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Stand by me

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Travis Marks Wesley "Wes" Mitchell
28.01.2013
28.01.2013
1
1.954
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28.01.2013 1.954
 
Nach meiner Übersetzung jetzt mal zwischendurch was von mir persönlich geschrieben. :D
Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich über Reviews/Favos.

Disclaimer: Keiner der Charakter gehört mir und ich verdiene kein Geld mit ihnen.

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Stand by me

„Meinst du, wir kommen hier raus?“

Travis sah seinen Partner an. „Sicher. Die haben bestimmt schon eine ganze Hundestaffel auf uns angesetzt.“ Seine Augen strahlten weniger Hoffnung aus, als seine Worte. „Dich können die sicherlich schon von weitem riechen.“

„Weißt du was, Travis, ich wünschte echt es wäre so…“ Wes lächelte abwesend, die Augen hatte er geschlossen. Er lehnte, genau wie sein Partner, an ein paar Haustrümmern inmitten des totalen Chaos. Überall versperrten Holzbalken und Geröll den Weg. Ein einzelner, verlorener Sonnenstrahl erhellte ihr beengtes Gefängnis.

Travis verfluchte den Moment, als sie das verlassene Gebäude am Stadtrand betreten hatten. Es war doch klar gewesen, dass ein Warnschild, welches vor einem alten Haus stand, nicht ohne Grund dort hingestellt worden war.

„Travis?“

Er antworte nicht gleich, dazu war er zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. „Was gibt’s?“

Wes Augen waren noch immer geschlossen. „Ich spüre mein Bein nicht mehr…“

Sein Partner sah ihn beunruhigt an, dann glitt sein Blick zu dem, zwischen zwei Balken eingeklemmten, linken Bein. Es war genauso verdreckt, wie der Rest von Wes Körper, nur dass ein wenig Blut unterhalb des Knies zu erkennen war.

Es war seine Schuld. Seinetwegen steckten sie in diesem Schlamassel. Wes hatte das Gebäude nicht betreten wollen, hatte gesagt, dass der Verbrecher, den sie gejagt hatten, ganz sicher nicht in das Haus gerannt war. Was hatte Travis getan? Er hatte seinem Partner vorgeworfen ein Angsthase zu sein und war nur um Wes zu ärgern in das Haus gegangen. Natürlich war Wes ihm gefolgt.

„Hey, Wes, es tut mir leid.“

Wes öffnete seine Augen und starrte auf den Holzbalken, der nur knapp seinen Kopf verfehlt hatte.
Es wirkte alles so unreal. „Schon okay.“ Es war nicht okay, aber Wes wusste, dass er Travis dafür nicht verantwortlich machen durfte. Das wäre nicht fair gewesen.

„Es ist nicht okay.“ Travis schlechtes Gewissen ließ sich einfach nicht abschalten. „Wäre ich nicht blindlings in das Haus gerannt, dann würden wir nicht lebendig begraben inmitten einer zusammengefallenen Ruine sitzen und du…“

Wes unterbrach ihn. „Was bringt es, wenn ich dir die Schuld gebe? Ändert das was an unserer Lage? Ich will meine letzte Zeit auf Erden nicht damit verbringen zu streiten, Travis. Nicht hier und jetzt…“

Und zum ersten Mal seit sie hier unten waren, war es Wes, der seinen Partner ansah. Mit trüben Augen und Schweißperlen auf der Stirn. Er versuchte zu lächeln und Travis Herz zog sich zusammen.
Er erkannte sofort, dass es Wes nicht gut ging, gar nicht gut.

„Ich bring uns hier raus.“

Wes zog die Stirn in Falten. „Und wie willst du das machen?“ Es war so gut wie unmöglich hier von alleine rauszukommen. Eine falsche Entscheidung und alles würde über ihnen zusammenkrachen.

„Weiß ich noch nicht, aber mir fällt schon was ein.“ Travis Augen strahlten wieder so etwas wie Hoffnung und Entschlossenheit aus. Er würde seinen Partner hier unten nicht sterben lassen, nicht wenn er dann die Schuld dafür trug.

Wie aufs Stichwort, durchfuhr Wes eine Schmerzwelle. Er schnappte nach Luft, atmete dabei jedoch zuviel Staub und Dreck ein und fing an zu husten. Für einen kurzen Moment, wirklich einen winzigen Augenblick, befürchtete Travis sein Partner würde qualvoll ersticken. Dann ließ der Husten wieder nach und Wes lehnte seinen Kopf erschöpft zurück gegen den Holzbalken hinter sich.

„Alles klar bei dir?“ Travis Stimme klang unsicher, als würde er Wes mit dieser Frage verärgern.

Es kam keine Antwort.

„Wes?!“

Wes zwang sich die Augen zu öffnen. „Mir geht’s gut…“, krächzte er mühsam, bloß keine Schwäche zeigen. Ihm war klar, dass Travis ihn durchschaute, doch irgendwie hatte er das Gefühl, er dürfe seinem Partner nicht zur Last fallen. Er wollte einfach nur schlafen. Die Augen schließen… schlafen.

„Wes? Ich warne dich, wenn du jetzt einschläfst, dann bring ich dich persönlich um!“

Travis blickte ihn an und biss sich auf die Lippe. „Okay, Wes, hör zu. Du erzählst mir jetzt irgendwas, ganz egal was, Hauptsache du bleibst wach! Ich versuche solange einen Weg hier raus zu finden.“

„Irgendwas?“

Travis sah ihn aufmunternd an. „Irgendwas.“

„Wusstest du, dass es mal jemanden gab, der sich seine eingeklemmte Hand abgesägt hat, um zu überleben?“

Travis verdrehte die Augen. „Geht’s auch ein bisschen positiver?“ Er versuchte sich vorsichtig aufzurichten, immer darauf bedacht, keine Balken zu treffen.

„Du hast gesagt irgendwas.“ Wes war schon wieder dabei, die Augen zu schließen.

„Wes! Lass die Augen auf oder ich werde…“ Ihm fiel nichts sonderlich Bedrohliches ein, da sie sich sowieso schon in einer eigentlich ausweglosen Situation befanden. „Gib mir dein Handy.“ Travis stand- zumindest halbwegs. Er musste leicht den Kopf einziehen, um nirgends gegen zu stoßen.

„Warum? Wir haben doch eh keinen Empfang.“ Trotzdem reichte Wes seinem Partner das Mobiltelefon.

„Weißt du,… Travis, ich habe dich irgendwie… immer bewundert.“

Travis war zu sehr damit beschäftigt eine geeignete Stelle zu finden, um ein Signal zu erhalten, als dass er die schwächer werdende Stimme richtig bemerkte. „Ach wirklich? Warum?“, fragte er mit den Gedanken ganz beim Handy.

Und so fiel es ihm auch nicht sofort auf, dass keine Antwort mehr zurückkam. „Ich habe einen Balken! Wes, ich hab einen Balken.“ Er sah nach unten. „Wes?“

Sein Partner reagierte nicht. Er war leicht zur Seite gekippt und sein Kopf hing schlaff auf seiner Brust.

Travis sah zwischen Handy und Partner hin und her. „Halt durch, Kumpel.“ Er entschied sich für das Handy und wählte den Notruf. Die Verbindung war schlecht und Travis fasste einen Entschluss. Er warf das Handy nach oben. Wenn es nicht ausgegangen war, dann würde man es orten können und solange sie nicht auflegten, würde man es hoffentlich nicht für einen Streich halten.

„Wes, hey. Kumpel, komm zu dir.“ Travis hockte sich so gut es ging neben seinen Partner und nahm dessen Kopf in beide Hände. „Sei kein Jammerlappen.“ Und lass mich bitte nicht allein. Travis schüttelte den Kopf, er durfte jetzt keine Schwäche zeigen.

Eine kraftlose Hand packte seinen Arm. „Ich bin kein… Jammerlappen.“ Wes blinzelte. Travis seufzte vor Erleichterung auf.

„Alter, du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“

„Wer ist jetzt hier der Jammerlappen?“ Wes grinste matt, Travis schüttelte milde brummend den Kopf. Er ließ den Kopf seines Partners los.

„Hast du Empfang gehabt?“

Travis wusste nicht recht, was er sagen sollte. „Naja, ich hoffe es. Ich hab das Handy nach oben geworfen.“

Stille.

„Du hast was?“

„Das Handy nach oben geworfen.“

Wes stöhnte auf. „Wir werden sterben, Travis.“ Er legte den Kopf in den Nacken. Momentan waren die Schmerzen zu ertragen, aber was spielte das noch für eine Rolle?

„Wes, wir werden nicht sterben.“ Okay, das klang wahrscheinlich nicht sehr überzeugend, doch Travis wollte nicht so einfach aufgeben. Er wollte hier nicht sterben. Nicht auf diese Art. „Wenn ich sterbe, dann entweder mit einer schönen Frau an meiner Seite, nimm‘s nicht persönlich, oder heldenhaft durch eine Kugel, weil ich eine schöne Frau gerettet habe.“

Auch wenn Travis das vielleicht nicht unbedingt beabsichtigt hatte, seine Worte hatten eine beruhigende Wirkung auf seinen Partner. „Du wirst eher durch eine Frau sterben. Aus Rache, weil du mit ihren Gefühlen gespielt hast.“

Travis schüttelte schweigend den Kopf. Wes verstand das einfach nicht. Aber er würde dieses Thema ruhen lassen. „Hast du eigentlich eine Ahnung wie spät es ist?“ Die beiden Detectives hatten jeglichen Sinn für Zeit verloren. Der Sonnenstrahl war kaum noch zu sehen und es war dunkel geworden, ob das an der Tageszeit oder den Wetterverhältnissen lag, war nicht zu erkennen.

„Nein, jemand hat ja mein Handy hochgeworfen. Übrigens war das auch unsere einzige richtige Lichtquelle.“

Travis biss sich auf die Lippe. Vielleicht war es ja doch eine blöde Idee gewesen… Doch genau in diesem Moment ertönten Sirenen und man konnte quietschende Reifen hören. Nur kurz darauf waren Stimmen vernehmbar.

Travis richtete sich wieder auf. „Wir sind hier unten!“ Er schrie, schrie aus ganzer Seele. Und… er wurde gehört.

„Das kam von dort.“ Ein heller Lichtstrahl blendete Travis. „Sir, können Sie mich hören?“

„Laut und deutlich.“

„Wie sieht die Lage bei ihnen da unten aus? Wie viele befinden sich bei ihnen?“

Travis warf Wes, dessen Gesicht blass und abgekämpft aussah, einen Blick zu. „Wir sind zu zweit. Mein Partner ist verletzt. Sein Bein klemmt unter einem der Holzbalken fest.“

Der Mann oben rief seinen Leuten etwas zu und wendete sich wieder an Travis: „Okay, hören Sie zu. Wir werden das Geröll hier oben abtragen, bis wir Sichtkontakt haben. Ist ihr Partner bei Bewusstsein?“

„Ja!“

„Gut. Bitte bleiben Sie beide in Deckung. Wenn Ihnen etwas auffällt oder Sie meinen, dass gleich etwas zusammenstürzt, rufen Sie laut.“

Travis setzte sich wieder zu Wes. „Siehst du, ich hab doch gesagt wir kommen hier raus.“

Die Arbeiten gingen rasch voran. Bald konnte Travis Teile des Himmels erkennen. Es war tatsächlich bereits Abend.
Keine Stunde später war über ihnen alles frei und der Lichtschein zahlreicher Taschenlampen, ließ sie die Augen zusammenkneifen.

„Wir schicken jetzt jemanden zu ihnen herunter.“

Travis erhob sich. Endlich konnte er sich wieder richtig strecken.

Wes war dieses Vergnügen noch nicht vergönnt. „Travis…“ Er sah seinen Partner an, der sich zu ihm umwandte und fragend dreinschaute. Doch Wes blieben die Worte im Hals stecken. Er brachte es einfach nicht über sich, seine Angst auszusprechen. Und er hatte verdammt viel Angst. Was wenn sie sein Bein amputieren mussten…?

„Hey, das wird schon.“ Travis schien erraten zu haben, was Wes quälte. Und dann war auch schon der Feuerwehrmann bei ihnen.

Wes kniff die Augen fest zusammen, Travis sah, dass er zitterte. Während der Feuerwehrmann Wes umklammert hielt, hatte sich Travis an dem Balken postiert, der das Bein seines Partners nicht freigeben wollte. „Okay, Wes, ich weiß, das wird schmerzhaft, aber wenn ich bis drei gezählt habe, ziehen wir dein Bein da raus.“

„Mach schon.“, presste Wes zwischen seinen Lippen hervor.

„Alles klar.“ Travis nickte dem Feuerwehrmann zu, der verstand sofort. Und noch während Travis „1…“ sagte, hob er den Balken an und der andere Mann zog Wes mit einem kräftigen Ruck nach hinten. Dieser schrie auf. Nun, da der gewohnte Druck auf sein Bein verschwunden war, kehrte das Schmerzgefühl zurück. Es war, als würde ihm jemand sein Bein langsam ausreißen. Alles um ihn herum verschwamm in einem Nebel aus Schmerz.

Travis hatte beim Anblick von Wes blau angelaufenem und blutigem Bein heftig schlucken müssen, aber als er das Gesicht seines Partner erblickte, leichenblass und schmerzverzerrt, war ihm fast das Herz stehen geblieben. Sofort war er an seiner Seite gewesen, hatte ihm beruhigende Worte zugeraunt und seine eiskalte Hand ergriffen.

„Es wird alles gut, Wes, ich verspreche es.“

Und sie hatten Glück. Noch während der Fahrt im Krankenwagen, gaben die Notärzte Entwarnung. Wes Bein würde nicht amputiert werden müssen. Travis fiel ein Stein vom Herzen.

„Allerdings muss er operiert werden.“

„Muss das…sein?“ Jetzt wo Wes mit Morphium vollgepumpt wurde, wurde er allmählich auch wieder wacher. Operationen waren ihm ein Graus.

„Jetzt sei kein Feigling. Immerhin behältst du dein Bein.“, stöhnte Travis.

Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde Wes schmollen, dann fragte er vorsichtig (und Travis glaubte, das Morphium in dieser Frage mitschwingen zu hören, da Wes so etwas nie gefragt hätte): „Bist du da wenn ich aus der Narkose aufwache?“

„Hör auf solch peinliche Sachen zu fragen!“ Travis wünschte sich in diesem Moment den alten Wes zurück, den Wes, der seine Gefühle nicht gern offen aussprach. Doch bei dem erbärmlichen Anblick, den sein Partner, vollgestopft mit Schmerzmitteln und nicht mehr ganz Herr über die Lage, gerade bot, konnte er nicht anders:

„Ich bin dein Partner, also werde ich auch da sein.“
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