In einer sternenklaren Nacht…

von - Leela -
KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P6
Futura
25.01.2013
25.01.2013
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Futura saß auf den Stufen, die zur Forschungsstation hochführten und sah, in ihre eigenen Gedanken versunken, in den sternenklaren Himmel.
      Nach einer Weile kam Morrow zu ihr nach draußen und blieb auf dem Plateau vor dem Eingangsbereich der Station stehen. Einen Augenblick musterte er seine Schwester. Sie war gedanklich so weit weg, sie nahm ihn nicht einmal wahr. Er ging zu ihr herüber und setzte sich zu ihr. „Na, Schwesterchen, an wen denkst du?“ fragte er direkt.
      Futura wandte den Blick nicht vom Sternenhimmel ab, doch sie seufzte, und irgendwie deutete das an, daß sie ihn durchaus registriert hatte.
      Er musterte sie forschend von der Seite. „Okay, wenn du es mir nicht sagen willst, kann ich schätzen!“ bot er an.
      „Es ist nicht schwer zu erraten, nicht wahr?“ fragte sie leise.
      „Nicht, wenn man dich ein bißchen kennt. – Du denkst an Jake, richtig?“
      Futura antwortete nicht sofort. Dann senkte sie den Blick zu Boden und meinte resigniert: „Ach, es nützt ja doch nichts.“
      „Wie meinst du das?“ fragte Morrow erstaunt.
      Futura schlang die Arme um die angezogenen Beine. „Ich werde doch nie eine Chance haben, mehr daraus zu machen als eine gute Freundschaft!“
      Morrow maß sie mit einem nachdenklichen Blick. „Weiß er denn, was du für ihn fühlst?“
      Wieder herrschte ein kurzer Moment Stille, bis sie sagte: „Naja, ich… hab’ schon einige Male versucht, es ihm zu signalisieren.“
      „Du hast es ihm aber nie gesagt!“ stellte Morrow fest.
      Futura machte eine resignierte Geste. „Ich glaube auch nicht, daß mir das etwas nützen würde!“ Ihre Stimme war so tonlos, daß sie praktisch lediglich die Tränen ersetzte, die sie nicht weinte.
      Morrow war einen Augenblick sprachlos. Wenn er eines von seiner Schwester nicht kannte, dann, daß sie vor irgend etwas den Mut verlor. Er beschloß, nun etwas deutlicher zu werden, auch wenn es nur eine kleine Hilfestellung sein konnte, und sagte bedeutungsvoll: „Schwesterchen, Jake hat dich mehr als nur ein bißchen gern! Das sieht man ihm an!“
      Futura seufzte erneut. „Das mag ja auch sein, aber Jake ist jemand… Er könnte jede haben!“ Die Verzweiflung, die ihre Stimme begleitet hatte, versiegte nicht, als sie leiser fortsetzte: „Warum sollte er dann gerade mit mir zusammen sein wollen?“
      Morrow kniete sich vor sie, faßte sie sanft bei den Armen und sah ihr in die Augen. „Weil du absolut phantastisch bist, Schwesterchen!“
      Futura erwiderte seinen Blick ein wenig überrascht – nicht wegen seinen Worten, sie wußte, wie Morrow über sie dachte. Nicht umsonst verstanden sich die Geschwister blendend, und halfen sich, wo immer sie konnten. Nein, es war mehr diese kompromißlose Reaktion, mit der er ihr eine deutliche Botschaft übermitteln wollte. Sie ließ sich sogar zu einem kleinen Lächeln hinreißen, auch wenn es ein bißchen gequält wirkte.
      „Sag’ es ihm!“ beschwor er sie mit leiser Stimme. „Du kannst nur gewinnen! Und wenn es wirklich schiefgeht… Du weißt, wo du mich findest!“
      Futura starrte einen Moment an ihm vorbei in die Leere. Doch ein kleines, dankbares Lächeln konnte sie nicht zurückhalten.
      Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln zurück. Dann setzte er sich wieder neben sie und nahm sie in die Arme.
      Wie sehr sie diese fürsorgliche Geste gerade brauchte, bewies ihm die Art, in der sie sich nahezu schutzsuchend gegen ihn lehnte. Sie schloß die Augen, sagte kein Wort, aber er spürte, wie dankbar sie darum war, daß er gerade für sie da war.
      Auch er sagte kein Wort. Er hielt sie nur beruhigend in den Armen und hoffte, ihr würde dieser Augenblick genug Kraft geben, zu dem Mut zurückzufinden, den er von ihr kannte, auch wenn diese Aufgabe wohl die schwerste war, vor der sie je gestanden hatte. All das, was er eigentlich heute vorgehabt hatte, schob er vorerst gedanklich beiseite. Seine wissenschaftliche Arbeit konnte warten. Seine Schwester war im Augenblick wichtiger.
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