Handicap

von - Leela -
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P12
Eddie GB Jake Tracy
12.01.2013
12.01.2013
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Jake beeilte sich zum Schreibtisch, als das Ansabone klingelte.
      „Ja, Sie haben die Ghostbusters erreicht! Wenn Sie meinen, daß Ihnen das eine Hilfe sein könnte, ist Ihnen nicht mehr zu helfen…“ Ansabone wich einer Attacke von Jake aus und lachte.
      „Verdammtes Ding!“ fluchte Jake und versuchte ein zweites Mal, sich auf das Skelefon zu stürzen.
      Doch Ansabone wich wieder geschickt zur anderen Seite aus. „Haha, wenn Sie sehen könnten, was ich sehe, wüßten Sie, was ich meine…“
      Jake biß die Zähne zusammen und sprang Ansabone in einem förmlich aggressiven Akt an. Doch auch dieses Mal war Ansabone schneller. Dafür fiel Jake nicht gut abgepaßt an ihm vorbei in’s Leere. Mit einem Aufschrei stürzte er neben dem Schreibtisch zu Boden. „Verdammt!“
      Inzwischen waren auch Eddy und Tracy auf das Geschehen aufmerksam geworden. Während Jake sich mit einem Stöhnen vom Boden aufsammelte, ging Eddy an’s Ansabone, das so in seinen Triumph vertieft war, daß er Eddy nicht bemerkt hatte. „Ghostbusters, Eddy Spenser am Apparat?”
      Jake rieb sich das Handgelenk und stellte sich zu Tracy. Beide lauschten gespannt, konnten aus Eddys Antworten aber nicht viel ablesen.
      „Ja, das hört sich interessant an. Das sollten wir uns mal ansehen! – Oh, einen Moment, da muß ich eben fragen. Darüber kann mein Partner mehr sagen!“ Er hielt den Hörer zu und sah Jake an. „Er fragt, ob nach Geist oder pauschal abgerechnet wird!“
      „Wer ist »er« überhaupt?“ erkundigte sich Jake.
      „Na, der Betreiber des Tennisplatzes!“
      Jake wollte eine Geste machen, die Eddy sagen sollte, daß er das Gespräch übernehmen wollte. „Gib’ mal den – ah…“
      „Den »ah«? Du meinst den Hörer!“
      Jake hielt sich mittlerweile mit zusammengebissenen Zähnen das Handgelenk.
      Die sorgenvollen Blicke von Eddy und Tracy lagen auf ihm, und selbst Ansabone schaute ein wenig beklommen, als sie feststellten, daß Jake offensichtlich Schmerzen hatte, und das nur von der kleinen Bewegung.
      „Geht schon wieder. Gib her!“ meinte Jake und nahm den Hörer. „Hallo? Jake Kong hier! Was die Abrechnung angeht…“
      Nun war es Eddy, der sich zu Tracy stellte, doch der sorgenvolle Ausdruck in seinem Blick wich nicht mehr, als er Jake während des Gespräches beobachtete. Jake versuchte, es zu vertuschen so gut es ging, doch sobald er eine falsche Bewegung machte, zuckte er zusammen und biß die Zähne aufeinander. „Das sieht nicht gut aus…“ meinte er leise zu Tracy, der mit einem leichten Kopfschütteln bestätigte.
      Jake legte vorsorglich mit der anderen Hand auf. „Wir haben einen Auftrag, Jungs!“
      „Äh, Jake…“ meinte Eddy. „Willst du dir vorher nicht lieber dein Handgelenk ansehen lassen?“
      „Dafür haben wir jetzt keine Zeit! Das wird schon gehen!“ behauptete Jake.
      „Aber Jake…“ begann Eddy hilflos von neuem.
      „Hey, wollen wir unseren Kunden warten lassen? Er zählt auf uns!“ argumentierte Jake. „Also, Auf geht’s Ghostbuster!“
      Eddy stellte sich Jake konsequent in den Weg und sah ihn ernst an. „Mit der Hand lasse ich dich nicht in den Skelevator!“
      Jake hielt verblüfft inne. Dann atmete er frustriert durch. „Ach, komm schon, Eddy!“
      Selten hatte er seinen Partner mit so kompromißloser Miene erlebt. „Du hast so schon Schmerzen, ohne die Prozedur im Umkleideraum! Und ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn da oben etwas schiefgeht! Wer weiß, was für Untiefen dieser Raum noch hat!“
      „Eddy!“ Jake konnte ein Lachen nicht unterdrücken. „Ich weiß doch, wie das da oben abläuft! Ich muß nur vorbereitet sein…“ Demonstrativ nahm Eddy Jakes Hand, doch schon bei einer knappen Berührung schrie Jake auf. „Bist du verrückt!?“
      Eddy sah ihn verheißungsvoll an. „Und du willst da hoch? Du kannst ja nicht einmal jemandem die Hand schütteln!“
      Mit schmerzverzerrter Miene hielt sich Jake das Handgelenk. „Okay, du hast gewonnen“, gab er kleinlaut zu.
      Eddy sah Tracy an. „Ich glaube, diesmal ziehen wir uns lieber auf konventionelle Art um!”
      „Du kannst ruhig hoch“, meinte Jake gequält. „Du mußt mir nicht zur Seite stehen.“
      „Och, ich lege da nicht so viel wert drauf“, meinte Eddy. „Ich leiste dir gerne Gesellschaft! Ich gehe auch in’s Bad zum umziehen!“
      In dem Moment konnten sie ein kollektives Aufatmen der Büroeinrichtung hören, das Eddy mißmutig zur Kenntnis nahm.
      „Okay, Tracy, gib die Uniformen her“, resignierte Jake, und Tracy kam der Aufforderung sofort nach. Während Tracy Eddy seine Uniform gab, warf Jake Ansabone einen vernichtenden Blick zu, der Jakes Blick verlegen erwiderte. Jake wandte sich zum Gorilla um. Er zuckte bereits wieder zusammen, als er von Tracy die Uniform entgegennahm.
      Ansabone schaute ihm verhalten zu, während er sich bemühte, so schmerzfrei wie möglich die Sachen zu wechseln, was sich als eine Herausforderung darstellte. „Das habe ich wirklich nicht gewollt, Jake!“ meinte er entschuldigend.
      Eddy war ein ganzes Stück schneller fertig als Jake und beobachtete ihn still von der Tür zum Büro aus. „Geht’s, Kumpel?“ fragte er schließlich.
      „Ja! Ich bin ja gleich fertig!“ knurrte Jake.
      Eddy und Tracy wechselten einen Blick. Keiner wagte, etwas darauf zu sagen. Statt dessen gingen sie schließlich gemeinsam in die Garage hinunter zu GB.
      Das Ghostbuggy döste gerade vor sich hin. Als die Tür aufging, und es leise Stimmen vernahm, schreckte es jäh hoch. In Sekundenschnelle hatte es einen Lichtstrahler aktiviert, der den drei Ghostbustern in’s Gesicht leuchtete und den Fright Freezer auf sie gerichtet. „Wer ist da?“ fragte es scharf.
      Die drei zuckten unwillkürlich zusammen.
      „Wir sind es nur, GB!“ rief Jake schnell. „Wir haben einen Auftrag!“
      GB entspannte sich und faltete sich wieder zusammen. „Na sowas! Durch die Tür? Was haben wir – Weihnachten, und ich hab’s nicht mitgekriegt?“
      „Nein, aber Jake hat sich das Handgelenk verletzt, und nun…“ Eddy schrie kurz auf, als er von Jake einen warnenden Tritt abbekam.
      „Auf geht’s!“ beendete Jake den Smalltalk und stieg in’s Ghostbuggy. „Zum Tennisplatz!“
      „Ja!“ erklärte Eddy verheißungsvoll. „Aber vorher noch zum Arzt!“
      Jake stöhnte auf. „Das können wir auch noch hinterher machen!“
      Zu GBs Leidwesen ließ Tracy ihn kurz anrollen, nur um gleich wieder abrupt zu bremsen.
      Jake stürzte nach vorne und wollte sich abstützen, was eine erneute Schmerzwelle und einen Schrei zur Folge hatte. „Spinnst du, Mann?“
      „Zum Arzt, GB!“ wies Eddy als Antwort an.
      „Scho-schon verstanden…“ gab GB unbehaglich zurück und fuhr los.
      Jake lehnte sich schmollend in seinem Sitz zurück.
      Eddy lehnte sich etwas auf dem Polster vor. „Wir wollen alle nur dein bestes, Jake.“
      „Na toll! Soll das heißen, ich darf jetzt keine eigenen Entscheidungen mehr treffen?“
      „Du weißt schon, daß das, was Tracy gerade forciert hat, im Einsatz immer wieder passieren kann, oder?“ implizierte Eddy. „Wenn es nach mir ginge, würdest du nicht einmal zu dem Einsatz mitkommen!“
      Jake verdrehte die Augen. „Schon gut!“

Eddy atmete tief durch und ließ sich auf einen Sitz im Wartezimmer fallen, in das er zusammen mit Tracy geschickt worden war. Wer hätte gedacht, daß es so anstrengend werden würde?
      Selbst als sie in der Praxis eingetroffen waren, hatte Jake noch rumgemeckert und sich beschwert, und erst als er bemerkte, daß der Arzt in der Tür zum Behandlungszimmer lehnte und die Szene mitbekam, war er verschämt zusammengezuckt.
      Nun hatte sich der Arzt Jakes angenommen, und Eddy und Tracy konnten erst mal durchatmen.
      „Meine Güte! Ich hätte nie gedacht, daß Jake so unvernünftig sein kann!“ ließ sich Eddy vernehmen.
      „Zu ehrgeizig!“ vermutete Tracy.
      „Zu stolz!“ warf Eddy mit in’s Rennen. „Oder er traut uns nichts zu!“
      „Oder alles!“ Tracy grinste.
      „Ja, das wird’s vermutlich sein!“ kommentierte Eddy trocken. „Mann, wenn ich solche Schmerzen gehabt hätte, dann hättet ihr mich nicht auffordern müssen, zum Arzt zu gehen!“
      „Mich auch nicht“, behauptete Tracy.
      Eddy musterte ihn still. Ganz sicher war er sich bei dem Gorilla auch nicht, er ließ die Aussage aber so stehen.
      Eine Weile beschäftigten sie sich mit den Zeitschriften, die auf den Tischen auslagen, bis der Arzt mit Jake aus dem Behandlungszimmer kam. Eddy sah auf, als er die Stimmen vernahm und wurde sofort aufmerksam. Die beiden gingen ihm zum Empfang entgegen.
      Jake schaute mehr als mißmutig drein. Sein Handgelenk war inzwischen geschient worden.
      Eddy sah ihn forschend an. „Und?“
      „Es ist ein Speichenbruch!“ grummelte Jake.
      Eddy atmete durch. „Na, eine Verstauchung allein hätte ja auch nicht gereicht! – Wie geht’s denn?“
      „Es tut trotzdem noch weh!“ beklagte sich Jake.
      „Das soll es auch!“ erwiderte der Arzt lapidar, während er sich auf den Tresen beim Empfang lehnte. „Das erinnert Sie daran, daß da noch ein Heilungsprozeß zu erfolgen hat!“ Auf den mißmutigen Blick von Jake hin, erwiderte er ungerührt: „Ich habe da noch ein paar sehr einschlägige Bemerkungen im Ohr, die nicht zu überhören gewesen waren, als Sie reingekommen sind, Mister Kong!“
      Jake schaute verschämt zu Boden.
      Nachdem der Arzt seiner Assistentin eine Mappe gegeben hatte, holte er noch etwas aus einer Schublade und gab es Jake. „Kühlen Sie die Schwellungen mit den Eispacks, und lagern Sie den Arm hoch. Und vermeiden Sie weitere Unfälle!“ Er sagte es mit einem kleinen Lächeln, aber auch mit einem ernsten Blick, unter dem sich sogar Eddy unwohl fühlte, obwohl er gar nicht derjenige mit der Verletzung war.
      Jake murmelte eine grummelnde Zustimmung. Dann verließen sie gemeinsam die Praxis wieder.

„Also, Jake, bist du sicher, daß du wirklich mit willst?“ fragte Eddy noch einmal sorgenvoll.
      Jake schmollte noch immer. „Jetzt hört auf zu nerven! Ich bin ja nicht invalid!“
      Eddy schickte ihm einen unbemerkten resignierten Blick.
      Tracy parkte GB auf dem Parkplatz zur Tennisanlage. Man konnte nicht viel von den Plätzen sehen, da die Halle mit den Umkleiden, Aufenthaltsräumen und den Büroräumen davor gebaut war, doch man hörte nicht allzu weit entfernt Bälle, die geschlagen wurden.
      „Die Anlage scheint ja noch genutzt zu werden“, fiel Eddy auf.
      „Na, seht ihr, dann kann es ja nicht so schlimm werden!“ murmelte Jake.
      Sie gingen zum Bürobereich. Als sie durch die Tür kamen, stießen sie direkt auf den Tennisplatzbetreiber Mister Anderson.
      „Dem Himmel sei Dank, daß Sie endlich da sind!“ begrüßte er die Gruppe und hielt inne, als er auf Jakes Hand sah. „Oh! Sportverletzung?“
      Jake stutzte kurz, und schaltete dann unheimlich schnell. „Ja!“ Die perplexen Blicke seiner beiden Teamkameraden bemerkte er hinter sich nicht. „Ich bin Jake Kong, das hier sind meine Partner Eddy Spenser und Tracy. Wo genau liegt denn das Problem?“
      „Kommen Sie!“ Anderson winkte die Gruppe zu einer hinteren Tür, die zu den Plätzen führte.
      Als sie ihm folgten, schloß Eddy zu Jake auf. „Eine Sportverletzung, soso!“
      „An ein klingelndes Ansabone zu gehen ist Sport! Es war also nicht gelogen!“ verteidigte sich Jake und schritt schnell hinter Anderson her, nicht zuletzt, um das Thema abzubrechen.
      Eddy schüttelte den Kopf und beschleunigte ebenfalls den Schritt.
      Es ging einen Flur entlang, der von dieser Seite an den Umkleideräumen vorbeiführte, bis man eine größere Tür erreichte, durch die man nach draußen auf den Platz kam.
      Anderson wurde nun vorsichtiger, hielt sich etwas im Hintergrund und gab den Ghostbustern einen Wink, ihm in den Gebäudeschatten zu folgen. „Sehen Sie, dort!“ Er zeigte zu einem der hinteren Plätze, von dem auch die Geräusche kamen.
      Zuerst wußten die drei Ghostbuster nicht, was er meinte. Doch dann entfuhr ihnen fast synchron ein erstickter Aufschrei, als sie erkannten, daß es keine Menschen waren, die dort Tennis spielten.
      Schemenhaft konnten sie zwei Geister erkennen, die über den Platz schwebten und sich die Bälle zuschlugen. Daneben hatten sich einige weitere postiert, die dem Geschehen zuguckten.
      „Das gibt’s doch nicht!“ entfuhr es Eddy. „Tennisspielende Geister!“
      „Jeder braucht ein Hobby“, kommentierte Jake.
      „Seit die Geister hier sind, kommen keine Leute mehr her! Diejenigen, die auf dem Platz waren, als die Geister kamen, sind geflohen und haben ihr Geld zurückverlangt!“
      „Keine Sorge, die schnappen wir uns!“ versprach Jake. „Das ist keine große Sache!“
      Eddy war derweil bereits am durchzählen und fuhr laut fort: „… sechs, sieben, acht, neun, zehn… Keine große Sache, Jake?“
      „Das sind normale Standardgeister, Eddy, keine »Prime-Evil-Klasse«. Mit denen werden wir spielend fertig!“
      „Na, wenn du das sagst…“ meinte Eddy unsicher.
      „Genau das sage ich! Also kommt, Leute. Eddy, du hältst den Ghost-Gummer bereit. Und Tracy, du unterstützt uns mit dem Bubble-Blaster!“
      Eddy und Tracy wechselten einen Blick, atmeten durch und nickten leicht. Dann pirschten sie sich an die Geistergesellschaft heran.
      Auf eine groteske Art und Weise bekamen sie nun die Gelegenheit, die Geister zu beobachten. Sie waren so in das Spiel vertieft, daß ihnen keiner Beachtung schenkte. Anfeuerungsrufe und Beifall wurde laut, und auch einige klassische Buhrufe, je nachdem, welchen Favoriten man anfeuerte.
      Das Spiel schien gerade geendet zu haben, denn die Spieler wechselten das Spielfeld mit zwei anderen Kontrahenten.
      „Sie scheinen sehr am Spielgeschehen interessiert zu sein!“ raunte Eddy seinen Kameraden zu. „Theoretisch könnten sie die ganzen Plätze einnehmen und gleichzeitig spielen!“
      „Ist doch gut, das macht es für uns einfacher!“ behauptete Jake. Er zeigte nach vorne, wo eine hohe Maschendrahtumzäunung die einzelnen Spielplätze voneinander trennte. „Wir müssen dort durch die Tür. Am besten legen wir sofort los, wenn wir durch sind, damit wir den Überraschungseffekt auf unserer Seite haben!“
      „Ist gut“, bestätigte Eddy.
      „Oki Doki!“ pflichtete auch Tracy bei.
      So leise wie möglich schlichen sie vor bis zu der Tür. Eddy, der als erstes dort ankam, drückte sachte die Klinke runter und mußte ein Zittern unter Kontrolle bringen, als er sich bemühte, keine Geräusche zu machen. Er schaffte es, die Tür lautlos zu öffnen, so daß die drei hindurchschlüpfen konnten.
      Und dann geschah alles gleichzeitig! Jake gab das Zeichen zum Angriff, die Geister hatten sie jedoch schon bemerkt und wandten ihnen ihre Aufmerksamkeit zu. Eddy hatte den Ghost-Gummer gezogen und Tracy bewaffnete sich mit dem Bubble-Blaster. Jake schaffte es, den Dematerialisator mit links aus dem Ghostpack zu ziehen, um diesen zu betätigen brauchte er aber beide Hände. Während Eddy und Tracy bereits schossen und die Geister festsetzten, hallte ein jäher Aufschrei über den Platz, Jake verriß den Dematerialisator, so daß er die verblüfften Geister verfehlte und die Energie über das Gitter auf der anderen Seite des Platzes abgeleitet wurde. Im Affekt ließ er das Gerät fallen, so daß es mit einem lauten Scheppern auf dem Boden zu Bruch ging, als er sich unter Schmerzen auf die Knie sinken ließ.
      Eddy und Tracy standen wie paralysiert und starrten sich entsetzt an, als sie realisierten, daß der Dematerialisator nicht mehr zu gebrauchen war.
      Und die Geister kamen bedrohlich näher!
      „Tracy, wir müssen sie festsetzen! Alle! Sonst haben wir ein Problem!“ rief Eddy.
      „Oki Doki!“ bestätigte der Gorilla, und schon feuerten beide was das Zeug hielt auf die Geister, die ihnen am nächsten kamen.
      Jake kniete am Boden und mußte sich davon abhalten, nicht frustriert auf den Boden zu schlagen, während seine Partner ihm Deckung gaben und davor schützten, von einem Geist angegriffen zu werden.
      Die beiden arbeiteten präzise. Geister flogen über den Platz, kurz bevor sie von Ghostgum am Gitter, am Boden oder am Netz festgesetzt wurden. Die andere Hälfte fand sich innerhalb kürzester Frist in geistersicheren Blasen wieder.
      Einige Minuten später kamen die beiden Ghostbuster zum Verschnaufen und sahen sich das Desaster an. Offenbar hatten sie alle Geister auf die eine oder andere Art erwischt.
      „Na, toll!“ kommentierte Eddy. „Wir haben alle Geister festgesetzt, und können sie nicht eliminieren, weil der Dematerialisator kaputt ist! Das ist ja eine schöne Bescherung!“
      Jake kniete noch immer am Boden, doch inzwischen weniger wegen seinem Handgelenk, sondern eher mit einem verschämten Blick vor sich. „Ich weiß, es ist meine Schuld!“
      „Ja, aber was machen wir denn jetzt? Das ist viel wichtiger!“ rief Eddy in Erinnerung. Die festgesetzten Geister auf dem Platz heulten wütend, so daß er schon seine Stimme heben mußte.
      Jake sah verzagt zu Tracy auf. „Tracy, irgendwelche Ideen?“
      Tracy schaute nicht sehr zuversichtlich. „Ich fliege mit GB zum Ghostcommand. Hole zweiten Dematerialisator!“ Da keine Gegenvorschläge kamen, zögerte er nicht lange, um seinen Gedanken in die Tat umzusetzen und ließ Eddy und Jake auf dem Platz zurück.
      „Na, phantastisch!“ Jake atmete schwer durch. „Das haben wir ja schön vermasselt!“
      Eddy sah ihn sprachlos an. „Wir? Von »wir« kann überhaupt keine Rede sein! Das konnte es noch nie, nur daß sonst immer ich für so etwas verantwortlich war! Nur mit dem Unterschied, daß ich es zugegeben habe!“ Er war so in Rage, daß es nicht einmal die Geistergeräuschkulisse brauchte, um ihn schreien zu lassen. „Ich will nichts sagen, aber Tracy und ich haben einwandfreie Arbeit geleistet!“ fuhr er mit einer Geste auf den festgesetzten Geisterhaufen fort. „Aber gut! Du hast Recht! In gewisser Weise bin ich mit Schuld an diesem Desaster! Ich hätte nie zulassen dürfen, daß du zu diesem Auftrag mitkommst!“
      Jake biß die Zähne aufeinander. Er konnte Eddy seit geraumer Zeit schon nicht mehr in die Augen sehen. „Du hast ja Recht“, kam es so dünn, daß Eddy es fast nicht gehört hätte.
      Eddy atmete durch. Irgendwie hatte es gutgetan, sich dem Ärger Luft zu machen. Jetzt mußte er aber darauf aufpassen, daß die Situation unter Kontrolle blieb. „Wie lange hält dieses Ghostgum überhaupt?“
      „Ich habe keine Ahnung! Wir mußten es ja noch nie im Ernstfall bis zum Äußersten ausreizen. Tracy müßte es wissen.“
      „Na, wunderbar!“ ließ sich Eddy vernehmen. „Dann können wir nach dem heutigen Tage ja einen Erfahrungsbericht darüber schreiben!“ Eddy lief aufmerksam über den Platz und behielt die heulenden Geister im Auge. Knappe zwanzig hatte er gezählt. Einige versuchten, sich aus dem Ghostgum zu befreien, andere, einen Weg aus den Geisterblasen zu finden. Noch sah es so aus, als wenn die Blasen hielten, doch bei zwei bis drei Geistern hatte er vorsichtshalber noch eine Ladung Ghostgum nachgesetzt. Er ließ Jake nicht aus den Augen, während er über den Platz ging, um ihn im Zweifel vor einer Geisterattacke schützen zu können.
      Jake rappelte sich gerade verzagt wieder hoch, nahm den demolierten Dematerialisator und setzte sich auf die Bank an der Seite.
      Nun konnten sie nichts anderes mehr tun, als zu warten.
      Eddy kam gerade auf seinem Rundgang wieder zu ihm herüber, als Jake aufsah. Jake war sich sicher, daß man ihm seinen Gemütszustand ansehen mußte. Er hatte sich selten so betreten gefühlt. Dann plötzlich stutzte er. Erst im zweiten Anlauf registrierte er, was er im Hintergrund sah, und ihm setzte fast der Herzschlag aus. „Eddy, paß auf, hinter dir!“
      Doch als er erkannte, was er sah, war es bereits zu spät. Als Eddy sich umdrehte, schoß der Geist, der es geschafft hatte, sich aus dem Ghostgum zu befreien, bereits direkt auf Eddy zu und schlug ihm den Ghost-Gummer aus den Händen.
      Eddy stolperte mit einem erschrockenen Aufschrei rückwärts, um Raum zwischen sich und den Geist zu bringen.
      Der Geist baute sich bedrohlich vor den Ghostbustern auf und wuchs zu einer beachtlichen Größe heran. „Ihr arroganten Menschen!“
      Jake, der sich noch nicht wieder aus seiner Starre hatte lösen können, entfuhr es leise: „Was?“
      Der Geist machte eine wütende Geste, mit der er den Platz einschloß. „Wir wollen nichts weiter, als hier zu spielen! Ist das hier etwa keine Tennisanlage? Aber, nein! Wir sind hier ja nicht erwünscht! Weil wir Geister sind!“
      Jake sah ihn geschockt an, unfähig, etwas zu sagen. Der Geist ragte so dicht vor ihm auf, daß er nicht weiter zurückweichen konnte, da direkt hinter der Bank das Gitter begann.
      „Ihr macht den Menschen aber Angst, und für die ist diese Anlage gebaut!“ schoß Eddy dafür mutig dazwischen.
      „Die Menschen haben Angst? Schaut euch an, was ihr angerichtet habt!“ Der wütende Geist deutete auf die verklebten und eingeschlossenen Geister, die das Geschehen beklommen beobachteten. „Und dem nicht genug! Vernichten wollt ihr uns! Wir haben hier nur gespielt! Und wir haben auch nur ein Feld dafür genommen, damit sich niemand gestört fühlt!“
      Die beiden Ghostbuster sahen den Geist verblüfft an.
      „Das ist der Grund, warum ihr nur ein Feld besetzt habt?“ fragte Eddy. „Damit die anderen von den Menschen genutzt werden können?“
      „Allerdings! Ich habe versucht, es eurem Anführer zu erklären! Aber der mußte ja panisch weglaufen, und euch anrufen!“
      Eddy und Jake wechselten einen Blick.
      „Er meint den Betreiber!“ erkannte Jake.
      Eddy nahm eine entspanntere Haltung ein. „Ich glaube, das alles hier ist ein Riesenmißverständnis!“
      „Wohl kaum!“ grollte der Geist. „Für ein Mißverständnis muß man erst mal miteinander kommunizieren!“
      Jake richtete sich langsam wieder in eine normale Sitzhaltung auf. „Aber vielleicht können wir jetzt vermitteln! Da muß man doch eine Einigung treffen können!“
      „Ja! Wie wäre es zum Beispiel, wenn ihr den Platz außerhalb der Öffnungszeiten benutzt? Dann könntet ihr auch mehrere Felder gleichzeitig benutzen!“ schlug Eddy vor.
      „Eddy! Der Platz hat keine Öffnungszeiten!“ zischte Jake.
      „Oh, naja, dann muß man eben ein Zeitfenster einrichten, wo erfahrungsgemäß wenig los ist, wo die Geister spielen können! Ich meine, wenn das bekannt ist, dann können die Menschen ja in der geisterfreien Zeit spielen, und die, denen das nichts ausmacht, können ja trotzdem die anderen Plätze parallel benutzen!“
      Das Gemüt ihres Gesprächspartner schlug in Nachdenklichkeit um. „Hm, das nenne ich doch mal einen konstruktiven Vorschlag!“
      „Ich bin mir nur nicht sicher, ob das funktioniert, Eddy“, meinte Jake. „Ich meine, es wird genug Menschen geben, die gar nicht erst wieder herkommen, wenn es hier spukt.“
      „Ja, aber es gibt bestimmt auch genug Menschen, die gerade dann herkommen, als Attraktion sozusagen!“ hielt Eddy dagegen. „Ich meine, es muß ja nur vernünftig geregelt sein! Der erste Tennisplatz mit Geisterspielern – wo gibt es so etwas schon?“
      „Naja, entscheiden können wir sowieso nicht darüber!“ bemerkte Jake. „Wißt ihr was? Ich spreche mal mit Mister Anderson! Er soll sich die Vorschläge anhören, vielleicht ist er ja bereit, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten!“ Er stand auf. „Laßt ihr euch ruhig schon mal weitere Vorschläge einfallen! Je mehr Ideen wir haben, desto besser!“
      Eddy grinste. „Das ist eine gute Idee, Jake!“
      Nun konnten die beiden mal einen Geist erstaunt sehen. Und dann lächeln. „Vielen Dank, Eddy und Jake! Ihr habt es wirklich verstanden!“
      Während Jake nun zum Büro zurückging, wechselten der Geist und Eddy einen Blick.
      „Ich denke, dein Vorschlag ist schon der unkomplizierteste, den man machen kann! Wenn uns ein gewisser Anteil an Spielzeit eingeräumt wird, sind wir schon mehr als zufrieden.“
      „Ja, und wenn man das als »Geisterstunde« deklariert, halten einige zart besaitete Leute das bestimmt noch für einen Werbegag und kommen trotzdem her. Ich sehe da gar kein Problem!“ sinnierte Eddy.
      „Ich hoffe, Mister Anderson sieht das genauso!“ bemerkte der Geist.
      „Ach, laß Jake nur machen! Der wird Anderson das schon richtig verkaufen!“ war Eddy sich sicher.
      „Ich bin wirklich beeindruckt!“ gestand der Geist, was ein merkwürdiges Gefühl in Eddy auslöste. Er hatte nie darüber nachgedacht, daß sich die Menschen auch den Respekt der Geister verdienen konnten. Es war aber auch eine der seltenen Gelegenheiten, in denen er sich mal mit einem Geist in aller Seelenruhe unterhielt.
      „Wieviel Spielzeit braucht ihr eigentlich?“ erkundigte sich Eddy.
      „Ach, einmal pro Woche für ein paar Stunden würde schon reichen! Wir haben ja auch noch andere Verpflichtungen! Wenn wir ein festes Zeitfenster hätten, wäre es sogar gar nicht schlecht, dann brauchen wir uns nicht mehr so umständlich abzusprechen!“
      „Ja, ich weiß genau, was du meinst! – Also, ich wüßte nicht, warum Mister Anderson etwas dagegen haben sollte. Ihr seid doch richtig nette Geister! Warum solltet ihr nicht hier spielen dürfen?!“
      „Ganz meine Meinung!“
      Die beiden sahen sich um, als Jake mit einem deutlich verwirrten Mister Anderson wieder zu ihnen kam. Er hatte die Zeit genutzt, um Anderson ein kurzes Resume zu geben und die Optionen zu erklären. Neben der Variante, auf Tracy mit dem Dematerialisator zu warten, hatte er dem Betreiber des Tennisplatzes allerdings nahegelegt, einen Konsens mit den Geistern auszuarbeiten. Nach anfänglicher Skepsis, war Anderson neugierig geworden.
      Anderson wurde deutlich nervöser, je näher er den Geistern kam.
      „Keine Angst, Mister Anderson! Die Geister sind sehr freundlich! Sie wollen nur Tennis spielen!“ Eddy lächelte dem Mann bewußt fröhlich entgegen.
      „Der junge Geisterjäger spricht die Wahrheit!“ griff der Geist ein. „Ich habe bereits versucht, es Ihnen zu erklären. Wir suchen nur einen Platz, wo wir vernünftig professionell spielen können!“
      „Ja, und die Geister würden sich sogar damit arrangieren, wenn Sie ihnen in einem bestimmten Zeitfenster ermöglichen hier zu spielen!“ fuhr Jake fort. „Um mehr geht es ihnen gar nicht!“
      „Sie könnten das mit einem Hinweis bekannt geben, damit jeder, der hier spielen will davon weiß!“ führte Eddy näher aus. „Dann können die Menschen selbst entscheiden, ob sie in der geisterfreien Zeit spielen möchten, oder mutig genug sind, sich den Platz mit den Geistern zu teilen!“
      Anderson schaute skeptisch. „Und Sie meinen, die Rechnung könnte aufgehen?“
      „Ja, warum nicht?“ meinte Jake. „Ich könnte mir vorstellen, daß Ihr Tennisplatz eine Attraktion wird, wenn offiziell bekannt ist, daß es »Geisterzeiten« gibt!“
      „Ja, und vielleicht entwickeln sich daraus ganz neue Freundschaften und Disziplinen!“ sponn Eddy den Faden weiter. „Stellen Sie sich das mal vor: Ein gemischtes Doppel aus Menschen und Geistern! Oder Wettkämpfe zwischen Menschen und Geistern!“
      Jake lachte. „Ich glaube, jetzt geht deine Phantasie mit dir durch!“
      Eddy grinste und hob nur die Schultern.
      Jake sah Anderson tiefgründig an. „Bitte überlegen Sie es sich! Wir können die Geister busten, wenn Sie es wünschen. Aber ich halte das für eine Maßnahme, die deutlich außer Verhältnis steht. Die Geister tun niemandem etwas zuleide, und im Gegensatz zu uns haben sie wirklich Grund, Angst zu haben!“ Mit einer Geste deutete er zu den verklebten Geistern, so wie der Geistersprecher es zuvor bereits einmal getan hatte.
      Anderson überlegte. „Okay, prinzipiell gebe ich Ihnen Recht…“ Er wandte sich an den Vertreter der Geister. „Wie haben Sie sich die Geisterspielzeit denn vorgestellt?“
      Der Geist machte eine gefällige Geste. „Wir wollen nichts weiter, als ein paar Stunden in der Woche spielen zu können! Nennen Sie uns ein Zeitfenster, das für Sie akzeptabel ist, dann werde ich das so in unseren Kreisen weitergeben!“
      „Nun… Wenn wir die Spielzeit in der Woche festlegen, zum Beispiel auf den Donnerstag. Und dann ab 22.00 Uhr bis morgens um 4.00 Uhr? Würde das gehen? Da ist sowieso praktisch nichts los hier…“
      Der Geist lächelte bereits hocherfreut. „Das hört sich doch nach einem annehmbaren Vorschlag an!“
      „Wunderbar!“ freute sich Eddy. „Dann bauen wir noch eine Marge von 4.00 Uhr bis 4.30 Uhr ein, damit man im Zweifel ein Spiel nicht zum Ende hin unterbrechen muß, und alle sind glücklich, oder?“
      Jake schnappte erschrocken nach Luft, als sein Partner so beherzt mit dem Vorschlag herauskam.
      Doch Anderson ließ sich ein leichtes Lächeln vernehmen. „Abgemacht!“
      Und dann konnten die beiden Juniorghostbuster Zeuge des ersten Handschlags zwischen einem Menschen und einem Geist werden – der etwas seltsam anmutete, aber seine Wirkung nicht verfehlte.
      „Gut, dann werde ich jetzt mal gehen, und eine entsprechende Pressemitteilung schreiben! Ich habe noch keine Ahnung wie, aber irgend etwas lasse ich mir da schon einfallen!“ Anderson atmete durch und verabschiedete sich dann von der Gruppe.
      Jake grinste. „Na, besser geht es doch nicht, oder?“ Er sah sich um. „Jetzt müssen wir nur zusehen, wie wir die verklebten Geister wieder losbekommen…“

Als Tracy wieder eintraf, traf ihn auch gleich der Schock. Er hetzte gerade über den Platz, als er sich einer geballten Ladung Geisterpower gegenübersah.
      Jake und Eddy hatten es mühelos geschafft, die Geisterblasen zum Platzen zu bringen, und die darin befindlichen Geister zu befreien. Beim Ghostgum wurde es etwas schwieriger, doch sie scheuten keine Mühen, die betroffenen Geister daraus loszubekommen. Eddy war dabei deutlich effektiver, vor allem, weil er beide Hände zu Verfügung hatte. Jake ließ sich nicht anmerken, wie sehr ihn das wurmte.
      Tracy hatte den Sachverhalt noch nicht ganz erfaßt und raste geschockt an die Seite seiner Kollegen, während er den Dematerialisator in den Anschlag setzte.
      „Tracy, nein!“ schrieen Eddy und Jake gleichzeitig.
      Tracy hielt desorientiert inne. „Nein?“
      „Nein!“ wiederholte Jake kategorisch.
      „Hilf uns lieber, die Geister aus dem Ghostgum wieder freizubekommen!“ fügte Eddy an.
      Tracy stand da und kratzte sich am Kopf.
      „Wir erklären dir gleich alles, alter Junge!“ sagte Jake. „Wir brauchen den Dematerialisator gar nicht mehr! Wir haben in der Zwischenzeit bereits alles allein geregelt!“
      Tracy sah die beiden mehr als verwirrt an, während Eddy vor ihm stehenblieb. „Hast du etwas, womit man das Zeug wieder loswird?“
      Tracy kramte in seinem Ghostpack und gab Eddy eine Sprühflasche in die Hand.
      „Und das schadet den Geistern auch nicht?“ erkundigte sich Eddy vorsichtshalber.
      Tracy schüttelte den Kopf. „Löst nur das Ghostgum auf!“
      „Phantastisch!“ grinste Eddy und machte sich an die Arbeit, während Jake den Gorilla auf den laufenden brachte.
      Tracy staunte nicht schlecht, und nur kurze Zeit später standen sie einer dankbaren Geistergemeinschaft gegenüber.
      „Vielen Dank, Ghostbuster!“ erklärte der Geist herzlich. „Wir haben euch viel zu verdanken!“
      „Das ist gern geschehen!“ erwiderte Jake.
      Der Geist maß ihn mit einem abschätzenden Blick. „Vielleicht sollten wir doch ein gemeinsames Spiel veranschlagen! Wie wäre das?“
      Jake lachte nervös. „Gerne! Aber nicht heute…“
      „Nein. Jetzt müssen wir gehen. Auch wenn die Regelung noch nicht offiziell ist, wollen wir uns daran halten!“ erklärte der Geist.
      Jake schmunzelte. Er erwähnte nicht, daß er sich eigentlich wegen seiner Hand aus der Affaire hatte ziehen müssen. Aus irgend einem Grund hätte es ihn aber nicht einmal gewundert, wenn die Reaktion seines Gegenüber so gewählt worden war, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen. Doch er wußte, das war nur eine Spekulation.
      Die Geister verabschiedeten sich, und so gingen auch die Ghostbuster langsam vom Platz.

„Ich muß mich bei dir entschuldigen!“ verkündete Eddy, als die drei in GB auf dem Rückweg waren.
      Jake sah ihn erstaunt an. „Wieso das?“
      „Na, du hast die ganze Situation gerettet! Wenn du nicht gepatzt hättest, dann hätten wir alle Geister dematerialisiert, und es wäre nie zu dieser genialen Vereinbarung gekommen!“
      Jake konnte sich ein überraschtes, und auch ein bißchen stolzes Lächeln nicht verkeifen.
      „Jake patzt nie!“ ließ sich GB vernehmen.
      „Oh, doch, GB! Heute habe ich gepatzt. Und wie! Daß sich das nachher zum guten wendete, war purer Zufall.“
      „Oh Mann. Erkennt Sarkasmus auf einen Meter Entfernung nicht!“ kommentierte GB für sich.
      Jake versank derweil in Gedanken. „Vielleicht sollte ich wirklich mal mit Tennisspielen anfangen…“
      Eddy schüttelte den Kopf. „Sagt der, der sich gerade das Handgelenk gebrochen hat! Wie geht es dir überhaupt inzwischen?“
      „Es tut schon noch weh, aber wenn ich es ruhig halte, dann geht es!“
      „Ach, sag’ nicht so was!“ kommentierte Eddy.
      Tracy flog derweil in die Garage des Ghostcommands ein. „Willkommen daheim!“
      Jake sprang behende aus dem Ghostbuggy, was genau solange elegant anmutete, bis er sich reflexmäßig mit rechts abzustützen versuchte, und wieder mit einem Schmerzensschrei wegknickte.
      Eddy beobachtete es und schüttelte mit einem Seufzen den Kopf.

Gemeinsam gingen sie hoch in’s Büro und legten ihre Ghostpacks ab.
      „Okay! Solange, bis du damit durch bist, nehmen wir besser keine Aufträge mehr an!“ entschied Eddy.
      Jake sah ihn fassungslos an. „Was soll das denn jetzt, Eddy?“
      Eddy atmete tief durch. „Du lernst es wirklich nicht, oder, Jake? Du hast doch gesehen, wieviel Sinn das heute gemacht hat! Ich meine, mal abgesehen von der überraschenden guten Wendung!“
      „Oh, ja! Das habe ich tatsächlich gesehen“, erwiderte Jake. „Deswegen sehe ich keinen Grund, warum wir keine Aufträge annehmen sollten!“
      Eddy mußte Ärger im Zaum halten. „Jake, langsam werde ich wirklich sauer! Was soll das? Dein verdammtes Ego wird dir noch mal das Genick brechen! Ich stelle mir gerade bildlich vor, wir sind in Hauntquarters, versuchen, uns vor Prime Evil zu verstecken, und du schreist auf, weil du irgendwo gegenkommst!“ argumentierte er.
      Jake lachte. „Jetzt reg’ dich mal wieder ab, Eddy!“ Bevor Eddy vollends eskalieren konnte, fuhr er fort: „Was ich heute gesehen habe ist, daß ihr beide, du und Tracy, die Situation vollkommen im Griff hattet! Und wäre ich nicht dabei gewesen, wäre sie sicher ein voller Erfolg gewesen! – Ich sehe ein, daß ich euch im Moment keine große Hilfe bin! Aber das heißt nicht, daß ihr in der Zeit die Aufträge nicht ausführen könnt! Und soweit ich kann, stehe ich euch gerne im Hintergrund mit Ideen und Ratschlägen zur Seite!“
      Eddy starrte ihn verblüfft an. „Meinst du das Ernst, Jake?“
      „Ja, sicher!“ Er ging zu Eddy herüber und legte ihm den gesunden Arm um die Schultern. „Hey, du hast mir da auf dem Platz das Leben gerettet, Kumpel! Sinnbildlich gesprochen. Wäre die Situation so ernst gewesen, wie wir dachten, dann hättest du das getan. Ihr beide! Ihr habt die Mission dort ganz allein geführt, und noch zudem mit eurem Anführer, der euch die Situation unvermittelt noch zusätzlich erschwert hat. Und ehrlich gesagt: Ich hätte es nicht besser machen können!“
      „Naja, wir mußten uns ja auch etwas einfallen lassen“, wich Eddy aus.
      „Aber genau darum geht es! Im Ernstfall einen kühlen Kopf bewahren und das richtige tun. Glaub’ mir, ich habe vollstes Vertrauen in euch! Also, nehmen wir jetzt weiter Aufträge an, bis ich wieder ganz fit bin?“
      Eddy und Tracy wechselten einen Blick.
      Tracy grinste und hob einen Daumen. „Oki Doki!“
      Eddy schmunzelte. „Na gut, versuchen wir es.“
      „Prima!“ freute sich Jake. „Und jetzt…“ Er wollte sich gerade am Schreibtisch abstützen, als er ein erneutes Mal zusammenzuckte und vor Schmerzen aufschrie.
      Eddy konnte sich ein gehässiges Grinsen nicht nehmen lassen und drückte ihm die Packung in die Hand, die er aus dem Ghostbuggy mit nach oben genommen hatte. „Die hat der Arzt dir nicht umsonst mitgegeben! Also: Handgelenk hoch lagern, kühlen und schonen, bitte sehr!“
      Jake atmete tief durch, ließ aber ein gequältes Lächeln folgen. „Ja, Boss!“
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