Dark City- Das Dämonen Tor

GeschichteKrimi, Fantasy / P18 Slash
Vampire Werwölfe
07.01.2013
27.05.2016
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Ich lenkte mein Suzuki auf den Parkplatz des Lokales der Kleinstadt, in die es mich verschlagen hatte. Hawkville, hatte ich auf dem Schild am Eingang gelesen.  
Ich nahm den Helm ab, meine langen, leicht verschwitzten, schwarzen Haare ausschüttelnd und stieg erst danach ab, etwas von dem Staub abklopfend, der sich auf meine Lederjacke und meine Lederhose gelegt hatte. Als ich mich jetzt umschaute, fiel mir auf, dass die Leute mich anstarrten.
Als ob die noch nie eine Frau mit Motorrad gesehen hätten. Naja, vielleicht lag es ja auch an meinem Katana, welches ich auf dem Rücken trug.
Oder der Pistole, die ich in einem Halfter an meiner Hüfte und mit Silberpatronen geladen hatte.
Oder eher an meiner leicht blassen Haut, die mich als Vampir auszeichnete. Ja, ich bin ein Vampir - allerdings ein lebender. Zu einem untoten würde ich erst werden wenn ich - nunja - tot wäre und wiederauferstehen würde.
Ehrlich gesagt war ich dieses Anstarren nicht gewohnt, immerhin kam ich aus Dark City, der ersten Stadt, in der Menschen und übernatürliche Wesen wie Vampire, Werwölfe, Hexen, Orks, Goblins, Trolle, Oger und viele andere friedlich zusammenlebten. Da war die Begegnung mit meinesgleichen praktisch alltäglich.
Ich legte meine Handschuhe in das Innere des Helms, schob meine Sonnenbrille ins Haar und ging los.

Nachdem ich mir von einer älteren Frau, die mich genauso verdutzt anschaute, wie alle andern in der Stadt, den Weg zum Büro des Sheriffs zeigen ließ, betrat ich den Dienstraum und gesellte mich an den Tresen, um mich dem Ziel meines beruflichen Aufenthaltes hier zu widmen. Meine Arbeit hatte viele Namen: Kopfgeldjägerin, Söldnerin, Privatdetektivin, und manchmal auch Bodyguard.
Was mich betraf, zog ich Problemlöserin von Übernatürlichem vor. Wann immer es Probleme mit Übernatürlichem gab und die Behörden nicht eingreifen konnten oder wollten, wurden ich und meinesgleichen gerufen, um diese Probleme zu lösen. Egal, ob es nun plündernde Banden von Orks, Vampir-Serienkiller oder Werwölfe, die junge Frauen belästigten, waren.
Da war es immer gut, sich mit den Gesetzeshütern abzusprechen.
Es war eine schmutzige, oft sehr blutige Arbeit und man wurde schlecht bezahlt.
Aber es reichte aus, damit ich mir ein schwarzes Suzuki GSX-R600 leisten und meine Miete bezahlen konnte.            

Ein junger, dunkelhaariger Hilfssheriff entdeckte mich und kam auf mich zu: „Kann ich was für sie tun?“, fragte er freundlich. Seinem Aussehen nach war er noch nicht lange in diesem Job.
„Hi, mein Name ist Kate Raider. Ich wurde vom Stadtrat von Dark City wegen einem Ork-Problem, dass sie hier haben, geschickt."
„Ähm, Orks?“, hakte der Hilfssheriff verwirrt nach.
„Ja, Orks. Groß, hässlich, gelbe Augen, Fangzähne, haben große Schwerter, stinken furchtbar." Ich weiß, ich habe ein loses Mundwerk und besonders mit Autorität komme ich nur schwer zurecht.
In diesen Moment erschien ein etwas älterer Mann neben seinem Untergebenen. Zweifellos der Sheriff. Er war vom Körper her etwas kräftiger gebaut, seine Haare waren angegraut, und man merkte deutlich, dass Erfarung hatte - zumindest was normale Verbrechen betraff.  
„Ist schon gut Terry, ich übernehme ab hier.“, meine er in freundlichem, aber keinen Widerspruch duldenden Tonfall und musterte mich misstraurich. „Nun ähm...Miss Raider…es gibt hier keine Orks.“
„Ach ja? Da habe aber etwas anderes gehört.“, warf ich schnippisch zurück.
„Dann haben sie etwas Falsches gehört. Sie haben den weiten Weg hierher wohl umsonst gemacht.“
Ärgerlich kniff ich die Augen zusammen. Irgendetwas stimmte nicht.
Leicht die Luft einziehend, damit es keiner merkte, prüfte ich den Geruch der Umgebung. Das ganze Büro roch nach Angst. Soso.
„Nun, Sheriff…“, meinte ich gespielt freundlich.
„Metzger.“
„Ja…Haben sie etwas dagegen, wenn ich noch etwas in der Stadt bleibe?“
„So lange Sie keinen Ärger machen.“
„Oh, keine Sorge so etwas mache ich nie.“, flötete ich unschuldig und konnte mir ein Grinsen nur knapp verkneifen.
Denn meistens war es so, dass der Ärger mich fand.


Ich ging wieder zurück zu dem Lokal, an dem ich geparkt hatte.
Hineinschlendernd und mich auf einen Hocker setzend, musste ich nicht lange warten, um schon bald eine junge Kellnerin mit blonden Haaren in einer hellblauen Uniform vor mir stehen zu sehen.  „Oh, sagen sie bloß, sie sind die Besucherin aus Dark City? So etwas spricht sich bei uns schnell herum.“
„Ja, das merke ich." Nachdenklich ließ ich meinen Blick durch die schäbige Kneipe wandern, bevor ich meine Aufmerksamkeit wieder der Kellnerin widmete und tonlos seuftzte. "Sie haben nicht zufällig Blut da, oder?"
„Nein, tut mir leid. Wir rechnen normalerweise nicht mit...Vampiren." Die Frau schien plötzlich nicht mehr zu wissen, womit sie ihre Hände beschäftigen sollte und fummelte mit ihnen nervös am Saum ihrer Schürze herum. "Verzeihen Sie, ich möchte nicht unhöflich erscheinen."
Ich schüttelte als Antwort bloß amüsiert den Kopf und warf ihr ein kurzes Lächeln und die Bestellung „Na gut, dann nähme ich einen Orangensaft.“ zu, bevor ich mich abwandte. Nicht, dass sie mir vor Nervosität noch umfiel.    

Ein paar Minuten später stand tatsächlich ein Glas mit der gelben Flüssigkeit
zusammen mit einer sichtlich ruhigeren Kellnerin vor mir. Na, wer sagts denn.
„Gibt es hier ein Hotel, in dem ich schlafen kann?“, fragte ich beiläufig, bevor ich an dem Fruchtsaft nippte und ihn als akzeptabel befand.
„Haben Vampire denn nicht Särge, oder so?“ Die Kleine schien die Frage wirklich aufrichtig zu meinen.
„Den habe ich zu Hause gelassen.“, erwiderte ich todernst. Natürlich schliefen Vampire nicht in Särgen, das war ein Mythos. Vampire schliefen in ganz normalen Betten.  
Ein Moment verging, in dem die Kellnerin verwirrt die Stirn runzelte, bevor sich Erleuchtung auf ihre Züge stahl. Sie grinste, ich grinste zurück und präsentierte ihr dabei meine etwas verlängerten Fangzähne.
Augenblicklich versteifte sich ihr Körper und ihre Mundwinkel bekam erhebliche Schwierigkeiten in ihrer Position zu bleiben. Ups.
„Es gibt ein Hotel mit Frühstück am anderen Ende der Stadt.“ Es plötzlich sehr eilig habend, fing sie an, mir hastig den Weg zum erwähnten Gebäude zu beschreiben.

In diesem Moment nahm aus dem Augenwinkel heraus einen Bewegung wahr. Ein junger Kerl, der bisher die ganze Zeit friedlich an einem Tisch gesessen hatte, war aufgestanden und stampfte auf uns zu.
Seine Körpersprache verriet, dass er sich mit uns nicht gerade über das heutige Wetter unterhalten wollte. Vampire besitzen von Natur aus die Fähigkeit, die Körpersprache anderer Lebewesen zu lesen - ein Vorteil, wenn man an ihr Blut kommen will.
In diesem Fall allerdings ziemlich sinnlos. Selbst ein Blinder hätte erkannt, was er wollte: Ärger.
Der Blonde war kräftig und sportlich gebaut und nach meiner scharfsinnigen Einschätzung nach - die bestimmt nicht mit seiner Footballjacke der hiesigen Mannschaft zusammenhing - ein Footballspieler.

„Belästigt sie dich, Lana?“
Mir einen herausfordernden Blick zuwerfend, kam er einen weiteren Schritt auf uns zu. Oho.
„Lass sie in Ruhe, Whitney, wir unterhalten uns nur.“ Meine Gesprächspartnerin verschränkte die Arme und machte keinen Hehl daraus, wie wenig sie davon hielt, als Eigentum, das man beschützen musste, angesehen zu werden.                                                                              
„Haben wir ein Problem miteinander?“ Vorsichtshalber stieg ich vom Hocker und stellte mich lässig vor ihn, mein Gewicht auf ein Bein verlagernd
„Du bist das Problem. Schwing dich auf deine Bike und verschwinde.“
Ich musste lächeln. Der Kerl war eindeutig eifersüchtig. War wohl der Freund der Kleinen.  
„Etwa eifersüchtig? Angst, das ich dir deine Freundin ausspanne?“
Zuviel des Guten. Man nehme einen Muskelberg, der sein Revier beschützt, eine Prise Provokation, eine Vampirin und, voila:
Schon flog seine Faust auf mich zu, der ich, ohne zu überlegen, dank meiner höheren Geschwindigkeit mühelos auswich.
Manchmal ist es schon cool, ein Vampir zu sein.
Hinzu kam der kleine, aber feine Fakt, dass ich als Kopfgeldjägerin ausgeprägte Kampfinstinkte besaß -  wenn ich angegriffen wurde, reagierte ich dementsprechend.  

Aber selbst, wenn ich nicht zu Schaden kam - irgendwann riss selbst meiner Wenigkeit der Geduldsfaden.

„Das war ein Fehler.“, brachte ich wütend hervor. Meine braunen Augen begannen augenblicklich, sich schwarz zu verfärben, was ein sicheres Anzeichen dafür war, dass ich wütend wurde. Als der Kerl ein weiteres Mal zuschlagen wollte, fing ich die auf mich zusausende Hand mit meiner Linken schon in der Luft ab und drehte sie mit einer schnellen Bewegung nach außen, was den Kerl zum Aufschreien brachte. Dann packte ich ihn mit meiner Rechten an der Kehle, hob ihn mühelos an und legte ihn mit dem ganzen Oberkörper hart auf die Theke, dabei sein Gesicht so drehend, dass ich seine Halsschlagader sehen konnte.
Ich konnte sehen, dass er Angst hatte und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, zeigte ich ihm - mehr oder weniger subtil drohend - meine Zähne. Angst macht uns Vampire noch schärfer auf Blut, genauso wie Sex.
Zum Glück für ihn hatte ich keinen Durst und konnte mit Stolz behaupten, eine ausreichend hohe Selbstkontrolle zu haben.
Der Mann unter meiner Hand zitterte am ganzen Körper und eine feuchte Stelle bildete sich zwischen seinen Beinen.
Ich denke, vorerst hatte ich genug gespielt.
Mich zu ihm herunter beugend, ließ ich meine Lippen knapp neben seinem Ohr schweben und flüsterte ihm mit einem Unterton, als ob ich ihn fragen würde, wie sein Lieblinsbuch heißen würde - nicht dass ich dachte, dass so ein Kerl in seinem Leben bisher überhaupt ein Buch, außer seinen Pornoromanen gelesen hatte - „Wenn du dich noch einmal mit mir anlegst, wirst du mein nächster Drink, klar?“      

Mit einem sanften Schubser schleuderte ich ihn über die Theke und sah zu, wie er krachend und zitternd inmitten von ein paar Stühlen und Tischen landete, zehn  Gläser ins endgültige Verderben zerschlagend und sich stöhend seinen ausgerenkten Arm haltend.
Strike.

Er hatte Glück, das ich kein Untoter gewesen war.  Nicht nur, dass sie stärker und kräftiger waren - diese hätten keinen Skrupel gehabt, sein Blut zu nehmen und ihn zu töten, um danach, statt mit seinem halbwegs unversehrten Körper, mit seinem Kopf Bowling zu spielen.

Ich sah, wie die Kellnerin und zu ihrem Freund eilte, um ihm aufzuhelfen. Sie blickte mich mit einer Mischung aus Angst und morbider Faszination an - etwa so einen Gesichtsausdruck hatte ein Kaninchen, wenn es mitten in die Scheinwerfer des auf ihn zu brausenden Autos starrte.

Schulterzuckend bedachte ich das Pärchen noch eines letzten Blickes, bevor ich ein paar Geldscheine hervorzog und auf den Thresen legte. „Für den Saft und die zerbrochenen Gläser. Tut mir leid.“
Mit unbekümmerter Mine setzte ich meine Sonnenbrille auf und schritt aus der Kneipe, bevor ich mich auf mein Bike schwang, mir die Handschuhe anziehend und den Helm aufsetzend, um meine Maschine zu starten und in Richtung des Hotels zu fahren.
Tja. So etwas nannte man einen coolen Abgang.

http://www.suzuki.is/2005/images/GSXR1000K5_BLK2.jpg
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