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Am Krankenbett

KurzgeschichteFamilie / P12 / Gen
07.02.2013
14.03.2013
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07.02.2013 1.372
 
Der Blick, mit dem Brigan Fire beobachtete, brachte mich zum Lächeln. Es lag so viel Gefühl darin, dass sogar seine Lippen von einem Lächeln umspielt wurden.
Fire saß an meinem Bett und tupfte gerade meine Stirn ab. Ich fühlte mich mal wieder, als würde ich jeden Moment sterben. Wobei Nash mal erzählt hatte, dass er eigentlich gar keinen Schmerz verspürt hatte. Damals, vor vier Jahren, als nur Fires eiserner Wille ihn vom gehen abgehalten hatte.
Brigan lehnte am Fensterbrett, während Nash auf der anderen Seite meiner Krankenstatt auf und ab ging. Das war eigentlich eine normale Regierungssitzung, wenn es mir schlechter ging. Diesmal hatte wohl das nasskalte Wetter seinen Teil zu meinem Zustand beigetragen. Es wurde Frühling in den Dells.
"Garan, wir müssen etwas mit der Stadt unternehmen. Manche Teile verkommen zunehmend."
"Brigan, wie oft soll ich dir noch sagen, dass wir nicht in Gold schwimmen!" Diese leidigen Gesprächsthemen ließen meine zuvor noch gute Laune wieder sinken.
"Das weiß ich doch. Aber was wäre, wenn wir Institute einrichten würden, die sich mit Forschung oder Kultur, die sich mit dem Erhalt der Stadt oder so beschäftigen. Die könnten sich vielleicht selbst finanzieren, oder über Spenden und wir würden auf jeden Fall viele Menschen von der Straße wegholen", setzte Brigan zu einem Redeschwall an, der von einem Hustkrampf meinerseits gestoppt wurde. Fire berührte meine Stirn, was meine Schmerzen linderte.
"Ich sage schon seit Jahren, dass wir die Institute für die Forschung wieder neu beleben sollten. Und was ist mit der Erforschung des Westens? Ich finde, dass sich das Land soweit vom Krieg erholt hat, dass wir damit beginnen könnten."
"Aber Fire, ich habe dir schon oft gesagt, dass wir die Berge erforschen werden. Nur noch nicht jetzt.", warf Nash ungeduldig ein.
"Wie lange willst du das denn noch verschieben. Irgendwann bin ich alt und werde diese Länder nie sehen können." meinte sie trotzig.
Brigan hielt den Ball fest, den er zuvor immer wieder hochgeworfen und gefangen hatte, was der Unterhaltung einen gleichmäßigen Rhythmus gegeben hatte. "Ist das dein Wunsch, Fire? Diese Länder zu sehen, egal wie sie sind? Ich meine, wir wissen bis jetzt nur von Leck, der wohl von dort gekommen ist. Und der war verrückt."
"Ja. Dort sind garantiert nicht alle Menschen gleich. Es gibt bestimmt auch ganz normale und zivilisierte unter ihnen."
"Und wie willst du die finden? Willst du hingehen und sie fragen, wer von ihnen denn normal ist? Abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich eine ganz andere Sprache sprechen."
"Nein, so können wir das nicht machen." Fire sah nachdenklich nach unten.
"Wir werden die medizinischen Institute neu einrichten." sagte Nash plötzlich aus dem Zusammenhang gerissen.
"Wie willst du das finanzieren?" fragte ich. Schließlich kannte ich meinen Bruder. Der meinte zwar fast alles gut, hatte es in der Regel aber nicht fertig durchdacht.
"Wir sparen bei der Armee."
"WAS?! Nash, das kann nicht dein Ernst sein!" Ich grinste in mich hinein, als Brigan sich so aufregte.
"Das ist mein voller Ernst. Wir werden das System ändern. In der Armee sind viele kluge Leute, vielleicht können wir einige von ihnen ja zivile Berufe geben. Architekten, oder sie können vielleicht selbst in die Fakultäten. Wir machen die Truppen kleiner, statt vier Mal zehntausend Mann nur noch sechs Mal Zweitausendfünfhundert..."
"Nash, das kann nicht dein Ernst sein!"
"Doch, das ist mein voller Ernst. Immer noch! So sind unsere Truppen viel effektiver. Und vor allem günstiger. Wir werden den Soldaten ihr Pferd überlassen, sie als Reservisten einsetzen. Sagen wir, mit Training an fünf Tagen im Monat, sodass wir zur Not wieder ein großes Heer mobilisieren können. Oder ..."
"Nash!" fauchte Brigan. "Ist dir eigentlich bewusst, was du da vorschlägst?!" Er war ein Oberbefehlshaber, für den seine Männer sterben würden. Und auch er verteidigte sie immer.
"Also, um ehrlich zu sein, finde ich die Idee gar nicht so schlecht. Der Plan ist zwar alles andere als ausgereift, aber es ist ja eigentlich nur eine Idee im Moment." mischte sich nun auch Fire ein.
Brigan sah sie daraufhin nachdenklich an. "Darüber wird noch zu reden sein. Garan findet den Plan bestimmt auch ganz toll, er liegt mir ja mit so etwas schon Jahrhunderte im Ohr." Er sah mich an.
"In der Tat, das Konzept ist sicher nicht ganz ausgereift, aber grundsätzlich bin ich begeistert. Und wenn wir schon beim Thema sind, die Renten für die..."
"Treib es nicht zu weit!" unterbrach er mich. Dann, mit einem grabesschweren Ton: "Ich werde jetzt einen Ausritt machen. Mit Hanna." Damit rauschte er aus dem Zimmer.
"Er ist wirklich nicht begeistert.", murmelte Fire.
"Ja, seine Armee ist sein Heiligtum.", sagte ich.
Nash hingegen war optimistisch. "Ich werde mit Mila darüber sprechen. Sie hat einen Überblick über die Soldaten."
"Hast du dir eigentlich überlegt, ob du sie heiraten willst?" wechselte Fire das Thema.
Nash lächelte, traurig diesmal. "Es ist schwierig. Einerseits liebe ich sie, andererseits bin ich der König. Man erwartet einen Thronfolger von mir."
Ich schnaubte. "Wenn du noch viel länger zauderst, dann wird das nichts mehr." fire kicherte über meine Bemerkung, während Nash die Stirn runzelte.
"Haha, so alt bin ich auch nicht."
"An deiner Stelle würde ich mir nicht so viele Gedanken über Politik machen. Schließlich spricht für dich nichts gegen ein Kind mit Mila."
"Das nicht. Aber ich weiß nicht, was dann mit Liv geschehen soll."
"Was soll schon sein? Sie ist Milas und Archers Tochter, was soll schon sein. Ihr Vater ist tot. Sie ist in keinster Weise ein Hindernis. Du kannst sie anerkennen, aber von der Thronfolge zugunsten deines eigenen Kindes ausschließen." warf ich ein. Ich verstand zwar seine Überlegungen, konnte aber nicht nachvollziehen, was ihm jetzt dabei ein Hindernis war.
Fire beobachtete Nash eingehend, bevor sie grinste. Es war sehr schön, sie so glücklich, zu sehen. "Du hast Angst, sie zu fragen!"
Nash versuchte, eine empörte Miene aufzusetzen, was ihm allerdings misslang. Er schaute zerknirscht zu uns. Dann zuckte er mit den Schultern.
"Sie ist gut zehn Jahre jünger als ich es bin, warum sollte sie mich heiraten wollen?" murmelte er schließlich leise.
"Ohh Nash. Sie liebt dich. Mach dir doch nicht solche Gedanken. Ich glaube, sie befürchtet langsam, dass du sie wegen Liv nicht willst."
"Das stimmt doch überhaupt nicht! Liv ist fast wie eine Tochter für mich, ich kenne sie von klein auf. Und ihre Existenz ist doch keine Grund, mich davon abzuhalten, Mila zu lieben."
Wir verschwiegen ihm, dass das genau seine vorherige Behauptung gewesen war.
Fire stand auf und umarmte den König. "Ach Nash. Tu mir einen Gefallen und frag sie einfach! Sie wird dir schon nicht den Kopf abreißen dafür."
Die Tür ging auf und Sayre kam herein. "Ich würde es willkommen heißen, wenn ihr Garan etwas Ruhe vergönnen würdet." Sie trat ans Bett und drückte einen Kuss auf meine Stirn. Ihre Lippen fühlten sich kalt an auf meiner erhitzten Haut.
Nash und Fire wandten sich zum Gehen. Am Türrahmen blieb Fire aber stehen und sah Sayre und dann auch mich einen Moment an. "Herzlichen Glückwunsch" sagte sie breit grinsend. Dann verschwand sie und die Tür wurde geschlossen.
"Wofür war das denn?" murmelte ich. Ich hatte Sayre vor etwas mehr als einem halben Jahr geheiratet, endlich. Das war ein Ereignis gewesen, dass aus unterschiedlichsten Gründen immer wieder verschoben werden musste.
"Ich weiß es nicht."
"Du hast aber heute nicht Geburtstag, oder? So lange liege ich noch nicht hier!"
"Nein, keine Sorge. Als würdest du so etwas verpassen. Aber bis es in zwei Wochen so weit ist, musst du wieder auf die Beine kommen." Sayre wischte mir mit einem Lappen über die Stirn. "Das bedeutet, dass du jetzt schlafen musst."
"Mhh, schade. Dabei habe ich gerade so nette Gesellschaft." Ich lächelte sie an.
"Keine Widerrede!"
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