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Albtraum

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 Slash
Akihiko Usami Misaki Takahashi
23.02.2013
23.02.2013
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Hallo Leute^^ Einige von euch kennen mich ja schon :P Eigentlich sollte ich ja Gedächtnisverlust updaten, aber da ich damit noch nicht fertig bin und das Jahr noch nicht vorbei ist, kriegt ihr mal einen Oneshot von mir :P Natürlich mit meinem Favo Pair XD
Sobald das Jahr abgelaufen ist, kriegt ihr auch Gedächtnisverlust wieder ^^ Hier habt ihr einen Happen für zwischendurch (Weil es ja soooo wenige Stories in diesem Fandom gibt… Oke gut, im Vergleich zu One Piece :S)

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>Hey Misaki,
tut uns leid, wir wurden wegen unserer Arbeit nach Shin gerufen.
Wir kommen aber sicherlich am Abend wieder und dann können wir zusammen feiern! Also warte brav zu Hause, okay?
Kleines-Finger-Versprechen: Das ist unser Fingerversprechen. Wenn du es brichst, musst du 1000 Nägel essen.
Dein Bruder ist kurz zu einem Freund gegangen, aber er kommt um 11:00 Uhr spätestens wieder.
Dein Essen steht auf dem Tisch. Genieß es, denn es ist mit viel Liebe gemacht!

In Liebe,
         deine Mama und dein Papa   <3  <



Der kleine achtjährige Misaki las den Zettel. Ihn überfiel zwar eine tiefe Traurigkeit, doch er blieb stark. Seine Eltern hatten nun mal viel zutun, da konnte er nichts dran rütteln. Und sein Bruder hatte bald Prüfungen. Natürlich lernte er da mit seinen Freunden.
Von wegen lernen! Sein großer Bruder war richtig schlau! Er brachte den Anderen alles bei!
Der Braunhaarige aß das vorbereitete Essen. Reisbällchen gefüllt mit gesalzenem Lachs. Die Füllung liebte er am meisten! Seine Mama konnte viel besser kochen, als alle anderen Mamas zusammen!
Dazu trank er ein Glas Milch.
Das benutzte Geschirr stellte er in die Spülmaschine. Aber was sollte er jetzt tun? Er schaute in den Kühlschrank. Vielleicht gab es ja etwas leckeres, wie Pudding! Als erstes fiel ihm ein riesiger Kuchen auf. Nicht weiter verwunderlich: Er befand sich genau vor seiner Nase und nahm das gesamte Fach ein. Der kleine Misaki machte große Augen. `Au ja, den werd´ ich mit Mama, Papa und Nii-chan essen`, dachte er und grinste noch breiter als ein Honigkuchenpferd.
Er fing an ein Kinderlied zu summen, als er die Kühlschranktür wieder schloss. Das Haus war zwar komplett leer, aber er konnte fernsehen, um sich die Zeit zu vertreiben.
Er schaltete also das Gerät ein und zappte durch die Programme. Es war zwanzig vor zehn an einem Wochenende. Es liefen also jede Menge Kindersendungen. Für manche war Misaki natürlich schon zu alt, aber auf keinen Fall für Power Rangers!
Also ließ er sich von der Serie fesseln und achtete nicht weiter auf die Uhr.

~


„ICH BIN WIEDER DAHA!“
Der Ruf seines älteren Bruders brachte Misaki dazu von seiner Lieblingsserie aufzublicken.
„NII-CHAN“, rief er und stürmte zum Eingang des Hauses um den Älteren zu drücken.
Dieser lachte bei der Umarmung seines kleinen Bruders und hob ihn hoch. „Herzlichen Glückwunsch zu deinem achtjährigen Geburtstag“, rief er aus, während er den Jüngeren über seinen Kopf hob, als würde er das Gewicht einer mickrigen Feder haben.
„Danke“, entgegnete dieser mit einem breiten Grinsen.

Nach der Begrüßung gesellte sich Takahiro zu seinem Bruder aufs Sofa und schaute mit ihm fern.
Misaki freute sich zwar auf das Geschenk seines älteren Bruders, aber er wollte warten, bis seine Eltern wieder zu Hause waren.

~


Er musste eingeschlafen sein. Nicht nur das, er hatte auch noch einen Albtraum gehabt. Er wusste nicht mal mehr um was es genau ging, aber der Schreck saß ihm noch tief in den Knochen. Der Fernseher war aus. Sein Bruder saß auch nicht mehr auf dem Sofa.
Misaki war allein.
„Nii-chan?“, seine Stimme klang leise und rau. Noch hielt er seine Tränen zurück. Er war jetzt acht! Er war ein großer Junge! Er musste nichtmehr heulen wie ein Baby!
Er schluckte und rief diesmal lauter nach Takahiro. Doch wieder bekam er keine Antwort.
Warum war es nur so dunkel? Wie spät war es?
Vorsichtig stand er auf und ging in die Küche. Wenn der Oberschüler einkaufen war, dann hatte er sicherlich einen Zettel da gelassen.
Tatsächlich. Neben dem Zettel seiner Mutter, lag noch ein weiterer. Misaki griff nach ihm, faltete ihn auseinander und las:

>Hey Misaki,
erschreck nicht, wenn ich noch nicht wieder da bin! Mein Freund hat mich angerufen, weil er noch eine Frage hatte.
Ich wollte dich nicht wecken. Du bist sicherlich fast die ganze Nacht aufgeblieben, so wie ich dich kenne. Den Fernseher habe ich ausgeschaltet.
Keine Angst danach bin ich wieder da. Es wird auch ganz bestimmt nicht lange dauern.
Sicherlich werden Mama und Papa wiederkommen, während ich weg bin.
Ich verspreche hiermit, dass ich ganz sicher früh wieder zurück bin, damit wir alle gemeinsam deinen Geburtstag feiern können.

In Liebe,
             dein großer Bruder.<



Daraufhin beruhigte sich Misaki wieder etwas. Sein Bruder war nicht verschwunden, er war nur wieder bei seinem Freund. Er redete immer in den höchsten Tönen von dem Anderen.
Auch wenn er hin und wieder erwähnt, dass der Andere ziemlich anhänglich war, störte sich Misaki herzlich wenig daran. Takahiro beschrieb ihn so wie eine kleine niedliche Katze, die hin und wieder ihre Streicheleinheiten einforderte. Und an Katzen konnte man doch nichts aussetzten oder?
Mit einem Blick auf die Uhr erkannte Misaki, dass es schon reichlich spät war. Schon fast 17 Uhr. Trotzdem war es draußen schon wirklich dunkel. Warum wohl?
Misakis Frage wurde mit einem hellen Lichtblitz beantwortet. Irritiert drehte er sich zum Fenster. Auf dessen andren Seite schon der starke Regen eingesetzt hatte.
Seine letzten Zweifel schwanden mit dem ohrenbetäubenden Donnergrollen: Ein Gewitter!
Draußen herrschte ein großes Gewitter und er war allein!
„Ich hab´ keine Angst vor so einem lächerlichem Gewitter!“, versuchte er sich selber Mut zuzusprechen. „Ich bin jetzt acht Jahre alt! Ich bin schon groß und kann ganz allein auf mich-“, ein weiterer Blitz unterbrach seine vergeblichen Bemühungen.
Sofort rannte er zum Telefon und gab die Nummer seiner Eltern ein. Tränen rollten über das Gesicht des kleinen Jungen, als er darauf wartete, dass sie abnahmen. Bei dem nächsten Donner hockte er sich auf den Boden, den Hörer fest an sein Ohr gepresst.
Hallo, hier bei Takahashi“, hörte er die rettende Stimme seiner Mutter sagen.
„Ma…ma…“, wimmerte er.
Misaki? Was ist denn los? Ist Takahiro nicht bei dir?“, fragte sie nun besorgt.
„Nein… er ist… wieder zurück… bei… seinem Freund…“, schniefte er nun. Die Tränen wollten einfach nicht aufhören und die Blitze machten es auch nicht besser. Er hasste Gewitter, sie machten ihm Angst.
WIE BITTE? NA DER KANN WAS ERLEBEN WENN ICH NACH HAUSE KOMME“, schrie nun seine Mama in den Hörer. Im Hintergrund konnte der kleine Junge die Stimme seines Vaters ausmachen. Wahrscheinlich versuchte er grade seine Mutter zu beruhigen. Es gelang ihm auch irgendwie.
Mit einem wütenden Brummen wandte sie sich wieder ihrem jüngsten Sohn zu. Mir derselben Besorgnis wie zuvor fragte sie: „Was ist denn passiert, Misaki?
„Da ist ein Gewitter…“, schluchzte der Braunhaarige. „Bitte… kommt wieder nach Hause! Ich hab Angst ganz alleine!“, immer wieder schniefte er. Er konnte seine Angst vor dem Gewitter einfach nicht verbergen. Zudem war auch sein großer Bruder nicht zu Hause, sonst hätte er sich an ihn wenden können.
Natürlich Schatz! Wir kommen sofort!“, entgegnete seine Mutter ohne Umschweife. „Das hier kann warten! Den Rest können wir auch ein anderes Mal machen! Stimmt´s Liebling?“, der letzte Teil war an seinen Vater gerichtet. Offensichtlich gab er seine Zustimmung, denn sie fügte noch hinzu: „Gut in Ordnung, wir kommen dann jetzt. Warte auf uns, okay Misaki?
„Ja…“, er weinte zwar immer noch und hatte unheimliche Angst, aber die Aussicht, dass seine Eltern nach Hause kamen machte ihn glücklich.
Gut dann leg ich jetzt auf. Bis gleich Misaki“, verabschiedete sich seine Mama.
„Bis… gleich“, verabschiedete sich Misaki ebenfalls, aber mit einem Schluchzer, bevor er auflegte.

Er stand einige Sekunden noch im Flur, doch als der nächste Lichtblitz das Haus erhellte, rannte er so schnell er konnte die Stufen nach oben und verkroch sich in dem Zimmer seiner Eltern. Er versteckte sich unter ihrer Bettdecke und zitterte wie Espenlaub.
Er hoffte inständig, dass das Gewitter aufhörte. „Mama… Papa… Wo bleibt ihr?“, fragte er unter Tränen in das Kopfkissen hinein.

Nach einer Weile hörte er, wie unten die Tür aufging. Er setzte sich Kerzengrade auf das Bett, trotz des Unwetters, und rief: „MAMA? PAPA?“
„Nein, Ich bins, Takahiro“, rief sein Bruder zurück. Misaki wollte aufstehen und dem Schwarzhaarigen in die Arme laufen, aber als er ein Donnergrollen hörte, verwandelten sich seine Beine in Pudding und er konnte nicht aufstehen. Stattdessen zog er die Decke näher an seinen Körper.
„Wo bist du, Misaki?“, fragte der Oberschüler. Seine Stimme klang näher. Er war jetzt auch im oberen Stockwerk.
„Hier!“, der Ausruf war eine Mischung aus Schluchzen und halblautes Schreien.
Takahiro steckte den Kopf in das Schlafzimmer seiner Eltern und sah seinen kleinen Bruder auf ihrem Bett in ihrer Decke eingewickelt sitzen. Tränen liefen über das Gesicht seines herzallerliebsten Misaki und sein Körper zitterte als ob er in Eiswasser baden würde.
Gedanklich verpasste sich der Ältere eine Ohrfeige: Wie konnte er seinen lieben, kleinen Bruder nur allein zu Hause lassen, obwohl draußen ein Gewitter tobte? Er wusste doch, dass Misaki große Angst davor hat! Beim nächsten Mal musste Usami eben warten!

Tatsächlich beruhigte sich der Braunhaarige etwas und erwiderte die Umarmung seines großen Bruders. Somit wickelte er ihn in die Decke ein.
Nach einer Weile hatte sich der Jüngere soweit unter Kontrolle, dass er glaubte reden zu können. „Nii-chan?“, fragte er zaghaft.
„Ja, mein Kleiner?“, erwiderte Angesprochener sanft.
„Ich hab´ Mama angerufen... Ich hatte solche Angst! Darum sollten Mama und Papa nach Hause kommen…“, erklärte er leicht gehetzt. Seine Stimme überschlug sich fast. Er wollte nicht, dass sein Bruder sauer war. Er wollte den Anruf erklären. Auch wenn er das nicht gegenüber seines Bruders brauchte.
Takahiro lächelte sanft: „Ist schon in Ordnung. Sie werden sicherlich bald kommen und dann können wir feiern! Und das blöde Gewitter ignorieren wir“, den letzten Teil sprach er mit einer solchen Bestimmtheit aus, die nicht zuließ, dass irgendetwas daran rüttelte.
In Misakis Bauch breitete sich eine wohlige Wärme aus. Er freute sich auf die Aussicht bald mit allen feiern zu können.
Er schmiegte sich enger an seinen Bruder und sagte: „Mama war ziemlich sauer, nachdem sie erfahren hat, dass du nicht mehr da warst.“
Als der Oberschüler das hörte, wurde ihm unwohl. Er wusste wie wütend seine Mutter werden konnte, wenn er auf sein kleines Brüderchen nicht ordnungsgemäß achtgab.
Aber als er den friedlich lächelnden Misaki in seinen Armen betrachtete, waren die Sorgen um die bevorstehende Standpauke vergessen.

Ein paar Minuten später klingelte das Telefon. Beide schreckten bei dem lauten Geräusch zusammen. Und fingen danach sofort an zu lachen.
Ein Telefon. Draußen tobte der Sturm des Jahrhunderts und sie erschreckten sich beim Klingeln des Telefons!
Gemeinsam gingen sie in den Flur. Es gab sowohl unten, als auch oben einen Anschluss. Das war einfacher. Und obwohl der Schwarzhaarige im oberen Stockwerk blieb, hatte Misaki Angst allein im Schlafzimmer der Eltern zu warten, also kam er kurzerhand mit.
„Wahrscheinlich sind es Mama und Papa. Vielleicht stecken sie im Stau und wollen dir sagen, dass du dich noch etwas gedulden musst“, sagte der Ältere und hob lächelnd den Hörer ab. Misaki musste bei der Bemerkung kichern. Er konnte sich gut die sorgenvolle Stimme seiner Mutter vorstellen. Aber jetzt brauchte sie sich keine Sorgen mehr zu machen. Jetzt war sein großer Bruder da.
„Hallo? Hier bei Takahashis“, das Lächeln, welches das Gesicht des Oberschülers zierte, erstarb. Misaki konnte sich keinen Reim darauf machen und beobachtete seinen Bruder nun mit Adleraugen.
„Wie… bitte?“, Takahiros Stimme drückte Fassungslosigkeit aus.
Der Braunhaarige hätte zu gerne gefragt, was denn los war. Doch er traute sich nicht. Das Gespräch schien sehr wichtig zu sein.
„Ja…“, kam es zögerlich von dem Älteren. Er blickte auf seinen kleinen Bruder. Eine Spur von Trauer war zu sehen. Dann drehte er sich weg. „Ja, ja… Ja ich verstehe… Mhm…“, er schluckte. „Ja, ist gut ich… wir… werden kommen. Ja. Tschüss“, damit legte er auf. Wo war die fröhliche Stimmung geblieben? Was war denn nur los? Wer war das am Telefon? Definitiv nicht ihre Eltern. Hätte ihre Mutter Takahiro angebrüllt, hätte Misaki das ganz sicher gehört. Nein, das war jemand anderes gewesen. Aber wer?
„Nii-chan?“, sprach Misaki seinen älteren Bruder an und zupfte zur Betonung noch an dessen T-shirt. „Was ist denn los?“
Statt einer Antwort kniete sich Angesprochener vor ihm hin und umarmte ihn. „Misaki… Es tut mir leid…“
Der Braunhaarige merkte, dass sein Bruder den Kampf mit den Tränen verlor. Takahiro weinte. Er hatte seinen Bruder noch nie weinen sehen. Es musste etwas ernstes sein!
„Nii-chan? Was hast du?“, fragte er also besorgt nach und umarmte ihn seinerseits.
„Misaki…“, der Schwarzhaarige holte tief Luft um sich zu beruhigen. Oder wenigstens seine Stimme unter Kontrolle zu kriegen: „Mama und Papa… Sie hatten einen Unfall.“ Seine Stimme versagte ihm.
„Wie… bitte?“, jetzt war es für den Jüngeren geschockt zu sein. „Geht es ihnen gut?“, fragte er sofort hinterher.
Takahiro schluchzte bei diesen Worten auf. Er versuchte seine Gefühle zu kontrollieren. Er musste jetzt für seinen kleinen Bruder da sein. Er musste stark sein! Aber wie?
„Misaki…“, fing er wieder an. Sein Magen zog sich krampfhaft zusammen. „Misaki, Mama und Papa… sind Tod.“




„Nein!“, keuchte ein zwanzigjähriger Misaki auf. Um ihn herum herrschte Dunkelheit. Es war tiefe Nacht draußen, aber in diesem Zimmer war es immer dunkel. Ganz egal welche Zeit. Ganz egal was man tat. Es war immer dunkel. Kein Wunder, wenn sich auf den Fensterbänken Spielzeuge türmten und vor den Lampen Drachen, Flugzeuge und Fahnen hingen.

Der Braunhaarige versuchte seine Atmung zu kontrollieren. Tief einatmen, langsam ausatmen. `Ganz ruhig, Misaki`, wiederholte er in seinen Gedanken, wie ein Mönch, sein Mantra. Er spürte die Körperwärme Usagis hinter sich. Der Ältere hatte einen Arm um den Grünäugigen gelegt, um ihn festzuhalten.
`Sogar im Schlaf lässt er mich nicht in Ruhe`, dachte der Jüngere. Er musste jetzt denken. An etwas anderes, als seinen Albtraum.
`Wieso lieg ich hier überhaupt in Usagis-`, seine Augen wurden größer als ihm die Erinnerung von letzter Nacht wieder einfiel. Er musste hier weg!
Er wand sich aus Usagis starken Arm, griff sich seine Boxershorts und zog sie sich an, während er versuchte aus dem Zimmer zu gehen. Ein schwerwiegender Fehler, wenn man bedachte, dass dieses Zimmer absolut nie aufgeräumt wurde.
Misaki stolperte über etwas und krachte auf den Boden. „Verdammt“, fluchte er leise. Wenigstens hatte er seine Shorts an. Er tastete nach dem Ding, über das er gestolpert war. Die Ritterburg! Er hatte sie schon oft gesehen. Seltsamer Weise schien es, als hätte die Prinzessin braune Haare und grüne Augen und der Prinz auf seinem Pferd graue Haare und violette Augen. Komisch. Irgendwie hatten die doch Ähnlichkeiten mit ihm und Usagi-san. „Wie lebt er seine Fantasien denn noch aus?“, fragte er leicht gereizt.
„Mit allen Möglichkeiten, die sich mir bieten“, wurde ihm von einer rauchigen Stimme geantwortet. Die Stimme Usagis!
„UWAHH!“, vor Schreck kippte Misaki nach hinten um. Er stützte sich allerdings mit seinen Händen ab. „Erschreck mich doch nicht so, Baka-Usagi!“, rief er wütend aus.
Doch sein Gegenüber grinste nur. Misaki konnte es zwar nicht sehen, doch er hörte es ganz deutlich, als würde jemand neben ihm einen Knallböller fallen lassen. „Was gibt´s da zu Grinsen?“, fragte er verärgert.
„Nichts Besonderes, ich dachte mir nur grade, wie süß du aussiehst, Misaki“, entgegnete der Andere mit seiner erotischen Halbschlafstimme.
Wenn Misaki jetzt nicht aufpasste, wird er bald seine Boxershorts wieder verlieren.
„M-Mach dich nicht lächerlich! Als ob du bei dieser Dunkelheit etwas sehen könntest“, stotterte Misaki und suchte nach einer Möglichkeit zu entkommen. Ein ziemlich kläglicher Versuch, wenn man bedachte, dass er sich nur auf seine Hände verlassen konnte.
„Ich kann dich immer und überall sehen, Misaki“, antwortete Usagi. Das war schlecht! Der Braunhaarige spürte, dass der Andere näher gekommen war. Wo war nur der verdammte Ausgang, wenn man ihn grade brauchte?
Der Jüngere spürte den Atem des Grauhaarigen auf seiner Haut. „Misaki“, hauchte dieser ihm kurze Zeit später ins Ohr.
„L-Lass das, Baka-Usagi“, versuchte sich Misaki zu wehren. In der Dunkelheit wurde alles nur noch intensiver. Der Atem an seinem Hals, die sanften Berührungen auf seiner Haut, die Stimme des Autors. Alles war so intensiv.
„Du hast geweint“, diesmal lag keine Erotik in der Stimme des Größeren. Er stellte eine Tatsache fest, die Misaki bis dahin nicht aufgefallen war.
„Wie bitte? Du irrst dich“, leugnete er.
„Doch, du hast geweint! Siehst du“, der Grauhaarige berührte seinen Liebsten an der Wange und fuhr mit dem Daumen das untere Augenlied entlang. „Da sind immer noch Tränen“, fuhr er weiter fort.
„Das… ist nichts“, sagte der Student und schaute zur Seite. Er wollte hier weg.
Danach herrschte Schweigen. Beide rührten sich nicht. `Ich will hier weg`, dachte der Jüngere. `Ich muss hier ganz dringend verschwinden.` Doch er bewegte sich keinen Zentimeter. Er blieb wo er war und wartete. Auf was wusste er nicht. Er tat es einfach.
Der Andere hatte seine Hand immer noch nicht von Misakis Wange weggenommen. Er verharrte in der Position und beobachtete den Kleineren.
„Hattest du einen Alptraum?“, unterbrach er nun endlich die Stille.
„Quatsch! Das war… gar nichts“, versuchte sich Angesprochener aus der Affäre zu ziehen. Er scheiterte kläglich daran, denn die Frage hatte ihn neue Tränen in die Augen getrieben.
„Du bist ein schlechter Lügner“, kam es von dem Bestseller-Autor.
„Wie bitte? Ich hab´ nicht gelo-“, weiter kam er nicht, denn der Andere hatte ihn in eine innige Umarmung geschlossen. Das Herz des Braunhaarigen setzte dabei einen Schlag aus. Er wusste nicht wie er darauf reagieren sollte, also tat er gar nichts.
„Möchtest du mir darüber erzählen?“, fragte der Grauhaarige sanft.
„Es war… nichts Besonderes“, antwortete der Zwanzigjährige kleinlaut.
„Wenn du geweint hast, war es etwas Besonderes. Ich möchte dich zwar zu nichts drängen Misaki, aber ich möchte trotzdem wissen, was dir so große Angst gemacht hat, dass du sogar weinst“, erklärte der Ältere.
Misaki schluckte. „Gewitter…“, brachte er nach einiger Zeit raus und klammerte sich an den Umarmenden fest.
Dieser war leicht überrascht. „Gewitter?“, fragte er nach.
„Als… Damals als… Also…“, versuchte der Jüngere zu erklären, doch er konnte nicht. Er setzte neu an und scheiterte wieder.
Bis Usagi ihn beruhigte: „Schh, Misaki. Ganz ruhig. Hetz dich nicht so. Du kannst es mir auch in Ruhe erklären“, flüsterte er ihm ins Ohr.
Der Jüngere schluckte einmal und setzte wieder neu an: „Damals… als meine Eltern… gestorben sind… Es… Es war mein Geburtstag…“
`Sein Geburtstag? Davon hatte mir Takahiro niemals erzählt!`, Usagi war geschockt. Wer wollte denn bitteschön, dass sein Geburtstag sich mit dem Todestag seiner Eltern überschneidet? Das war einfach zu Grausam! Trotzdem ließ er seinen Liebsten ausreden. Er wollte ihn nicht unterbrechen und umarmte ihn stattdessen fester.
„Meine… Unsere… Eltern hatten immer viel zu tun… Aber unsere Geburtstage feierten wir immer zusammen… Damals… Sie wurden zu einem Job gerufen, damals… Ich war allein zu Hause… Nii-chan kam zwar zwischenzeitlich wieder, aber… Er musste wieder gehen… Und dann hatte es angefangen zu… zu gewittern… Ich… Ich... Ich hatte panische Angst… Also hatte ich Mama… Mutter angerufen… Sie hatte versprochen zu kommen… Aber als… Nii-chan den Hörer abgenommen hatte, da sagte er, dass… sie… t-tot sind“, jetzt waren alle Dämme gebrochen. Zum ersten Mal sah Usagi seine wichtigste Person im gesamten Universum hemmungslos weinen. Natürlich weinte Misaki häufig. Aber noch nie, wirklich noch nie, hatte der Ältere so viele Tränen gesehen.
Er drückte seinen Liebsten fester an sich. Statt zu verlangen, dass diese Tränen stoppen sollten, sprach er sanft: „Es ist in Ordnung Misaki. Lass alles raus. Ich bin da.“
Dieser tat das auch. Selbst wenn er gewollte hätte, er konnte diese Tränen nicht mehr zurückhalten. Zu lange waren sie schon in ihm aufgestaut gewesen.
Er weinte sich so in den Schlaf. Geborgen in den starken, schützenden Armen des Menschen, der ihn vor allem beschützen wollte.
Nachdem der Jüngere eingeschlafen war, trug ihn Usagi zurück ins Bett. Sanft und vorsichtig, als wäre Misaki etwas furchtbar Teures, das so leicht, vielleicht zu leicht, zerbrechen konnte.
Er bettete ihn sachte auf das große Liebesnest. Als er sich neben ihm legte, legte er die Decke über sie beide und umarmte den Braunhaarigen wieder.

Hier in diesem Zimmer, in dem es kein Licht gab. Aus dem man nicht raus in die weite Welt schauen konnte. Hier, in dem die Züge rollten und Häschen auf die Trommeln schlugen. In dem Burgen aus Bauklötzchen für Prinzen und Prinzessinnen standen. Teddybären auf dem Bett lagen. Die Lampen mit Fähnchen, Modellflugzeugen und Flugdrachen verhangen wurden.
In diesem Zimmer drang kein Leid ein. In diesem Zimmer gab es kein Elend. Hier gab es nur glückliche Enden aus Märchen und Sagen. Hier war alles friedvoll.
Hier konnte er Misaki am besten vor der Welt da draußen beschützen.


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Ja, sagt nichts, der Todestag seiner Eltern stimmt höchst wahrscheinlich nicht mit seinem Geburtstag überein (wahrscheinlich... wohl eher ganz sicher -.-) Aber ich brauchte etwas Dramatik in der Story (Ich hätte es anders machen können klar… aber das wollte ich nicht… *hehehe* Drama Baby Drama!!-> dabei schau ich nicht mal Germanys Next Topmodel XD) Wie dem auch sei: Ich hoffe ihr hattet trotzdem Spaß beim Lesen und habt euch vor so viel Romantik und Fluff und Trauer nicht retten können XD
 
GANZ DOLL MEGA LIEBEN DANK AN MEINE BETA-LESERIN: writingKitten

Du bist ein SCHATZ *durchknuddel* <3
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