich wahrnahm. Schmerzen in den Beinen, meinem Rücken. Mühsam sortierte ich meine Knochen und zog eine erste Bilanz. Alles tat weh, aber alles ließ sich bewegen, gebrochen war scheinbar nichts, aber Morgen würde mein ganzer Körper blau und grün sein. Als ich neben mir ein Stöhnen vernahm, schlug die Angst um Aaron zu und so schnell es mein schmerzender Körper zuließ, drehte ich mich zu ihm um und sah in seine stahlgrauen, vom Schmerz verschleierten Augen.

„Alles in Ordnung?“, fragte ich und griff nach seiner Hand die er mir entgegenstreckte. Sein Griff war warm und fest, aber das Nicken, das er mir schenkte, reichte mir nicht als Antwort. Also verstärkte ich den Druck auf seine Hand und versuchte ich es noch einmal.

„Alles Okay?“ Stöhnend schaffte ich es endlich mich aufzusetzen und sah ihn abwartend an.

„Ja“, kam seine leise, krächzende Antwort, dann fielen ihm die Augen zu.

Mein Blick wanderte zu seiner Beinverletzung, die noch immer stark blutete. Nur widerwillig ließ ich seine Hand los, zog mit zitternden Händen meine Jacke aus und versuchte einen Ärmel abzureißen. Scheiterte aber kläglich, weil mir einfach die Kraft fehlte. Stöhnend erhob ich mich auf die Knie und band ihm kurzerhand die ganze Jacke um das Bein, in der Hoffnung damit die Blutung zu verlangsamen, dann erst bemerkte ich, dass wir nicht mehr alleine waren. Ein kleiner einheimischer Junge und ein älterer Mann, standen nur wenige Meter von uns entfernt und beobachteten misstrauisch die Szene.

Ängstlich griff ich wieder nach Aarons Hand, aber diesmal konnte ich keinen Gegendruck spüren. Beunruhigt zog ich seinen Kopf auf meinem Schoss und legte meine andere Hand auf sein Herz. Es schlug, aber unregelmäßig. Er brauchte Hilfe und zwar sofort.

„Können Sie uns helfen?“, rief ich den beiden auf Englisch zu und hoffte von ganzen Herzen, dass sie die wenigen Worte verstehen würden. Mit einem Mal bemerkte ich wie zittrig ich mich fühlte. Der Überfall im Labor, mein in die Luft geflogenes Haus, unsere Flucht, die Jagd auf uns… war das wirklich alles in den letzten fünf Tage passiert?

Noch immer hatten sich die Beiden nicht bewegt und im Hintergrund hörte ich schon die Polizei Sirenen. Wir mussten hier weg, aber Aaron würde in den nächsten Tagen keinen Schritt machen können.

„Bitte!“, versuchte ich es wieder und mein Blick verschleierte sich. All die aufgestauten Gefühle, meine Sorge um Aaron, all das schlug über mir zusammen und ich konnte die Tränen nicht mehr zurück halten.

Scheinbar war das der ausschlaggebende Punkt, jedenfalls sah ich den Mann nicken, dann rief er etwas über seine Schulter und kam auf uns zu. Zwischen meinen Tränen sah ich jetzt auch drei weitere Männer, mit einem Stück Plane oder ähnlichem auf uns zukommen.

~~~***~~~

Wie sich herausgestellt hatte, waren unsere Retter Fischer, die grade zu einer mehrwöchigen Tour aufbrechen wollten. Mittlerweile befanden wir uns schon weit außerhalb der Hoheitsrechte Manilas, auf dem offenen Meer. Der Kapitän des Schiffes, das meines Erachtens nur noch vom Rost zusammen gehalten wurde, hatte uns die einzige Kabine zur Verfügung gestellt, die das Schiff aufzuweisen hatte.

Dankbar sah ich zu, wie sie Aaron von der Segeltuchplane auf die Koje legten. Noch immer schien er nicht zu Bewusstsein gekommen zu sein. Endlich konnte ich mich nützlich machen. Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und sah den Kapitän fest in die Augen.

„Ich brauche Wasser und Verbandszeug.“

Als ich sah, dass er mich nur verständnislos ansah, beschränkte ich meine Wortwahl auf das wesentliche.

„Wasser, Verband?“, fragte ich und deutete dabei auf meinem verletzten Freund.

Der kleine Junge nickte mir zu und schenkte mir ein schiefes Lächeln. „Ich holen“, kam es von ihm, in einem gebrochenen Englisch und schon flitzte er aus dem Raum. Wenig später kam er mit einer großen Schüssel, ein paar Tüchern, die er unter seinem Arm geklemmt trug und der Bordapotheke wieder.

Schweigend machte ich mich an die Arbeit und bis auf den Jungen, leerte sich unser Raum. Mit Aarons Messer, das ich an seinem Fußknöchel fand, schnitt ich ihm die Jeans vom Körper. Dann sah ich zum ersten Mal das ganze Ausmaß der Verletzung und schloss zweifelnd die Augen. Ich war Wissenschaftlerin und keine Humanmedizinerin. Ich hoffte nur, dass meine wagen Kenntnisse dafür ausreichten.

Die Kugel war links oben in den Oberschenkel eingedrungen und gut 15 Zentimeter tiefer auf der Innenseite wieder ausgetreten. Durch den Druckverband, den ich mit meiner Jacke noch an Ort und Stelle angelegt hatte, war die Blutung größtenteils zum Stillstand gekommen. Wahrscheinlich war die Aorta nur minimal verletzt worden und hatte sich durch die Gerinnung wieder geschlossen, sonst wäre er bis jetzt schon verblutet.

Als ich einen Lappen ins Wasser tauchte und die beiden Wunden an Aarons Bein auswusch, spürte ich wie der Junge mich genau beobachtete. Mit meinem Kopf winkte ich ihn zu mir.

„Wie heißt du?“, fragte ich und schenkte ihm ein kurzes Lächeln.

„Niran“, kam es zögerlich von ihm, aber er konnte seinen Blick nicht von Aaron abwenden. „Seid ihr Böse?“

Seine Frage kam völlig unvorbereitet für mich. „Nein, nein, wir sind nicht böse. Wir werden verfolgt, aber wir haben nichts Böses getan.“ Völlig entnervt hielt ich inne und setzte mich zu Aaron aufs Bett. „Hast du das zweite Motorrad gesehen?“

„Das flog?“, fragte er zurück.

Ich grinste ihn an. „Genau das das flog. Das war ein böser Mann und der war hinter uns her.“ Die Antwort schien ihm zu reichen.

„Okay“, kam es von Niran. „Dann ist gut.“

„Ja, dann ist es gut.“ Wiederholte ich seinen Satz, stand auf und widmete mich wieder Aarons Verletzungen.

„Magst du mir helfen?“, fragte ich ihn und versuchte so sein Vertrauen zu gewinnen. Als er langsam auf mich zukam, unterbrach ich meine Arbeit erneut und gab ihm ein paar der Tücher in die Hand. „Auseinander reißen“, sagte ich und machte es ihm vor. Gott sei Dank war der Stoff schon fadenscheinig und gab schnell nach, kein Vergleich zu meiner Jacke. Mit einem kleinen Glucksen ließ Niran sich auf den Boden fallen und machte sich mit Feuereifer an seine Aufgabe.

Ich wandte mich wieder meinem Patienten zu. Die äußere Wunde war nur ein kleines Loch, das ohne weiteres verheilen würde, die Austrittswunde am inneren Schenkel war dagegen lang und ausgefranst. Wahrscheinlich wäre es besser diese zu nähen, aber ich hatte kein medizinisches Besteck und ich war mir sicher, dass die Fischer nur Netzflickzeug an Bord hatten. Also würde ich es auf einen Versuch ankommen lassen müssen und hoffte, dass auch diese Wunde mit der Zeit verheilen würde. Immerhin hatte ich es hier mit einem genmanipulierten Supersoldaten zu tun. Für irgendwas mussten die ganzen Versuche und Tests doch auch gut gewesen sein. Na ja, wir würden sehen. Was mir nach wie vor Sorgen machte war, dass ich nicht wusste ob die Kugel den Knochen gestreift hatte und was mit der Aorta war. Aber dieses Rätsel würde nur ein MRT klären und das hatte ich hier auch nicht zur Verfügung.

Nachdem ich Aarons Oberschenkel, so gut es mit den wenigen Medikamenten aus der kleinen Bordapotheke ging, gereinigt und versorgt hatte, machte ich mich daran auch seinen Oberkörper frei zu legen. Da die Verletzung an der Schulter nicht so schwer zu seinen schien, entschloss ich mich ihm die Jacke nicht zu zerschneiden, sondern sie mit Nirans Hilfe auszuziehen. Leider erwies sich unser Vorhaben als wenig realistisch, sodass ich zum Schluss doch noch das Messer zu Hilfe nehmen musste. Es war schade um die Jacke, aber ich wollte Aaron nicht unnötige Schmerzen zufügen. Ihm das graue T-Shirt über den Kopf zu ziehen, war dagegen schon fast lächerlich einfach.

Dann konnte ich mir endlich auch diese Verletzung ansehen. Die Kugel war nicht, wie ich zuerst angenommen hatte, in sein Schulterblatt eingedrungen, sondern hatte eine etwa 10 Zentimeter lange und einem Zentimeter tiefe Furche auf seiner Schulterkuppe hinterlassen. Es sah fast aus, als wäre das Fleisch sauber heraus geschält worden. Mit einem Seufzen reinigte ich auch diese Wunde und verband sie, was gar nicht so einfach war, da mir leider kein Pflaster zur Verfügung stand.

Auch seine Hände hatte es bei unserem unfreiwilligen Rutsch über den Asphalt, schlimm erwischt und ich wusch ihm auch hier das Blut von den Gelenken. Da ich mit dem Verbandsmaterial etwas haushalten musste, entschied ich mich diese Wunden von der Luft trocknen zu lassen. Die Schürfwunden würden so schneller verheilen. Auch so wies sein Körper die eine oder andere Prellung auf, aber da ging es mir nicht besser. Zum Schluss überprüfte ich noch einmal seine Vitalwerte. Sein Puls war immer noch viel zu hoch, aber sein Herzschlag hatte sich wieder gefangen und ich fühlte sein Herz stark und regelmäßig unter meiner Hand schlagen.

Müde und mir plötzlich wieder all meiner schmerzenden Knochen bewusst, ließ ich mich auf den einzigen Stuhl fallen, den das Zimmer aufzuweisen hatte. Jetzt konnte ich sowieso nichts mehr für ihn tun, außer auf ihn aufzupassen. Wieder einmal. Seltsam, dasselbe hatte ich auch in den letzten zwei Tagen und Nächten für ihn getan. Ich hatte ihn versorgt, sein Fieber gekühlt, ihn gehalten, wenn er aus seinen Fieberträumen hoch geschreckt war und sich nicht orientieren konnte oder wenn er im Wahn um sich geschlagen hatte. Mehrmals in dieser Zeit hatte ich damit gerechnet ihn zu verlieren. Als das Fieber immer weiter stieg und er kaum noch ansprechbar war. Doch den Virus den ich ihm injiziert hatte, leistete ganze Arbeit. Als er endlich wieder aufwachte, war es immer noch Aaron, der mir das Leben rettete, dem ich in die Augen sah und der sich sogleich schon wieder zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd über den Dächern von Manila aufmachte. In dieser Zeit war ich mir über meine Gefühle, die ich für Aaron hegte, klar geworden.  

Dieser Mann den ich gerade einmal fünf Tage kannte, hatte mir den Kopf verdreht. Klar hatte ich ihn auch schon vorher gesehen, ihm Blut abgenommen oder sonstige Tests an ihm durchgeführt, aber richtig kennen gelernt hatte ich ihn erst in dieser kurzen gemeinsamen Zeit, die wir bisher hatten. Und eins wusste ich bestimmt. Ich würde ihn nicht mehr alleine lassen. Nicht heute und auch nicht in der Zukunft. Mein Leben war eh verwirkt. All meine Verwandten und Freunde dachten sowieso, dass ich bei dem Hausbrand ums Leben gekommen war. Es gab für mich in absehbarer Zeit kein Zurück mehr. Es gab nur noch Aaron.

Niran war mittlerweile mit seiner Arbeit fertig und stand wieder vor Aarons Bett und sah ihn an. Was der Junge an ihm so faszinierend fand, war mir unbegreiflich, aber vielleicht spürte er einfach die Einzigartigkeit die Aaren selbst noch in seiner Bewusstlosigkeit ausstrahlte. Plötzlich drehte Niran sich aufgeregt zu mir und strahlte mich an.

„Ich holen Decke“, teilte er mir mit und flitzte aus dem Raum.

Erst jetzt wurde mir bewusst das Aaron, mal abgesehen von den Verbänden und seiner Boxershorts, fast nackt auf dem Bett lag. Ein Grinsen schlich sich auf mein Gesicht, als ich seinen, trotz aller Verletzungen, wohlgeformten Körper betrachtete. Gerade die richtige Mischung von Muskeln und Masse, nicht so aufgepumpt wie viele Bodybuilder, sondern durch jahrelanges Training geformt. Breite Schultern, schmale Hüften, starke Arme. Als die Tür sich wieder öffnete, zuckte ich erwischt zusammen, was eigentlich völliger Blödsinn war, denn immer hin hatte ich Aaron schon mehrfach so gesehen.

„Decke“, sagte der Kleine in dem Moment. „Meine.“ Fügte er stolz hinzu und reichte mir eine von Motten durchfressene Leinendecke.

Dankbar nahm ich sie aus seinen Händen entgegen und legte sie sofort über meinen Patienten.

„Name?“, fragte Niran in dem Augenblick und deutete auf meinen Freund.

Erst jetzt fiel mir auf, dass wir uns unseren Rettern, noch nicht einmal vorgestellt hatten. Ich zeigte auf meine Brust und sagte langsam und deutlich, damit er es auch richtig verstand: „Marta!“ Dann zeigte ich auf Aaron und wiederholte die Prozedur.

„Aaron“, sprach mir das Kind nach und noch immer klebte sein Blick an ihm.

Gerade ging mir durch den Kopf was für ein wahninniges Glück wir doch hatten, dass wir diesem Kind und den Fischern begegnet waren, als von draußen eine rufende Stimme ertönte. Erschreckt zuckte Niran zusammen und rief nun ebenfalls etwas in seiner Landessprache. Dann schenkte er mir ein entschuldigendes Lächeln und verschwand aus der Kajüte.

Mit einem Stöhnen bückte ich mich zu Aarons Rucksack herunter, den ich die ganze Flucht über auf meinem Rücken getragen hatte. Als erstes viel mir die goldene Uhr in die Finger, die er dem Sicherheitschef in Manila abgenommen hatte. Ich wog das Gewicht in der Hand. Sie war bestimmt einiges Wert und würde uns noch gute Dienste leisten. Langsam ließ ich sie zurück ins Fach gleiten. Die 40.000 Dollar, die falschen Pässe und ID Karten, die ich aus seiner zerstörten Lederjacke genommen hatte, steckte ich dazu und alles zusammen verstaute ich unter seinem Bett. Dann versuchte ich es mir so gemütlich wie möglich auf dem harten Stuhl zu machen, nahm seine Hand wieder in meine und sah Aaron einfach nur beim Atmen zu. Beruhigt zu wissen, dass er überhaupt dazu noch in der Lage war. Schlafen wollte ich eigentlich nicht, aber irgendwann fielen mir dann doch die Augen zu.

~~~***~~~

Es tat weh, also lebte er. Das war eine ganz einfache Gleichung und an die hatte er sich auch schon vor Treadstone gehalten. Also machte er eine kleine Bestandsaufnahme und kam zu folgenden Schluss. Sein ganzer Körper schmerzte aber am eindringlichsten sein Bein und er spürte ein warmes Gewicht auf seiner Hand. Sein Bein, überlegte er. Es wollte ihm einfach nicht einfallen, was damit geschehen war. Krampfhaft versuchte er die losen Enden in seinem Kopf zusammen zufügen. Er war morgens alleine, nach seinen Fieberschüben, aufgewacht. Dann hatte er Martas Schrei gehört, die Verfolgungsjagd mit dem Motorrad und dann…. Wie immer wenn sein Gehirn schlagartig erwachte, schreckte sein Körper hoch und ging in Alarmbereitschaft über.


TBC.....................



So, ich hoffe es hat euch bis hierher gefallen und ihr hinterlasst mir ein paar Reviews?????
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