Bewährung der besonderen Art

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
25.02.2013
26.10.2014
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Dieses Kapitel
17 Reviews
 
 
 
Disclaimer:
Die Harry-Potter-Charaktere und die HP-Welt gehören JKR – mir gehört davon nichts – alles nur ausgeliehen.
Die Idee für diese Story gehört allerdings mir - geschrieben aus Spaß an der Freud - ich verdiene kein Geld damit.

Anmerkung:
Angefangen habe ich diese Story im Rahmen des 120er-Projektes, in dem zu 120 Stichworten etwas Passendes geschrieben werden muss. Ich habe das Projekt abgebrochen und die darin entstandenen Oneshots und Geschichten einzeln auf meinem Profil gepostet, so auch diese Story. Alle Kapitel sind daher an einzelne Stichworte des Projektes angelehnt. Einige wenige Stichworte sind auch noch in der Kapitelüberschrift zu lesen, weil sie einfach am besten passen, die meisten Titel habe ich aber verändert.


Cover:
http://s1249.photobucket.com/user/Zuckerdrache/media/Bewaumlhrung%20der%20besonderen%20Art%20-%20Cover_zps31sivya5.jpg.html


„Draco Lucius Malfoy, der Zaubergamot fällt hiermit folgendes Urteil … die von der Anklage verlangte Höchststrafe von zwei Jahren Askaban wird zur Bewährung ausgesetzt und umgewandelt. Stattdessen wird Ihnen für zwei  Jahre der Zauberstab abgenommen und Ihnen wird jegliche Form der Zauberei untersagt. Da sie auf Grund zu berücksichtigender Eingaben einflussreicher Persönlichkeiten die Erlaubnis erhielten, Ihr 7. Schuljahr in Hogwarts nachzuholen, wird Ihnen ausnahmsweise während dieser Zeit erlaubt, im Unterricht und für Übungszwecke unter Aufsicht zu zaubern, damit Sie Ihre UTZE ablegen können. Ihr Zauberstab wird für diesen Zeitraum der Direktorin von Hogwarts ausgehändigt und mit einem Diagnosezauber belegt, der es jederzeit ermöglicht, unerlaubte Benutzung sofort registrieren und nachvollziehen zu können. In den zwölf Monaten nach Ihrem Abschluss wird Ihr Zauberstab in Gewahrsam des Ministeriums bleiben und Ihnen bei tadelloser Führung am 01.08.2000 wieder ausgehändigt. Außerdem wird Ihnen während der gesamten Bewährungszeit eine Aufsichtsperson zur Seite gestellt, die sie sowohl in Hogwarts als auch im 2. Jahr Ihrer Bewährung regelmäßig überwacht. Sollten Sie sich in diesen 24 Monaten etwas zu Schulden kommen lassen, werden Sie sofort nach Askaban überstellt. Im anderen Falle werden  Sie rehabilitiert und sind wieder ein vollwertiges Mitglied der Zauberergesellschaft. Mister Malfoy … nehmen Sie das Urteil an?“

Kingsley Shacklebolt, der es sich nicht hatte nehmen lassen, trotz seines eigentlichen Amtes als Zaubereiminister bei den Todesserprozessen den Vorsitz des Gamots zu übernehmen, blickte den jungen Malfoy mit ernster Miene an. Der war wie paralysiert. Kein Askaban. Das war alles, was für ihn zählte und deshalb stieß er ohne zu überlegen seine Antwort aus.

„Ja, ich nehme das Urteil an.“

Kingsley verlas noch die Urteilsbegründung, die Draco zwar mitbekam, aber noch nicht sofort verarbeiten konnte. Bevor er sich detaillierte Gedanken darüber machen konnte, was ihm hier gerade für unglaubliche Dinge offenbart worden waren, beendete der Minister  auch schon die Verhandlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand und Draco wurde aus einem Seiteneingang gelotst, um der neugierigen Meute diverser Schreiberlinge zu entgehen, die vor dem Saal Position bezogen hatten. Unweit eines abgelegenen und kaum frequentierten Fahrstuhls lehnte er sich schließlich an die Wand, um darüber nachzudenken, was gerade passiert war.

Nachdem sein Vater mit etlichen anderen der führenden Todesser bereits zu Beginn der Prozesse  für 10 lange Jahre nach Askaban geschickt wurde, konnten seine Mutter und Draco auf ein milderes Urteil hoffen. Narzissa wurde dann auch tatsächlich freigesprochen, da man ihr keinerlei Beteiligung an irgendeiner Straftat nachweisen konnte und sie außerdem durch ihre mutige Lüge Voldemort gegenüber, dass Harry tot sei, dessen Leben gerettet und somit zu Voldemorts Fall massiv beigetragen hatte. Sie war einfach die Ehefrau eines Todessers gewesen, die traditionsgemäß ihrem Mann eine folgsame Ehefrau zu sein und ihn zu unterstützen hatte, um damit das Haus Malfoy so erfolgreich wie möglich zu repräsentieren und vor allem den Fortbestand der Familie zu sichern. Und letzteres war es dann auch, was sie wohl dazu bewog, den noch sehr lebendigen Harry nicht zu verraten. Die Sorge um Draco und die Angst um das Leben ihres Mannes, der inzwischen beim Dunklen Lord gänzlich in Ungnade gefallen war, trieben sie an, die einzige Chance wahrzunehmen, die sie noch hatte, in dem sie Harry den Weg ebnete, doch noch die Prophezeiung erfüllen zu können. Dies alles führte dazu, dass sie den Gerichtssaal als freie Frau verlassen konnte.

Die Rückkehr nach Malfoy Manor gestaltete sich dann allerdings etwas anders als viele erwarteten. Die Eigentümerin des riesigen Anwesens kehrte nicht als solche zurück in das alte Herrenhaus der Familie Malfoy. Weder die Finanzen noch ihre veränderte Einstellung machten es ihr möglich, so weiterzuleben wie vor dem Krieg. Lucius Malfoys Konten waren eingefroren. Narzissa musste sich mit ihrem Erbe aus dem Nachlass der Familie Black begnügen. Zwar auch nicht wenig war das Gold aber nicht ausreichend, das gigantische Anwesen standesgemäß weiterzuführen. Deshalb begnügte sie sich bescheiden mit dem Gästehaus, das in seiner Größe allerdings immer noch einem größeren Einfamilienhaus entsprach und stellte das Haupthaus dem Ministerium zur Verfügung, um dort ein Heim für Kriegswaisen einzurichten. Man hatte nach ihrem Freispruch ihre Zustimmung zu diesem Projekt erbeten,  nicht ohne ganz zufällig dabei einfließen zu lassen, dass bei einer Verurteilung das Manor sowieso für diesen Zweck konfisziert worden wäre. Narzissa empfand es allerdings als nicht weiter tragisch, dass ihr ihr früheres Heim nun nicht mehr zur Verfügung stand. Zum einen hatte sie sich dort nie wirklich wohl gefühlt und zum anderen lag es ihr am Herzen, den schwächsten und unschuldigsten Opfern des Krieges, den Kindern, eine neue Zukunft zu ermöglichen. Schließlich war ihre Familie an der Verbreitung dieses Leids beteiligt gewesen und hiermit konnte sie ihre Schuld wenigstens etwas abtragen. Sie bot auch gleich ihre Mithilfe an. Als Dame der guten Gesellschaft war es ihr inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen, Benefizveranstaltungen und Feste zu organisieren, so dass sie auf diesem Wege hoffte, finanzielle Mittel für das Heim heranschaffen zu können. Und Draco durfte nun zu seiner Mutter ins Gästehaus ziehen, nachdem er bis zum Prozess  mehrere fürchterliche Wochen in Untersuchungshaft in Askaban verbracht hatte.

Draco war entschlossen, die Zeit auf dem Manor dazu zu nutzen, über seine Zukunft nachzudenken. Denn am 01. September musste er sich zum letzten Mal auf dem Gleis 9 ¾ einfinden, um mit dem Hogwarts-Express in seine Schule zu reisen und sein 7. Schuljahr anzutreten. Nein, er durfte sich einfinden, denn es war nicht selbstverständlich, dass er, als Sohn eines verurteilten Todessers, erneut die Schule besuchen durfte. In seiner Urteilsverkündung hatte Kingsley Shacklebolt klargestellt, dass es nur der Intervention von Professor McGonagall und der Fürsprache des Portraits von Albus Dumbledore zu verdanken war, dass er nach Hogwarts zurückkehren und nach dem Abschluss unter Aufsicht nach Hause durfte. Die Anklage wollte ihn lieber als verurteilten Todesser und Mörder für zwei Jahre in Askaban sehen. Da aber nach Severus Snapes Anhörung, der Naginis Angriff auf wundersame Weise überlebt hatte, klar wurde, dass der es war, der Albus Dumbledore tötete, reduzierte sich bei Draco die Anklage auf das Einschleusen der Todesser nach Hogwarts . Die mutmaßlichen Anschläge auf Professor Dumbledores Leben, die Ron Weasley und Katie Bell trafen, konnten ihm nicht nachgewiesen werden und wurden daher auf Betreiben der Verteidigung erfolgreich aus der Anklageschrift getilgt. Trotzdem verlangte die Anklage erneutes Einsitzen in Askaban, da Draco das Dunkle Mal trug. Aber keiner rechnete mit der Hilfe aus einer Richtung, die selbst Draco niemals für möglich gehalten hätte.

Die meisten Pluspunkte sammelte Draco  nämlich durch die Verteidigung des Helden der Nation, Harry Potter persönlich, der seinen Erzrivalen in Schutz nahm, seine im 6. Schuljahr begangenen Verfehlungen versuchte zu entschuldigen und auch erwähnte, dass er dem Slytherin während der Schlacht zwei Mal das Leben rettete. Was er nicht getan hätte, wenn Draco wirklich der miese Todesser gewesen wäre für den ihn alle hielten. Potter war sich in dieser  Beziehung nicht mehr sicher gewesen. Er erzählte freimütig, dass er Malfoy in Situationen erlebt hatte, die es quasi ausschlossen, dass er ein eiskalter Mörder und fanatischer Anhänger Voldemorts war. Der Vorfall in der Toilette kam genauso zur Sprache wie sein ganzes Verhalten im 6. Schuljahr, gekrönt von der Szene auf dem Astronomieturm. Das Erstaunen aller Anwesenden war groß, als Potter erzählte, dass er unter einem Tarnumhang verborgen alles genau beobachten konnte. Dass er die  Angst des jungen Malfoy und das Unvermögen, seinen nach der Entwaffnung hilflosen und schwachen Schulleiter auch zu töten genau gesehen hatte. Als er außerdem zu Protokoll gab, dass Albus Dumbledore den irgendwann auftauchenden Severus Snape geradezu anflehte, nein ihm  befahl, ihn zu töten ging ein Raunen durch den Saal. Über dieses kleine Detail waren bisher lediglich Kingsley Shacklebolt, als Mitglied des Phönixordens und einige wenige Beisitzer des Gamots, die ebenfalls an Snapes Anhörung teilgenommen hatten, aber bis zum Ende aller Prozesse Stillschweigen bewahren mussten, informiert gewesen. Draco wusste zwar inzwischen, dass seine Mutter dem Doppelspion einen Unbrechbaren Schwur abgenötigt hatte, um ihren Sohn in Sicherheit zu wissen. Aber dass Potter Dumbledores Tod live miterlebte, das war ihm auch neu. Und dass der nun Draco mit diesem „Geständnis“ einen Gefallen erwies, verwunderte den blonden Slytherin umso mehr.

Genauso erstaunt musste Potter gewesen sein, als Draco ihn auf dem Manor „nicht erkannte“. Natürlich war Draco sonnenklar gewesen, wen er da vor sich hatte. Allein Granger und Weasley waren das sicherste Indiz dafür, dass Scabior das Goldene Trio ins Netz gegangen war. Und Draco brauchte diesem Unbekannten mit dem entstellten Gesicht nur einmal in die Augen zu schauen, um festzustellen wen er da vor sich hatte. Aber etwas in ihm wehrte sich schlichtweg, den gefangenen Helden zu verraten. Es hätte die letzte Chance zerstört, diesem Horror, den die Herrschaft Voldemorts bedeutet hätte zu entkommen. Er bereute diese Lüge bis heute nicht und seine Mutter krönte das Ganze durch eine weitere Irreführung, die Voldemort in falscher Sicherheit wiegte und letztendlich zu seinem Ende führte.

Dies alles ging Draco jetzt durch den Kopf und endlich kam ihm sein Urteil in den Sinn. Das Urteil, das er ohne groß nachzudenken angenommen hatte. Zwei Jahre ohne Zauberstab, ohne Magie. Das war bitter. Er würde in Hogwarts zum Gespött aller werden, wenn sie mitbekommen würden, dass ihm sein Zauberstab von den Professoren lediglich für den Unterricht ausgehändigt wird und er ansonsten nicht zaubern darf. Kein Apparieren, keine kleinen Hilfszauber, die ihm das Leben erleichtern würden. Nichts dergleichen. Er war quasi zu einem Muggeldasein verurteilt. Nur, dass er während dem Unterricht noch zaubern durfte. Das Jahr in Hogwarts machte ihm deshalb etwas weniger Angst. Viel größeres Kopfzerbrechen bereitete ihm das Jahr nach seinem Abschluss. Was bei Salazar sollte er denn nach der Schule tun? Kein Zaubern, keine Magie – er würde total aufgeschmissen sein. Eine Ausbildung wäre unmöglich. Zumindest in der magischen Welt. Ein Jahr rumsitzen. Das war wohl alles was ihm blieb. Zumal er es sowieso schwer haben würde, überhaupt einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Und dann sollte ihm auch noch ein Aufpasser aufs Auge gedrückt werden. Wer das sein würde war noch nicht klar. Angeblich hatte sich jemand freiwillig gemeldet und diese Eingabe wurde jetzt noch geprüft.

„Verdammter Drachenmist! Ein hoher Preis um Askaban zu umgehen“, fluchte Draco in seinen nicht mehr vorhandenen Bart. Seine Mutter hatte ihn gedrängt, sich vor der Verhandlung zu rasieren, damit er vor dem Gamot einen gepflegten Eindruck machte.

„Hey Malfoy, tu nicht so verzweifelt. Nicht nach Askaban zu kommen ist ein Geschenk. Das müsstest du jetzt doch am besten wissen.“

Draco schreckte aus seinen Gedanken und blickte direkt in Harry Potters bebrillte, grüne Augen. Der hatte sich lässig neben ihn an die Wand gelehnt, die Hände in den Hosentaschen, und musterte ihn mit einem leichten Lächeln im Gesicht.

„Potter … mach dich nur lustig!“ Leichter Ärger breitete sich in Draco aus. War der Schwarzhaarige nur gekommen, um ihn zu demütigen, ihn zu ärgern? Erst für ihn aussagen und sich dann über seine Situation lustig machen. Wie mies war das denn. Deshalb spuckte er seinem unverhofften Helfer seine nächsten Worte regelrecht entgegen.

„Du bist es ja gewohnt wie ein Muggel zu leben. Zwei Jahre ohne Magie – das ist für einen reinblütigen Zauberer das Schlimmste überhaupt. Aber davon hast du ja keine Ahnung.“

„Ich mache mich nicht lustig“, erwiderte Harry mit inzwischen ernsterer Miene. „Ich weiß aus den Erzählungen von Sirius, meinem Paten, was er in Askaban erleiden musste. Und du warst doch auch gerade ein paar Wochen dort. Ich denke es gibt nichts Schlimmeres. Stell dir vor, sie hätten dich nochmal zwei Jahre dorthin geschickt. Da wäre mir ein Leben als Muggel weit lieber.“

Insgeheim musste Draco seinem Mitschüler natürlich Recht geben, aber er brummte nur undefinierbar vor sich hin, äußerte sich nicht weiter zu dieser Aussage. Etwas anderes ging ihm gerade im Kopf herum.

„Weißt du Potter, nicht zaubern zu dürfen ist die eine Sache, aber einen Aufpasser zu kriegen die andere. Das sind zwei Jahre unter Aufsicht. Sowas bin ich nicht gewohnt.“

Harry lachte kurz auf und fuhr sich mit einer Hand durch seine verwuschelten Haare, was seinem Erscheinungsbild aber keineswegs mehr Ordnung verlieh. Seine Haare blieben einfach ein chaotisches Durcheinander, was aber zu ihm passte und seiner Attraktivität keinen Abbruch tat. Es war regelmäßig in der Presse zu lesen, dass die Mädchen ihm reihenweise zu Füßen lagen und auch einige männliche Verehrer gehörten zu seinem Fan-Club. Draco fragte sich, wie so etwas möglich war, so im Vergleich mit seiner eigenen stets korrekt frisierten Erscheinung. Heute allerdings waren Dracos platinblonde Haare lediglich gewaschen und ordentlich gekämmt. Der fehlende Schnitt, die ungewohnte Länge und der fehlende Glanz machten deutlich, wo Draco die letzten Wochen verbracht hatte. Auch seine abgemagerte Figur und die dunklen Ringe unter den Augen zeugten von den Entbehrungen, die er im Zauberergefängnis erlitten haben musste. Harry, der seinen Mitschüler gerade ausgiebig musterte, riss sich vom Anblick des Blonden los, räusperte sich kurz und begann wieder zu sprechen.

„Malfoy, das ist kein Aufpasser sondern ein Bewährungshelfer. So heißt das jedenfalls in Muggelkreisen. Derjenige überprüft lediglich, ob du dich an die Auflagen hältst und hilft dir außerdem, dich in der neuen Situation zurechtzufinden.“

Draco rollte genervt mit den Augen. „Was für eine Ironie. Draco Malfoy, Sinnbild der Reinblütigkeit, wird unter Aufsicht eines womöglich muggelstämmigen Zauberers wie ein Muggel leben … ohne Zauberei. Ist das nicht amüsant? Mir wird ganz übel bei dem Gedanken."

Ein verschmitztes Lächeln überzog Harrys Gesicht. „Na, dann werde ich dir die bittere Pille mal etwas versüßen. Ich weiß nämlich, wer dieser Zauberer ist…“

Draco, der immer wieder intensiv seine Fußspitzen musterte, riss abrupt seinen Kopf nach oben und fixierte Harry mit einer Mischung aus Neugier und Entsetzen.

„Wer?“, war das Einzige, was er herausbrachte.

„Ich!“ Harry registrierte noch den überraschten Blick des Blonden, senkte aber dann den Kopf, um ebenfalls interessiert seine Schuhe zu mustern, so als hätte er sie noch nie gesehen.

„Potter, was hab ich dir getan, dass du plötzlich so an meinem Wohl interessiert bist? Du rettest mir das Leben, sagst vor dem Gamot für mich aus und jetzt willst du mich zwei Jahre beaufsichtigen? Nun, letzteres dürfte dir sicher große Freude bereiten. Dann kannst du dich so richtig an meinem Leid ergötzen.“

Draco war sichtlich genervt. So froh er darüber war Askaban entkommen zu sein, die Aussicht, zwei Jahre Harry Potter an der Backe zu haben, erfüllte ihn nicht gerade mit Freude.

Harry fixierte wieder Dracos Leidensmiene und langsam stieg Unmut in ihm auf. Diese Jammerei machte ihn jetzt doch leicht wütend und er setzte zu einer Erklärung an, die Draco den Mund stopfen sollte.

„Hör zu Malfoy. Dieses Gejammer kannst du dir abschminken. Ich habe schon vor dem Gamot erklärt, warum ich dir das Leben gerettet habe, warum ich für dich ausgesagt habe und was ich inzwischen von dir halte. Du bist ganz gewiss nicht mein Freund … aber was nicht ist kann ja noch werden. Ich hab mir gedacht, da wir ja zusammen nach Hogwarts gehen, kann ich doch derjenige sein, der auf dich aufpasst. Das Ministerium vertraut mir voll und ganz. Ich habe quasi Narrenfreiheit. Keiner hat auch nur ansatzweise meine Kompetenz in Frage gestellt. Oder wäre dir ein Ministeriumsbeamter lieber? Aber vor allem hab ich an das Jahr nach der Schule gedacht. Mir ist klar, dass du nach dem Abschluss ein Jahr rumsitzen wirst. Keiner wird dir eine Ausbildung anbieten, wenn du nicht zaubern kannst. Von deinem Ruf als Malfoy ganz zu schweigen. Da du aber sicher keine Muggelausbildung anfangen wirst, hast du ein Jahr nichts zu tun. Da dachte ich mir, ich nehme dich einfach mit.“

Harry legte eine kurze Kunstpause ein, die Draco auch sofort nutzte um die einzig logische Frage zu stellen.

„Mitnehmen?  … Wohin?“

Harry grinste. „Ich werde nach dem Abschluss ein Jahr Pause machen bevor ich meine Ausbildung anfange. Ich werde ein Jahr um die Welt reisen. Eine Rucksacktour rund um den Globus. Gold hab ich genug. Ich will nach diesen stressigen Jahren einfach mal die Seele baumeln lassen, die Welt kennenlernen. Und ich dachte, da du ja sowieso nicht zaubern darfst und ich auf Muggelart reise … nehm ich dich einfach mit. Das Ministerium ist einverstanden.  Und …. was sagst du?

Draco war sich nicht sicher was er auf diese Frage antworten sollte. Zu abgefahren erschien ihm dieser Vorschlag des Jungen-der-lebt. Keine Ahnung was mit dem Gryffindor los war, dass er ihm solch ein Angebot machte. Draco schüttelte ungläubig den Kopf.

„Kannst du mir sagen was in dich gefahren ist? Hat der Dunkle Lord dir dein Gehirn weggepustet? Du hast mich immer gehasst und willst jetzt zwei Jahre auf mich aufpassen, sogar ein ganzes Jahr allein mit mir verbringen? Und was, wenn ich das nicht will? Ich kann schließlich nicht mal behaupten, dass ich dich mag.“

„Nun, das habe ich auch nicht erwartet“, konterte Harry sofort. „Aber lass dir gesagt sein, dass ich dich nie gehasst habe. Okay, ich mochte dich auch nicht, eigentlich warst du mir total … unwichtig und egal. Nur die Streitereien mit dir waren ziemlich ätzend und nervig. Aber ich habe mir in letzter Zeit Gedanken über dich gemacht. Letztendlich warst du in der gleichen Situation wie ich. Du wurdest in eine Rolle hineingeboren, die du zu spielen hattest und der du dich entsprechend anpassen musstest. Dass dir deine Familie wichtig ist und du sie schützen wolltest ist doch nichts Verwerfliches. Und auch wenn du ansonsten immer ein arroganter Kotzbrocken warst … am Ende hast du dich doch richtig entschieden.“

„Mpfh“, stieß Draco konsterniert aus, die Beleidigung am Ende geflissentlich überhörend. „Ich war wohl eher zu feige meinen Auftrag auszuführen.“

Harry hob erstaunt eine Augenbraue. „Zu feige? Du wolltest Dumbledore doch nicht etwa wirklich töten, oder doch?“

Draco schüttelte vehement den Kopf. „Nein, ich konnte den alten Mann einfach nicht töten. Auch wenn er ein komischer Kauz und ein Gryffindor war – er war so hilflos in dem Moment, mir ausgeliefert. Ich wollte keinen hilflosen alten Mann töten. Aber das hätte den Tod meiner Eltern bedeuten können. Das ist es was mich so fertig macht. Ich war nicht bereit, alles für meine Eltern zu tun. Du aber hast den Dunklen Lord getötet … für deine Freunde, die ganze weiße Zaubererwelt.“

„Stopp!“, unterbrach in Harry sogleich. „ICH habe Voldemort nicht getötet. Das hat er selbst erledigt.“

Ein erstaunter Blick des Blonden erreichte ihn, bevor er diese Aussage näher erklärte.

„Ich wollte ihn nur entwaffnen, während er mir den Avada entgegen schleuderte. Aber über einige Umwege war ich inzwischen der Herr des Zauberstabes geworden, den Voldemort benutzt hat ... was er aber nicht wusste … ich allerdings auch nicht. Und so wurde der Fluch auf Voldemort zurückgeworfen. Du siehst also – auch ich habe mich davor gedrückt zu töten und hatte dabei noch großes Glück.“

„Das hätte ganz schön schief gehen können“, meinte Draco daraufhin mit ernster Miene.

„Ist es aber nicht. Und das ist doch die Hauptsache.“ Ein jungenhaftes, verschmitztes Grinsen umspielte Harrys Mund und seine grünen Augen funkelten gefährlich.

„Was ist nun. Wir sind vom Thema abgekommen. Was hältst du davon, eine Weltreise mit mir zu machen? Und bevor du fragst … ich tue das, weil ich neugierig bin. Ich hatte jetzt sieben Jahre Nervenkitzel. Und jetzt auf einmal so ganz ohne, das ist mir zu abrupt. Meinst du nicht, dass es ganz spaßig werden könnte? Wir haben in Hogwarts ein Jahr Zeit, uns aneinander zu gewöhnen. Und wenn es gar nicht klappt, kannst du immer noch auf einen Ministeriumsfuzzi zurückgreifen.“

„Ministeriums …was?“

„Oh, ein Muggelbegriff. Gewöhn dich schon mal dran. Aber ich versichere dir, dass du mit dem nicht so viel Spaß haben würdest wie mit mir. Dem Ministerium habe ich natürlich die Reise in übelsten Einzelheiten geschildert. Welche Entbehrungen und Läuterungen du in diesem Jahr durchleben wirst. Aber ich verspreche dir … Rucksacktouren sind bei Muggeljugendlichen sehr beliebt und wir werden ein tolles Jahr haben.“

Harry hatte sich zu Draco gedreht, stand ihm jetzt Auge in Auge gegenüber und musterte ihn eindringlich. Draco fuhr sich, noch immer ratlos und große Unsicherheit ausstrahlend, fahrig durch die Haare. Im Grunde wurde durch diesen Vorschlag seine für ihn so bittere Strafe, zwei Jahre auf jegliche Magie verzichten zu müssen, in eine zuckersüße Verpackung gehüllt und es war offensichtlich, dass eine Weltreise auf Muggelart viel Spaß zu versprechen schien. Selbst, dass es ausgerechnet Potter war, die Nemesis seiner Schulzeit, bereitete ihm ein eher geringes Unbehagen. Aber er traute der Sache einfach noch nicht so ganz. Wieso sollte Potter ihm so etwas ermöglichen? Er musste wissen warum er das tat, stellte auch gleich diese eine Frage, die ihn so beschäftigte.

„Warum? Warum tust du das?“

Harry grinste wieder. „Nun, vielleicht möchte ich mich für die Jahre des Streits rächen? ICH muss nicht nur mit DIR auskommen … sondern DU  auch mit MIR. Vielleicht will ich dich ein Jahr nach Strich und Faden durch die Mangel drehen – ohne dass du dich groß dagegen wehren kannst. Askaban ist schließlich immer noch eine Option, falls du dich falsch verhalten solltest.  Oder aber ich suche einfach eine Möglichkeit, nicht alleine reisen zu müssen. Hermione und Neville werden studieren, Ron will gleich ins Geschäft seines Bruders einsteigen und viele Galleonen verdienen, Ginny wird aktiv Quidditch spielen bei den Hollyhead Harpies. Und du … hast nichts zu tun und bist außerdem eine Herausforderung für mich. Was meinst du … welche Möglichkeit ist wohl zutreffend?“

„Ich hoffe für mich die letztere.“  

Draco grinste jetzt auch etwas, denn ehrlich gesagt traute er dem Gryffindor die erste Variante nicht zu. Dafür war der doch viel zu ehrlich und zu gut. Zumindest kannte er ihn nur so. Und die Möglichkeit, ihn richtig kennenzulernen machte Draco jetzt auch neugierig. Deshalb packte Draco die Chance beim Schopf und streckte Harry unvermittelt die Hand entgegen.

„Okay Potter, ich nehme dein Angebot an. Schauen wir was daraus wird.“

Harry schlug lachend ein, drückte fest die Hand des Slytherin, der sich dadurch an die Situation im ersten Schuljahr erinnert fühlte, als Harry sein Freundschaftsangebot ausschlug. Vielleicht war es ja tatsächlich möglich, dass sie beide Freunde werden. Wenn auch unter etwas eigenartigen Umständen. Und wenn nicht, hatten sie es wenigstens versucht. Als hätte Harry diese Gedanken erahnt, drangen nun seine Worte an Dracos Ohr und rissen ihn aus seinen Überlegungen.

„Ja, schauen wir was daraus wird. Und irgendwie habe ich so eine leise Ahnung, dass wir doch noch schaffen könnten, was uns im ersten Schuljahr nicht gelang.“

Als sich der Fahrstuhl neben dem die beiden standen erneut öffnete, hätte sich einem darin stehenden Passagier ein erstaunliches Bild geboten. Harry Potter, der Retter der Zaubererwelt, im Gespräch vertieft mit Draco Malfoy, dem Sohn eines Todessers. Da aber der Fahrstuhl leer war, blieb dieses kleine Wunder unbeachtet. Und als die beiden dann im Entree des Ministeriums aus der langen Reihe der Fahrstühle heraustraten hatten sie sich bereits verabschiedet und jeder ging seiner Wege. Mit einem leisen Gefühl der Vorfreude auf ihr Wiedersehen in zwei Wochen auf dem Bahnhof Kings Cross, Gleis 9 ¾ und großer Neugier auf die kommenden zwei Jahre, die für beide eine Herausforderung sein würden – aufregend und bittersüß.
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