Zwischen Erlösung und endloser Qual

von Snowsong
GeschichteMystery, Schmerz/Trost / P18
OC (Own Character)
04.02.2013
13.08.2019
56
120431
21
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Vielen Dank für die Reviews an: Hanni, Rpredator98, KonoHD, Fusseljulchen und Blue Cat

Vielen Dank für die vielen Empfehlungen^^


So, ihr musstest lange warten. Im Moment ziehen sich die Ideen für diese FF zäh wie Kaugummi -.-


Viel Spaß beim lesen.
Eure Snowsong






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Neuordnung und Schlachtpläne


Mein Körper fühlte sich noch immer seltsam an. Ich fühlte mich nicht schmutzig; dass war es bei weitem nicht. Daidare war sanft gewesen, vorsichtig. Das wissen, dass er mir noch einmal einen Monat erkauft hatte, durch seine Schauspielkunst, war beruhigend. Und doch tickte die Uhr.
Ich konnte es kaum erwarten, endlich aus dem Auto aussteigen zu können. Ich musste aus diesem Kleid raus.

Zurück in der Villa erwartete mich eine Überraschung. Es schien so, als habe Daidare etwas zu Essen organisiert, denn in meiner Wohnung wartete ein gedeckter Tisch auf mich.
Ich staunte nicht schlecht. Tristan war in dem kleinen Wäldchen hinter dem Haus unterwegs; wohl, um etwas für sich zu sein. Daidare hatte mich begleitet. Er warf dem Essen nur einen kurzen, aber zufriedenen Blick zu.

„Ich werde Tristan die Wohnung zeigen und dafür sorgen, dass er etwas zu Essen bekommt. Seine Werte sind schlecht“, bemerkte Daidare während er auf seinen Blattspeicher blickte. Ich sah ihn an und nickte.
„Kannst du mir ein Paar Medikamente ordern? Welche, die das Träumen verhindern? Ich weiß nicht, wie es ihm geht. Er hat viel verloren.“ wollte Daidare noch wissen.
„Was ist mit Hibisk? Ich dachte, er wäre der Vater von dem Kleinen?“
„So genau weiß ich das nicht, Rune. Aber ich würde ihn besser erst einmal ankommen lassen. Vielleicht haben sie ihn auch... vergessen lassen. Ich weiß es nicht.“

Ich zuckte zusammen. Daidare wusste also, dass es solche Operationen gab? Ahnte er, dass sie ihn auch manipuliert hatten?

„Lass uns das in Ruhe besprechen, nach dem wir geschlafen haben. Ich werde auch Lucares informieren.“
„Das kann ich auch machen...“, bot ich an aber Daidare schüttelte den Kopf.
„Nein. Ich muss ihm klar machen, dass er vor meinem Bruder nicht davon rennen soll. Das wird ein ernstes Gespräch zwischen uns zwei.“

Ich setze mich auf einen Stuhl und zog meine Schuhe aus.

„Bist du eifersüchtig? Oder warum ziehst du Lucares Tristan vor?“ wollte ich wissen.
„Ich bin nicht eifersüchtig. Du bist die, die unsere Rangordnung festlegt. Aber ich kenne meinen Bruder.“
„Das erklärt nichts“, warf ich ein „Meine Güte, rede doch mit mir. Bitte.“ ich war überfordert. Der ganze Abend war einfach eine Nummer zu groß für mich gewesen und nun bröckelte meine Fassade.
Daidare kam zu mir, stellte sich hinter mich und zog mich an seinen Körper. Ich lehnte mich an ihn an.

„Tristan und ich... wir kamen nie gut miteinander aus, weißt du? Wir haben uns oft gestritten. Ich war schon immer eher der Soldat von uns beiden. Tristan lebte gerne in den Tag hinein, hat es genossen, alles auf sich zukommen zu lassen. Keine Planung, keine Disziplin... nichts. Irgendwann ist er verschwunden. Ich habe Sorge, dass er hier alles Durcheinander bringt. Ich habe Angst, dass er dich durch seine Sorglosigkeit gefährdet. Wir tanzen im Moment auf Messers Schneide und wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir uns alle das Genick brechen. Ich kann nicht zulassen, dass dir etwas passiert, Rune. Das geht nicht. Aber alleine kann ich dich nicht schützen, dafür benötigte Lucares.“

„Du glaubst, dein Bruder würde mir etwas antun?“ flüsterte ich.
„Nein. Nicht willentlich. Aber wenn ihm herausrutscht, dass wir zwei noch nicht intim waren, dass das alles nur gespielt war, haben wir ein Problem. Er kennt die Regeln dieser Gesellschaft nicht Rune, und das macht ihn so gefährlich wie ein gut gezielter Schuss einer voll automatischen Feuerwaffe. Von mir lässt sich Tristan nicht viel sagen. Vielleicht dringt Lucares zu ihm durch.“

Ich starrte die Wand an. Unwissenheit konnte hier im Kapitol schnell den Tod bedeuten. Daidare wusste um die Regeln. Ich und Lucares waren dabei, so langsam die Regeln zu verstehen, aber wir verstanden längst nicht alles. Tristan dagegen war fernab in einem Wald gewesen, hatte dort sein Leben als Alpha eines Rudels verbracht.    
Ich hatte unglaublich viele Fragen. Doch die musste warten.

Eines nach dem anderen.

„Ich warte mit dem Essen auf dich“, sagte ich leise. „Also beeil dich.“
„Du musst nicht warten. Es wird kalt werden.“ antwortete er.
„Doch. Ich will nicht alleine Essen.“

Schließlich waren wir nur zu dritt in dem großen Haus. All die anderen waren mal wieder ausgeflogen.
Leider.

Daidare sagte nichts, aber ich wusste, er würde sich beeilen und meinem Wunsch erfüllen.

Alleine in dem großen Wohnzimmer, kamen die ganzen Gefühle in mir hoch. Ich war... verwirrt, ängstlich, verzweifelt, traurig, glücklich. Kurzum, ich war schrecklich durcheinander.
Daidare hatte mir bewiesen, dass er sanft sein konnte. Er hatte genug wissen, um zumindest meinem Körper Freude zu breiten. Aber Körper und Geist waren zwei paar Schuhe. Nur weil es meinem Körper gefiel, hieß das nicht, dass es mir auch gefiel.
Daidare beteuerte mir immer, er würde mich lieben. Aber war das die Wahrheit? Was, wenn sein Körper auch nur reagierte, sein Geist aber etwas ganz anderes wollte?

Er war immer der Starke. An wen konnte er sich also einmal anlehnen und verschnaufen? Wer bot Daidare eine Schulter an? Wo konnte mein Drache einmal Kraft tanken?

Wenn das rauskam, dass er nicht mit mir geschlafenen hatte, dass er das alles gespielt hatte, dann würden er die Strafe erhalten. Ich hatte mit Tristan einen dritte Drohne erhalten. Daidare könnte ausgetauscht werden. Und davor hatte ich Angst.
Ich brauchte ihn, war längst von ihm und seinen Fähigkeiten abhängig. Ich konnte nicht zulassen, ihn zu verlieren.

Nein, ich war die Königin!

Eine führende Position brachte auch Verantwortung für jene, die einem untergeben waren. Ein guter Herrscher achtete auf sein Volk. War es dann nicht meine Pflicht, Daidare einmal eine Möglichkeit zu geben, zu entspannen? Und nicht nur Daidare.
ALLE Mutationen, die das Kapitol erschaffen hatte, gehörten zu meinem Volk.

Diese Erkenntnis schmiss mich fast von meinem Stuhl.

Natürlich, man hört es immer wieder: Du bist die Königin, Rune.
Aber was es bedeutet, was es heißt, dass wurde mir erst jetzt bewusst. Ich war verpflichtet, meine Leute zu beschützen. Ich musste sie nicht nur anführen, konnte nicht nur erwarten, dass sie meine Befehlen befolgten. Nein, ich musste ihnen auch etwas im Austausch dafür geben.

Dafür benötigte ich aber einen Plan. Es musste aufhören, dass ich mich immer hinter allen verkroch und mich beschützen ließ. Ich musste selbst aktiv werden.

Mir kam das Gespräch mit dem jungen Snow in den Sinn. Der Sohn des Präsidenten war vielleicht eine Option. Aber ich benötigte mehr Informationen über ihn.
Er war noch jung, vielleicht konnte ich den Spieß umdrehen und ihn manipulieren? Er war ein Mann, meinem Körper nicht abgeneigt. Vielleicht, nur vielleicht konnte ich...

„Was grübelst du denn so?“ Daidares Stimme ließ mich zusammenzucken. Ich hatte ihn nicht gehört.
„Es gibt so vieles, ich glaube mein Kopf platz gleich“, wich ich ihm aus.

„Für heute Abend sollte es genug sein. Mir reicht es, wenn du es wissen willst, auch.“ und das glaubte ich ihm.
Gemeinsam nahem wir Platz und genossen das Essen. Man konnte ja viel über das Kapitol sagen, aber es gab dort einfach hervorragende Köche.
Er beobachtete mich, das spürte ich. Doch wann immer ich den Blick hob, schien er auf seinen Teller fixiert zu sein, oder etwas zu trinken.

„Das, was du mit mir bei dem Präsidenten getan hast“, brach ich das Schweigen „Kannst du das wiederholen?“ er erstarrte. Langsam wandet er mir seinen Blick zu.
„Wann immer du willst, meine Königin“

Ich versuchte in seinem Gesicht zu lesen, aber wie immer verbarg er seine Gedanken gut. Dieser verfluchte, neutrale Gesichtsausdruck!

„Bereitete es dir auch... Freude?“, die Frage musste sein. Sie musste einfach sein.

Daidare senkte die Gabel wieder, die er erhoben hatte. Sein Blick wirkte durchdringlich. Ich biss mir auf die Unterlippe.
„Ich glaube, mein äußerst hartes Geschlecht beantwortet die Frage auch so, meine Königin“, er klang leicht belustigt.  
„Körper und Geist sind nicht das gleiche. Der Körper kann begehren, was den Geist anwidert“, konterte ich.

„Habe ich dich verletzt?“
„Bitte?“ die Frage irritierte mich.
„Habe ich dich verletzt, vorhin“, wiederholte Daidare.
„Nein. Die Feuchtigkeit in meinem Höschen hätte dir das doch sagen sollen“
„Körper und Geist sind nicht das gleiche. Der Körper kann begehren, was den Geist anwidert“, wiederholte er meinen Satz.

Nun war ich es, die die Gabel ablegte. Mit den Händen fuhr ich mir über das Gesicht. Daidare missverstand mich wohl.

„Dein Körper hatte vergnügen, aber dich hat es abgestoßen“

„Was? Nein...“
„Warum weichst du meiner Frage dann immer aus?“, verlangte er zu wissen. Ich sah zu ihm. Sein Blick war... gequält.
„Ich weiche dir aus? Fass dich selbst an die Nase, Drache“, grollte ich. Das war zwar nicht fair, warf ihn aber kurzzeitig aus der Bahn. Zumindest blinzelte er mehrfach.

„Ich will dich“, diese Drei Worte verließen augenblicklich sein Mund, nach dem er sich gefasst hatte.
Es waren drei schlichte Worte. Aber sie drückten wohl alles aus, was Daidare empfand. Aber es war mir dennoch nicht genug.

„Daidare... ich weiß, du sagst das immer aber...“, aber was? Was wollte ich denn noch hören? Zeigte er mir nicht mit allem was er tat, dass er mich doch... liebte?

„Rune... wenn du wissen willst wie oft ich mir einen Runter hole... das habe ich nie gezählt. Aber verdammt, ich müsste lügen wenn ich es nicht mindestens einmal am Tag mache. Was wir da vor vielleicht zwei Stunden abgezogen haben ist mehr, als ich  mir erhoffen konnte. Du hast keine Ahnung wie viel Kraft es mich gekostet hat, nicht in dich einzudringen...“, er ließ die Gabel auf den Teller fallen „Heilige Scheiße Rune... was willst du hören? Das es mich wahnsinnig macht, wenn ich daran denke, dass Lucares schon auf dir lag? Wenn du unter der Dusche stehst, reicht schon das laufen des Wassers um das Blut in meine Leistengegend zu senden, weil ich  mir vorstelle, wie du dich langsam einseifst. Himmel Rune, ich war die letzte Zeit so oft bei Angelin... was willst du hören?“

Ich spitze die Ohren.

„Wie war der Sex mit Angelin?“ fragte ich gerade aus. Es ging mich nichts an... aber...
„Was?“
„Du warst bei Angelin. Du hast mit ihr geschlafen. Ich will Einzelheiten haben“, er sah mich mit großen Augen an.
„Nein... das willst du nicht“, sagte er ungläubig.
„Doch, dass will ich“
„Das ist nicht...“
„Nicht was? Nicht meine Sache? Dann ist es jetzt meine Sache Daidare“, zischte ich. „Einzelheiten! Und zwar sofort“

Es war unfair. Aber es war vielleicht der einzige Weg. Ich hatte so viel gelehrt, auch wie man Druck aufbaute. Der Druck, dem Daidare gerade ausgesetzt war, war groß. Seine Ausrutscher hatten mir gezeigt, dass ich noch mehr Erfahren konnte. Also musste ich den Druck erhöhen.

Er sah mich an. Wütend... verletzt... gereizt. Dann knurrte er, zeigte mir die Zähne. Er drückte sein Kien nach unten um seine Kehle zu schützen.

„Ich habe sie wund gefickt, Rune. Ich habe ihr deinen Namen ins Ohr gestöhnt, während ich sie immer und immer wieder bestiegen habe“, grollt er „Wann immer ich in ihr gekommen bin, habe ich mir vorgestellt, du wärest es. Und wenn ihr Schoß mich nicht mehr ertragen konnte, hat ihr Mund hergehalten. Im stehen, im liegen, kniend... es gibt keine Position die ich nicht schon durchgemacht hätte, während ich mir dich vorgestellt habe. Und wenn ich das so sehe, werde ich mich jetzt mit ihr in Verbindung setzten und einen Nottermin ausmachen“

Er wollte aufstehen.
Ich hatte das Gefühl, wenn er jetzt aufstehen würde und ging... dann würde ich ihn ein Stück verlieren. Also befahl ich ihm kalt:

„Du wirst nirgends hingehen“

Er erstarrte mitten in der Bewegung. Ich konnte sehen wie in seinem Kopf augenblicklich zwei Geister gegeneinander antraten. Der eine Teil wollte meinem Befehl gehorchen, während der andere weg wollte.
Seine Muskeln zitterten, unschlüssig, welchem Reiz sie nachgeben sollten.

„Setz dich hin Drache. Sofort!“, befahl ich ihm. Um meinem Befehl mehr Nachdruck zu verleihen, stand ich auf.
Er starrte mich an. Sein Atem hatte sich beschleunigt.

Zu einer anderen Zeit hätte es mich wohl überrascht, dass es mir gelang, Daidare so zu kontrollieren. Aber jetzt... jetzt war ich nicht wirklich ich selbst.  

Ich starrte ihn an und er starrte zurück. Dann, langsam, setzte er sich. Keine einzige Sekunde nahm er den Blick von mir.
Er gestand seine Niederlage ein.

„Warum machst du das?“ fragte er leise. Jetzt klang er müde. Unendlich müde und erschöpft.
Ich antwortete nicht, ging aber zu ihm.
Wie er so da saß, auf seinem Stuhl mit hängendem Schultern tat er mir leid. Aber ich konnte ihn nicht gehen lassen. Das ging nicht.

Ich setzte mich neben ihn auf den Boden und legte meinen Kopf in seinen Schoß. Seine Hand fuhr wohl aus reinem Reflex in mein Haar, strichen darüber und lösten kleine Koten.

„Findest du nicht, nach dem ich so ehrlich zu dir war, könnte etwas von dir kommen?“, brach er das Schweigen.
Ich starrte die Wand an, genoss einfach, wie er mit meinem Haar spielte.
„Oder willst du noch mehr Einzelheiten hören?“, jetzt hatte sich ein bitterer Hinterton in seine Stimme geschlichen.
Ich seufzte.

„Was ist Angelin für dich?“ fragte ich, ignorierte seine Frage. „Ist sie eine Hure, mit der du das Bett teilst, oder ist sie eine Freundin?“
„Sie ist das eine wie das andere. So wie ich das eine wie das andere bin“, antwortete er leise. „Sie kam aus einem Distrikt hier her, um den Schuldenberg ihrer Familie abzuarbeiten. Als Hure eines Rotlichtprinzen. Sie hat ihn Jahre später geheiratet und nach dem er verstorben war, einen Teil geerbt. Ich wurde ihr als Lehrling unterstellt, damit ich dem Präsident mit allem Dienen kann, was ich besitze. Die Beziehung die wir haben ist... kompliziert. Sie kennt meine sexuellen Vorlieben. Bei ihr kann ich den Orgasmus genießen; wenn du verstehst was ich meine“

Oh ja... leider verstand ich ihn.

„Es ist gut, dass ich sie habe. Ich wüsste nicht, wie ich dir sonst begegnen würde. Also lass mich aufstehen Rune. Lass mich diese Nacht verschwinden“
Er würde mir nicht weh tun. Er würde meinen Kopf nicht mit Gewalt von seinem Schoß reißen.
Er bat mich, gehen zu dürfen.

„Nein“, antwortete ich leise. So leise, dass ich nicht sicher war, ob er mich gehört hatte.

„Rune?“

„Nein. Du bleibst hier sitzen“, ich drehte den Kopf, sah zu ihm hoch. „Du wirst nicht zu ihr gehen. Nicht, so lange ich hier bin“, das war gemein... sehr gemein.
„Rune“, er strich mir sanft über die Wange „Meine Gefühle für dich änder sich nicht. Ich decke mein Bedürfnis, bis du bereit bist mir das zu geben was ich brauche. Du muss nicht eifersüchtig werden“
„Was, wenn du dir nehmen kannst, was du willst?“ fragte ich neugierig.  

Er bleckte für einen Moment die Zähne.

„Du bist  noch nicht bereit“, sagte er dann. „Ich kann es spüren“
So unrecht hatte er da nicht. Aber das lag mehr daran, dass ich ihn nicht einschätzen konnte.

„Würdest du mich so küssen, wie du sie küsst? Dich an mich pressen, wie du dich an sie presst?“
„Und dich damit erschrecken? Oh nein, sicher nicht“, murrte er.
„Wenn ich es dir befehle?“
„Damit würdest du dein Glück herauszufordern. Ich... ich habe Sorge, das ich nicht mehr aufhören kann“

Dass war das Risiko. In vielen Situationen übernahm der Instinkt die Kontrolle. Auch mir war der Effekt nicht fremd.
Aber ich würde es eingehen. Wenn ich immer davon rannte, dann würde ich nie einen Schritt weiter kommen. Vielleicht war es der Alkohol oder aber ich hatte doch einen Schlag auf den Kopf bekommen und das war die Spätfolge. Wie auch immer: An diesem Abend war ich Risikofreudig.

„Küss mich... küss mich so, wie du mich immer küssen wolltest“

Er wandte den Blick ab. Also wollte er es auf die harte Tour. Ich stand also auf und setzte mich frech auf seinen Schoß.
Er zischte und sah mich sofort an.

„Hör auf Rune... du spielst mit dem Feu...“, ich erstickte seine Wiederworte in einem Kuss. Sollte er die Kontrolle verlieren, dann war das heute Abend so. Er hatte genug für mich getan, warum sollte ich ihm dann nicht etwas zugestehen, was er unbedingt wollte?
Ich spürte, wie er nach und nach nachgab. Er erwiderte den Kuss, übte mehr Druck auf. Seine Arme schlagen sich um mich, hielten mich fest.
Nun würde ich nicht mehr weg kommen, auch wenn ich es wollte.

Es gab einen Ruck. Daidare war aufgestanden. Aus reinem Instinkt schlang ich meine Beine um seine Hüfte.
Er knurrte leise. Dann zerbrach etwas. Er hatte mit der Hand seinen Teller samt Besteck und Glas von der Tischplatte gefegt. Kurz darauf saß ich auf dem Tisch.
Mit seinem Oberkörper drückte er mich langsam zurück, bis ich auf der Tischplatte lag. Dann unterbrach er den Kuss.

„Meine Königin“, sprach er mit atemloser Stimme. „Meine wunderschöne Königin“, mit einer Hand strich er mir über die Wange.
„Was versuchst du damit zu bezwecken?“, in seinen Augen lag ein verspieltes Funkeln.
„Ich versuche gerade dich abzulenken. Und es klappt“, antwortete ich stolz.
„Ablenken?“
„Ja, du wolltest gerade zu einer anderen Frau gehen, obwohl ich im Raum war. Du solltest doch wissen, dass ich sehr besitzergreifend bin“, belehrte ich ihn mit einem Schmunzeln.
„Ich gebe zu, ich genieße deine Eifersucht, meine Königin. Doch hier ist sie nicht angebracht“
„Sagt wer?“, ich hob eine Augenbraue.
„Angelin ist keine Konkurrentin für dich“
„Ach?“

Er gab mir einen Kuss auf die Stirn.

„Nein, ist sie nicht. Ich werde immer an dich denken“, dann musste er schmunzeln.
„Meine atemberaubende Königin“, murmelte er. „Ich bitte tausendfach um Verzeihung. Ich werde die Konsequenzen tragen und jede Strafe akzeptieren“

Es hätte mich misstrauisch machen sollen. Daidare war nicht der Typ für solche Schmeicheleien. Und doch witterte ich die Falle nicht.
Nicht zumindest, bis er mir den Knauf des Silbermessers gegen den Kopf schlug und mich somit in das Land der Träume verbannte.



Als ich Stunden später wieder zu mir kam, lag ich in meinem Bett. Die Lichter in der Wohnung waren aus und Daidare fehlte.
Ich knirschte verärgert mit den Zähnen. Schlechte Idee, den mein Kopf dröhnte sofort.
„Aua...“, er hatte ordentlich zugeschlagen.

Und während ich mir ein Schmerzmittel verabreichte um auch die restliche Nacht schlafen zu können, schwor ich ihm bittersüße Rache.
Dann aber lehnte ich mit dem Kopf gegen den Spiegel.

Nein, Rache war hier nicht angebracht. Er wollte mich schützen.
Ich wusste nicht, wie er im Bett war und wie weit es gefährlich wurde. Es gab Fälle da hatte er dem entsprechenden Freier tatsächlich die Kehle mit den Zähnen herausgerissen. Es war also ein hohes Risiko.

Andererseits, bevor Daidare mir mit den Zähnen die Kehle aufbiss, würde mein Instinkt wohl schalten und den Spieß umdrehen.
Ach verdammt... egal wie ich es drehte und wendete, es war einfach eine Scheiß Situation!

Mein Blattspeicher piepste. Ich hatte eine Nachricht von Kimbaley bekommen.

„Hey Süße, Robin und ich haben Morgen frei. Lass uns Shoppen gehen als gäbe es kein Morgen!“, las ich.
Shoppen? Ja, warum nicht? Das würde mir sicher etwas Helfen. Ausßerdem brachte es den Abstand zu Daidare und ich konnte mit Kimbaley und Robin reden. Sie hatten beide bestimmt großartige Ratschläge für mich.
Also sagte ich zu. Ich würde mit den beiden Shoppen gehen... und zwar so als würde es keinen Morgen danach geben.

Ob ich es bereuen würde?  Ja, definitiv.
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