See you in New York

GeschichteRomanze, Familie / P12
Astoria Greengrass Draco Malfoy Hermine Granger OC (Own Character)
08.02.2013
11.02.2016
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Ich habe mir die Freiheit genommen, das Ende von Band 7 zu verändern und ab und an eine Kleinigkeit aus den Filmen einzubauen.

Die Entwicklungen und Annäherungen in dieser Story brauchen außerdem Zeit und das meine ich auch wirklich so. Hier fällt niemand nach drei Kapiteln übereinander her.
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Sie saß nachdenklich in ihrem Appartement im fünften Stock, drehte an einer braunen Haarsträhne und wandte den Blick vom Verkehr unter ihr ab. Aprilregen prasselte gegen die Scheibe, während gleichzeitig einige Sonnenstrahlen ihren Weg durch die Wolkendecke in die Häuserschluchten fanden.

Sie war geflohen. Jawohl, es war eine Flucht gewesen. Eine Flucht vor der Vergangenheit auf in eine ungewisse Zukunft, aber es hatte funktioniert. Zehn Jahre war das jetzt her. Fast zehn Jahre. Sie versuchte so selten wie möglich daran zu denken, aber manchmal ließ es sich nicht vermeiden. Manchmal bekam sie Briefe aus England, aus ihrem alten Leben. Es war selten, dass Ginny ihr schrieb und mit den Jahren waren die Briefe weniger und kürzer geworden. Sie selbst antwortete immer sehr knapp. Sie konnte nicht zurück, durfte nicht zurückblicken. Daran würde sie zerbrechen. Ihr Leben war hier und es war frei von bösen Mächten und dunkler Magie. Damit wollte sie nichts mehr zu tun haben. Zu viel hatte ihr Voldemorts Wahn genommen. Den besten Freund, den Geliebten, die Eltern… Alle waren sie tot.

Eine Träne kullerte über ihre Wange, tropfte auf das Pergament, das vor ihr lag. Ginnys Brief. Die Tinte zerlief dort, wo der Tropfen sie getroffen hatte. Dabei sollte sie sich freuen. Ihre beste Freundin hatte endlich jemanden gefunden, der ihr über Harry hinweg geholfen hatte. Stattdessen weinte sie und sie war sich sicher, dass es keine Freudentränen waren. Viel zu sehr schmerzte das Bewusstsein, dass sie selbst nicht in der Lage war so jemanden zu finden.

Der alte Kater mit dem roten, flauschigen Fell kam auf Samtpfoten zu ihr geschlichen. Er ertrug es nicht, wenn sie weinte und früher hatte sie das oft, heute nicht mehr so viel. Er kuschelte sich tröstend in ihren Schoß und begann beruhigend zu schnurren.

~*~


Es war mitten in der Nacht. Der blasse Mond schien als Sichel durch die großen Fenster als er aufwachte. Instinktiv griff er neben sich, tastete nach dem Körper, der sonst immer dort lag, aber da war niemand. Die Laken waren noch warm. Er öffnete die Augen endgültig und setzte sich auf. Irgendetwas stimmte nicht. Die Tür zum anschließenden Badezimmer stand einen Spalt offen, Licht fiel hindurch. Er vernahm ein schmerzliches Wimmern, glaubte zu hören, wie jemand seinen Namen immer und immer wieder flüsterte. Er schlug die Bettdecke beiseite und ging auf die Tür zu, öffnete sie und erstarrte. Die junge Frau, seine Frau, krümmte sich peinvoll am Boden, Tränen liefen über ihre Wangen, Blut floss ihre schmalen Schenkel herab. Sein Kind! Sein Sohn!

Er ließ sich neben ihr nieder, strich ihr besorgt die dunkelbraunen Haare aus dem verheulten Gesicht. Er spürte, wie Panik in ihm aufstieg.
„Wir müssen ins Krankenhaus. Sofort!“

~*~


Diese furchtbare Nacht war gerade knapp mehr als eine Wochen her. Der Himmel zog sich zu und ein launiger Aprilwind wirbelte seine blonden Haare durcheinander. Er wischte sich die Träne weg, die sich stumm über seine Wange geschlichen hatte. Er musste jetzt stark sein, musste für sie da sein. Für das kleine blonde Mädchen mit den hellblauen Augen, das seine Hand hielt.

Es war außerdem das erste Mal seit langem, dass er wieder auf seine Schwiegereltern traf und das ausgerechnet am Grab seiner Frau und seines Sohnes, bei ihrer Beerdigung. Er starrte auf die Inschrift.

Astoria Emmaline Malfoy, geb. Greengrass. Sie war nur fünfundzwanzig geworden.
Darunter der Name ihres zweiten Kindes. Scorpius Hyperion Malfoy. Er hatte noch nicht mal das Licht der Welt erblicken dürfen.

„Daddy?“

Er sah zu seiner Tochter.

„Wo ist Mummy jetzt?“

Er schloss kurz die Augen, atmete tief durch und hockte sich zu ihr, strich ihr durch die hellblonden Haare.

„Prinzessin, weißt du…“ Er stockte, kämpfte gegen die Tränen. „Belinda, wenn… Wenn Menschen sterben, dann…“ Bei Merlin, wie sollte er ihr das bloß erklären? Er setzte neu an: „Deine Mum ist jetzt ein Engel, verstehst du? Sie ist oben im Himmel und passt auf dich auf.“

„Und Scorpi auch?“

Er musste unweigerlich ein wenig lächeln und nickte. „Ja, Mummy hat ihn mitgenommen, damit sie nicht so alleine ist.“

„Passt sie auch auf dich auf?“

„Ja, ganz bestimmt.“

„Aber Daddy, wenn Mummy auf uns aufpasst, dann musst du doch gar nicht weinen.“

Er drückte seine Tochter an sich, nahm sie auf den Arm, als er wieder aufstand. Er konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, sie liefen ihm in Rinnsalen über das Gesicht. Belinda schmiegte sich an ihn.

„Draco.“ Der junge Mann sah sich um und blickte in die besorgten Augen seiner Mutter. Narzissa hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt. „Soll ich sie dir abnehmen?“

Er nickte, gab seiner Tochter einen Kuss auf die Stirn und setzte sie Narzissa auf den Arm. Sie entfernte sich ein wenig von ihm. Draco fuhr sich mit den Händen über das Gesicht, versuchte die Tränen wegzuwischen, als er aus dem Augenwinkel wahrnahm, dass jemand an seine Seite getreten war. Diesmal war es nicht seine Mutter. Robinia Greengrass stand neben ihm. Während der Beisetzung hatte er nur ein Mal ihr Gesicht sehen können. Es hatte ihm gezeigt, dass auch sie unter dem Verlust ihrer Tochter litt. Aber dann hatte er den Blick abwenden müssen. Zu viel im Gesicht seiner Schwiegermutter erinnerte ihn an seine Frau. Jetzt richtete sie ihre klaren grünen Augen auf ihn, das einzige, was Astoria nicht von ihr gehabt hatte, und mit einem Mal war jegliche Trauer daraus verschwunden und durch grenzenlose Wut ersetzt.

„Ich habe sie gewarnt“, zischte sie ihn an. „Ich habe versucht sie davon abzuhalten mit einem wie dir was anzufangen. Dieses Ding da auf deinem Arm vergiftet dich und alles mit dem du in Berührung kommst. Du bist schuld daran, dass meine Tochter jetzt in diesem Grab liegt zusammen mit meinem Enkel. Aber eigentlich solltest du darin sein.“

Ungläubig drehte Draco den Kopf, starrte sie wenige Momente einfach an.
„Was meinst du eigentlich, was ich dafür geben würde, dieses Ding auf meinem Arm loszuwerden? Was meinst du, was ich dafür geben würde, Astoria und Scorpius wiederzuhaben? Ich würde mir den Arm abhacken, wenn sie das wieder lebendig machen würde, aber das tut es nicht und dieses… Es hat nichts damit zu tun und das weißt du ganz genau.“

Am liebsten hätte er Robinia angeschrien, ihr ins Gesicht geschleudert, was er schon immer von ihr gehalten hatte. Er hasste diese Frau! Sie war so anders zu ihm als ihre Tochter. Er hatte Astoria geliebt. Sie und Belinda und Scorpius, obwohl er nicht mal geboren war, waren sein Ein und Alles gewesen. Rein gar nichts hatte diese hochnäsige, arrogante Zicke mit ihrer Tochter gemein. Sie war schon immer gegen ihn gewesen, hatte das Dunkle Mal auf seinem Arm gesehen und ihn gleich verurteilt und ihr Mann war keinen Deut besser. Nur Daphne hatte ihn akzeptiert, irgendwie. Ihrer Schwester zu Liebe. Aber er konnte nicht. Er konnte seiner Wut kein Ventil liefern, nicht vor Belinda. Er musste jetzt an seine Tochter denken.

Sie war alles, was er noch hatte.

~*~


Der blonde Mann saß zusammen mit seinen Eltern im Salon von Malfoy Manor. Die Hauselfen hatten Tee und Früchtebrot serviert. Er hatte keinen Bissen gegessen und sein schwarzer Tee war mittlerweile kalt. Er sagte kein Wort, sah einfach nur seiner Tochter zu, wie sie mit dem Minimuff spielte, den er ihr zu Weihnachten geschenkt hatte. Sie hatte ihre helle Freude daran, das kleine ballähnliche lila Tierchen mit dem plüschigen Fell über den Teppich kullern zu lassen, wobei es quiekende Geräusche von sich gab.

„Nun, Draco, wie soll es weitergehen?“, fragte Lucius schließlich.

Er sah seinen Vater nicht an, seine Augen folgten dem flauschigen Bällchen.

„Ich weiß noch nicht“, antwortete er wahrheitsgemäß.
Wie auch immer es weiterging, Hauptsache es ging seiner Tochter gut. Er hatte Angst vor der Aufgabe sie allein großzuziehen. Was, wenn er daran scheitern würde? Sein Vater schien da schon konkretere Pläne zu haben.

„Wenn du dir offenbar noch keine Gedanken darum gemacht hast, ich habe das sehr wohl.“

Jetzt horchte er doch auf und wandte sich Lucius zu. Misstrauisch kniff er die Augen zusammen.

„Ich bin mir sicher, du kennst noch  Aquilegia Nott?“

„Das ist doch die Cousine von Theodore. Was ist mit ihr?“

„Nun Draco, versteh mich nicht falsch, Belinda ist ein... wunderbares Kind, aber sie kann nicht der Erbe der Malfoys sein. Du brauchst einen Sohn.“

Er wollte zum Protest ansetzen, aber sein Vater fuhr ihm über den Mund: „Aquilegia würde passen. Sie ist reinblütig, erst dreiundzwanzig, wenn ich mich recht entsinne. Mit den Notts sind wir mehr als vertraut und du brauchst einen männlichen Nachfolger.“

Einige Herzschläge lang konnte der junge Mann nicht anders, als seinen Vater nur ungläubig anzublicken. Narzissa, die den drohenden Ärger spürte, stand auf, verließ den Tisch und meinte: „Belinda, Schatz, komm mit. Lass uns nach oben gehen und etwas spielen, ja?“

Das musste ihre Enkelin nun wirklich nicht mitkriegen und so hob sie das kleine Mädchen, das ihren Minimuff fest umschlossen hielt, auf den Arm und schritt aus dem Salon. Kaum waren die beiden aus dem Raum und die schweren Flügeltüren ins Schloss gefallen, da brach es aus Draco heraus: „Was bildest du dir eigentlich ein?! Astoria und Scorpius sind gerade mal neun Tage tot, sie liegen erst seit wenigen Stunden unter der Erde und du hast nichts besseres zu tun, als mich gleich mit Notts Cousine verheiraten zu wollen, damit ein Erbe ins Haus kommt? Ich wusste, dass du gefühlskalt bist, Vater, aber das hätte ich selbst dir nicht zugetraut!“

Lucius erhob sich, fixierte seinen Sohn mit kühlen grauen Augen.

„Was heißt hier gefühlskalt? Es geht hier nicht um Gefühle, hier geht es um den Fortbestand der Malfoys und dafür hast du zu sorgen!“

„Vielleicht werde ich ja auch dafür sorgen. Irgendwann! Aber doch nicht jetzt! Ich habe Astoria geliebt, ich liebe sie immer noch. Du kannst von mir nicht verlangen vom Fleck weg eine andere zu heiraten!“

„DRACO!“, donnerte Lucius drohend.

„Nein!“ Er stand ebenfalls auf, hielt dem Blick seines Vaters stand. „Ich werde niemanden heiraten, verstanden?! Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich hole meine Tochter, die dir ja offenbar nicht gut genug ist, und werde gehen.“

„Wenn du jetzt gehst, setzt du nie wieder einen Fuß auf dieses Anwesen!“

„Schön, dann tue ich das nicht mehr!“

Wenn sein Vater ihn rausschmeißen wollte, bitte schön, aber er würde sich nicht verheiraten lassen und vor allem nicht so.

Wutentbrannt stapfte er mit Belinda auf dem Arm den Kiesweg hinab zu dem schmiedeeisernen Tor. Kaum hatte er es hinter sich gelassen, disapparierte er auf seinen eigenen Landsitz mitten in der Grafschaft Derbyshire. Er musste weg. Er wusste noch nicht wohin, er wusste noch nicht wie, er wusste nur, dass er hier weg musste und zwar zusammen mit seiner Tochter.

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tbc
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