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[OS] Sag nicht, ich liebe dich!

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Super Junior
28.01.2013
02.02.2013
4
3.904
 
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28.01.2013 1.244
 
Langsam stieg sie aus der Dusche, um sich anzuziehen. Sie suchte ihre Uniform aus dem Schrank und zog sie an. Danach ging sie zum Spiegel. Ihr langes, blaues Haar fiel ihr über die Schultern und ließ sie nachdenklich werden. Sie stellte sich viele Fragen. ‚Werden sie mich akzeptieren?‘, ‚Vielleicht hassen sie mich, weil ich anders aussehe‘. Sie begann sich zwei Zöpfe zu flechten, während sie sich immernoch im Spiegel betrachtete. Nachdem sie fertig war, föhnte sie sie, sodass sie leichte Locken bekam. Sie setzte sich zu ihrem Schminktisch und begann sich dezent zu schminken. Sie wollte auf keinen Fall übertreiben. Ein Blick auf die Uhr: 7.40. Höchste Zeit um loszugehen! Schnell zog sie sich noch die Schuhe an und schon war sie davon. In schnellem Schritt lief sie zur Schule. Es war ihr erster Schultag in der neuen Schule, was ihr Sorgen bereitete. Sie war keine Asiatin, sondern Europäerin. Sie sah ganz anders aus, als die meisten Asiatinnen. Sie war blauhaarig und hatte keine schwarzen Schlitzaugen. Sie war etwas größer und auch ihr Kleiderstil war modischer und extravaganter, als der der Asiatinnen. Sie freute sich, dass es wenigstens eine Schuluniform gab, mit der sie nicht so auffallen würde.
Es klingelte bereits, als sie die Schule erreichte. Sie eilte zum Direktorat, wo man sie schon erwartete. Höflich verbeugte sie sich vor dem Direktor der ‚Seoul Arts Highschool‘, der ihre Verbeugung auch erwiderte.
„Guten Tag. Ich bin der Direktor der Schule. Du bist Lisa, nicht wahr? Der Unterricht hat soeben begonnen. Ich werde dich jetzt in deine neue Klasse führen, gut?“, fragte er und Lisa nickte. Sie folgte ihm durch die vielen Gänge der Schule. Irgendwann blieben sie vor einer der blauen Türe stehen und sie traten ein. Der Direktor ging voran und Lisa folgte ihm nur still. Dann blieb er vor der Klasse stehen und überreichte dem unterrichtenden Lehrer einen Zettel. Dieser nahm ihn entgegen und las ihn schnell durch. Dann nickte er verständnisvoll und der Direktor verabschiedete sich von der Klasse und ging. Der Lehrer verbeugte sich vor Lisa.
„Guten Tag! Mein Name ist Mr. Kim. Wie wäre es, wenn du dich der Klasse vorstellst?“, fragte er und Lisa wand sich mit einem Nicken von ihm ab und der Klasse zu.
„Hallo. Mein Name ist Lisa. Ich bin 16 Jahre alt und lebe seit drei Jahren in Südkorea.“, sagte sie kurz und knapp. Durch die Klasse ging ein Raunen. Die Mädchen, die etwas weiter vorne saßen, warfen ihr komische und nicht identifizierbare Blicke zu, wobei die Mädchen in den hinteren Reihen, sie nett anlächelten. Die Jungs begannen sich zu unterhalten und grinsten die ganze Zeit über. Dabei sahen sie Lisa immer wieder an, was ihr etwas unangenehm war.
„Klasse! Ihr könnt Lisa nun noch ein paar Fragen stellen.“, sagte Mr. Kim und alle hoben ruckartig die Hände. Lisa sah sich um und deutete irgendeinem Jungen zu, dass er zuerst fragen könne.
„Wieso bist du nach Korea gezogen?“, fragte er. Lisa überlegte kurz und antwortete dann:
„Meine Eltern sind schon lange tot und ich wurde in ein Waisenhaus gesteckt. Erst vor 3 Jahren wurde ich dann von einer reichen, koreanischen Familie adoptiert. Ich musste ihre, die koreanische, Sprache erlernen. Nach einiger Zeit meinten sie, dass ich mit 15 dann auch alleine zu Recht kommen würde. Nun habe ich eine eigene Wohnung und sie schicken mir monatlich Geld und das so lange, bis ich meinen eigenen Unterhalt zahlen kann.“
Alle unterhielten sich kurz und schon streckten wieder alle die Hände in die Luft.
„Sind deine Haare gefärbt?“, fragte einer der Mädchen, worauf Lisa nur die Augen verdrehte.
„Nein die sind von Natur so blau“, meinte sie genervt.
Das ging dann weiter so und die Fragen wurden immer bescheuerter für Lisa. Man fragte sie immer mehr über ihre Herkunft und Vergangenheit aus. Sie dachte nur, dass es ja normal wäre, dass man sowas fragt und ließ sich deshalb nichts anmerken. Nach circa 10 Minuten weiterer Fragen, meldete sich dann auch Mr. Kim zu Wort.
„Gut das genügt. Ihr könnt sie auch später noch etwas fragen, wenn ihr es für nötig haltet. Setz dich jetzt auf deinen Platz, Lisa“, sagte er und deutete auf den Platz in der letzten Reihe. Sie ging zu dem Stuhl und setzte sich hin. Neben ihr saß ein Junge, der sie nett anlächelte. Lisa lächelte nett zurück und widmete sich dann dem Unterricht. Gerade war Geschichte dran und Lisa schrieb hastig alles von der Tafel auf. Unauffällig versuchte sie sich die Typen und die Mädchen in ihrer Klasse genauer anzusehen. Doch alle starrten sie an, sodass sie sich unwohl fühlte und einfach nur stur auf die Tafel guckte.
Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis es klingelte. Sofort stürzten sich alle Jungs der Klasse auf sie und umzingelten ihren Tisch von allen Seiten. Sie schleuderten ihr die verschiedensten Fragen an den Kopf. Doch schon kam Hilfe: Die nächste Lehrerin kam hinein und forderte die Klasse auf, sich hinzusetzen und ruhig zu sein.
„Sind die immer so?“, flüsterte Lisa ihrem Banknachbarn zu. Dieser kicherte kurz und nickte dann. Daraufhin guckte Lisa nur gequält und wand sich dem Unterricht zu. Kurz bevor es gongte, wurde ihr ein Zettel zugeschoben. ‚Wenn du nicht willst, dass dich die Jungs fressen, dann frag ob du jetzt aufs Klo gehen kannst!‘, stand darauf und Lisa guckte ihren Banknachbarn nur fragend an. Dieser nickte und Lisa tat was ihr befohlen: Sie fragte die Lehrerin, ob sie auf Klo gehen dürfe und ging dann zur Tür heraus. Da sie nicht einmal wusste, wo sich das Klo befand, lief sie einfach langsam den Gang entlang. Keine Minute später klingelte es zur Pause und die Gänge füllten sich schnell. Es waren so viele Schüler, dass Lisa leicht die Orientierung verlor. Sie spürte wie sie jemand, während des ganzen Trubels, an der Hand packte und mit sich zog. Sie lief einfach hinterher. Die zwei liefen mehrere Treppen nach oben, bis sie letztendlich auf dem Dach standen. Beide gönnten sich eine kurze Verschnaufpause.
„Danke“, sagte Lisa zu dem Jungen. Er drehte sich um und erst jetzt bemerkte sie, dass es sich um ihren Banknachbar handelte.
„Keine Ursache. Zu Neuen kann unsere Klasse manchmal ganz schön brutal sein“, sagte dieser lächelnd.
„Und wie lange wird das so bleiben?“, fragte Lisa weiter.
„Ich denke, dass das dauern kann. Schließlich bist du Single und siehst noch dazu ziemlich gut aus.“, lachte ihr Gegenüber.
„Woher willst du wissen, dass ich Single bin?“
„Hab geraten.“
„Ich sehe also gut aus?“
„Ich wollte nur nett sein.“
„Und was kann ich dagegen unternehmen, dass mich die Jungs fressen?“
„Du müsstest schnell einen Freund finden“
„Juhu und woher krieg ich diesen?“
„Er steht vor dir!“
„Warte, warte, warte! Du bist doch kein bisschen besser als die Typen aus unserer Klasse! Dir geht’s doch auch nur um das eine!“
„Du hast es erfasst, meine Süße!“
„Lass mich einfach in Ruhe. Ich weiß noch nicht einmal wie du heißt! Ich werde jetzt gehen“, sagte Lisa und ging einfach. Sie fühlte sich mehr als verarscht und verzog sich schnell wieder in ihre Klasse. Sie war nun ziemlich schlecht gelaunt. Nie hätte sie gedacht, dass Männer solche Schweine sein könnten. Und vor allem nicht, da es ihr erster Tag war. Genervt saß Lisa den Rest der Pause einfach nur still da. Sie wäre am liebsten nach Hause gerannt und hätte sich in ihr Bett gelegt, doch dies ging nicht. Sie beschloss ihren Banknachbar zu ignorieren, sonst würde sie ganz und gar wahnsinnig werden.
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