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„Ich warte auf dich“

von LenjaKa
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2013
16.08.2013
90
211.136
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11.01.2013 1.788
 
Lenja war Bilbo für seine Aufmunterung sehr dankbar. Er hatte recht. Sie durfte nicht weiter über die Dinge nachdenken, die sie in den letzten Stunden so sehr in Beschlag genommen hatten. Sie mussten nun alle zusammenhalten, wenn sie wieder in Freiheit gelangen wollten. Niemand durfte sich nun eine Schwäche erlauben. Sie mussten versuchen alle Sinne unter Kontrolle zu bekommen, um sich ganz auf die Möglichkeiten besinnen zu können, die sich ihnen nun boten. Doch eins war bereits jetzt schon sicher: sie brauchten viel Einfallsreichtum, um ihre Zellen verlassen und sich an den Wachen Thranduils vorbei schleichen zu können. Im Moment wussten weder Bilbo noch die Zwergin, wo sich ihre Freunde aufhielten. Sicherlich konnte man davon ausgehen, dass auch sie in Zellen oder ähnlichem untergebracht waren, doch wie sollte man sie dort ungesehen wieder herausbekommen? Vierzehn Zwerge und ein Hobbit, der dankenswerterweise einen Zauberring besaß, waren leider nicht unauffällig genug, hatte man sie denn erst einmal aus ihrer momentanen Haft befreit.

Nachdenklich lagen Lenja und Bilbo nebeneinander auf dem Bett und starrten an die Decke. Fieberhaft überlegten sie, wie nun vorzugehen sei. Keiner ihrer Freunde würde wohl den Hungertod in der Haft sterben müssen, denn sie gingen davon aus, dass auch die anderen Zwerge etwas Essbares, wenn auch weniger dem zwergischen Geschmack entsprechend, bekommen hatten. Darüber brauchten sie sich also nicht sorgen. Dennoch, ein großes Problem blieb. Wie sollten sie alle finden und zu einer bestimmten Zeit aus ihrer Haft befreien ohne dann im Anschluss sogleich von den Elben bemerkt und kaum, dass sie entflohen waren, wieder eingesperrt zu werden? Und wenn ihnen die Flucht aus ihren Kerkern gelungen war, wie sollten sie aus diesem Palast wieder herauskommen? Und wenn sie doch durch eine göttliche Fügung einen Weg nach draußen gefunden haben sollten, würden sie sich dann nicht alsbald wieder verlaufen? Keiner unter ihnen kannte sich in den Wäldern hier aus. Niemand wusste, wie sie das dichte Grün hinter sich lassen sollten, ohne Gefahr zu laufen Irrwege zu nehmen und elendig im Düsterwald ihr Leben aushauchen zu müssen. Was sie brauchten, war ein wirklich gut durchdachter Plan. Doch umso länger die beiden ungleichen Freunde ihre Gedanken in alle noch so unmöglichen Richtungen schweifen ließen, schmerzte ihnen sehr bald der Kopf.

“Ich glaube, mir fällt nichts mehr ein, Bilbo”, meinte die Zwergin und massierte sich vorsichtig die pochende Stirn.

“Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das gesamte Unterfangen auch leichter vorgestellt. Wie sollen wir denn nun weiter vorgehen? Aber egal, was wir tun, wir dürfen nichts einfach so leicht über das Knie brechen, wenn du mich fragst”, stimmte der Halbling zu.

“Und wenn du das nächste Mal, wenn sich die Tür hier öffnet mit Hilfe des Ringes ungesehen hinaus schlüpfst? Dich würde niemand sehen und du könntest dich zumindest auf die Suche nach den anderen machen. Sie werden erfreut sein zu hören, dass sowohl Thorin als auch ich wohlauf sind. Vielleicht haben sie ja noch eine zündende Idee auf die wir beide bis jetzt nicht gekommen sind.”

“Das wäre immerhin ein Anfang. Ich könnte mich dann auch genauer umschauen, wie hier die Anlage des Elbenkönigs aufgebaut ist. Immerhin hat Gandalf mich ja als Meisterdieb dem armen Thorin aufgezwungen. Vielleicht ist es nun endlich an der Zeit mein Können zu zeigen.”Leise seufzte er.

Lenja hatte das Gefühl, dass der Hobbit ein wenig reumütig die Anwesenheit des Zauberers vermisste. Sie musste zugeben, dass auch ihr ein wenig leichter ums Herz gewesen wäre, wenn sie den Mann in ihren Reihen wüsste. Doch das Schicksal wollte anscheinend, dass sie allein mit der Situation umgehen mussten. Vielleicht wären sie aber niemals in jene geraten, wenn der Zauberer sie nicht vor den Pforten des Düsterwaldes verlassen hätte.

“Ich glaube an dich, Bilbo. Du bist momentan die einzige Hoffnung, die wir alle haben. Es ist immerhin ein Versuch wert. Wenn wir es jetzt nicht wagen, bleiben wir vielleicht bis in alle Ewigkeiten hier gefangen. Von deiner Anwesenheit weiß niemand der Elben und das müssen wir uns zu Nutze machen. Versuch etwas herauszufinden. Und wo wir gerade beim Thema finden sind… könntest du mir vielleicht einen Gefallen tun?”, fragte die Zwergin und sah abwartend zu Bilbo hinüber, der links neben ihr lag.

“Thorin, nicht wahr?” Es war eher eine Feststellung als eine Frage.

“Ja, es wäre schön, wenn… naja, wenn… ach, wenn du ihn finden würdest. Ich weiß nicht, ob man ihn und die anderen Zwerge nun einzeln oder gemeinsam eingesperrt hat. Aber versuch ihn zu finden und mit ihm zu sprechen. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, dass ihr beide ein paar Worte miteinander wechseln könnt… ich meine… ich würde nichts lieber tun als mit ihm reden… mich entschuldigen… mich erklären versuchen…” Mehrfach und kurz hintereinander blinzelte sie, um die aufsteigenden Tränen der Verzweiflung zum Verschwunden zu zwingen.

“Ich gebe mein Bestes, Lenja. Nur wenn ich ihn gefunden habe, was soll ich ihm denn sagen? Meinst du denn, dass er mich überhaupt als deinen Boten akzeptiert? Immerhin ist Thorin ja manchmal sehr eigen… und vielleicht sieht er es dann auch als unhöflich an, wenn ich in eurer Beziehung den Mittler spiele… du weißt, dass du dich auf mich verlassen kannst, doch weiß ich nicht, wie er darauf reagiert, wenn ich, falls ich ihn finden sollte, ihm von unseren Überlegungen zu einem Ausbruch berichte und nebenbei Botschaften von dir übermittle.” Ein wenig Röte war auf den Wagen des Hobbits zu erkennen als er zu ihr herüber sah.

“Hm… nur wenn du kommst und ihm berichtest, dass du bei mir warst und keine Nachricht, also keine persönliche von mir bringst, meinst du nicht auch, dass dies ebenfalls der falsche Weg ist?”

Bilbo nickte nachdenklich.

"Lass mich ein wenig überlegen…”, sprach Lenja und erhob sich aus dem Bett.

Wie schon immer in ihrem langen Leben musste sie beim Nachdenken auf und ab gehen. Immer wieder schritt sie imaginär ihren Weg unbeirrt voran, nur um nach wenigen Schritten wieder kehrt zu machen und zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren.

Sie musste sich etwas einfallen lassen. Viele Gedanken kamen bald zeitgleich. Sie wollte sich bei Thorin entschuldigen. Es sollte ihm zeigen, dass sie ihn trotz ihres vermeintlichen Verrats liebte. Sie liebte keinen anderen Mann. Sie wollte auch keinen anderen. Er war eine der wichtigsten Personen in ihrem Leben. Auch wenn sie sich manchmal durch ihre Sturheit fast die Köpfe eingeschlagen hatten und keiner so schnell klein beigeben wollte, konnte sie sich kaum vorstellen, ohne ihn weiterleben zu müssen. Nein, allein diese Vorstellung ließ ihr Schauer über den Rücken laufen. Sie bereiteten ihr Angst und es schmerzte sie, überhaupt auf die Idee gekommen zu sein, er würde sie nicht mehr wollen. Aber ein Quäntchen Ungewissheit blieb.

Sie musste ihm etwas durch Bilbo mitteilen, das auch ihn überzeugte. Es musste so klar, so deutlich und doch so zart sein, wie Liebe nur sein konnte. Er durfte nicht denken, dass sie ihn nicht liebte. Er durfte nicht auf die dumme Idee kommen, dass sie sich in seiner Nähe nicht wohlfühlte. Bei Mahal, sie wäre überglücklich gewesen nun bei ihm zu sein, in seinen Armen zu liegen und seine Nähe zu spüren. Was hätte sie dafür gegeben seinen Herzschlag zu hören, seinen ganz persönlichen Duft förmlich in sich aufzusaugen und einfach ohne Worte fühlen zu können, wie sehr sie sich doch beide liebten. Selbst ihre Haare wollte sie wieder wachsen lassen, weil sich der Kummer von einst in Luft aufgelöst hatte. Wenn es sein musste, würde sie selbst wieder beginnen die ungeliebten Kleider zu tragen. Und dies alles nur, um Thorin glücklich zu sehen. Um ihm vielleicht ein Lächeln zu entlocken oder besser noch ein Lachen. Wie sehr hatte sie seine Unbekümmertheit aus der Vergangenheit während der Reise hierher vermisst gehabt. Ihre eigene war ebenfalls rasch in ihren Streitereien verflogen. Und nun, kaum, dass sie wieder zueinander gefunden hatten, dass die zarte Blume der Liebe wieder Triebe bekommen hatte, sollten keinesfalls ihre Herzen wieder brechen. Nein, das durfte nicht geschehen! Sie musste für ihren Fehler einstehen und die Risse ihrer Liebe beheben. Mit Bilbos Hilfe.

Und dann hatte sie einen Einfall. Die Rettung, wie ihr erschien. Und doch sprachen jene Worte eine eindeutige Sprache. Die Sprache der Liebe.

Vorsichtig trat sie wieder an das Bett heran, auf dem Bilbo ihr sitzend während des Denkprozesses zugeschaut hatte. Er legte seinen Kopf ein wenig schief als ihm etwas zu sagen schien, dass die Zwergin nun in ihren wirren Gedanken fündig geworden war.

“Magst du mir den Gefallen tun?”, fragte sie vorsichtig.

Der Hobbit nickte munter. Es war ihm eine Freude seiner Freundin in dieser Situation beistehen zu können und ihr Vertrauen zu genießen.

“Dann musst du mir nun genau zuhören. Wenn du Thorin findest und ihm sagst, dass wir beide uns über Fluchtpläne Gedanken gemacht haben, dann sag ihm bitte etwas sehr persönliches von mir. Und dafür benötigst du ein wenig Zungenfertigkeit. Ich werde nun mit dir ein wenig Khuzdul üben müssen. Auch wenn du bestimmt neugierig bist, werde ich es dir nicht übersetzen. Es ist etwas, dass nur für Thorin bestimmt ist. Und es ist auch besser so, wenn wir uns trotz deiner Hilfe noch ein wenig privaten Raum lassen. Hast du Mut genug es probieren zu wollen? Die Aussprache ist vielleicht nicht ganz so gewöhnlich wie Westron. Aber mit ein wenig Übung sollte es dir gelingen”, meinte Lenja und ein flehender Ton lag in ihrer Stimme.

“Ich bin bereit. Sprich es vor und ich werde es nachsprechen.”

“Menu zirup men”, sagte die Zwergin und schloss kurz die Augen. Wenn Bilbo wüsste, wie viel Gefühl in diesen Worten lag… ihr Herz machte einen kleinen Sprung als sie an den Mann dachte, der diese Bekundung verdient hatte.

Eifrig versuchte sich der Halbling an diese für seine Ohren unbekannten Laute. Schon bald sprach er den Satz besser aus als sich Lenja erträumt hätte. Es machte ihn sichtlich stolz, dass er ein Bote in geheimen Liebesdingen sein durfte. Und die Frau konnte sich in diesem Moment niemanden vorstellen, den sie mit dieser Bitte lieber zu Thorin geschickt hätte als den Hobbit.

“Nur eine Frage hätte ich da noch”, meinte Bilbo.

“Ja?”

“Wie soll ich wieder in deinen Raum einkehren, wenn ich denn erst einmal draußen bin? Du bist doch eingesperrt.”

“Ach, Bilbo. Lass das mal mein Problem sein. Ich werde dich hier schon wieder hineinbekommen. Wenn du von deiner Erkundung zurückkehrst, dann gib mir ein Zeichen. Klopfte viermal an die Tür. Man wird dir schon öffnen, dafür werde ich sorgen. Auch ich habe meine kleinen Geheimnisse, mein lieber Meisterdieb.”

Fragend sah der Hobbit die Zwergin an als sie auch schon sich nähernde Schritte vor der Tür vernahmen. Es war keine Zeit zu verlieren. Sie nickten sich noch ein letztes Mal aufmunternd zu bevor die Umrisse Bilbos verschwanden.

Der Ring und sein Träger würden ihnen hoffentlich das Glück zurückbringen.
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