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Break my fall

von Cuke
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Malcolm Reese
03.02.2013
15.06.2014
8
4.627
 
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03.02.2013 541
 
Daheim angekommen legte ich meinen Bruder sofort ins Bett, das er sich normalerweise mit Dewey teilte. Ich holte ein Glas Wasser und versuchte es ihm einzuflößen. Dies stellte sich als Herausforderung dar, weil Malcolm immer nur einige Sekunden bei Besinnung war. Dann holte ich einen nassen Lappen um seinen Oberkörper zu säubern. Bei Berührung seiner Wunden zuckte er jedes Mal zusammen und stöhnte leise.
Diesmal war ich es, der zusammenzuckte, als das Telefon klingelte. Waren das Mum und Dad? Aber die müssten doch eigentlich mitten im Vorspiel stecken. Vielleicht ein Kontrollanruf, ob wir auch wirklich noch schufteten. Wenn Mom wüsste, für was für einen Mistkerl sie die letzten zwanzig Jahre gearbeitet hat, dachte ich. Vielleicht war es aber nur Stevie oder ein anderer Freund von Malcolm.
Während ich noch unschlüssig in unserem Zimmer stand, sprang der Anrufbeantworter an. Die Worte, die die vertraute Stimme zischte, drangen kaum in mein Bewusstsein.
„…wird sterben!“, schallte es immer wieder wie ein unaufhörliches Echo in meinem Kopf. Wer wird sterben? Widerstrebend lief ich ins Wohnzimmer und spulte das Band ein weiteres Mal ab.
„Ihr kleinen Scheißbastarde. Wenn ihr auch nur ein einziges Wort darüber verliert, ist eure Mommie ihren Job los und euer Vater wird sterben.“, drohte Richards. Ich zitterte wie Espenlaub und ein Licht flackerte warnend vor meinen  Augen. Nicht durchdrehen, redete ich mir ein. Ich tastete mich an die Wand und rutschte langsam auf den Boden. In meinem Kopf drehte sich alles, dass mir schlecht wurde.
Malcolms Magen machte sich ebenfalls bemerkbar. Das Erbrechen musste allerdings von einer anderen Tatsache herrühren, da er die bitterernsten Worte Richards‘ in seinem Delirium nicht wahrgenommen haben konnte. Ich löschte die Nachricht unwiderruflich aus dem Telefon und wankte in unser Zimmer.
Malcolm lag ausgestreckt unter dem Schreibtisch. Er hatte es gerade rechtzeitig zum Mülleimer geschafft, bevor sein Magen rebellierte. Ich half ihm wieder ins Bett.
„Geht es wieder? Brauchst du irgendwas?“, fragte ich. Malcolm stöhnte leise und sein Kiefer zitterte.
Ich schnappte mir den Eimer. Als ich dessen Inhalt ins Waschbecken kippte, stellte ich fest, dass mein Bruder nur Galle hochgewürgt hatte. Kleine weiße Pünktchen erregten meine Aufmerksamkeit. Es waren die Reste von Tabletten, die noch nicht ganz gelöst waren. Malcolm hatte also seit Stunden nichts gegessen und war von Richards mit irgendwelchen Medikamenten vollgestopft worden. Ich bin zwar kein Genie, aber ich wusste, dass Tabletten in übermäßigem Verzehr oder gar durcheinander gewürfelt, starke Nebenwirkungen haben können.
Besorgt lief ich zurück. Mein Bruder war in einen ruhigen Schlaf gefallen. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig. Ich betrachtete ihn mit einer Mischung aus Erleichterung, Angst und Scham. Ich war erleichtert, dass ich Richards außer Kraft gesetzt hatte, bevor Schlimmeres passierte und weil Malcolm hier bei mir jetzt in Sicherheit war. Angst hatte ich vor den Folgen. Was, wenn mein Bruder ernsthaft krank werden würde? Wenn Richards seine Drohung wahrmachen würde? Ich schämte mich, dass ich Malcolm oft selber wehgetan hatte, dass ich ihn in solch einer derart intimen Situation gefunden hatte, auch wenn er dazu gezwungen worden war und dass ich ihn jetzt so ungeniert anstarrte. Er sah so friedlich aus. „Niemand darf dir wehtun.“, flüsterte ich. Malcolm bewegte sich und ich wandte ertappt den Blick ab. Doch er hatte sich nur auf die Seite gerollt.
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