Geschichte: Fanfiction / Bücher / Reckless / Blaubart

Blaubart

von YuukiYami
GeschichteAllgemein / P12
26.02.2013
26.02.2013
1
785
 
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Gefangenschaft

Das Zimmer ist weder groß noch klein. Es ist prunkvoll, aber nicht aufdringlich, es zeugt von Geschmack, von Reichtum der nicht breitgetreten ist, aber hinter jeder Geste steht.
Die Wände sind Seidenbezogen, an den Decken Stuck und ein Kristallleuchter spendet das sanfte Licht von handgezogenen Wachkerzen.
Das Zimmer ist eine Lüge, es ist der schöne Schein.
Das Zimmer ist voller Blut, man sieht es nicht, man spürt es nicht, es ist nicht sichtbar, man riecht es, es quillt aus jeder Ritze, aus jeder Ecke, benetzt die Wände, die Decke, den Teppich, die Ziermöbel und Vasen, das Himmelbett und einen selbst.
Man trägt ein Gewand aus Tod und Blut.
Ich sitze auf dem Bett und betrachte den blauen Teppich unter meinen Füßen, er ist nicht abgenutzt, er ist weich mit der nachhaltigen Härte eines neuen Teppichs.
Alles in diesem Zimmer scheint neu obwohl ich weiß, das unzählige Mädchen an diesem Platz saßen. Auch von ihnen ist nichts Sichtbares übrig geblieben.
Ich starre auf die Hände in meinem Schoß, dünn und bleich, nicht filigran oder künstlerisch sondern einfach hager und unschön.
Ich schließe die Augen, ich bin noch keinen Tag hier, gewandet in das Kleid.
Das Kleid ist prunkvoll, groß und in verschiedenen rot Tönen, es schmiegt sich an meinen Dekolleté , spart großzügig die Schultern aus, es ist lang und schreit nach Aufmerksamkeit, es schreit „Sieh mich an, ich bin schön, gewagt und unerreichbar“, aber dieses Kleid macht mich zu einem Opfer, es ist das Kleid in dem ich sterben werde.
So schön es auch ist, ich wünsche mir sehnlichst ich würde einen Fetzten tragen solange er mein Überleben sichern würde.

Ich mache die Augen auf und da ist er, groß, schlank, gutaussehend, der Traum jeder Frau und absolut böse.
Er lehnt im Türrahmen, die Arme lässig überkreuzt und in seinem Gesicht ist dieses Grinsen, das mache Frauen dazu bringen würde, sich auf den Rücken zu legen und die Beine unterwürfig zu spreizen.
Die Entfernung zwischen uns beträgt nur einen Meter und der Duft der Vergiss-dich-ganz Blüte stieg mir in die Nase und ich kämpfte gegen die Schummrigkeit in ihrem Kopf an.
Ich bohrte meine Nägel fest in meine Ballen und wiederholte in meinem Kopf meine Beschwörung die mich bei Verstand halten sollte.
„Mein Name ist Marie Ramee, ich bin die Enkelin von Hippolyte Ramee, dem Goldschmied der Kaiserin, heute war mein Debüt Ball und meine Mutter wartet auf mich“
Ich sah ihm fest in die Augen und sagte: „Wenn Sie mich töten wolle, dann schnell.“
Er grinste: „Ach Marie, sei doch bitte nicht so. Ich erwarte dich im Esszimmer.“
Er ist vollkommen ruhig, er war so furchtbar Charmant auf dem Ball, durchschritt ihn mit dieser Mischung aus Präsenz und Hochmut ohne hochmütig zu sein, er kam direkt auf mich zu, mit einem Lächeln auf den Lippen das mich schwach werden ließ.
Wir tanzten, wir tranken und lachten, er war so unglaublich, dass ich keine Sekunde an meinem Glück zweifelte und mir der blaue Schimmer auf seiner Haut nicht auffiel.
Sein Bart ist schon ein bisschen gewachsen, ein blauer Schimmer überzieht seine Wangen und es quillt aus dem Auschnitt seines Hemdes.
Er geht und ich entkrampfe meine Hände, es bleiben die blutigen abdrücke zurück, aber meine Hände interessieren mich nicht mehr.
Ich versuche krampfhaft mir die Geschichten von Heinzeln und Elfen ins Gedächtnis zu rufen, alle diese Sachen die in der kleinen Werkstatt meines Großvaters lauern. Ich denke an die kleinen Wunder, an das Elfenglas, an die Steine aus Zwergenhöhlen und Diamanten die zum  Leben erwachen zu scheinen, das Elfenglas dass sich auf der Haut anfühlt wie die Berührung von Spinnenbeinen.
Ich klammer mich an diesen Ort voller Stille und Pracht, der so anders ist als dieser Raum der mich mit seiner Geschichte zu erdrücken scheint.
Ich greife an den Anhänger um meinen Hals, er ist schwarz nicht viel größer als eine Weintraube und mit einem goldenen Netz überzogen.
Wie ein Stück Nacht in Gold gefasst.

Ich versuche mich an den Ball zu erinnern, die Musik die gespielt wurde, die Tänze die ich getanzt habe, die bewundernden Blicke.
Doch die Erinnerung durchbricht nur kurz die Erdrückende Tatsache, dass ich bald Tot sein werde.

Es klopft an der Tür, sie wird geöffnet ohne dass ich die Chance habe etwas zu sagen, vor der Tür steht etwas, das aussieht wie ein Elch der einen Riesen gegessen hat und dann geplatzt ist.
Das Wesen ist obskur groß und ein Geweih ragt aus seinem Kopf, das Gesicht ist eine Mischung aus Fell, Haut und Verwachsungen daraus blicken mich die schlammig braunen Augen des Hirsches an.

Es deutet still den Gang hin unter.
Ich stehe langsam von dem Bett auf, in der Gewissheit nie wieder zurück zu kehren.