When I Will Fall

von pestival
GeschichteDrama, Mystery / P18
OC (Own Character) Sarah Lee Stefan Kern Thorsten Heck
27.01.2013
20.03.2017
7
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Willkommen zu meiner Fanfiktion!
Momentan bin ich dabei die anderen Kapitel zu überarbeiten. Die werden wahrscheinlich in Laufe der nächsten paar Tage/ Woche kommen.
Disclaimer: Mir gehört nichts, außer Finn <3
Reviews sind gern gesehen ;)
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Die Schulermittler POV:

Thorsten Heck und seine Partnerin Sarah Lee saßen gemeinsam im Auto und fuhren zu einer Schule. Um genauer zu sein fuhren sie zu einem staatlichen Gymnasium, das an dem durch das Ministerium geleitet Projekt über Geschlechtskrankheiten teilnehmen sollte. Die Schüler wurden über verschiedene Krankheiten aufgeklärt und wie die Konsequenzen aussehen könnten. Einer der vielen Veranstaltungen die, die beiden Ermittler bereits hinter sich hatten. Heute würde es nicht viel anders ablaufen. Hofften sie zumindest, denn bisher was immer etwas dazwischengekommen. Gutes als auch Schlechtes, wenn sie an die letzten Male zurückdachten. Jede Schule hatte ihre Problemfälle und ihr Job war es ja schließlich sich um solche zu kümmern.Auf der kurzen Fahrt zu dem Gymnasium herrschte angenehme Stille zwischen ihnen, die sich nach jahrelanger beruflicher Zusammenarbeit nicht unangenehm anfühlte. Sie waren beide nicht Personen die gern Small-Talk betrieben. Die Ruhe die zwischen ihnen lag wurde nur durch die leise Stimme des Radionachrichtensprechers unterbrochen. Thorsten saß in seinen immer präsenten dunklen Jeans, Turnschuhen und T-Shirt auf den Fahrersitz und schaute konzentriert auf den Straßenverkehr, der trotz der frühen Stunde schon recht anstrengend war. Auf dem Beifahrersitz saß seine Kollegin Sarah. Diese trug eine hellgrüne Bluse mit blauen Jeans die ihr bis zu den Knöcheln ging und darunter flache weiße Sportschuhe, die schon bessere Tage gesehen hatten. Noch immer etwas müde schaute sie auf die flimmerten Linien und Gestalten die an ihren Fenster vorbeirannten. Ein träger Morgen, dessen Himmel, verdeckt von einer grauen Schicht Wolken, sonnenlos blieb.

Als sie endlich bei der Schule vorfuhren konnten sie durch das noch nicht ganz dichte Blätterwerk der Bäume am Straßenrand, ein graues, etwas dreckiges 70er-Jahre-Gebäude erkennen. Wenn man nicht genau hinschaute, war es schwer das Haus als Schule zu identifizieren. Thorsten parkte das Auto auf einem freien Parkplatz, zwischen zwei anderen Autos, die wahrscheinlich Lehrern gehörten. Typische Mittelstandsautos die allein schon das Fehlen von Farbe als solche zu erkennen waren. Immer dieses grau, schwarz oder dunkle blau.Der Wagen der Schulermittler passte wunderbar hinzu.

Trotz der Tatsache, dass es bereits kurz nach acht war, standen noch einige Schüler vor dem Eingang. Einige von ihnen rauchten, andere wiederrum schienen Hausaufgaben zu machen. Den meisten interessierte es nicht dass sie eigentlich im Unterricht sitzen sollten.  Als die beiden gerade aus dem Auto stiegen viel ihnen ein schwarzer BMW ins Auge, der direkt vor der Einfahrt zum Schulhof stand. Der Wagen war in einem matten schwarz lackiert, wenig andere Farbe wurde verwendet –selbst die Scheiben waren verspiegelt und dunkel getönt. Im Großen und Ganzen betrachtet sah das Auto nicht aus als ob es an einer Schule stehen sollte -ohne ein schlechtes Vorhaben in der Hinterhand zu halten.Die Schulermittler warfen sich einen Blick zu.Kaum eine Sekunde später stieg ein Junge mit hellbraunen Haaren aus. Er trug enge schwarze Jeans mit einem schwarzem Gürtel an dem die grauen Metallnieten umso mehr herausstachen und einem etwas zu großem grünem Kapuzenpulli. Seine Haare wurden größtenteils durch einen grauen Beanie verdeckt. Er schaute sich misstrauisch in beide Richtungen um, bevor er sich um das Auto herumbewegte und vor der Fahrertür stehen blieb.Das Fenster zur Fahrerseite öffnete sich und ein blonder Mann, vielleicht 21 oder 22 Jahre alt schaute den Jungen an. Die beiden Schulermittler waren zu weit weg um zu hören was sie miteinander redeten. Sie konnten nur an Hand der Gesichtsausdrücke erkennen, dass es um etwas Ernstes ging. Schließlich lächelte der Mann im Auto, und drückte dem Jungen etwas in die Hand. Der braunhaarige grinste nun auch und mit ein paar letzten Worten trennten sich ihre Wege und der Junge ging in Richtung Schulgebäude. Der Fahrer des schwarzen BMWs schaute sich noch einmal um, so wie der braunhaarige vor ihm. Als er schließlich nichts auffälliges entdeckte fuhr er mit quietschenden Reifen davon. Die Interaktion hatte nicht länger als fünf Minuten gedauert, warf aber ein Haufen Fragen für die beiden Zuschauer auf.

"Okay...?", fragte sich Thorsten mehr selbst als seine Kollegin. Diese beobachtete das schwarze Auto nur mit einem fragenden Blick.

"Kam dir das auch gerade so vor als ob du eine Drogenübergabe beobachtet hast?“ fragte der Sozialarbeiter mit hochgezogenen Augenbrauen.

"Ich könnte dir nicht mehr zustimmen,“, sie warf einen schnellen Blick auf ihre Uhr am Handgelenk,“ aber wir haben keine Zeit mehr, lass uns nachher darüber reden." Damit eilten die beiden über den kleinen Hof, die Stufen hoch in das Gebäude um den Schuldirektor zu treffen.

Dieser stand schon wartend vor seinem Büro. Als er die beiden erblickte ging er ihnen entgegen. Thorsten und Sarah schüttelten ihm die Hand als Begrüßung.

"Ich bin froh das sie heute hier sein können." fing er an.

"Mein Name ist Prof. Albrecht Jensheim und ich bin der Direktor dieser Anstalt. Bitte folgen sie mir ich werde sie zur 10e begleiten." Ohne den Schulermittlern eine Chance zum Antworten zu geben, eilte er voraus. Den beiden blieb nichts anderes übrig als ihm zu folgen. Er hatte sie noch nicht einmal darauf hingewiesen das sie zu spät waren.

Der Mann hatte schneeweißes Haar und war Mitte 50. Er war nur knapp 1,60 m groß, aber dafür kugelrund. Seine braune Anzugsjacke hatte schon bessere Tage gesehen aber er selbst machte einen soliden Eindruck –und einen ziemlich nervösen, wenn man ihn betrachtete. Immer wieder schaute er sich fast panisch in alle Richtungen um und seine Hand strich immer wieder über seine Uhr die er am linken Handgelenk trug.

Sie gingen zwei Treppen hinauf und bogen in einen Flur ab. Als sie die Tür zum Klassenraum erreichten konnte man schon von draußen lautes reden und lachen hören.

Der Direktor sah etwas gestresst aus was Sarah bemerkte.

"Scheint nicht die liebste Klasse zu sein." stellte sie fest. In ihrer Stimme schwang ein Hauch Sarkasmus mit.

"Ja, da haben sie Recht. Sie ist eins unserer Problemklassen. Bisher hat es kein Lehrer mehr als ein Jahr ausgehalten." Mit einem weißen Taschentuch, das er aus der Jackettasche kramte putze er sich den Schweiß von der Stirn. Er schien sich innerlich auf die bevorstehende Konfrontation vorzubereiten.

Dann öffnete er die Tür. Der Geräuschpegel nahm nur ein wenig ab, was aber nach der Reaktion des Professors normal zu sein schien.

Er ging zum Lehrerpult und mit lauter Stimmer rief er sie zur Ordnung. Thorsten und Sarah blieben an der Tür stehen und verschafften sich einen Überblick über die 25 Teenager, die sie in den nächsten zwei Stunden aufklären sollten.

Nachdem sie alle halbwegs auf ihren Plätzen saßen und leise genug waren um mit dem Unterricht zu beginnen, stellte er die beiden Sozialarbeiter vor.

"Das sind Thorsten Heck und Sarah Lee vom Amt für Gesundheit und Familie. Sie werden euch heute über die Geschlechtskrankheiten, sowie alle anderen übertragbaren Krankheiten durch Körperkontakt aufklären." Lachen füllte den Raum und ein lahmer Witz über Blondinen und Kondome wurde gerissen.

Thorsten und Sarah die bisher nur am Rand gestanden haben, waren nun zum Lehrerpult getreten. Als Sarah die Klasse überblickte sah sie den Jungen der heute Morgen aus dem schwarzen BMW gestiegen war.

Mit einem unauffälligen Seitenblick zu ihrem Partner, stellte sie fest, dass er ihn auch gesehen hatte.

"So, dann beginnen wir mal. Als erstes will ich das jeder ein Namenschild aufstellt."

Gesagt, getan. Die Schüler hatte nach einer Weile endlich begriffen was sie tun musste.

Als Sarah schließlich die Namensschilder überblickte, blieben ihre Augen an dem Jungen kleben -Finn Brecht. Sie machte sich eine mentale Notiz, dass sie nach der Stunde mit ihm reden sollten. Finn bemerkte das starren und schaute fragend die Frau vor ihm an, Sarah wendete ihren Blick schnell in eine andere Richtung und kam sich dabei ziemlich unprofessionell vor.

So begannen sie den Vortrag und nach zwei endlosen Stunden und vielen Unterbrechungen waren sie endlich fertig und die Schüler verließen den Raum. Finn war die ganze Zeit über still gewesen und hatte auch nichts zum Unterricht beigetragen. Dennoch konnte man das Gefühl nicht abschütteln das man bei jedem Schritt beobachtet wurde.

Als Finn an ihnen vorbei lief griff Thorsten seinen Arm um ihn zurückzuhalten.

"Warte mal." Er wollte schon weiterreden als er den schmerzerfüllten Gesichtsausdruck sah. Sofort ließ er den Arm los und die Gesichtszüge von Finn glätteten sich wieder. Fast so als würde eine Maske auf ihren Platz rutschen. Er schaute sie einen Moment abschätzend an. Schlussendlich drehte er sich komplett zu den beiden Erwachsenen um.

"Was ist?" fragte der Junge skeptisch.

"Wir sind Sozialarbeiter, wie du weißt und wir haben heute morgen zufällig beobachtet wie du aus einem schwarzen BMW ausgestiegen bist.“, fuhr Sarah fort, sie trat einen Schritt hinter dem Lehrerpult hervor, sodass sie nun praktisch neben Thorsten stand.Finn verzog noch nicht einmal sein Gesicht: “Und seit wann ist das verboten?“

"Es ist nicht verboten.", warf Sarah ein. „Dennoch würden wir gerne wissen wieso du mit dieser Person geredet hast und was er dir gegeben hat.“ Thorsten war es bewusst, dass er bei dem Thema geradeaus laufen musste. Sich um das Thema herumzureden brachte es nicht. Sonst würden sie nie an antworten herankommen.

"Und was geht sie das verdammt noch mal an? Soweit ich weiß ist das meine Privatleben", erklärte er verärgert und steckte seine Hände in seine Hosentaschen.

"Wir wollen doch nur sichergehen, dass du nicht abrutschst.", versuchte Sarah die Situation zu beruhigen.

Finns Augen verengten sich und er schaute die beiden misstrauisch an.

„In was genau soll ich den hineinrutschten?“, fragte er.

"Ich bin mir ziemlich sicher das der Mann heute Morgen nicht die weißeste Weste hatte. Ich will nur sichergehen das du nicht im Besitz von Drogen bist.", erklärte Thorsten selbstbewusst.Finns Reaktion war nicht wie sie erwartet haben, ein Geständnis oder ein Versuch die Beschuldigung abzuwehren –nein, er lachte.Thorsten und Sarah warfen sich einen besorgten Blick zu.

Finn wurde wieder ernst. „Ich kann ihnen versichern, Detektive, das ich weder jetzt noch jemals im Besitz von Drogen war.“, ein Grinsen huschte über seine Lippen und Thorsten musste zugeben, dass er nicht ganz ungefährlich aussah.

„Da wir das jetzt geklärt haben, kann ich ja gehen.“

Damit schien das Gespräch beendet. Damit drehte sich Finn um und verließ den Klassenraum. Thorsten und Sarah folgten ihm. Der Schulflur war an sich nicht das breiteste Konstrukt und selbst mit wenigen Schülern schien der Flur aus allen Nähten zu platzen. Andere Schüler waren auf dem Weg zu ihren Klassen und es wurde ein wenig eng. Eine Gruppe von Jugendlichen lief an ihnen vorbei, dabei wurde Finn angerempelt und gegen die Wand gedrückt.

Wieder konnte Thorsten für einen kurzen Augenblick den schmerzerfüllten Gesichtsausdruck erkennen der schon erschien als er Finn an den Arm gepackt hatte. Diesmal hatte es Sarah auch gesehen. Sie warf dem Jungen einen besorgten Blick entgegen.

"Alles in Ordnung?" fragte Thorsten unsicher.

"Geht schon." Für einen kurzen Augenblick schloss der Junge seine Augen und atmete tief durch.

Skeptisch schaute er den Finn an.

"Sicher?"

Der Blick, den Finn ihm zuwarf war Antwort genug für ihn.

Danach trennten sich ihre Wege. Finn ging in Richtung Pausenhof zu seinen restlichen Klassenkameraden und die beiden Schulermittler machten sich auf den Weg zu ihrem Auto.

„Ich habe ein ziemlich schlechtes Gefühl bei der Sache. Irgendwas stimmt da nicht. Warum hatte der Junge schmerzen? Und warum hat er so komisch auf unsere Frage reagiert?“, fragte sich Thorsten.Sarah seufzte nur.

„Ich kann dir nur Recht geben. Und ich glaube wir sollten ihn uns mal genauer anschauen.“, fügte sie hinzu.

Sie erreichten ihren Wagen und  waren dabei einzusteigen als sie von einer weiblichen Stimme gerufen wurden. Die beiden Erwachsenen drehten sich um.

"Warten sie!"

Ein Mädchen mit blonden Haaren, an deren Ende sich Pink Farbige Spitzen befanden kam auf sie zu gelaufen. Sie trug zerfetzte schwarze Jeans und ein pinken Gürtel hing um ihre schmalen Hüften. Sie war ein Mädchen das sich mit aller Kraft versuchte von der Gesellschaft abzuheben. Eine Mischung aus Punker und Emo. Soweit sich Sarah erinnern konnte war sie in der gleichen Klasse wie Finn. Ein sehr aufgewecktes Mädchen.

Als sie begann zu sprechen war sie sichtlich aus der Puste.

"Sie sind Schulsozialarbeiter...oder? Vorhin...hab ich gesehen wie ...sie mit Finn...geredet haben." Sie nahm einen kräftigen Atemzug und danach konnte sie wieder normal sprechen.

"Was ich sagen wollte ist, das ich glaube das Finn...Probleme zu Hause hat."

Sarah war verwirrt. "Was meinst du damit?"

"Letztens in Sport, war er überseht mit blauen Flecken und sein linker Arm war bandagiert." Nach einem kurzen zögern fügte sie leise hinzu.

"Er schien die Wunden aber mit Stolz zu tragen..."

"Wie heißt du denn überhaupt?" fragte Sarah mit einem Lächeln.

"Oh, ich heiß Cassandra aber nennt mich bitte Cassie."

Sie dankten dem Mädchen, “Wir werden uns darum kümmern.“, versicherte Thorsten. Das Mädchen verabschiedete sich und die beiden stiegen endlich in das Auto.

Der Sozialarbeiter fuhr gekonnt aus dem Parkplatz hinaus und auf die Hauptstraße zu."Was hältst du davon?" fragte Thorsten.

"Ich denke wir sollten Nachforschungen anstellen.", meinte Sarah entschlossen –ihre vorige Unsicherheit in Bezug auf Finn vergessen. Wenn es wirklich der Fall war, dass der Junge misshandelt wurde, mussten sie einschreiten und helfen.

Damit fuhren sie zurück zu ihrer Zentrale. Die aus nur ein paar gemieteten Räumen in einem Plattenbau bestanden. Gelbe Wände mit hellfarbenen Möbeln. Dort trafen sie auf Kommissar Kern. Der Mann trug seinen typischen grauen Anzug und hielt in seiner linken Hand eine Tasse mit Kaffee. Dieser schien schon den ganzen Morgen in dem kleinen Zimmer zu verbringen denn er sah ziemlich gestresst aus. Als seine beiden Kollegen durch die Tür traten, blickte er nur kurz auf. Ein gemurmeltes Morgen wurde ihnen als Begrüßung entgegengeworfen.

"Stefan, kannst du mal versuchen etwas über einen Finn Brecht in Erfahrung zu bringen?" Er schaute vom Bildschirm seines Computers auf und sah die besorgten Gesichter seiner beiden Kollegen.

Der Kommissar tippte den gesuchten Namen in seinen Computer.

"Finn Brecht, 17 Jahre alt, derzeit lebt er bei seinen Eltern Karl und Magret Brecht, wohnhaft in der Lahnstraße 34 b. Vor zwei Jahren wurde er zwei Mal wegen unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet. Bekam ein paar Sozialstunden dafür. Um was geht es eigentlich?", der Kommissar lehnte sich in seinen Stuhl zurück und nahm einen Schluck aus seiner Tasse.

"Wir haben die Vermutung das Finn missbraucht wird. Ein Mädchen seiner Schule kam heute zu uns und meinte das der Junge mit blauen Flecken übersäht gewesen wäre. Des Weiteren glauben wir das er im Besitz von Drogen ist.", antwortet Sarah. Beide waren mehr oder weniger überrascht das Finn im Polizeisystem auftauchte. Es machte es ihnen aber ungemein einfacher ihn aufzuspüren.

Thorsten und Sarah setzten sich jeweils an ihren Schreibtisch. Sie waren bereits am planen wie sie am besten in dieser Situation weiter vorgehen sollten.

"Kann es auch einen anderen Grund haben warum er diese blauen Flecke hat?" fragte Stefan.

Thorsten blickte kurz auf.

"Das versuchen wir herauszufinden."



Finn POV:

Es war bereits später Abend.

Um ihn herum gab es keine Fenster aber es war schon dunkel gewesen als er hierher kam.

Er ging am Türsteher vorbei, der ihm zunickte und an der Sperre vorbei ließ. Manuel war sein Name und normalerweise standen vor dem Eingang zwei Türsteher, aber Luke schien für den Moment verschwunden zu sein.

Finn trat in die Dunkelheit des Raumes.

Eine Explosion von Geräuschen strömten auf ihn ein, Laute die sich zu Stimmen formten und als Worte wieder gegeben werden. Eine Sprache, um den Sinn zu vermitteln und Gefühlen Ausdruck zu verleihen.Völlig abgetrennt von der Außenwelt, nur den schweren Bass des Liedes im Ohr.Bunte, neongrelle Lichter flackerten auf, strapazierten seine Augen und vermittelten den Eindruck von Unwirklichkeit und den Verlust der Realität. Viele Leute kamen hierher um diesen Rausch zu spüren und ihr Leben für einen Abend zu vergessen.

Finn ignorierte das alles. Sein Leben begann hier und würde auch wahrscheinlich hier enden. Da war er sich ziemlich sicher. Er kam aus der stumpfen Gleichheit seines Alltags heraus und verwirklichte hier seine persönliche Realität.

Langsam bewegte er sich durch die Dunkelheit. Leute drängten sich aneinander, formten Menschenmassen und bewegten sich im Rhythmus des Liedes. Sie stießen aneinander, traten sich manchmal und bemerkten es doch nicht. Gefangen in ihrem eigenen Rausch. Ob Drogen oder Alkohol, das machte keinen Unterschied.

Als er die Tanzfläche hinter sich gelassen hatte kam er zu einer Reihe von kleinen Nischen die mit Bänken und Tischen ausgestattet wurden. Dort saßen die verschiedensten Leute.

Prostituierte, Drogenhändler, Menschen die auf schnelles Geld aus wahren und die, die sich ihren Kummer wegsaufen wollen. Die dachten, dass die Lösung auf alles im Alkohol steckte.

Der Zigarettenrauch in der Luft und die Wärme ließen alles wie im Traum wirken. Im dämmerigen Licht das hier herrschte konnte man nichts erkennen. So blieben ihm wenigstens die Details der meist 'freizügigen' Geschäften erspart.

Als ob mich das interessieren würde, dachte er sich.

Finn kam zu einer Metalltür deren weiße Farbe schon bessere Tage gesehen hatte. Die vielen Aufkleber ließen den 'Nur für Personal' Schriftzug fast verschwinden.

Er griff die Türklinke und die Tür sprang auf. Im Raum dahinter befanden sich Lagerräume und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Genau in diesem Raum stand er jetzt.

Nur drei weitere Personen befanden sich mit ihm in diesem Zimmer.

Sein Freund David. Seine blonden Haare waren leicht zerzaust und sein Anzug war schon an manchen Stellen zerknittert. Er war der Manager des Clubs 'Night Realm'. Dem Club in dem fast wöchentlich Razzias durchgeführt wurden. Der Treffpunkt der kompletten Unterwelt, und er mittendrin.

Und er liebte es. Der Geruch von Illegalem in der Luft und die Versuchung zum Bösen an jeder Ecke.

Die einzigste Frau im Raum war Louise, die Barkeeperin. Sie hatte braune lockige Haare und eine etwas rundliche Figur. Man sah sie nie ohne ihren roten Lippenstift und einer Zigarette in der Hand. Mann konnte schwer ihren französischen Akzent heraushören. Wenn man Informationen suchte war sie die Richtige, sie kannte jedes Gerücht und hatte überall ihre Ohren. Heut trug sie ein dunkelrotes Kleid das bis knapp über die Knie ging. Obwohl sie schon über 30 war konnte sie man leicht mit 25 verwechseln.

Die letzte Person im Raum war ein junger Mann, vielleicht 23 oder 25 Jahre alt. Er war ziemlich groß und hager und hatte kurze schwarze Haare. Eine Narbe zog sich an seinem Kinn entlang und verunstaltete sein Gesicht. Eine Zigarre hing schief aus seinem Mund heraus und kleine Rauchwölkchen stiegen nach oben. Das war Luke.

"Hey." begrüßte Finn sie.

David lächelte ihn an und Louise nickte ihm zu während sie einen tiefen Zug ihrer Zigarette nahm. Von Luke bekam er nur ein grunzen.

Finn ließ sich auf die Couch fallen, direkt neben David. Er steckte seine Hände in die Taschen seines Pullis und schaute die Anwesenden an. Nach einer Weile zog er eine rote Packung heraus. Pall-Mall. Er holte sich eine Zigarette heraus und zündete sie sich an. Finn nahm einen tiefen Zug bevor er sich nach hinten fallen lies und die anderen gelangweilt anstarrte.

Davids azurblaue Augen landeten in dem Moment auf ihm als er sich es bequem gemacht hatte. Zurückgelehnt saß er da und schaute seinen Freund neugierig an. Finn sah das aus seinem Augenwinkel heraus, tat aber auch nichts um das zu ändern. Niemand schien in Stimmung zu sein ein Gespräch zu beginnen Den Stille umgab sie alle wie eine Wand die sie alle voneinander trennte.

So sozial...Menschen konnten manchmal die asozialsten Schweine sein.

Finn kam die Stille beklemmend vor. Und das mochte er nicht.

"Gibt es irgendetwas Neues?" fragte er schließlich. Nur um die Stille zu durchbrechen.

Luke schüttelte nur den Kopf und starrte missmutig vor sich hin. Louise hingegen schien der Gesprächsversuch willkommen zu sein.

"Deine Schicht ist von morgen Abend auf Nachmittags verlegt worden, weil Amy zusätzliche 'ilfe braucht."

Amy war eine der vielen Kellnerinnen die im Club arbeiteten. Normalerweise blieben sie nicht allzu lange in diesem 'Berufsfeld' aber Amy war schon seit fast zwei Monaten dabei. Eigentlich war sein Platz hinter den Tresen aber ihn störte es nicht zu kellnern. Hauptsache seine Bezahlung stimmte.

Finn nickte ihr zu. Das bedeutete morgen für ihn dass er direkt nach der Schule in den Club musste. Zeit für Hausaufgaben waren da keine.

Warum denke ich jetzt über Hausaufgaben nach?, dachte er sich.

Finn schüttelte seinen Kopf.

Komisch.

"Und was ist mit Samstag Nacht?" Finn Stimme nahm einen dunkleren fast schon gefährlichen Ton an.

David fand diese Stimme unglaublich anziehend. Finn benutzte sie nicht oft, was eine noch größere Wirkung bei ihm erzielte.

David veränderte seine Position, sodass sein Körper in Richtung Finn gerichtet war. Dann leckte er sich kurz über die Lippen und schien in Gedanken ganz wo anders zu sein. Finn beobachtete ihn nur aus dem Augenwinkel, den seine Konzentration war auf das gerichtet was die Französin ihm antwortete.

Louise Augen verengten sich einen Augenblick.

"Er findet wie geplant statt. Du gegen BullDog. Und diesmal mach bitte nicht wieder so eine Sauerei."

Bei dem Gedanken an seinen letzen Kampf, der schon fast zwei Wochen her ist spannten sich seine Muskeln an und er fühlte sich leicht.

Das ganze Blut... Manchmal wunderte er sich, ob das normal war. Ein teuflisches Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Letzen Samstag war es ausgefallen weil sein Gegner kurz vorher von irgendeinem Bandenmitglied erschossen wurde, und Finn hatte seid dem ein unglaublich großes Verlangen nach einem guten Kampf. Mit Blut und Schmerzen und dem Sex danach. Es war eine atemberaubende Mixtur die nichts auf der Welt ersetzten könnte. Sein eigener Rausch und seine eigene Realität.

Sein Zungenpiercing schlug ihm gegen die Zähne als er sich auf die Zunge biss um nicht loszulachen. Die anderen dachten sowieso schon, dass er nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.

Luke nahm die Zigarre aus seinem Mund und schaute auf die Uhr die sich an seinem Handgelenk befand.

"Verdammt." fluchte er leise und drückte seine Zigarre aus, dann stand langsam auf. Louise und Finn taten es ihm nach, wobei Finn sitzen blieb. Er hatte heute Abend zu arbeiten. Die Zigarettenpause war vorbei und sie mussten weitermachen. Louise als Barkeeperin und Luke als Türsteher.

Louise lächelte ihm kurz zu und dann verließen beide den Raum. Die Tür viel schwer ins Schloss und man konnte von draußen die wummernden Bässe hören.

Das orangene Licht, der einzigste Glühbirne im Raum ließ alles in weichen Farben erstrahlen.

Finn ließ sich erschöpft zurück sinken. Es war ein anstrengender Tag gewesen und seine Rippen schmerzten immer noch ein wenig von dem Zusammenstoß im Schulflur.

"Weißt du..." begann David als er sich zu Finn beugte und mit seiner rechten Hand Finns Kopf zur Seite drehte. Eine Strähne seiner braunen Mähne fiel ihm ins Auge und David benutze seine andere Hand um sie wieder wegzustreichen. Er beugte sich zu ihm hinüber, nur wenige Zentimeter lagen zwischen ihnen und Finn konnte den Atem von ihm auf seiner Haut spüren.

Davids Daumen fuhr über die weichen Lippen seines Freundes und ihre Blicke verhakten sich. Finn spürte wie die warme Haut seines Freundes sinnlich über seine Lippen rieb. Es hinterließ ein prickeln, das ihm Schauder über den Rücken liefen lies. Hellbraune Augen trafen auf tief blaue. Sie schauten einander an und versuchten die Gedanken des jeweils anderen zu finden. Davids Augen verengten sich für einen Moment und wanderten seinen Körper entlang.

"..warum ich dich Liebe?" flüsterte er, schaute blitzschnell auf und überbrückte den letzen Abstand. Ihre Lippen trafen sich für einen leidenschaftlichen Kuss, denn David kurz danach abbrach. Er ging nur weit genug weg damit er sprechen konnte.

Finn schaute ihn fragend an, doch David grinste ihn nur an.

"Weil du ein ungezähmtes Tier bist, das sich komplett auf seine rauen Instinkte verlässt. Das. Ist unglaublich sexy."

Damit hatte er seine Ansprache beendete, den David schubste ihn zur Seite, sodass Finn nun komplett auf der Couch lag.David selbst befand sich über Finn. Er hatte sich auf beide Arme gestützt damit sein Gewicht nicht völlig auf der Person unter ihm lastete.

Nun schlich sich auch ein Grinsen auf Finns Gesicht.

Diese Nacht, war in diesem Moment richtig, richtig gut geworden.
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