Einsichten

KurzgeschichteRomanze / P12
19.01.2013
19.01.2013
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Einsichten

" Aber wie verzweifelt muss ich sein, dass ich von einer Beziehung mit einem Mann träume, mit dem ich mich erst einmal richtig unterhalten habe?", fragte Neela aufgebracht. " Und mit dem ich zur Zeit nur in Briefkontakt stehe, da er als Arzt im Irak arbeitet!" Sie war mit Abby im Pausenraum, beide machten eine kleine Kaffeepause. " Aber ich kann nur an ihn denken und das macht mich noch wahnsinnig!", fügte sie hinzu.

" Ich glaube, die Frage hast du dir gerade selbst beantwortet", meinte Abby und lächelte leicht. " Also, was willst du nun machen?" Neela seufzte.

" Er kommt in ein paar Tagen zurück, dann rede ich mit ihm. Und du solltest auch mit Dr. Kovac reden." Da senkte Abby den Blick.

" Ich weiß nicht, wovon du sprichst."

" Ach komm schon, ich bin nicht blind. Mir ist nicht entgangen, wie du ihn ansiehst. Du liebst ihn immer noch, obwohl ihr getrennt seid", beharrte Neela auf ihrem Standpunkt. Ihre Freundin nickte kurz.

" Aber es ändert nichts. Er ist jetzt mit Sam zusammen, die ja auch mit ihrem Sohn natürlich gleich bei ihm einziehen musste. Außerdem hat er sich von mir getrennt."

" Bist du dir denn sicher, dass er nichts mehr für dich empfindet?", wollte Neela wissen. Die andere Ärztin zuckte mit den Schultern.

" Ich weiß nicht. Als er aus Afrika zurückkam... na ja... wir haben da wieder viel miteinander geredet und ich hab irgendwie gehofft... aber dann tauchte ja Sam auf."

" Und sie hat sich ihm ja ganz schön an den Hals geworfen", fand Neela.

Ach, was du nicht sagst", erwiderte Abby ironisch. " Aber ich will, dass er glücklich ist", fuhr sie fort und schluckte schwer. " Und wenn er es mit Sam ist... dann muss ich das akzeptieren."

" Das mag ja sein, aber so wirst du nie wissen, ob er noch was für dich empfindet", entgegnete Neela. " Bitte, ich sehe doch, dass diese Ungewissheit, dich fertig macht."

" Mal sehen", antwortete Abby und verließ den Pausenraum.

Sie kam am Aufnahmeschalter vorbei. Dort stand Luka am Computer und tippte etwas ein. Die Ärztin atmete einmal tief durch, vergewisserte sich kurz, dass Sam nicht in der Nähe war und sprach ihn an:

" Luka, hast du einen Moment Zeit?" Dieser nickte.

" Um was geht´s?"

" Machen wir draußen einen Spaziergang oder hast du gerade viel zu tun?", wollte sie wissen.

" Im Moment habe ich keinen Patienten, was eine echte Seltenheit ist", stellte Luka leicht schmunzelnd fest und begleitete Abby nach draußen.

Nachdem sie gemeinsam ein paar Schritte gegangen waren, erkundigte der Arzt sich:  

"Also, was gibt´s?" Abby räusperte sich leicht, bevor sie zu sprechen begann:

" Was habe ich falsch gemacht?" Luka sah sie überrascht an.

" Wovon sprichst du? "

" Von unserer Trennung, du hast mich verlassen und ich möchte wissen, wieso?", hakte Abby nach. " Du hast es mir nie gesagt."

" Du denkst, unsere Trennung wäre deine Schuld??" Luka konnte es nicht fassen.

" Du hast nichts falsch gemacht, ich habe nur erkannt, dass ich dich nicht glücklich machen kann."

"Was??" Fassungslos schaute die Ärztin ihn an. " Denkst du das wirklich?" Luka nickte.

" Aber das ist nicht wahr!", widersprach Abby aufgebracht. " Du bist der einzige Mensch in meinem Leben, der mir wirklich zuhört! Und auch wenn wir uns öfter gestritten haben, war ich glücklich mit dir! Unsere Trennung war schmerzhaft für mich...doch ich habe weiter gemacht und werde jetzt auch Ärztin." Einen Augenblick lang war Luka sprachlos, bevor er antwortete:

" Du hast nie was gesagt."

" Ich habe es leider erst später gemerkt. Und als du aus Afrika zurückkamst, wollte ich mit dir reden, aber da war ja dann Gillian... da habe ich mich nicht mehr getraut etwas zu sagen. Und nun hast du eine Beziehung mit Sam". Dann senkte sie den Kopf.

" Warum sagst du es mir jetzt?", fragte der Arzt verwirrt. Abby zuckte mit den Schultern.

" Weil du mir fehlst, aber ich will Sam und dir nicht im Weg stehen. Immerhin wohnt ihr ja auch schon zusammen." In ihren Augen schimmerten Tränen. Sie drehte sich um und wollte zurück ins County gehen, als Luka sagte:

" Du fehlst mir auch. Ich versuche, seit unserer Trennung dich zu vergessen, aber es gelingt mir nicht. Aber Sam und Alex sind mir ebenfalls wichtig." Abby drehte sich wieder zu ihm.

" Und was sollen wir nun tun?", wollte sie leise wissen. Behutsam nahm er ihr Gesicht in seine Hände.

" Ich werde mit Sam reden müssen." Dann küsste er sie sanft und machte sich auf den Weg zurück in die Notaufnahme. Und Abby stand da, mit geschlossen Augen, total berauscht und fühlte den Kuss noch immer.

Sam betrat 10 Minuten später den Pausenraum, wo sie schon von Luka erwartet wurde.

" Was ist denn los?", erkundigte die Krankenschwester sich. " Frank sagte, es ginge um etwas Wichtiges." Luka nickte.

" Ja... es ist so... du bedeutest mir wirklich viel und Alex auch... ."

" Moment, willst du mit mir Schluss machen?", unterbrach Sam ihn stirnrunzelnd.

" Ja und es tut mir Leid", erwiderte Luka ernst.

"Warum?", hakte Sam enttäuscht nach. " Wegen Abby?"

" Woher weißt du...?" fragte der Arzt perplex.  

"Bitte, ich bin nicht blind!", teilte Sam ihm mit. " Mir ist nicht entgangen, wie sie dich ansieht. Sie hat zwar versucht, es zu verbergen, was ihr aber nie zu 100% gelungen ist." Der Arzt schwieg zunächst, wusste nicht was er darauf antworten sollte, außer:

" Es tut mir wirklich Leid!" Da verpasste die Krankenschwester ihm eine Ohrfeige.

" Das hättest du dir echt früher überlegen können, du Idiot!" Luka rieb sich die schmerzende Wange.

" Das hab ich dann wohl verdient." Sam nickte.  

"Da hast du verdammt Recht! Ich empfinde noch viel für dich, aber ich finde es auch gut, dass du ehrlich zu mir bist. Wir sollten allerdings erst mal auf Abstand gehen und ich ziehe mit Alex heute noch aus!" Diesmal nickte Luka, sagte aber nichts. Ein wenig traurig war er schon, als Sam den Raum verließ. Eine Zeitlang war er wirklich in sie verliebt gewesen, aber er hatte Abby nie vergessen können.

Kurz darauf betrat diese die Notaufnahme, wo Sam an ihr vorbei nach draußen eilte. Sie sah die Tränen in den Augen der Krankenschwester glitzern. Irgendwie tat sie ihr Leid, es war immer hart, wenn eine Beziehung zerbrach. Sie hoffte, dass sie irgendwann darüber hinweg kam. Die Ärztin blickte ihr noch einen Augenblick nach und ging dann Richtung Pausenraum. Dort saß Luka am Tisch und trank eine Tasse Kaffee. Er sah niedergeschlagen aus, was Abby etwas verunsicherte. Sie setzte sich zu ihm und nahm seine Hand.

" Alles okay?"

" Ja schon... ich habe sie mit der Trennung verletzt und das wollte ich nicht. Ich weiß, so ist das im Leben, Trennungen sind immer schmerzhaft, trotzdem fühle ich mich schlecht", antwortete Luka.

" Sie wird sicher darüber hinweg kommen", meinte Abby zuversichtlich. " Du kennst sie doch, sie lässt sich nicht unterkriegen."

" Oh ja, das weiß ich!", stimmte Luka ihr zu. "Und schlagfertig ist sie ebenfalls, sie hat mir eine Ohrfeige verpasst, die es in sich hatte." Dabei grinste er leicht. Abby grinste auch und legte ihre rechte Hand an seine Wange, wo Sam ihn geohrfeigt hatte.

" Du Armer." Er schaute ihr tief in die Augen und sie verlor sich in seinen wunderschönen, grünen Augen.

" Wird es diesmal für immer sein, denn das wünsche ich mir."

" Das wünsche ich mir auch", erwiderte Luka. " Und wenn wir es wirklich wollen, können wir es schaffen, da bin ich mir sicher!"

" Ich liebe dich!", sagte sie leise. Dann küssten sie sich zärtlich.

Nach einer Weile lösten sie sich voneinander und Luka fragte:

" Gehen wir nach der Schicht noch was Essen?" Doch die Ärztin schüttelte den Kopf.  

"Nein, heute nicht. Ich möchte nach der Schicht lieber mit dir allein sein." Und kuschelte sich enger an ihn.

" Gute Idee", fand Luka. " Aber zu mir können wir nicht, da Sam und Alex heute ausziehen und es wäre nicht gut, wenn wir ihnen dann begegnen würden. "

" Da hast du Recht", pflichtete Abby ihm bei. " Wie wäre es, wenn wir zu mir fahren?" Damit war Luka einverstanden.

" Okay, dann wollen wir mal wieder an die Arbeit gehen. Ich muss zu einem Patienten, bis später." Er gab ihr noch einen Kuss auf den Mund.

" Ich liebe dich auch!" Dann verließ er den Pausenraum. Mit einem leichten Lächeln ging Abby ebenfalls hinaus und lief dort Neela über den Weg.

" Sieh an, du hast also mit ihrm geredet?" Ihre Freundin nickte.

" Und?"

" Nun, wir werden den heutigen Abend miteinander verbringen", erzählte Abby zufrieden und machte sich wieder an die Arbeit.

Ein paar Stunden darauf war die Schicht zu Ende und das Paar fuhr mit Luka´s Auto zu Abby´s Wohnung. Drinnen machten sie es ich im Wohnzimmer auf dem Sofa gemütlich. Und schwiegen zunächst.
Nach all der Zeit waren sie endlich wieder zusammen. Es hatten sich unendlich starke Gefühle aufgestaut und schließlich hielten sie es nicht mehr aus. Sie fielen sich in die Arme und küssten sich stürmisch und voller Leidenschaft. Und was er nun mit ihr anstellte, war der totale Wahnsinn. Gott, wie sehr hatte sie ihn vermisst! Sie ließ sich fallen und gab sich ihm völlig hin. Was sie seit der Trennung nicht mehr getan hatte, weder bei Carter, noch bei dem anderen Studenten. Später, während Luka bereits schlief, lag sie entspannt in seinen Armen und genoss seine Nähe. Lange hatte sie sich nicht mehr so gut gefühlt und geborgen. Glücklich schmiegte sie sich enger an ihn und schlief kurz darauf ebenfalls ein.


Ende
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