Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Scare me, hurt me but always love me

von luxury
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
26.01.2013
16.08.2014
10
27.282
4
Alle Kapitel
44 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
26.01.2013 3.062
 
Ein Geburtstagsgeschenk für Rave-ShadowHeart!


Wintergeschichten


Gajeel war wirklich kein Fan vom Winter. Milde ausgedrückt. Schniefend vergrub er die Hände in den Taschen seines Wintermantels und machte sich mit angezogenen Schultern auf den Weg zur Gilde. Was war denn auch schon so toll an dieser Jahreszeit? Der Schnee? Er schnaubte abschätzig. Klar, als ob er dieses weiße Zeugs so gerne sah und weil es ja so schön war, dass es einen dauernd auf die Schnauze legte, nur weil der werte Herr Schnee beschlossen hatte eine Eisplatte zu verdecken. Nicht, dass es ihn auf die Schnauze legte. Natürlich nicht, das wäre ja völlig absurd. Einen Eisendrachen warf so ein bisschen Eis doch nicht um. Hastig riss er die Hände aus den Manteltaschen und ruderte mit den Armen um sich abzufangen, als er auf einer Eisplatte ausrutschte. Schnell fing er sich und stampfte dann missmutig weiter. Es hatte ihn nicht umgeworfen. Und das dämliche Kichern konnten sich die Leute auch sparen. Er machte seinem Missmut mit einem tiefen Knurren Platz, doch die Leute grinsten ihn nur schief an, dann gingen sie wieder ihrer Wege. Und diese gute Laune überall kam ihm auch schon wieder zu den Ohren raus! Nur weil jetzt Schnee lag und die Temperaturen tiefer waren, hieß das nicht, dass irgendetwas anders war! Warum freuten sich die Leute dann alle so?

Grummelnd blieb er vor einem Schaufenster stehen und starrte stur hinein. Ein dicker, alter Mann im roten Anzug wank ihm mit einem breiten Grinsen zu. In regelmäßigen Abständen hörte er ein fröhliches „Hohoho“. „Ja, du mich auch“, murmelte er, dann zog er die Schultern weiter an und marschierte weiter. Er verstand Weihnachten einfach nicht. Konnte daran liegen, dass Metalicana als Drache mit diesem Menschenbrauch ziemlich wenig (eigentlich gar nichts) am Hut gehabt hatte. Metalicana hatte Weihnachten damit verbracht auf seiner faulen Haut zu liegen und sich den Sternenhimmel anzusehen. So wie die anderen 364 Tage im Jahr. Nicht, dass er daran je etwas auszusetzen gehabt hätte… nicht mehr als normalerweise wenigstens. Das erste Mal war er mit Weihnachten in Phantom Lord in Berührung gekommen. Diesen Gedanken schob er schaudernd zurück in die Unweiten seiner Erinnerungen und warf ein paar dicke Stahlketten hinterher. Nein, daran wollte er sich nie wieder erinnern. Es sollte genügen zu erwähnen, dass stets eine Menge Alkohol geflossen war, Hemmschwellen gefallen und Brutalitäten gestiegen waren. Er betete zu jedem je existenten Gott, dass er sowas nie wieder erleben musste. Hoffentlich feierte Fairy Tail kein Weihnachten. Doch taten sie natürlich. Aber er hoffte, dass es wenigstens nicht so aus dem Ruder lief wie bei Phantom. Da war er wirklich ein gebranntes Kind.

Seufzend schüttelte er den Kopf und schlug sich dann mit den Schultern durch einen Chor dummer Weihnachtssänger. Spätestens jetzt hätte jemand eine Prügelei mit ihm angezettelt, aber die Sänger wichen ihm bloß aus und sangen weiter, rempelten vielleicht lächelnd zurück, aber nur sanft. Kein Rempeln, ein Stupsen. Er brauchte was Grünes und er brauchte Gewalt. Am besten jetzt sofort. Lachende Kinder rannten an ihm vorbei, bewarfen sich gegenseitig mit Schneebällen und er sah ihnen schweigend hinterher, während sie im Getümmel verschwanden. Die Kinder waren ihm relativ egal, wenn sie sich über den Schnee freuten. Die freuten sich ja über so ziemlich alles. …Er hatte sich auch immer über Schnee gefreut. Besonders als er ihn das erste Mal wahrhaftig gesehen hatte…

Mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen starrte er die seltenen, weißen Flöckchen an, die sanft gen Boden segelten. Langsam stand er auf und schob sich zwischen den körperwarmen Platten von Metalicanas Panzer heraus, sprang zu Boden und ging mit sorgfältigen, leisen Schritten auf den Höhleneingang zu. Leichter Bodennebel begrüßte ihn und er kniff die Augen zusammen, als er von weißer Helligkeit geblendet wurde. Doch sie kam nicht vom Himmel. Er hatte nicht direkt in den Himmel gesehen. Blinzelnd hob er sich einen Arm vor die Augen, sah dann in den strahlendblauen Himmel, die Sonne strahlte bereits ihr sanftes Morgenlicht aus, doch sie stand noch so tief, dass er wusste, dass es noch zu früh war um Metalicana zu wecken. Metalicana mochte es gar nicht geweckt zu werden. Als er sich an das Sonnenlicht gewöhnt hatte, senkte er den Arm und sein Mund klappte auf, als er eine weiße Landschaft erblickte, wo gestern  noch grün, braun, gelb und rot die Landschaft dominiert hatten. Jetzt war alles weiß. Von den Wiesen über die Bäume, sogar der See war ganz weiß. Fasziniert drehte er den Kopf, versuchte so viel der schönen Landschaft in sich aufzunehmen wie möglich.

Klare, kalte Luft füllte seine Lungen, roch n
ach Wasser und Kälte, nach Frische und kitzelte ihn in der Nase. Ein leises Niesen zerriss die Stille und dann grinste er breit, sprang vom Vorsprung, landete in der weißen Pracht und sank prompt bis zur Brust in den kalten Belag. „Brr, kalt!“, wimmerte er, bevor er sich zähneknirschend vorwärtskämpfte, da er nicht mehr nach oben konnte. Das weiße Zeug war kalt, doch es fühlte sich gut an auf seiner Haut, wie Wasser. „Wasser?“, flüsterte er, als er etwas von dem weißen Belag hochhob und mit der Zunge darüber leckte. Das war tatsächlich bloß Wasser. Aber Wasser war blau, vielleicht auch grün oder türkis, es war nicht weiß und es war auch nicht so fest und doch weich. Es war… wie Wasser eben war. Nass und heimtückisch und gemein und so gar nicht sein Freund und außerdem war es immer so kalt und er mochte es gar nicht wenn Metalicana ihn zum Baden zwang. Nein, er mochte Wasser gar nicht. Ein metallisches Klicken, dann schlossen sich messerscharfe Zähne um ihn, hoben ihn hoch ohne ihn zu verletzen und setzten ihn auf kaltem, kahlem Fels wieder ab.

„Was ist das, Metalicana? Ist das Wasser? Es fühlt sich nicht an wie Wasser. Wo kommt es her? Warum ist es da? Wo sind die Bäume hin und wann kommen sie wieder? Ist das Zeug immer so kalt?“, der Schwall an Fragen brach aus ihm heraus, bevor er ihn aufhalten konnte und er biss sich schließlich auf die Lippen, blinzelte fragend zu dem riesigen Eisendrachen hoch, der ihn bei sich aufgenommen hatte. „Das ist Schnee, gefrorenes Wasser“, knapp, kalt, pragmatisch. Das war Metalicana. Ein
Erklärungswort mehr und er biss sich die Zunge ab. „Schnee?“, er blinzelte fragend, „Wo kommt es her?“ „Aus den Wolken, wie Regen.“ „Warum?“ „Darum.“ Und das war sein Stichwort still zu sein. Metalicana mochte Fragen auch nicht sonderlich gerne. Was er nicht verstand, weil Metalicana wirklich alles wusste. Alles. …Aber vielleicht wusste er das ja nicht. „Weißt du es nicht?“, fragte er deshalb nach und blinzelte mit kindlicher Unschuld zu dem tödlichen Wesen hoch, das sein Lehrer werden würde. „Natürlich, weiß ich es, Floh!“, schnappte Metalicana, die Stimme ein bedrohlich tiefes Rumpeln. Metalicana mochte es auch nicht, wenn man ihm vorwarf etwas nicht zu wissen oder zu können. Nein, nein, das vertrug er gar nicht.

„Warum also?“, fragte er nach. Er hatte keine Angst vor Metalicana, das Metall war sicher nicht böse. Er hörte es flüstern bei Nacht. Leise Geschichten erzählte es ihm
, auch wenn Metalicana schlief, über lange vergangene Zeiten und längst verblichene Königreiche, über Flüge, über Läufe, über alles was Metalicana erlebt hatte. Über Schlachten, über Frieden, über die schönen Zeiten, über die schlechten. Ganz grausige Geschichten erzählte es ihm manchmal, dann hielt er sich die Ohren zu und summte vor sich hin. Aber das Metall musste weiter reden, denn wenn es nicht sprach, dann verging der Zauber, hatte es gesagt. Und wenn das Metall aufhörte zu reden, dann starb Metalicana. Das wollte er nicht, also hörte er zu. Und das Metall freute sich darüber.

„Wenn die Temperaturen niedrig sind, friert das Wasser in den Wolken und anstatt Regen gibt es dann Schneefall. Es war in letzter Zeit sehr kalt, also hatte der Boden Zeit zu frieren und nun bleibt der Schnee darauf liegen. Sobald es wä
rmer wird, wird der Schnee schmelzen und wieder vergehen, dann kommen die Bäume wieder und werden bald wieder grün sein. Der Frühling kommt nach jedem Winter“, sagte Metalicana dann und verschränkte seine riesigen Pranken, um den Kopf darauf abzulegen. „Aber wenn so viel Schnee schmilzt, dann flutet das Wasser doch unsere Höhle!“, rief er erschrocken, als er sich die Unmengen an weißem Belag besah, der die Landschaft säumte. Ein tiefes Rumpeln und die Erde unter ihm bebte, während Metalicana vor sich hin kicherte. „Es schmilzt ja nicht alles auf einmal. Ganz langsam schmilzt der Schnee nur und der Boden nimmt das Wasser dankbar auf.“, sagte er dann und er nickte bloß. Er hatte es nicht verstanden, aber wenn Metalicana sagte, es war nicht gefährlich, dann war es so. Minutenlange Stille, dann kam ihm ein schrecklicher Gedanke und er starrte mit unverhohlener Panik zu Metalicana hoch, „Muss ich darin baden?“ Gelächter erschütterte die Erde und den Schnee von den Bäumen.


Von einem Schneeball am Hinterkopf getroffen fand er zurück in die Gegenwart und sah sich grummelnd nach dem Übeltäter um, bevor er die Kinder Kinder sein ließ und sich wieder auf den Weg machte. Den Blick in den Himmel gerichtet zu lassen war vielleicht keine besonders gute Idee, wenn unter seinen Stiefel der Schnee protestierend knirschte und er jederzeit wieder auf so eine heimtückische Eisplatte treten konnte. Doch er konnte sich nicht helfen. Er musste einfach in den dunklen Winterhimmel starren und versuchen es zu sehen. Was? Die Lichter. Die vielen bunten Lichter, die er damals immer gesehen hatte, wenn es Nacht geworden war, die vielen Farben, die sanften Bögen von sich windenden Schweifen. Fast konnte er wieder Metalicanas Stimme hören, die sich leise in die Nacht erhob, getragen von fantastischen Bildern erzählter Geschichten. Die Stimmen seines Metalls flüsterten im Hintergrund, stimmten zu und erzählten ihm feine Kommentare, die Sachen, die Metalicana nicht erwähnenswert fand. Erzählten ihm wie sich der Wind unter den Flügeln anfühlte, wie der Schnee unter den Pranken knirschte, wie die Blätter rauschten, wenn das glatte Metall sie streifte. Metall hatte immer viel zu erzählen, besonders wenn es so alt war wie Metalicanas.

Metalicana hatte viel gesehen. Auch die schönen Lichter am Firmament, die ihn damals noch mehr fasziniert hatten, als der Schnee. Und er hatte Geschichten gekannt, die viele Menschen aus den Socken geworfen hätten. Metalicana hatte sie alle gekannt. Brutale Geschichten, wahre Geschichten, erfundene, zauberhafte und gespenstische. Und er hatte sie ihm erzählt. Eine nach der anderen. Diese Geschichten hatte er geliebt. Besonders die Geschichte des Winters selbst hatte er geliebt. Und Metalicana hatte sie ihm erzählt. Immer und immer wieder, bis er sie schließlich auswendig konnte. Er wusste sie heute noch, konnte sich noch an jedes Detail erinnern, an Metalicanas leise Stimme, das raue Flüstern des Metalls, die imaginären Klageschreie, die gedachten klirrenden Waffen, der rauschende Wind in den Flügeln. Metalicana hatte Geschichten erzählt, die ihn fasziniert hatten, erschrocken, zum Lachen gebracht, beinahe sogar zum Weinen oder so heimtückisch in den Schlaf gelullt. …Und dann war Metalicana weg gewesen, die Stimmen verstummt, das Bild zerstört und seine Fantasie verschwunden. Er war von den leichten, fantastischen Schwingen eines Drachen auf den kalten, harten Boden gefallen. Und mit ihm seine Faszination für den Winter.

Grummelnd betrat er die warme Halle der Gilde und warf dann seufzend seinen Mantel auf eine Bank, ließ sich missmutig neben Levy nieder, die ihr Gesicht wie immer in einem Buch vergraben hatte. „Wusstest du…“, fing sie an, noch bevor er sich überhaupt hatte richtig setzen können, „dass der Weihnachtsmann eigentlich einen grünen Anzug getragen hat?“ „Ja“, grummelte er als Antwort. Natürlich, Metalicana hatte es ihm erzählt, alte Geschichten aus einer Zeit lange bevor er überhaupt geplant gewesen war. …Wenn er das überhaupt jemals gewesen war. Weihnachtsgeschichten kannte er zu genüge obwohl Metalicana ihm nie näher erklärt hatte, was Weihnachten eigentlich war und welchen Sinn es hatte. Er hatte bloß die Geschichten erzählt. „Und hast du gewusst…“, „Vermutlich“, unterbrach er sie, bevor sie ihren Atem an ihm verbrauchen konnte. Wenn es Fakten aus Geschichten waren, dann kannte er sie alle. Mit beleidigt aufgeplusterten Backen starrte sie ihn über den Rand ihres Buches hinweg an und er sah unbeeindruckt zurück, dann zuckten seine Mundwinkel jedoch zu einem breiten Grinsen nach oben. Sie sah einfach witzig aus, wenn sie das tat. „Wenn du so viel weißt, oh werter Guru, dann erklär mir doch mal woher die Polarlichter kommen“, forderte sie dann und ein spöttisches Lachen trat in ihre Augen als er das Gesicht abwandte. Sie meinte bestimmt die wissenschaftliche Erklärung. …Die, von der er keine Ahnung hatte. Aber er wusste etwas anderes.

„Vor über 400 Jahren“, begann er dann, „waren Leute der Meinung, diese Lichter seien Zeichen der Götter, Zeichen für Friede und Schutz. Sie sollten die bösen Geister vertreiben, hielten die bösen Wölfe fern und erhellten verlorenen Seelen den Weg. Das Böse kam nicht in diesen Nächten, konnte nicht.“ Sie unterbrach ihn nicht und er atmete tief durch, schloss die Augen und hörte Metalicanas Stimme in seinen Erinnerungen, hörte das Flüstern der richtigen Worte, „Doch eines Nachts erstarben die Lichter…“ Der ruhigen Stimme seines Drachen folgend erzählte er ihr von einem tapferen Jungen, von waghalsigen Abenteuern, von magischen Wesen und dem alten Geheimnis, dass Geister die Drachen riefen und die großen, mächtigen Bestien die Magie auf ihren Schwingen über das Land trugen. „Und mit der Magie…“, beendete er die uralte Geschichte der Polarlichter, öffnete die Augenlider und sah Levy in die vor Faszination glitzernden Augen, „…kamen die Lichter zurück. Schützend schweben sie über den Nordlanden und solange die Magie nicht vergeht, werden auch die Geister nicht vergehen und schützend über den Landen aus ewigem Eis tanzen.“

Eine Weile war es still, während Levy ihn bloß aus großen, braunen, glitzernden Augen ansah, die Lippen zu einem sanften Lächeln gewölbt und vor Staunen leicht gespalten. „Wow…“, flüsterte sie dann und strich sich eine Strähne hinters Ohr, wandte den Blick ab und schielte dann mit roten Wangen doch wieder zu ihm hoch, „Ich wusste gar nicht, dass du so tolle Geschichten kennst.“ Er zuckte die Schultern und wandte sich ab. Natürlich wusste sie es nicht, er hatte es ihr immerhin nicht erzählt. „Kennst du noch mehr solcher Geschichten?“, fragte sie schließlich leise und rückte so nahe an ihn ran, dass er ihre Wärme durch seine Kleidung spüren konnte. „Ja, einige“, flüsterte er zurück und ein breites Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, ein bettelnder Blick in ihre Augen und er verlor sich darin. „Erzählst du sie mir?“ Natürlich, würde er. Wenn sie ihn darum bat, würde er den Rest seines Lebens damit verbringen ihr Geschichten zu erzählen, morgens, mittags, abends, wann immer sie wollte, solange sie nur für ihn lächelte. Himmel, er würde für sie sogar von einer Klippe springen. „Im Gegenzug…“, murmelte er und grinste breit, als sie schon nickte, bevor er überhaupt seine Bedingung genannt hatte, „liest du mir vor.“ Ein Stocken in ihrem enthusiastischen Nicken, ein Moment der offenen Fassungslosigkeit, dann stieß sie ein heiseres Lachen aus und nickte noch heftiger. Also erzählte er ihr die Geschichte des Winters, erzählte ihr wie Weihnachten wurde, erzählte ihr von Drachen und von Bräuchen, von Flügen und von Läufen, erinnerte sich in Geschichten daran, warum er den Winter so liebte. Und dann nach Jahren, als sie nachts in seinen Armen lag, erzählte er ihr von Metalicana, während die Schneeflocken leise auf die Erde fielen.





Mistelzweige


Mistelzweige waren ein sehr heimtückischer Brauch, fand Levy jedenfalls. Seufzend wich sie erneut einem dieser grünen Zweige aus und umging damit erneut mit einem der „zufällig“ darunter lungernden Männer zu einem Kuss gezwungen zu werden. Wenn sie jemanden küsste, dann wollte sie das aus freien Stücken tun  und nicht weil irgendein Grünzeug sie wegen Miras Liebeswahn dazu zwang. Sie wollte niemanden küssen. Ein flüchtiger Blick in die Richtung, aus der sie laute Rufe hören konnte, strafte sie Lügen. Es gab eine einzige Person, die sie küssen wollen würde. Traurig lächelnd wandte sie den Blick von ihm ab und setzte ihren Weg durch die Gilde fort. Dieser Traum rückte mit jeder Sekunde in weitere Ferne. Kampfgeräusche, ein Schreien, ein Ruf nach ihr und sie wandte den Kopf, gerade noch um einen großen Körper auf sich zukommen zu sehen. Erschrocken schrie sie auf und stolperte rückwärts, dann wurde der große Körper, Elfman augenscheinlich, von einer Eisenstange im Rücken getroffen und in die entgegengesetzte Richtung geschleudert. Warme Hände packten sie an den Hüften, bevor sie umfallen konnte und zogen sie zurück auf ihre Beine. Und in diesem Moment fuhr die Runenwand um sie hoch und schloss sie unter einem Mistelzweig ein. Ein überrumpeltes „Hm?“, von Gajeel, dann herrschte Totenstille in der Gilde, bevor ein kleiner Gesangschor angeführt von Lucy in fröhliches „Küssen, küssen, küssen!“ ausbrach. Knallrot stemmte sie ihre Hände gegen seine Brust, wandte unbehaglich den Blick ab und starrte dafür Lucy böse an. „Hey, Zwerg…“, sie wandte den Kopf, um ihn anzusehen, ihm vielleicht sogar zu sagen, dass sie - verdammt noch mal und zum letzten Mal jetzt - nicht klein war, doch sofort legten sich raue Lippen an ihre. Gajeel. Und mit dieser Erkenntnis schaltete sich ihr Kopf aus.

Seufzend strich sie erneut über ihre Lippen. Wie schon zum tausendsten Mal nachdem sie die rauen Lippen dieses Eisenmagiers gespürt hatte. Es war weniger Folter gewesen nicht zu wissen, was sie verpasste. Doch nun… Mit einem Seufzen zog sie die Hand zurück, ballte sie zur Faust und sah sich dann in der Gilde um. Gajeel musste ja sonst was von ihr denken, so wie sie sich an ihn gekrallt hatte, bloß wegen eines kleinen Kusses. Wo war er? Gajeel konnte doch noch nicht gegangen sein… Große, raue Hände packten ihre Wangen von hinten, drehten ihren Kopf, sodass sie ihn in den Nacken legte und zur Decke starrte. Bevor sie Gajeels Gesicht über sich richtig registriert hatte, lagen seine Lippen bereits auf ihren, rau, fordernd, männlich. Dieses Mal war es ein höchst zufriedenes Seufzen, das ihre Lippen verließ, während sie die Hände hob und sie ihm in die Schultern krallte, sich streckte um seinen Lippen näher zu kommen. Viel zu bald schon löste er sich von ihr und sie stieß einen leisen Protestlaut aus, bevor sie überhaupt wusste, was sie tat. Er hob seinen Kopf und sie starrte ihn an, blinzelte, blinzelte dann noch einmal und fand nach einem Blick an die Decke ihre Sprache wieder, „Da ist gar kein Mistelzweig…“ „Ich weiß.“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast