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Carry Me

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Travis Marks Wesley "Wes" Mitchell
07.01.2013
03.02.2013
5
5.658
1
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Dieses Kapitel
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07.01.2013 1.055
 
2. Huckepack

Die Wirkung der Drogen ließ bei Travis schneller nach als bei Wes. Er hätte es vorgezogen, dass sie von irgendetwas einfach ausgeknockt worden wären. Aber nein, so viel Glück hatte Travis ja nie. Stattdessen war es ein paralytisches Medikament gewesen. Aber jetzt war er endlich wach und erkundete dieses leerstehende Büro in diesem verlassenen Lagerhaus, wo sie zurückgelassen worden waren, während Wes aufgrund der verdammten Droge nörgelnd dasaß und nichts Hilfreiches beizusteuern hatte.

Travis hasste schlaue Verbrecher. Schlaue Verbrecher, die es besser wussten und zwei Cops lieber unter Drogen setzten, anstatt sie zu töten. So hatten sie sie nur in ein verlassenes Haus bringen müssen und ungehindert fliehen können. Wahrscheinlich waren sie längst in einem anderen Staat. Verdammt.

Er ignorierte Wes Murren und drückte gegen die Tür. Bei der Berührung schwang diese sofort auf. Vielleicht waren die Verbrecher ja doch nicht so schlau gewesen. Oder vielleicht hatten sie gewusst, dass sie ohnehin genug Zeit hätten, nachdem sie Wes und Travis unter Drogen gesetzt und abgeladen hatten. Es hatte  für sie keinen Grund gegeben, die Tür zu verschließen.

Wie auch immer, die Hauptsache war, dass sie hier raus konnten.

„Hey, Wes, kannst du dich bewegen?“

Es entstand eine kurze Pause vom Nörgeln, dann seufzte Wes und sagte: „Ich kann sozusagen meine Hände bewegen.“ Travis drehte sich um, um zu sehen, wie Wes seine Hände anhob. Sie zitterten wie Schmetterlinge im Sturm.

„Toll, das ist nicht sonderlich hilfreich.“, sagte Travis, da sein Mund immer unpassende, demotivierende Dinge zu genau der falschen Zeit aussprach.

Wes warf ihm einen Du weißt gar nicht wie sehr ich dich in diesem Moment hasse Blick zu. „Danke, Travis, ich versuche mein Bestes zu geben, um so nutzlos wie möglich zu sein. Dein Verständnis ist wirklich super.“

Travis verdrehte die Augen und ging vor seinem Partner in die Hocke. „Ich hab das nicht so gemeint und du weißt auch, dass ich das nicht so gemeint habe. Hör bloß auf so stur zu sein.“ Sich noch immer in der Hocke befindend, drehte er sich um. „Steig auf.“

Es entstand eine lange Pause. Travis musste sich nicht umdrehen, um sich den Ausdruck auf Wes Gesicht vorzustellen.

„Nein, zur Hölle. Ich werde dir in die Niere schlagen.“

„Du kannst mir zurzeit nirgends hinschlagen.“

„Ich werde dich schlagen, sobald ich mich wieder bewegen kann.“

„Komm schon, Wes.“ Travis sah seinen Partner an und redete ihm gut zu. „Ich werde dich nicht in diesem Drecksloch zurücklassen. Was ist, wenn die zurückkommen? Ganz offensichtlich bist du noch nicht in der Verfassung hier alleine rauszuspazieren.“

„Ich werde hier nicht huckepack rausgetragen, Travis. Geh, hol Hilfe. Ich warte hier.“

Manchmal wollte Travis Wes einfach nur mit seinen Händen den Kopf abreißen. „Verdammt, Wes, hast du den Teil verpasst, wo ich sagte, dass sie zurückkommen könnten? Ich lasse dich hier nicht zurück. Also komm. Mir reicht’s langsam.“ Er machte eine Bewegung mit seinen Händen.

Wieder entstand ein langer Moment der Stille. Dann seufzte Wes. „Wenn du irgendjemandem davon erzählst, werde ich dich erschießen und deine Leiche in eine Schlucht werfen.“

„Verstanden.“ Travis starrte geradeaus und gab sein Bestes, um nicht zu grinsen, als Wes plump gegen seinen Rücken fiel und seine Arme um Travis Hals schlang. Travis schwankte, als er durch das Gewicht leicht nach hinten gezogen wurde. Er platzierte seine Arme unter Wes Beinen und verlagerte das meiste von Wes Gewicht auf seinem eigenen Rücken. „Fertig?“

Wes Hände, die nicht aufhörten zu zittern, umklammerten Travis Hals und aus den Augenwinkel konnte Travis erkennen, wie Wes Kopf sich auf seine Schulter lehnte. „Nein. Nicht im Geringsten. Tu es einfach.“

Das Grinsen wurde beim Klang von Wes geschlagenem Tonfall breiter. Travis konnte den niederträchtigen Blick fühlen, den sein Partner ihm zuwarf. „Okay dann los. Eins…zwei…hopp.“ Beim letzten Ausruf stand er.

Es war nicht ganz so, wie es gewesen war, als er seine Pflegegeschwister oder Freundinnen huckepack getragen hatte. Wes war schwerer als jeder einzelne von ihnen. Außerdem machte sich Wes nicht gerade leicht, den Drogen sei Dank, und Travis war bereit zuzugeben (sich selbst, niemals laut), dass seine Knie beim Stehen etwas wacklig waren. Vielleicht waren die Drogen noch nicht ganz aus seinem Kreislauf gewichen.

Aber er hatte versprochen Wes hier rauszubringen und nicht alleine zu gehen. Er würde Wes nicht zurücklassen.

Langsam und ruhig, sagte er sich innerlich. Sie erreichten die Halle.Wenn du langsam und ruhig bleibst, dann wird alles gut gehen.

Das Büro, in dem sie gefangen waren, befand sich im zweiten Stock dieses verfluchten Lagerhauses. Travis hatte die Hälfte geschafft, als Wes ein leises „Travis?“ auf seinen Hals hauchte.

Travis, und das musste man ihm hoch anrechnen, sprang nicht auf und warf seinen unter Drogen stehenden Partner die Treppe runter. Darauf war er sehr stolz. „Ja, Wes?“

„Ich denke es ist das Fett in deiner Ernährung.“

Von allen Dingen, die Wes hätte sagen können, war das nicht was Travis erwartet hatte.

„Ähh… was?“

„Das Fett. In deiner Ernährung. Es hat die Droge aufgesaugt, bevor sie in deine Blutlaufbahn gelangen konnte. Ich denke, dass du darum schon wieder auf den Beinen bist und ich nicht.“

Travis hätte Wes einen ungläubigen Blick zugeworfen, wenn Wes nicht wie ein Klammeraffe an seinem Rücken gehangen hätte und er nicht noch so viele Stufen vor sich gehabt hätte. „Du denkst dir den Schwachsinn aus, oder?“

„Tu ich nicht.“

Travis lachte verärgert auf und setzte den Weg nach unten fort. Am Fuß der Treppe, stoppte er, um Luft zu holen- weil Wes schwer und keine große Hilfe beim sich leichter machen und ja, Travis vermutlich nicht ganz auf der Höhe war.

„Travis…“, wollte Wes anfangen und Travis wusste, was er sagen wollte, aber da er  seinen Partner nicht zurücklassen würde, also unterbrach er ihn mit den Worten: „Meine Ernährung ist es, die uns rettet, stimmt’s?“

Das ließ Wes straucheln. „Das habe ich so nicht gemeint.“

„Ich denke schon.“ Travis grinste. „Du hast gesagt es ist das Fett in meiner Ernährung. Wenn ich also, so wie du, nichts als Grünzeug essen würde, dann wäre ich genauso schwach und nutzlos. Darum bin ich im Grunde genommen der Held und wir müssen dich künftig eindeutig mit mehr Fast Food vollstopfen.“

„Ernsthaft. Ich schlag dir in die Kehle. Halt einfach die Klappe.“

Travis war erfreut über den genervten Ton in Wes Stimme und verließ das marode Haus in Richtung Sonnenschein.
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