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Predators

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
10.02.2013
10.02.2013
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PREDATORS

Ein Abenteuer vor 65 Millionen Jahren

KAPITEL 1

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Es herrschte eine erdrückende Hitze in dem riesigen Tal. Einst war es ein weites und grünes Land, mit dichten Dschungeln und einer großen Anzahl verschiedenster Geschöpfe. Doch zu jener Zeit brach eine neue Dürreperiode herein. Die gnadenlose Sonne, der späten Kreidezeit ließ sämtliche Flüsse und Seen des Tals austrocknen. Nur der einst mächtige Weststrom, der sich durch das gesamte Tal zog, führte noch ausreichend Wasser mit sich, doch bei dieser lang anhaltenden Dürre, würde auch er sehr bald  zu einem Rinnsal verkümmern.
Im seichten Wasser des Flusses stand ein riesiger Baryonyx. Ein massiger Raubsaurier mit langen Sichelkrallen an den Händen und einem langen krokodilähnlichen Maul. Völlig regungslos lauerte der Raubsaurier auf Beute. Als ein unvorsichtiger Fisch in die Reichweite seiner gefährlichen Klauen geriet, streckte er plötzlich blitz-schnell seinen Arm ins Wasser und spießte den Fisch auf.
Während er nun damit anfing den Fisch zu vertilgen, trottete auf der anderen Seite des Flusses eine Gruppe Styracosaurier heran. Für die großen pflanzenfressenden Dinosaurier wurde es im Tal immer schwieriger Nahrung zu finden. Dort, wo sich sonst üppige Vegetation befand, war jetzt alles verdorrt und vertrocknet. Trotz der Anwesenheit eines Raubsauriers, wirkten die Pflanzenfresser überaus ruhig und ließen sich von dem Baryonyx nicht stören.
Der Raubsaurier blickte nur kurz zu ihnen auf,  wandte sich dann aber lieber wieder dem Fisch zu, da er nicht das Verlangen verspürte, mit den gefährlichen Hörnern der Styracos Bekanntschaft zu machen.
Weiter Flußabwärts planschten einige junge Hadrosaurier im Wasser herum, während die älteren Tiere ihren Durst stillten.  
Plötzlich begann die Erde unter tonnenschwerer Schritten zu erzittern und die Ruhe der Styracosaurier war mit einem Mal verflogen. Selbst der Baryonyx blickte nervös um sich und ließ vor Schreck den Fisch aus seinem langen Krokodilmaul fallen.
Aus dem naheliegenden Wald bewegte sich etwas Großes auf sie zu. Baumstämme brachen laut krachend zusammen. Zwei wilde Augen spähten durch die Zweige der hohen Bäume. Sie verfolgten jede Bewegung, die sich unten am Fluß abspielte. Mit langsamen Schritten trat die riesenhafte Gestalt schließlich aus dem Wald hervor. Die Styracosaurier begannen sofort mit ihren Hörnern zu drohen und selbst der 9 Meter lange Baryonyx fürchtete sich vor dem schwarzen Schatten und wich zurück, als er sich dem Flußufer näherte. Es war ein mächtiger Tyrannosaurus Rex. Sein breiter Nacken schien nur aus Muskeln zu bestehen, die gespannt waren wie Stahlseile. Der dunkelbraune Raubsaurier bleckte seine scharfen messerartigen Zähne und stieß ein tiefes Grunzen aus. In Panik ergriffen die Hadrosaurier die Flucht. Doch der riesige T-Rex war nicht auf der Jagd und kam ebenfalls hinunter zum Fluß um zu trinken. Dem Baryonyx war diese Gesellschaft allerdings nicht sehr geheuer und zog es vor, sich aus dem Staub zu machen.

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Es lebten allerdings auch Dinosaurier in der Umgebung, die weder unter Durst noch unter der erdrückenden Hitze litten. Es war ein Rudel von grauschuppigen Raptoren. Diese überaus cleveren Dinosaurier hatten eine geheime Wasserstelle ganz für sich allein, die nur ihnen bekannt war. Ihre Wasserstelle war eine verborgene Höhle, in der sich ein unterirdischer Fluß zog. Für sie war immer genügend Wasser da und in der angenehm kühlen Höhle waren sie vor der sengenden Sonne geschützt.  Die Raptoren sorgten auch streng dafür, daß IHRE Höhle von keinem fremden Dinosaurier entdeckt wurde. Es waren immer drei bis vier Raptoren als Wachposten in einiger Entfernung um die Höhle verteilt, die jeden Fremdling vertrieben, sobald er auch nur in die Nähe der Höhle kam. Selbst die rotschuppigen Raptoren die weiter unten im Tal lebten, wurden hier oben im Vulkangebirge nicht geduldet und als Feind betrachtet.
Raptoren lebten in verschiedenen Clans und unterschieden sich in ihrer Größe und der Färbung. Unten im Tal, in der Nähe des Flusses lebten die rotschuppigen Deinonychus und die großen gelbschnäuzigen Raptoren, während im Vulkangebirge die dunkelgrauen Utahraptoren lebten. Die Clans waren untereinander erbitterte Feinde, die ständig um ihre Vormachtstellung kämpften. Die großen Gelbschnauzen waren zwar im Tal die dominierende Spezies, doch die etwas kleineren Utahraptoren konnten sich stets mit List und Tücke gegen ihre großen Artgenossen behaupten. Sie galten in jener Zeit als die intelligentesten Lebewesen auf der Erde und das machte sie zu den erfolgreichsten Raubsauriern der Kreidezeit.

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Ein einsamer pflanzenfressender Segnosaurus erreichte bald die hügelige Region. Er war völlig ausgedörrt und suchte verzweifelt nach Wasser. Doch weit und breit war keine einzige Wasserstelle zu finden, dennoch wusste er aber, dass sich in der Nähe Wasser befinden mußte.

Den klaren und wachsamen Augen der Raptoren entging jedoch nichts. Die Farbe und die Zeichnung ihrer Schuppen war in dieser bergigen und staubigen Region eine ideale Tarnung. Die vier Raubsaurier lauerten regungslos in ihren Verstecken und befanden sich in entgegengesetzter Windrichtung zum Segnosaurus, so dass er diese nicht wittern konnte.

Der Anführer des grauen Raptorclans trug den Namen ´Sturmblut´ und war für seine Art ein äußerst großer und kräftiger Raubsaurier. Er war der erfahrenste Jäger im ganzen Rudel und überaus intelligent. Selbst die Gelbschnauzen unten im Tal, hatten Respekt vor ihm.

Diese vier Raptoren waren schon öfters gemeinsam auf der Jagd und gut aufeinander eingespielt. Noch verharrten die Vier in ihrer Position und beobachteten den heran nahenden Segnosaurus, bis der Anführer plötzlich ein leises und kaum wahrnehmbares Knurren ausstieß. Die Raptoren wußten genau, was sie jetzt zu tun hatten. Wie von einer Tarantel gestochen, sprangen sie aus ihr Versteck.
Zwei Raptoren näherten sich von den Seiten, während die beiden Anderen dem Segnosaurus den Weg abschnitten. Der Segno bäumte sich drohend zu seiner vollen Größe auf, doch das machte auf die Raptoren keinerlei Eindruck. Sie wußten zwar, dass der große Pflanzenfresser sie erledigen konnte, aber für einen Kampf war er viel zu sehr geschwächt und das nutzten sie aus.

Erbarmungslos griffen die Raubsaurier an und schlugen ihm immer wieder ihre scharfen Sichelkrallen ins Fleisch. Der Kampf war nur von kurzer Dauer und der Segnosaurus brach zusammen. Der hohe Blutverlust gab ihm schließlich den Rest.

„Das hat sich heute ja richtig gelohnt!“ knurrte das junge Weibchen erfreut. „Endlich Beute an der auch mal was dran ist!“

Zufrieden blickte der Anführer auf die erlegte Beute und schnaubte: „Das war ein guter, sauberer Hinterhalt. Ihr werdet immer besser, was ich von euch auch nicht anders erwartet habe.“

Dem Weibchen lief bereits das Wasser im Maul zusammen.

„Darf ich nicht jetzt schon ein kleines Stück abbekommen, großer Bruder?“ bettelte das hungrige Weibchen.

„Kommt nicht in Frage!“ grunzte er. „Die Beute gehört dem Clan und nicht uns allein!“

„Ach komm schon, Sturmblut! Nur einen. . .“

Grimmig fauchte der Raubsaurier seine Schwester an: „Du bekommst schon noch deinen Anteil! Aber immer schön nach der Rangordnung, ist das klar!? Vorher bekommst du nichts!“

„Typisch Alpha! Es muß doch immer alles nach eurer Schnauze gehen!“ knurrte das Weibchen beleidigt.
Sturmblut schüttelte den Kopf. „Dummes Ding!“ dachte er.

Schließlich wurde der leblose Körper des Segnosaurus von den vier Raptoren zur Höhle geschafft, denn daheim wartete schon ein ganzes Rudel auf Fleisch.

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Nicht allzu weit von der Raptorenhöhle entfernt, lebte am Rande des Vulkangebirges ein riesiges Tyrannosaurus Rex Weibchen. Hier hatte es sich mit seinem Partner nach einer langen Wanderung niedergelassen und ein Nest errichtet.

Nun waren vor sechs Wochen ihre ersten Jungen geschlüpft. Es waren zwei Saurierküken. Ein Bruder und eine Schwester.

Die Mutter lag neben ihrem Nest und ließ ihre spielenden und herumtobenden Jungen keine Sekunde aus den Augen. Nach dem ihr Partner im Kampf mit einem Triceratops starb, zog sie nun ihre Jungen alleine auf, was für sie nicht immer leicht war, da die Kleinen nichts als Unfug im Sinn hatten. Sie trampelten auf dem Kopf ihrer Mutter herum und zankten sich ständig. Doch dieses Zanken war für die Jungen ein überlebenswichtiges Training, da sie nur auf diese Weise lernten, sich gegen ihre späteren Feinde zu verteidigen.
Das junge Männchen hieß ´Talon´ und unterschied sich in seiner Färbung stark von seiner Schwester ´Khara´. Ihre Schuppen trugen das für Tyrannosaurus Rex typische dunkelbraun. Doch dieses Männchen, trug dunkelgrüne Schuppen mit rötlichen Streifen, die quer über dem Nacken bis zum Schwanz hinunter verliefen. Während Khara ein genaues Abbild der Mutter war, kam Talon direkt nach seinem verstorbenen Vater.

Mutter liebte ihren Sohn besonders. Nie verhielt er sich seiner Mutter gegenüber ungehorsam oder aufsässig. Während seine Schwester öfters von Mutter angebrüllt wurde, weil Khara wiedermal nicht hören wollte, brüllte sie Talon nur sehr selten an. Trotz all dem keimte zwischen den beiden Jungsauriern niemals Eifersucht auf.
Mutter Tyrannosaurus versuchte ihren Jungen stets klar zu machen, daß sie sich nicht zu weit aus dem Nest bewegen dürfen und erzählte ihnen immer wieder die Geschichte von dem Stacheldrachen ´Terrorclaw´, einem bösen Spinosaurus, der immer wieder ins Tal zurück kommt um unvorsichtige Dinojungen zu stehlen. Sie erklärte ihnen auch, daß sie niemals ins Gebirge hinauf dürfen, da von dort oben noch nie ein Dinosaurier lebend zurückgekehrt ist.

Noch ahnte Mutter Tyrannosaurus nicht, daß ihre Jungen bereits jetzt in größter Gefahr schwebten. Drei Troodon  hatten das T-Rex Nest entdeckt. Diese kleinen Raubsaurier waren zu der Zeit die gefürchtetsten Nesträuber. Tagsüber waren sie nirgends zu erblicken, nur in der Abenddämmerung krochen sie aus ihre Verstecke und zogen Plündernd durch das Tal.
Sie hockten geduckt im mattgrünen Unterholz und streckten ihre langen Schnauzen aus den vertrockneten Farnwedeln. Sie hatten gerade mal eine Größe von 1,60 Meter und trugen noch ihre jugendliche Färbung. Dennoch waren die drei Jungsaurier schon jetzt bereit zum Plündern. Sie waren hungrig und die wehrlose Jungbrut schien für sie eine leichte Beute zu sein, wenn sie nur an der Mutter vorbei kommen könnten. Als einzige Möglichkeit blieb es ihnen, die T-Rex Mutter von ihren Jungen wegzulocken.



Mutter Tyrannosaurus war immer auf der Hut. Sie achtete auf jedes noch so kleine Geräusch, das ihr  verdächtig erschien.

Urplötzlich sprangen ihr zwei der Troodon entgegen und fauchten. Sofort richtete sie sich auf und jagte grollend den flinken Räubern hinterher.

Das war nun die Gelegenheit für den Dritten sich die Jungen zu schnappen. Blitzschnell rannte der Räuber zum Tyrannosaurus Nest. Er entschied sich spontan für das junge Männchen und versuchte es zu packen. Doch so wehrlos wie er glaubte, waren die T-Rex Jungen gar nicht und wich überrascht zurück, als das Junge knurrend nach seinen Klauen schnappte. Dieser kleine Winzling dachte überhaupt nicht daran, sich von dem unerfahrenen Troodon fressen zu lassen. Er war zwar klein, hatte aber schon erstaunlich scharfe Zähne. Der junge Troodon war verwirrt. Wie sollte er es nur anstellen, dieses beißende und schnappende Etwas zu erlegen?
Schließlich gelang es ihm doch noch irgendwie den kleinen Tyrannosaurus mit seinen Klauen zu packen und hoch zu heben. Doch das Junge strampelte und wehrte sich gegen den Griff des Nesträubers. In seiner Ungeschicklichkeit ließ er das Junge plötzlich fallen.

Da spürte der Nesträuber unerwartet einen heißen Atem im Nacken. Er begann zu zittern, da er genau wußte, daß in diesem Augenblick die Tyrannosaurus Mutter hinter ihm stand. Er blickte sich um und stotterte: „Nnnette Kinder!“

Die T-Rex Mutter begann böse zu knurren. Der Troodon brach in Panik aus und rannte was ihm seine Beine hergaben.    
Nach dem Mutter Tyrannosaurus auch schließlich den letzten Nesträuber verjagt hatte, stellte sie zu ihrer Erleichterung fest, daß keines ihrer Jungen fehlte und legte sich neben ihr Nest. Daraufhin näherte sich der junge T-Rex seiner Mutter und schmiegte sich eng an sie.

Die Troodon dagegen verschwanden panikartig in den Wäldern. Ihr jugendlicher Leichtsinn, ein T-Rex Nest ausplündern zu wollen, kostete ihnen um ein Haar ihr Leben. Bibbernd vor Angst verkrochen sie sich im Unterholz. Diesen Schock würden sie ihr ganzes Leben lang nicht vergessen.

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Sturmblut, das große Alpha-Männchen des Raptorenrudels lag noch bis weit in die Nacht draußen vor der Höhle und blickte zu den Sternen. Sturmblut war ein strenges aber gerechtes Alpha-Männchen und jeder Saurier im Rudel war mit ihm als Anführer zufrieden. Nur seine Schwester ´Windfeger´ kam mit seiner harten und schroffen Art überhaupt nicht zurecht. Seitdem das neue Alpha-Männchen Sturmblut hieß, entwickelte sich zwischen beiden Sauriern eine rege Hassliebe. Dies belastete Sturmblut, da er sich in der Rolle als Anführer große Mühe gab. Er mochte seine kleine Schwester sehr, aber als Alpha-Männchen zeigte er sich stets von seiner kalten Seite.    

Plötzlich riß ihn ein dunkler Schatten aus seinen Gedanken. Es war Sturmblut´s älterer Bruder ´Starke Klaue´.

„Was liegst du denn hier draußen rum?“ fragte er und legte sich neben ihn. „Du wirkst so nachdenklich.“

„Es ist Windfeger!“ grummelte Sturmblut.

„Ja, ja. Das habe ich mir schon fast gedacht.“ lächelte Starke Klaue. „Ich weiß selbst wie schwierig die Weibchen sind. Bei meiner Partnerin ist das nicht viel anders. He, he!“

„Ich werde aus dem Mädel einfach nicht schlau! Eine Horde Gelbschnauzen oder einen jagenden Spitzzahn im Nacken, ist mir wesentlich lieber als unser kleines Schwesterchen am Hals zu haben!“ stöhnte der große Raubsaurier. „Weibchen sind komisch!“

Starke Klaue kicherte.

„Und du kannst über sowas natürlich nur lachen! Du bist ja auch schließlich nicht das Alpha-Männchen!“ knurrte Sturmblut. „Auf dir lastet ja auch keine Verantwortung!“

„Aber Windfeger ist auch meine Schwester.“ sagte Starke Klaue und versuchte sie ein wenig in Schutz zu nehmen. „Sie hat wirklich kein schlechtes Wesen und das weißt du auch.“

„Windfeger ist aber so ein kleiner Sturkopf! Ständig gibt sie mir Widerworte, oder sie ist ungehorsam. Du hast heute nach der Jagd doch selbst miterlebt, wie frech sie zu mir ist.“

„Stimmt! Ich habe aber auch miterlebt, wie sehr du sie angebrüllt hast. Warum wunderst du dich dann, daß sie sich dir gegenüber so dickköpfig verhält?“

„Ich will doch nur das Beste für unseren Clan. Warum kann sie das nicht einsehen?“ sagte Sturmblut.

„Sie ist eben noch jung und hat ihren eigenen Kopf.“ sagte Starke Klaue und stand auf. „Aber das wird sich mit der Zeit schon legen.“

„Meinst du?“ fragte Sturmblut und blickte seinem Bruder hinterher.

„Sicher wird es das! Es würde sogar noch um einiges schneller gehen, wenn du ein wenig netter zu deiner Schwester wärst.“ grunzte Starke Klaue und verschwand in der Höhle.

Sturmblut blickte wieder in die Nacht und sah am Himmel eine Sternschnuppe langsam verglühen. Dies verhieß nichts Gutes. Sternschnuppen waren stets ein Zeichen für Unglück und Sturmblut hoffte, daß es ihn und sein Rudel verschont. Er seufzte und verkroch sich schließlich ebenfalls in die Höhle.

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Die Sonne brannte gnadenlos, als die Tyrannosaurus Mutter zusammen mit ihren Jungen am nächsten Morgen zum Fluß hinunter kamen. Dies war ein besonderer Tag für die Kleinen, da sie zum ersten Mal mit zum Fluß durften. Die beiden Geschwister waren sehr neugierig und inspizierten die neue und unbekannte Umgebung. Jedoch blieben sie immer nah bei ihrer Mutter.

Grimmig beobachtete sie einige Struthiomimus, die sich in unmittelbarer Nähe aufhielten. Doch kein einziger Saurier hätte es gewagt sich der Tyrannosaurus Familie zu nähern. Jeder wußte, das es nichts gefährlicheres gab, als eine Tyrannosaurus Mutter mit ihren Jungen.

Khara und Talon spielten derweil im Wasser. Das angenehme Naß tat auf ihren ausgetrockneten Schuppen gut.
Plötzlich entdeckte Khara einen Leguan, der sich auf einem Stein sonnte. Neugierig schlich sie sich zu ihm und begann dieses seltsame schuppige Ding zu beschnuppern, das wie tot auf dem Stein lag. Als Khara ihn mit ihrer Schnauze anstieß, kam auf einmal Leben in das Geschöpf und es huschte blitzschnell in die Fluten. Khara erschrak dabei fürchterlich und stürmte zu ihrer Mutter.

„Mutter, dieser Stein ist lebendig!“ quiekte sie und blickte dem Leguan hinterher.

Sie lächelte und beugte ihren massigen Kopf zu ihr hinunter.

„Das war bloß eine Wasserechse!“ sagte sie mit sanfter Stimme. „Davor brauchst du dich nicht zu fürchten.“

„Hi, hi! Du Angstsaurier!“ lachte Talon.

„Ich gebe dir gleich Angstsaurier!“ knurrte sie und beide balgten sich im Wasser. „Das nimmst du zurück!“

„Ich denke gar nicht dran, du Angstsaurier!“ grinste Talon.

Es bereitete Mutter große Freude ihren Kindern beim spielen zuzusehen, doch sie blieb nie unachtsam und wachte über sie. Jeder Fremde der es gewagt hätte, sich ihren Kindern zu nähern, hätte mit dem Tod bezahlt.

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Sturmblut wurde von einem wilden Gekreische aus seinem Schlaf gerissen. Vor der Raptorenhöhle gab es einen heftigen Streit. Sturmblut erkannte gleich die Stimme seiner Schwester und stöhnte. Er hasste es, aus seinem Schlaf gerissen zu werden und bewegte sich grummelnd zum Höhlenausgang.

Dort sah er, dass sich seine Schwester mit ´Schleicher´ stritt. Schleicher war Sturmblut´s bester Freund und langjähriger Jagdkammerad.

„Was soll das? Warum macht ihr hier draußen so einen Lärm?“ rief er verschlafen und wunderte sich über den Krawall.

„Windfeger hat mir meinen Teil der Beute gestohlen!“ keifte er.

„Das stimmt nicht!“ schimpfte sie. „Das war mein rechtlicher Anteil!“

„Windfeger! Ich habe dir doch schon so oft gesagt, das jeder Jäger seinen eigenen Teil der Beute ab bekommt.“ schnaubte Sturmblut.

„Aber das war ´mein´ Anteil! Schleicher hat ihn MIR abgenommen!“ verteidigte sie sich.

„Werd´ mal nicht so frech, Kleine!“ knurrte Schleicher. „Du bist doch der reinste Gierschlund! Der Clan bedeutet dir doch überhaupt nichts! Du denkst doch immer nur an dich selbst!“

„Das ist nicht wahr!“ Schleicher brachte Windfeger fast zur Weißglut und gerade als sie sich auf ihn stürzen wollte, trat Sturmblut mit einem grimmigen Knurren dazwischen.

„Es reicht jetzt! Windfeger, in die Höhle mit dir!“

„Aber warum das denn?“ fragte sie mit einem entsetzten Blick. „Ich habe nichts Falsches getan!“

„Ich habe von deinen ganzen Faxen langsam genug!“ sagte er. „Du lehnst dich gegen unsere Regeln auf und bestiehlst dazu noch meinen besten Freund!“

„Was tue ich?!“ Windfeger war bestürzt. „Du traust diesem Schleicher mehr, als deiner eigenen Schwester? Er ist ein Lügner!“

„Wie kannst du nur so etwas behaupten?! Schleicher und ich waren bereits Freunde, als du noch gar nicht auf der Welt warst!“ schimpfte er. „Sei froh dass ich dein Bruder bin und dich dafür nicht aus dem Clan fortjage!“

Sturmbluts Worte verletzten Windfegers Gefühle schwer. „Was für eine Ungerechtigkeit! Schöne Regeln habt ihr, danke! Das werde ich mir merken!“ Schluchzend und mit gesenktem Haupt zog sie sich in die Höhle zurück.

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Gegen Mittag machte sich die Tyrannosaurus Familie auf dem Weg zurück zum Nest. Talon und Khara waren vom Toben aber so müde geworden, daß Mutter die beiden Kleinen auf ihrem Rücken nach Hause trug, was die zwei Dinos besonders liebten.

„Mutter, erzählst du uns etwas über Vater?“ fragte Talon.

Sie nickte und antwortete etwas schwermütig: „Euer Vater war ein großer und stolzer Spitzzahn. Er war sehr mutig und stark. Wir kamen damals aus der nördlichen Ebene. Es war ein langer und beschwerlicher Weg und manchmal hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben, hier jemals anzukommen. Ständig war uns der alte Terrorclaw auf den Fersen. Aber der Wille und Lebensmut eures Vaters war immer ungebrochen.

„Du hast Terrorclaw selbst gesehen?“ fragte Khara.

„Oh, ja! Er ist der Letzte der riesigen Stacheldrachen und uralt. Seine Schritte sind wie ein Erdbeben und das einzige was Terrorclaw fürchtet ist das Feuer.“ erzählte sie. „Man erkennt ihn sofort an seiner stacheligen Rückenfinne und wenn sich euer Vater ihm nicht entgegengestellt hätte, wären wir hier niemals lebend angekommen! Er war der einzige Saurier, der es wirklich mit Terrorclaw aufnehmen konnte.“

„Unser Vater hat mit Terrorclaw gekämpft?“ fragte Talon erstaunt.

Mutter nickte und erzählte weiter: „Es war schrecklich! Sie stürzten sich beide kämpfend von den Klippen in die Fluten des reißenden Südstroms. Nur euer Vater tauchte anschließend wieder auf, Terrorclaw hatte man seitdem nie wieder gesehen.“

„Ich wünschte, ich hätte Vater kennengelernt.“ sagte Talon.

„Er hätte euch zu gerne ausschlüpfen sehen, doch das Schicksal war dagegen. Kurz bevor ihr geboren wurdet, traf ihn das Horn eines Dreihorngesichts ins Herz.“ seufze sie. „Er fehlt mir sehr! Aber immer wenn ich dich ansehe, Talon, sehe ich auch einen Teil von ihm in dir weiterleben.“


Ende von Kapitel 1
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