Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Krabat - Das 4. bis 6. Jahr

von Gringo-hh
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Het
Juro Kantorka Krabat Lyschko OC (Own Character) Punphutt
21.01.2013
13.06.2020
119
277.757
25
Alle Kapitel
518 Reviews
Dieses Kapitel
17 Reviews
 
 
21.01.2013 1.646
 
--Vorweg möchte ich darauf hinweisen, dass ich mit dieser Geschichte kein Geld verdiene. Die meisten Charaktere gehören dem verehrten Otfried Preußler. Die Personen, die in seinem Buch nicht vorkommen, habe ich frei erfunden. Bis auf... die Fürstin Teschen. Die ist historisch.
Ganz am Ende der Kapitelliste gibt es ein Personenverzeichnis.--

___________________________________________________________________________
Otfried Preußler : 20.10.1923 - 18.02.2013

Kreise sind mächtig. Ein Ring ist ein Kreis. Mehrere Ringe ineinander gehängt sind eine Kette. Wenn das letzte Glied der Kette in das erste greift, entsteht ein Ring aus Ringen.
Die schwarze Kunst muss man mühsam erlernen, Spruch für Spruch. Das Gelingen hängt von vielen Bedingungen ab.
Das Kreuz ist mächtig. Es ist das Zeichen des guten Hirten, der sein Leben gab zur Vergebung unserer Sünden und der ewig lebt als Zeichen der Hoffnung auf das Gute.
Die weiße Kunst ist ganz einfach. Sie ist bedingungsloses Vertrauen und Hingabe.
Und dann geschehen noch Dinge zwischen Himmel und Erde, die unergründlich sind - weder schwarze- noch weiße Kunst – die uns schlicht in Erstaunen versetzen.
All dieses wird uns in der Geschichte begegnen.

Wer an böse Mächte und den Teufel glaubt und schwarze Kunst für möglich hält, darf auch an gute Mächte und an Gott glauben.

Wir befinden uns im Kurfürstentum Sachsen, in einer Landschaft, die die Lausitz heißt. Der Landesherr ist Kurfürst August, genannt der Starke. Er war gleichzeitig König von Polen. Im großen Nordischen Krieg, der von 1700 bis 1721 dauerte, musste August sich nach einer verlorenen Schlacht gegen die Schweden im Jahre 1705 einem Friedensvertrag beugen, durch den er die polnische Krone verlor. Im Herbst des Jahres verkündete er, dass der Vertrag nur für Polen gelte, Sachsen sich aber weiterhin im Kriegszustand mit Schweden befinde.
Dies führe ich auf den Einfluss des Müllers aus dem Koselbruch zurück, der im zweiten Jahr in Otfried Preußlers Buch mit Krabat nach Dresden zu Kurfürst August fährt.
Meine Geschichte beginnt am Ende des dritten Jahres von Preußlers Buch.



Noch im Dritten Jahr - 1706

1 Aufbruch  

„Wie heißt du?“ fragte Krabat.
„Anna“, antwortete die Kantorka.
Sie gingen langsam Arm in Arm über die Wiese dem Wald zu. Es schneite leise.
„Anna“, wiederholte Krabat nach ein paar Schritten und blieb stehen. Er fasste das Mädchen bei den Schultern und drehte es so, dass sie sich gegenüber standen und einander anschauten.
„Anna“, wiederholte Krabat noch einmal.
„Diese Frage ging mir in den letzten zwei Jahren nie aus dem Kopf, weißt du? Ich durfte deinen Namen ja nicht wissen und nicht preisgeben; nicht im Wachen und nicht im Träumen, wie Tonda einmal sagte, sonst hätte der Meister dir das Leben zur Hölle gemacht.“
„Ja“, sagte Anna. „Nachdem ich ihn im Traum gesehen hatte und ihm heute Abend zum ersten und gottlob zum letzten Mal begegnet bin, kann ich mir das vorstellen; ein schrecklicher Mensch.“
„Ein Teufel ist er“, entgegnete Krabat.
„Es ist vorbei“, sagte Anna und schaute Krabat in die Augen.
„Was?“ fragte Krabat unsicher.  
„Die Mühle, der Meister, die Zauberei, alles. Du bist frei! Komm, gehen wir.“
Doch Krabat zog sie an sich und sie umarmten sich zum ersten Mal. Da hörten sie Stimmen, die näher kamen. Es waren die Müllerburschen, jeder mit einem Sack über der Schulter, allen voran Andrusch mit Staschko. Sie lachten und knufften sich und schwenkten ihre Säcke. Bei Krabat und Anna hielten sie an. Die anderen kamen nach und nach heran: Hanzo, Merten, Witko, Petar, Kito und Kubo. Die acht umringten Krabat und Anna. Hanzo ergriff das Wort: „Wir alle danken euch beiden für euren Mut, für das große Wagnis, es mit dem Müller aufzunehmen. Juro hat uns ganz kurz ein wenig erzählt, während wir unsere Sachen in die Säcke packten.“
„Jawohl, Krabat wir schulden dir ewigen Dank, dir und deinem Mädchen“, sagte Merten. Alle klopften Krabat auf die Schulter oder auf den Rücken und schüttelten ihm die Hände.
„Willst du uns deine Freundin nicht vorstellen?“ fragte nun Staschko.
„Doch, ja, natürlich“, sagte Krabat. „Dies ist Anna, die Kantorka aus Schwarzkollm. Viel mehr weiß ich noch nicht."
In diesem Augenblick kommt ein weiterer Müllerbursche heran.
„Nun seht euch den an!“ ruft Andrusch. „Der macht wahrhaftig ein Gesicht, als hätten wir ihn gebissen.“
„Lass ihn“, sagt Merten.
Wortlos stapft Lyschko an den anderen vorbei. Andrusch will ihm nach aber Hanzo hält Andrusch am Arm. „Lass sein, Andrusch. Es ist vorbei.“

Krabat schaute zurück in Richtung Mühle. „Wo bleiben denn eigentlich Juro und Lobosch?“ fragte er. Die anderen hatten Lyschko nachgeschaut und drehten sich nun auch um.
„Die packen in der Küche noch Sachen zusammen“, sagte Petar und Kito ergänzte: „Juro meinte, es wäre schade drum, wenn alles aufbrennt. Er würde wohl am Liebsten den ganzen Hausstand mitschleppen.“
Krabat überlegte, ob er zurücklaufen und helfen sollte. Aber dann wurde ihm sehr unbehaglich bei dem Gedanken, die Mühle noch einmal betreten zu müssen.
Anna schien ähnliche Gedanken zu haben, denn sie fragte: „Sollen wir nicht hingehen und den beiden helfen?“
„Nein“, sagte Krabat rasch. „Sie werden schon kommen. Ich möchte auch nicht, dass du an diesen bösen Ort zurückkehrst; auf keinen Fall, solange der Müller noch lebt! Wer weiß, wozu der noch in der Lage ist?“
„Dann gehen wir jetzt weiter“, sagte Hanzo zu Krabat und Anna. „Kommt ihr mit uns?“
Krabat dachte an seine beiden Freunde, die noch in der Mühle waren und entschied: „Ich werde hier bleiben, bis sie kommen. Wenn es zu lange dauert, gehe ich doch noch zurück.“
Er schaute Anna an: „Ist dir das recht? Oder willst du mit den anderen voraus gehen?“
„Ich bleibe bei dir“, antwortete sie, „Wir beide warten hier auf deine Freunde.“
„Ist gut“, sagte Hanzo. „Wir erwarten euch später in der Scholtisei.“

Die acht Müllerburschen folgten Lyschkos Fußspuren dem Wald zu. Es hatte aufgehört zu schneien und der Mond kam zwischen den Wolken hervor. Krabat und Anna standen Arm in Arm in Annas Wolltuch gehüllt inmitten der Wiese und schauten schweigend in Richtung Mühle. Sie hatten wohl eine Viertelstunde so gestanden und Krabat wurde langsam unruhig. „Wo bleiben die beiden bloß?“ fragte er.
„Meinst du, Juro und Lobosch könnte doch etwas passiert sein?“ entgegnete Anna.
„Ich weiß es nicht“, sagte Krabat. „Aber ich mache mir Sorgen.“
„Mir wird auch ganz kalt vom Herumstehen“, sagte Anna.
„Dann komm“, sagte Krabat. „Wir gehen ihnen ein Stück entgegen.“
Sie hatten den halben Weg über die Wiese zurückgelegt als sie Pferde schnauben hörten. Ein Wagen kam von der Mühle her auf sie zu. Einer ging nebenher und führte die Pferde. Ein Zweiter war nicht zu sehen. Krabat griff nach Annas Hand. „Das muss Juro sein. Ich erkenne seine Gestalt.“ Als der neben dem Fuhrwerk die beiden im Mondlicht stehen sah, rief er: „Holla, wer da?“
„Ja, das ist Juro“, sagte Krabat erleichtert und rief zurück: „Ich bin es, Krabat! Wo ist Lobosch?“  
Da erhob sich eine kleinere Gestalt auf dem Leiterwagen und winkte. „Hier bin ich, Krabat!“ rief Lobosch.
Schon war der Wagen bei Krabat und Anna angekommen. Juro sagte: „Kommt weiter, weg von der Mühle. Es ist wirklich an der Zeit, hier zu verschwinden.“
„Was hat euch so lange aufgehalten?“ wollte Krabat wissen.
„Kommt, kommt“, sagte Juro. „Wir können im Gehen reden. Wir führen die Pferde, bis wir drüben aus dem Wald heraus sind. Es ist zu dunkel, um zu fahren.“
„Es war unheimlich in der Mühle“, ließ sich nun Lobosch vom Wagen herunter vernehmen. „Nachdem alle fort waren, wurde es totenstill. Der Meister war nicht zu sehen. Er war wohl in der schwarzen Kammer. Wir kümmerten uns nicht um ihn. Ich schirrte die Braunen an und Juro brachte aus der Küche Kisten und Säcke, die wir aufluden.“
„Dann aber gab es plötzlich ein furchtbares Geschrei“, fuhr Juro fort. „Der Müller brüllte und tobte. Es klang als würde Glas zerschmettert und Möbel umgeworfen. Dann hörte ich, was er brüllte. Er verfluchte jeden und alles, wünschte uns die Pest auf den Hals. Er muss wohl in der kurzen Zeit so viel getrunken haben, dass er gänzlich von Sinnen war, sonst wären wir jetzt nicht hier, glaube ich.“
„Es ist vorbei mit ihm“, sagte Lobosch und Juro ergänzte: „Und mit allem, was wir von ihm gelernt haben. Aus ist’s mit der Zauberei. Ich werde nicht wagen, in den zwei oder drei Stunden, die der Müller noch am Leben ist, noch irgendeinen Zauberspruch anzuwenden. Ja, es sollte eigentlich vorbei sein aber wer weiß, wozu der alte Teufel noch in der Lage ist?“
„Genau das gleiche habe ich eben auch gesagt“, erwiderte Krabat. „Es ist vorbei. Ihr habt sicher Recht. Aber das will mir noch nicht so ganz in den Kopf.“

Sie hatten den Waldrand erreicht und Juro und Krabat führten die Pferde den dunklen Weg entlang, bis sie auf der anderen Seite herauskamen und Schwarzkollm im Mondschein vor ihnen lag. Krabat war bis jetzt völlig gefangen gewesen mit Gedanken über all das, was an diesem Abend geschehen war. Nun, als er das Dorf mit seinen rauchenden Schornsteinen, dampfenden Misthaufen und ein paar Lichtern erblickte, bekam er plötzlich einen Schreck und ein schlechtes Gewissen. Was mochte Anna ihrer Familie gesagt haben, wo sie hinginge? Würde sie nun gehörigen Ärger bekommen? So fragte er sie: „Anna, macht man sich nicht Sorgen, wo du solange steckst?“
Sie antwortete: „Ich habe Mutter gesagt, ich ginge zu meiner Base Katja zum Singen und Spinnen. Ich habe mein Spinnrad mitgenommen wie schon oft an Winterabenden. Aber das habe ich gleich in unserem Holzschuppen unter ein paar Säcken versteckt und bin zur Mühle gekommen. Ich glaube nicht, dass man mich schon sucht.“
„Hoffentlich ist es so“, sagte Krabat. „Es ist trotzdem gut, dass wir bald da sind.“
„Wir können jetzt aufsitzen“, sagte Juro. „Der Weg ist von hier an eben genug.“
Krabat und Juro hockten sich vorne auf die Leitern, Anna kletterte hinten auf den Wagen und setzte sich neben Lobosch auf eine Kiste. „Hü!“ machte Juro.  Die Braunen zogen an und so zockelten sie dem Dorfe zu.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast