Bewährung der besonderen Art

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Draco Malfoy Harry Potter
25.02.2013
26.10.2014
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Ende Juni in Hogwarts. Das war immer eine aufregende Zeit. Besonders für die Schüler der Abschlussklassen. Die UTZ-Prüfungen standen unmittelbar bevor und man konnte die allgemeine Anspannung, die so gut wie alle Schüler der 7. Jahrgangsstufe umgab fast mit Händen greifen.

Ein Schüler war allerdings besonders genervt. Harry Potter. Seines Zeichens der, der Voldemort den Garaus gemacht hatte, der Retter der Zaubererwelt, der Schwarm aller Mädchen - und einiger Jungs, der Wunschkandidat des Zaubereiministers Kingsley Shacklebolt für das Amt des Leiters der Aurorenabteilung, der ausgemachte Liebling aller Professoren in Hogwarts, das Aushängeschild des Ministeriums und vieler wohltätiger Organisationen und last, but not least Lieblingsobjekt der Klatschpresse.

Harry war unheimlich genervt. Und deshalb hatte er sich gerade mal wieder unter seinen Tarnumhang geschwungen, um ungesehen zur großen Eiche am Schwarzen See zu gelangen, wo er sich jetzt mit einem lauten Seufzer niederließ. Er zog sich den Umhang seines Vaters vom Kopf und verstaute ihn in seiner Jacke, lehnte sich aufatmend an den knorrigen Baumstamm des größten Baumes auf Hogwarts' Ländereien und klappte das Zaubertränkebuch auf, das er jetzt endlich noch mal eingehend studieren wollte. Fast erschien es ihm als Frevel, diesen wunderbaren Sommertag mit Lernen zu verbringen. Das Wasser des Sees lag wie ein blitzblanker Spiegel vor ihm und lud mit seiner ihm innewohnenden Kühle zu einem erfrischenden Bad ein. Der wolkenlose Himmel überspannte das ganze Areal, das in allen nur erdenklichen Grüntönen erstrahlte. Die Wiesen von Hogwarts waren erfüllt von dem Duft blühender Sommerblumen und Vögel sangen ihr fröhliches Lied auf den Wipfeln der Bäume, die den See auf der gegenüberliegenden Seite zur Hälfte einrahmten. Aber Harry riss sich los von diesen verlockenden Eindrücken und wandte seinen Blick wieder dem Buch zu. Dem Trank der lebenden Toten galt jetzt sein Augenmerk.

Er wollte gerade beginnen, sich auf die Trankzutaten zu konzentrieren, als ihm etwas ins Auge fiel, was ihm sehr bekannt vorkam. Ein großer Käfer mit brillenartig umrandeten Facettenaugen krabbelte neben ihm. Harry sprang augenblicklich auf die Füße, laut fluchend und mit seinem Schicksal hadernd. Er wartete gar nicht darauf was passieren würde. Er rannte einfach los, mit einem Affenzahn auf das Schloss zu. Hinter sich hörte er einen kurzen Moment später eine ihm wohlbekannte, durchs Rennen etwas abgehackte Stimme. Rita Kimmkorn. Die immer noch bodenlosen Drachenmist verzapfende Klatschbase des Tagespropheten.

"Mister Potter, so bleiben sie doch stehen. ... Nur ein kleines Interview. ... Über die bevorstehenden Prüfungen ... Bitte Mister Potter!"

Aber Harry blieb nicht stehen. Er rannte als ginge es um sein Leben. Er hatte so die Schnauze voll. Nicht länger auf seine Verfolgerin achtend, erreichte er endlich das Schlossportal und blieb in der Eingangshalle mit triumphierend aufblitzenden Augen stehen. Hier hinein konnte ihm die Königin des Schmierfink-Journalismus nicht folgen. Er wandte sich zur großen Freitreppe um und machte sich auf den Weg zu einem weiteren Ort der Ruhe hier in Hogwarts - dem Astronomieturm. Und dort oben konnte er vielleicht sogar auf ein laues Lüftchen hoffen, denn er war bei seinem Sprint, durch die recht warme Außentemperatur, doch etwas ins Schwitzen geraten.

Einige Minuten später trat Harry auf die Plattform des Turmes und freute sich über einen ihn tatsächlich sanft streichelnden Windhauch, der den auf seiner Haut haftenden Schweiß in einen Feuchtigkeitsfilm verwandelte, der während des Verdunstens für leichte Abkühlung sorgen würde. Harrys wacher Blick streifte über das Rund und blieb an ein paar langen Beinen hängen, die seitlich hinter dem Aufbau, in dem die Instrumente für den Astronomieunterricht aufbewahrt wurden, hervorlugten. Er war also nicht allein. Leider. Er wollte schon frustriert wieder Kehrt machen, als der zu den Beinen gehörende Oberkörper sichtbar wurde. Hellblondes Haar leuchtete in der Sonne.

"Oh, hallo Potter. Suchst du auch Ruhe zum Lernen?"

Draco Malfoys hellgraue Augen musterten ihn ruhig und entgegen seinem ursprünglichen Impuls zur Flucht setzte sich Harry jetzt in Bewegung, um langsam auf seinen Mitschüler zuzugehen. Das Verhältnis zwischen den Erzfeinden der letzten Jahre hatte sich merklich entspannt. Anfangs wehrte sich der Slytherin allerdings doch sichtlich gegen die "Beaufsichtigung" durch den Gryffindor. Die Zuversicht, die sich in ihrem Gespräch nach der Verhandlung gezeigt hatte, war eindeutig der Verbitterung gewichen, die ihn zu beherrschen schien. Und das ließ er Harry auch spüren. Er war entweder unfreundlich oder tat gänzlich unbeteiligt. Harry regte sich fürchterlich darüber auf, wurde aber von Hermione auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Erstaunlicherweise war sie es, die ihrem besten Freund die möglichen Beweggründe für Malfoys Verhalten zu erklären versuchte. Und Harry konnte letztendlich seinen Schützling verstehen, zwang ihn allerdings zu einer klärenden Aussprache.

Der Tag war denkwürdig, denn er endete in einer wüsten Schlägerei, die einige Blessuren hinterließ. Am Ende lagen aber beide nach Luft schnappend auf dem Boden ... vor Lachen. Denn eigentlich war es lächerlich, dass sie nach allem, was sie beide bereits durchgemacht hatten diesen lächerlichen Kleinkrieg fortführten. Und so schlossen sie über sieben Jahre nach dem ersten nicht erfolgten Handschlag nun doch einen Waffenstillstand, der die kommenden Monate recht angenehm werden ließ. Zumal Malfoy merkte, dass Harry ihm wirklich nicht mehr als nötig auf die Pelle rückte und ihm half wo immer er konnte. Am Ende bot ihm auch Malfoy seinerseits Hilfe an, denn dessen schulische Leistungen waren gerade in Zaubertränke um einiges besser als Harrys. Und so gaben sich die beiden gegenseitig Nachhilfe. Denn Harry revanchierte sich damit, Malfoy Verteidigung gegen die Dunklen Künste näher zu bringen. So verging die Zeit schneller als ihnen lieb war, denn jetzt standen die Prüfungen an. Auf die sich beide nun verstärkt vorbereiteten. Immer die Belohnung, die gemeinsame Weltreise vor Augen.

Harry blieb vor Malfoy stehen und rollte genervt mit den Augen.

"Ruhe? Ich finde keine Ruhe mehr. Alle gehen mir fürchterlich auf den Wecker. Gerade wollte mich die Kimmkorn wieder zu einem Interview nötigen. Ich konnte ihr gerade noch entkommen. Dann soll ich ständig Autogramme geben, Fanbriefe beantworten, muss mich vor schmachtenden Mitschülern jeglichen Geschlechts und Alters in Sicherheit bringen, das Ministerium steht mir ständig mit irgendwelchen Anfragen auf der Matte, Kingsley bohrt ständig nach, ob ich nicht doch schon gleich nach dem Abschluss zu den Auroren kommen will, zwischendurch muss ich so ganz nebenbei auch noch ein kleines bisschen für die Prüfungen lernen und ...."

Harry hielt abrupt inne und räusperte sich.

"...und dann musst du auch noch auf einen ehemaligen Todesser wie mich aufpassen. Du bist wirklich zu bedauern Potter. Wenn ich Zeit habe, erwäge ich, dir ein Mindestmaß an Mitleid entgegenzubringen. Aber leider habe ich gerade keine Zeit."

Malfoy lächelte zwar, allerdings eher schief und der Sarkasmus war unüberhörbar. Die Verbitterung kam wieder durch. Harry schnaubte und setzte sich neben Malfoy, stützte die Arme auf die Knie und sprach einfach weiter.

"Vielen Dank Malfoy, aber dein Mitleid ist wirklich nicht nötig. Ich weiß selbst, dass ich jetzt eigentlich ein tolles Leben habe. So viel gefeiert wie in den letzten Monaten hab' ich noch nie in meinem ganzen Leben. Und ich kann die Freude der Menschen ja verstehen. Ich freu mich ja auch, dass Voldemort tot ist. Und mir stehen alle Türen offen, nichts was ich tue wird in Frage gestellt. Alle lieben mich und wollen über alles Bescheid wissen was ich tue oder zu tun gedenke."

"Wie wahr, wie war. Bin ich dir bei diesem Bilderbuchleben nicht ein böses Furunkel an deinem ehrbaren Hinterteil?"

Harry merkte, dass Malfoy wieder in alte Muster abdriftete. So hatte er schon lange nicht mehr gesprochen. Allerdings befasste er sich nicht näher mit diesem Gefühl, da er einfach zu genervt war von seiner Gesamtsituation.

"Malfoy, verstehst du eigentlich was ich dir sagen will? Ich habe keine Sekunde mehr für mich allein. Selbst zum Lernen muss ich mir ein ruhiges Plätzchen regelrecht suchen und finde wie du siehst keines. Ich brauche dringend Zeit für MICH. Ich will einfach mal meine Ruhe haben."

Harrys Stimme klamm jammervoll und neben sich hörte er Malfoy bitter aufschnauben.

"Und dann passt du freiwillig auf mich auf? Willst sogar noch ein weiteres Jahr mit mir zusammen eine Weltreise machen? Wohl nicht gerade das, was "Zeit für mich" ausmacht, oder? Ich denke, ich werde das Ministerium bitten, mir einen anderen Bewährungshelfer zuzuteilen. Dann hast du deine Ruhe."

Harry hörte die Worte, verstand sie auch, aber ihre wirkliche Bedeutung sickerte nur langsam in sein Bewusstsein. Er malte sich aus, ganz alleine auf Weltreise zu gehen. Endlich einmal nur Zeit für sich zu haben. Ohne aufdringliche Fans, ohne das Ministerium im Nacken, ohne Lernstress und ohne die Verantwortung für einen Zauberer, der nicht zaubern durfte und einmal sein Feind war. Aber irgendwie hatte dieser letzte Gedanke einen schalen Beigeschmack. Schon jetzt, nur bei der Vorstellung allein zu reisen, vermisste er etwas. Die Auseinandersetzung mit Malfoy. Die Erkenntnis durchfuhr ihn wie ein Blitz und ruckartig wendete er seinem Sitznachbarn das Gesicht zu.

Malfoy musterte ihn mit ausdrucksloser Miene. Aber seine Augen sprachen Bände. Sie drückten Traurigkeit aus und maßlose Enttäuschung darüber, etwas, auf das Malfoy wohl doch mit verhaltener Freude zu warten schien, verloren zu haben. Die Möglichkeit nämlich, dem nutzlosen Jahr ohne Zauberei durch die Weltreise mit Potter doch noch einen Sinn zu geben. So hatte er sich erst vor kurzem ausgedrückt, als die beiden sich über das Jahr nach dem Abschluss unterhielten. Harry senkte betreten den Kopf und schüttelte ihn leicht. Enttäuscht über sich selbst, über sein eigenes Unvermögen, mit seiner Situation nicht zu hadern sondern das Beste aus ihr zu machen. Denn eigentlich ging es ihm ja nicht schlecht. Nein, es ging ihm wunderbar. Er hatte es bloß noch nicht übers Herz gebracht, den Leuten einfach zu sagen wenn ihm etwas gegen den Strich ging. So wie er es jetzt bei Malfoy tat. Malfoy, dem er schon immer sagte was er dachte. Und den er jetzt wirklich damit verletzt hatte.

"Entschuldige. So war das wirklich nicht gemeint.... Ich..."

Jetzt schüttelte Malfoy den Kopf.

"Nein, entschuldige dich nicht. Du hast ja recht. Ich verdiene das gar nicht. Ich entlasse dich aus der Verpflichtung. Ist wohl besser so."

Malfoy wollte aufstehen, aber Harry hielt ihn am Arm fest, umklammerte einen Unterarm fast so fest wie ein Schraubstock. Er wollte ihn jetzt nicht gehen lassen.

"Bleib hier Malfoy ... und lass mich gefälligst ausreden. Ich war noch nicht fertig."

Malfoy setzte sich wieder, schien aber eher widerwillig den Ausführungen Harrys weiter zu folgen. Zumindest schaute er ihn nicht mehr an, richtete seinen Blick auf seine Schuhspitzen, die er eingehend musterte.

"Also irgendwie bist du der Einzige, bei dem ich mich wirklich auskotzen kann."  

Malfoy lachte gequält auf, sagte aber nichts dazu.

"Lach nicht, das meine ich ernst. Dir kann ich Sachen sagen, die ich nicht mal Hermione oder Ron sagen würde. Vielleicht, weil wir uns nicht so nahe stehen, uns irgendwie neutraler betrachten, vielleicht auch, weil wir so manches gemeinsam haben was unsere Vergangenheit angeht. Du kannst manches besser verstehen was ich erlebt habe. Und mir geht es bei dir genauso. Obwohl ich, wie du ja weißt erst eine Kopfnuss von Hermione brauchte, um das alles zu erkennen. Ich glaube, sie kennt uns alle am besten. Aber für ein Männergespräch ist sie eben nicht wirklich geeignet."

Bei dieser letzten Aussage überzog ein breites Grinsen Malfoys Gesicht und er wandte Harry jetzt doch wieder sein Gesicht zu.

"Wer hätte das gedacht, dass ich mal zu deinem emotionalen Mülleimer mutiere. ... Aber du hast leider recht Potter. ... Ich hab außer dir auch keinen, bei dem ich mich wirklich auskotzen kann. Selbst Blaise würde manches nicht verstehen. Wir stehen uns zu nahe, fast wie Brüder."

Harry grinste jetzt auch und war froh, dass dieser kritische Moment überwunden war. Kritisch auch für ihn, haderte er doch für einen kurzen Moment mit seinem Leben als großer Held. Aber jetzt sah er klar. Er wusste was er zu tun hatte.

"Weißt du was Malfoy? Ich weiß jetzt was ich mache. Nach dem Abschluss verziehe ich mich bis Ende August nach Godric's Hollow. Mein Elternhaus muss dringend renoviert werden und in der Ruine vermutet mich keiner. Die notwendigen Zauber, damit das derzeitige Bild bestehen bleibt, obwohl es bald wiederhergestellt sein dürfte, sind inzwischen kein Problem mehr für mich. Ich werde niemandem sagen wo ich bin. Nur du wirst es wissen. Ich denke, ich werde die sechs Wochen genießen, in denen ich nur Zeit für mich habe. Und am 01. September werde ich ein Statement im Tagespropheten veröffentlichen lassen, meine Meinung sagen und mich für ein Jahr verabschieden. Und wir treffen uns im Tropfenden Kessel. Wir müssen ja noch einiges einkaufen, was unsere Rucksäcke füllt. Das machen wir zusammen ... das macht sicher Spaß. Und dann geht's los. Was hältst du davon?"

Harry war jetzt wieder ganz der Alte. Voller Tatendrang und mit seinem burschikosen Klein-Jungen-Blick, ein entwaffnendes Lachen Richtung Malfoy schickend, wartete er auf eine Antwort des Blonden. Dem konnte man ansehen, dass ihm diese Vorgehensweise zusagte, denn er reckte die Schultern, strich sich aufatmend mit beiden Händen durch die Haare und jegliche Enttäuschung und Traurigkeit war aus seinem Blick gewichen. Er lachte jetzt auch und es schien, als sei eine Last von seinen Schultern gefallen.

"Okay. Das hört sich gut an. Ich kann die Ferien auch gebrauchen, um mal Zeit für mich zu haben. Die letzten Monate waren für mich auch nicht ohne. Ich hab' noch einiges aufzuarbeiten. Es ist nicht leicht, für alle nur der Ex-Todesser zu sein und dementsprechend behandelt zu werden. Selbst du kannst das manchmal nicht verhindern. Das ist nun mal so und ich muss damit leben. Aber den missbilligenden Blicken und der negativen Presse mal für sechs Wochen zu entgehen, auf Malfoy Manor abzutauchen, das wird mir gut tun. Und meine Räume im Gästehaus sind noch nicht umgestaltet. Das wollte Mum mir überlassen. Ich werde also auch mit Renovieren beschäftigt sein. Und weißt du was? Auch wenn ich das nie für möglich gehalten hätte. Aber ich freue mich jetzt wirklich auf den 01. September."

Harrys Herz machte einen Hüpfer. Er freute sich auch auf die Weltreise mit Malfoy. Der Slytherin bot ihm Paroli. Er war ihm ebenso ein Kritiker wie Hermione, nur eben ein Kerl. Das machte es bei weitem einfacher, mit der durchaus berechtigten Kritik umzugehen.

Harry griff sich das Tränkebuch, das er neben sich abgelegt hatte und schlug es auf.

"Ja, ich glaub es auch kaum. Ich freu’ mich auch. Und damit auch ja nichts dazwischen kommt, weil ich die Prüfung versemmle, solltest du mir noch mal bei ein paar Unklarheiten helfen, die ich in Zaubertränke habe. Wäre das okay, oder willst du doch lieber deine Ruhe haben?"

Malfoy schmunzelte.

"Lass nur. Die Weltreise ist viel zu verlockend, als dass ich sie mir durch so was lächerliches wie ein paar Minuten Ruhe durch die Lappen gehen lasse."

Malfoys Miene wurde leicht hochnäsig, ließ aber immer noch erahnen, wie belustigt er gerade war.

"Also Potter, was hast du immer noch nicht verstanden...?"

"Haha. Du musst gerade ablästern. Soll ich bei deiner VgdDK-Prüfung, unter meinem Tarnumhang verborgen Mäuschen spielen? Ich hätte sicher was zu Lachen."

Malfoys Augenbrauen wanderten blitzartig nach oben und sein Blick wurde eisig.

"Das würdest du tun Potter? Untersteh’ dich. Das würde ich dir nie verzeihen. Üb' lieber den Patronus-Zauber mit mir. Der funktioniert immer noch nicht richtig."

Harry amüsierte sich über die empfindliche Reaktion des Slytherin. Aber so war er eben. Eine richtige Diva. Aber sie würden sich schon irgendwie zusammenraufen. Davon war Harry überzeugt.

"Na dann. Eine Hand wäscht die andere. Lass‘ uns anfangen. Dann schaffen wir beide unsere Prüfung, haben danach etwas Zeit für uns selbst und dann geht es richtig los..."

Malfoy nickte besänftigt und beide vertieften sich in Harrys Tränkebuch. Es war übrigens das Buch des Halbblutprinzen. Als Harry sich im Raum der Wünsche das Diadem der Rowena Ravenclaw schnappte, lag des Buch direkt daneben. Nur die Erinnerung daran, wo er dieses Buch abgelegt hatte, führte ihn letztendlich zu diesem Horkrux. Und ganz instinktiv grabschte er dann auch nach dem Buch und steckte es schnell in seine Robe. Dort fand er es einige Tage nach der Schlacht wieder, in dem Glauben jetzt ein Andenken an Severus Snape zu haben. Nach allem, was er inzwischen erfahren hatte der mutigste Mann den er kannte. Denn Severus Snape lag im Koma und keiner wusste, ob er überleben würde. Er hatte überlebt. Und so behandelte Harry dieses Tränkebuch als das was es war. Das Schulbuch eines genialen Tränkemeisters, der seine brillanten Ergänzungen darin niedergeschrieben hatte, die Harry wohlweißlich durch einen Zauber verbarg und die nur er, wenn er es denn wollte, noch lesen konnte. Er würde das Buch mitnehmen und immer in Ehren halten.

Malfoy begann, Harry den Trank der lebenden Toten ein weiteres Mal in allen Einzelheiten zu erläutern. Auch wenn Harry das perfekte Brauen dieses Trankes nach Anleitung des Halbblutprinzen ein Fläschchen Felix Felicis eingebracht hatte – ohne das Buch bekam Harry den Trank einfach nicht hin.

Eigenartigerweise erwähnte auch Malfoy so manches Detail, das in Severus Snapes kleiner, akkurater Schrift zwischen oder neben den Zeilen stand. Harry war sich sicher, einen ebenso brillanten zukünftigen Tränkemeister neben sich sitzen zu haben. Und den Patronus würde er ihm auch noch beibringen.
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