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Absolut

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Oz Vessalius Raven (Gilbert Nightray)
17.02.2013
17.02.2013
1
2.121
 
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17.02.2013 2.121
 
Hallo! *wink*
Das hier ist meine erste Pandora Hearts Fanfiction und ich hoffe, dass ich sie einigermaßen gut hinbekommen habe ^^ *Selbstzweifel hat* Wenn nicht, dürft ihr mir das gerne sagen, ich freue mich immer über Kritik! Und da ihr mich hier aus dem Fandom so schnell nicht mehr raus bekommt, wäre es auch für euch besser, ihr würdet mir Tipps geben ;)
Also....das hier ist nur ein ganz kleiner, winziger One Shot über eine Szene, die Jun einfach nur vergessen hat zu zeichnen! Eine kleine Aussprache zwischen Oz und Gil, die es einfach geben muss, damit alles noch epischer ist ♥ (wer mit dem Manga auf dem aktuellen englischen Stand ist, wird das vermutlich begreifen) Keine Sorge, es sind keine Spoiler enthalten, wer also Band 12 kennt, dürfte kein Problem haben :)
Soundtrack hierzu ist "We Are Young" von Fun., obwohl es nicht so richtig in die Zeit passt...aber dieses Lied ist einfach...einfach wow ^^
Viel Spaß jetzt mit Lesen! (irgendwie werden meine Vorworte auch immer länger ~ )
Jolly Roger




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… a scar.

And I know I gave it to you months ago. I know you're trying to forget.

But between the drinks and subtle things, the holes in my apologies, you know I'm trying hard to take it back.

So if by the time the bar closes and you feel like falling down, I'll carry you home.

Tonight …












Ein wenig zu zaghaft für das schwere Holz klopft Gilbert an die Tür, die zwischen ihm und Oz' Zimmer liegt. Das dunkle Material vibriert leicht unter der Berührung seiner Knöcheln und das leise Pochen verhallt dumpf und erstickt an den kalten, schmucklosen Steinwänden des Gangs.

Ein paar endlos lange Augenblicke befürchtet Gilbert, sein Klopfen wäre ungehört geblieben, aber dann hört er von drinnen ein leises Herein und Erleichterung sickert in seine angespannten Muskeln. Die Nervosität bleibt trotzdem und als er die große Tür öffnet und langsam über die Schwelle geht, hält er unwillkürlich die Luft an.

Schmerzlich erinnert er sich daran, dass es einmal eine Zeit gab, in der es für ihn das Natürlichste der Welt war, in Oz' Zimmer zu gehen, um ihm Tee zu bringen oder ihm einfach so Gesellschaft zu leisten.

Und jetzt kann er vor klopfendem Herzen nicht mehr richtig atmen, muss sich erst mit der Zunge über die trockenen Lippen fahren und sich einmal räuspern, um ein einfaches Hallo nuscheln zu können.

Völlig unbegründet ist diese irrationale Angst, das weiß er selbst, aber dennoch ist sie da, krümmt und windet sich immer wieder um seine Gedanken, wenn es darum geht, ein Diener für Oz zu sein.

Es sind immer diese Momente, die ihn fürchten lassen, er könnte plötzlich aufwachen und feststellen, dass alles nur ein Traum war. Ein bittersüßer Traum, weil er die süße Erfüllung aller seiner Hoffnungen wäre, und bitter, weil er ganz sicher den Geschmack von Galle in seinem Mund zurück lassen würde.

Aber bis jetzt ist Gilbert noch nicht aufgewacht und vielleicht sollte er die Realität endlich als solche anerkennen. Sie einfach akzeptieren, wie es sein Master immer macht.

Ein kleines Lächeln legt sich auf seine Lippen und er schafft es, die Ängste zu verdrängen, die immer noch da sind, aber bei Oz' Anblick fast augenblicklich weniger schwer zu tragen werden.

Überhaupt scheint alles in Oz' Gegenwart leichter zu werden.

Leise schließt Gil die Tür hinter sich und betritt den großen Raum vollends. Ein Schwall Vorfreude breitet sich in ihm aus, als er sieht, wie Oz, ihm den Rücken zukehrend, gerade damit bemüht ist, sich in das elegante Hemd zu schälen, das er eigens für seine Einführungsfeier in die Gesellschaft raus gesucht hat.

Belustigt beobachtet Gil noch eine kleine Weile, wie sein Master fluchend und energisch versucht, die vielen Knöpfe ordnungsgemäß zuzuknöpfen und schließlich mit einem einzigen, resignierenden Stöhnen aufgibt.

Stattdessen dreht er sich um und sofort überzieht ein erfreutes Grinsen das junge Gesicht, als er seinen Diener sieht.

Unwillkürlich wird auch Gils Lächeln noch eine Spur breiter.

„Gilbert!“, ruft Oz erleichtert, „Ein Glück, dass du da bist...ich brauche dringend deine Hilfe!“ Und mit einer auffordernden Bewegung deutet er auf seinen Oberkörper, wo sein Hemd immer noch unordentlich und verknittert um seine Brust liegt.

Ein leises Kichern entkommt Gilberts Kehle, als er auf seinen Master zu geht und vor ihm in die Hocke geht. Amüsiert nimmt er die schmollende Grimasse zur Kenntnis, die sich um Oz' Mund legt, als er erkennt, dass sein Diener um so vieles größer ist als er selbst.

„Bist du aufgeregt?“, fragt Gilbert beiläufig, während er geschickt die vielen Knöpfe in die dazugehörigen Löcher schiebt und den steifen Stoff glatt streicht.

Erst schüttelt Oz den Kopf, dann hält er einen Moment inne und nickt umso heftiger.

Ein müdes Seufzen entfährt ihm, als er sich von Gilbert auf den Stuhl drücken lässt, der neben dem großen Himmelbett mit den seidenen Vorhängen und der Kommode mit dem großen Spiegel das einzige Mobiliar in dem Zimmer ist, das Isla Yura ihm zur Verfügung gestellt hat.

„Ich weiß auch nicht“, gesteht er schließlich mit gesenktem Kopf, die Augen halb geschlossen, „Es hängt so viel ab von diesem Abend. Und dann ist da dieser seltsame Kauz...“

Gilbert kann spüren, wie Oz bei dem Gedanken an Isla Yura erzittert, ob vor Verachtung oder Abscheu kann er nicht genau sagen, vermutlich eine Mischung aus beidem, aber es beunruhigt ihn, dass Oz seine Abneigung gegenüber diesem Mann so deutlich zum Ausdruck bringt.

Normalerweise ist sein Master nicht die Art von Person, die mit offenen Karten spielt. Er bevorzugt es, seine wahren Gedanken für sich zu behalten und stattdessen zu tun, was man von ihm erwartet. Wenn auch meistens nur zum Schein.

Aber diese Antipathie, die er gegenüber ihrem Gastgeber zum Ausdruck bringt, ist ungewohnt und neu und sie beunruhigt Gilbert, weil sie ein Zeichen dafür ist, dass Oz sich weiter verändert...

Behände zieht Gil sich die weißen Handschuhe aus und greift nach dem Kamm, der auf der Kommode liegt. Sanft fährt er damit durch Oz' Haare, der sich diese seltsam intime Art der Liebkosung gefallen lässt.

„Mach dir nicht allzu viele Sorgen“, murmelt er leise und fährt seinem Master mit den bloßen Fingern durch die blonden Strähnen. Sie fühlen sich so vertraut an unter seiner Haut und gar nicht so, als hätte er zehn Jahre auf dieses Gefühl verzichten müssen.

„Wir sind ja alle da. Die Sache wird schon schief gehen.“

Befriedigt nimmt er wahr, wie sich Oz unter seiner Berührung immer mehr entspannt und schließlich die Augen schließt und zufrieden leise vor sich hin summt.

Er selbst kann über seine Worte nur zynisch schmunzeln. Wann ist er so optimistisch geworden?

War es nicht immer er, der immer auf das Schlimmste vorbereitet war? Der immer das schlechteste Ergebnis erwartet hat? Und der jeden Tag mit dem Gedanken verbracht hat, dass das Leben eine einzige Verkettung von Unglücken ist?

Also wann hat er angefangen, an die Hoffnung zu glauben?

Die Antwort ist so morbide, dass er nicht anders kann, als leise und kehlig zu kichern.

Er hat die Hoffnung in sein Leben gelassen, als Oz in den Abyss gestoßen wurde. Ironischerweise war das auch der Moment, in dem sich der Pessimismus in seine Gedanken genistet hat. Und dennoch...dennoch hätte er diese zehn Jahre nicht überleben können, hätte sich nicht durch jeden einzelnen Tag kämpfen können, wenn er nicht immer tief in seinem Inneren, ein Optimist gewesen wäre.

Und was hat er bekommen? Wofür hat es sich gelohnt?

„Was ist los?“, fragt Oz gewohnt neugierig, als Gilberts Kichern immer lauter und unkontrollierter wird.

Beruhigend schüttelt Gil den Kopf und bringt sich wieder unter Kontrolle. Trotzdem erwidert er den Blick, den Oz ihm im Spiegel zu wirft.

„Ich habe nur gerade daran gedacht, wie ironisch die ganze Situation ist.“

Wieder muss er ein Kichern unterdrücken und langsam fragt er sich, ob er nicht vielleicht gleich ausrasten wird, aber er spürt keinerlei Regung in seinem Inneren. Nichts, das auf einen Ausbruch hindeuten könnte.

„Und dass ich ganze zehn Jahre darauf gewartet habe, das hier tun zu können.“

Mit fast schon routinierter Gelassenheit greift er nach der Dose Gel, die ebenfalls auf der Kommode steht und benutzt die klebrige Masse, um Oz' Haare zu glätten. Unerwartet widerspenstig lassen sich die weichen Locken an den Kopf legen, aber Gil macht geduldig weiter, bis die Haare seines Masters perfekt liegen.

Während der eintönigen Bewegung hat er Zeit, im Spiegel einen Blick auf sich selbst zu werfen und was er sieht, überrascht ihn.

Zehn Jahre lang hatte er Zeit, sich an den Anblick zu gewöhnen, der ihn immer empfängt, wenn er sich in einem Spiegel betrachtet.

An dieses eingefallene Gesicht, die verbitterten Züge um die Lippen herum, die Sorgenfalten auf der Stirn und die düsteren Schatten, die einfach nicht aus seinen Augen verschwinden wollen. An all die Müdigkeit, die er ständig offen zur Schau stellt, die Resignation, die er mit sich herum trägt, wie einen zweiten Mantel.

Aber als er sich jetzt im Spiegel sieht, die Haare ordentlich zurück gegelt, in seinem besten Anzug und mit der unnahbaren Maske, die er sich bei solchen Feiern immer aufsetzt, kann er zum ersten Mal seit zehn Jahren keine Bitterkeit mehr erkennen. Stattdessen ziert ein kleines Lächeln seine Lippen, nicht groß genug, um als glücklich beschrieben werden zu können, aber auch nicht klein genug, um unbedeutend zu sein.

Und seine Augen...zum ersten Mal seit langem scheinen sie nicht matt zu sein, wie angelaufenes Gold, sondern sie strahlen wie frisch polierter Schmuck.

Das alles....das alles hat er nur Oz zu verdanken, das weiß Gilbert. Und er ist dankbar dafür.

„Hey, Gil...“, unterbricht Oz seine Gedanken. „Danke.“

Überrascht lässt Gilbert die Hände sinken und sieht seinen Master an, der jetzt aufsteht und zum Bett geht, wo sein Frack ausgebreitet auf den Decken liegt. Oz wartet, bis Gilbert sich die Hände an einem Tuch abgewischt und seine Handschuhe wieder angezogen hat, bis er seinem Diener die schwarze Jacke hin hält und erwartungsvoll die Arme ausbreitet.

„Wofür?“, fragt Gil, während er Oz in die Jacke hilft und noch einmal überprüft, ob alles richtig sitzt.

Noch während er auf die Antwort wartet, weiß er, dass er sie unbedingt hören muss, weil sie etwas Grundlegendes ausmachen wird. Dass sich jetzt, hier, etwas zwischen ihnen verändern wird. Etwas, das seit dem Moment darauf gewartet hat, sich wandeln zu dürfen, in dem Oz aus dem Abyss zurück gekommen ist und eine so veränderte Welt vorgefunden hat, dass er selbst und die Beziehungen zu den Leuten um ihn herum, die Beziehung zu Gilbert, keine Chance hatten, sich ebenfalls zu verändern.

Es ist etwas, das Gilbert für zehn Jahre entschädigen wird, in denen er in den Schatten seiner eigenen Seele versunken ist. Und etwas, das Oz den Weg bereiten wird in eine Zukunft, die er sich jetzt vielleicht noch nicht ausmalen kann.

„Danke dafür, dass du immer noch hier bist, bei mir“, flüstert Oz leise und so ergriffen, dass er nur mit Mühe die Tränen zurück halten kann. Tränen, die vielleicht schon seit jenem Tag darauf gewartet haben, jetzt zurückgehalten werden zu dürfen.

Zitternd lehnt er sich gegen Gilberts steifen Körper, klammert sich in dessen Jackett fest und vergräbt sein Gesicht an der Brust seines Dieners und besten Freundes.

„Danke, dass du das einzig Absolute in meinem Leben bist.“

Und endlich erwacht Gilbert aus der Starre, die Oz' Worte in ihm ausgelöst haben, und erwidert die Umarmung seines Masters mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen.

Unnatürlich schnell pocht sein Herz hinter seinen Rippen, als würde es ihm vor Freude aus der Brust springen wollen, weil Oz endlich die Worte gesagt hat, die Gil seit zehn Jahren hören wollte. Was kümmern ihn da noch all die deprimierenden Erinnerungen, all die hässlichen Narben, die sich um sein Herz schlingen und seinen Körper verunstalten?

Er drückt ihn einmal fest an sich und fährt ihm ein letztes Mal über die glatten Haare, die dennoch nichts von ihrer Sanftheit verloren haben, ehe er sich aus der intimen Pose befreit und Oz eines der wundervollsten Lächeln schenkt, die er zu bieten hat.

„Los, wir sollten langsam gehen“, sagt er ruhig aber bestimmt, und dirigiert Oz bereits zur Tür hinaus, in Gedanken noch einmal seinen Schwur wiederholend, den er vor so langer Zeit geleistet hat und den er immer noch bis auf das kleinste Wort weiß.

Als er die Tür hinter sich schließt, fallen zeitgleich all die Ängste und Zweifel von ihm ab. Ängste, die er seit zehn Jahren mit sich herum trägt und Zweifel, die in Sablier so heftig aufgewühlt wurden, wie der Staub in den unterirdischen Gängen. Verpuffen unter einem einzigen, klaren Gedanken.

Ja, es stimmt, er ist das einzig Absolute im Leben seines Masters. Das ist alles. Das reicht ihm.
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