Reqieum

von nanachen
GeschichteAllgemein / P6
05.02.2013
05.02.2013
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Mein Kopf schwirrt, Gedankenfetzten explodieren und ich kann nur einen von ihnen fassen.
Alex lebt. Er lebt! Aer atmet, er steht vor mir, er ist hier, er... Alex ist hier. Hier, in der Wildnis, hier bei mir.
Er hat einige offene Wunden, am Hals und am Unterarm. Er ist ausgezehrt und wirkt schwach, das linke Bein hält er seltsam verdreht und doch... Er hat sich hier her gekämpft, hat es irgendwie hier hin geschafft. Die blaue Nummer an seinem Hals leuchtet ein wenig in der Abendsonne.
Er war in den Grüften. Erst jetzt erinnere ich mich an das, was Raven gesagt hat. Alex ist aus den Grüften ausgebrochen und vor wenigen Tagen hier angekommen. Hier, genau hier, an dem Ort, der zu meiner Rettung auserkoren war. Zu unserer Rettung.
Erst jetzt bemerke ich, das Julian noch immer den Arm an meiner Taille hat. Seine Berühren brennt an meiner Seite und als würde er den stechenden Schmerz auch spüren, lässt er mich langsam los.
Alex sieht immer wieder von mir zu Julian, ich sehe in seinen Augen, wie er versucht, zu vertsehen was er dort sieht. Julian Fineman, den Alex zweifellos kennt, der Sohn der VDFA Vorsitzenden, der ungeheilte Junge aus der Stadt.
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich möchte etwas sagen, Worte finden, die erklären, was passiert ist, was ich getan haben. Was ich im angetan habe.
Es gibt keine Erklärung dafür. Keine, die ausreichen könnte.
Das Schweigen in der Luft, die bis vor einigen Minuten noch von Triumph erfüllt war, umhüllt uns alle, wie schwere, parfümierte Luft. Ich habe Angst, etwas zu sagen.
Angst vor der Reaktion. Und selbst wenn, ich wüsste nicht, was.
Zu meiner Überraschung ist es Julian, der das Schweigen bricht.
Er geht zu Alex hinüber und streckt ihm die Hand entgegen. Ich brauche ihm nicht ins Gesicht zu sehen um zu wissen, dass er das VDFA - Lächeln aufgesetzt hat, sein wir-alle-sind-Gewinner-Lächeln.
»Hi, Julian. Julian Fineman, ich bin...« setzt er an, doch Alex schlägt seine Hand gereizt weg. Er stützt sich in den Türrahmen. »Entschuldige, ich wollte nur..« Dann schlägt Alex ihm ins Gesicht.
Mir entfährt ein kleiner, stummer Schrei. Ich bin mir sicher, dass ich die einzige war, die ihn gehört hat. Julian taumelt zurück, hält sich die Hand vor die Nase, die Alex dem lauten Knacken zufolge wohl gebrochen haben musste.
Alex geht einen Schritt auf ihn zu und schlägt ihn gleich noch ein zweites Mal, an die Schulter. Ich bin nicht fähig, mich zu bewegen. Selbst meine Gedanken hängen in der Luft herum, ich stehe nur stumm da und sehe ihnen zu.
Dann richtet Julian sich auf, stößt Alex vor die Brust. Alex fällt auf den Boden, stöhnt kurz auf vor Schmerz.
»Aufhören!« schreie ich plötzlich. »Aufhören! Hört auf!« Die beiden halten inne, sehen mich ungläubig an. In ihrem stummen Entsetzen ähneln sie sich.
»Bitte...« Ich kann den Satz nicht beenden, der gerade angeschwemmte Mut verlässt mich umgehend wieder. Alex steht auf, Julian hält sich noch immer die Hand vor die blutende Nase.
»Bitte hört auf damit...« setze ich wieder an.
»Nein Lena. Hör du auf. Hör bitte auf.« flüstert Alex und geht, das linke Bein hinter sich herziehend, wieder zurück in die Hütte und lässt Julian und mich zurück. »Julian, ich...« will ich erklären, aber er schüttelt nur den Kopf. »Julian, ich bin nicht...« »Nein, ich auch nicht, Lena.«
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