Der Urlaub

von lara07
GeschichteKrimi, Thriller / P16
Ray Doyle
10.01.2013
10.01.2013
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Anmerkung: Diese Geschichte habe ich bereits vor einigen Jahren für ein Fanforum geschrieben. Vielleicht gefällt sie euch ja auch.




Der Urlaub

1. Hauptquartier CI 5

Bodie und Doyle saßen in ihrem Büro und erledigten die Schreibarbeiten zu ihrem letzten Fall. Ausnahmsweise war auch Bodie ganz bei der Sache und versuchte sich nicht wie üblich davor zu drücken. „Hoffentlich hat der Alte sein Versprechen nicht vergessen.“, murmelte er vor sich hin. „Das werden wir ja gleich mitkriegen, wir sollen den Bericht noch bei ihm vorbeibringen.“, antwortete Doyle auf die Bemerkung. Tatsächlich hatte Cowley ihnen doch eine Woche Urlaub versprochen, wenn der Fall abgeschlossen war. „Aber erst wenn ich den vollständigen Bericht habe.“, hatte er ihnen vor vier Tagen mit auf den Weg gegeben.

Der Fall war aber auch zum Auswachsen. Ein ausländischer Diplomat musste mal wieder beschützt werden. Sie hatten ihn in den letzten vier Tagen nicht aus den Augen gelassen. Nur mit Mühe konnte trotzdem ein Anschlag abgewehrt werden. Das niemand dabei verletzt wurde grenzte eigentlich an ein Wunder. Vor ein paar Stunden hatten sie ihn dann wohlbehalten in sein Flugzeug nach Hause gesetzt.

„Na komm schon, Bodie, eine halbe Stunde noch, und wir sind fertig.“, sagte Doyle zu seinem Partner, dessen Elan langsam aber stetig abnahm. „Ich hol uns noch einen Kaffee, willst du auch?“ „Ja, aber beeil dich, ich will hier heute so schnell wie möglich weg, Kathie wartet nämlich schon.“

Eine gute halbe Stunde später hatten die Beiden es tatsächlich geschafft. Der Bericht war fertig und sie schlenderten zu Cowleys Büro rüber. Ein kurzes Anklopfen und das übliche kurze „HEREIN“ und die Beiden standen im Büro ihres Chefs. „Haben sie den Bericht fertig?“, schnauzte es hinter dem Schreibtisch hervor. „Ja, Sir, und in doppelter Ausfertigung.“, gab Bodie mit einem Lächeln zurück. „Geben sie schon her.“, schnauzte es nochmals. „Eh, Sir,…“, versuchte Bodie das Thema auf den versprochenen Urlaub zu lenken. „Was ist denn noch?“ „Sie hatten uns eine Woche Urlaub nach diesem Fall versprochen.“, wendete Doyle ein. „Tatsächlich? Hab ich das?“ „Ja, Sir.“ Irgendwie schien die Hoffnung langsam dahinzuschwinden, dass der Chef sein Versprechen auch einhielt, es wäre schließlich nicht das erste Mal. Umso überraschter waren die Beiden als Cowley auf einmal sagte: „Ich sehe sie dann am Montag in einer Woche wieder, sie können wahrscheinlich wirklich mal etwas Erholung gebrauchen.“ „Danke, Sir.“, kam es wie aus einem Munde. Bodie und Doyle wandten sich zum Gehen. „Aber hinterlassen sie in der Zentrale, wo ich sie im Notfall erreichen kann.“, hörten sie noch als sie die Tür schon fast zu hatten.

„Los lass uns hier abhauen, bevor er es sich noch anders überlegt.“, Bodie mochte es immer noch nicht so recht glauben, eine ganze Woche Urlaub. „Du sag mal, wann hatten wir eigentlich das letzte Mal mehr als zwei Tage hintereinander frei?“, fragte Doyle seinen Partner. „Lass mich mal überlegen. … Ich habe keine Ahnung, das muss schon Ewigkeiten her sein.“ Zusammen verließen sie das Hauptquartier. „Wo willst du eigentlich mit Jessica hin?“, fragt Doyle als sie zusammen in seinen Capri einstiegen. „Wir wollen in eine Jagdhütte nach Schottland, nur Wald, ein kleiner See, Jessica und der liebe Bodie.“, grinste sein Freund zurück.

Es war ein sonniger Tag, der Sommer schien zu halten, was der Name versprach. Doyle hatte sich vorgenommen mit seiner Freundin, mit der er nun schon fast ein Jahr zusammen war, den Urlaub so richtig zu genießen. Sie wollten nach Weymouth, etwa 200km von London entfernt, an die Küste fahren. ‚Hoffentlich kommt nicht noch irgendwas dazwischen.’, dachte er sich als er den Capri in Bewegung setzte. Auf seinem Weg nach Hause setzte er Bodie noch vor seiner Haustür ab: „Ich wünsch dir viel Spaß in Schottland.“ „Dir auch, wir sehen uns dann in einer Woche. Machs gut.“

Zu Hause angekommen, wartete Kathie bereits auf ihn. „Ich habe die Sachen schon zusammengepackt, Schatz. Es bleibt doch dabei?“ Ängstlich schaute Kathie ihren Freund an. Es wäre nicht das erste Mal, dass in letzter Minute noch etwas dazwischenkommt und sie ihre Pläne wieder verwerfen mussten. „Ja, diesmal hatte der große Chef ein Einsehen, wir haben wie abgesprochen eine Woche nur für uns.“ Er nahm Kathie in die Arme und küsste sie innig. „Übrigens, wie geht es dir heute eigentlich? Warst du beim Arzt?“ Kathie hatte in den letzten Tagen oft unter Übelkeit und Stimmungsschwankungen gelitten. „Alles bestens, wir können fahren.“ Dabei lächelte Kathie vor sich hin. „Wenn wir uns beeilen, können wir heute noch los und haben dann morgen schon den ganzen Tag für uns.“ „Ok, lass mich aber vorher noch schnell unter die Dusche springen.“ Doyle verschwand im Schlafzimmer, grübelnd, was dieser Gesichtsausdruck von Kathie bedeuten sollte.

2. Weymouth

Eine Stunde später saßen Kathie und Ray bereits im Auto auf dem Weg nach Weymouth. Die Fahrt verlief ohne Probleme und so kamen sie gegen 18.00 Uhr in dem kleinen Hotel an der Südküste Englands an. Das Hotel lag nur hundert Meter vom Strand entfernt, hatte einen eigenen Strandabschnitt und zu Doyles Freude sogar eine eigene Tauchbasis. ‚Sowas wollte ich schon lange mal wieder machen.’, dachte er bei sich. Nachdem Doyle und Kathie ihr Gepäck in dem romantischen Zimmer mit Blick aufs Meer gebracht hatten, meldete sich Doyle kurz in der Zentrale und gab die Telefonnummer durch, unter der er in den nächsten Tagen erreichbar war. Leider gehörte das zu den Vorschriften, die ihnen Cowley jedes Mal wieder mit auf den Weg gab. Jeder Agent musste immer und überall erreichbar sein. „Hör mal Schatz, was hältst du von einem kleinen Spaziergang am Meer entlang.“, fragte Doyle seine Freundin. „Lass uns erstmal das Hotelrestaurant stürmen, ich hab einen Bärenhunger.“ Verwundert schaute Doyle Kathie an, so was kannte er von ihr doch gar nicht, aber da er auch schon seit geraumer Zeit nichts mehr gegessen hatte, ging er auf den Vorschlag ein. Etwas später machten sich die Beiden auf zu einem langen Spaziergang am Strand.

Es war ein herrlicher Abend, die Luft war noch immer schön warm, obwohl die Sonne bereits langsam untergehen wollte. An einer kleinen Lagune machten die Beiden eine Pause. Doyle streichelte seine Freundin zärtlich über den Nacken und den Rücken. „Wollen wir noch ein bisschen schwimmen gehen?“, fragte er sie dann. „Wir haben doch gar nichts mit.“ Kathie schien nicht so richtig Lust zu haben. „Ist doch keiner hier, der uns beobachten könnte.“ „Du Ray, ich glaube ich muss mit dir was anderes besprechen.“ Kathie wurde ernst. Doyle lief es eiskalt den Rücken runter, ‚Sie nimmt den Urlaub zum Anlass um mit mir Schluss zu machen, ist ja nichts Neues bei meinen Dienstzeiten.’, schoss es ihm durch den Kopf. Ängstlich schaute er seine Freundin an, rechnete mit dem Schlimmsten. „Weißt du,“, fuhr Kathie dann fort, „die Übelkeit und meine Launen…“ „Aber ich denke, … du hast doch gesagt, es ist alles in Ordnung?“ „Ist es ja auch, aber weißt du, es ist noch jemand mit nach Weymouth gekommen.“ Doyle, immer noch völlig begriffsstutzig: „Und wirst du ihn mir vorstellen?“, fragte er sarkastisch zurück. „Das ist aber leider noch nicht möglich.“, gab Kathie frohgelaunt zurück. „Hätt ich mir ja denken können, du willst also Schluss machen…“ „Ach, Ray, denk doch noch mal nach. Ich kann dir den Jemand noch nicht vorstellen, weil derjenige erst in ca. sechseinhalb Monaten zur Welt kommt.“ „Was? Soll das heißen…? Warum hast du mir noch nichts gesagt?“ Plötzlich war ihm als ob sich die ganze Welt zu drehen begann. Kathie erwartete ein Kind, von ihm, Ray Doyle. „Ich werde Vater?“ Kathie guckte Doyle amüsiert an. Wie hätte sie ihm das auch eher sagen sollen. In letzter Zeit war er ja meist nur zum Schlafen und Essen nach Hause gekommen. Und diese Mitteilung wollte sie nun beim besten Willen nicht als kurze Feststellung in den Raum werfen, darauf hoffend, dass er es noch vorm Einschlafen registriert. „Nun guck nicht so verdattert. Das ist schon vielen passiert.“, gab sie ihm zur Antwort. „Warum hast du mir noch nichts gesagt? … Ich meine, seit wann weißt du denn das schon? Bist du dir da völlig sicher?“ „In umgekehrter Reihenfolge: JA, ich bin mir völlig sicher, ICH weiß es bereits seit fünf Wochen und wann, bitteschön, hätte ich dir denn was sagen sollen, du warst doch in der letzten Zeit so gut wie gar nicht zu Hause.“ Doyle hatte immer noch damit zu tun, diese Nachricht zu verdauen, schlagartig wurde ihm aber auch so einiges klar. Die Übelkeit von Kathie, ihre Stimmungsschwankungen in der letzten Zeit, und die häufigen zweideutigen Bemerkungen. ‚Warum habe ich das nur nicht eher mitbekommen? Bin doch sonst nicht so begriffsstutzig’ Völlig verwirrt setzte er sich erst mal in den Sand, schaute Kathie dabei an. „Da werd ich wohl bei Cowley wegen unserer Hochzeit vorsprechen müssen.“ „Soll das jetzt ein Antrag sein?“ „Ja, Kathie, ich liebe dich!“ ‚Cowley wird begeistert sein.’, dachte sich Doyle dabei im Stillen, ‚aber immerhin sind wir ja schon eine ganze Weile zusammen, und ihre erste Überprüfung hat sie schon hinter sich, was soll der Alte denn dagegen haben?’ Kathie sah Doyle gedankenverloren an. Wie lange hatte sie darauf schon gewartet. Aber insgeheim machte sie sich auch Sorgen, die unmöglichen Dienstzeiten und dann jeden Tag warten, dass er auch gesund nach Hause kommt. ‚Das ist für einen allein schon nicht einfach. Was aber, wenn dann da noch ein Kind ist.’ Mit einem kurzen Kopfschütteln schob sie aber diese Gedanken zur Seite. „Ich liebe dich auch.“, gab sie dann leise zurück.

3. Bodie

Als Bodie seine Wohnung betrat war von seiner Freundin Jessica nichts zu sehen. Auch am Telefon meldete sie sich nicht. ‚Komisch,’ ging es Bodie durch den Kopf, ‚Heute morgen war sie doch noch ganz begeistert. Aber vielleicht macht sie ja noch einige Besorgungen.’

Auch Bodie machte zunächst einen Abstecher unter die Dusche, packte anschließend seine Sachen zusammen, als plötzlich das Telefon klingelte. ‚Einfach ignorieren.’, dachte er sich, ‚Aber vielleicht ist es ja Jessica.’ Mit einem kurzen Zögern nahm er den Hörer in die Hand. „Ja, bitte.“, meldete er sich nur kurz. Es war Jessica. „Bodie, ich muss mit dir sprechen.“ „Was ist denn los? Wo steckst du überhaupt.“, fragte Bodie seine Freundin die sehr aufgeregt wirkte. „Ich bin jetzt zu Hause angekommen, war gerade im Krankenhaus. Mein Vater …“, Jessica musste ihre Tränen unterdrücken. Bodie wurde nun auch nervös: „Was ist denn passiert? Soll ich zu dir kommen?“ „Ja, das wäre schön, weißt du, mein Dad hatte heute Morgen einen Herzanfall und liegt gerade auf der Intensivstation. Deswegen kann ich auch nicht mit nach Schottland kommen. Das siehst du doch ein.“ Bodie war jetzt die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Auch er war schon seit einiger Zeit mit ihr zusammen. Auch ihn hatte es schwer getroffen. Jessica war die erste Frau, die seinen Beruf akzeptierte und nicht jedes Mal meckerte, wenn er mitten in der Nacht los musste oder manchmal tagelang nicht erreichbar war. Ähnlich wie Doyle konnte er sich vorstellen, mit ihr mehr als nur ein paar Wochen zusammen zu bleiben. Und auf den Kurzurlaub hatten sie sich beide mächtig gefreut. „Ich bin in zehn Minuten bei dir.“, sagte er nur noch und war schon auf den Weg zu seinem Auto.

4. Der nächste Morgen in Weymouth

Doyle war schon sehr früh wach, um ehrlich zu sein, so sehr viel hatte er auch gar nicht geschlafen. Nach der ersten Freude machten sich in ihm Bedenken breit. Aber es gab ja schließlich noch mehr Kollegen, die eine Familie hatten, vielleicht sollte er mal mit denen sprechen, wie sie den Beruf und die Familie unter einen Hut brachten. Aber erst war da mal Cowley dran, und natürlich Bodie.

Etwas später fanden sich Doyle und Kathie in Restaurant zu einem reichhaltigen Frühstück ein. „Du Liebling, da draußen gibt es eine Tauchbasis. Hättest du was dagegen, wenn ich da mal einen kleinen Tauchgang mache? Du wirst ja wohl nicht mitkönnen.“ „Aber ich kann von oben zugucken und dich an der Leine wieder rausziehen, falls es Probleme gibt.“ „Dann können wir ja nach dem Frühstück mal hingehen. Übrigens, wie geht es euch Beiden heute Morgen?“ „Wer sagt denn, dass wir nur zu zweit sind.“, gab seine Freundin lachend zurück. „Du meinst doch nicht etwa…, das soll jetzt ein Scherz sein, oder?“ „Bisher konnte der Arzt darüber noch keine Angaben machen, aber er hält es durchaus für möglich“. Doyle merkte überhaupt nicht, dass Kathie ihn so richtig auf die Schippe nahm.

Nach dem Frühstück machte sich das Liebespaar zunächst auf den Weg zur Tauchbasis. Doyle hatte vor vielen Jahren mal einen Tauchschein gemacht, kam dann aber leider immer seltener dazu, mal in die Fluten zu steigen, und wenn, dann war es meist irgendwie dienstlich. Hier bot sich ihm die Gelegenheit mal wieder völlig unbekümmert die Unterwasserlandschaften zu genießen.

Die Basis war an einer Seite des Hotelgeländes in einem Flachbau untergebracht. Schon von weitem war das Gedröhn der Kompressoren, die die Flaschen wieder mit Luft auffüllen sollten, zu hören. Auf dem Steg gab ein Tauchlehrer einigen Neulingen gerade letzte Anweisungen, bevor diese das erste Mal mit ihm im Meer tauchen durften.

Doyle und Kathie näherten sich der Basis, als ein Mann aus dem kleinen Bau auftauchte. „Guten Morgen, die Herrschaften. Ich bin Ronald Baker, der Leiter der Basis, was kann ich für sie tun?“ „Mein Name ist Ray Doyle und das ist Kathie Skinner. Tja, ich wollte eigentlich nur mal fragen, ob es möglich ist auch einen kleinen Tauchgang zu unternehmen?“ „Haben sie denn einen Tauchschein?“, kommt eine Frage zurück. „Ja, schon, aber den habe ich leider nicht mit, hab nicht gewusst, dass hier eine Basis ist. Außerdem war ich schon seit mehreren Jahren nicht mehr unter Wasser.“ „Das wird dann schwierig, aber wenn sie wollen kann Kevin heute Nachmittag mal mit ihnen eine kleine Runde probieren, danach sehen wir weiter.“  Kevin war wohl der Tauchlehrer, der am Steg mit den Neulingen beschäftigt war. „Kommen sie so gegen 15.00 Uhr. Dann sollte was möglich sein.“ Schon ist Ronald Baker wieder in der Basis verschwunden. „Komische Type.“, murmelt Doyle vor sich hin, als sie wieder zum Hotel zurückgehen.

Am Nachmittag findet sich Doyle pünktlich an der Basis ein. Kathie hatte sich derweil ein wenig hingelegt, weil sie wieder einige Beschwerden bekommen hatte. Eigentlich wollte er sie ja nicht allein lassen. „Geh schon, du kannst mir jetzt sowieso nicht helfen.“, hatte Kathie ihm noch mit auf den Weg gegeben.

„Sind sie Kevin?“ Doyle gibt dem bereits wartenden Tauchlehrer die Hand. „Und sie sind Ray Doyle, ich weiß bereits Bescheid. Ich soll testen, ob sie wirklich tauchen können. Deshalb bleiben wir heute auch erst mal in der Nähe vom Strand. Wie viele Tauchgänge haben sie denn schon gemacht?“ „Na ja, so um die sechzig werden es wohl sein, aber ihrem Boss habe ich schon gesagt, dass ich in den letzten Jahren nicht mehr dazu gekommen bin.“
„Dann wollen wir mal, sie wissen doch noch, wie man die Geräte zusammenbaut? Einen passenden Anzug werden wir sicher auch finden.“ Gemeinsam gehen sie in die Basis. Dort finden sich dann auch alle Utensilien, die für einen Tauchgang benötigt werden. Nachdem ein passender Anzug ausgesucht wurde, macht sich Doyle daran die Pressluftflasche mit Atemregler und Tarierjacket zusammenzubauen. „Wie viel Kilo Blei brauchen sie denn? Ich denke wenn sie erst mal acht nehmen, sollte das auf jeden Fall reichen, wir können dann ja sehen, ob sie beim nächsten Mal mit weniger auskommen.“ Eine halbe Stunde später sind die Beiden dann im Wasser. Kevin spricht noch einmal die Handzeichen der Tauchersprache mit Doyle ab, und wenig später tauchen Beide ab. Zunächst einmal geht es auf eine Tiefe von fünf Metern. In dieser Tiefe werden zunächst einige Grundübungen durchgeführt. Dazu gehört die Wechselatmung, bei der ein Atemregler zwischen den beiden Tauchern ausgetauscht wird, während der andere unbenutzt im Wasser hängt. Als nächstes soll Doyle seine Tauchmaske abnehmen, diese unter Wasser wieder aufsetzen und ausblasen. Doyle staunt selbst, wie gut diese Übungen noch klappen. Anschließend gibt Kevin das Zeichen zum Auftauchen. Doyle erinnert sich, dass man dabei nicht zu schnell hoch kommen darf. ‚Die eigenen Luftblasen nicht überholen.’, denkt er bei sich. An der Oberfläche angekommen, nimmt Kevin zuerst die Maske ab. „Na, das war doch ganz ordentlich, ich denke da können wir noch einmal etwas tiefer gehen. Ist bei ihnen noch alles Ok?“ „Einfach super, ich hatte schon vergessen, wie viel Spaß das machen kann.“ Es folgt ein kurzes Briefing, bei der die Tauchstrecke für die nächste halbe Stunde festgelegt wird. Danach tauchen die beiden Männer wieder ab. Eine halbe Stunde später wird der Tauchgang dann beendet. Gemeinsam tragen sie die Geräte wieder zur Basis zurück, reinigen diese und hängen die Flaschen zum Füllen an den Kompressor. „Wenn sie Lust haben, können wir morgen Vormittag ja mal eine Runde weiter draußen drehen. Dort hinten am Steilhang geht es bis zu vierzig Meter tief, ich denke, das kriegen sie hin.“ „Hört sich gut an. Wann soll ich da sein?“, gibt Doyle zur Antwort. „Um neun wäre nicht schlecht. Dann bin ich bis um elf wieder zurück und kann dann meine Anfänger übernehmen.“

Doyle kehrt zufrieden ins Hotel zurück. Er geht zunächst ins Zimmer und will nach Kathie suchen, findet aber nur einen Zettel: „Bin am Pool Liebling.“. Er findet Kathie in einem angeregten Gespräch mit einer anderen Frau vor, die er vorher noch nicht gesehen hat. „Hey, Liebling, darf ich dir Jenny vorstellen? Sie ist auf der Suche nach ihrem Freund, der sich schon seit vier Tagen nicht mehr bei ihr gemeldet hat.“, und zu Jenny gewandt: „Das ist mein Freund Ray.“ „Hallo.“, begrüßt Doyle die junge Frau. „Was ist denn passiert?“ „Hey.“, gibt Jenny zurück, „Johnnie hat sich bei mir seit vier Tagen nicht gemeldet, das ist sonst gar nicht seine Art. Da habe ich mir gedacht, fahr einfach mal hin und schau was los ist. Gestern Abend bin ich angekommen, aber von Johnnie keine Spur.“ „Der wird sich schon wieder anfinden.“, gibt Doyle zu bedenken „Warum war er denn alleine hier?“ „Johnnie ist Tauchlehrer in der Basis hier im Hotel. Da ist er sowieso die ganze Zeit unterwegs und darauf hatte ich keine Lust.“ Doyle überlegt, aber einen anderen als Kevin hat er heute nicht an der Basis gesehen. Wahrscheinlich hat er sich mit einem anderen Mädchen aus dem Staub gemacht und ist nur zu feige es Jenny zu sagen. ‚Armes Mädchen, sie macht sich Sorgen und er ist über alle Berge.’

5. Der Tauchgang

Am nächsten Morgen geht es Kathie wieder gut und so beschließen sie, dass sie Doyle auf den Ausflug begleitet. Als sie an der Basis ankommen, hat Kevin bereits alles vorbereitet. Das heißt, die Flaschen, Anzüge und was man sonst so braucht sind auf einem kleinen Boot verstaut. Doyle stellt ihm Kathie vor. Kevin hat nichts dagegen, dass Doyles Freundin sie begleitet und so legt das Boot fünf Minuten später ab. „Wir müssen pünktlich zurück sein, der andere Tauchlehrer hat sich vor vier Tagen verdrückt und ich muss die ganze Ausbildung allein übernehmen, auf Ronny ist dabei auch kein Verlass.“ „Heißt der andere vielleicht Johnnie?“, fragt Doyle zurück. „Ja, kennst du ihn?“ „Nein, aber wir haben gestern seine Freundin kennen gelernt, die ist ebenfalls auf der Suche nach ihm.“ „Wusste gar nicht, dass er eine Freundin hat.“, brummelt Kevin vor sich hin, „unzuverlässig war der aber schon immer.“

Eine knappe Viertelstunde später haben sie bereits die Tauchstelle erreicht. Kevin markiert das Tauchgebiet mit einer Boje. Dann machen sich die Taucher auf den Weg. Doyle winkt vor dem Abtauchen Kathie noch einmal zu. Sie erreichen schnell die maximal ausgemachte Tiefe von dreißig Metern und tauchen am Hang entlang. Die Sicht ist hier ausgezeichnet und Doyle erfreut sich an der reichhaltigen Fisch- und Pflanzenwelt, die ihm hier geboten wird. Plötzlich zeigt Kevin auf den Eingang einer kleinen Unterwasserhöhle. Er fragt per Handzeichen an, ob sich Doyle traut in diese hineinzutauchen. Diesem ist zwar ein bisschen unwohl dabei, schließlich gibt er sich aber einen Ruck und folgt Kevin vorsichtig.

Sie sind ungefähr fünfzehn Meter in die Höhle vorgedrungen, als Kevin völlig unvermittelt stoppt und wild gestikulierend umdrehen will. Zunächst denkt Doyle, er hätte Probleme mit der Ausrüstung und bietet Kevin den Zweitregler an. Aber Kevin zeigt keine Reaktion und macht dabei weiter Handzeichen in die Höhle hinein. ‚Was ist denn los?’, denkt sich Doyle und schwimmt ein paar Meter vorwärts. Da sieht er, weswegen Kevin so aufgeregt ist. Im Inneren der Höhle liegt eine Leiche. Sie ist mit mehreren Steinen beschwert und konnte daher nicht an der Oberfläche auftauchen. Doyle erkennt mit einem Blick, dass die Leiche dort bereits mehrere Tage liegen muss. Sie ist bereits soweit aufgedunsen, dass man schon nicht mehr erkennen kann, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Ein Gefühl sagt ihm aber, dass es sich bei der Leiche um Johnnie handelt. ‚Warum eigentlich immer ich, ich habe doch Urlaub?’, denkt er sich noch und gibt Kevin ein Zeichen, dass sie sofort auftauchen und den Fund melden müssen. Kevin, der sich mittlerweile wieder so weit gefasst hat, signalisiert zurück, die Dekompressionsstufen trotz allem zu beachten. Das hätte Doyle nun beinahe vergessen. Und so finden sie sich erst 20 Minuten später wieder am Boot ein.

Kathie sieht es Doyle sofort an, dass irgendwas passiert ist. „Ich glaube, wir haben da unten gerade Johnny gefunden“, sagt er dann auch während er sich ins Boot schwingt. Kevin ist noch immer ziemlich blass, als er hinter Doyle ebenfalls ins Boot kommt. „Da unten ist eine Leiche, die ist da nie und nimmer von alleine hingekommen.“, stottert er vor sich hin. „Wir müssen so schnell wie möglich die Polizei verständigen.“ „Ganz meiner Meinung, sag mal kann es sein, dass das Johnnie ist?“ „So genau hab ich da bestimmt nicht hingeguckt. Los zieh den Anker hoch, die Boje lass ich zur Markierung hier.“

Sie beeilen sich und knapp zehn Minuten später sind sie wieder an der Basis angekommen. Die bereits wartenden Tauchschüler werden von Kevin weggeschickt. „… und Ronny ist natürlich auch wieder nicht da! Ich möchte mal wissen, was der Kerl den ganzen Tag treibt, wenn man den mal braucht, ist er nie da!“ Kevin ist sichtbar sauer auf seinen Chef. Dann nimmt er das Telefon und ruft die örtliche Polizeidienststelle an. Doyle schickt derweil Kathie ins Hotel zurück: „Sag Jenny noch nichts, bevor wir nicht sicher sind.“, hat er ihr noch mit auf den Weg gegeben. Kathie versucht sich noch zu beschweren: „Da haben wir endlich mal ein paar Tage Urlaub, und schon findest du wieder ’nen neuen Fall. Ich hab mir unsere freien Tage etwas anders vorgestellt.“ „Du kannst mir glauben ich auch, aber was kann ich denn dafür, ich hab den Typen da unten bestimmt nicht hingepackt.“, gibt Doyle übelgelaunt zurück. „Ich mache nur meine Aussage und dann komm ich sofort nach.“

Einige Zeit später treffen zwei Beamte ein. Doyle wartet schon ungeduldig. „Wo bleiben sie denn so lange?“ Der Constable, der ihm entgegenkommt und sich als Edward Jackson vorstellt, macht nicht gerade einen kompetenten Eindruck auf ihn. „Nun mal langsam.“, gibt der zurück, „ich denke der ist schon tot, also kommt’s auf ein paar Minuten mehr oder weniger doch nicht mehr an. Wo ist denn der Tote?“ „Na, immer noch in der Höhle, was denken sie denn.“, Doyle wird immer gereizter. „Und wo ist die Höhle bitte?“ Das ist zu viel für Doyle, „ich denke der Tauchlehrer Kevin Engrive hat ihnen bereits mitgeteilt, dass die Höhle unter Wasser ist…, wie wär’s denn mit ein paar Polizeitauchern?“ „Wie wir vorzugehen haben, überlassen sie doch uns, wir haben damit nämlich so unsere Erfahrung.“ Gerade will Ray losdonnern, da hält ihn Kevin von hinten zurück. „Entschuldigen sie Constable, aber wie ich ihnen bereits am Telefon gesagt habe, haben wir den Toten bei einem Tauchgang gefunden. Wir haben alles so gelassen. Demzufolge befindet der sich auch noch immer unter Wasser.“ „Warum sagen sie das nicht gleich?“, kommt eine patzige Antwort zurück. Der Constable marschiert zurück zu seinem Wagen und erledigt von dort einige Anrufe. „Hoffentlich hat er auch die Polizeitaucher bestellt, ich hab nämlich keine Lust da noch mal runter zu gehen, wie steht’s mit dir?“, raunt Kevin Doyle zu. „Wenn’s nicht unbedingt sein muss, kann ich darauf auch verzichten, ich habe nämlich URLAUB.“ Kevin versteht zwar nicht so ganz, was das mit dem Urlaub von Doyle zu tun haben soll, aber will auch nicht weiter nachfragen.

Nach einer weiteren endlosen Wartezeit treffen dann auch die Polizeitaucher und ein Gerichtsmediziner ein. Doyle hinterlässt noch, wo er zu finden ist und macht sich anschließend auf die Suche nach Kathie und findet sie schließlich im Hotelrestaurant bei einer Tasse Kaffee. „Du solltest in deinem Zustand nicht so viel Kaffee trinken.“, gibt er scherzhaft zu bedenken, „ansonsten könnte es sein, dass ihr Beide nicht schlafen könnt.“ „Weißt du schon, wer der Tote ist?“ Kathie guckt ihn gedankenverloren an. „Ich habe vorhin mit Jenny geredet, ihr Freund ist immer noch spurlos verschwunden.“ „Du hast ihr doch nichts gesagt?“ „Nein, aber irgendwie tut sie mir verdammt leid.“ Doyle bestellt sich auch einen Kaffee und setzt sich zu Kathie. „Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht. Wenn das wirklich Johnny ist, dann frag ich mich, warum er gerade in dieser Höhle abgelegt wurde. Da ist irgendwas oberfaul. Und dass dieser Ronny ständig unterwegs ist, gefällt mir in diesem Zusammenhang genauso wenig.“ „Ray, du hast Urlaub, der Fall geht dich nichts an, überlass das der hiesigen Polizei, die werden schon wissen, was zu tun ist.“ „Den Eindruck hatte ich bei dem Constable aber ganz und gar nicht, aber du hast Recht, ich habe Urlaub, und das Ganze geht mich nichts an.“ Zufrieden lehnt sich Kathie zurück. „Wirst du noch mal zum Polizeirevier müssen?“, fragt sie dann nach einer Weile. „Höchstens damit ich meine Aussage machen kann.“, will Doyle seine Freundin beruhigen, trotzdem hat er den Eindruck, als ob sie ihm nicht so ganz glauben will.

6. Auf dem Polizeirevier

„Mr. Doyle, sie werden am Telefon verlangt.“ Doyle und Kathie sitzen gerade beim Abendessen auf der Terrasse des Hotelrestaurants, als ein Kellner die Botschaft überbringt. „Sie können dort drüben das Gespräch in Empfang nehmen.“ Die Beiden schauen sich an, „Lass es bloß nicht Cowley sein. Der hat mir heute gerade noch gefehlt.“ Er erhebt sich und geht zum angegebenen Apparat. „Ja, Doyle.“ Am Telefon ist nicht Cowley, sondern der Constable von heute Vormittag. „… wir brauchen noch ihre Aussage zu dem Vorfall von heute. Es wäre schön, wenn sie heute noch vorbeikommen könnten. Ach, und bringen sie Ihre Freundin mit.“ „Kathie hat doch überhaupt nichts davon mitbekommen.“ „Das würde ich schon ganz gern von ihr selbst hören. Ich erwarte sie dann in einer halben Stunde.“ Ehe Doyle etwas entgegnen konnte, hatte der Constable bereits aufgelegt. „Eingebildeter Affe!“, schreit Doyle noch in den Hörer, bevor er zu Kathie zurückgeht. „Sag, dass es nicht Cowley war…“ „Nein, der war’s zum Glück nicht, sondern nur dieser hochnäsige Constable vom Polizeirevier. Wir sollen heute noch bei ihm vorbeikommen.“ „Wieso wir, ich weiß doch nun überhaupt nichts?“ „Das habe ich dem auch gesagt, aber er denkt wohl, weil du mit im Boot warst…, na ja, lass es uns einfach hinter uns bringen.“

„Ich hatte am Telefon was von einer halben Stunde gesagt!“, schnauzt der Constable Doyle schon von weitem an, als diese eine Stunde später im Revier auftauchen. „Und ich habe Urlaub, und leider meine Uhr zu Hause gelassen.“, gibt Doyle zurück. „Also was wollen sie von uns?“ „Tja, es gibt da einige Fragen, die mir im Augenblick noch nicht so ganz klar sind. Vielleicht können Sie uns weiterhelfen. Miss Skinner, gehen sie bitte in das andere Büro und geben dort ihre Aussage zu Protokoll.“ Er zeigt mit dem Daumen auf ein kleines Büro gleich nebenan. „Geh nur Kathie, sag denen alles was du weißt und dann können wir wieder zurück ins Hotel.“

Als Kathie die Tür hinter sich geschlossen hat, legt der Constable bereits los. „Also Mr. Doyle, jetzt mal raus mit der Sprache, was ist da heute unter Wasser vorgefallen? Mr. Engrive hat bereits seine Aussage gemacht. Dabei sind mir doch einige Ungereimtheiten aufgefallen.“ Doyle bleibt nichts anderes übrig, als dem Constable die gesamte Geschichte noch einmal zu erzählen. Nach dem er geendet hat, kommen gleich die weiteren Fragen. „Mr. Engrive sagte, sie seien an die Sache ziemlich kaltschnäuzig rangegangen, außerdem haben sie bereits gewusst, wer der Tote ist.“ ‚Ach daher weht der Wind.’, denkt sich Doyle und überlegt, ob er dem Constable seine Dienstmarke unter die Nase halten soll. Aber eigentlich hat er dazu überhaupt keine Lust, denn damit wäre der Urlaub auf jeden Fall dahin, außerdem war das nun wirklich kein Fall für den CI5. Also sagt er nur: „So ganz ohne war das für mich auch nicht, nur war Mr. Engrive viel näher an dem Toten heran gekommen, als ich. Außerdem habe ich nicht gewusst, wer der Tote ist, sondern lediglich eine Vermutung aufgestellt.“ Der Constable gibt sich mit dieser Erklärung zunächst zufrieden, muss aber trotzdem noch eins oben draufsetzen. „Sie werden sicher einsehen, dass sie die Stadt in den nächsten Tagen nicht verlassen dürfen. Es könnte sein, dass ich noch ein paar weitere Fragen habe.“ „Schon gut, bis zum Wochenende habe ich noch Urlaub, danach können sie mich unter meiner Adresse in London erreichen.“ Und nach einer kurzen Pause: „Haben sie eigentlich schon mit Ronny Baker, dem Leiter der Tauchbasis, gesprochen? Der war ja schließlich der Arbeitgeber von John und kann vielleicht auch etwas zum Thema beitragen.“ „Sie können mir glauben, wir wissen schon mit wem wir zu sprechen haben und mit wem nicht, Guten Abend, Mr. Doyle.“

Grußlos verlässt Doyle das Büro und trifft auf dem Flur Kathie wieder. „Die haben mich behandelt, als ob ich diesen Johnny umgebracht hätte. Kannst du mir mal sagen, was das soll?“, kommt sie Doyle entgegen. „Ich habe keine Ahnung. Aber dieser Ronny Baker, ich weiß nicht, irgendwie ist der nicht so ganz sauber…“ „Muss ich dich noch mal daran erinnern, dass du Urlaub hast.“, entgegnet Kathie darauf vorwurfsvoll. „Nein, aber irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.“ Er sagt Kathie nicht, dass er sich die Tauchbasis heute Nacht etwas genauer anschauen will.

7. Jenny

Kurze Zeit später kommen Doyle und Kathie in ihr Hotel zurück. Plötzlich fällt Kathie ein, „Sag mal, hat irgendjemand Jenny schon was gesagt? Die Ärmste macht sich solche Sorgen und weiß vielleicht noch gar nicht, was passiert ist.“ „Ist vielleicht besser, wenn sie es von uns erfährt und nicht von diesem aufgeblasenen Constable. Lass uns zu ihr gehen.“ Jenny hat die Zimmernummer 216, wie sie vom Portier erfahren. Nach nur einmaligem Klopfen wird die Tür bereits geöffnet. Mit einem Blick wissen Doyle und Kathie, dass sie bereits Bescheid weiß. „Von wem weißt du es?“, fragt Doyle. „Ich war heute Nachmittag an der Basis. Sein Chef Ronny hat es mir gesagt.“ Das lässt Doyle stutzig werden. „Hat dieser Ronny noch mehr gesagt, oder …“ „Er hat mich nach irgendwelchen Fotos gefragt, die Johnny haben soll, aber ich weiß nichts von Fotos.“ „Kathie, hol uns mal bitte etwas Anständiges zu trinken, ich glaub das hier wird noch etwas länger dauern.“ Darauf hin setzt er sich zu Jenny auf das Sofa. „Hör mal Jenny, ich weiß, das ist jetzt nicht einfach, aber du weißt wirklich nichts von diesen Fotos? Hat Ronny gesagt, was auf diesen Fotos sein soll?“ „Nein, er hat mir nur gesagt, ich soll sie ihm sofort bringen, wenn ich sie irgendwo finden sollte. Ich habe schon in seinem Zimmer nachgesehen, aber da waren keine Fotos zu finden. Jetzt ist das Zimmer von der Polizei versiegelt, aber ich bin mir absolut sicher, dass da keine Fotos waren.“ „Kann es vielleicht sein, das Johnny die Bilder woanders versteckt hat, denk nach, gibt es irgendwo noch ein Versteck?“ „Nein, das weiß ich nicht, ich war doch auch nur selten hier, und da haben wir bestimmt nicht über irgendwelche Fotos diskutiert.“ Nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu. „Heute Morgen hatte ich aber einen Anruf von meiner Nachbarin, sie sagt, da sei ein Päckchen für mich angekommen. Ob da vielleicht die Bilder drin sein könnten?“  Doyle überlegt: „Wenn Johnny irgendeiner Sache auf die Spur gekommen wäre, dann hätte er bestimmt kein Vertrauen zu jemanden hier im Hotel oder auf der Basis gehabt. Er konnte ja nicht wissen, dass du ihn suchen kommst, also hat er vor ca. 4 Tagen das Päckchen fertig gemacht und dir geschickt. Du warst wahrscheinlich die einzige Person, der er vertraut hat. Und leider hat er damit auch Recht gehabt. Jenny, wie weit wohnst du von hier weg?“ Jenny guckt Doyle verständnislos an. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass in dem Päckchen die Fotos sind, von denen Ronny gesprochen hat, und wenn ich mich nicht irre, ist dieser Ronny bereits auf dem Weg dorthin.“ „Das kann nicht sein, der weiß nicht wo ich wohne, der kennt noch nicht mal meinen vollständigen Namen. Hoffe ich wenigstens. Ray, wer sagt mir eigentlich, dass ich euch vertrauen kann?“ Kathie kommt derweil mit den Drinks zurück, den letzten Satz von Jenny hat sie gehört, und nickt Ray jetzt leicht zu. „Sag es ihr ruhig, Ray, … ich glaube, wir Beide sind jetzt die Einzigen denen du wirklich vertrauen kannst, Jenny.“ Doyle atmet tief durch. „Hör mir jetzt genau zu Jenny, wenn du wirklich willst, dass dieser Mord an Johnny aufgeklärt wird, musst du mir vertrauen. Ich habe dir doch gestern gesagt, dass ich Beamter bin. Na ja, das war ja auch nicht gelogen. Ich arbeite für den CI5 und du kannst mir glauben, wir sind besser als die Polizei hier vor Ort.“ Jenny schaut Doyle entgeistert an, „CI5, dass ist doch so ne Art Geheimdienst, oder? Und du hast wirklich Urlaub?“ Jenny bricht auf einmal in Tränen aus, der Tod ihres Freundes, die Fragerei von Ronny und die unerwartete Hilfe, das alles ist dann doch zu viel für sie. Wortlos und Tränen überströmt umarmt sie Doyle und anschließend Kathie. „Ihr Beiden seid die einzigen Freunde, die ich jetzt habe.“ Doyle wendet sich jetzt an Kathie. „Du gehst jetzt auf unser Zimmer und lässt niemanden rein. Ich fahre mit Jenny zu ihr nach Hause und hole die verdammten Fotos. Ich bin neugierig was darauf zu sehen ist. Du lässt niemanden rein, hast du mich verstanden?“ „Ja, Ray, aber seid bitte vorsichtig.“ „Jenny, wie lange fahren wir bis zu dir nach Hause?“ „So ungefähr ’ne halbe Stunde.“ „Ok, Kathie, wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, rufst du sofort Cowley an und schilderst ihm was hier vorgefallen ist.“ Er bringt Kathie noch in ihr Zimmer, nimmt seinen Dienstausweis und die Waffe an sich und verschwindet mit Jenny wieder. Kathie schaut ihnen durchs Fenster nach. Wie jedes Mal hofft sie, ihn gesund wiederzubekommen. Diesmal hat sie ein sehr mulmiges Gefühl in der Magengegend.

Doyle und Jenny machen sich auf den Weg in das 35 km entfernte Sherborne. Sie fahren mit Doyles Capri, da er davon ausgeht, dass Ronny ihm gegenüber noch keinerlei Verdacht hegt. Trotzdem schaut er während der Fahrt ständig in den Rückspiegel und ist sich bald sicher, dass ihnen keiner folgt. Als sie in Sherborne ankommen, ist es schon weit nach 22.00 Uhr. „Meine Nachbarin ist bestimmt schon im Bett.“, meint Jenny. „Darauf können wir keine Rücksicht nehmen, wir müssen auch zu ihrer Sicherheit die Fotos so schnell wie möglich in die Hände bekommen. Damit werden wir bestimmt herausbekommen, was hier eigentlich los ist, und …“ er zögert „… warum Johnny sterben musste.“ Mrs. Hastings, Jennys Nachbarin, war wirklich nicht begeistert, so mitten in der Nacht geweckt zu werden. Aber nachdem sie Jenny erkannt hat, holt sie das kleine Päckchen aus ihrer Wohnung. „Ihr jungen Leute, ihr könnt es wohl nicht abwarten.“ Sprachs und verschwindet wieder in ihrer Wohnung. Eine halbe Stunde später sind Doyle und Jenny wieder im Hotel angekommen. Auch auf der Rückfahrt hat er keinen Verfolger bemerkt. Lediglich ein wild gewordener Raser, der ihnen entgegenkam, Doyle hatte dem aber keine tiefere Bedeutung beigemessen. Später sollte er sich daran aber noch mal erinnern.

Jenny und Doyle nehmen den Fahrstuhl zum Zimmer 328, in dem Kathie schon sehnsüchtig wartet. Ihr ist nicht anzumerken, wie viel Angst sie in der letzten Stunde ausgestanden hat. Als es an der Tür leise klopft, zuckt sie zunächst zusammen, gleich darauf hört sie aber Rays Stimme. „Schatz, wir sind’s, du kannst aufmachen.“ Mit einem tiefen Seufzer fällt Kathie Ray um den Hals. „Ich hatte solche Angst. Als ihr losgefahren seid, dachte ich erst, dass euch ein Wagen folgt, aber der kam schon nach einer halben Stunde zurück.“ „Uns ist niemand gefolgt. Und hier sind die Fotos. Wollen wir doch mal sehen, was es da zu sehen gibt.“ Wie sich herausstellt, enthält das Päckchen dreißig Unterwasseraufnahmen und noch zehn weitere Aufnahmen, die aber an Land gemacht wurden. Auf einigen der Aufnahmen sind bestimmte Bereiche mit einem Stift markiert. „Hier muss doch irgendwas zu erkennen sein.“, murmelt Doyle vor sich hin. Auf den meisten Fotos ist lediglich eine Art Licht in der Ferne zu erkennen. Die Landaufnahmen sind da schon etwas aufschlussreicher. Ein Foto zeigt Ronny, wie er aus dem Wasser steigt, in der Hand hält er eine Plastiktüte. Auf einer anderen Aufnahme ist Ronny zu erkennen, wie er diese Plastiktüte in der Nähe der Tauchbasis versteckt. „Mich würde jetzt brennend interessieren, was diese Tüte enthält. Dieser Ronny kam mir von Anfang irgendwie komisch vor, würde mich nicht wundern, wenn da drin irgendwelche Drogen sind.“ Kathie kriegt schon wieder Angst. „Ray überlass das der Polizei, übergib denen die Bilder und halt dich da raus. Bitte.“ „Kathie, ich glaub daraus wird nichts, schau dir dieses Foto mal genau an.“ Er hält ihr eine der Landaufnahmen hin. „Unser Constable im innigen Gespräch mit Ronny. Man bin ich jetzt froh, dass ich dem nicht gesagt habe, was ich so beruflich mache. Wenn dieser Fall aufgeklärt werden soll, dann können wir uns nicht mehr auf die Polizei hier verlassen.“ „Dann ruf wenigstens Cowley an, damit du Verstärkung bekommst oder besser noch Bodie, wo steckt er eigentlich, kannst du ihn nicht erreichen?“  „Bodie ist irgendwo in Schottland unterwegs, die Telefonnummer habe ich auch nicht und selbst wenn, könnte er frühestens morgen Abend hier sein. Und Cowley, das wäre zwar ’ne Möglichkeit, aber dann ist der Urlaub auch ganz futsch. Aber ich werd mich mal mit Murphy kurzschließen, vielleicht kann der irgendwas über diesen Ronny raus finden.“ Gesagt, getan.

Murphy ist gerade vor einer Viertelstunde nach Hause gekommen, als sein Telefon klingelt. ‚Bitte nicht. Ich will jetzt einfach nur noch in mein Bett.’, denkt er sich noch bevor er den Hörer abnimmt. Am Apparat ist nicht Cowley, wie er vermutet hat, sondern Doyle. „Hey, deine Urlaubsgeschichten kannst du mir erzählen, wenn du wieder zurück bist. Hier ist mal wieder das Chaos ausgebrochen. Glaub nur nicht, dass du noch die ganze Woche wegbleiben kannst. Was ist denn los, Ray?“ „Murph, du musst mir mal einen Gefallen tun. Ich bin hier in eine Mordsache reingerutscht…“ „Das sieht dir ähnlich, drei Tage weg, und schon wieder am Ermitteln, erzähl schon.“ Doyle schildert die Lage mit wenigen Sätzen. „Versuch was über diesen Ronald Baker rauszubekommen, das ist der Leiter der Tauchbasis hier und der hat mächtig Dreck an den Fingern.“ „Wird gemacht. Wie kann ich dich erreichen?“ „Lass dir die Nummer von Betty geben, aber bitte, kein Wort zu Cowley…“ „Ist gebongt, soll ich wenigstens versuchen Bodie zu erreichen?“ „Nein, das hat im Augenblick wenig Sinn, ehe der hier ist, ist die Sache hoffentlich schon gelaufen. Hey Murph, danke. “ „Schon gut, überleg dir wenigstens eine gute Ausrede, die ich dem Alten auftischen kann, warum ich die Nacht durchgemacht habe.“  „Dir wird da schon was einfallen. Nenn’s doch einfach Arbeitseifer.“ „Ich meld mich dann bei dir, bis dahin…“

„Vorerst können wir nichts machen. Ich warte jetzt erst mal bis Murphy zurückruft, dann sehen wir weiter. Jenny du kannst auch hier bei uns schlafen. Ich nehm die Couch und du kannst im Bett schlafen.“ „Ich kann auch die Couch nehmen, danke. Ich glaub in meinem Zimmer hätte ich heute auch kein Auge zugemacht.“

8. Tauchbasis, mitten in der Nacht

Doyle hat diesen Vorschlag bewusst gemacht. So fällt es Kathie nicht auf, dass er, nachdem alles eingeschlafen war, wieder aufsteht. Dieses Versteck, dass auf den Fotos zu erkennen war, muss er so schnell wie möglich finden. Und zwar bevor dieser Ronny die Beweise verschwinden lässt. Die Fotos allein reichen bei weitem noch nicht aus, um ihm den Mord an Johnny nachzuweisen.

Es ist zwei Uhr in der Nacht, als sich Doyle der Tauchbasis nähert. Durch die Fenster erkennt er im Inneren der Basis einen Lichtschein. Er schleicht sich an die Fenster heran und erkennt Ronny und den Constable. „Wenn ich es dir doch sage, Ronny, dieser Doyle kann uns gewaltig in die Quere kommen. Das ist nicht nur irgendein Beamter, wie er in der Aussage zu Protokoll gegeben hat. Der Mann arbeitet für den CI5.“ „Na wenn schon, der ist allein. Kevin hat von nichts ’ne Ahnung und mit diesem Doyle werden wir schon fertig. Woher weißt du das eigentlich, dass mit dem CI5?“ „Ich habe einen Bekannten in London angerufen, der kennt diesen Typ und der hat mich auch eindringlich gewarnt, mit diesen Leuten ist nicht zu spaßen.“ „Wenn der mir in die Quere kommt, versinkt er halt auch in der Tiefe.“ „Damit hetzt du uns dann den ganzen Verein auf den Hals, das kannst du nicht machen.“ „Hast du Angst? Denk an das viele schöne Geld, morgen früh kommt die letzte Lieferung, danach bist du mich los.“

Doyle hat genug gehört und will sich langsam wieder zurückziehen. Dabei stößt er in der Dunkelheit leicht gegen eine alte Pressluftflasche. ‚Verdammt!’, geht es ihm durch den Kopf. Er bleibt stehen und lauscht. Scheinbar haben die beiden Personen in der Basis nichts gehört. Schnell wird er eines Besseren belehrt. „Die Hände hoch, Mr. Doyle.“ Die eisige Stimme von Ronny lässt ihn innehalten. Da flammt auch schon eine Taschenlampe auf. Er weiß jetzt zwar wo Ronny steht, kann ihn aber trotzdem nicht sehen. Aber er sieht die Spitze der Harpune, die auf ihn gerichtet ist. „Edward, nimm ihm die Knarre ab. Mach schon.“ Der Constable setzt sich langsam in Bewegung, stets darauf bedacht nicht in die Schusslinie der Harpune zu geraten. Doyle hat nicht die Spur einer Chance. „Und jetzt leg ihm die Handschellen an.“, zu Doyle gewandt setzt er hinzu „es ist mir so ziemlich egal für wen oder was du arbeitest, mir kommst du auf jeden Fall nicht in die Quere.“ „Baker, was meinen sie wie weit sie damit kommen? Wenn ich nicht in einer Stunde zurück bin, läuft hier mein ganzer Verein auf und die lassen sich nicht so schnell unterkriegen, das können sie mir glauben.“ Doyle hofft, dass dieser Bluff ankommt. Aber bei Baker stößt er damit nur auf taube Ohren. „Halt die Schnauze und vorwärts.“ Baker weist ihm mit der Harpune den Weg in Richtung Bootssteg. Beim Näher kommen kann Doyle eine kleine Yacht erkennen. Doyle wird in der Kajüte der Yacht gefesselt und geknebelt zurückgelassen.

9. Hotel

Kathie wird durch das Klingeln des Telefons geweckt. Sie schreckt auf und schaut auf die Uhr. Es ist 6.00 Uhr früh. ‚Geh schon ran, Ray.’, denkt sie im Halbschlaf. Da das Klingeln aber nicht abreißt, steht sie auf und geht selbst zum Apparat. „Ja?“, sagt sie schlaftrunken in den Hörer. Dass ihr Freund nicht da ist, hat sie noch gar nicht richtig wahrgenommen. „Hey, Kathie, ich bin’s Murphy, kannst du mal bitte Ray an die Strippe holen?“ „Moment, Murph. … Hey, Ray, wo steckst du?“ Schlagartig wird ihr bewusst, dass dieser schon seit längerer Zeit nicht mehr hier sein konnte, die Couch wirkt unbenutzt. „Murphy!“, schreit sie beinahe in den Apparat. „Ray ist verschwunden. So, wie das aussieht, ist er bereits seit mehreren Stunden weg.“ „Verdammter Mist.“, tönt es aus dem Hörer. „Ich informiere sofort Cowley. Und, Kathie, du bleibst wo du bist, machst niemanden die Tür auf, hast du verstanden?“ „Kannst du mir nicht mal sagen, was hier los ist?“ „Später, wir sind in wenigen Stunden vor Ort, bis dahin bleibst du wo du bist.“ Murphys eindringliche Stimme jagt Kathie Angst ein. „Meinst du, dass Ray was zugestoßen ist?“ „Das wollen wir doch nicht hoffen. Der hat schon ganz andere Dinge überstanden. Mach dich jetzt nicht verrückt. Wir sind so schnell wie möglich da.“ Murphy hatte bereits eine ganze Weile aufgelegt, da hält Kathie noch immer den Hörer in der Hand. Das Gespräch mit Murph hat sie in keiner Weise beruhigt. Im Gegenteil, sie hat jetzt mehr Angst um Ray als je zuvor. Aber was kann sie tun? Sie beschließt den Rat von Murphy zu befolgen und zunächst im Hotelzimmer zu bleiben. „Was ist denn los, Kathie?“ Erst jetzt bemerkt sie Jenny, die langsam näher kommt. Die Anspannung ist zu groß und schluchzend fällt sie ihrer neuen Freundin in die Arme. „Was soll ich denn nur tun, wenn Ray was passiert?“ „Komm, der wird sich schon zu helfen wissen. Solange du nichts Neues weißt, solltest du die Hoffnung nicht aufgeben.“ Jenny will Kathie eigentlich trösten, erreicht aber nur das Gegenteil. Kathie weint hemmungslos weiter und Jenny kann ihren Schmerz nur zu gut verstehen.

10. Hauptquartier CI5

Murphy legt den Hörer gar nicht erst auf, drückt nur kurz die Gabel des Telefons und wählt Cowleys Privatnummer. Die Nummer ist zwar jedem Agenten bekannt, wird aber nur im äußersten Notfall benutzt. So ein Notfall lag jetzt vor. Die Informationen, die Murphy über besagten Ronald Baker herausgefunden hat, werden dem Alten überhaupt nicht gefallen. Das Telefon klingelt bei Cowley nur zweimal, schon ist der Chef an der Strippe. „Cowley!“ Der Chef hört sich mal wieder an, als ob es das normalste auf der Welt ist, morgens um sechs geweckt zu werden. „Guten Morgen, Sir, Murphy hier…“ Daraufhin erzählt er seinem Chef in kurzen Zügen, was sich bisher abgespielt hat. „Ich bin in zehn Minuten da, versuchen sie zwischenzeitlich Bodie zu erreichen, der soll mit dem nächsten Flieger zurückkommen. Und trommeln sie den Bereitschaftsdienst zusammen.“



11. Yacht

Während Cowley und Murphy noch telefonieren, spitzen sich die Ereignisse auf der Yacht zu. Doyle hat die ganze Zeit versucht in irgendeiner Weise die Handschellen loszuwerden, aber er hat keine Chance. So sieht er dem Kommenden mit höchster Konzentration entgegen. ‚Irgendwann habe ich eine Chance und die werde ich nutzen’ Ganz tief im Unterbewusstsein ist ihm aber klar, dass dieser Baker nicht nur ein kleiner Taschendieb ist und dass der wohl so schnell keinen Fehler machen wird. Außerdem macht er sich auch gewaltig Sorgen um Kathie. Sie weiß ja nicht, dass er in der Nacht los ist. Sein einziger wirklicher Hoffnungsschimmer ist der Rückruf von Murphy: ‚Wenn ich dann nicht da bin, kann Kathie wahrscheinlich eins und eins zusammenzählen und die Truppe in Bewegung setzen.’

Auf einmal sind die Motoren der Yacht zu hören, die Yacht setzt sich in Bewegung. ‚Auf offener See wird es schwierig, mich zu finden.’, geht es Doyle durch den Kopf, gleichzeitig sieht er aber auch keine Möglichkeit, sich aus dieser ausweglosen Situation selbst zu befreien.

Die Yacht ist ca. eine halbe Stunde unterwegs, als Baker in die Kabine kommt. Ob er allein ist, kann Doyle im Moment noch nicht einschätzen, diesmal aber hat er eine Pistole in der Hand. Der Lauf zeigt auf Doyle. „Ich mach dich jetzt los und dabei bist du ganz artig, ansonsten hast du gleich ein paar Kugeln im Bauch.“ Doyle zweifelt keine Sekunde, dass diese Drohung ernst gemeint ist und verhält sich ruhig, als Baker ihn von den Fesseln befreit. „Hoch da!“ Baker weist Doyle den Weg zum Deck mit der Pistole. Doyle geht hochkonzentriert und auf eine Chance wartend langsam die Treppe nach oben. „Ein bisschen schneller.“, kommt es von hinten. Oben angekommen schaut sich Doyle vorsichtig um. Auf dem Deck stehen zwei Tauchausrüstungen bereit. Und er erkennt die Stelle wieder an der sie sich gerade befinden. ‚Hier war ich gestern mit Kevin!’ In der Ferne ist ein Frachtschiff zu erkennen, aber zu weit weg, als dass Doyle von dort Hilfe erwarten könnte. „Zieh die Ausrüstung über, Beeilung.“ Baker steht immer noch mit der Waffe hinter ihm und deutet auf eine der beiden Tauchausrüstungen. Doyle ist sich nicht so ganz im Klaren, was das Ganze soll, hat aber ein sehr ungutes Gefühl dabei. Langsam legt er die Tauchsachen an, setzt die Flasche auf und wartet noch immer auf die Dinge, die da kommen sollen. ‚So beladen wird es sicher schwierig, sich gegen Baker durchzusetzen.’, geht ihm noch durch den Kopf. „Ab ins Wasser mit dir.“, kommt die nächste Anweisung von hinten. ‚Ob das jetzt die Chance wird, der setzt mich doch hier nicht nur so einfach aus? Was hat der nur vor.’ Aber es bleibt ihm vorerst nichts anderes über, als sich dem Befehl zu beugen, also springt er vom Deck aus ins Wasser. Wie zu erwarten, befindet sich dort bereits ein Komplize von Baker. Dieser ist jetzt wieder mit einer Harpune bewaffnet und wartet in einem Abstand von ungefähr 15 Metern. Keine Möglichkeit für Doyle irgendetwas zu unternehmen. Ein paar Minuten später klatscht es noch einmal im Wasser, Baker hat sich die andere Ausrüstung genommen und ist jetzt ebenfalls mit einer Harpune bewaffnet. Eine nie da gewesene Angst beschleicht Doyle. Er ist sich jetzt ziemlich sicher, aus dieser Angelegenheit nicht mehr lebend herauszukommen. ‚Warum haben die mich nur nicht gleich umgebracht? Hier hätte noch nicht mal jemand den Schuss gehört.’ Laut sagt er: „Was wollen sie denn tun, wenn ich dieses Spiel nicht mitspiele?“ „Ich würd’s nicht drauf anlegen. Du tauchst jetzt hinter meinem Freund her, und denk dran: Ich bin immer hinter dir, also versuch’s erst gar nicht.“ Mit diesen Worten war die Unterhaltung auch schon wieder beendet.

12. Die Höhle

Doyle bleibt nichts anderes über als dem Kumpel von Baker zu folgen. Er ist sich sicher, dass bei der kleinsten falschen Bewegung Baker nicht zögern wird, die Harpune auf ihn abzufeuern. Unterwegs merkt er auch, dass es in Richtung der Höhle geht, die er am Tag zuvor mit Kevin erkunden wollte. Nur geht es diesmal viel tiefer in die Höhle hinein. Doyle schätzt, dass es ungefähr 200 Meter sein müssen. Panik macht sich in ihm breit. Am Ende der Höhle angekommen deutet Baker an, dass das Ziel erreicht ist. Doyle erkennt vor sich einige massive Eisenringe, die in die Höhlenwand eingelassen sind. Daneben befindet sich ein kleines Plateau und darauf, Doyle traut seinen Augen nicht, stehen drei weitere Tauchflaschen. An einer dieser Flaschen ist ein zusätzlicher Atemregler angebracht. ‚Die wollen mich doch wohl nicht hier allein lassen! Doyle denk nach, verdammt, ich muss jetzt irgendetwas tun.’ Aber zu einem weiteren Gedankengang bleibt ihm keine Zeit. Der Kumpan kommt jetzt näher und deutet ihm an, zu dem Plateau zu schwimmen. Hier wird er mit einer ca. einen Meter langen Kette an einem der Metallringe gefesselt. Doyle versucht sich zu wehren, aber die drohende Harpune von Baker zeigt ihm deutlich an, dass es besser ist sich zu fügen. Schließlich wird Doyle allein und im Dunkeln zurückgelassen.

13. Hotel

Zwischenzeitlich sind Cowley, Murphy und noch zwei weitere CI5 Agenten in dem kleinen Hotel angekommen. Cowley wollte keine Zeit verlieren und so sind die Vier mit einem Hubschrauber in der Nähe gelandet. Ihr erster Weg führt natürlich in das Zimmer von Kathie. Cowley klopft an die Zimmertür. Keine Reaktion. ‚Nein, nicht das auch noch.’, denkt er gerade, als er eine Bewegung im Zimmer hört. „Miss Skinner, hier ist Cowley, sie können aufmachen.“ Fast gleichzeitig wird die Tür geöffnet und Cowley findet die beiden völlig verstörten Frauen vor. „Haben sie schon etwas von Doyle gehört?“, fragt er Kathie, nachdem die Tür wieder sorgfältig verschlossen wurde. „Nein, noch nicht, ich mache mir solche Sorgen.“ Kathie bricht wieder in Tränen aus. „Erzählen sie mir noch einmal genau, was hier eigentlich passiert ist.“ Kathie gibt Cowley daraufhin einen kompletten Bericht über den Fall. „Wo sind die Fotos jetzt?“, fragt Cowley, nachdem Kathie ihren Bericht beendet hat. „Die haben wir noch hier.“ Jenny reicht Cowley das Päckchen mit den Fotos. „Die werde ich mitnehmen müssen.“, sagt er während er sich die Fotos ansieht, „die Markierungen, stammen die von Doyle?“ „Nein, die waren bereits auf den Fotos, als ich sie bekommen habe.“, gibt Jenny zurück. „Miss Skinner, zu ihrem Schutz wird einer meiner Mitarbeiter bei ihnen bleiben. Machen sie sich keine Sorgen, wir werden Doyle schon finden.“ „Danke, Mr. Cowley.“, kann Kathie nur noch sagen, bevor sie wieder in Tränen ausbricht.

Murphy trommelt derweil an die Tür von Kevin. „Was ist denn nun schon wieder los?“, kommt eine Stimme von innen, „ich wollte heute eigentlich mal ausschlafen.“ „Machen sie schon auf, Mr. Engrive, ich bin vom CI5 und habe ein paar Fragen an sie.“ Langsam wird die Tür geöffnet. Murphy, der keine Zeit hat sich mit Formalitäten aufzuhalten, weist sich nur kurz aus und schiebt Kevin ins Zimmer zurück. „Nun mal langsam, was wollen sie eigentlich von mir? Warum überhaupt der CI5?“ „Alles schön der Reihe nach.“, gibt Murphy zurück. „Was haben sie heute Nacht, sagen wir mal so ab um zwei, gemacht?“ „Na was schon, ich hab geschlafen.“ „Sie waren natürlich allein.“ „Ja, war ich, aber was soll denn das Ganze? Meine Aussage zu unserem Fund habe ich gestern schon gemacht. Fragen Sie doch mal diesen Ray Doyle. Eventuell kann der ihnen mehr sagen, ich habe keine Ahnung wer Johnny umgebracht hat, und ich weiß auch nicht warum.“ „Mr. Engrive, genau da liegt das Problem, ich würde Doyle auch gern fragen, was hier vorgefallen ist, aber leider ist der verschwunden. Und ich sage es Ihnen nur ungern, wenn wir ihn nicht lebend wieder finden, haben Sie ein ziemliches Problem.“ „Ich habe doch wirklich keine Ahnung, ich war mit Ray gestern lediglich zu diesem Tauchgang unterwegs, als wir den Toten gefunden haben. Wenn Sie mich fragen, hatte er auch keine Ahnung, was uns dort erwartet.“ „Erzählen sie etwas genauer.“ Murphy glaubt langsam, dass Kevin mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun hat. Warum hätte er auch Doyle die Höhle zeigen wollen, wenn er genau wusste, was darin zu finden ist? Nachdem Kevin seinen Bericht beendet hat, sagt Murphy: „Wissen sie, Kevin, dieser Doyle ist nicht nur irgendjemand, Ray Doyle ist ein Kollege und ein guter Freund von mir. Und wir werden alles daran setzen, ihn lebend aus dieser Sache herauszuholen, dazu brauche ich aber alle Informationen, die sie mir geben können. Also wenn ihnen noch irgendwas einfällt, dann sagen sie es jetzt.“

14. Yacht

Ronald Baker und sein Kumpan sind zwischenzeitlich wieder auf der Yacht angekommen. „Warum haben wir den Typen nicht gleich um die Ecke gebracht? Wenn den da unten nun zufällig doch jemand findet.“ „Dieser Typ da unten ist im Moment unsere einzige Versicherung. Du weißt genau, dass wir dieses letzte Geschäft noch durchziehen müssen. In ein paar Minuten sind die Taucher mit dem Stoff hier und dann haben wir ausgesorgt. Wenn uns irgendjemand in die Quere kommt, dann haben wir was zum Verhandeln.“ „Und was machen wir danach mit ihm?“ „Lass ihm doch noch ein bisschen Hoffnung, irgendwann sind die Flaschen da unten auch alle und die Fische haben neues Futter. Aber…“ Baker grinst hinterhältig, „wir sollten uns noch etwas mehr absichern. Wenn der Stoff an Bord ist und wir wieder im Hafen …“ Weiter kommt er erst mal nicht, denn neben der Yacht tauchen plötzlich zwei Taucher auf. „Habt ihr den Stoff?“, fragt Baker die Taucher. „Und habt ihr das Geld?“, kommt die Gegenfrage. Die Taucher kommen langsam an Bord. Nachdem der Handel über die Bühne gegangen ist und die Taucher die Pressluftflaschen ausgewechselt haben, steigen sie wieder ins Wasser und nehmen Kurs auf das Frachtschiff, das noch immer in einiger Entfernung liegt.

„Wenn wir wieder an Land sind möchte ich, dass du dich um die beiden Mädchen kümmerst. Wenn die Alte die Fotos nicht mehr hatte, dann muss diese Jenny sie jetzt haben und ich will, dass du mir die besorgst. Ist mir egal, wie du das machst. In dem Zusammenhang kannst du dann gleich die Freundin von diesem Doyle mit herbringen, eine zweite Versicherung kann schließlich nicht schaden.“ Ein bösartiges Grinsen legt sich um Bakers Mund.

15. In der Höhle

Währenddessen versucht Doyle in der Höhle verzweifelt sich aus der prekären Lage zu befreien. Schnell muss er aber feststellen, dass die Verankerungen zwar alt, aber trotzdem solide sind. Auch die Kette ist sehr stabil und bietet keine Angriffsfläche. Durch die aufkommende Panik und die hektischen Bewegungen muss er dann auch die erste Flasche sehr bald wechseln. Jetzt stehen ihm nur noch zwei volle Flaschen zur Verfügung. ‚Damit habe ich jetzt höchstens noch vier Stunden. Verdammt, mir muss irgendwas einfallen.’ Er zwingt sich jetzt ruhiger und gleichmäßiger zu atmen um ja keine Luft weiter zu verschwenden.

16. Hotel

Im Hotelrestaurant trifft Murphy auf Cowley. „Und was jetzt, Sir?“ „Sie kümmern sich erst mal um diesen Constable Edward Jackson, nehmen sie ihn fest und setzen sie ihn meinetwegen unter Druck. Der weiß auf jeden Fall etwas. Und…“ Cowley wirkt jetzt auch etwas ratlos „… er ist wahrscheinlich die einzige Spur, die wir zu Doyle haben. Was ist eigentlich mit diesem Tauchlehrer Kevin Engrive?“ „Ich glaube nicht, dass der mehr weiß, als das, was wir auch schon wissen. Der ist sauber.“ „Kann er uns irgendwie helfen?“ „Ich denke mal nicht wesentlich, aber wenn sie nichts dagegen haben, würde ich mir nachher vielleicht diese Höhle mal etwas genauer ansehen. Da kann ich ihn schon als Begleitung gebrauchen.“ „Versprechen sie sich etwas davon?“ „Ich weiß nicht, ist nur so ein Gefühl, solange wir nichts Näheres wissen, kann eine Tatortbesichtigung nicht schaden.“ „Ok, dann machen sie das, den Constable kann auch jemand anderes übernehmen.“ „Dann mach ich mich mit ihm in etwa eine Stunde auf den Weg.“

17. Tauchbasis

Eine dreiviertel Stunde später kommt Murphy an der Tauchbasis an. Kevin erwartet ihn bereits. „Komisch.“, meint der, „Hier fehlen definitiv vier Pressluftflaschen, aber nur zwei Atemregler.“ „Und was kann das bedeuten?“ „Das irgendjemand ziemlich lange unter Wasser bleiben will.“ „Haben sie auch eine Vermutung wer dieser jemand sein könnte?“ „Nein, keine, die Yacht von Ronny liegt an seiner Anlegestelle und von ihm ist mal wieder nirgends etwas zu sehen. Aber sein Anzug hängt hier, er muss heute schon draußen gewesen sein, denn das Teil ist noch ziemlich nass.“ Plötzlich kommt Murphy ein Gedanke. Und dieser Gedanke gefällt ihm absolut nicht. ‚Lass es bloß nicht wahr sein.’, denkt er noch, als aus dem Hotel ein Schuss zu hören ist. „Sie warten hier.“, schreit er Kevin noch zu und spurtet schon zum Hotel zurück.

18. Hotel

Im Hotel hatte sich Bakers Kumpan ein leichtes Spiel versprochen. Nachdem er Jenny in ihrem Zimmer nicht angetroffen hatte und auch die Fotos nicht zu finden waren, machte er sich auf den Weg zu Kathies Zimmer. ‚Na, dann habe ich die beiden Hübschen gleich zusammen.’, geht es ihm durch den Kopf. Ronny wollte am Hinterausgang des Hotels auf ihn warten, um dort ohne viel Aufsehen die Fotos und das Mädchen zu übernehmen. Was sollen ihm schon zwei verängstigte Mädchen anhaben. Lächelnd klopft er an die Tür. „Wer ist da?“, kommt es von drinnen. „Zimmerservice, ich bringe Ihr Frühstück, Miss.“ Die Tür öffnet sich einen Spalt. Er schiebt das Mädchen zur Seite und schaut völlig perplex in den Lauf einer Pistole. „Wir haben aber gar keinen Zimmerservice bestellt.“, gibt der CI5 Agent, der jetzt vor ihm steht, zur Antwort. „Dann habe ich mich wohl in der Zimmernummer geirrt.“, will sich Tyler herausreden. Aber in dem Moment wird er bereits weiter in das Zimmer geschoben und ehe er so richtig weiß, was eigentlich passiert ist, hat er schon Handschellen an und seine Pistole liegt auf dem Tisch. „Seit wann hat denn ein Zimmerservice eine Pistole bei sich?“, kommt die nächste Frage. „Und jetzt raus mit der Sprache, wo ist Doyle?“, der Agent wird lauter und zieht Tyler unsanft aus dem Sessel hoch. „Ich will wissen, was du mit meinem Kollegen gemacht hast?“ Tyler versucht sich herauszuwinden. „Ich, ich hab doch keine Ahnung, das Ganze war Ronnys Idee.“ „Dann erzähl mir wo wir diesen Ronny finden.“ Tyler, dem die Angst im Gesicht geschrieben steht, zuckt in sich zusammen. „Wenn ich den verrate, bin ich tot, Mann.“ „Und wenn du mir jetzt nicht sagst, wo ich Baker und besser noch Doyle finde, bist du noch viel schneller tot.“ Resignierend gibt Tyler auf: „Ronny wartet am Hinterausgang. Er wartet, dass ich mit der Freundin von Doyle da auftauche.“ „Na also, geht doch.“ Über R/T gibt er Cowley diese neuen Erkenntnisse durch. „Soll ich auch zum Hinterausgang kommen, Sir?“ „Nein, bleiben sie bei den Frauen, das kriegen wir hier schon alleine hin. Ende.“

Cowley macht sich daraufhin auf den Weg zum Hinterausgang. Vorsichtig öffnet er die Tür einen Spalt. Ronny steht da, als ob er auf etwas wartet. Er hält eine Waffe in der Hand. „Werfen Sie die Waffe weg, Baker.“, ruft Cowley ihn an. „Sie kommen hier nicht mehr weg.“ Anstatt die Pistole wegzuwerfen, macht er eine halbe Drehung und schießt in Cowleys Richtung. Die Kugel verfehlt den CI5 Chef nur um wenige Zentimeter. „Und ob ich hier wegkomme. Sie wollen doch Ihren Mitarbeiter lebend wiederhaben.“ Damit schießt er noch mal in Cowleys Richtung. „Der CI5 lässt sich nicht von solchen Gestalten wie Ihnen erpressen. Es liegen Haftbefehle aus mehren Ländern Europas gegen sie vor. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich sie laufen lasse.“ Damit gibt er einen Warnschuss in Bakers Richtung ab. Baker wirft sich hinter eine der herumstehenden Mülltonnen. Und schießt nochmals. Cowley merkt einen schneidenden Schmerz an der Schulter. „Na, wollen sie mich immer noch festnehmen?“, kommt es höhnisch hinter den Mülltonnen hervor. „Er vielleicht nicht, aber dafür ich.“ Murphy ist im richtigen Moment angekommen. „Werfen sie die Waffe weg und nehmen sie die Hände hoch.“ Jetzt erkennt auch Baker, dass er keine Möglichkeit mehr hat. Wortlos wirft er die Waffe weg und erhebt sich langsam. Murphy legt ihm Handschellen an. „Mr. Cowley, kommen sie mit dem allein zurecht? Ich hab eine Vermutung, wo Doyle steckt und wenn die wahr ist, dann müssen wir uns unheimlich beeilen.“ „Gehen sie schon, ich bin in Ordnung.“ Murphy übergibt Baker an Cowley. „Wirklich alles Ok, Sir?“ Fragt er nochmals, nachdem er Cowleys Verletzung gesehen hat. „Ist nur ein Streifschuss. Ich wird’s überleben. Verschwinden sie schon.“

19. In der Höhle

Die letzte Flasche neigt sich bereits ihrem Ende zu. Doyle hat bereits mit seinem Leben abgeschlossen. Außerdem friert er erbärmlich. Er ist jetzt schon seit fast fünf Stunden unter Wasser, die Kälte lässt ihm kaum noch Platz zum Denken. ‚In zehn Minuten hast du’s hinter dir Junge.’ Seine letzten Gedanken drehen sich noch um Kathie und um sein Kind, das er nun nicht mehr kennen lernen wird. ‚Bilde ich mir das jetzt schon ein oder ist dahinten wirklich ein Licht zu sehen?’ Angestrengt versucht er noch einmal den Lichtschein wahrzunehmen. Kurz bevor er bewusstlos wird, sieht er das Licht noch einmal ganz nah vor sich.

Murphy und Kevin finden Doyle wenige Augenblicke später. ‚Bitte lass ihn noch leben.’ Murphy sucht seinen Puls und findet diesen nur noch ganz schwach. Aufgeregt gibt er Kevin ein Zeichen, dass Doyle noch am Leben ist. Aber wie sollen sie ihn da rauskriegen. Kevin schiebt Doyle den Zweitregler in den Mund und versorgt ihn dabei mit dem Knopf für die Schnellluftdusche mit Atemluft. ‚Werd wach, los schon, sonst kriegen wir dich hier nicht raus.’ Nach mehreren erfolglosen Versuchen merkt Kevin eine Bewegung. Als ob die Sache nicht schon kompliziert genug ist, muss Doyle jetzt auch noch husten. Das Wasser, das er bereits in den Lungen hatte, wollte unbedingt wieder raus. Und so hat Kevin genug damit zu tun, dass der Zweitregler in Doyles Mund bleibt.

Unterdessen entdeckt Murphy in einiger Entfernung eine alte Eisenstange. Damit versucht er den Eisenring aus der Wand herauszuhebeln. Nach einigen missglückten Versuchen gelingt ihm dieses auch. Jetzt müssen sie nur noch auf dem schnellsten Weg aus dieser verdammten Höhle raus. Kevin hält Doyle fest und muss ständig darauf achten, dass der Zweitregler da bleibt wo er hingehört. Außerdem macht er sich Sorgen um seinen eigenen Luftverbrauch. Sein Finimeter kommt dem roten Bereich schon gewaltig nahe und sie sind noch lange nicht an der Oberfläche. An Dekopausen ist in dieser Situation überhaupt nicht zu denken. ‚Wenn der hier so lange unten war, wie ich vermute, dann muss er innerhalb von einer Stunde in der nächsten Dekompressionskammer sein, ansonsten waren alle Mühen umsonst.’, denkt er sich noch so und ist froh, dass er das jetzt Murphy nicht sagen muss. Mit Mühe und Not erreichen sie das kleine Boot, welches Kevin und Doyle bereits am Tag zuvor benutzt hatten.

„Mr. Murphy, sie sind doch mit einem Hubschrauber hergekommen. Können sie Ihren Chef irgendwie erreichen?“ „Was liegt denn so dringend an.“ „Doyle und übrigens wir Beide auch müssen auf dem schnellsten Weg in eine Dekompressionskammer. Bei uns mag es vielleicht noch gehen. Aber wenn er nicht innerhalb einer Stunde drin ist, dann wird er das hier nicht überleben.“ Murphy schaut zu Doyle rüber, der mittlerweile in einer Decke eingepackt, aber immer noch ziemlich blass aussieht. „Verdammt, daran habe ich überhaupt nicht gedacht.“ Er kramt sein R/T vor und lässt sich sofort mit dem Chef verbinden. Nachdem er Cowley den Sachverhalt erklärt hat, übergibt er das R/T an Kevin. Dieser gibt den genauen Standort durch. Bereits zehn Minuten später hören sie den Hubschrauber, es dauert aber noch weitere zehn Minuten, bis Doyle und die beiden Retter im Hubschrauber angekommen sind. Auf dem schnellsten Weg geht es jetzt nach Portsmouth, wo sich die nächste Dekokammer befindet. Zwanzig Minuten später landet der Hubschrauber bereits auf dem Dach der Klinik. Doyle wird sofort in die bereits vorbereitete Dekokammer gebracht und diese wird dann langsam unter Druck gesetzt. Murphy und Kevin, sowie ein Arzt gesellen sich noch dazu.

„Wie lange werden wir es hier aushalten müssen?“, fragt Murphy den Tauchlehrer. Kevin guckt Murphy völlig fassungslos an. „Wenn du mich so fragst … Also da es hier nur die eine Druckkammer gibt, werden wir Beide wohl so lange wie Ray hier bleiben müssen. Der Druck kann nur ganz langsam runter gefahren werden.“ „Und wie lange wird das dauern?“ kommt noch mal die Frage. „Auf mindestens vierundzwanzig Stunden wirst du dich wohl einrichten müssen.“ Jetzt ist es an Murphy völlig fassungslos zu gucken.

20. Dekokammer

Am späten Nachmittag erscheinen Cowley, Bodie und Kathie in der Klinik. Cowleys linker Arm liegt in einer Schlinge, ansonsten ist dem Chef nichts anzumerken. Kathie steht die Sorge über ihren Freund im Gesicht geschrieben und Bodie ist auch wesentlich stiller als sonst.

Über eine Sprechanlage kann Cowley mit Murphy reden. Dieser gibt ihm die Einzelheiten über die spektakuläre Rettung durch. „Na, dann haben sie ja genügend Zeit ihren Bericht in allen Einzelheiten zu formulieren.“, grinst Cowley seinen Mitarbeiter an, bevor er wieder geht „Ich werde später noch einmal nach ihnen sehen.“

Doyle ist immer noch nicht wieder bei Bewusstsein. Der Arzt, der sich mit in der Dekokammer befindet, fängt langsam an sich richtig Sorgen zu machen. „Wenn er nicht innerhalb der nächsten Stunde aufwacht, dann kann ich ihm wahrscheinlich nicht mehr helfen.“, sagt er mehr zu sich selbst. Murphy, der das gehört hat, kommt dazu. „Wie wäre es, wenn seine Freundin mit ihm spricht. Vielleicht kann sie zu ihm durchdringen.“

Mit Hilfe der Sprechanlage redet Kathie nun auf Doyle ein: „Ray, du darfst jetzt nicht aufgeben. Das kannst du uns nicht antun. Bitte.“ Eine Viertelstunde lang versucht Kathie zu ihrem Freund durchzudringen. Bodie nimmt ihr den Hörer aus der Hand: „Los, Alter, mach, dass du wieder hoch kommst, du kannst dich doch hier nicht so einfach verabschieden.“ Da plötzlich bewegen sich Doyles Augenlider. Langsam kommt sein Bewusstsein zurück. Aber noch ist er zu schwach, irgendetwas zu sagen.




21. Eine Woche später

Heute sollen die vier Insassen der Dekokammer endlich wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Doyle und Murphy werden von Bodie abgeholt. „Sag mal Ray, was hat Kathie eigentlich damit gemeint, als sie sagte, ‚Das kannst du UNS nicht antun.’?“ In Doyles Gesicht wird ein breites Lächeln sichtbar. „Denk mal drüber nach, Alter.“, gibt er seinem Freund nur zur Antwort.

ENDE



Einige Hinweise zum Fachchinesisch, bevor ihr mich mit Fragen auseinander nehmt:

Unter Wasser nimmt der Druck auf den Körper je 10m um ca. 1 bar (entspricht in etwa dem normalen Luftdruck zu – kann man sich vorstellen wie ungefähr 1kg pro cm² Fläche)

In 20m Tiefe lastet damit ein Druck von insgesamt 3 bar (also 3kg /cm²) auf deinem Körper, das ist das dreifache des normalen Drucks an der Oberfläche. Somit atme ich in 20 m Tiefe auch mit jedem Luftzug diese 3 bar ein. Wenn man nun zu schnell auftaucht, besteht das Problem, dass sich diese Luft in den Lungen ausdehnt, und es im Extremfall zum Platzen der Lunge führen kann. Daher gilt eine Faustregel, dass man beim Aufsteigen die eigenen Luftblasen vom Ausatmen nicht überholen soll.

Dekopausen

Habt ihr vielleicht schon mal was in diversen Filmen von gehört. Wenn man sich unter Wasser aufhält, können sich wie in einer Colaflasche diverse Gase (insbesondere Stickstoff) im Blut lösen. Dieser Stickstoff wird insbesondere im Fettgewebe angereichert. Taucht man auf, entsteht der gleiche Effekt wie bei einer Colaflasche, die Gase wollen wieder raus. Die Colaflasche fängt an mit schäumen, für das Blut ist das aber eher sehr unangenehm, da sich auch hier entsprechende Gase bilden können. Daher ist es beim Auftauchen aus einer bestimmten Tiefe unbedingt notwendig, die vorgesehenen Dekopausen einzuhalten (dafür gibt es ganze Tabellen, der moderne Taucher verlässt sich dabei auf seinen Tauchcomputer, der ihm sagt wie lange er sich beim Auftauchen, in welcher Tiefe aufzuhalten hat). Wie gesagt, kommt man zu schnell hoch (aus welchen Gründen auch immer), bilden sich im Blut Blasen, die im Extremfall zum Tode führen können.

Sollte es trotzdem einmal unumgänglich sein, sofort aufzutauchen ist es notwendig den Taucher sofort in die nächste Dekokammer zu befördern. Hier wird dieser nochmals unter Druck gesetzt, damit sich die Gasanteile wieder im Blut lösen können. Der Druck in der Dekokammer kann dann aber nur sehr sehr langsam wieder auf Normaldruck zurückgefahren werden, dies kann in sehr speziellen Fällen tatsächlich sehr lange dauern.

Ausrüstung
Neben Anzug, Atemregler (auch Lungenautomat genannt) und Pressluftflasche braucht der Taucher noch einige weitere Hilfsmittel unbedingt.
Ein Finimeter ist ein Gerät, welches mir beim Tauchgang jeweils den aktuellen Füllstand meiner Pressluftflasche anzeigt. Bei uns im Verein gilt, 50 bar Füllstand beim Auftauchen ist Pflicht, darunter werden jeweils 10 Euro in die Kasse gezahlt. Hört sich hart an, dient aber der eigenen Sicherheit.
Um Abtauchen zu können kommt der Taucher ohne Blei nicht sehr weit. Ich brauche in unseren Gewässern normalerweise 5 Kilogramm davon. Das hängt unter anderem auch von der Erfahrung ab, die man unter Wasser hat. Aber auch vom eigenen Körpergewicht und der Art der Ausrüstung.
Weiterhin gibt’s dann noch den Tauchcomputer, den Tiefenmesser, den Zweitregler (notwendig falls der Hauptregler den Geist aufgibt oder eine andere Person deine Hilfe braucht), das Tauchermesser (nicht um die Hechte zu fangen, sondern um sich ggf. aus einer Verschlingung zu lösen, z.B. durch Netze).
Ein Bestandteil des Atemreglers ist die Luftdusche. Mit ihr kann mit leichtem Überdruck Luft in die Lungen gepresst werden. Hat tatsächlich den Sinn, falls ein Taucher mal abklappt, den dann mit Luft zu versorgen.