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Carry Me

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Travis Marks Wesley "Wes" Mitchell
07.01.2013
03.02.2013
5
5.658
1
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Dieses Kapitel
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07.01.2013 950
 
3. Auf den Schultern

„Alles klar, warum bin ich hier?“

Wes sah gerade hoch zum Dach von Alex Veranda, als Travis angeschlendert kam. „Hast du sie mitgebracht?“, fragte er abwesend, und runzelte beim Betrachten der Decke die Stirn.

„Was mitgebracht?“

Wes warf Travis einen genervten Blick zu. „Die Stehleiter, Travis. Hast du die Stehleiter mitgebracht? Die, um die ich dich gebeten hatte.“ Beim Anblick von Travis verständnislosen Blick, seufzte Wes und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Hörst du mir eigentlich auch mal zu, wenn ich dir am Telefon was sage?“

„Nicht, wenn es nicht um die Arbeit geht.“, antwortete Travis halbwegs ernsthaft, betrat die Veranda und sah zu der Stelle hoch, die Wes zuvor betrachtet hatte. „Wofür brauchst du eine Stehleiter?“

Auch Wes sah wieder hoch zur Decke. „Alex Lampe ist erneut durchgebrannt. Ich habe ihr angeboten es zu reparieren, aber ihre Stehleiter ist kaputt. Darum habe ich auch dich gefragt, ob du deine vorbeibringen könntest.“

„Du machst ja wirklich Fortschritte mit dem Loslassen, Kumpel. Es macht mich stolz zu sehen, wie weit du es schon geschafft hast. Das ist überhaupt nicht beunruhigend.“

Wes nahm einen ordentlichen Atemzug. „Ich tue etwas für das Haus und erspare ihr damit Zeit und Geld. Besser, als wenn sie von einem Schwindler übers Ohr gehauen wird. Da ist nichts Beunruhigendes dran.“

„Hast du dir mal überlegt, dass das Verandalicht vielleicht nicht so oft kaputt gehen würde, wenn du endlich mal einen Elektriker das machen lassen würdest? Ich habe einen Pflegebruder, der Elektriker ist, der würde das bestimmt günstiger anbieten, wenn ich fragen würde.“

„Natürlich hast du auch einen Pflegebruder, der Elektriker ist.“ Wes seufzte kopfschüttelnd. „Nein, Travis, ich komme klar. Ich muss nur eine Stehleiter besorgen gehen.“ Er fing an sein Werkzeug zusammen zupacken.

„Was? Ist das echt dein Ernst? Du gehst jetzt los und holst eine brandneue Stehleiter? Du hast doch alles hier, um den Job zu erledigen.“

Wes warf Travis einen Bist du wirklich so blöd? Blick zu. „Ich komme da nicht ran, Travis. Nicht ohne eine Stehleiter, welche du ja scheinbar vergessen hast.“

Travis sah zum Licht hoch. Dann sah er Wes an und schließlich wieder das Licht. Noch während er anfing zu sprechen, fragte er sich, warum er das folgende überhaupt anbot: „Wenn du dich auf meine Schultern setzt, kommst du ran, denke ich.“

Wes erstarrte beim Einpacken. „Was?“

„Naja, ich denke die Höhe haut hin. Wenn du auf meiner Schulter sitzt, kannst du die Lampe erreichen und auswechseln ohne eine brandneue Leiter zu kaufen. Das wird, warte, eine halbe Stunde einsparen? Oder doch eher 45 Minuten?“

Sein Partner betrachtete ihn aus argwöhnischen Augen. „Warum solltest du mir das anbieten?“

Travis rollte mit den Augen. „Weil ich ein guter Partner bin und du nicht unbeaufsichtigt um das Haus deiner Exfrau herumschleichen solltest.“ Er hockte sich nieder und machte eine Na komm schon Bewegung mit seinen Händen. „Okay, na los.“

„Travis, ich werde nicht auf deine Schultern klettern. Du wirst mich fallen lassen.“

„Wes!“ Travis war gekränkt. „Warum sollte ich dich fallen lassen?“ Wes sagte nichts. Travis verdrehte wegen der Sturheit, die sein Partner an den Tag legte, die Augen. „Wes, vertraust du mir?“

„Du weißt, dass ich das tue.“ Wes sagte das, als ob es das natürlichste der Welt wäre (was etwas schmeichelhaft war, denn manchmal kam es Travis nicht so vor).

„Warum denkst du dann, dass ich dich fallen lassen würde?“, fragte Travis sichtlich gespannt.

Wes zögerte nicht mit seiner Antwort. „Weil du es lustig finden und darüber lachen würdest.“

Travis überlegte. „Ich… kann verstehen warum du das denkst.“, gab er zu, weil okay, ja, Wes hatte damit nicht ganz Unrecht. „Aber ich werde dich nicht fallen lassen. Das werde ich nicht tun. Versprochen.“

Wes schwieg einen Moment und Travis dachte schon, dass er gleich seine Sachen zusammenpacken und verschwinden würde. Dann seufzte Wes und löste die Verschränkung seiner Arme auf. Travis verbarg sein Grinsen, denn das war das Zeichen, das Wes aufgegeben hatte.

„Das ist lächerlich.“, sagte Wes, was in Wes-Sprache so viel bedeutete wie Ich denke, dass du bescheuert bist und ich das nicht machen will, aber noch weniger will ich jetzt in einen Baumarkt fahren, also mach ich bei dem Mist mit, aber nur unter Protest. Als Beweis, dass er mitspielte, legte er das Werkzeug wieder auf dem Geländer bereit.

Es entstand ein kurzes Durcheinander, als sie versuchten alles richtig hinzubekommen. Aber dann stand Travis und Wes saß auf seiner Schulter und Travis wünschte sich, dass jemand ein Foto davon schießen würde, weil das mit Sicherheit absolut merkwürdig aussehen musste.

„Wenn du mich fallen lässt, dann werde ich dich umbringen und deine Leiche als Dünger benutzen.“, sagte Wes. Seine ruhige Stimme täuschte nicht über seine verkrampften Hände hinweg. Travis sagte klugerweise nichts darüber.

„Wes, ich sagte doch, dass ich dich nicht fallen lassen werde. Hab ein bisschen Vertrauen. Also, was brauchst du jetzt?“

Er reichte ihm den Schraubenzieher und die Glühbirne und platzierte sich vorsichtig so, dass sich Wes direkt unter der Lampe  befand. Wes steckte sich die Glühbirne in seine Tasche, stemmte seine freie Hand gegen das Dach und fing an, die Abdeckung abzuschrauben.  

Er war gerade mit der zweiten von vier Schrauben fertig, als ein Auto in die Auffahrt einbog. Wes erstarrte, spannte seine Oberschenkel um Travis Ohren, was für diesen ein wirklich erotisches Erlebnis gewesen wäre, wenn es sich nicht um Wes Oberschenkel gehandelt hätte, die sich an ihn pressten. Travis drehte seinen Kopf und setzte ein Das ist nicht, wonach es aussieht Grinsen auf.

„Hi, Alex.“

Alex stand im Garten, den Mund weit geöffnet und ließ ihre Einkäufe schlaff herunterhängen.

„Oh. Mein. Gott.“

Und für die nächsten 20 Minuten konnte sie nicht aufhören zu lachen.
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