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Something That I Want

Kurzbeschreibung
SongficHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Garnet Till Alexandors XVII / Lili / Dagger Quina Quen Vivi Orunitia Zidane Tribal
15.02.2013
15.02.2013
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Seufzend pustete sich Garnet eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht und strich sich mit dem Handrücken über die Stirn. Es war unerträglich warm, sie schwitzte furchtbar in dem Lederoverall und ihre einst weiße Seidenbluse klebte dreckig und unangenehm an ihrem Körper.

Der Wasservorrat, den sie mit sich führten, war fast aufgebraucht, aber sie weigerte sich, egoistisch zu sein und den kläglichen Rest auszutrinken, wo doch der kleine Vivi sich auch so tapfer schlug. Also blieb ihr nichts Anderes übrig, als sich stoisch ihrem Schicksal zu beugen und Zidane, Quina und Vivi durch die sengende Hitze der Wüste zu folgen.


She’s a girl with the best intentions

He’s a man of his own invention




Sie fragte sich, wie Zidane so gut mit der Wanderung zurecht kam. Natürlich trug er weitaus geeignetere Reisekleidung als sie, aber er schien auch viel besser gelaunt zu sein als der Rest ihrer kleinen Gruppe. Wie er das immer wieder schaffte, war ihr ein Rätsel – sie musste noch immer an die Ereignisse in Alexandria denken und an das, was ihre Mutter ihr angetan hatte. Noch immer spürte sie eine furchtbare Leere in ihrem Inneren, dort, wo einmal ihre Eidolons gewesen waren…

Und dennoch konnte sie nicht umhin zu lächeln, als Zidane plötzlich anfing, Vivi eine Geschichte zu erzählen, um ihn von dem anstrengenden Marsch abzulenken – natürlich mit sich selbst in der Hauptrolle. Garnet war der festen Überzeugung, dass mindestens die Hälfte aller wagemutigen Abenteuer, von denen Zidane so voller Enthusiasmus berichtete, erfunden waren, aber aus irgendeinem Grund störte sie das gar nicht weiter. Und das, obwohl sie Lügner eigentlich zutiefst verachtete.

Nur zu gut erinnerte sich die Prinzessin daran, wie sie am Morgen ihres 16. Geburtstags aufgewacht war – Oh Götter, war das lange her! – und hinaus auf die Stadt geblickt hatte, über der das gewaltige Theaterschiff geschwebt war.

So hatte alles angefangen.


She looked out of the window
He walked out the door




Und dann war er aus der Tür getreten, hinaus auf die Bühne, und obwohl ihre Gedanken zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz woanders gewesen waren, war sie doch auf ihn aufmerksam geworden. Auf der Bühne war er einnehmend gewesen und mit Abstand der beste Schauspieler der ganzen Truppe – warum er nicht die Hauptrolle bekommen hatte, war ihr ein Rätsel. Seine einnehmende und überzeugende Art hatte sie mitgerissen und obwohl sie vorgehabt hatte, sich heimlich an Bord des Theaterschiffes zu schleichen, hatte sie stattdessen ihn gebeten, sie zu entführen… Und er hatte sie nicht enttäuscht.

Seither war sie ihm größtenteils bedingungslos gefolgt, wohin auch immer er sie führte.


But she followed him
And he said, "What'cha lookin' for?"




In all der Zeit, die sie bisher gemeinsam unterwegs waren, hatte Zidane aber auch immer darauf geachtet, sie zu fragen, ob die Richtung, in die sie gingen, für sie in Ordnung war. Ob es ihr gut ging, ob es ihr auch an nichts fehlte…

Sicher, er tat das auch bei Quina und Vivi und auch Steiner hatte er trotz ihrer ständigen Streitigkeiten eigentlich gut behandelt… aber dennoch wurde Garnet das Gefühl nicht los, dass sie eine bevorzugte Behandlung genoss. Es störte sie ein bisschen, dass er anders mit ihr umging als mit dem Rest der Gruppe, weil sie eigentlich nicht ständig daran erinnert werden wollte, dass sie adliger Herkunft war und die anderen nicht – es tat gut so wie sie zu sein, es tat so gut, Gesellschaft zu haben – aber jedes Mal, wenn Zidane sie ansah und ihr auf eine ganz bestimmte Art zugrinste, errötete sie nur ein bisschen und vergaß ihren Unmut.

 „Wir bleiben heute Nacht hier!“ Garnet schreckte aus ihren Gedanken und warf Zidane, der abrupt stehen geblieben war und zu einer Ansammlung von Bäumen um einen kleinen Wassertümpel deutete, einen verblüfften Blick zu. Quina gab lediglich ein undeutbares Geräusch von sich und schlurfte schwerfällig hinüber in den Schatten, Vivi tat es ihm etwas langsamer gleich.

„Das ist doch okay, Dagger?“ Erwartungsvoll blickte der Dieb sie an, eine Hand in seinem Nacken. Sie beeilte sich zu nicken und verschwieg, wie erschöpft sie war und wie sehr sie sich über eine Pause freute. Stattdessen fragte sie:

„Wir waren gestern doch länger unterwegs, nicht wahr?“

„Mhm“, bestätigte Zidane und sah dann zu Vivi, der sich kraftlos an eine schiefe Palme gelehnt hatte und sich Luft zufächelte. „Aber der Kleine klappt bald zusammen… und du siehst auch erschöpft aus.“

Oh. Er hatte es doch bemerkt. Sie kämpfte gegen den Drang zu erröten an, verlor diesen Kampf jedoch und strich sich eine feuchte Haarsträhne aus dem Gesicht, ehe sie sich eilig abwandte und so schnell sie konnte zu Vivi in den Schatten eilte, um sich neben ihm niederzulassen und den Wasserschlauch aus ihrer Tasche zu holen.

„Hier, Vivi“, sagte sie und lächelte ihn an. „Trink den Rest aus, ich hole gleich neues.“

„Oh… danke“, krächzte der kleine Schwarzmagier dankbar und leerte den Schlauch in einigen großen Schlucken. Dann seufzte er und sah mit leuchtend gelben Augen zu ihr auf.

„Es tut mir leid“, murmelte er und rückte nervös seinen Hut zurecht.

„Was denn?“, erkundigte sie sich verblüfft. „Um das Wasser musst du dir doch keine Sorgen machen, hier ist doch eine Quelle.“

„Das meine ich nicht“, entgegnete Vivi und schüttelte den Kopf. „Wir müssen wegen mir so oft Pause machen… Wenn ich nicht so langsam wäre, könntet ihr schon so viel weiter sein.“ Sie lächelte und tätschelte ihm die Schulter.

„Mach dir nicht so viele Gedanken“, beruhigte sie ihn und erhob sich langsam. „Es ist alles in Ordnung, keiner macht dir einen Vorwurf. Und“, fügte sie leiser hinzu und lächelte noch etwas breiter, „um ehrlich zu sein, könnte ich die Pause auch gut gebrauchen.“ Froh über das Lächeln, das sich auf Vivis Gesicht schlich, schritt die Prinzessin hinüber zu dem kleinen See, der zwischen den Bäumen lag.

Quina hatte sich bereits halb hinein gehängt und fiel just in dem Moment kopfüber ins Wasser, als Garnet hinzu trat. Sie hielt schützend die Arme vors Gesicht, doch auch das konnte nicht verhindern, dass sie von Kopf bis Fuß nassgespritzt wurde – nun, nicht, dass es sie störte bei dieser Hitze.

„Tschuldigung“, schmatzte Quina und erhob sich, klatschnass wie er war, wieder aus dem Tümpel. „Muss trinken! Viel Durst. Ist heiß…“ Garnet blickte dem watschelnden Qu hinterher und sah ihm und Zidane dabei zu, wie sie schon einmal das Zelt entrollten, dann wandte sie sich ab und kniete sich am Ufer hin.

Vorsichtig befüllte sie ihren Wasserschlauch und summte versonnen das Lied, an das sie sich seit ihrer Kindheit erinnerte. Sie hatte es lange nicht mehr gesungen… jedenfalls nicht laut. Nicht seit damals in Lindblum, als Zidane dabei gewesen war.

Nicht, dass sie viele Gelegenheiten gehabt hatte, es zu tun – es war so viel passiert seit Lindblum, dass Garnet noch immer manchmal glaubte, sie würde jeden Moment in ihrem Zimmer in Alexandria aufwachen und sich darüber wundern, wie wild sie geträumt hatte. Aber es war kein Traum…

„Hey, Dagger, wie sieht’s mit dem Wasser aus?“ Die Prinzessin erhob sich und drehte sich lächelnd zu Zidane um, der an sie herangetreten war.

„Ich habe meinen Schlauch gerade wieder befüllt. Ich werde gleich auch eure auffüllen, soll ich dann…“ Sie bemerkte, dass er sie mit einem ganz seltsamen Blick betrachtete und hielt verblüfft inne. „Zidane? Stimmt etwas nicht?“

Ein Grinsen breitete sich auf seinen Zügen aus, doch es war nicht das fröhliche, das ihr so sympathisch an ihm war. Ganz im Gegenteil.

„Soll das eine Einladung sein, Dagger?“


He's been livin' in a pure illusion
She's gonna come to her own conclusion



„W-Wie bitte…?“ Er nickte vielsagend mit dem Kopf in ihre Richtung und Garnet sah verwirrt an sich hinunter – nur, um festzustellen, dass ihre Seidenbluse dank des Wassers komplett durchsichtig geworden war und ihre Brüste beinahe vollständig zu sehen waren.

„Z-Zidane!!“ Sie lief puterrot an und ließ beinahe den Wasserschlauch fallen, als sie panisch versuchte, sich zu bedecken. Dennoch hielt sie das nicht davon ab, einen Schritt auf den Dieb zuzumachen und ihm eine schallende Ohrfeige zu verpassen. Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und eilte ans andere Ende der kleinen Oase, bevor er sich von dem Schreck erholte und ihr noch folgte.

Oh, dieser Widerling! Dieser unerträgliche, gemeine…! Ihr fehlten vor lauter Empörung sogar die Worte. Natürlich machte er manchmal die ein oder andere Andeutung – und damals in Dali hatte er sogar genug Dreistigkeit besessen, ihr an den Hintern zu fassen – doch niemals zuvor hatte er sie so… angestarrt, als wenn sie nichts weiter als ein Stück Fleisch wäre.

Wütend ließ sich Garnet so weit wie möglich von dem kleinen Lager nieder, das Zidane und Quina aufgeschlagen hatten, und drehte ihren Gefährten demonstrativ den Rücken zu. Eine solche Unverschämtheit war ihr in ihrem ganzen Leben noch nicht untergekommen! Nicht einmal in den furchtbar tief ausgeschnittenen Kleidern, die sie auf Bällen hatte tragen müssen, mit den viel zu eng geschnürten Korsagen, hatte man ihr so unverblümt in den Ausschnitt gestarrt.

Aber genug war genug. Sie würde es nicht länger dulden, dass dieser… dieser… unverschämte Kerl sie so behandelte! Sie war eine Prinzessin und er hatte ihr Respekt zu zollen!

Steiner hatte absolut Recht gehabt, Zidane war eine dreiste und freche Person. Sie konnte nicht fassen, wie sehr sie sich in ihm geirrt hatte! Die Meinung würde sie ihm sagen, jawohl! Dass sie nicht länger zulassen würde, dass er so mit ihr umging und dass…


Right when you think you know what to say
Someone comes along and shows you a brand new way



„Dagger?“ Sie sah auf und blickte in Vivis fragend dreinblickenden Augen. Augenblicklich verrauchte ihre Wut; angesichts des traurigen Ausdrucks in den leuchtenden Augen konnte sie einfach nicht länger wütend sein.

„… Was ist denn, Vivi?“

„Bist du… uns böse?“

„Nicht dir“, seufzte Garnet und schüttelte den Kopf. Erst jetzt bemerkte sie, dass es inzwischen dunkel geworden war; hier in der Wüste ging der Sonnenuntergang so ungewohnt schnell vonstatten. „Und auch nicht Quina…“

„Bist du Zidane böse?“ Sie wandte den Blick ab und schwieg. Sie war ihm nicht nur böse, sie war absolut wütend auf ihn. Und es würde mehr als eine Entschuldigung und einen Witz brauchen, um sie diesmal wieder gnädig zu stimmen!

„Hat er dir weh getan?“, fragte Vivi vorsichtig weiter und wieder entfuhr der Prinzessin ein Seufzen.

„Nein“, räumte sie ein, obwohl ihr Stolz schon etwas unter der Betrachtung gelitten hatte. Sie war kein Stück Fleisch, das man nach Lust und Laune begaffen konnte!

„Aber warum bist du ihm dann böse?“

„Weil…“ Weil sie keines seiner Hafenhäschen war. Weil sie nicht nur mit ihm reiste, damit er sie unverschämt anstarren konnte. Weil sie eine bessere Behandlung als das verdiente. Weil…

„Ich glaube, es tut ihm leid“, fuhr Vivi fort und ließ sich neben ihr in die Hocke sinken. „Was auch immer er getan hat. Weißt du, er sieht ganz traurig aus.“ Ihr entfuhr ein Schnauben und sie schüttelte ungläubig den Kopf.

Zidane hatte nicht traurig auszusehen. Er hatte sich noch nicht einmal entschuldigt für sein furchtbares Verhalten! Sie war das Opfer in dieser Sache, nicht er.

„Essen fertig“, informierte Quina die beiden plötzlich. „Lecker Kaktor-Früchte, schmecken gut!“

„Ich komme!“ Vivi warf der Prinzessin noch einen zögerlichen Blick zu, dann erhob er sich und lief zurück zum Lager. Garnet spürte, wie Quina sie erwartungsvoll ansah, und sagte schnell:

„Ich habe jetzt keinen Hunger, Quina. Ich esse später etwas…“

„Du krank?“, erkundigte sich der Qu besorgt und sie seufzte wieder schwer.

„Nein. Nur wütend.“

„Warum du wütend?“ Quina war mehr als verwirrt. „Sonne weg, Nacht kalt. Musst essen, damit nicht mehr wütend, ja?“

„Es geht um Zidane“, brummte Garnet, zog die Beine an die Brust und bettete ihr Kinn darauf. „Er ist… einfach unmöglich.“

„Zidane sehr möglich“, entgegnete der Qu überzeugt. „Fliegende Frösche, das unmöglich.“ Ein leises, verzweifeltes Stöhnen entwich ihr und sie vergrub das Gesicht in den Händen.

„Das ist es nicht!“, klagte sie. „Er hat… mich angestarrt!“ Einen Augenblick war es still. Dann jedoch bemerkte Quina fast schon fröhlich:

„Ich gerne Frösche anstarren.“

„Oh, Quina!“ Sie sah fassungslos zu ihm auf. „Was…?“ Quinas Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen und er erklärte:

„Ich gerne Frösche anstarren. Zidane gerne dich anstarren. Ich mögen Frösche. Zidane mögen dich. Vielleicht du Zidanes Frosch?“ Ungläubig starrte Garnet hoch in das weiße und kugelrunde Gesicht des Qus. Sie war so überrascht, dass ihr nicht einmal eine Erwiderung einfiel.

Offenbar zufrieden mit seiner Leistung, sie maßlos verwirrt und überfordert zu haben, lachte Quina glucksend und leckte sich mit der langen Zunge die Lippen, dann verkündete er:

„Ich jetzt essen. Du kommen und essen später, ja?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, watschelte der Qu wieder von dannen, sie mit ihrer Verwirrung allein lassend.

Sein Frosch? War sie gerade tatsächlich mit einer dieser glitschigen, grünen Amphibien verglichen worden?!

Offensichtlich war einer ihrer Gefährten schlimmer als der andere! Zuerst starrte Zidane sie an, als wäre sie eines dieser leichten Mädchen, und dann beleidigte Quina sie auch noch mit diesem absolut unmöglichen Vergleich. Sie war doch kein Frosch!

Und dabei hatte sie Zidane doch eigentlich recht gern. Er war verlässlich und mutig und selbstsicher und stark und alles das, was sie nicht war, frei und ungebändigt wie der Wind. Sie hatte ihn bewundert für seine Stärke und seine Fähigkeit, zu lächeln – egal, was passierte.

Warum hatte er sie so enttäuscht? Sie hatte lediglich… einen Freund gewollt. Einen Freund, dem sie bedingungslos vertrauen konnte.


She said, "I want something that I want
Something that I tell myself I need
Something that I want
And I need everything I see."




Aber wie sollte sie ihm denn vertrauen, wenn er sie nur als eine weitere Kerbe an seinem Bettpfosten betrachtete? Sie bezweifelte nicht, dass die Frauen in Lindblum ihm zu Füßen lagen, er war zu charmant, als dass man sich dagegen wehren konnte, ihn irgendwie zu mögen.

Einen Freund hatte sie sich ihr ganzes Leben lang gewünscht… und dann war sie aus dem Schloss weggelaufen und hatte plötzlich mehr Freunde gehabt, als sie sich je erträumt hatte. Natürlich, jeder ihrer Gefährten hatte eigene Ziele auf dieser Reise, aber dennoch waren sie alle gemeinsam unterwegs.

Sie sah endlich die Welt, die sie nur aus Büchern kannte, fühlte und schmeckte die Freiheit in jedem Atemzug, den sie hier in der Wildnis tat. Und wem hatte sie das zu verdanken?

Zidane.

Natürlich.

Und dennoch verhielt er sich so furchtbar unreif und unverschämt! Sie war so unerträglich sauer! … Und sie war mit Sicherheit kein Frosch.

Beleidigt blies Garnet die Backen auf und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr, ehe sie die angehaltene Luft wieder ausstieß und doch wieder das Kinn auf die Knie aufstützte. Warum tat er so etwas? Warum konnte er nicht einfach… nett sein?

Sie wusste nicht, wie lange sie am Rand der kleinen Oase gesessen und hinaus in die Dunkelheit gestarrt hatte. Irgendwann war es kühl geworden, aber sie war zu stolz – und zu wütend – gewesen, um zurück zum Lager zu gehen und sich eine Decke zu holen. Sie wollte Zidane nicht sehen.

Doch der Dieb hatte wohl andere Pläne.

„… Dagger?“ Sie hatte seine auf dem Sand knirschenden Schritte schon gehört, noch bevor er etwas gesagt hatte, doch sie verspürte keine Lust, ihn anzusehen. Demonstrativ wandte sie den Kopf ab und hoffte, dass er einfach gehen würde.

„Ich… hab dir die Reste des Abendessens mitgebracht“, murmelte er nach einer kurzen, unangenehmen Stille.

„Ich habe keinen Hunger.“ Ihr laut knurrender Magen strafte sie Lügen, doch Zidane sagte nichts weiter dazu. Sie hörte, wie er etwas neben ihr auf den Sand legte.

„Hör mal… Ich weiß, dass ich… Mist gebaut hab“, sagte er dann plötzlich. „Ich hätte nicht… Es tut mir leid.“ Er klang ehrlich reumütig, aber es war ihr egal. Zumindest redete sie sich das ein.

„Geh einfach“, versetzte sie spitz. Sie hörte ihn seufzen, doch er machte keine Anstalten, zu gehen. Stattdessen hörte sie, wie er sich in einiger Entfernung ebenfalls in den Sand sinken ließ.

Oh, warum ließ er sie nicht einfach in Ruhe? Wie konnte man denn nur so furchtbar dreist sein und nicht einmal ihren Wunsch, etwas allein zu sein, respektieren?

Einfach nur jemanden, der sie verstand und sie respektierte. Dem sie vertrauen konnte…


It's so easy to make believe,
it seems you're livin' in a dream
Don't you see that what you need
is standing in front of you?




„Ich weiß, dass ich manchmal echt unausstehlich bin“, murmelte Zidane nach einer langen Zeit schließlich. „Ich will mich auch gar nicht… rechtfertigen oder so, nur…“ Er seufzte. „Nur entschuldigen.“ Als sie nichts daraufhin sagte, fuhr er langsam und ein bisschen unsicher fort, so gar nicht er selbst:

„Weißt du… bei den Jungs von der Tantalus, da… da war alles anders. Blank und Marcus, sie haben mich dauernd aufgezogen, weil ich der Jüngste war. Allen voran Blank. Und da… na ja, dann hab ich eben angefangen… Ich wollte ihnen beweisen, dass ich ihnen in nichts nachstehe. Deshalb… Verstehst du?“

Nicht wirklich. Aber sie schwieg weiter und wartete darauf, dass er fortfuhr. Ohne, dass es ihr bewusst war, wollte sie die Fortsetzung hören.

„… Ich, äh… mag dich echt, Dagger. Und manchmal, da… da geht’s einfach mit mir durch, weil ich … Du bist wirklich hübsch und weißt du, ich bin…“ Er stockte kurz. „Es tut mir leid.“

Gegen ihren Willen war sie gerührt von seiner Ansprache – und fühlte sich auch ein bisschen geschmeichelt durch das Kompliment. Sie wollte ihm nicht verzeihen, wollte weiter wütend auf ihn sein und ihm die kalte Schulter zeigen, aber sie konnte einfach nicht.

Irgendwie überraschte er sie immer wieder – wann immer sie dachte, sie würde über ihn Bescheid wissen und durch ihn hindurchsehen können, tat er etwas völlig Unerwartetes. So etwas wie das hier.

Wahrscheinlich war das der Grund, warum sie ihn so sehr mochte.

Sie hob den Kopf und stand langsam auf, ehe sie den Teller mit den restlichen Kaktor-Früchten nahm, die Quina angebraten hatte, dann sah sie auf Zidane hinunter, der ihrem Blick beinahe verunsichert begegnete.

„Zidane, lass mich eines klarstellen“, sagte sie ernst und bemerkte mit einiger Genugtuung, wie er zusammenzuckte. „Ich bin nicht dein Frosch!“

„Äh… Was?“

Sie antwortete nicht und kehrte, leise über seine Verwirrung kichernd, zurück ins Lager, wo sie sich am Lagerfeuer niederließ, sich wärmte und die köstlichen Früchte genoss. Quina und Vivi warfen ihr einen verblüfften Blick zu, doch sie achtete gar nicht weiter darauf.

Garnet weigerte sich schlichtweg, Zidanes Frosch zu sein. Aber… etwas Anderes… konnte sie für ihn sein, sagte ihr das flattrige Gefühl in ihrer Bauchgegend.

Vielleicht.
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