Watch frozen stars on the way home

GeschichteHumor, Romanze / P16 Slash
24.02.2013
24.02.2013
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Pairing: Nathan/Shaun
Warnings: Alkohol, Sex (nicht explizit); Altersunterschied; Schimpfwörter; penetrante OoC-ness; FF spielt ca. 10 Jahre nach Staffel 2!
A/N: Das Pairing, was Canon werden wollte, ohne dass es jemand bemerkt hat. Ich schwöre euch, Nathan/Shaun ist das realistischste Pairing, was man mit Nathan haben kann. (Nathan/Simon ist NICHT realistisch, okay?) Auch: SHAUN LEBT (SOWIESO)!
(Viel Spaß bei Fremdschämen mit Nathan und Shaun! :))
 
 
Watch frozen stars on the way home

 
 
Scheiß auf Suzie. Scheiß auf den Kerl, der ihm seit ner Stunde keinen Drink mehr einschütten will. Er geht in den nächsten Club, das macht er, nimmt sich ne neue Suzie und bestellt sich nen Tequila-Scheißdrauf-Mix. Weil, fick dich Welt, er torkelt nicht, okay? Er verläuft sich nicht und er wird nicht fast von nem Sechzehnjährigen auf dem Weg zum Wasauchimmer-Club verprügelt. Alles okay, nichts, was er nicht schon mal erlebt hätte.
 
Der Weg zum Club könnte länger sein, als er in Erinnerung hat, aber das muss auch nichts heißen. Er ist vielleicht ein bisschen angetrunken, deswegen kann er sich nicht erinnern. Die Sache ist, er ist nicht im falschen Stadtteil von Wertham, okay? Wertham ist sein Baby, er kennt jede Ecke auswendig, jeden Penner an jedem Straßenrand beim Namen. Der dahinten ist Ray, der seine Frau verprügelt hat, bis sie nen neuen Kerl hatte, der son Bodybuilder-Schrank war und Ray auf einmal auf der Straße saß.
 
„Hey, Ray! Deine Frau lässt grüßen!“
 
Nathan winkt ihm und dann dreht er sich einmal im Kreis, das ist Etikette unter Pennern, hat er beschlossen oder wusste er schon immer, kein Plan. Ray antwortet ihm nicht, was ziemlich scheiße ist, aber vielleicht erkennt er ihn nur nicht. Ray hatte ne Augen-OP als er drei war.
 
Nathan geht näher an ihn ran und schlingt seinen Arm von hinten um seine Taille.
 
„Ray, man, du musst auch antworten, wenn ich dich rufe!“
 
Ray dreht sich zu ihm um und oh. Fuck. Okay, vielleicht ist er stockbesoffen. Das wär jetzt echt, echt, echt gut.
 
„Ernsthaft?“
 
Es ist der Bewährungshelfer, der sich nen Dreck um sie geschert hat, damals, der wie dieses Schaf aus dieser beschissenen Kindersendung heißt.
 
„Babe!“ Ein Schaf namens Babe oder so.
 
Der Kerl zieht die Augenbrauen zusammen und starrt ihn an, als wär Nathan sonst für ein Penner. Ernsthaft, warum hält ihn heute niemand für zurechnungsfähig?!
 
„Hey, Babe, bringst du mich nach Hause?“
 
Ihm ist schwindelig und kotzübel und er siehts ein, okay, er ist ziemlich besoffen, aber das war ja auch der Grund, wieso er in diesem scheiß Club war. Mission erfüllt.
 
„Ja. Sicher. Und dann deck ich dich zu und bring dir Kekse.“
 
Nathan schunkelt zu sehr, um nen Unterschied zu machen, aber er versucht, Babe irgendwie mit der Hüfte anzustoßen, weil, hey, Babe ist ein nettes Schaf.
 
„Okay. Ich wohn...“
 
Und hallo, da ist der Fehler im System. Er wohnt nirgendwo, weil er heute niemanden hat, wo er pennen kann. Aber er hat den Bewährungsfutzi, der irgendnen Scheiß über Kekse labert, also wird das schon klar gehen.
 
„Hey, wo wohnst du?“
 
Der Typ guckt ihn an, als hätte er einen Geist gesehen, dann schüttelt er den Kopf und packt ihn am Handgelenk. Nathan läuft hinter ihm her, aber die meiste Zeit guckt er nicht auf den Weg, weil der Weg scheißlangweilig und deprimierend ist und Babe ihn schon nicht vor irgendwelche Dinge laufen lässt.
 
Nathan guckt in den Himmel. Es ist arschkalt, hat er das schon erwähnt, und die Sterne sehen wie Eiskristalle aus.
 
Als sie zu nah an einer Mülltonne vorbeilaufen, weiß er wieder, dass er vielleicht ein paar Drinks hatte, die sich nicht gut vertragen. (Wenn die Mischung stimmt, kann man unendlich viel trinken, okay?) Er reißt sich von Babes Hand los und kotzt direkt vor ihm auf den Boden, dann blackt er out und würde im selben Moment am liebsten noch mal kotzen, weil sein Kopf in einer Millisekunde in der Pfütze aus Tequila und Hot Dogs und Magensäure aufprallen wird.
 
________________

 
Als er wieder aufwacht, braucht Nathan lange, bis er merkt, dass er sich nicht an gestern Nacht erinnern kann. Aber das ist gut, okay? Wenn du dich erinnern kannst, hättest du auch zu Hause bleiben können.
 
Er liegt auf dem Rücken auf einer Couch, die Art, die zehn Jahre im Keller deiner Oma steht, bevor du sie bekommst, weil du kein Geld für irgendwas anderes hast.. Durch die halb zersplitterten Jalousien kommt ein wenig Licht in den Raum, gerade genug, damit er sehen kann, wie der Staub in der Luft über ihm bei jedem Atemzug umherwirbelt. Wow. Hätte er nicht ein Jahr in einem beschissenen Gemeindezentrum gewohnt, hätte sein Leben genau jetzt einen neuen Tiefpunkt erreicht.
 
Und apropos Tiefpunkt. Die Tür öffnet sich und der Bewährungshelfer aus ihrer krassen Power Ranger-Zeit (Shaun?) steht im Raum. Nathan beschließt im selben Moment, dass er nie nie nie wieder trinkt, außer wenn es wirklich wichtig ist.
 
„Wach?“
 
Nathan versucht irgendein übertriebenes Lächeln hinzubekommen, was dank der Tatsache, dass er gerade bei Shaun auf der Couch aufgewacht ist, ohne zu wissen, was die letzte Nacht passiert ist, nicht so scheiß einfach ist.
 
„Nein, ich schlafe mit offenen Augen.“
 
Shaun zieht eine Augenbraue hoch und wirkt ziemlich genervt, was gut ist, weil Nathan es darauf abgesehen hat.
 
„Und sprichst dabei?“
 
Nathan reißt die Augen auf und hält sich eine Hand vor den Mund. „Oh nein, du hast mich ertappt.“
 
Er hat keine Ahnung, wieso genau er das macht. Er sollte seine Sachen packen und zusehen, dass er hier verschwindet.
 
Er setzt sich auf und taumelt, weil sein Kopf wirklich brutal wehtut. Kater. Könnte erklären, wieso er sich an nichts erinnert. Dann tut Shaun etwas wirklich Seltsames. Er stützt ihn. Nathan taumelt gegen seine Schulter und wünschte, er könnte etwas anderes tun, als wegen seinen beschissenen Kopfschmerzen stöhnen.
 
Shaun tut dafür etwas komplett anderes. Hey. Überraschung. Er starrt Nathan an. Ist soweit okay, Nathan weiß, dass er ein göttliches Gesicht hat. Als Shaun sich ihm so weit nähert, dass Nathan mit dem Rücken an die Wand stößt, wird es seltsam und vielleicht bekommt er ein wenig Panik und vielleicht ist das genau das, was Shaun, dieser kranke Bastard, braucht. Er presst ihm seinen Mund auf, einfach so, als wär es irgendetwas ganz Natürliches.
 
Nathan reißt seine Augen auf, diesmal ohne den ganzen Thetralikscheiß, weil WaszumTeufelistgeradepassiert.
 
„Was zur Hölle stimmt mit dir nicht?!“ Und hallo Stimmbruch, wieso muss er in solchen Situationen selbst mit Ende zwanzig noch wie ein kleines Mädchen klingen.
 
Als Shaun seinen Mund das zweite Mal auf Nathans drückt, schmeckt er nach Bier und Mund. Es ist nicht anders als bei jeder Frau, die du in jedem beliebigen Club in Wertham aufgabeln kannst. Vielleicht macht das alles nur beschissener oder besser. Er hat keine Ahnung. Die Wand drückt immer noch in Nathans Rücken, also weicht er nicht aus.
 
Als Shaun ihn loslässt wirkt er schockierter als Nathan selbst und damit ist das irgendwie Genugtuung genug. Es ist immer noch ein scheiß Gefühl, weil er keinen Plan hat, was eigentlich passiert, aber Mund ist offensichtlich Mund, also rastet er nicht komplett aus. Nur ein bisschen und nur, bis Shaun abhaut und die Tür hinter ihm zuknallt.
 
Nathan schmeißt sich zurück auf die Couch, weil er keine Ahnung hat, was er sonst machen soll. Vermutlich sich verpissen. Vermutlich die letzten 24 Stunden vergessen (aka: sich volllaufen lassen) und froh sein, dass er noch lebt. Aber scheiß auf das alles, er ist nicht Nathan Young, um das zu tun, was er tun sollte.
 
Er zieht das Kissen unter seinem Kopf weg, wirft es in die Luft und fängt es wieder auf. Es lebe die Langeweile. Beim vierten Mal wirft er ziemlich beschissen und das Kissen knallt gegen die Jalousien. Nathan lässt sich wieder aufs Sofa fallen und schließt für einen Moment die Augen. Er ist echt mies darin, sich selbst zu beschäftigen, okay? (Außer, wenn er wirklich alleine ist.) Deswegen sieht er zu, dass er einfach nicht alleine ist.
 
Allein sein stellt den größten Scheiß mit Menschen an. Alle Mörder und Kinderschänder und sonstigen Arschlöcher kommen immer erst darauf, etwas zu tun, wenn sie alleine sind. Keine Chance, dass die was planen, wenn sie gerade am Feiern sind oder beim Essen bei den Großeltern oder so. Allein sein bringt dich zum Nachdenken, das ist die Scheiße.
 
Nathan sieht zu, dass er halbwegs sicher stehen kann, dann schnappt er sich seine Jacke und verschwindet aus dem Gäste-Besenkammer-Zimmer.
 
Er steht in einem kleinen Flur und weiß nicht wirklich, wo er hin will. Wenn er den Ausgang findet, schön, wenn nicht, okay. Wie gesagt, er hat nicht wirklich nen Plan, was er machen soll. Es ist Morgen oder Mittag, er hat keinen Job, keine Wohnung, keine Leute, die er anrufen kann (Wieso zur Hölle eigentlich nicht?!) und allein sein hat sich als ziemlich beschissen erwiesen.
 
Rechts von ihm ist eine Tür und es kann nicht die zum Schlafzimmer sein, weil die weit geöffnet am Ende des Flurs ist, also kann er sie aufmachen, ohne im nächsten Moment vergewaltigt zu werden. Das ist ein Anfang.
 
Die Tür führt ins Bad. Klein, kackbraune Fliesen, Dusche, Klo, Waschbecken, wunderschön. Er geht zum Waschbecken und öffnet das Schränkchen. Vielleicht findet er Viagra und kann ein Foto davon machen, als Beweis oder wofür auch immer man das brauchen kann. Wird sich schon ne Gelegenheit finden.
 
Eigentlich findet er bloß Rasierschaum, eine Schale Einwegrasierer, irgendein Billigdeo und ne Zahnbürste. Keine normale Bürste (wobei Nathan eh nicht wüsste, wofür) und kein Viagra (was erklären könnte, dass er bisher nichts gefunden hat, was auf ein weibliches Lebewesen hindeutet). Die andere Seite vom Schrank ist interessanter. Nathan findet endlich Tabletten, ohne Verpackung, nur ein loses Blister mit drei kleinen Pillen und das ist doch mal ein Beweis! Shaun hat keine Frauen da, weil er selbst ne Frau ist. (Zum Festhalten, er wusste das schon immer!) Nathan steckt die Tabletten ein, falls er auf Shaun trifft und irgendwas braucht, um sich freizukaufen oder so. Danach geht er aus dem Raum. Das Badezimmer war ein ziemlicher Reinfall.
 
Die Tür gegenüber sieht genauso aus und als er sie öffnet, braucht er einen Moment, um sich zu orientieren. Am Ende ist er sich sicher, dass es die Küche ist, alles andere ist per Ausschlussverfahren weg. Der Raum besteht aus einem Tisch mit einem(!) Stuhl, einem Ofen und etwas, das ein Kühlschrank sein könnte. Jackpot, baby.
 
Nathan öffnet die Tür und, okay, er hat kein Fünf-Gänge-Menü erwartet, aber, ehrlich?! Der Automat im Gemeindezentrum hatte mehr zu bieten. Er nimmt sich einen Joghurt, reißt den Deckel ab, bevor er auf das Ablaufdatum gucken kann, und kramt in den Schubladen nach einem Löffel. Er findet ein Messer, was definitiv nützlich sein kann, aber muss es weglegen, als er doch noch einen Löffel findet. Zur Not kann er sich auch mit dem Löffel verteidigen. Irgendwie. Und er hat immer noch die Pillen für einen Tauschhandel.
 
Mit dem Joghurt in der Hand geht er zurück in den Flur. Für einen Moment will er die letzte Tür öffnen, die noch zu ist, aber das ist so ziemlich die beschissenste Idee überhaupt, weil Shaun genau in dem Zimmer sein muss. Außerdem ist die Schlafzimmertür offen, das ist eine gottverdammte Einladung. (Schätzungsweise nicht die der guten Art, aber er ist mittlerweile vorbereitet.)
 
Die Schlafzimmertür ist ein Arschloch. Nathan muss sie zwei Zentimeter weiter aufschieben, zwei verschissene Zentimeter, aber sie knatscht wie die Türen in den alten Horrorfilmen, wenn dein Auto ne Panne hat und du in irgendeinem verfluchten Schloss übernachten musst und dir ein buckeliger Diener mit einer Laterne in der Hand und dafür ohne Haare auf dem Kopf die Tür öffnet und du weißt, dass du am Arsch bist. Nathan ist am Arsch, aber das merkt er ne Stunde zu spät.
 
„Mir ist scheißegal, was du hier machst, du bist in zehn Sekunden aus meiner Wohnung raus, oder ich dreh dir den Hals um. ...Und nimm den Löffel aus meinem Gesicht.“
 
Nathan zuckt zusammen, möchte schreien und rennen und stehenbleiben und macht eventuell alles gleichzeitig, was nicht sein klügster Einfall heute sein könnte. Er strauchelt, kippt nach vorne, wo Shaun ihn aus einem Reflex zurückstößt. Hinter ihm ist das Bett, also fällt er weich, als er über die Kante kippt. Im ersten Moment erleichtert ihn das halbwegs, im zweiten Moment, dann, als Shaun ihn wie einen Geist anstarrt nämlich, merkt er, dass es die beschissenst mögliche Situation ist. Der Löffel liegt auf dem Boden neben ihm. Zu weit entfernt, um ihn zu erreichen. Nathans Beine sind Dank der Kante unter seinen Unterschenkeln leicht angehoben und gespreizt und er möchte sterben, bitte, egal ob er wiederkommt, oder nicht.
 
Er kann so nicht liegen-sitzen-irgendwas bleiben, oder er könnte sich gleich ein Schild mit „Bitte vergewaltigen“ auf die Stirn kleben, deswegen robbt er hektisch bin zum Kopfende zurück. Etwas mehr Abstand: Check. Die Situation ist entschärft, fürs erste, auch wenn er sich jetzt wie ein in die Enge getriebenes Eichhörnchen fühlt. Er erinnert sich daran, was das letzte Mal passiert ist, als er mit dem Rücken zur Wand war. (Vor nicht mal einer verfickten Stunde.) Okay. Vielleicht ist die Situation nicht ganz entschärft.
 
Als Nathan wieder aufsieht, direkt zu Shaun, passiert etwas Komisches, etwas wirklich, wirklich Komisches, die Art von Komisch, die am Ende bei X-Faktor als Geschichte präsentiert wird und du weißt, dass es nicht wahr sein kann, und Jonathan Frakes für einen Moment mit deinem Hirn fickt und dir sagt, dass genau das passiert ist. Nathan beruhigt sich. Von allen möglichen Dingen (Panik bekommen, mehr Panik bekommen, hysterische Schnappatmungs-Panik bekommen) beruhigt er sich. Er zieht seine Augenbrauen zusammen und wartet darauf, dass etwas passiert.
 
Shaun hat immer noch diesen „Ich schau durch dich durch“-Blick, aber Nathan fällt jetzt erst auf, dass er zittert. Nicht viel, aber man kann es zumindest an seinen Lippen bemerken, wenn man genau hinsieht. In dem Moment hat Nathan eine Vermutung, die alles noch tausendmal beschissener machen wird, aber er ist kein Mörder, okay?
 
„Hey, alter Mann!“ Er springt auf und ist mit einem Schritt bei Shaun. (Alter, das Zimmer ist wirklich klein.) „Ich hab deine Tabletten hier, okay? Nicht abkratzen.“ Nathan kramt in seiner Jeanstasche, zieht das Blister raus und hält es ihm hin. Shaun guckt ihn das erste Mal wieder richtig an, dann sieht er die Tabletten in Nathans Hand und zieht eine Augenbraue hoch.
 
„Wieso hast du die?“
 
Nathan zuckt mit den Schultern. „Zum Verhandeln.“
 
„Hm?“
 
„Ist egal. Würdest du die jetzt endlich nehmen und mir den Gefallen tun, meinen Arsch nicht ins Gefängnis zu befördern?“
 
Shaun reibt sich die Schläfen, dann nimmt er die Tabletten aus Nathans Hand (Er zuckt bei der Berührung nicht zusammen, okay?) und steckt sie weg.
 
„Okay. Okay.“ Shaun atmet einmal tief ein, dann spricht er weiter. „Was zur Hölle soll das?“
 
Nathan macht den Mund auf, auch wenn er selbst nicht, weiß, was das alles soll, dann unterbricht Shaun ihn.
 
„Weißt du was? Behalt es für dich.“
 
Nathan macht den Mund zu und starrt ihn fassungslos an. Wow. Dieser Tag ist wirklich beschissen.
 
„Wieso bist du noch nicht weg?“
 
„Bekomme ich kein Frühstück?“ Nur fürs Protokoll: In dem Moment, in dem Nathan antwortet, denkt er nicht daran, dass Shaun ihn geküsst hat und dass die Frage irgendwo nicht so ironisch ist, wie er sie meint. Er merkt es erst, als Shaun einen Schritt auf ihn zu geht und er ausweichen muss. Aber dieses Mal weiß er, dass er die Bettkante in seinen Kniekehlen hat, also passt er auf, dass er nicht wieder ins Bett fällt. Dafür muss er in Kauf nehmen, dass Shaun ihm ziemlich nah gegenübersteht, ungefähr eine „sexuelle Belästigungs“-Länge entfernt.
 
„Und du verdienst ein Frühstück, weil?“
 
Nathan möchte nicht darauf eingehen, wirklich, er ist nicht naiv oder so, aber, Scheiße, das ist eine Herausforderung, okay? Und es kann alles ein Scherz sein.
 
„War die letzte Nacht etwa nicht atemberaubend?“ Er erinnert sich daran, dass es draußen arschkalt war und er gekotzt hat. Für ein paar Sekunden war es also atemberaubend. Er begibt sich nicht auf gefährliches Terrain oder so, er fragt sachlich Tatsachen nach. Kein Gericht der Welt könnte wegen so etwas eine Vergewaltigungs-Klage fallen lassen. Nathan lächelt sein Sunnyboy-Lächeln. (Er hat eins und perfektioniert es seit Jahren, damit das klar ist.)
 
„Ich musste dich die letzten hundert Meter tragen, weißt du das?“
 
Sein Lächeln erfriert. Okay. Okaaay. Was hat er erwartet. Torkeln ist das Schreiten des kleinen Mannes. Und Körperkontakt ist beim Tragen notwendig, das geht klar, ihn haben schon ganz andere Leute getragen.
 
„Du wiegst weniger als ne Achtjährige.“
 
„Wundert mich nicht, dass du schon Achtjährige auf dem Arm hattest.“ Er muss nur kontern, aufpassen, dass das Gespräch nicht in die falsche Richtung geht, und er ist schneller hier raus, als er „Was soll ich eigentlich machen, wenn ich hier weg bin?“ rufen kann. Und- oh.
 
„Du hattest doch schon damals was für Kinder übrig.“ Das hier ist auf keinen Fall die falsche Richtung. Niemals. Nope. Und wenn, dann tut er das nicht mit Absicht.
 
Shaun sieht ihn mit diesem „Ach?“-Blick an, dem, den jeder kann, nur Nathan aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht. Dann kommt er ein paar Zentimeter näher. Das hier geht vielleicht doch in die falsche Richtung. (Rückwärts. Das heißt Richtung Bett.)
 
„Hast du dich etwa belästigt gefühlt?“ Die Worte. Falsche Situation. Nathan lacht, vielleicht ist das der Punkt, an dem ihr komischer Wasauchimmer-Scherz seinen Höhepunkt erreicht hat und Shaun ihn in der nächsten Sekunde mit einem Arschtritt vor die Tür setzt.
 
„Nicht mehr als jetzt auch.“
 
Im nächsten Moment packt Shaun ihn an der Hüfte, Nathan reißt gerade noch seine Augen auf, dann presst er sie auch schon wieder zusammen, weil er einen kleinen Moment etwas abgelenkt gewesen sein könnten und vergessen haben könnte, an die Bettkante zu denken. Shaun landet auf ihm, vollständiger Körperkontakt, alles auf allem, Lippen auf Lippen.
 
Ihre Zähne klirren aufeinander und Nathans Lippe wird irgendwo dazwischen gefangen. Es ist nicht so, als würde es nicht höllisch wehtun, er hat nur keine Luft, um zu schreien. Stattdessen hört er sich selbst, „mmmpf“, und Shaun nimmt das definitiv falsch auf. Er schiebt seine Zunge irgendwo zwischen ihre Lippen, zwischen die Zähne, obwohl Nathan sich ziemlich sicher ist, dass das jeglicher Logik widerspricht, aber okay. Es besteht die Möglichkeit, dass er seinen Mund ein wenig geöffnet hat. In solchen Situationen endet man immer nur wegen irgendwelchen scheiß Reflexen.
 
Reflexe, und weil man als Kerl nun mal mit dem Schwanz denkt, und, hey, was kann er dafür, er ist ein ganzer Kerl und er wird sich nicht dafür entschuldigen. Also presst er sich vielleicht gegen Shaun und schließt vielleicht seine Augen und, ja okay, er greift in Shauns Nacken, aber das machen selbst Wölfe, um zu zeigen, dass sie die stärkeren sind. Alles okay, no homo, er braucht keine Panik schieben, und wenn doch, dann hat er später dafür Zeit (aka: er lässt sich volllaufen).
 
Shaun löst die Hand aus seinem Nacken, dann drückt er sie auf die Matratze und löst sich von Nathans Mund. Nathan weiß nicht, ob er die Augen öffnen will, weil mit geschlossenen Augen scheißegal ist, wer dich küsst, am Ende ist es immer Angelina Jolie. (War es bisher nicht, aber das muss nichts heißen.) Als er seine Augen aufmacht, ist es ein bisschen abschreckend, was gut ist, aber nicht so sehr, dass er auch nur ansatzweise abhauen wollen würde, was vermutlich auch gut ist, irgendwie. Es ist okay. Shaun und er starren sich wie Aliens an, aber es ist okay.
 
Als keiner von ihnen etwas macht, entscheidet Nathan, dass sich das mit seinem Gewissen und seiner Heterosexualität vereinbaren lässt und küsst ihn.
 
Shaun sieht ihm mit seinem fragenden Blick an, aber nicht dieses niedliche fragend von kleinen Kindern oder lieb fragend von deinen Großeltern, sondern eher die Shaun-Version, die „Bist du verrückt? Oh, und nein, ich will es nicht wissen.“-Version.
 
Nathan zuckt mit den Schultern und guckt ihn auffordernd an.
 
 
„Damit das klar ist: Ich verdiene mir mein Frühstück.“
 
 
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