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Gruppe 01: Von Babysittern und Verbrechern

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
08.02.2013
08.02.2013
10
8.759
 
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08.02.2013 641
 
Kapitel 6 - Sancti

Einige Augenblicke später stand ihr Vater in der Küche, doch Mona kam es vor wie eine Ewigkeit. Ihr Blick war starr gen Boden gerichtet. Sie achtete nicht darauf, dass er sich neben seine Frau setzte, auch nicht darauf, dass ihre Mutter sie äußerst besorgt anschaute. Eigentlich wollte Mona nicht reden, sie wollte jetzt alleine sein. Egal, was ihre Eltern zu sagen hatten, es würde sie sicher nicht sonderlich erfreuen.
„Liebling, ich weiß nicht, wie wir dir das sagen sollen ...“, begann ihre Mutter vorsichtig und spielte unruhig mit ihren Fingern. Nervös wanderte ihr Blick zu ihren Mann, sie sprach nicht weiter. Ein Räuspern seitens ihres Vaters ließ Mona nun wieder aufsehen. Sie sah Schmerz in seinen Augen und ... Furcht? Ihr Vater hatte Angst? Warum das? War die Geschichte etwa so schlimm?
Mona fühlte sich sichtlich unwohl und brach den Augenkontakt mit ihrem Vater schnell wieder ab. Vielleicht hätte sie Roland doch nicht wegschicken sollen. Er gab ihr Halt, Schutz. Ihn könnte sie jetzt gut an ihrer Seite gebrauchen, denn sie war in einem reinen Gefühlschaos. Die Frau, die Einbrecherin, sie konnte nicht ihre Schwester sein. Das war einfach unmöglich, oder?
„Ihr wolltet reden ... Also, ich höre ...“, sagte sie schließlich mit einigermaßen fester Stimme, schaute ihre Eltern aber nicht mehr an. Sie wollte es einfach nur hinter sich bringen und dann am Besten so schnell wie möglich wieder vergessen. Ihr Weltbild sollte bestehen bleiben, sie wollte nicht völlig aus der Bahn geworfen werden. Das wäre ihr Untergang, daran würde sie zerbrechen.
„Die Polizei hat die Wahrheit gesagt, Mona. Du hast eine Schwester“, platzte es plötzlich aus ihrer Mutter heraus. Sprachlos sah die junge Frau zwischen ihren Eltern hin und her. Ihr Mund war leicht geöffnet, ihre Augen weit aufgerissen. Eigentlich hätte sie damit rechnen müssen, es an den Gesichtern ihrer Eltern sehen können. Trotzdem war es ein Schock für sie.
All die Jahre hatte sie mit einer Lüge gelebt, ihr Leben unbeschwert gelebt, niemals erwartet, dass ihre Eltern Geheimnisse vor ihr hatten. So schreckliche Geheimnisse.
„Was ist ... Also, warum?“, verwirrt sah Mona ihre Eltern an, wollte so viel fragen, fand jedoch nicht die passenden Worte. Doch ihre Mutter schüttelte nur langsam den Kopf. Vorsichtig nahm sie Monas Hände in ihre, ein müdes Lächeln lag auf ihren Lippen.
„Wir waren sehr jung damals. Wir konnten kein Kind gebrauchen, wir waren ja selbst noch Kinder! Daher war es ein Schock für uns, als deine Mutter schwanger war“, begann Monas Vater zu erklären, in seinen Augen lag eine tiefe Traurigkeit und Reue. Er bereute es, Mona nichts erzählt zu haben. Er bereute das, was er und seine Frau damals getan hatten.
Ein leichtes Zittern durchfuhr Mona. Sie wollte einerseits unbedingt wissen, was ihr Vater noch zu sagen hatte, doch andererseits wünschte sie sich, sie könnte die letzten Stunden vergessen und weiter mit der Lüge leben, dass sie keine Schwester hätte. Das würde alles einfacher machen, doch nun war es unmöglich.
„Unsere Eltern haben uns nicht unterstützt, sie waren für eine Abtreibung ...“, flüsterte nun wieder Monas Mutter kaum hörbar. Ihr Kopf war gesenkt, einige Strähnen verdeckten das Gesicht. Doch hob und senkte ihr Brustkorb sich hektisch, die Sache schien sie sehr mitzunehmen.
Monas Vater streichelte seiner Frau beruhigend über den Rücken und sah mitgenommen auf sie herab.
„Wir waren gegen eine Abtreibung, wussten aber, dass wir das Kind niemals ernähren könnten. Wir entschieden also es wegzugeben“, beendete er die Erzählung mit ruhiger Stimme. Doch Mona sah an seinem Gesicht, dass es in ihm tobte.
„An wen habt ihr sie gegeben? Und warum ist sie hier aufgetaucht?“, presste die junge Frau zwischen zusammengepressten Lippen hervor. Die Geschichte schockierte sie, machte ihr Angst. So hätte sie ihre Eltern nie eingeschätzt. Und während sie einerseits tiefes Mitleid für ihre Schwester empfand, so war sie auch froh. Froh, dass sie damals nicht dieses Kind gewesen war.
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