Weltenfresser

von S0RA
GeschichteMystery, Übernatürlich / P16
02.02.2013
11.07.2013
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02.02.2013 553
 
Ein dumpfes Geräusch dröhnte durch die Halle und wurde schwach von den grob behauenen Wänden zurückgeworfen. Mehrere dutzend, schwarz verhüllter Gestalten standen um einen steinernen Altar herum, auf dessen Oberfläche Leichen ruhten. Menschen sowie Tiere. Blut sammelte sich unter den toten Körpern und tropfte zu Boden.
Die Hände verschränkt, den Blick auf den Boden gerichtet bewegten sich die Lippen der Verhüllten sachte im gemeinsamen Gebet. Ihre Stimmen, zu anfangs noch schwach und kaum zwischen der tiefen, unrythmischen Musik zu hören, wurden immer lauter und kräftiger, die Worte in einer fremdartigen Sprache immer schneller, bis die gesamte, unterirdische Halle von ihnen erfüllt war. Dann, ganz plötzlich, war es still. Sie schienen nicht einmal mehr zu atmen. Ein jeder von ihnen starrte gebannt zum Altar. Ein kräftiger Windstoß löschte die Kerzen, rund um das Podest und schien jede Wärme mit sich zu reißen. Der Atem der Menschen begann in der eisigen Luft zu weißen Wolken zu werden und stieg in einem gemeinsamen, riesigen Schleier zur Decke empor.
Im entstandenen Halbdunkel begannen sich die toten Leiber zu bewegen. Die Haut warf Falten, zeriss an den Gelenken und schien zu kochen. Knochen und Muskeln begannen sich aufzulösen, zu einer Flüssigkeit zu werden und sich in der Mitte des Tisches zu sammeln. Gelenke krachten, als sie neu zusammengefügt wurden. Die Umstehenden begannen wieder zu beten, die Musik blieb verstummt.
Nach und nach schien sich aus den Toten ein neues Wesen zu formen. Glasige, schwach leuchtende Augen starrten in die Menge, ein Maul voller schiefer, spitzer Zähne knurrte drohend. Es nahm die entfernte Form eines Lindwumes an, doch seine Haut behielt die blasse, weichliche Oberfläche wie die, aus der er entstanden war, seine Gliedmaßen waren ungleich und schief, die Flügel verkümmert. Trotz seines unfertigen Körpers erhob es das Haupt wie ein König und fixierte die Menge. Bevor das zwei mannshohe Tier sich auf einen seiner Schöpfer stürzen konnte, führten zwei ebenfalls vermummte Gestalten eine junge Frau aus dem Kreis der Beobachter. Ihre Hände waren gefesselt, ihre Kleidung zerissen und blutgetränkt. Jeder ihrer Schritte war taumelnd. Sie hatte keine Kraft mehr, sich zu wehren und hatte sich ihrem Schicksal ergeben. Man gab ihr einen Stoß, sie stolperte vorwärts und stürzte vor dem Podest auf die Knie. Der Lindwurm starrte das Mädchen an. In einem letzten Aufbegehren schüttelte sie sich die kurzen, blonden Haare aus dem vor Anstrengung verzerrtem Gesicht. Eine kaum sichtbare, sanft leuchtende Aura bildete sich über ihrer Haut. Ein Raunen ging durch die Menge, als die Luft drückender, schwerer wurde. Das untote Monster ließ sich davon nicht beeindrucken. Es knurrte erneut, schien fast zu lachen, und sprang auf das Mädchen zu. Das Leuchten verlosch, als sich die Kiefer des Wesens um ihre Brust schlossen.

Winter ließ den Stein fallen, ansonsten rührte sie sich nicht. Erschrocken wante Sweven sich zu ihr um.
"Moratorien. Viele", murmelte die Doll, ehe sie den Blick hob und Sweven anschaute, "Sie haben etwas erschaffen. Ich verstehe es nicht, es sah aus wie ein Drache. Ein unfertiger, hässlicher Drache. Sie haben ihm einen Contractor geopfert."
Sweven runzelte die Stirn. Voids Vermutung hatte sich als bestätigt erwiesen. Das erklärte einiges, warf aber auch viele neue Fragen auf. Sie würde Kontakt mit dem Syndikat aufnehmen müssen.
"Danke Winter. Du kannst gehen."
Die Doll nickte, erhob sich und verließ das Zimmer.
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