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Gruppe 01: Von Babysittern und Verbrechern

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
08.02.2013
08.02.2013
10
8.759
 
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08.02.2013 814
 
Kapitel 2 - EmmaLisa

Sofort sprangen sowohl Roland als auch Mona auf, um nachzusehen, was passiert war. Selten hatte einer von ihnen Sofia so laut schreien gehört. Hoffentlich war ihr nichts passiert, dachte Roland. Seine Eltern würden ihn lynchen.
Sofia saß schreiend im Sandkasten. Vor ihr lag eine tote Maus, die sie anscheinend ausgegraben hatte. Und offensichtlich versetzte der Anblick dieser Maus sie in Panik.
Der Junge neben ihr ließ sich von ihr allerdings nicht beirren, sondern baute fröhlich weiter an seiner Sandburg. Mona ging neben Sofia in die Hocke und nahm sie in den Arm. „Scht“, machte sie leise. Sofia legte den Kopf an Monas Schulter und begann, bitterlich zu schluchzen. „Die … die Maus ist … t…t…tot“, heulte sie. Mona strich ihr über den Rücken. Roland stand daneben und wusste nicht, was er machen sollte. Dann besann er sich und deckte die tote Maus mit einem Blatt zu.
„Was hältst du davon, wenn wir die Maus beerdigen?“, fragte er seine kleine Schwester vorsichtig. Sofia hob ihr tränennasses Gesicht von Monas Schulter und nickte. Dann rappelte sie sich auf, entwand sich Monas Umarmung und ging zielstrebig auf den Jungen mit der Sandburg zu.
Sie nahm die Schaufel, die neben ihm im Sand lag und die er anscheinend gerade nicht brauchte, in die Hand und reichte sie Roland. „Damit kannst du ein Loch graben“, erklärte sie.
Nicht gerade begeistert von dieser Aufgabe machte Roland sich daran, mit der Plastikschaufel ein ausreichend großes Loch in den harten Boden zu graben. Sofia stand, sich an Monas Hand festklammernd, ungeduldig daneben und wartete.
Als Roland schließlich fertig gebuddelt hatte, legte er die Schaufel neben das Loch und ging die Maus holen. Sofia lief ihm hinterher und holte ihren Teddy.
Roland legte die Maus behutsam in das Loch und schaufelte die Erde wieder darüber. Sofia umklammerte ihren Teddy und  fing erneut an, zu schluchzen. Mona strich ihr beruhigend über den Kopf. Roland erhob sich und klopfte sich die Erde von Jeans und Händen.
Sofia hob ein Blatt und einen Stock auf, spießte das Blatt auf den Stock und legte es auf das frische Grab. Dann lächelte sie zufrieden und wandte sich wieder dem Jungen und seiner Sandburg zu.
Roland und Mona setzten sich Seite an Seite auf die beiden Schaukeln und beobachteten Sofia eine Weile, wie sie mit ihrem Teddy dasaß und fasziniert den Jungen anstarrte. „Ich glaube, du hast Recht“, bemerkte Roland nach einer Weile. „Sie ist tatsächlich in ihn verliebt.“
„Sag ich doch.“ Mona grinste und schaute erneut zu dem Sandkasten hinüber. Der Junge war aufgestanden, hatte sein Sandspielzeug eingepackt und war zurück zu seiner Mutter gelaufen, die auf der anderen Seite des Spielplatzes verdrossen auf einer Bank saß und in einer Zeitschrift blätterte. Sofia starrte ihm sehnsüchtig hinterher, buddelte noch eine Weile lustlos im Sand herum, schnappte sich dann ihren Teddy und kam zu ihnen hinübergelaufen. „Ich hab jetzt keine Lust mehr“, verkündete sie und zog an Rolands Hand. „Können wir nach Hause gehen?“
Seufzend stand auch Mona auf und streckte sich. „Klar können wir das“, entgegnete sie, und Sofia drehte sich zu ihr um und lächelte sie breit an.
Sie machten sich auf den Weg. Mona, die nicht damit gerechnet hatte, so schnell wieder da zu sein, hatte keinen Haustürschlüssel mitgenommen, und so kam sie mit zu Roland und Sofia. Zu Hause angekommen gähnte Sofia laut. „Ich bin müde“, stellte sie fest und blickte Mona treuherzig an. „Kannst du mich ins Bett bringen?“
Während Mona also Sofias Zähneputzen überwachte und sie dann ins Bett brachte, zog Roland seine Schuhe aus und ging dann in die Küche. Seine Eltern hatten erst gestern eingekauft, und irgendwo musste noch Popcorn sein. Vielleicht konnte es ja doch noch eingemütlicher Filmeabend mit Mona werden.
Roland füllte eine Schüssel mit Popcorn, setzte sich dann auf das Sofa und knabberte eine Handvoll. Mona kam aus Sofias Zimmer geschlichen, zog ebenfalls ihre Schuhe aus und setzte sich dann neben ihn. „Ich musste ihr eine Geschichte vorlesen und drei Lieder singen“, bemerkte sie und griff ebenfalls in die Schüssel. Roland grinste und deutete auf den Fernseher. „Sollen wir unseren verpassten Kinoabend nicht hier nachholen?“
„Gerne.“
Roland stand auf und holte die Kiste mit den DVDs hinter dem Fernseher hervor. Sie einigten sich auf einen Film und Roland legte die DVD, griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Nach einigen Versuchen begann endlich der Film, und sowohl Roland als auch Mona lehnten sich im Sofa zurück. „Wann kommen deine Eltern denn wieder?“, fragte Mona. Roland zuckte die Schultern. „Ich weiß nicht, wie lange die Vorstellung dauert“, gab er zu. „Aber ich denke, sie werden spätestens um Mitternacht wieder hier sein.“
Das Telefon läutete. Überrascht, weil um diese Zeit eigentlich niemand mehr anrief, erhob Roland sich lustlos und ging in den Flur, wobei er mit seinen Socken fast auf dem glatten Boden ausrutschte. Er hob den Hörer ab und nannte seinen Namen.
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