A Hunters Quest - Luca's Story

von Maleficus
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
24.01.2013
22.02.2020
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24.01.2013 1.938
 
Es war ein befreiendes Gefühl endlich weit weg zu gehen und auf der Suche nach einer passenden Gildengemeinde für mich zu sein. Doch zugleich fühlte ich mich ein wenig unwohl, so ganz allein. Ich wusste noch nicht genau, wo ich schlafen sollte. Ich wusste ja nicht einmal, wohin ich unterwegs war. Ich bin einfach willkürlich in eine der vier Himmelsrichtungen marschiert.

Ich konnte nur hoffen, vor Einbruch der Dämmerung ein Dorf oder eine Stadt zu erreichen. Ich hoffte auch inständig auf keine Wyvern zu stoßen. Die einzigen Raubtiere, die ich besiegen konnte, waren Velocipreys, etwa zwei Meter große, aufrecht gehende Reptilien mit scharfen Zähnen und einer großen Klaue an den Füßen zum Ausweiden ihrer Beute.
Vielleicht hatte ich ja Glück und stieß noch heute auf eine  Gildengemeinde.

Es war schon nach Mittag und ich war immer noch in diesem blöden Wald, den ich vor einigen Stunden betreten hatte. Das einzige, was ich sah, waren Bäume, Büsche, Bäume, Büsche. Überall. Ich befürchtete schon, mich verlaufen zu haben.

Plötzlich wurde ich durch ein beunruhigendes Rascheln aus meinen Gedanken gerissen. Das Geräusch kam aus dem Gebüsch mir gegenüber. Leise und gefasst auf alles zog ich mein Großschwert. Angespannt erwartete ich die mögliche Gefahr, die sich hinter dem Rascheln verbarg. Ich konnte etwas sehen. Es, was immer es auch war, würde sich gleich zeigen.

Ich hob mein Schwert, holte aus und......
Ich hielt inne. Mit einem Mal legte sich die Spannung, als ich sah, weswegen ich so nervös wurde. Es war eine kleines, mit Moos bedecktes Schweinchen, ein Mosswine.
Ein einfacher hieb und das Tier war zweigeteilt. Ich schnitt alle brauchbaren Teile heraus und verstaute sie in meiner Tasche.

     Okay, jetzt wurde mir doch ein wenig mulmig zumute. Es begann schon zu dämmern. Zum Glück erreichte ich gerade eine Lichtung und sah ein kleines Dorf. Na endlich. Hoffentlich hatten die dort einen Schlafplatz und was zu essen für mich.
Als ich in dem kleinen Ort ankam, fand ich niemanden vor. Also ging ich in die Gaststätte, deren Schild an rostigen Ketten über der Tür hing. Dort wollte ich mich nach einem Schlafplatz umhören.

Als ich hineintrat traf ich auf einen Mann, der hinter seiner Theke zu schlafen schien. Unscheniert tippte ich ihn vorsichtig an. Prompt erwachte er aus seinem Schlummer. Verwirrt und zugleich erbost starrte er mich an.
„Was willst du?“, knurrte er.
„Ich suche einen Schlafplatz für heute Nacht und nach Möglichkeit etwas zu Essen.“

„Einen Schlafplatz kann ich dir geben, das kostet allerdings.“
Immerhin konnte ich mich hier ausruhen. Das hieß, sofern ich hungrig überhaupt schlafen konnte. Ich nickte und bezahlte widerwillig den, meiner Meinung nach, viel zu hohen Betrag.

     Zu meinem Ärgernis erwachte ich viel zu früh. Also zog ich mich an, nahm mein Großschwert und wankte müde nach unten in Richtung Gastraum, wo der ungemütliche Wirt schon auf mich zu warten schien.
„Gibt es hier eine Gildengemeinde?“, wollte ich wissen.

Der Mann brummte: „Hier nicht, aber ein paar Tage westlich liegt ein Dorf mit einer. Geh dorthin.“
„Mh“, machte ich. „Kann man hier im Ort  auch Quests annehmen?“ Dank diesem Halsabschneider war ich so gut wie pleite und brauchte dringend ein wenig Geld. Er zeigte zur Tür. „Geh raus und dann nach rechts.“

Ich weigerte mich „auf wiedersehen“ zu sagen, drehte mich daher einfach um und ging hinaus. Ich war überrascht darüber, wie viel in dem kleinen Ort auf einmal los war. Überall waren Menschen. Ich fragte mich, wo die alle plötzlich herkamen. Dann entdeckte ich zu meiner Rechten, ein paar Meter weiter eine kleine ältere Frau, die einen Jäger nach dem anderen in verschiedene Richtungen schickte.

Gähnend stellte ich mich in die schrumpfende Schlange. Schon nach wenigen Minuten war ich an der Reihe.
„Jägerrang?“
„Wie bitte?“, verwirrt sah ich sie an.
„Welchen Rang hast du? Eins?“
„Äh, ich hab gar keinen Rang.“
„Aber du warst in der Jägerschule?“ Sie hob eine Braue.

„Nö, auch nicht“. Konnte die mir nicht einfach irgendeine leichte Quest geben?
Sie schnaubte verärgert. „Schon einen Velocidrome erjagt?“
Erschrocken starrte ich sie an. „Nein“, sagte ich kleinlaut.
Wieder schnaubte sie. „Dort lang. Lauf, bis du an einen See kommst. Wenn du dich verläufst kann ich nichts für dich machen.“ Sie zeigte in eine Richtung und fuchtelte dabei mit der Hand rum.
Ich schluckte. „Alles klar.“

     Ein wenig besorgt um mein Überleben machte ich mich auf den Weg in die mir gezeigte Richtung. Noch nie hatte ich den Boss der Velocipreys aufgesucht, geschweige denn getötet.
Nach einer Weile erreichte ich tatsächlich den See, von dem die Alte gepredigt hatte. Mit einem Unwohlsein in der Magengegend schlich ich von einem Gebüsch zum Nächsten. Ich wollte das Mistvieh auf jeden Fall aus dem Hinterhalt angreifen.

Ich befürchtete nämlich, dass mir gar nichts anderes übrig blieb. Anders hätte ich wahrscheinlich eh keine Chance.
Angespannt blickte ich umher. Die Hand stets am Griff meines geliebten Schwertes. Jetzt wurde ich doch allmählich nervös. Wo war das Raubtier? Hier waren ja noch nicht einmal die kleineren Velos. Gehetzt kroch ich weiter und blickte umher – bis.

Oh shit. Ich starrte angsterfüllt in zwei große gelbe Augen, die gierig zurückblickten.
Instinktiv rollte ich mich zurück und zog meine Waffe. Wo kam der auf einmal her?!
Schnell drehte ich mich. Ich stürmte los, die Klinge erhoben.

     Ha! Ein Treffer. Gleich darauf noch einer. Ich setzte zum nächsten Schlag an. Doch mein Gegner machte plötzlich einen Riesensatz nach hinten und meine ganze Schlagkraft traf auf den harten Boden. Mit großem Kraftaufwand hob ich das Schwert und wollte losstürmen.

Leider zu spät. Mit den Klauen voran war er auf mich gesprungen, hat mich umgehauen und war sofort wieder zurückgesprungen. Mühsam raffte ich mich auf und zuckte zusammen. Ich fasste auf meinen Bauch. An meinen Händen klebte Blut. Mist. Jetzt musste ich auch noch blutend weiterkämpfen.
Bereit zum Angriff stellte ich mich mit festem Stand gegenüber dem Monster.

Es setzte zum Sprung an. Ich holte aus und musste gleich darauf meine Aktion abbrechen. Ich spürte wie das Blut aus der Wunde floss. Schnell versuchte ich mein Schwert als Schutz vor mich zu hieven. Gefasst auf den Zusammenprall kniff ich die Augen zusammen. Doch der erwartete Zusammenstoß blieb aus. Ich hörte nur ein Zischen und ein dumpfes Geräusch. Irritiert öffnete ich die Augen wieder und senkte meinen Schutz.

Nun war ich echt perplex. Der Velocidrome lag leblos vor meinen Füßen. In seinem Körper steckten zwei Pfeile. Ich verfolgte den Einschlagwinkel in den die Pfeile ragten und sah einen Jäger, der noch mit gespanntem Bogen auf einer Anhöhe stand.
„Du hast mir das Leben gerettet, vielen Dank.“

Der Fremde senkte seine Waffe und steckte sie auf seinem Rücken fest. Mit einem Satz war er unten und kam in meine Richtung. Behutsam richtete ich mich auf. Puh, das schmerzte.
Ich blickte auf und sank sofort wieder auf den Boden. So ein Schreck. Mein Lebensretter war eine Frau!
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie mich an. „Was ist? Hat er dich so sehr erwischt, dass du nicht mehr laufen kannst?“

Mir hatte es die Sprache  verschlagen.
„Also ich würde sagen, bevor hier noch ein Drome auftaucht und dir an die Gurgel will, verschwinden wir hier besser. Mein Lager ist hier ganz in der Nähe.“ Sie strich sich die langen gewellten violetten Haare aus dem Gesicht und wandte ihre ebenfalls violetten Augen von mir ab.
So was, nicht nur, dass sie eine Frau war, nein, sie war auch noch frech!
Ich sah sie misstrauisch an. Sie war etwas kleiner als ich. Sie schaute nur entnervt zurück. „Na komm schon.

Deine Wunden kann ich auch gleich mitversorgen.“ Verärgert musste ich zugeben, dass sie recht hatte. Es war wirklich klüger von hier zu verschwinden, als hier zu bleiben und womöglich noch als Wyvern – Futter zu enden. „Na schön. Aber erwarte nicht, dass ich dir danken werde.“

Sie verdrehte die Augen und reichte mir ihre Rechte um mir beim Aufstehen zu helfen. Kurz stierte ich die Hand an und stand dann ohne ihre Hilfe auf.
„Packst du das schwere Ding alleine, oder soll ich dir was abnehmen?“. Ich meinte sie sarkastisch lächeln gesehen zu haben.

     Immer den Blick in alle Richtungen schweifend schritt sie voran. Hielt sie jetzt extra Ausschau nach meinen potentiellen Verspeisern, nur um mir dann ein weiteres Mal aus der Patsche zu helfen?

Nach einer Weile roch es nach Rauch und ich hörte ein Feuer knistern.
„Sind wir da?“, fragte ich. Sie nickte nur kurz. Etwas huschte in unsere Richtung. Vor Schreck zuckte ich zusammen. „Meine Güte, du bist aber schreckhaft. Du zuckst ja schon wegen einer kleinen Felyne zusammen. Ein Wunder, dass du überhaupt den Mut hattest dich dem Drome zu stellen.“

Das war wirklich peinlich. Eine Felyne war nun wirklich nichts, wovor man sich fürchten musste. Die Bogenschützin kniete sich zu dem Tierchen hinunter und streichelte ihm den Kopf. Ich kannte Felyne. Kleine katzenartige Wesen, die auf zwei Beinen liefen. Wir hatten drei Stück in unserer Küche, die unser Essen zu bereiteten und zwei halfen meinem Vater bei seiner Arbeit.
„Ich bin nicht deswegen zusammengezuckt. Meine Wunde tat nur weh. Du solltest sie endlich mal versorgen, damit ich weiter kann.“.

Sie sollte nicht glauben, ich wäre ein Angstjäger oder so was. Besorgt schaute sie zu mir rüber. Sie seufzte. „Dann komm mal her, ich muss mir das schon genauer ansehen.“ Um das Feuer herum ging sie zu etwas, das wohl eine Schlafstelle darstellen sollte. Zuerst legte ich meine Waffe ab, danach folgte ich ihr und lag mich auf die Stelle, auf die sie deutete. Die Felyne rauschte kurz zu einer großen Tasche, kramte darin herum und kam mit vollgepackten Armen zu uns geeilt.

„Sag mal, Schwertkämpfer, wie heißt du eigentlich?“ Sie ließ den Blick nicht von der Wunde ab. Ich war unentschlossen, ob ich ihr meinen Namen nennen sollte.
„Luca.“, antwortete ich schließlich doch.
„Aha. Luca also. Ich bin Amilia und das ist Shelly.“ Wieder streichelte sie das Katzenwesen. Amilia nahm ein kleines Fläschchen in die Hand. „Das wird jetzt ein wenig brennen.“

„Ngh!“ Sie träufelte eine komisch aussehende Flüssigkeit über meinen Bauch, die sehr, sehr brannte und nicht nur „ein wenig“!
„Ein wenig brennen ist gut! Das fühlt sich an, als hättest du da drin ein Feuer gelegt!“
„Das ist zum desinfizieren. Ich muss nur noch alles zunähen, dann bin ich fertig.“

     Nach geschätzten fünfzehn Minuten und zwanzig Stichen später war ich befreit. Nun wollte ich nur noch weg von dieser Sadochistin. Hurtig warf ich mir meinen Panzer über und wollte nach meinem Schwert greifen, da hörte ich ein lautes Knurren und hielt inne. Vor lauter Schmerz und Misstrauen hatte ich nicht bemerkt, wie hungrig ich war.

„Hättest du vielleicht auch etwas zu Essen für mich?“, fragte ich peinlich berührt an Amilia gewandt, die kichernd die Hand vor den Mund hielt. Offenbar empört über meine Frage hörte sie auf der Stelle mit dem Gekicher auf. „Also wirklich! Ich rette dir die Haut, versorge großzügiger Weise zusätzlich deine Wunde, du denkst nicht mal daran, dich auf irgendeine Weise zu bedanken und ich soll dir jetzt auch noch was von meinem Essen geben?!“

Ja, ich glaube sie war empört über meine Bitte. Ich senkte den Blick und zog einen Schmollmund.
„Hach, also gut. Ich habe sowieso zu viel übrig. Von mir aus kannst du auch gleich bis morgen früh hier bleiben, wenn du willst.“
Erfreut über das tolle Angebot hob ich den Kopf. „Danke. Ich werde mich für deine Mühen angemessen erkenntlich zeigen.“

So nach dem Motto „Das möchte ich auch schwer hoffen“ sah sie mich an und nickte.
     Das Essen war sehr gut, zwar nicht ganz so gut wie das Essen zu Hause, aber gut. Nachdem ich mich überfressen hatte, schlief ich an der Stelle, an der ich saß ein.
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