Leben

von Lian
DrabbleAllgemein / P12 Slash
Armand Marius de Romanus
21.02.2013
21.02.2013
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21.02.2013 574
 
Ah, mal was Kurzes für zwischendurch :D
Mal sehen, wer die Charaktere erkennt, von denen das hier handelt :)
Hoffe, es gefällt, und wenn, bitte ein Review dalassen, ja? ^^
Kurzgeschichten sind eigentlich nicht mein Spezialgebiet, aber ich hoffe, es ist trotzdem gelungen.

Leben


Der Arm auf meiner Brust bewegte sich leicht, in roten Seidenlaken gehüllt wie die Gestalt neben mir, die so kalt und hart war. Ich hielt in dem Streicheln der wundervollen, weichen Flut von kaltem Gold inne, die das rote Kopfkissen berührte. Ein sanftes Seufzen berührte meine Schläfe, wo sein kalter Mund an meinem Kopf ruhte. Ich spürte nur seine Lippen, als er sich ein wenig bewegte und meine Wange küsste, federleicht und kaum merklich. Seine Hand folgte den Konturen meiner Brust, so zärtlich als fürchtete er, eine feste Berührung könnte mich zerbrechen. Immer, immer war mein Meister so vorsichtig mit mir.

Doch ich wünschte mir mehr, wollte geliebt werden. Nicht nur in Worten. Oh, ich konnte seinen kalten Körper spüren, wie eine meisterliche Skulptur an meiner ganzen Seite, spürte, dass nicht nur seine entspannte Form hart war, doch er musste zulassen, dass mehr daraus wurde. Ich hatte es bereits einige Male versucht, doch immer zog er sich zurück, hielt mein Handgelenk fest und küsste die Innenfläche mit genau derselben Keuschheit und Unschuld, mit der er sich mir entzog. Ich solle mir darum keine Gedanken machen, pflegte er zu sagen.
Wie könnte ich nicht. Ich konnte mich genauso wenig gegen meine Natur wehren wie er sich gegen die seine, die er noch zu ergründen suchte.

Er hatte keine Angst, als er sich von der Seite über mich rollte und mir mit seinen kobaltblauen Augen in die goldenen Iriden blickte, tief in meine Seele drang und erkundete, was nie ein anderer gesehen hatte. Immer wieder verlor ich mich in seinen Augen, den stets verschlossenen Portalen zu seinem Innersten, die weder Licht aufnahmen noch mich auch nur einen winzigen Zipfel seiner Seele erkennen ließen. Vertraute er mir nicht? Waren seine süßen Worte nur Lügen?

Als hätte er meine Gedanken gelesen, eine Fähigkeit, derer ich mir inzwischen sicher war, küsste er mich erneut, bevor er eine eiskalte Fingerspitze auf meine Lippen legte. „Nein, so erstaunlich es auch ist, ich liebe dich. Dessen kannst du dir immer sicher sein. Aber du solltest dir nicht so viele Gedanken machen.“

Ich konnte nicht widersprechen, und dennoch erhob ich meine Stimme, nicht so melodiös wie seine, ohne den letzten, feinen Schliff, der jedes Wort hervorzuheben schien und es wie ein Geschenk erscheinen ließ. „Meister, was bin ich für dich?“ Welch unheilvolle Frage! Ich fürchtete die Antwort, eine Furcht, die tief in mir saß und die ich nicht einfach ignorieren konnte, eine Furcht, die mich die Augen schließen und das Gesicht wegdrehen ließ, hinein in das so wunderbar nach ihm duftete und mir Trost spendete mit seiner roten Undurchdringlichkeit, ein roter Schleier, der mich vor ihm schützte so wie der rote Bettvorhang aus Samt uns vor der Welt abschirmte. „Vergib mir.“, flüsterte ich.

Doch er, mein weißer Gott, hatte schon immer die Angewohnheit, Dinge, die ihm wichtig waren, dennoch zu sagen, auch wenn ich darum bat, dass er es nicht tat. So auch dieses Mal, als er seine Hand schließlich auf meiner Brust ruhen ließ, direkt über meinem Herzen, und nur seine Lippen meinen Hals berührten. Ich wusste, er konnte meinen viel zu schnellen Herzschlag spüren, konnte ihn sogar hören, als er tief einatmete und seine Antwort gab.

„Leben.“
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