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Am Krankenbett

KurzgeschichteFamilie / P12 / Gen
07.02.2013
14.03.2013
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07.02.2013 1.502
 
"Garan!", platze meine Zwillingsschwester ins Zimmer.
Ich reagierte mit einem Stöhnen.
"Oh. Hast du etwa geschlafen?"
"Wie kommst du denn darauf?"
Clara schwieg einen Moment. Ich kämpfte so lange damit, meine Augen an das Licht zu gewöhnen. Es war wohl später Nachmittag. Dann fragte Clara:
"Wie geht es dir? Tut mir Leid, dass ich vorhin nicht kommen konnte, aber  Aran hat darauf bestanden, dass ich ihm beim Bogenschießen zusehe. Er ist gar nicht schlecht."
"Bei dem Vater..."
"Ja, da hast du wohl Recht. Ich sollte mir wohl sorgen machen, wenn er mit Pfeil und Bogen gar nicht umgehen könnte." Es trat ein glücklicher Ausdruck in ihre Augen, wie man ihn nur zu Gesicht bekam, wenn sie von ihrem Sohn sprach. Der kleine blonde Junge war sehr quirlig, was dazu geführt hatte, dass Clara einiges an Gewicht verloren hatte. Aber das störte sie wenig, solange sie auf ihre geliebte Torte nicht verzichten musste.
Dann wechselte sie abrupt das Thema.
"Laut der Spione rotten sich Wegelagerergruppen im Norden zusammen. Darunter sollen Überbleibsel von Mydoggs und Gentians Armee sein. Sie treiben wohl vor allem in den Little Grays um Roens Landsitz ihr Unwesen."
"Vielleicht sollten wir Brigan als nächstes dorthin schicken. Ist die zweite Abteilung nicht dort unterwegs?"
"Ja, schon. Es ist doch noch recht ungemütlich da oben. Ich hoffe nur, dass da keine Verbindungen zu den Leuten aus Pikkia besteht."
"Hast du denn etwas derartiges gehört?"
"Nein, noch nicht. Ich werde aber veranlassen, dass auf solche Verbindungen besonders geachtet wird." Dann trat ein breites Grinsen auf ihr Gesicht. "Ich habe aber gehört, dass Nash es gewagt hat, Einsparungen bei der Armee vorzuschlagen. Und Fire hat ihn auch noch unterstützt."
"In der Tat." Auch ich gluckste. "Ja, Nash will eine Reform durchführen, damit man die Institute wiederbeleben kann."
"Das ist eine gute Sache."
"Wahrscheinlich."
"Weißt du was? Ich habe auch gehört, dass Lord Brocker vorgeschlagen hat, sein Anwesen zu verlassen und Fire und Brigan vorgeschlagen hat, dass sie es vorerst bekommen können. Also, dass sie einen Verwalter dafür suchen könnten. Und Brigan meinte wohl, dass er sich vorstellen kann, dort Veteranen hinzusiedeln. Er hat da anscheinend etwas größeres vor."
"Vielleicht spielt ihm Nashs geplante Heeresreform so nur in die Karten. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass er sich wegen der Besoldung auch nur einen Millimeter bewegt."
"Ach Garan. Wir werden schon sehen, was die Zukunft bereit hält. So ist es immer schon gewesen. Oft sind es Überraschungen. Ohne die wäre das Leben auch weniger spannend."
"Dafür aber wesentlich einfacher zu beherrschen."
"Da hast du wohl Recht", sagte Clara mit einem Lächeln.
Es klopfte leise an der Tür, die sich gleich darauf auch öffnete.
"Onkel Garan, weißt du, wo meine Mama..." fragte die verweint klingende Stimme von Aran, die jedoch verstummte, als er meine Schwester erblickt. Da lief er auf sie zu, Clara schloss ihn in ihre Arme.
"Was ist denn los, Schatz?"
Der kleine ließ sich von Clara trösten, schaute aber beschämt zu Boden. "Ich wollte das doch nicht."
"Was ist denn passiert?"
"Ich... Ich habe gespielt. Und dann hat Fire da gesessen mit Musa. Und ich wollte sie nicht treffen. Das wollte ich wirklich nicht."
"Du hast Musa mit deinem Bogen abgeschossen?" In Claras Stimme schwang eine gewisse Panik mit. Dabei müsste sie eigentlich hoffen, dass er Musa getroffen hatte und nicht Fire, weil das wohl zu Ärger mit Brigan führen würde.
"Nein." Aran schaute auf seine Fußspitzen. "Ich hab Fire getroffen. Dabei dachte ich nicht, dass ich sie treffen würde, weil ich ja sonst auch nie etwas treffe"
"Du hast Fire getroffen?! Ist es schlimm?"
In Arans Augen traten wieder Tränen. "Weiß ich nicht. Ich bin weggelaufen."
"Was? Dann gehst du jetzt sofort zu ihr und entschuldigst dich! Du kannst doch nicht einfach weglaufen, Aran, ohne zu schauen, ob es ihr noch gut geht!"
"Ja." Der Junge wollte das Zimmer schon wieder verlassen, als Clara fortfuhr.
"Und künftig schießt du nicht mehr auf andere Menschen oder Tiere. Ist das klar?"
"Ja, Mama."
"Sonst nehme ich dir deinen Bogen ab!"
Diese Drohung schien Wirkung zu zeigen, denn der Junge wirkte jetzt schon fast geschockt.
"Jetzt geh und entschuldige dich. Ich hoffe, dass es Fire gut geht, sonst kannst du es nämlich auch Brigan beichten."
Jetzt wurde Aran regelrecht blass. Er hatte nämlich ziemlich viel Respekt vor dem Prinzen. Ohne ein weiteres Wort verließ der Junge jetzt den Raum.
"Manchmal ist er schrecklich. Und es ist unheimlich schwer, hart zu bleiben."
Garan musste ein Lachen unterdrücken, was ihm nur kläglich gelang. "Das glaube ich dir gerne. Ist halt ganz der Papa manchmal. Wenn du Fire fragst, wird sie dir hunderte Geschichten dieser Art von Archer erzählen können, da bin ich mir sicher."
"Wahrscheinlich. Das schlimmste ist, wenn er sich mit Liv zusammentut. Was mich dann am meisten beruhigt, ist, dass die beiden sich mit Murgdas Spross nicht verstehen zu scheinen."
"Ja, das habe ich auch schon beobachtet."
"Wir müssen unbedingt mit Fire über das Kind reden. Sie scheint viel Spaß zu haben in den Kinderzimmern."
"Das habe ich auch schon gedacht."
"Ja. Ich glaube, sie hätte liebend gerne selbst Kinder gehabt."
"Warum hat sie dann keine."
"Sie hat mir mal erzählt, dass sie es nicht verantworten möchte, weitere Monster in die Welt zu setzen. Nach allem, was ihr Vater zerstört hat, kann ich das nachvollziehen."
"Hmmm."
Ich hustete, was Clara dazu veranlasste, mir die Stirn abzutupfen. Ich ließ mich erschöpft in die Kissen zurücksinken.
"Ach, Bruderherz. Ich quatsche dich hier voll, dabei geht es dir ganz und gar nicht gut."
"Es geht schon." Meine Stimme hörte sich so kratzig und kaputt an, wie ich mich auch fühlte.
"Sicher. Und morgen muss ich erfahren, dass du den Geburtstag deiner Frau nicht mehr erleben wirst!"
"Übertreib nicht, Clara. Mein Gesundheitszustand war in den letzten Jahren schon kritischer."
"Jedenfalls werde ich Sayre jetzt Bescheid sagen, dass du wach bist. Sie wollte dir etwas Suppe bringen. Die dürfte nun fertig sein."
"Wieder Suppe. Ich hasse Suppe."
"Dann sei nicht so oft krank, dann musst du sie nicht so häufig essen."
"Haha. Als ob ich mir das aussuchen könnte."
Clara stand nun an de Tür.
"Ich werde jedenfalls dafür sorgen, dass Fire sich einen Plan überlegt. Den Rest besprechen wir am Besten nächstes Mal mit allen. Und du wirst jetzt erstmal schnell gesund."
"Ich geb mein Bestes, Clara."
Meine Schwester lächelte und verschwand dann aus dem Zimmer.
Mit dem Geräusch der schließenden Tür war ich wieder alleine.
Ja, es gab viel zu Besprechen im Moment. Das Land war jetzt, fünf Jahre nach dem Krieg, wieder soweit aufgebaut, dass wir uns über Reformen den Kopf zerbrechen konnten, was zuvor wegen Kriegsvorbereitungen und den Wiederaufbau liegen geblieben war. Jetzt konnten wir uns auch letztendlich auch darum kümmern, dass die vom Krieg betroffenen und geschädigten Menschen versorgt wurden. Da war eine Reform und Überprüfung des Militärs vielleicht genau das, was nötig war. Vielleicht sollte ich mich wirklich mal mit Mila zusammensetzen und das diskutieren. Sie war mittlerweile für die Logistik und die Struktur der Armee zuständig. Wobei ich damit wohl noch warten musste, vorausgesetzt, Nash, dieser Trottel, fand endlich den Mut, ihr einen Antrag zu machen. Dann wäre sie mit ihren Gedanken wahrscheinlich ganz woanders. Dieser Gedanke ließ mich schmunzeln.
Dann kehrten meine Gedanken wieder zu dem ursprünglichen Problem zurück. Denn obwohl der Krieg schon seit einiger Zeit vorüber war, waren noch nicht alle Schlachten geschlagen. Denn auch wenn der Großteil der Bevölkerung wieder hinter uns als Königsfamilie, besonders hinter Nash als König stand, konnte ich nicht leugnen, dass noch viel zur Aufarbeitung all dessen geschehen musste. Es war klar, dass die letztendliche Versorgung der Veteranen ein Thema war. Denn für mich stand fest, dass die jungen Kerle und Frauen, die Ein Arm oder Bein verloren hatten, deswegen noch lange nicht nutzlos waren. Vielmehr konnten sie, wenn wir es schaffen würden, sie in die Gesellschaft einzubinden, dieser noch einiges an Gutem bringen.
Es war eindeutig an der Zeit, diesen Krieg abzuschließen. Zwar nicht zu vergessen, denn Vergessen von solch einschneidenden Ereignissen wäre sträflich und würde in der Zukunft nur wieder zu Problemen führen.
Wir sollten aus unseren Fehlern lernen.

Die Tür öffnete sich erneut. Diesmal war es Sayre, die mir tatsächlich Suppe brachte. Ich verzog das Gesicht.

"Ich liebe dich, weißt du das eigentlich, Sayre?"


****
Ähh... weiß zufällig jemand, wie Murgdas Tochter heißt?
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