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Was niemals war und immer ist

von CherryCat
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Der zehnte Doktor (Ten) Master OC (Own Character)
29.01.2013
11.02.2014
4
15.646
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Dieses Kapitel
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29.01.2013 3.812
 
Hello :)

Diese Geschichte entstand... naya, weil ich die Idee nicht aus dem Kopf bekomme, was wohl gewesen wäre, wenn Lucy den Master nicht erschossen hätte und er wirklich beim Doctor geblieben wäre.
Spielt demnach zwischen „Last of the Time Lords“ und „Partners in Crime“. („Voyage of the Damned“ fällt aus offensichtlichen Gründen aus, aber die Tardis ist 'ne Zeitmaschine; der Doctor kann die Queen auch später retten ;P)

Dedicated to SweeneyLestrange, wegen der es vielleicht noch mehr Oneshots geben wird, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Die Idee ist einfach zu verlockend.

EDIT: Es wird mehrere Oneshots geben. Geplant sind bis jetzt noch drei, aber ich weiß nicht, was meine Muse mit mir anstellt.

Und damit wünsche ich euch viel Spaß mit diesem dem ersten Oneshot!

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Was niemals war und immer ist

„Master?“
Oh Gosh, nicht schon wieder …
„Master? Bist du wach?“
Nein, bin ich nicht.
„Sicher? Ich glaub nämlich schon.“
Er hob verblüfft den Kopf und sah zur Tür. Woher weißt du…
„Gut geraten. Machst du auf?“
Einige Sekunden lang kämpfte er mit sich, dann seufzte er abgrundtief und stand auf.

„Danke.“ Der Doctor lächelte ihn wie immer viel zu freundlich an. Wie er das hasste!
Der Master drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück zu seinem Bett, um sich wieder darauffallen zu lassen und die Arme hinter dem Kopf zu verschränken. „Was willst du?“
„Nichts bestimmtes.“
Er zog die Augenbrauen hoch und sah den Doctor stumm an.
„Wirklich nicht. Ich dachte nur, dass du vielleicht etwas Gesellschaft haben willst. Du bist schon so lange hier und ...“
„Wenn du mir was Gutes tun willst, lass mich raus“, fiel der Master ihm ins Wort.
Der Doctor schüttelte den Kopf und setzte sich auf den Stuhl, der neben der Tür stand. „Das kann ich nicht, das weißt du.“
Der Master schnaubte und wandte den Blick wieder der Decke zu. „Natürlich kannst du. Du willst nur nicht.“
„Das ist nicht wahr. Ich will dich rauslassen, aber es geht nicht.“
„Weil du mir nicht vertraust“, stellte er trocken fest.
„Master ...“
„Nein, nein, ist schon okay. Wie solltest du denn auch?“ Er konnte es dem Doctor nicht einmal verübeln. Er hatte immerhin mehr als einmal versucht, verschiedene Planeten zu unterwerfen oder gleich komplett zu zerstören. Mit der Erde wäre es ihm beinahe gelungen.
Also nein, er machte dem Doctor keinen Vorwurf, weil er ihn nicht auf das Universum loslassen wollte. Trotzdem wollte er hier raus, solange er es noch konnte. Solange er noch Herr seiner Selbst war.
Ich würde mir auch nicht vertrauen.

Minutenlang herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann seufzte der Master und stand auf, und der Doctor zuckte bei dieser plötzlichen Bewegung tatsächlich zusammen. „Kannst du mich wenigstens aus diesem Raum lassen? Ich werde hier drin noch ...“, er hielt inne, „noch verrückter als ohnehin schon.“
Der Doctor schüttelte wieder den Kopf. „Ich kann nicht.“ Er klang wirklich fast, als täte es ihm ehrlich leid. Fast.
Der Master presste die Lippen zusammen und wandte sich ab. „Tja, dann seh ich nicht, was du hier noch willst. Geh und mach, was auch immer du sonst so machst. Rette das Universum oder so.“
„Master ...“
„Geh!“, schrie er und machte gleichzeitig einen Schritt auf den Doctor zu, die Hände drohend erhoben.
Der Doctor sprang auf und wich zurück. Er zögerte, der Master konnte fast sehen, wie Mitleid und Schuld sich in seinen Gedanken prügelten, doch letztendlich drehte er sich um und verließ den Raum.
Los, verlass mich schon, so wie du es immer tust.

Der Master schloss die Augen und tastete sich blind zurück zum Bett.
Er hatte Angst, Panik tief in seiner Brust, von der er nicht wusste, woher sie kam. Er sollte jetzt nicht ängstlich sein, er hatte keinen Grund dazu.
„Irrationale Angst“, murmelte er. „Wann hatte ich zum letzten Mal vor etwas Angst, das ich nicht fürchten muss?“
Er sprang wieder auf und wühlte sich durch seine Jacke, die über dem Stuhl hing. Es war die schwarze mit dem roten Innenfutter, ein Überbleibsel aus seiner Zeit als Harold Saxon.
Der Doctor hatte ihm tatsächlich erlaubt, sie zu behalten. Der Master selbst hätte sie sich nicht überlassen, aber der Doctor war sowieso immer zu weich. Er musste wissen, welche psychischen Effekte sie auf den Master hatte, aber er schien beschlossen zu haben, dass er ihm diesen kleinen Erfolg gönnen würde.
Entweder das oder er war doch grausamer als der Master gedacht hätte. Dann nämlich ließ der Doctor ihn die Jacke behalten, weil er hoffte, dass es ihn innerlich zermürbte, an seine Herrschaft erinnert zu werden; an das, was er niemals wieder haben würde.

Mit einem triumphierenden „Ha!“ zog der Master einen Gegenstand aus der rechten Tasche. Es war der breite grüne Ring, der ihn das ganze letzte Jahr begleitet hatte. Seine letzte Absicherung für den Fall, dass alles schief lief.
Es war alles schief gelaufen und der Ring konnte ihm nicht mehr weiterhelfen, aber der Master hatte ihn trotzdem gerne bei sich. Es war schon überraschend genug, dass der Doctor ihm ihn überhaupt gelassen hatte. Er musste spüren können, welche Technologie, welche Macht hinter dem unscheinbaren Stück Metall lag, aber es schien ihn nicht zu kümmern.
„Fürchterlich selbstüberzeugt“, knurrte der Master, „wenn er denkt, dass ich ihm damit nichts anhaben kann.“ Und damit hatte der Doctor recht. Dieses Ding war nutzlos geworden.

Der Master schüttelte den Gedanken ab und zog sich endlich den Ring über den Finger. Er konnte es nicht spüren, zumindest nicht körperlich, aber wenn er die Augen schloss, konnte er so tun als ob. Nur für ein paar Minuten konnte er die Illusion aufrechterhalten, dass er noch Macht hatte.
Ich bin immer noch mächtig, unantastbar … unbesiegbar.
Nichts und niemand konnte ihm etwas anhaben, solange er diesen Ring trug und die Trommeln in seinem Kopf jubilierten. Niemals.


Als der Doctor das nächste Mal kam, trug er seinen Mantel.
Der Master unterdrückte ein Grummeln. „Du gehst?“
„Ja.“
Er verdrehte schnaubend die Augen. „Kein Grund, so geknickt zu klingen. Ich rechne ja nicht wirklich damit, dass du mich mitnimmst. Also los, husch husch, rette die Welt oder so, was auch immer du tust, wenn du Gott spielst.“
Der Doctor zögerte, dann trat er mit in die Taschen geschobenen Händen einen Schritt nach vorne. „Kommst du mit mir?“
Der Master richtete sich überrascht auf. „Was? Warum?“
„Weil ich dich nicht einsperren will.“
„Tsk, wirklich? Damit hattest du bist jetzt auch keine Probleme.“
„Ich will dich nicht einsperren“, wiederholte der Doctor fest, „aber ich weiß nicht, ob ich dir vertrauen kann.“
Enttäuscht ließ der Master sich zurück gegen die Wand sinken. „Würde ich auch nicht.“
Der Doctor blieb unbeirrt. „Kann ich dir vertrauen?“
„Musst du selbst wissen. Du trägst jetzt immerhin die Verantwortung für mich, nicht wahr?“ Der Master glaubte nicht, dass der Doctor ihn tatsächlich aus der Tardis lassen würde. Wäre die Situation umgekehrt und der Doctor wäre derjenige, der den Verstand verlor, würde er ihn auch wegsperren und verrotten lassen.

Der Doctor trat auf ihn zu und holte wortlos einen kleinen metallenen Reif aus seiner Tasche.
Der Master zog die Augenbrauen hoch. „Nicht wirklich. Wo hast du den denn ausgegraben?“
Statt einer Antwort hielt der Doctor ihm den Reif hin. „Du weißt also, was er tut?“
„Natürlich.“ Der Master verschränkte unwillkürlich die Hände hinter seinem Rücken. Er konnte sich noch zu gut an das letzte Mal erinnern, das er dazu gezwungen gewesen war, diesen Armreif zu tragen. Es war alles andere als schön gewesen.
Du willst mich also auch nur verletzen; genau wie früher. Wie konnte ich denken, dass du dich geändert hast?

„Ich werde dich nach draußen mitnehmen, wenn du ihn trägst.“
Er hob ruckartig den Kopf und sah den Doctor an. „Das kann nicht dein Ernst sein“, stellte er tonlos fest. „Du kannst mich nicht zwingen wollen, diese Foltermaschine zu tragen, wenn du mich spazieren führst.“
Der Doctor straffte die Schultern, als würde er sich innerlich für einen Kampf bereit machen. „Mit Armreif oder gar nicht.“
Der Master wandte sich ab. „Vergiss es. Ich lass mich nicht von dir erpressen. Wenn du mich foltern willst, dann tu's richtig.“
„Es wird keine Folter, wenn du dich benimmst.“
Schnaubend ließ der Master sich aufs Bett fallen.
„Wie viel ist dir deine Freiheit wert?“
„Freiheit?“ Er lachte auf. „Das ist keine Freiheit. Das ist ein Kampfhund mit gezogenen Zähnen und elektrischem Stachelhalsband. Dann bleib ich lieber hier und versuche, mit meinen verbliebenen Zähnen die Leine durchzukauen.“
Der Doctor ließ die Hand mit dem Ring wieder sinken. „Du willst also nicht mit?“
„Um beim Bild zu bleiben: Ich will nicht dein Schoßhund sein. Also nein, ich will nicht mit, wenn das da die Bedingung ist.“ Damit drehte der Master sich zur Wand um und schwieg.
Einige Sekunden lang war es still, dann seufzte der Doctor. „Sag bescheid, wenn du dich umentscheidest“, sagte er und verließ den Raum.

Der Master lockerte augenblicklich sämtliche Muskeln, nicht entspannt, sondern resigniert.
Als wäre das eine Frage meiner eigenen Entscheidung …
Er wollte hier raus. Er würde sogar gehen, wenn er den Reif tragen müsste, denn der Doctor hatte recht: Solange er keinen Fluchtversuch wagte, würde ihm nichts geschehen.
Und genau das war das Problem.
Der Master vertraute sich selbst nicht. Schlimmer, er vertraute den Trommeln nicht. Sie brauchten ihn, das wusste er, und was auch immer ihr Plan war, seine Gefangenschaft war sicher kein Teil davon. Sie würden versuchen, ihn um jeden Preis zu befreien, und das konnte der Master nicht riskieren. Ihnen war es egal, ob er gefoltert wurde und Schmerzen hatte, aber ihm selbst war klar, dass er das nicht aushalten würde.
Er war schon gebrochen; ihn weiter zu zerschlagen, würde ihn töten. Wahrscheinlich nicht nur ihn.
Der Master war nicht mehr allein.
Der Doctor mochte glauben, dass er jetzt Verantwortung für den Master trug und ihn sowohl beschützen, als auch kontrollieren musste, aber so einfach war das nicht. Der Master hatte ebenfalls Verantwortung, er musste zeigen, dass auch er den Doctor beschützen konnte. Die Trommeln kümmerten sich nicht um Kollateralschäden, aber trotz aller Differenzen und Abneigungen, der Master konnte das nicht zulassen.
Er liebte den Doctor und wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, wusste er, dass er es nicht ertragen könnte, ihn zu verlieren.
Gerade jetzt …
Er hatte sich noch nie so verwundbar gefühlt wie nach dem Fall Harold Saxons. Er wusste nicht, woran das lag, aber sein Scheitern hatte ihn tiefer erschüttert als sonst. Es war nicht so als wäre er noch nie vom Doctor besiegt worden, aber dieses Mal war es anders gewesen.
Dieses Mal hatte er das Gefühl, dass er die Trommeln enttäuscht hatte – und sie waren wütend.
Im Moment konnte der Master es nicht riskieren, ihre Macht auf den Doctor loszulassen, denn er konnte nicht einschätzen, wie sie reagieren würden. Im Laufe der Zeit hatte er gelernt, ihr Verhalten vorherzusagen, aber jetzt war er nicht sicher. Sie waren noch nie so wütend gewesen und er hatte Angst, dass er sie nicht mehr zurückhalten konnte.

Deshalb konnte er sein Zimmer nicht verlassen.
Die Trommeln waren laut und präsent in seinen Gedanken, obwohl er versuchte, sie auszublenden. Früher war es leichter gewesen, sie zu unterdrücken, aber zur Zeit fiel es ihm so schwer, ruhig zu bleiben und nicht durchzudrehen. Aber er konnte nicht zulassen, dass sie die letzte Person in diesem Universum töteten, die ihm noch geblieben war.
Die einzige Person, der er noch vertrauen konnte; die ihm jemals helfen könnte.
Nicht, dass der Master daran glaubte, dass der Doctor ihn von den Trommeln befreien konnte, aber der Doctor selbst schien diese Hoffnung noch zu haben. Ihm zuliebe würde der Master also sämtliche Experimente über sich ergehen lassen.
Zwar wusste er, dass es die Trommeln nicht verstummen lassen würde – nichts würde das –, aber das hieß nicht, dass es ihm nicht helfen würde. Allein die Anwesenheit des anderen Timelords ließ ihn … klarer werden. Nicht viel, aber nach den vielen Jahrhunderten im Wahnsinn kam es ihm wundervoll vor. Das wollte und konnte er nicht missen, auch wenn das bedeutete, dass er sich einsperren lassen musste.

„Viele, viele Kleinigkeiten“, murmelte er in sich hinein und drehte sich auf den Rücken. „Viele Kleinigkeiten, die alle auf eine Sache hinauslaufen. Ich komm hier nicht mehr raus. Soll nicht, kann nicht, darf nicht … will nicht.“ Er legte sich den Arm über die Augen. „Was ist nur aus mir geworden, dass ich das alles mit mir machen lasse? Ich muss völlig verrückt geworden sein.“ Er stutzte. „Verrückt“, wiederholte er und lachte. „Völlig verrückt. Ha-ha-ha-ha!“
Die Trommeln lachten mit ihm.


Es dauerte fast zwei Tage, bis der Doctor zurückkam. Natürlich mangelte es dem Master in dieser Zeit an nichts, darum hatte der Doctor sich schon gekümmert. In regelmäßigen Abständen tauchten Essen, Wasser und Bücher verschiedenster Kulturen in seinem Zimmer auf. Der Doctor hatte es also geschafft, die Systeme der Tardis so umzuschreiben, dass sie auch die Räume versorgte, die normalerweise von allem anderen abgeschnitten waren – Gefängniszellen im wörtlichen Sinn. Es war unmöglich, von hier aus Zugriff auf irgendein System zu haben, da die Systeme nicht mit diesen Räumen verbunden waren.
Wieso es dem Doctor noch nicht gelungen war, den Chamäleon-Schaltkreis zu reparieren, obwohl er so gut mit der Tardis umgehen konnte, würde dem Master wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Als der Doctor endlich das Zimmer des Masters betrat, konnte dieser nicht verhindern, dass seine Herzen einen winzigen Schlag aussetzten.
Da war Blut, überall auf seiner Kleidung, seinen Haaren, seiner Haut. Der Mantel war zerrissen und mit Brandflecken übersät, die Knöpfe seines Anzuges abgerissen. Sein Atem ging schnell und rasselnd, als hätte sich etwas in seiner Luftröhre oder der Lunge verkantet, und er hinkte leicht.

„Ich hätte deine Hilfe gebrauchen können“, murmelte der Doctor ohne eine Begrüßung und ließ sich an der Wand entlang zu Boden sinken. Er rieb sich geistesabwesend Blut von Stirn und Schläfe.
Der Master zwang sich zu einem herablassenden Lächeln und legte den Kopf schief. „Was denn? Gab es tatsächlich etwas, mit dem der großartige Doctor nicht allein fertigwerden konnte?“
Er hob nicht einmal den Blick. Stattdessen rutschte er ein Stück von der Wand weg, damit er sich aus seinem Mantel schälen konnte, ehe er ein weißes Stofftuch aus einer Jackentasche zog und damit begann, das Blut abzuwischen. Hauptsächlich war es bereits getrocknet und mit Staub und Schmutz vermischt, was die Sache erschwerte.
Der Master warf dem Doctor ohne Vorwarnung die Wasserflasche zu, doch dieser musste nicht einmal hinsehen, um sie zu fangen. Er kippte etwas Wasser auf das Tuch und fuhr mit seiner Reinigung fort.
Als er die Wunde an seiner Wange berührte, zuckte er zusammen.
Der Master verdrehte die Augen und stand auf. „Das kann man ja nicht mitansehen“, seufzte er genervt und nahm dem Doctor das Tuch aus der Hand.
Dieser sah dem Master mit großen Augen dabei zu, wie er neben ihm in die Knie ging und ohne zu zögern damit begann, sein Gesicht von Blut und Staub zu befreien.
Was hast du nur wieder angestellt? Warum musst du dich immer selbst in Gefahr bringen?
Der Doctor lächelte vorsichtig. „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass du dir Sorgen machst.“
Der Master schnaubte. „Träum weiter“, murmelte er und reinigte vorsichtig die Wunde. Sie war verhältnismäßig klein und ein Großteil des Blutes kam nicht einmal von dort. Es schien überhaupt nicht vom Doctor zu stammen und der Master wurde unwillkürlich ruhiger. Er warf das Tuch in eine Ecke des Raumes. „Willst du auch noch 'nen Verband oder kann ich jetzt damit aufhören, Krankenschwester zu spielen?“
Der Doctor lachte hustend. „Schon okay. Wer wird denn wollen, dass du dir einen Zacken aus der Krone brichst?“
„Niemand.“ Der Master lächelte matt und ließ sich neben dem Doctor mit dem Rücken zur Wand zu Boden gleiten.
Sie waren sich so nah, dass sich ihre Schultern berührten, und der Master konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zum letzten Mal trotz einer solchen Nähe zueinander so friedlich gewesen waren.

Eine Zeit lang saßen sie einträchtig schweigend nebeneinander und lauschten dem leisen Summen der Tardis. Der Atem des Doctors beruhigte sich nach und nach, ebenso wie seine Herzen.

„Ruta'bleid“, durchbrach der Doctor plötzlich die Stille. „Es waren Ruta'bleid.“
„Wegen denen du jetzt aussiehst, wie durch den Fleischwolf gedreht?“
Er nickte und rieb sich geistesabwesend den Arm.
„Ruta'bleid“, wiederholte der Master und versuchte, ein Grinsen zu unterdrücken. Dem Grummeln des Doctors nach zu urteilen, schien es ihm nicht zu gelingen.
„Lass das.“
„Ich mach doch gar nichts!“ Der Master merkte sofort, dass es ein Fehler gewesen war, den Mund aufzumachen. Er konnte das leise Kichern nicht mehr zurückhalten.
Der Doctor schlug ihm gegen die Schulter. „Hör auf!“
„Tschuldigung.“ Der Master presste die Lippen fest zusammen und versuchte, sein Zwerchfell ruhigzuhalten – mit mäßigem Erfolg.
„Master ...“
„Ach komm schon!“ Er wandte sein Gesicht dem Doctor zu, was sich ebenfalls als Fehler herausstellte; dessen zerknirschter Ausdruck brachte ihn wieder zum Lachen.
„Die Ruta'bleid sind gefährlich.“
Der Master hielt die Luft an und zog die Augenbrauen hoch in dem Versuch, ernst dreinzuschauen. „Gefährlich? Es sind Kaninchen.“ Nicht lachen, nicht lachen, nicht lachen …
„Hüfthohe Kaninchen“, verbesserte der Doctor möglichst würdevoll. „Und ich sehe nicht so aus, weil ich gegen sie gekämpft habe. Sie haben mich um Hilfe gebeten.“
Der Master nahm den Themenwechsel dankbar an. „Was genau ist schief gelaufen?“
„Eigentlich nichts.“ Der Doctor lächelte matt. „Sie haben nur keine sehr schöne Art, jemandem ihre Dankbarkeit zu zeigen, also ...“ Er zuckte mit den Schultern.
Der Master legte den Kopf schief. „Bedeutet?“
„Sie haben mir zu Ehren ein Schlachtfest abgehalten. Nach einer Weile floss der Alkohol in Strömen und ab da wurde alles immer merkwürdiger. Sie haben irgendwann mit Stühlen geworfen; daher auch das da.“ Er deutete in sein Gesicht.
Der Master verkniff sich ein erneutes Lachen nur mit Mühe. „Also siehst du doch wegen ihnen so aus“, stellte er fest.
„Ich seh so aus, weil ...“ Der Doctor hielt inne und seufzte. „Warum mach ich mir überhaupt die Mühe?“
„Ich hab ehrlich keine Ahnung.“
Er verdrehte nur die Augen und schwieg, doch dann leuchtete sein Gesicht plötzlich auf. „Weißt du noch, unsere erste gemeinsame Zeitreise in einer Tardis? Damals auf der Academy?“
„Oh, erinner mich nicht dran!“ Der Master rieb sich über die Augen und schüttelte den Kopf. „Wir haben uns fürchterlich verflogen.“
Der Doctor grinste. „Du hast dich fürchterlich verflogen, weil du es unbedingt allein schaffen wolltest.“
Er warf ihm einen unwirschen Blick zu. „Das musst du mir gerade jetzt ins Gedächtnis rufen, oder? Ein kleiner Dämpfer für mich.““
„Auch.“ Der Doctor lehnte sich zurück. „Aber darauf wollte ich nicht hinaus.“
Kurz dachte der Master nach, dann breitete sich ein beinahe sanftes Lächeln auf seinem Gesicht aus. „Wir haben die Ruta'bleid getroffen“, flüsterte er.
„Ja.“
„Und wir hatten solche Angst.“ Er lachte leise. „Kinder. Wir waren noch Kinder und wir kannten nur die kleinen Ruta'bleid, die sie auf Gallifrey als Haustiere verkauft haben, und plötzlich stand dieses riesige Monster vor uns und hat uns angeknurrt.“
„Und wir sind gerannt.“ Der Doctor kicherte in sich hinein. „Als der Ruta'bleid zu reden angefangen hat, sind mir fast die Herzen stehengeblieben. Der schlimmste Albtraum eines jeden Kindes.“
„Mir auch.“ Der Master seufzte.
Unbewusst hatte er sich immer näher zum Doctor gelehnt, sodass sie jetzt auf ganzer Länge aneinandergepresst waren. Sein Kopf fühlte sich so klar an wie schon lange nicht mehr.

Einige Sekunden lang herrschte Schweigen zwischen ihnen.
„Ich glaube, ich hab mich nie richtig bedankt.“
Der Master sah überrascht auf. „Wofür?“
„Dafür, dass du mich gerettet hast“, antwortete der Doctor leise. „Du hast einen kühlen Kopf bewahrt und uns befreit.“
„Ach, das.“ Der Master machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich hatte ja nicht wirklich 'ne Wahl. Es gibt Punktabzug, wenn mein Partner unterwegs während der Prüfung stirbt.“
Der Doctor lachte auf. „Klingt ganz nach dir.“
Der Master schloss die Augen. „Nach mir“, wiederholte er so leise, dass nur er es hören konnte. „Mir. Mich. Ich, ich, ich.“ Weiß ich überhaupt noch, wer ich bin?

„Ich habe dich vermisst.“
Der Master richtete sich ruckartig auf, seine Herzen zogen sich schmerzhaft zusammen.
Ich dich auch.
Er rappelte sich umständlich auf die Beine. „Danke, Doctor. Du musstest natürlich wiedermal die Stimmung kaputtmachen“, knurrte er gezwungen genervt und ging zu seinem Bett, um so viel Abstand wie möglich zwischen sie zu bekommen.
Der Doctor sah ihm nur verdattert hinterher.
„Guck nicht so.“ Er ließ sich aufs Bett fallen und zog die Beine an. „Das hättest du dir doch denken können.“
Der Doctor blinzelte irritiert und sackte zurück gegen die Wand. Er schien nicht zu verstehen, woher der plötzlich Umschwung im Verhalten des Masters kam; aber wenn er ehrlich war, verstand er es selbst nicht. Er wollte nur weg von ihm, so schnell wie möglich, bevor er ihn zu weit in sich hineinließ. Bevor sie sich wieder so nah waren, dass es unmöglich zu sagen war, wo der Eine aufhörte und der Andere anfing.

Schließlich räusperte der Doctor sich. „Tut mir leid.“
Der Master verdrehte die Augen. „Soll es nicht.“ Was kannst du schon für meine Launen?
Der Doctor schwieg und so war es wieder still im Raum, während der Master seinen Gedanken nachhing.
So viele Erinnerungen. So viele Dinge, die er mit dem Doctor zusammen durchgestanden hatte. Früher waren sie unzertrennlich gewesen. Und jetzt? Das exakte Gegenteil.
Nicht direkt, flüsterte wieder diese leise Stimme in seine Gedanken; das, was einmal er selbst gewesen war, lange bevor die Trommeln ihre Macht erlangt hatten. Wir sind immer noch unzertrennlich. Es fällt uns nur schwerer, es zuzugeben.

„Erinnerst du dich noch an meinen Namen?“, fragte der Master abrupt, um die Worte in seinem Kopf endlich zum Verstummen zu bringen. „Meinen richtigen Namen?“
Verdutzt sah der Doctor ihn einige Sekunden lang nur stumm an. Der Master konnte sehen, wie er mit sich kämpfte, wie Trauer und Wut in seinen Augen tobten. Natürlich erinnerte er sich. Nicht nur an den Namen, sondern auch an das Ereignis, das dazu geführt hatte, dass der Master ihn abgelegt hatte.
„Ja“, antwortete der Doctor schließlich leise.
Der Master nickte. „Ich erinnere mich auch an deinen.“
Der Doctor schluckte trocken und wandte das Gesicht ab. „Ich weiß.“

Der Master schloss die Augen und lehnte sich zurück gegen die Wand. Minutenlang bekam er kein Wort heraus. Er wusste nicht, wieso er das Thema überhaupt angeschnitten hatte.
Nein, das war nicht richtig. Er wusste es. Er wollte nur nicht zu genau darüber nachdenken. Über den Tag, der sie beide enger zusammengeschweißt hatte, als es möglich sein sollte.
Sie waren sich so nah wie niemandem sonst in diesem Universum. So nah, dass selbst die Trommeln manchmal ehrfürchtig leiser wurden, wenn sie zusammen waren.
Sie würden dem Doctor nichts tun, sie konnten ihm nichts tun. Das würde er nicht zulassen.
Er würde den Doctor um jeden Preis beschützen und das würde er ihm auch beweisen.

Der Master öffnete die Augen und sah auf. „Doctor? Hast du den Armreif noch?“

To Be Continued
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