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Wer bin ich? ---> die Geschichte über Tod, Trauer, Verlust und dem Weg zu sich selbst

SongficAngst, Fantasy / P12 / Gen
06.02.2013
28.03.2013
2
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06.02.2013 813
 
Verwirrt stolpere ich durch die dunklen Straßen Londons.
Vom vielen Laufen klebt meine wenige Kleidung an mir, wie ein nasser Lumpen.
Ich zittere und mir ist bitterkalt, doch die Wut und die Verzweiflung treibt mich immer weiter. Immer weiter; noch ein Schritt, und noch einer, ohne Pause, ohne Rast.
Mein Herz schlägt heftig gegen meine kleine, ausgemagerte Brust. Es schlägt einen Rhythmus, der mir Erinnerungen durch den Kopf und heißes pulsierendes Blut durch meinen zierlichen Körper jagt.



Blind vom Licht der vielen Kerzen,
seht ihr nicht in die Dunkelheit.
Ihr kleidet euch in Samt und Seide
und mästet euch an reich gedeckten Tafeln.



Meine Mutter hat mich gepackt. Ihre Finger bohren sich tief in mein Fleisch,  doch ich habe keine Zeit mich zu beschweren. Sie drückt mir meinen ausgefransten Teddy in den Arm.
Eine Erinnerung durchzuckt mich und ich erinnere mich daran, wie ich ihn an einem trüben Regentag aus der Themse gefischt hatte. Nach drei Stunden vergeblichem Suchen in der stinkenden Brühe, war dies ein Lichtblick, der wieder ein wenig Hoffnung zuließ, in dieser hoffnungslosen Welt.
Sie hatte einen kleinen schmutzigen Koffer in der Hand, mit selbstgemachten Sandalen, sowie weitere kleine Dinge, die wir alle gefunden haben.
Wir rannten schnell, als wären wir auf der Flucht, doch ich wusste nicht wovor.
Es regnete, doch der Regen  war warm, und am liebsten hätte ich mich in ihm gedreht und gespielt, anstatt dessen rannten wir durch ihn hindurch und Mama schien ihn gar nicht zu bemerken. Sie war gedankenverloren, achtete nicht auf etwas anderes als ihr eigener Herzrhythmus.
Ich aber spürte, wie der Regen in großen Tropfen mein Gesicht herunterlief und wie er meine Lippen benetzte. Ich leckte ihn genüsslich ab. Er schmeckte leicht süßlich.
Im nächsten Moment riss meine Mutter mich herum und ich sah zum ersten Mal ihr Gesicht.
Die Augen vor Angst geweitet waren, stille Tränen liefen ihre Wangen hinunter und spülten den Dreck aus ihrem Gesicht. In ihrem Mund hingen strähnige Haare, ihre Lippen waren spröde, wund und rissig  und ihre Wangen waren vor Anstrengung gerötet.
Sie drückte mich an sich  und flüsterte: „ ich lasse es nicht zu, dass sie dich mir wegnehmen!“, als harte Hände mich am Nacken packten und mich von ihr wegzogen.
Ich strampelte und schrie, doch der lauteste Schrei war der meiner Mutter: „ Ich lasse es nicht zu, dass sie dich mir wegnehmen!“



Unsre Klagen sind euch lästig,
ihr könnt und wollt uns nicht verstehn'.
Ihr lebt im Überfluss, satt bis zum Überdruss
und was euch stört, wollt ihr nicht sehn'.



Kalte, große, raue Hände griffen über meinen Mund und meine Nase, und ich bekame keine Luft mehr. Meine Lunge versuchte vergeblich nicht vorhandene Luft einzuatmen und  mein  Körper versuchte diese durch meine Adern zu treiben.
Meine Augen flimmerten und mein Bauch verkrampfte sich.
Ich wollte schon aufgeben, als ich eine kleine Flamme in meiner Brust bemerkte. Klein, gerade groß genug, um seine Hände zu wärmen. Doch sie reichte aus, um mir Hoffnung zu geben, gegen das hier zu rebellieren.
Mit allerletzter Kraft, öffnete ich meinen Mund und biss in den Finger des Mannes. Mit einem Aufschrei ließ er mich fallen und ich atmete die frische Luft tief ein.
Sie brannte wie Feuer.
Dann huschte ich durch seine Beine hindurch.
Neue Männer kamen, und ihre Muskeln spiegelten sich auf der nassen Straße. Sie bauten sich vor mir auf und wollten mich ergreifen.
Doch bevor sie mich fassen konnten, humpelte ein weiterer Mann in das Geschehen. Eine lange Narbe zog sich über sein Gesicht und ein hämisches Lächeln spielte um seinen Mund.
„Lasst die kleine laufen!“, befiehlt er den Männern in einem undefinierbaren Ton.
Darauf holt einer der Männer aus und ich beuge mich, wartend auf seinen Schlag. Doch er entreißt mir nur meinen Teddy und schubst mich in die Nacht. Zitternd und zusammengerollt bleibe ich liegen.



Wir stehn' hier draußen wie Gespenster
während ihr drinnen tanzt und lacht.
Wir sehn' euch im hellen Fenster,
ihr seht draußen nur die Nacht.



Langsam richte ich meinen Blick auf und wische mir mit meinem Handrücken die Tränen von den Wangen, die mir unaufhaltsam die Wangen herunter rinnen.

Mein Blick fiel auf meine Mutter, wie sie mit erhobenen Händen zu den Füßen des Narben -mannes lag .  Dieser lächelte ein grausiges Lachen und erhob seine Hand gen Himmel. Darin glänzte ein Messer und für einen Moment stand die Welt still.

Auf einmal brannte der Regen wie Nadelstiche auf meiner Haut und ich bemerkte, wie zufällig, dass Vollmond war.

Dann nahm die Welt ihre Aufgaben im doppelten Tempo wieder auf und das Messer versank in der Brust meiner Mutter.

Mit einem Aufschrei sank ich zusammen.



Blind vom Licht könnt ihr nicht ahnen,
dass "Elend" mehr ist als ein Wort.
Ihr saht nie in die großen Augen,
der Kinder, die am Rand der Straße sterben.

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Fortsetzung folgt!!!! Schreibt Reviews!! :)))*
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