Ein Freund - ein guter Freund?!

von mia90
GeschichteDrama, Romanze / P16
Andreas Wellinger Karl Geiger Markus Eisenbichler Pascal Bodmer Richard Freitag Severin Freund
10.01.2013
21.09.2019
747
989318
20
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Dieses Kapitel
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Tausend Dank an Kylja, Jeanette, Jessy und Eva! Weiter geht's mit ein bisschen Drama.



„Und? Was wird das mit Rika und dir?“ Markus‘ Cousin sah ihn neugierig an. Sie saßen bei einem Bier im Restaurant des Golfclubs, draußen regnete es und sie hatten die Runde abbrechen müssen.

„Wir haben gesagt, wir geben uns beide ne Woche Zeit um uns darüber klar zu werden – unabhängig voneinander – ob wir es miteinander versuchen wollen.“

Sein Cousin nickte. „Was spricht dagegen? Ihr seid doch ganz schön verliebt oder?“

Markus zögerte einen Moment. „Ja. Sind wir. Glaube ich zumindest.“

„Aber?“

„Ich weiß nicht.“ Markus vergrub das Gesicht in den Händen. „Ich war mir so lange so sicher, dass sie die Frau
meines Lebens ist. Auch in Planica dachte ich das noch.“

„Aber?“

Markus sah ihn nicht an. „Ich hab Angst, dass ich nur die zweite Wahl hinter Severin sein werde. Immer. Die
beiden haben zu viel zusammen erlebt und durchgemacht. Und Severin ist… Verdammt. Ich kann ihm nicht die Frau ausspannen.“

„Das fällt dir aber früh ein.“ Kam es trocken von seinem Cousin.

„Ich weiß. Vielleicht… Jetzt wo es so zum Greifen nahe ist, habe ich Angst davor, dass es falsch wäre und zum
Scheitern verurteilt ist. Es fühlt sich eher beängstigend als richtig an.“

Sein Cousin räusperte sich. „Vielleicht bist du auch nur ein bisschen zu feige, um diese doch etwas moralisch
zweifelhafte Nummer durchzuziehen?“

„Ich weiß es nicht. Aber… Ich glaube, ich kann es nicht. Rika ist eine tolle Frau, ich kann mir gerade nicht
vorstellen, mich je wieder so zu verlieben. Aber ich hab Angst, dass es nicht hält, dass ich in der Beziehung versage und ihr nicht gerecht werden kann, dass sie es bereut, Severin für mich verlassen zu haben und dass ich damit nicht klar kommen würde. Oder dass sie ihren Fehler schnell erkennt und zu Sevi zurück geht oder was weiß ich…“

Sein Gegenüber nickte. „Jemanden aus einer anderen Beziehung heraus zu… äh… also abzuwerben ist immer eine beschissene Ausgangssituation. Das hätte ich dir aber auch vorhersagen können. Weißt du, was ich glaube? Du hast erkannt, dass Rika zwar eine tolle Frau ist und du auch sehr gerne mit ihr zusammen bist. Aber dein Unterbewusstsein ahnt, dass sie nicht die Frau deines Lebens ist. Sonst würdest du nämlich keine Sekunde darüber nachdenken müssen sondern vor ihrer Tür stehen und direkt bei ihr einziehen. Oder zumindest würdest du keinen Tag ohne sie verbringen wollen. Und schon gar keine Woche.“

Markus starrte wortlos in den Himmel.

Erst nach einigen Minuten nickte er. „Und jetzt?“

„Hab ich denn Recht?“

Markus zuckte mit den schmalen Schultern. „Ich weiß es einfach nicht.“

„Doch. Du weißt es. Tu das, was dir dein Bauchgefühl sagt.“

Sein Cousin stand auf, klopfte ihm auf die Schulter und ging. Und Markus blieb verzweifelt zurück. Er wollte kein
Feigling sein. Er war noch nie ein Feigling gewesen. Und er würde jetzt nicht damit anfangen.

*

Severin ließ sein Fenster runter, Rika ebenfalls. „Hey, gut zurück gekommen?“ Severin rang sich ein möglichst
neutrales Lächeln ab. Am liebsten hätte er sie eigentlich mit Nichtachtung gestraft.

Rika klappte den Mund auf und zu und war nicht in der Lage auch nur einen Ton heraus zu bringen. Stattdessen
schossen ihr die Tränen unkontrolliert in die Augen und strömten über ihre Wangen.

Ihr Mann sah sie nun doch etwas verwirrt an. Sie schluchzte auf und wandte sich ab, Severin sah hilflos zu
Patrick, der die ganze Szene beobachtete und stieg dann aus. Er trat an Rikas geöffnetes Fenster.

Rika wurde von einem mächtigen Heulkrampf gepackt und wandte sich ab. Wie hatte sie nur so dumm sein können? So unendlich dumm und treulos, hinterhältig? Wie hatte sie es übers Herz bringen können, Severin zu betrügen und zu hintergehen? Den Mann, der sie liebte, der sie geheiratet hatte, der ein Kind mit ihr wollte und mit dem sie so viel durchgestanden hatte?

Diese blauen Augen, das Lächeln, die Ruhe und Energie und Kraft… Severin war ihr Zuhause. Und sie hatte es
freiwillig aufgegeben. Und verloren. Sie konnte es in seinem Blick lesen.

„Was ist los?“ wollte er wissen.

„Ich… ich kann gerade nicht…“ schluchzte sie erneut. „Es tut mir alles so leid.“

Severin machte einen Schritt zurück.

„Lass uns da wann anders drüber reden. Für Beichten habe ich gerade keinen Kopf.“

Patrick kam langsam zu ihnen rüber. Er wusste besser als Rika, wie schlecht es Severin seit ihrer Pause ging. Nur langsam hatte er sich wieder mühsam berappelt.

„Habt ihr euch versöhnt?“ wollte er wissen.

Severin schüttelte den Kopf. „Diese Pause war wohl mehr als notwendig. Oder ist es. Deine Schwester scheint
sich noch immer nicht im Klaren darüber zu sein, ob ich gut genug für sie bin oder vielleicht doch jemand anderes.“ In seiner Stimme schwang Bitterkeit mit.

Rika hatte das Gesicht in den Händen vergraben. „Ich kann das alles nicht mehr. Ich schaffe das nicht.“ Kam es stockend von Rika.

Severin wurde noch eine Spur blasser und Patrick trat etwas näher.

Aber Severin riss sich zusammen. „Na umso besser, dass wir die Pause haben. Oder vielleicht wäre dir die
endgültige Trennung ja lieber. Dann kannst du Kraft schöpfen. Mit wem auch immer.“ Seine Stimme klang eiskalt, er drehte sich um, stieg in sein Auto. „Wenn du mir was zu sagen hast, du weißt ja wo ich wohne. Aber mir stehts bis hier.“ Er zog mit seiner Hand eine imaginäre Linie oberhalb seines Kopfes. „Mich macht das kaputt und ich mache diese Scheiße nicht mehr mit. Alles was ich wollte, war ein glückliches Leben mit dir.“

Patrick starrte erst Severin hinterher und dann seine kleine Schwester sprachlos an. „Hast du gerade noch mal mit Severin Schl…“

„Nein verdammt!“ fuhr Rika ihn an. „Ich hab gerade… ach vergiss es.“

Sie startete den Motor und raste mit quietschenden Reifen vom Parkplatz.

„Hä?“ ratlos blieb Patrick zurück.
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