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„Ich warte auf dich“

von LenjaKa
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Het
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
11.01.2013
16.08.2013
90
211.136
61
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Dieses Kapitel
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11.01.2013 1.280
 
Recht behände für einen Zwergling hüpfte ein kleines Mädchen über Stock und Stein. Die langen rotbraunen Haare waren teilweise geflochten, teilweise hatten sich ein paar Strähnen im Eifer des wilden Spiels  gelöst. Das grüne Kleid war von Schmutzflecken gezeichnet. Es schien als wäre seine Trägerin das ein oder andere Mal bereits in den Rasen geplumpst.

Die Eltern des Kindes konnten über sein Verhalten nur resigniert den Kopf schütteln. Woher dieser Bewegungsdrang kam, war ihnen ein Rätsel. Nur zu oft hatten sie bereits versucht das Töchterchen von ihren Alleingängen abzuhalten, denn schließlich war die Wildnis im Hinterland des Erebors kein Ort für Zwergenkinder.

Ihr Vater, Ásgrímur, war vom Temperament seiner einzigen Tochter nicht begeistert. Schließlich war er ein angesehener Zwerg im Dienste Thrórs und es gehörte sich einfach nicht für ein Mädchen über Stock und Stein zu springen. Und das schon überhaupt nicht, wenn es sich bei der kleinen Draufgängerin um seine eigene Tochter handelte. Was sollten die anderen Krieger nur darüber denken, wenn Ásgrímur seinen Wildfang nicht unter Kontrolle bekam? Ein gestandener Krieger, der sich nicht einmal Respekt in seinem eigenen Heim verschaffen konnte?
Nein, diese Blöße wollte und konnte er sich nicht geben. Denn nicht nur er, sondern auch seine beiden Schwager, Balin und Dwalin, würden sich den einen oder anderen Tadel anhören müssen, wieso denn die Nichte wieder einmal nicht gehorchen wollte und gegen den Willen ihrer Familie rebellierte. Natürlich war Lenja noch ein Kind. Doch was in jungen Jahren nicht rechtzeitig getadelt wurde, lernte man später nicht mehr. Strenge und Ordnung waren Ásgrímurs Garanten für die Kindererziehung.


So kam es auch an diesem Tag wieder zu einer oft erlebten Prozedur: Lenja hüpfte von einem Stein zum anderen über den schmalen Flussverlauf als sie aus dem Augenwinkel eine ihr nur allzu bekannte Gestalt entdeckte, die ihres Onkels Dwalin. Einen kurzen Augenblick zögerte die kleine Zwergin, ob sie ihr Spiel unterbrechen sollte. Doch da sie ihren Onkel kannte, zuckte sie in Gedanken unbekümmert mit den Schultern und setzte ihre Erkundungsreise über „die Fluten“, wie sie sie nannte, fort.

„Meine liebe Lenja, was glaubst du, was ich hier mache?“, begann Dwalin und lehnte sich gegen einen Felsen wohl wissend, dass diese Unterhaltung wieder länger als nötig dauern konnte.

„Hmm“, entkam es dem Mund seiner Nichte, die nun aufmerksam lauschte, ihn aber nicht anguckte und ihr Spiel nicht unterbrach.

„Deine Mutter sucht dich. Und du weißt ganz genau, dass sie sich jedes Mal die schlimmsten Gedanken macht, wenn du nicht mehr aufzufinden bist. Die Szenarien, die sie sich ausmalt, sind unter uns gesagt, schlimmer als so mache Schlacht, die ein Zwerg je ausfechten muss. Also...“

Lenja blieb stehen. Sie hatte ihrem Onkel aufmerksam zugehört, auch wenn es keine wirklich neue Erkenntnis für sie war, dass ihre Mutter eben eine typische Mutter war. Ständig machte sie sich Gedanken über alles und jeden in ihrer Nähe und seitdem sie mit einem kleinen Geschwisterchen für Lenja schwanger war, verstärkte sich diese Angst bald täglich. Dennoch war dies kein Grund ihr ihren Onkel als Aufpasser hinterher zu schicken.

„Aber ich habe ihr doch eine Nachricht hinterlassen! Ich weiß gar nicht, wieso Mutter so einen Aufstand macht... schließlich habe ich ihr geschrieben, dass ich draußen spiele. Sie war ja nicht da als ich mich langweilte. Also musste ich doch handeln und mir eine Beschäftigung suchen. Onkel Balin sagt doch immer, dass Langeweile dem Geist auf Dauer schadet“, ließ Lenja entrüstet verlauten, während sie mit verärgerter Miene Dwalin fixierte. Er konnte ja nichts für die Überempfindlichkeit seiner älteren Schwester. Dennoch war es Lenjas Meinung nach falsch ihn immer als Aufpasser hinterher zu schicken, wenn ihr Vater nicht zugegen war.

Der Zwerg erhob sich und kam auf seine Nichte zu, ging dann kurz vor der Kleinen in die Knie und versuchte es noch einmal auf diplomatischen Weg sie von einer Heimkehr zu überzeugen.

„Dein Vater konnte dich nicht wieder einfangen, denn der ist momentan nicht im Erebor. Wenn du nun also die Freundlichkeit hättest den Heimweg anzutreten bevor deine Mutter dir und mir den Kopf abreißt oder noch viel zu früh niederkommt...“

Dwalin machte Anstalten seine Nichte auf den Arm zu nehmen. Diese drehe sich in diesem Moment jedoch schlagartig um und rannte so schnell es ihre kurzen Beine erlaubten schnurstracks davon.

„Komm und hol mich!“, rife sie, wie schon so oft in einer solchen Situation.

Es gehörte für Lenja dazu sich nicht kampflos dem Willen ihres Onkels, ihrer Mutter oder ihres Vaters zu beugen, sodass sie sich einen Spaß daraus machte vor Dwalin zu fliehen und erst einmal von ihm gestellt werden wollte bevor sie sich ihrem Schicksal ergab. Schließlich war sie eine Zwergin und ihrer Meinung nach gehörte es sich genauso wenig sich einfach ohne Widerstand zu beugen. Selbst wenn das ein kleines Kämpfchen mit Onkel Dwalin bedeutete. Dieser ließ ihr gnädigerweise einen kleinen Vorsprung bevor er ihr hinterher jagte.

Ohne es öffentlich zugeben zu wollen, missfiel ihm Lenjas Verhalten und ihr Temperament nicht so sehr wie seiner Schwester und deren Mann. Natürlich, sie hatten Recht, dass ein Zwergenmädchen sich nicht wie ein Junge zu verhalten hatte. Dennoch konnte es ja auch nicht schädlich sein, wenn man dem Mädchen ein bisschen Raum lassen würde, sich zu einer starken Frau zu entwickeln. Nicht, dass ihm die Vorstellung einer Axt schwingenden Lenja gefiel. Doch sah er in seiner Nichte seit deren Geburt eine Entschlossenheit aufblitzen, die es sehr schwer zu unterdrücken galt. Zumal er sich eine selbstbewusste Nichte wünschte, die sich selbst behaupten konnte. Er selbst wusste, wie idiotisch sich Männer  in Gegenwart der „Rarität Zwergin“ verhalten konnten. Er war in der Hinsicht auch nicht immer eine große Ausnahme. Umso mehr wollte er seine Nichte in bestimmten Eigenschaften unterstützen, sie ein wenig in die richtige Richtung lenken.

Lenja hörte ihren Onkel immer näherkommen. Das Herz schlug ihr heftig bis zum Hals. Auch wenn sie während der gesamten Verfolgungsjagd ein Grinsen in ihrem Gesicht nicht unterdrücken konnte, war es doch anstrengend mit ihren kurzen Beinen gegen ihren viel größeren und stärkeren Onkel anzutreten.

„Hab ich dich“, mit diesem Worten erreichte Dwalin Lenja und mit einem kurzen Schwung hatte er sie sich über die linke Schulter geworfen. Jeglicher Widerstand war nun zwecklos. Sie ergab sich ihrem Schicksal und wurde wie ein erlegtes Tier Richtung Erebor geschleppt.

„Onkel Dwalin, weißt du wieso du gewonnen hast?“, fragte Lenja ihren Onkel aus ihrer misslichen Situation heraus.

Dwalin lachte auf und musste aufpassen, dass seine Nichte ihm nicht vom Arm rutschte. „Du wirst es mir wohl bestimmt gleich sagen, nicht wahr, Kurze?“

„Natürlich“, begann Lenja. Ihr Lächeln konnte der Mann förmlich hören.

Typisch, dachte Dwalin. Die Verwandtschaft mit Balin war nicht abstreitbar. Immer nach Gründen suchen und sie dann auch als Weisheit verkaufen wollen, ganz wie sein älterer Bruder.

„Dann lass mal hören.“

„Naja, ich habe ja dieses unpraktische Kleid an. Und damit kann ich nicht so schnell laufen als wenn ich, wie du, eine Hose tragen würde. Meinst du, dass Mutter mir erlauben würde eine zu tragen? Dann bräuchte sie sich auch keine Gedanken mehr machen, dass mir etwas Schlimmes passiert. Denn wenn ich schneller als mein Onkel laufen könnte, dann kann mich auch kein anderes Ungeheuer einholen. Weißt du, das wäre doch toll, oder nicht? Und Vater braucht auch nicht mehr hoffen, dass das Kind in Mutters Bauch ein Junge wird. Schließlich hat er doch mich. Würdest du mir dann das Kämpfen mit Waffen beibringen? Onkel Dwalin!? Hörst du mir denn überhaupt zu?“

Dwalin verdrehte die Augen während Lenja den gesamten Weg zum Erebor zurück munter weiter redete. Er liebte seine Nichte über alles. Doch was dieser kleine Wirbelwind da von ihm verlangte, war aussichtslos. Schließlich war es ein Mädchen und das konnte er beim besten Willen nicht einfach ignorieren.
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