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Love at first flight

GeschichteLiebesgeschichte / P12
31.01.2013
31.01.2013
1
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31.01.2013 6.306
 
Titel: Love at first flight
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue
Rating: 12
Kategorie: Romanze, AU
Inhalt: Aus Versehen erwischt Connor am Flughafen den Koffer einer fremden Frau….
Kommentare: Vegas, I still love you and miss you!


Love at first flight

Frankfurt, Deutschland

Ein wenig verzweifelt und unter Zeitdruck suchte Lindsay Donner mit einem Koffer in ihrer Hand auf der Abflugtafel des Frankfurter Flughafens nach dem Gate, an dem ihr Flug nach Toronto startete. Eine Gruppe koreanischer Kinder, offenbar auf Klassenfahrt, ging an ihr vorbei und an einem Schalter einer deutschen Airline wurde vom Bodenpersonal für die Kunden ein blauer Teppich ausgerollt. Ein großes Werbeplakat neben der Abflugtafel versprach ihr, dass Brasilien in diesem Jahr das Top- Reiseziel war. Das Gate für ihren Flug nach Toronto stand nicht auf der linken und nicht auf der mittleren Tafel angeschrieben. Lindsay hoffte, dass sie ihren Flug nicht schon verpasst hatte, denn dann musste sie einen neuen Flug buchen, auf den sie weiß Gott wie lange warten musste.
„Ich hasse Flüge mit Zwischenlandung“, sprach Lindsay den Mann neben sich an, der offensichtlich auch nach seinem Gate suchte, „Sie sagen einem nie, an welches Gate man muss.“
Der Mann neben ihr schien ein wenig verwirrt zu sein, dann entschuldigte sie sich: „Oh, ich wusste nicht, dass Sie kein Englisch sprechen“, da sie sich in Deutschland befanden, lag diese Vermutung nahe.
„Ich spreche Englisch“, sagte er plötzlich zu ihr. Dann fragte er sie, ob sie ihr zweites Ticket nicht schon an ihrem Abflugort erhalten hatte. Lindsay erklärte dem dunkelhaarigen Mann, dass sie die Flüge einzeln gebucht hatte. „Mein Name ist übrigens Lindsay.“
„Ich bin Connor… Wohin fliegen Sie?“
„Nach Hause. Ich war eben geschäftlich in London und fliege jetzt nach Toronto zurück. Was ist mit Ihnen?“
„Amerika, ich komme ebenfalls von einer Geschäftsreise.“
„Können Sie mir vielleicht sagen, von welchem Gate aus mein Flug startet?“, fragte sie und sie schauten beide auf die riesige Anzeigetafel. Schließlich zeigte Connor auf die rechte, untere Ecke. Ihr Flug war vor wenigen Sekunden in der Ansicht erschienen.
„Das Boarding beginnt in zwei Stunden. Und Ihr Gate ist wohl B47.“
„Danke… Das dauert noch ziemlich lange….“
„Ja. Mein Boarding fängt auch erst in zwei Stunden an“, seine Condor- Maschine flog sogar in der gleichen Abflughalle weg, „Möchten Sie bis dahin einen Kaffee mit mir trinken?“
„Das klingt sehr gut“, sie lächelte.
Sie griffen gleichzeitig nach ihren Koffern und gingen zu ihren Schaltern. Wie sie feststellten, flogen beide mit Condor nach Hause und ihre Schalter befanden sich sogar nebeneinander. So konnten sie sich immer im Auge behalten und als beide ihr Check- In- Gepäck abgegeben hatten, gingen sie in der Abflughalle B einen breiten Korridor entlang. Links und rechts von ihnen befanden sich noch weitere Schalter, an denen Urlauber und Menschen auf Geschäftsreise ihre Koffer abgaben.
„Was halten Sie von Ditsch?“
„Was ist das?“
„Eine deutsche Bäckerei… Aber es gibt hier im Flughafen auch zwei Starbucks- Filialen“, schlug er vor.
„Nein, ihr Vorschlag klingt toll. Sind Sie oft hier?“, sie fand, er kannte sich ziemlich gut aus.
„Etwa zweimal im Jahr.“
Sie fragte ihn nun, was er beruflich machte und während sie ihre Tassen Kaffee und jeder ein Stück Pizza entgegen nahmen (für das Connor bezahlte), erzählte Connor ihr von seiner Arbeit beim OSIR. Daraus schlussfolgerte Lindsay, dass er sehr oft unterwegs war und beruhigte ihn damit, dass es ihr manchmal nicht viel besser ging: Lindsay arbeitete als Modedesignerin für ein Unterwäschelabel und sie hatte in London eben einige Entwürfe und Musterstücke präsentiert. Wenn Fashion Week in London, Mailand, Paris oder New York war, war sie manchmal zwei Wochen lang unterwegs.
„Ich weiß, was Sie jetzt denken“, meinte sie, als sie ihm von ihrem Beruf erzählt hatte.
„Ich denke, Sie haben einen sehr kreativen Beruf“, widersprach Connor ihr. Er hatte eine Vorahnung, was sie glaubte von seinen Gedanken zu wissen.
„Danke.“ Mit dieser Art von Kompliment hatte sie nicht gerechnet und so trank sie eilig einen Schluck Kaffee. Sie unterhielten sich über die verschiedensten Dinge. Die Zeit verflog und schließlich schaute Connor auf seine Armbanduhr. „Ich muss zum Boarding“, entschuldigte er sich.
„Ja. Ich auch.“
Sie standen auf und weil ihre Flieger beide jeweils in der Abflughalle B starteten, gingen sie gemeinsam durch die Passkontrolle und den Sicherheitscheck. Dann war es doch Zeit, sich zu verabschieden. Lindsay bedankte sich für die Einladung und Connor versicherte ihr, dass es ihm ein Vergnügen gewesen war, bevor sie letztendlich doch in ihre Flugzeuge stiegen.

Der Flug von Frankfurt nach Las Vegas dauerte etwas mehr als 11 Stunden und weil es während des ganzen Fluges draußen taghell war, war es für Connor unmöglich, etwas Schlaf zu finden. Er war schon oft geflogen, aber er hasste es, wenn der Flug tagsüber stattfand.
Müde ging er zum Gepäckband, holte seinen Koffer und ging damit durch die Zollkontrolle. Dort wurde er von einem Zollbeamten aufgehalten, der seinen Koffer kontrollieren wollte. Ein wenig unsanft hievte der Mann den Koffer auf den Metalltisch und untersuchte das Gepäckstück zuerst von außen. „Ist Ihr Name Lindsay?“, wollte der Zollbeamte nun von Connor wissen.
„Wie kommen Sie darauf?“
Der Mann in Uniform drehte nun den Anhänger an seinem Koffer um. Auf dem Anhänger stand der Name „Lindsay Donner“ und eine Adresse in Toronto.
„Was ist in dem Koffer?“, wollte der Mann vom Zoll wissen.
„Das weiß ich nicht. Das ist nicht mein Koffer.“
„Würde ich auch behaupten…“
„Hören Sie, ich weiß es wirklich nicht“, sagte Connor, „Die Koffer müssen vertauscht worden sein.“ Und dann hatte er eine Idee: Nachdem er und Lindsay sich in Frankfurt vor der Abflugtafel kennengelernt hatte, musste er aus Versehen ihren Koffer mitgenommen haben und sie seinen. Dadurch, dass sie beide schwarze Hartschalenkoffer der gleichen Marke verwendeten, war der Tausch bisher nicht aufgefallen.
„Öffnen Sie den Koffer.“
„Das kann ich nicht“, meine Connor, „Ich kenne die Kombination für das Schloss nicht.“
Der Zollbeamte holte eine Zange und brach das graue Plastikschloss damit auf. Er klappte den Koffer auf und zum Vorschein kam bunte Damenunterwäsche. „Entweder ist das alles für Ihre Frau, oder Sie haben ein gewaltiges Problem, Mister.“
„Ich sagte doch bereits, das ist nicht mein Koffer.“
„Dann bringen Sie ihn besser seiner Besitzerin zurück“, mit diesen Worten schob der Beamte den Koffer zur Seite, verschloss ihn und Connor konnte gehen. Er beeilte sich, zum Ausgang des McCarran- Airports zu kommen. Auf dem Weg dorthin dachte er, wie altmodisch die Ausstattung des Flughafens noch immer war, dabei war der Rest seiner Heimatstadt Las Vegas einer der glamourösesten Orte, die er kannte. Draußen war es erdrückend heiß und er fühlte sich, als liefe er gegen eine Mauer. Schließlich stieg er in ein Taxi, lockerte seine Krawatte ein wenig und ließ sich vom Fahrer zu seiner Wohnung bringen. Er hoffte, dass Lindsays Telefonnummer auf dem Adress- Anhänger stand damit er sie anrufen und ihr erzählen konnte, dass ihr Koffer bei ihm war.
Seine Rückkehr nach Hause blieb bei seinem besten Freund und Nachbarn nicht unentdeckt. „Hi“, begrüßte Jack Hudson ihn und betrat mit zwei Flaschen Bier Connors Wohnung, „Wie war es in Shanghai? Habt ihr den Geist gefangen?“ Jack wusste von Connors Job beim OSIR und mit welchen mysteriösen Fällen er sein Geld verdiente.
„Es war kein Geist. Es stellte sich heraus, dass das vermeintliche Geisterhaus in der Nähe eines Handymastes steht und die Bewohner konnten durch das Babyphone die Gespräche mithören und hielten es für Geisterstimmen“, erklärte Connor barsch.
„Siehst gestresst aus“, stellte sein bester Freund fest, ging in die Küche und befreite seine Bierflasche mittels Flaschenöffner von ihrem Deckel, „Was ist los mit dir?“
"Der Zoll hat mich hochgenommen“, erklärte Connor und öffnete den Koffer damit Jack es sehen konnte, „Was zum Teufel ist das?"
„Unterwäsche“, antwortete Jack.
„Das sehe ich“, Connor griff nun noch einmal nach dem ledernen Adress- Anhänger und zog einen Zettel heraus. Er hatte Glück: Nachdem er den Zettel auseinandergefaltet hatte, sah er, dass Lindsays Handynummer mit Internationaler Vorwahl darauf vermerkt war. Connor beschloss, sie anzurufen, doch sie ging nicht an ihr Handy. „Sie ist nicht erreichbar“, erklärte er Jack.
„Vermutlich sitzt sie noch im Flieger.“
Connor rechnete nach, ob das möglich war. Allerdings sollte Lindsay längst in Toronto gelandet sein.
Er nahm sich vor, dass er im Laufe des Nachmittages noch einmal probieren würde, sie anzurufen.

„Danke, dass du mich zum Abendessen eingeladen hast“, sagte Lindsay zur gleichen Zeit zu ihrer besten Freundin Sue Thomas. Sie betraten Lindsays Wohnung.
„Keine Ursache. Ich weiß, dass dein Kühlschrank immer leer ist, wenn du einige Tage unterwegs bist… Du könntest mir die neuen Kreationen aus London zeigen“, schlug sie vor.
Lindsay hatte nichts gegen Sues Vorschlag und deshalb ging Lindsay ins Schlafzimmer, Sue nahm auf der Couch Platz und wartete.
Nachdem sie den Koffer auf ihr Bett gelegt hatte und die Zahlenkombination, ihr Geburtsdatum, ins Kofferschloss eingab, stellte sie fest, dass es nicht funktionierte.
„Seltsam. Das Schloss geht nicht auf.“ Mit einer Zange öffnete sie das Kofferschloss und staunte, als sie einen Haufen Hemden, T- Shirts und Männerhosen sah. „Das sind nicht meine Sachen“, stellte Lindsay fest, „Wo ist mein Koffer!?“ Sie begann in Panik zu geraten, griff zum Telefon um bei der Airline anzurufen. Als sie fünf Minuten in der Warteschleife hing, legte sie frustriert auf.
„Verdammt, die Airline muss den Koffer vertauscht haben“, schimpfte sie, während sie vor Sue auf und ab lief. Sämtliche ihrer Musterstücke waren verschwunden.
„Ich hasse das!“, rief Lindsay. Ihr Gesicht wurde vor Ärger rot.
“Du brauchst dringend Urlaub”, stellte ihre beste Freundin fest während sie unbeeindruckt in einer Zeitung las. Sie wollte Lindsay vorschlagen, dass sie besser einmal in den Urlaub fliegen sollte, anstelle von einem Geschäftstermin zum nächsten, aber sie unterließ es.
„Was ich brauche, ist eine Zeitmaschine damit ich dieses furchtbare Missverständnis rückgängig machen kann!“, brüllte sie.
„Nun beruhige dich doch“, bat Sue sie, „Sieh dir die Schlagzeile der heutigen Zeitung an.“ Sue drehte nun die Zeitung um, sodass sie lesen könnte: „Menschen unter Dauerstress sterben früher.“
„Sue, das hilft mir nicht! Mein Koffer ist verschwunden. Da waren wichtige Sachen drin!“
Sue rollte nun genervt mit den Augen und legte die Zeitung weg. „Lass mich mal sehen“, sie war der Meinung, dass es so schlimm nicht sein konnte, also kam Sue mit Lindsay ins Schlafzimmer.
„Hier ist ein Adress- Anhänger!“, rief Sue und beobachtete aus den Augenwinkeln wie Lindsay das Zimmer wieder nervös verließ, „Sein Name ist Connor.“
„Das weiß ich“, antwortete Lindsay und dann fiel ihr wieder ein, dass Sue taub war und sie nicht hören konnte. Also betrat sie ihr Schlafzimmer erneut und berührte Sues Schulter, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ich weiß, dass sein Name Connor ist.“
„Dann kennst du ihn?“
„Nur flüchtig. Wir haben uns in Frankfurt kennen gelernt, als ich herausfinden wollte, zu welchem Gate ich muss…“, gemeinsam mit Sue schaute Lindsay ebenfalls auf den Adress- Anhänger, „Wo wohnt er?“ Sie wusste lediglich, dass Connor aus Amerika kam.
„Hier steht eine Adresse in Las Vegas.“
„Wer wohnt denn schon in Las Vegas?“, fragte Lindsay und erntete einen schiefen Seitenblick von Sue.
„Toll. Meine Sachen sind in Amerika gelandet“, beschwerte sie sich stattdessen. Lindsay dachte außerdem, dass sie Connor völlig falsch eingeschätzt hatte: Er machte einen viel zu bodenständigen und seriösen Eindruck für jemanden, der in einer Zocker- Metropole lebte.
„Du solltest froh darüber sein. Stell dir vor, der Koffer wäre verloren gegangen und schwimmt jetzt mit den Fischen auf dem Ozean…“
Die blonde Frau zögerte nur eine Sekunde, bevor sie sich nach ihrem Signalhund Levi umdrehte, der noch immer auf der Couch lag, „Levi! Wir fliegen nach Las Vegas!“

Zwei Stunden später hatten Lindsay und Sue ihre Koffer erneut gepackt (zusätzlich zu Connors Koffer, hatte sich Lindsay noch ein Gepäckstück von Sue geliehen um ihre eigenen Kleidungsstücke mitnehmen zu können) und fanden sich am Flughafen von Toronto wieder. Der Flug nach Las Vegas verlief ohne Probleme.
„Ich hoffe nur, dieser Connor hatte nicht die gleiche Idee wie wir und ist jetzt ebenfalls auf dem Weg nach Toronto“, schmunzelte Sue, als sie ihren, Lindsays und Connors Koffer auf einem Wagen zum Ausgang schob. Connors Koffer hatte sie 50 Dollar gekostet, weil man pro Person nur ein Gepäckstück mit ins Flugzeug nehmen durfte.
„Du scheinst dich über diesen Trip sehr zu freuen“, stelle Lindsay fest.
„Sieh es als kleinen Urlaub“, schlug Sue vor, „Nachdem deine Präsentation in London gut gelaufen ist, hast du dir das verdient. Außerdem warst du schon lange nicht mehr im Urlaub… Und wir waren beide noch nie in Vegas.“
Lindsay nickte. Ihre beste Freundin nannte ihr genügend Gründe, warum sie beide ein wenig länger in Vegas bleiben sollten. „Das Problem ist nur: Wo werden wir übernachten?“
Sue antwortete, dass sie sich darum kümmern konnten, wenn sie im Taxi saßen. Sie reichte ihr das Handy und einen Zettel mit einer Telefonnummer. Da Sue taub war, führte sie Telefongespräche ungern selbst, obwohl ihr Mobiltelefon über die dazu nötige Software verfügte.
Lindsay wählte gehorsam die Nummer und stellte fest, dass sie zu einer Dame vom Paris- Hotel verbunden wurde. Sie reservierte zwei Zimmer und sobald feststand, wo sie wohnen würden, wies Sue den Taxifahrer an, sie zum Paris zu bringen. Das Hotel befand sich Zentral am Las Vegas Strip. Das berühmte Bellagio war direkt gegenüber. Die Zeitverschiebung zu Toronto betrug drei Stunden. Hier in Las Vegas war es jetzt kurz nach 18:00 Uhr und sie Sonne war bereits am untergehen.
Während sie im Hotel eincheckten, bemerkte Lindsay, dass ihr Handy klingelte. „Hallo?“, meldete sie sich und hörte am anderen Ende der Leitung eine bekannte Stimme.
„Hi, hier ist Connor.“
„Hi!“, Erleichterung schwang ihn ihre Stimme und mit einem glücklichen Gesichtsausdruck griff sie nach Sues Unterarm. Während Lindsay telefonierte, kümmerte sich Sue um die Formalitäten an der Rezeption. „Wie geht’s Ihnen?“, wollte Lindsay von ihm wissen.
„Gut… Sie haben sicherlich schon bemerkt, dass unsere Koffer vertauscht worden sind“, er kam gleich zur Sache.
„Ja, das habe ich. Ich bin bereits in Vegas, um Ihnen den Koffer zurückzugeben.“
„Wirklich?“ Diesmal war er es, der überrascht war. Lindsay ahnte, dass ihm sein Koffer noch lange nicht so wichtig war, wie ihr Koffer. „Okay, aber lass bitte diese Formalitäten, ja?“
Sie nickte, obwohl sie wusste, dass er das nicht sehen konnte.
„Sollen wir uns treffen, damit ich dir deinen Koffer wiedergeben kann?“, wollte sie wissen und sie vereinbarten einen Treffpunkt für den Abend.

Am Abend warteten Sue und Lindsay im Restaurant des schicken Paris- Hotels an der Bar auf Connor.
„Warum wolltest du eigentlich mitkommen?“, Lindsay fragte sich, warum Sue nicht mit ihrem Hund Levi auf dem Hotelzimmer geblieben war.
„Ich fliege doch nicht nach Las Vegas und verbringe dann den ganzen Abend im Hotel“, Sue klang entsetzt und sie sah, dass Lindsay von dieser Aussage sehr überrascht war.
„Die Taube Nuss möchte auch ein wenig Spaß haben“, fügte Sue hinzu.
„Ich habe dich nie als solche bezeichnet“, antwortete Lindsay ein wenig eingeschnappt. Während sie und Sue an der Bar saßen, hielt sie Ausschau nach Connor.
An Eingang des Restaurants war Connor genauso verwirrt, wie Lindsay. „Warum bist du hier?“, wollte er von Jack wissen.
„Ich würde gerne die Frau kennen lernen, die meinen besten Freund so durcheinander bringt, dass er seinen eigenen Koffer nicht mehr wiederfindet.“
„Sie hat mich nicht durcheinander gebracht“, verteidigte Connor sich.
„Klar. Aber mach dir keine Sorgen: Sobald du deinen Koffer zurückhast, können wir wieder abhauen: Zuhause wartet eine Aufzeichnung eines Footballspiels auf mich“, Jack wusste, dass Connor ihn anlog. Sein sonst so perfekter, bester Freund Connor neigte nicht dazu, Fehler zu machen. Leider führte Connors perfektes Leben mit einem zeitraubenden Job auch dazu, dass er nicht viel Zeit hatte, die er in eine Beziehung investieren konnte. Dass ihm nun ein solcher Fauxpas passiert war, wertete Jack als Zeichen. Er war nicht sentimental und glaubte normalerweise nicht an solche Sachen. „Aber jetzt war ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen“, dachte er, als er sah, dass Connor auf zwei hübsche Frauen zuging, die an der Bar warteten. Eine der beiden, sie war groß und hatte blonde Haare, stand auf und begrüßte Connor. Jack beeilte sich, ihm zu folgen.
„Schön, dich wieder zu sehen…. Lindsay, das ist mein bester Freund Jack“, stellte Connor ihn schließlich vor und Jack schüttelte Lindsays Hand. „Das ist ein Zufall“, sie lächelte, „Ich habe meine beste Freundin mitgebracht. Das ist Sue.“
„Hi“, Jack griff nach Sues Hand und in diesem Moment stand die Zeit einen Herzschlag still. Sue lächelte schließlich und zog ihre Hand zurück. Nun sah Jack den Hund, der neben ihren Füßen hockte. Er bückte sich, um den Golden Retriever zu streicheln. „Wer ist das?“
„Das ist Levi. Er ist mein Signalhund.“
Jack richtete sich nun wieder auf. „Heißt das, du bist taub?“
„Ja“, sie nickte und wusste nicht, wie sie diese Feststellung bewerten sollte, „Aber ich beherrsche das Lippenlesen. Es ist fast so, als könnte ich dich doch hören.“
Sie setzten sich an die Bar und unterhielten sich eine Weile. Schließlich gingen sie zur Garderobe, wo sie die Koffer abgegeben hatten und tauschten sie wieder aus. Lindsay prüfte zuerst, ob alle ihre Musterstücke noch darin waren. Während sie das tat, dachte Connor, dass sie hoffentlich wusste, dass er niemals auf die Idee kam, eines davon zu behalten. Dann klappte Lindsay ihren Koffer zu.
„Es ist alles komplett“, lächelte sie, „Vielen Dank.“
„Wofür?“, Connor zog die Stirn kraus. Dass sie den Koffer nun verschloss und den Griff herauszog, ließ ihn davon ausgehen, dass der Abend für sie beendet war.
„Müssen wir wirklich schon gehen?“, fragte Sue wie ein kleines, quengelndes Kind.
„Wir könnten euch die Stadt zeigen“, schlug Jack vor. Connor wunderte sich, was plötzlich aus Jacks Footballspiel geworden war, welches Zuhause auf ihn wartete. Auch Lindsay war überrascht, dass ihre Freundin Sue von dieser Idee sehr begeistert schien. Jack schlug vor, mit Connors Auto nach Old Las Vegas, zur Fremont Street zu fahren. Connor war weniger begeistert: Er dachte während der ganzen Fahrt an den Rücksitz seines neuen Autos, auf dem Levi nun mit Sue und Jack hockte. Er mochte Hunde wirklich sehr. Aber in diesem Moment wünschte er sich, er hätte eine Decke für Levi dabei. Er hatte ja nicht ahnen können, dass Lindsay ihre beste Freundin gleich mitbrachte.

Sie bewunderten an der Fremont Street eine Lasershow und Jack zeigte ihnen Vegas Vicky. Vegas Vicky war eine bunte Leuchtreklame in Form eines Cowgirls, welches über dem Eingang von Glitter Gulch saß. Ihr männliches Pendant war Vegas Vic, ein Leuchtreklamen- Cowboy, der Souvenirs anpries und genau wie Vicky schon seit mehr als 50 Jahren im Einsatz war. Nach der Lasershow trafen sie im Getümmel auf ein Ozzy Osbourne- Double und ließen sich mit diesem fotografieren.
Dann fuhren sie zum Paris- Hotel zurück und Sue schlug vor, sich die Fontänenshow vor dem Bellagio anzusehen. Es war bereits dunkel, als sie hinter einer Menge schaulustiger Menschen vorbeigingen, die am steinernen Geländer des Brunnens versammelt waren und auf die Show warteten. Das Bellagio und das angrenzende Caesars Palace erstrahlten in einem warmen, honiggelben Licht.
„Du schuldest mir noch etwas“, sagte Connor plötzlich zu Lindsay.
„Wie bitte?“
„Ich habe dich in Deutschland zu einem Kaffee eingeladen….“
Sie rechnet nach: Wenn Sie sich richtig erinnerte, hatte er für ihren Anteil der Mahlzeit fünf Euro bezahlt. Außerdem hatte sie für das Übergepäck, welches sein Koffer beim Flug nach Las Vegas ausmachte, das Zehnfache in Dollar bezahlt. Damit war die Sache für Lindsay erledigt. Sie hatte ihre Musterstücke zurück, das war für sie das Wichtigste und sie wollte nun so schnell wie möglich wieder nach Toronto zurück. Wäre da nicht ihre beste Freundin, die ihr einen Urlaub verordnet hatte.
„Ich habe am Flughafen von Toronto 50 Dollar für deinen Koffer bezahlt, sonst würde er jetzt noch immer in Kanada stehen“, sagte sie ernst, „Du bekommst von mir deshalb nur noch 45 Dollar, aber du musst mir sagen, wie viele amerikanische Dollar das sind. Ich kenne den Wechselkurs momentan leider nicht.“ Sie fing an, in ihrer Handtasche zu kramen.
„Das meinte ich nicht“, als er den fragenden Blick in ihren Augen sah, fügte er noch hinzu, „Deine beste Freundin sagte, ihr bleibt länger in Las Vegas.“
„Wann hast du mit ihr gesprochen?“, Lindsay drehte sich nach Sue um, die dicht neben Jack hinter ihnen herging. Irrte sie sich, oder hatte Jack den Arm um Sue gelegt? Er zeigte nun auf ein buntes Gebäude auf der anderen Straßenseite des Strips.
„Naja, ich würde nicht sagen, dass wir miteinander gesprochen haben“, erklärte er, „Wir haben uns während der zweiten Lasershow in der Fremont Street ein wenig in Gebärdensprache unterhalten. Sie hat mir erzählt, dass du womöglich gleich wieder nach Kanada zurückfliegen möchtest, sobald du deinen Koffer hast.“
„Hat sie dich auch gebeten, mich davon abzuhalten?“, fragte Lindsay und lachte, „Als ich dich kennen gelernt habe, habe ich niemals vermutet, dass du hier in Las Vegas wohnst“, sagte sie und er war überrascht. „Warum?“, fragte er zurück, „Es gibt auch seriöse Menschen hier in der Stadt. Nicht alle Einwohner sind spielsüchtig, alkoholabhängig und hängen den ganzen Tag in irgendwelchen Stirpclubs herum.“
Am Ende des steinernen Geländers, vor der Terrasse des Restaurants „Jasmine´s“ fanden sie noch einen Platz, von dem aus sie die Show beobachten konnten. Aus den Augenwinkeln bemerkte Lindsay, dass nun auch Sue und Jack den Platz erreichten. „Woher kannst du Gebärdensprache?“, wollte Lindsay dann von Connor wissen.
„Meine Mutter war auch taub. Genügt das als Erklärung?“
„Ja“, sie nickte und richtete nach vorne ihren Blick auf die Show. Das Wasser vor dem Bellagio wurde nun von einigen Lichtern erhellt.
„Ist das in Ordnung für dich?“, wollte Jack von Sue wissen und drehte sie, um das zu fragen, halb zu sich herum, „Ich meine, du kannst die Musik nicht hören…“
„Das ist in Ordnung“, Sue lächelte ihn an, „Ich kann sie fühlen.“ Sie fühlte den Bass der Musik, wenn sie ihre Hände vor sich auf das steinerne Geländer legte, welches die Schaulustigen vor einem Sturz in den Brunnen bewahrte.  Er legte seine Hände neben den ihren und wartete, bis die Musik begann. Schließlich schossen unzählige Fontänen nebeneinander aus dem Wasser. Aus den Lautsprechern, die zwischen den künstlich gepflanzten Bäumen versteckt waren, tönte ein Lied von Elvis. „Sie spielen „Viva Las Vegas“ von Elvis Presley”, sagte Jack zu Sue und drehte sie wieder halb zu sich herum.
„Das ist unheimlich passend“, stellte Sue fest. Sie beobachteten die Show und sahen zu, wie immer mehr Fontänen aus dem Wasser schossen. Sue sah immer wieder auf ihre Hände herab, die neben Jacks lagen, damit auch er den Bass von „Viva Las Vegas“ fühlen konnte. Er begann, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Das gefiel ihr.

„Vielen Dank für den schönen Abend“, sagte Sue zu Jack, als sie sich vor ihrer Tür voneinander verabschiedeten. Nach der Show vor dem Bellagio hatten er und Connor die beiden Frauen noch zu einem kleinen Snack bei Jasmine´s eingeladen. Nun war es kurz vor Mitternacht und Sue war glücklich, dass sie heute schon die Fremont Street und das weltberühmte Bellagio gesehen hatte.
„Was machen wir morgen?“
„Ich hole dich morgen Mittag ab und zeige dir den Lake Mead“, schlug Jack vor. Dass er einen Plan hatte, was sie unternehmen wollten, gefiel Sue und so nickte sie einverstanden. „Dürfen wir Levi mitnehmen?“, wollte sie ein wenig besorgt wissen und Jack sagte ihr, dass das eigentlich kein Problem sein sollte. Er beugte sich zu Levi um ihn zu streicheln. Der Hund gab ihm sogar ein Pfötchen. „Du bist ein guter Junge“, erklärte er dem Golden Retriever. Dann richtete Jack sich auf.
„Gute Nacht, Sue“, sagte er und zögerte für einen Moment, ob er es wirklich tun sollte. Er entschied sich dafür uns so lehnte er sich ein wenig in ihre Richtung und presste einen vorsichtigen Kuss auf ihren Mund. Als Jack ging, beobachtete er amüsiert und erleichtert zugleich, wie sie ihm nachstarrte.

Sue und Lindsay verbrachten den nächsten Tag am Pool und am Nachmittag beschwerte Lindsay sich über den Sonnenbrand, den sie bereits nach wenigen Stunden bekommen hatte. „Ich muss schnellstens aus der Sonne raus“, prophezeite Lindsay, „Wann fliegen wir eigentlich wieder nach Kanada zurück?“
„In drei Tagen“, antwortete Sue knapp unter ihrem Sonnenhut.
„Was?! In drei Tagen?“, Lindsay war entsetzt. Noch drei Tage musste sie in dieser heißen Wüstenlandschaft ausharren, bevor sie wieder nach Hause flogen. Also machte es keinen Unterschied mehr, ob ihr Sonnenbrand schlimmer werden würde, oder nicht. Sie tröstete sich damit, dass sie dann schön braun war wie eines der Models, welches ihre Kollektion vorführen sollte.
Nach dem Mittagessen entschuldigte sich Sue und verabschiedete sich von ihrer besten Freundin. Jack würde bald vorbeikommen um sie zu einer Lake Mead- Tour abzuholen. Lindsay blieb alleine im Hotel und sah fern, als es an ihrer Tür klopfte. Es war Connor.
„Hi“, begrüßte sie ihn und war froh, dass sie noch ihren Bademantel angezogen hatte unter dem sie nicht mehr als ihren Bikini trug. Er fragte sie, ob sie mit ihm zum Essen kommen wollte. Er kannte ein Restaurant im obersten Stockwerk des Treasure Islands, welches sehr gut sein sollte. Connor freute sich, als sie sagte, sie würde sich nur noch schnell anziehen müssen.
„Das muss furchtbar für dich sein“, meinte Lindsay zu Connor, während sie den Strip überquerten um vom Paris- Hotel zum Bellagio zu gelangen, „Las Vegas ist für dich sicherlich schon ein alter Hut und du musst den Touristenführer für mich spielen.“
„So schlimm ist es gar nicht“, versicherte Connor ihr, „Ich mache das gerne für dich.“ Das war die Wahrheit.
Auf dem Weg zum Treasure Island schlenderten sie gemütlich am Mirage Hotel vorbei, als ihr Handy zu klingeln begann. Lindsay fischte das Mobiltelefon aus ihrer Handtasche und bemerkte, dass sie die Nummer auf dem Display kannte.
„Du bist in den Ferien“, beschwerte Connor sich, bevor sie das Gespräch annahm.
„Das ist mein Chef. Ich muss da rangehen“, flüsterte Lindsay, dann begrüßte sie ihren Chef mit einer ungewohnt hohen Stimme. Er fragte sie, wo sie war und was sie machte und wie die Präsentation in London gelaufen war. „Gut“, antwortete Lindsay. Dabei fiel ihr ein, dass sie sich nach ihrer Ankunft in Toronto bei ihrem Chef hätte melden müssen um zu berichten, wie die Präsentation war. Doch stattdessen war ihr aufgefallen, dass der Koffer mit  den Musterstücken verschwunden war und sie musste sich bemühen, ihn so schnell wie möglich wieder zu bekommen.
„Die Präsentation war ein voller Erfolg. Die Filiale in London würde unsere neuen Stücke sehr gerne verkaufen“, sagte sie zu ihrem Chef. Dass die Musterstücke der neuen Kollektion aus Versehen in Las Vegas gelandet waren, erzählte sie ihm nicht.
„Wann bringst du uns die Musterstücke vorbei?“, wollte ihr Boss nun wissen.
„Tja, ähm… Das dürfte etwas schwierig werden…. Ich bin jetzt in Vegas. Aber es war nicht meine Idee: Meine beste Freundin, hat mich zu diesem Trip überredet… Ja, ich weiß, ich hätte das melden müssen“, als Designerin besaß sie bei dem Label, bei dem sie arbeitete, alle möglichen Freiheiten. Sie schloss jedoch aus, dass dies den Selbstbehalt der neuen Kollektion ausschloss. „Unser Flug geht in drei Tagen… Ja, ich verspreche es. Ich komme zurück, so schnell es geht und…“
Connor wartete ungeduldig neben ihr und als sie nicht aufhörte zu telefonieren, griff er nach ihrem Handy und unter Protesten beobachtete Lindsay, wie er es in den Brunnen vor dem Mirage warf, ohne etwas dagegen tun zu können.
„Hey, du kannst mein Handy nicht einfach wegwerfen!“, rief Lindsay.
„Du wolltest hier Urlaub machen, oder? Mit Handy geht das nicht.“
„Aber…“
„Ich kaufe dir ein neues Handy, wenn dein Urlaub zu Ende ist“, versprach er ihr, ergriff ihre Hand und machte sich mit ihr auf den Weg zum Treasure Island.
Nach dem Essen gingen sie zum Mirage und Connor zeigte ihr dort das Delfinarium. Lindsay fragte sich, woher er wohl wusste, dass sie Delfine mochte. Sie bleiben bis zum Abend und als es dunkel wurde, fuhren sie zu Connors Wohnung weil Lindsay sehen wollte, ob alle Einwohner von Las Vegas in schäbigen Motels wohnten. „Das ist nicht wahr“, hatte Connor ihr entrüstet erklärt und weil sie es nicht glauben wollte, fuhren sie zu seiner Wohnung.
„Bist du nun zufrieden?“, wollte Connor von ihr wissen, während sie durch seine Wohnung in einer schönen Mittelklasse- Wohnanlage ging. Seine Wohnung war modern und machte einen sehr noblen Eindruck. Während sie sich umschaute, bemerkte sie, wie sein Blick auf ihr ruhte und sie verfluchte, dass sie tatsächlich dieses enge, schwarze Kleid angezogen hatte. Sie hatte es selbst entworfen, doch sie wünschte sich, dass es ihr jetzt nur halb so gut stand. Was ihre Figur betraf überließ das Kleid nichts mehr Connors Fantasie.
„Ja, sehr“, gab sie zu und ging zu ihm zurück, „Damit wären nun all meine Vorurteile zerschlagen.“ Sie lächelte und sah ihn an. Ein wenig zu lange, wie Lindsay dann feststellte. Aber es war zu spät, es rückgängig zu machen: Connor lehnte sich zu ihr und küsste sie. Es dauerte eine Sekunde, bis sie realisierte, was passiert war und den Kuss erwiderte. Sie wollte nicht. Sie wollte sich nicht verlieben, aber sie war dabei. Wenn sie jetzt weitermachten, gab es kein Zurück mehr.
Lindsay fühlte, wie er sie sanft gegen eine Wand presse und ihren Hals küsste. Seine Hände glitten über ihre Hüfte und drückten sie ungeduldig an sich.
„Ich sollte…“, begann sie, aber kam nicht weiter, denn er küsste sie erneut und strich sanft eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht. Ihr Widerstand schmolz mehr und mehr dahin. Schließlich nahm er ihre Hand und ging wortlos mit ihr einen kurzen, dunklen Flur hinunter. Sie ahnte, was sich hinter der Tür befand, vor der sie standen und Connor sie erneut mit einem tiefen Kuss um den Verstand brachte.

Zwei Stunden später lag Lindsay noch immer wach in seinem Bett und starrte die Decke an. Connor lag dicht neben ihr, hatte die Arme um sie geschlungen und küsste ihren Hals. „Mach das nicht“, lächelte sie glücklich und streichelte seine Hand, die auf ihrem Bauch lag. Sie dachte daran, wie schön es sich anfühlte, bei ihm zu sein, aber da war noch etwas anderes, was ihr Sorgen machte.
„Was in Vegas passiert, bleibt auch in Vegas, richtig?“
„So ist zumindest der Plan“, murmelte er neben ihrem Ohr. Seine Stimme schickte eine Welle aus Gänsehaut durch ihren Körper.
„Was ist, wenn er diesmal nicht funktioniert?“ Sie war dabei, sich in ihn zu verlieben. Und sie glaubte kaum, dass sie die Gefühle einfach abschalten konnte, wenn sie wieder in Kanada war. Lindsay wurde sich dessen bewusst, was sie eben gesagt hatte und bemerkte seinen Blick. „Entschuldige“, sagte sie, richtete sich auf und robbte ans Ende des Bettes um aufzustehen. Sie sollte gehen. Bestimmt wartete Sue schon auf sie. Sie hatte keine Ahnung, wie sie von seiner Wohnung zu ihrem Hotel kommen sollte aber notfalls würde sie sich ein Taxi rufen.
„Nein, du musst dich nicht entschuldigen“, Connor setzte sich neben sie, ebenfalls auf die Bettkannte. Er begriff, was zwischen ihnen entstanden war. Niemals hatte er geglaubt, dass er sich in eine Frau verlieben würde, die er am Flughafen zu einer Tasse Kaffee einlud.
„Ich war noch nie in Toronto“, gestand Connor, „Vielleicht wäre das eine gute Gelegenheit, einmal die Stadt zu sehen.“
„Das wäre es wirklich.“ Aber es war keine Dauerlösung. Zumindest keine gute Dauerlösung.
„Ich liebe dich“, murmelte er schließlich, legte einen Arm um sie und drückte einen Kuss auf ihre Schläfe. „Sag das nicht“, bat sie, „Was ist, wenn ich in drei Tagen wieder nach Hause fliege?“ Sie wusste, dass es ihr das Herz brechen würde.
„Bleib einfach hier“, schlug er vor, schob ihre Haare zur Seite und begann erneut, ihren Hals zu küssen. Sie fühlte, wie die Sehnsucht nach ihm noch einmal in ihr aufkeimte.
„Das kann ich nicht. Ich habe einen Job in Kanada.“
„Du kannst dir hier einen neuen Job suchen.“
Diese Aussage übergoss sie wie ein kalter Schwall Wasser. Lindsay machte sich los von ihm, stand auf und suchte nach ihrer Kleidung. „Du kennst mich erst seit wenigen Tagen und sagst mir jetzt, dass du mich liebst?“
„Ich weiß, was richtig ist.“
Wenn du mich liebst, warum kommst du nicht mit mir nach Kanada?“
„Weil…“, fing er an, aber Lindsay ließ ihn nicht zu Ende sprechen: „Siehst du? Aus dem gleichen Grund bleibe ich nicht in Las Vegas.“ Sie suchte nun nach ihren Schuhen und beeilte sich, zur Tür zu kommen. Als sie das Schlafzimmer verließ sah sie noch Connors entsetzten Gesichtsausdruck. Er ging nicht aus ihrem Kopf, selbst dann nicht, als sie die Straße hinunterging und sich unterwegs mit ihrem Handy ein Taxi rief.

Das Taxi fuhr den Strip entlang und bot einen fabelhaften Ausblick auf den glitzernden Las Vegas Strip. Im Hotel angekommen, lief Lindsay sofort zu den Aufzügen und fuhr in das Stockwerk, in dem sich ihre Zimmer befanden. Unterwegs fragte sie sich immer wieder, was sie angestellt hatte. Sie gehörte nicht zu den Leuten, die eine Gelegenheit für einen One Night Stand suchten, sondern etwas Ernstes.
„Sue?“, sie klopfte ungeduldig an der Tür ihrer besten Freundin. Das Seltsame war, dass Levi nicht bellte um Sue zu melden, dass jemand klopfte. Aber sie wusste, dass ihre Freundin in ihrem Zimmer war, denn sie sah, dass Licht unter der Tür durchschimmerte.
„Sue, ich weiß, dass du da bist!“, rief Lindsay, dann hörte sie eine leise Stimme hinter der Tür.
„Nein, komm nicht rein!“, rief Sue.
„Warum nicht?“
„Weil…“, Sue überlegte einen Moment, „Weil ich nicht alleine bin. Jack ist hier.“
Lindsay ahnte, was passiert war. Wieder hörte Lindsay ein leises Flüstern. Diesmal erkannte sie Jacks Stimme, der für Sue alles wiederholte, was Lindsay sagte. Sie schallte sich einen Dummkopf, weil sie es nicht schon vorher gemerkt hatte: Da Sue nicht hören konnte, könnte sie unmöglich wissen, was Lindsay hinter der Tür sagte, wenn sie sie nicht sah.
„Sue, ich muss mit dir reden“, sagte Lindsay und hörte noch einmal ein Flüstern. Es dauerte zwei Minuten, als die Tür aufging und Sue aus ihrem Zimmer kam. Sie trug Freizeitkleidung und bändigte ihre langen, blonden Haare in einem Pferdeschwanz. Lindsay erzählte ihr, was passiert war  und dass Connor sie gebeten hatte, bei ihm in Vegas zu bleiben. Und sie berichtete auch, wie sie darauf reagiert hatte. Lindsay erwartete nun, dass Sue ihr beipflichtete und ihr versicherte, das Richtige getan zu haben.
„Ist das dein Ernst?“, wollte Sue stattdessen wissen, „Du machst Schluss, weil er nicht mir dir nach Kanada kommen möchte?“
„Ich habe nicht Schluss gemacht. Connor und ich waren nie zusammen.“
„Manchmal bedauere ich nichts mehr, dass dein Leben ohne jeglichen Spaß abläuft… Das soll übrigens heißen, dass Connor Recht hat. Du könntest dir in Vegas genauso gut einen Job suchen. Hier gibt es auch einige Modelabels…!“, Sue machte sich auf den Rückweg zu ihrem Zimmer, „Und ich sage dir eines: Falls Jack mich fragen sollte, ob ich bei ihm in Vegas bleibe, werde ich Ja sagen.“ Sie griff nach der Türklinke, betrat ihr Zimmer und sah, wie Lindsay ihr entsetzt nachstarrte.

In den folgenden drei Tagen sprachen Sue und Lindsay nur noch das Nötigste miteinander. Sinn und Zweck dieser Reise war nicht, ihre beste Freundin zu verlieren, dachte Lindsay und so hielt sie Sue an ihrem letzten Abend in Vegas auf. Sue brummte, dass sie keine Zeit hatte, weil sie mit Jack verabredet war. „Es dauert auch nicht lange“, versprach Lindsay ihr. Sie entschuldigte sich dafür, dass sie in den letzten Tagen kein Wort mit ihr geredet hatte und dass sie versucht hatte, eine Lösung zu finden. Tränen stiegen in ihre Augen. „Du hast Recht“, schluchzte sie schließlich und nickte, „Ich finde auch in Vegas einen Job.“
„Heißt das, du bleibst hier?“, wollte Sue wissen.
„Ich werde es zumindest versuchen.“
Sue umarmte sie und freute sich sehr. „Weiß Connor es schon?“
„Nein.“ Lindsays Problem war, dass Connor wahrscheinlich nichts mehr von ihr wissen wollte.
„Ich habe eine Idee“, sie griff nach ihrem Telefon, wählte Jacks Nummer und fragte ihn, ob er schon losgefahren war. Zum Glück war Jack noch zuhause und so nötigte Sue ihn, Connor zu ihrem Date mitzubringen. Jack war nicht begeistert, aber er tat es für sie.

Obwohl es im Sommer in Las Vegas tagsüber stets sehr heiß war, kühlten die Temperaturen in der Nacht stark ab. Sue und Lindsay waren bereits auf die Spitze des Eifelturms am Paris- Hotel hinaufgefahren und warteten dort auf Jack und Connor. Sue sah ihren Freund zuerst, umarmte ihn freudig und beeilte sich, mit ihm von Lindsay wegzukommen, damit diese mit Connor reden konnte.
„Hi“, stammelte sie, während der Wind an ihren Haaren zerrte. Die Aussichtsplattform auf dem Turm war schwach beleuchtet.
„Hi. Ich habe mich schon gefragt, warum Jack unbedingt möchte, dass ich ihn zu einem Date mit Sue auf dem Eifelturm begleite.“
Sie nickte. „Es tut mir Leid“, entschuldigte sie sich dann, „Alles, was ich in deiner Wohnung zu dir gesagt habe, habe ich nicht so gemeint. Ich habe in den letzten Tagen nachgedacht. Und dabei habe ich gemerkt, dass versucht habe eine Lösung zu finden, wie es mit uns weiter gehen soll… Ich ertrage es einfach nicht, dass du so weit von mir entfernt bist. Weißt du, warum?“
„Wie hast du dich entschieden?“, fragte er stattdessen trocken. Er war nicht sicher, ob er es überhaupt hören wollte. Lindsay kam zu ihm und blieb direkt vor ihm stehen.
„Komm mit mir“, schlug sie vor, „Ich muss meine Musterstücke und meine Kündigung abgeben. Bei der Gelegenheit kann ich dir Toronto zeigen.“
„Du musst….“, es dauerte einen Moment, bis er es begriffen hatte, „Du musst deine Kündigung abgeben?“
„Ja“, sie nickte, „Ich bleibe in Vegas… Vorausgesetzt nur, wenn du das noch möchtest.“
„Natürlich“, er grinste und erst jetzt schlang Lindsay erleichtert die Arme um ihn. „Und übrigens“, begann sie glücklich, „Ich liebe dich auch.“

„It's now or never,
come hold me tight
Kiss me my darling,
be mine tonight
Tomorrow will be too late,
it's now or never
My love won't wait”          (“It´s now or never” by Elvis Presley)

Fin
 
 
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