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„Ich warte auf dich“

von LenjaKa
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2013
16.08.2013
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11.01.2013 2.177
 
Eigentlich lag es ganz und gar nicht in Lenjas Absicht nun mit verbundenen Augen von Thorin durch die Dunkelheit Esgaroths geführt zu werden. Wenn sie es sich recht überlegte, war ihr die Situation ein wenig dubios. Merkwürdig und leicht kindisch zugleich. Im Normalfall hätte sie dem Zwerg vielleicht mit einer abfälligen Handbewegung zu verstehen gegeben, dass sie nicht gewillt war aus der warmen Umarmung zu entschlüpfen. Immerhin war sie nach den gesamten Ereignissen in der letzten Zeit mehr als glücklich und zufrieden, dass keine ungesagten Dinge mehr zwischen ihnen standen. Sich einfach zurücklehnen und die Zweisamkeit genießen. Mehr wollte sie nicht. Und doch hatte sie nachgegeben.

Was Thorin vorhatte, wusste die Zwergin nicht. Sie hatte keine Idee, womit er sie überraschen wollte. Während sie wieder einmal kurz davor war über ihre eigenen Füße zu stolpern, was natürlich nur an ihrer momentanen Blindheit und keinesfalls an einer Übernächtigkeit aufgrund der Flucht in einem übel riechenden Fass lag, fragte sie sich, was ihr Begleiter sich einfallen lassen hatte.

So überrascht sie bereits von seiner Reaktion auf ihren vermeintlichen Verrat gewesen war, konnte sie sich nicht vorstellen, was es noch geben sollte, dass ihr Glück vollkommener machen konnte. Aber es musste etwas sein, worauf sich Thorin immens zu freuen schien. Er hatte sie bereits schon einmal an diesem Abend überrascht, ohne es wahrscheinlich selbst zu wissen. Und nun sollte es weitergehen? Wann hatte sie ihn eigentlich das letzte Mal so begeistert erlebt? So entschlossen und doch mit leicht naiven Zügen. Er wirkte plötzlich um einiges jünger. Ja, er hatte etwas Knabenhaftes an sich gehabt als er Lenja ein wenig zu ihrem Glück, zu seiner angekündigten Überraschung, auf die Beine zog. Ihr wollte nichts einfallen, was der Zwerg mit ihr vorhaben konnte.

Wie lange sie unterwegs waren, wusste sie nicht. Ihr Zeitgefühl hatte bereits mit Beginn der Entführung im Düsterwald einen erheblichen Schaden genommen. Und ihre momentane Blindheit trug einen weiteren Anteil dazu bei. Mehrmals hatte sie bereits begonnen, sich zu erkundigen, wie lange sie denn noch im Unklaren gelassen werde. Thorin hatte daraufhin belustigt gemeint, dass sie bald wie seine Neffen klang als jene in ihrer Kindheit ganz verzweifelt wissen wollten, wann es denn endlich das langersehnte Geburtstagsgeschenk gab.

„Ich weiß selbst, dass ich heute nicht Geburtstag habe. Du hältst dich wohl für ganz lustig, was?“, maulte sie als sie kurz darauf wieder ins Stolpern geriet.

„Na, wenn du mich nicht hättest, wärst du jetzt der Länge nach auf die Nase gefallen“, bemerkte Thorin neben ihr trocken.

Da er eine Hand um ihren Ellbogen gelegt hatte, konnte er den nahenden Sturz abfangen.

„Wenn du nicht auf die Idee gekommen wärst mir die Sicht zu nehmen, wäre ich auch nicht fast gestürzt. Bist du dir denn überhaupt sicher, dass du den richtigen Weg nimmst? Mir kommt es vor als ob wir im Kreis laufen. Nicht, dass wir uns verirren, so wie du dich einst im Auenland.“

„Ich glaube, ich sollte mir das mit der Überraschung noch einmal überlegen...“, brummte der Zwerg und Lenja konnte nicht anders als zu schmunzeln.


**


Plötzlich blieb Thorin ohne Vorwarnung stehen, hielt Lenja aber immerhin so gut fest, dass sie nicht aufgrund dessen nach vorn kippte. Sie war im Begriff sich bei ihm zu beschweren als er ihr auch schon die Augenbinde in Form eines einfachen Leinenstücks abnahm. Mehrmals musste die Zwergin blinzeln, um sich nach und nach wieder an das Licht zu gewöhnen, welches sie nun umgab. Vorsichtig drehte sie ihren Kopf, um herauszufinden, wo sie war. Thorin neben ihr sah sie mit einem Lächeln auf den Lippen an.

Lenja ließ den Blick schweifen. Sie befanden sich auf einem Steg. Dass sie noch an der frischen Luft waren, hatte sie trotz der fehlenden Sicht bemerkt. Dann und wann spürte sie den leichten Wind an ihrer Wange. Und doch stockte ihr der Atem.

Viele Lichter umhüllten sie. Kerzen in allen Formen und Größen zauberten eine unbeschreibliche Atmosphäre. Das seichte Wasser links und rechts neben den Holzplanken spiegelte die kleinen Flammen wieder. Sie tanzten förmlich sowohl an der kühlen Luft als auch in den Tiefen. Die Zwergin tat zwei Schritte nach vorn, um ein Etwas näher in Augenschein zu nehmen. Auf halber Strecke des Holzstegs, der von den Häusern der Menschen etwas abseits lag, stand eine kleine Holzkiste. Sie zog ihre Augenbrauen zusammen.

Lag dort ein Leinenband, wie Thorin eins noch immer in Händen hielt. Und daneben? War das ein Tonbecher? Langsam trat sie näher. Ja, es war wirklich einer. Und in ihm schimmerte eine Flüssigkeit. Sie blinzelte mehrmals. Nein, das konnte nicht sein. Sie war schon viel zu lange wach. Sie sah Dinge, die es nicht gab. Mit fragendem Blick wollte sie sich just in jenem Moment zu Thorin umdrehen, doch er stand bereits neben ihr und ging ein wenig in die Knie, um den Leinenstoff, der bis eben Lenjas Augen die Sicht genommen hatte neben dem auf der Kiste Liegenden zu platzieren.

Unsicher und überfordert sah sie zwischen dem Zwerg, den Kerzen und den Utensilien zu ihren Füßen hin und her. Oh in Mahals Namen! Träumte sie oder war dies die Realität? Hatte ihr Verstand einen Schaden genommen als sie auf der Flucht immer wieder mit dem Kopf gegen das Holz stieß? Sie wollte etwas sagen, doch alles, was über ihre Lippen kam, war ein Gestotter.

„Du... ich... wie... träume... mein Herz... das hier... ich... wir... endlich... nun doch... Thorin...“

Ihr Herz raste. Ihr Kopf war so leer und doch hatte sie das Gefühl, ihre Gedanken würden sich förmlich überschlagen. Thorin nickte nur.

„Doch, doch. Du hast schon verstanden. Und du träumst nicht. Es ist endlich an der Zeit. Und es ist richtig so, wie es ist. Ich kann mir keinen besseren Moment vorstellen. Wir sollten nicht länger warten. Vorausgesetzt du möchtest mich noch.“ Ein seltenes Strahlen lag in seinem Blick.

„Halt mich fest!“, keuchte Lenja.
Ihre Knie wurden schlagartig weich. Ihre Beine gaben vor Freude, Verblüffung, Entzücken und Überraschung nach. Plötzlich war jene Müdigkeit von eben vergessen.

Ihr Herz hämmerte gegen ihre Brust. Im richtigen Moment hatte Thorin sie noch auffangen können. Ihre Unterlippe bebte vor Fassungslosigkeit. Ihr Körper zitterte leicht.

„Ist es so schlimm? Wenn du nicht willst, dann lassen wir es sein. Immerhin meintest du doch, ich wär so durchschaubar indem, was ich tue... habe ich dich erschreckt?“ Die Stimme des Zwergen war von Besorgnis gefärbt.

„Überrascht, Thorin. Eindeutig überrascht“, flüsterte die Zwergin und musste schließlich lachen. Sie lehnte ihre Stirn gegen seine und sah ihn direkt in seine blauen Augen.
„Du machst mich verrückt, Thorin Eichenschild.“

Ein Lächeln, welches Lenja nicht sehen konnte, lag auf seinen Lippen.

„Und was sagst du dazu? Also zur Überraschung?“, flüsterte er schon fast.

„Eindeutig ja. Auch wenn wir dazu wenig festlich gekleidet sind, wüsste ich nicht, was uns davon abhalten sollte. Die Überraschung ist dir eindeutig gelungen. Und nun sag den Anderen Bescheid bevor die Kerzen hier noch herunter brennen und den Steg in Flammen setzen. Sie warten doch bestimmt schon ganz gespannt.“


**


Sie waren mittellos. Sie besaßen nichts als das, was sie an ihren Körpern trugen. Und doch konnte Lenja sich keinen besseren Zeitpunkt vorstellen. Alles um sich herum hatte sie vergessen. Die Strapazen, die Schmerzen, die Verzweiflung – sie sah nur ihn. Ihr Herz stand in Flammen. Ihr war gleichzeitig warm und kalt. Leichte Schauer liefen über ihren Rücken, wenn sie Thorin in die Augen sah.

Sie konnte es nicht begreifen. Noch nicht. Sie wusste, was sie hier taten und doch wirkte alles wie ein Traum. Ein Traum, zu dessen Ziel sie einst vor über 100 Jahren gemeinsam aufgebrochen und nun nach einigen Umwegen angelangt waren. Was sie fühlte, konnte sie nicht in Worte fassen. Es war irgendetwas zwischen unendlicher Liebe, Herzklopfen, Berührtheit, Überraschung und Freude. Und es fühlte sich so gut an. So unbeschreiblich gut.

Ein Paar, zwölf weitere Zwerge und ein Hobbit auf einem Steg in einer Menschenstadt. Und doch war es der schönste Ort in ganz Mittelerde in jener Nacht. Auch wenn es keine Eiche in der Nähe gab, sollte sie dies nicht stören. Ihr Schwur würde auch so an seiner Richtigkeit keinen Abbruch bekommen.

Lenja und Thorin saßen sich vor der Holzkiste gegenüber. Wahlweise hätten sie auch stehen können, doch sie hatte ein wenig die Befürchtung, dass ihre Knie im falschen Moment wieder weich werden konnten. Die Position war nicht wichtig. Alles hing von drei kleinen Schritten ab. Von Abschnitten, die zu einem uraltem Ritual gehörten. Und sie alle gehörten zu einem Schwur, der die beiden Zwerge nun auch offiziell zu einem Paar machen sollte. Der sie zu Mann und Frau erklärte.

Es war an Thorin zu beginnen. Der Zwerg fasste sich ins eigene Haar und löste die linke Schmuckschließe am Ende seines Zopfes. Vorsichtig griff er in Lenjas immer noch recht kurzen Schopf und begann dort eine Strähne links neben ihrer Schläfe nach unten zu flechten. Trotz der geringen Länge legte er eine Präzision an den Tag, die die Zwergin sich niemals hätte vorstellen können. Zum Schluss befestigte er die silberne Schließe. In zwergischen Runen war dort für jeden zu lesen, wem der Schmuck einst gehört hatte. Zufrieden betrachtete Thorin sein Werk.

Nun war es an Lenja dem Auserwählten ihres Herzens einen persönlichen Gegenstand zu schenken. Doch vorher konnte sie nicht anders als den sich bereits lösenden Zopf an Thorins linker Schläfe endgültig aufzulösen. Aus zwergischer Sicht gab es kaum etwas Schlimmeres als schlecht sitzende Haare. Sie musste schmunzeln als der Zwerg kurz die Augen verdrehte. Doch nun war sie bereit ihren Teil des Rituals zu erfüllen.

Mit geschickten Fingern griff sie sich an die Kette, die sie seit ihrem 12. Lebensjahr trug. Es war eine schlichte, silberne Kette, die einen Anhänger in Form einer Eiche besaß. Die Wurzeln waren das Symbol für ein langes erfülltes Leben. Lenja löste den Verschluss, nahm das Schmuckstück in beide Hände, beugte sich ein wenig nach vorn, um es nun um Thorins Hals zu legen. Als sie das Ende wieder verschlossen hatte, musste sie kurz tief ein- und ausatmen. Eine Träne der Rührung musste sie ebenfalls weg blinzeln. Ja, der erste Schritt des Rituals war nun getätigt. Es sollten noch zwei weitere folgen.

Thorin reichte ihr seine Hand, sodass sie sich beide erhoben. Balin und Fíli standen nun auf und traten auf sie zu. Die anderen saßen immer noch auf ihren Plätzen unweit von ihnen entfernt und betrachteten die Szenerie.

Die Liebenden legten die Hände ineinander, wie es Tradition war.

Lenjas Onkel nahm als erster der beiden Ankömmlinge ein Stoffband von der Kiste und begann damit die eine Seite der in sich verschränkten Hände zu verbinden. Fíli tat es ihm auf der gegenüberliegenden Seite gleich. Nach und nach wurde das Leinen immer wieder um ihre Haut geschlungen bis es schließlich eng an ihr anlag. Das Herzklopfen wollte nicht abnehmen. Es gewann vielmehr an Schnelligkeit dazu. Die gesamte Zeit hatten sie sich nicht aus den Augen verloren. Sie musste sich schon gewaltig täuschen, wenn das dort nicht doch ein unterdrücktes Freudentränchen in Thorins Augenwinkel gewesen war. Sie konnte nicht anders als ihn anzustrahlen auch wenn sie selbst mit ihren Gefühlen kämpfte.

Bevor Balin und Fíli wieder zurück an ihre Plätze traten, führten sie sacht die Häupter der Liebenden ein wenig näher aneinander, sodass sich Lenjas und Thorins Stirn leicht berührten. Das Zeichen, das der zweite Schritt des Rituals nun vollzogen war. Die Familien des Paares hatten ihren Segen gegeben.

Mehrere Minuten verbrachten sie nun in dieser Haltung. Stirn an Stirn. Hand in Hand. Sie fragte sich, ob Thorin ihren Herzschlag nicht bereits hören konnte. Und wie zur Beantwortung dieses Gedankens wurde sein Lächeln breiter. Lenja musste kurz auflachen.

Vorsichtig löste der Zwerg die Schnürung an Lenjas rechter und seiner linken Hand. Das Paar ging wieder in die sitzende Position über. Die Zwergin griff nach dem Tonbecher. Vorsichtig führte sie ihn an Thorins Lippen und ließ ihn einen Schluck daraus nehmen.

„In der dunklen Welt gibt es ein einziges Licht, das sie erhellt“, begann Lenja das Versprechen, welches sie sich bereits vor über 100 Jahren hatten geben wollen.

Ein Lächeln umspielte seine Lippen als auch er es der Zwergin gleich tat und ihr den Becher an den Mund führte, sodass sie einen Schluck des roten Weines nehmen konnte.

„Dieses Licht sehe ich nur dann, wenn ich dir in die Augen schau“, antwortete Thorin und setzte den Krug ab.

Ein letztes Mal lehnten sie ihre Stirn gegeneinander. Ein letztes Mal schlossen beide kurz ihre Augen, um in sich zu gehen. Sie waren nun Mann und Frau. Sie waren eins. Doch eine Kleinigkeit fehlte noch.

Lenja und Thorin strahlten sich an. Auffordernd legte sie den Kopf ein wenig schief. Neckend hob er fragend eine Braue als ob er nicht verstanden hätte. Kurz rollte sie mit den Augen. Als Gedankenstütze spitzte sie nun ihren Mund. Nun diese Einladung ließ der Zwerg sich nicht zweimal machen und noch ohne, dass sich Lenja versah, berührten auch schon seine Lippen zärtlich die ihren. Sie hatte das Gefühl sich in diesem Kuss und seinem sanften Blick zu verlieren.

Nur der tosende Applaus ihrer Freunde erinnerte sie daran, dass dies hier kein Traum gewesen sein konnte.
Ja, Thorins Überraschung war ihm wirklich gelungen.
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