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„Ich warte auf dich“

von LenjaKa
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2013
16.08.2013
90
211.136
61
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11.01.2013 1.643
 
Lenja wusste nicht genau, wie sie sich verhalten sollte. Sie war, wie ihr von Thrór geheißen, ihm in sein Arbeitszimmer gefolgt und nun saß sie in einem durchaus komfortablen Sessel vor seinem Schreibtisch. Sie und der König unter dem Berge waren nun auf gleicher Augenhöhe und keiner hatte ihr je verraten, wie man sich in einer solchen Situation verhalten sollte. Es passierte ja nicht alle Tage, dass man allein mit dem König in seiner Arbeitsstube saß. Und dies schon gar nicht als Zwergin. Außer natürlich, wenn man zur königlichen Familie gehörte. Doch Lenja gehörte nicht, noch nicht, zur letzteren Kategorie.
So saß die junge Frau vor dem König wachsamen Augen und hoffte, dass er nun endlich zum Sprechen ansetzte und sie aus der ihr unangenehmen Situation erlöste.

Mit einem kaum merklichen Lächeln auf den Lippen erhörte Thrór Lenjas Gedanken: „Wisst Ihr, dass die Bescheidenheit eine der unterschätzten Tugenden auf der Welt ist?“

Die Zwergin war sich nicht sicher, ob sie nun antworten sollte oder ob dies eher eine Feststellung als eine Frage war. Ihr Blick traf den des Königs. Sie schluckte. Er erwartete wirklich eine Antwort. Zögerlich räusperte sie sich.

„Ihr habt Recht, dass dies eine der wenigen Tugenden ist, die nicht sofort den Geist eines jeden zu Tage befördert. Doch kann ich Euch nicht ganz folgen, Eure Majestät“, antwortete Lenja wahrheitsgemäß.

Das Lächeln auf seinem Gesicht wurde breiter. Nun spiegelten auch seine Augen eine Freundlichkeit wieder, die die Zwergin niemals einem König zugetraut hätte. Lachfalten bildeten sich um sie und Lenja wusste nun absolut nicht mehr in welche Richtung dieses Gespräch gehen sollte.

„Wenn Wir Euch betrachten, dann müssen Wir an Euren Großvater denken, schönes Kind. Nicht nur die Haarfarbe stimmt überein, sondern auch die Augen zeugen vom selben Geiste.“

Unweigerlich gingen ihre Gedanken an ihren Großvater. Fundin. Sie hatte den Vater ihrer Mutter immer sehr gemocht, auch wenn er zu anderen Erziehungsmethoden griff als Balin und Dwalin es je getan hätten. Auch er lebte im Erebor, doch sie hatten beide kein sonderlich enges Verhältnis. Schließlich war sie bei ihren Onkeln groß geworden und nur ab und zu bei ihm zu Besuch gewesen. Sie hatte oft das Gefühl, dass Fundin es nicht sonderlich gut hieß, wenn sie wieder Dwalin um den Finger wickelte oder Ári Dinge erlaubte, die es „früher“ nie gegeben hätte. Aber trotz allem wusste sie, dass ihr Großvater viel von ihrem Intellekt und ihrem Willen an das fast Unmögliche zu glauben und danach greifen zu wollen, hielt.
Als sie noch jünger war, hatte sie oft gedacht, dass sie ihre Augenfarbe ihrem Vater verdankte und sich dafür selbst nicht gemocht. Immer, wenn sie in den Spiegel schaute, dachte sie das Monster würde sie direkt durch ihre eigenen Augen anstarren. Doch später, bei genauer Betrachtung fiel ihr auf, dass Fundin dasselbe Grün sein Eigen nannte und ihr Herz machte einen Sprung. Der alte, mürrische Knochen war ein herzlicher Zwerg, der durch sein Wesen bei vielen sehr beliebt war. Das nun der König sie mit Fundin verglich, schmeichelte ihr. Doch hatte sie keine genaue Vorstellung, in welcher Verbindung die beiden standen. Den Worten Thrórs nach musste es aber eine persönliche Bekanntschaft sein, denn ansonsten hätte er nicht so herzlich von ihrem Großvater zu sprechen gewusst.

„Ihr ahnt nicht im Geringsten, wie sehr Wir Uns darüber erfreut haben Euren Entwurf in Händen zu halten. Er zeugt von einer Präzision, aber auch gleichzeitig von einer unschuldigen Reinheit, die Wir Uns kaum erträumt hätten. Wir sind davon überzeugt, dass Eure Arbeit die richtige sein wird. Ihr habt den Kern Unseres Juwels erkannt und werdet seinen wahren Charakter und seine Schönheit dadurch noch ausdrucksfähiger machen können als es bereits jetzt schon der Fall ist. Habt Dank für Euren Mut Euch der Prüfung zu unterziehen. Wir können Uns vorstellen, dass es nicht einfach für Euch gewesen sein mag als einzige Frau in Eurer Zunft vor Unseren Augen vorstellig geworden zu sein, um mit der Unterstützung Unseres Enkels für den Auftrag zu plädieren“, sprach der König weiter und riss Lenja damit aus ihren Gedanken.

Thorin. Ob der König bereits von ihr und seinem Enkel wusste? Und wenn ja, wie stand er dieser Liaison gegenüber? Hatte der Prinz den Mut gehabt und seinem Großvater selbst berichtet, was er für die rothaarige Zwergin empfand? Hatte er um sein Einverständnis gebeten und ihn in Kenntnis über seine Gefühle gesetzt? Oder ahnte er nichts davon, dass die junge Frau vor ihm die Frau seines Enkels werden sollte?
Lenja sah ein wenig unschlüssig bei diesen Gedankengängen zum König hinüber.

„Für die Arbeit an dem Juwel werdet Ihr hier bei Uns arbeiten. Es ist nichts gegen Euch, liebes Kind, aber Wir wollen den Stein bei Uns sicher wissen. Ihr werdet Eure nötige Ruhe bei der Arbeit bekommen. Ihr werdet allein arbeiten können. Nur die Wachen vor der Tür werden Euch an den etwas anderen Umstand erinnern“, führte Thrór fort.

Lenja nickte. Sie hatte sich etwas Ähnliches bereits gedacht. Es hätte sie durchaus gewundert, wenn er seinen Schatz aus den königlichen Korridoren gegeben hätte. Nicht bei dem Blick, den er jetzt schon dem Edelstein entgegenbrachte, hätte er es zugelassen, dass das Juwel den Erebor auch nur für einen Bruchteil der Sekunde verlässt.

„Schön, dass Ihr einverstanden seid. Wir freuen Uns auf Eure Arbeit und sind bereits jetzt schon höchst gespannt über den Fortschritt“, und mit einem Schmunzeln fügte der König hinzu, „und vielleicht stattet Euch Unser Enkel auch den ein oder anderen Besuch ab.“

Lenja wurde zugleich heiß und kalt. Wusste der König also von ihnen? Das konnte doch kein dummer Zufall sein, dass Thrór nun von Thorin im Zusammenhang mit Lenja sprach! Oder etwa doch? Aber das Lächeln deutete auf mehr hin. Doch wie sollte sie sich nun verhalten? Einfach stumm bleiben und nicken? Beschämt zu Boden gucken und hoffen, dass sie bald die königlichen Räume verlassen konnte? Oder sollte sie es riskieren und dem König etwas zu seinem pikanten Vorschlag entgegnen? Sie hatte das Gefühl, dass sie bereits seit Stunden überlegte, wie es nun weitergehen sollte.

Die wachsamen, aber dennoch gütigen Augen Thrórs ruhten auf ihr. Er wartete eindeutig auf etwas. Sie sollte sich äußern. Wenn sie dieses Gespräch hier auch nur ansatzweise heil überstehen würde, dann sollte Thorin sich aber auf eine heftige Standpauke gefasst machen. Sie einfach ohne Vorwarnung zum König schicken, obwohl er als dessen Enkel doch eigentlich an der Informationsquelle sitzen und es gewusst haben müsste, dass sie den Auftrag bekommt. Einfach ohne ein Wort ins Messer laufen lassen. Das sollte der feine Prinz ihr büßen. Sie musste sich nur noch eine passende Strafe für ihn ausdenken. Doch alles, was ihr etwas später nach dem hiesigen Gespräch einfallen sollte, traf auch sie gleichermaßen. Vom Kussverbot bis hin zur Kontaktsperre, bei alledem hätte Lenja auch gelitten. Sie sollte sich eines Besseren belehren und ihm immerhin für zwei Tage den Geschmack ihrer Lippen verweigern. Aber das ist ein anderes Thema und half ihr im Moment des Wartens leider nicht weiter.

„Ihr wisst von uns?“, fragte die Zwergin so selbstbewusst, wie sie nur konnte.

Thrórs Lächeln wurde breiter: „Aber natürlich. Und obwohl Ihr aus keiner direkt adeligen Blutlinie entstammt, wollen Wir Unserem Enkel bei der Wahl seines getreuen Weibs nicht im Wege stehen. Obwohl er erst später zu Uns gekommen ist, haben Wir doch schon bei dem ersten Zusammentreffen mit Euch gemerkt, dass dort noch eine andere Verbindung zwischen euch Jungen ist. Doch waren Wir Uns noch bis zu dem Zeitpunkt unschlüssig als Unser Enkel dann zu Uns kam und um die Erlaubnis bat, frei ein Weib wählen zu dürfen. Wir waren nicht gänzlich überrascht, dass Euer Name fiel. Fundins Enkeltochter sollte also die Liebe seines Lebens sein. So bekam er dann auch Unsere Zustimmung. Und wie Uns scheint, seid ihr beiden dann auch ein glückliches Paar.“

Sie hatte es erhofft, doch war sie sich der Reaktion des Königs nicht sicher gewesen. Sie war gleichzeitig überrascht und glücklich über seinen Segen. Ihre Achtung vor Thorin stieg in diesem Moment. Er hatte also nicht nur von Balin und Dwalin um Erlaubnis gebeten. Eine ehrliche Bindung sollte ihre Liebe von Grund auf sein. Und dies schien er erreicht zu haben.

„Ich danke Euch, Eure Majestät“, kam es über Lenjas Lippen.

„Dankt nicht Uns, junge Dame, sondern Unserem Enkel. Schließlich ist er es dessen Herz nur noch für Euch schlägt. Natürlich solltet Ihr Euch bewusst sein, dass es einige Neider auch unter Unserem Volk geben wird, die der Bindung kritisch gegenüber stehen. Doch wissen Wir aus eigener Erfahrung nur zu gut, was es bedeutet sich immer überdeutlich an das strenge Protokoll zu halten. Die Liebe bleibt bei einer solchen Prozedere leider auf der Strecke. Und so freut es Uns umso mehr, dass Unser Enkel das Glück hatte seiner Liebe in Eurer Gestalt zu begegnen. Wir können Uns kein passenderes Weib an seiner Seite vorstellen. Durch Meister Balins Erziehung verfügt Ihr über ein passables Wissen. Und Euer Handwerk scheint Euch auch die nötige Selbstständigkeit zu geben, die Wir Uns für eine potentielle Kandidatin für Unseren Enkel immer vorgestellt haben. Dass Ihr einen starken Willen Euer Eigen nennt, ist Uns seit dem Ableben Eures Vaters bekannt. Zumal Unser Enkel kürzlich einen schmerzhaften Vorfall erwähnte bei dem Ihr ihm seine Grenzen aufgezeigt habt.“

Lenja schluckte. Wunderbar! Was erzählten sich Thorin und sein Großvater eigentlich noch so alles, wenn er von ihr wieder heim in seine Gemächer kam? Aber eigentlich hatte er ja dann doch selbst schuld, wenn er Thrór freiwillig vom Tritt in den Unterleib erzählte. Männer! Zwerge! Wer konnte sie bloß verstehen?

„Eine Prinzessin aus dem Volk wird Durins Dynastie wieder beleben, seid Euch dessen sicher. Doch eine Liebe muss gepflegt werden. Gebt Acht zusammen mit Thorin auf das, was zwischen euch im Begriff ist zu wachsen. Ihr seid sein Juwel und nur mit der richtigen Technik kommt der passende Schliff hinein. Aber wem erzählen Wir das überhaupt? Schließlich seid Ihr doch des Fachs, junge Dame.“
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