Mondschein

GeschichteHorror, Tragödie / P12 Slash
06.01.2013
06.01.2013
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MONDSCHEIN

Ein Mädchen. Etwa kurz nach ihrem 18. Geburtstag. Irrend durch die Gassen laufend. Ihr Haar, schwarz, mit einem Rotstich, wehte im Wind. Der Mond schien auf sie hinab. Sie warnen wollend. Das Mädchen aber wusste selbst nicht, warum sie weglief. Warum sie hier war. Als wären die letzten Minuten aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Wie durch Geisteshand.
Irgendwas packte sie an ihrem Fuß. Sie stolperte. Wollte schreien. Doch aus ihrem Rachen entkam kein Ton.
Was passierte hier?, konnte sie sich nur denken. Ihr Kopf schmerzte. Ebenso ihre Knie. Das Mädchen versuchte wieder aufzustehen, doch es gelang ihr nicht. Alles fing an sich zu drehen. Ihr wurde schwarz vor Augen. Bis sie dann zusammen brach. Vor Angst? Vor Erschöpfung? Man wusste es nicht. Ob man es wohl auch je erfahren wird?

Ein anderes Mädchen wachte schreiend auf. 15 Jahre, kurze, braune Haare. Sie schrie weiterhin, bis ihr Vater ins Zimmer kam. Er sah ein leichenblasses Mädchen.
„Mensch, Ramona. Du weckst noch die ganze Nachbarschaft auf! Was ist denn los? Hast 'nen Geist gesehen?“ Der Erwachsene sah sie fragend an. Ihm gefiel es gar nicht, wie blass Ramona gerade war. Diese konnte nur den Kopf schütteln. Und zittern. Sie hatte Angst. Höllische Angst.
Es dauerte ein paar Minuten, bis sie einen klaren Kopf bekam. Nun gut, klar war wohl nicht die beste Beschreibung für ihren Zustand, doch war sie wieder bei Sinnen um reden zu können.
„Ich.. ich muss... gehen...“, murmelte sie, eher zu sich selbst, als zu ihrem Vater, schnappte sich ihr Handy und stürmte aus ihrem Zimmer, Richtung Bad.
Während sie sich anzog tippte sie auf ihrem Handy. Verschrieb sich ein paar Mal, was sie aber nicht weiterhin störte. Ramona wollte nur, dass ihre beste Freundin in Ordnung war. Da musste man auch ab und zu härtere Methoden benutzen. Dies wäre in ihrem Fall die 'Jede-5-Sekunden-eine-SMS-schreiben-bis-sie-endlich-antwortet - Methode'.
Warum sie gerade nach so einem Alptraum den Drang hatte, sie zu sehen... Dass wusste Ramona nicht, sie wollte es einfach nur. Da das Mädchen auch einen extremen Dickkopf hatte, war es ihr ziemlich egal, ob sie nun um 1 Uhr morgens vor der Haustüre ihrer Freundin stand.


Es verging eine Weile, bis sie doch endlich vor ihrem Haus stand. Sie wusste, dass nicht abgesperrt war. Ihre Eltern sperrten nie ab, warum auch immer. Schnell hastete Ramona nach oben, zu dem Zimmer ihrer Freundin, öffnete die Tür und sah das Mädchen schlafend da liegen. Trotzdem... irgendetwas stimmte nicht. Sie sah... ganz und gar nicht friedlich dabei aus.
„Sabrina!! Sabrina! Wach auf!!“, brüllte Ramona schon das gefühlte zehnte Mal in ihr Ohr, doch sie machte nicht den Anschein aufzuwachen. Nein, ganz im Gegenteil, ihr Gesicht verzog sich schmerzend immer mehr. Was sollte sie tun? Was konnte sie tun? Sie hatte Angst... Angst, sie für immer zu verlieren.
Ihr Blick wanderte zum Fenster. Der Mond schien hell. War heute Vollmond?
BAAM!
Sie verspürte Schmerz. Starken Schmerz auf ihren Hinterkopf. Nicht einmal umdrehen konnte sie sich. Schon war Ramona ohnmächtig geworden.
Etwas rüttelte an ihr. Ihr Kopf brummte. Ihre Lider waren so schwer. Es brauchte eine Weile, bis sie diese öffnen konnte. Benommen sah sie sich um. Sie war mitten auf einer Straße. Die Autos sahen verlassen und alt aus. Wie die Gebäude. Alles sah verdorben aus. Der Anblick machte sie traurig. Warum auch immer. Aber… wer hatte an ihr gerüttelt? Schnell schallte ihr Kopf hoch und sah ihr Gesicht. Ihr Lächeln. Wie wunderschön es doch war. Hinter ihr der volle Mond.
„Sabrina!“ Ramona lachte vor Freude. Es war sie. Sie war munter und gesund!
„Shh… Nicht so laut! Wir werden verfolgt…“, ihre Stimme klang ernst und traurig. Dies gefiel dem anderen Mädchen ganz und gar nicht. Nicht wirklich wissend was sie sagen sollte, sah Ramona Sabrina an. Diese seufzte kurz, bevor sie anfing die Situation zu erklären.
„Ich weiß zwar nicht, was genau hier vorgeht, aber da ist ein Monster hinter uns her. Eine Stahlpyramide als Kopf und ein Stahlding in seiner Hand. Das könnte uns locker mit einem Schlag umbringen.“ In ihrer Stimme konnte man die Angst deutlich hören. Ramona zog eine Augenbraue hoch. Was sprach sie da wieder für einen Unsinn? Ein Monster? Monster gab es nicht! Das war alles doch nur ein Traum…
„Ich weiß, dass du mir nicht glaubst, aber steh auf…“, hauchte Sabrina ihr zu, worauf ihre Freundin nickte und dies auch gleich tat. Außerdem konnte Ramona nicht anders und umarmte Sabrina sogleich. Es tat so gut, sie wieder in den Arm nehmen zu können, obwohl dies nur ein Traum war. Oder war es doch keiner?
Plötzlich hörte man etwas Schrilles. Ein eigenartiges Geräusch, welches immer näher kam. Sabrina zuckte zusammen. Anscheinend hatte sie keine guten Erfahrungen damit gemacht. Ramona nahm ihre Hand. Drückte diese sanft, um ihr zu zeigen, dass sie für die Ältere da war. Dann konnte man ihn sehen.
Das Monster mit dem Pyramidenschädel… Und Ramona fing an zu rennen. So schnell sie konnte. Ramona lief und schrie zugleich. Was war das für ein verdammter Alptraum?
"Ist es zuspät...?", fragte sie leise die Andere, als sie in eine Sackgasse liefen. Noch immer gefolgt von der Kreatur. Der Pyramidenkopf tauchte langsam im Schatten auf. Beide zuckten zusammen. Klammerten sich an die jeweils andere.
"Es ist nie zu spät...", hauchte Ramona leise in ihr Ohr. Hoffte, dass sie sich beruhigen konnte. Der Mondschein fiel auf die Beiden hinunter. Zeichnete zitternde Schatten auf den Boden. Soll dies wirklich schon das Ende sein? Sie hatte ihr noch nicht einmal gesagt, was ihr seit Monaten durch den Kopf ging. Auch wenn Ramona wusste, dass dies so extrem falsch war... Was hatten sie noch zu verlieren in diesem Traum...?
"Hör' auf zu zittern, verdammt nochmal...", murmelte die Jüngere leise. Auch wenn sie wohl mehr zitterte, als ihr Gegenüber, hatte sie doch den Drang sie zu beruhigen. Ramona nahm kurzerhand ihr Gesicht in die Hand, sah ihr tief in die Augen.
"Du zitterst doch am Meisten...", flüsterte Sabrina leise. Ihr liefen Tränen über die Wangen. Es tat ihr so weh, sie weinend zu sehen. Ramona hasste diesen Anblick so sehr.
"Es tut mir Leid... Verdammt nochmal! Was soll der ganze Dreck hier eigentlich? Ist das nicht ein Traum!? Kann man in Träumen nicht alles tun, was man will?" Ramona schrie aufgebracht. Ein kurzes Lächeln zeigte sich an Sabrinas Lippen. Diese Sturheit.. Das war und blieb das Mädchen, welches sie doch so gern hatte..
"Du bist eine verdammte Idiotin...", hauchte die Ältere ihr zu. Noch immer lächelnd. Aber auch noch die Angst in ihren Augen. Ist bald wirklich alles zu Ende?
"Du auch.. Und.. es tut mir Leid..." Ramona schmunzelte leicht. Dann presste das Mädchen ihre Lippen auf Sabrina ihre. Diese war einen Moment überrascht, doch erwiderte den Kuss sanft. Es fühlte sich falsch an, aber auch so unglaublich richtig. In Sabrinas Kopf drehte sich alles. Warum küsste Ramona sie plötzlich? Warum ausgerechnet hier?
"Der Mondschein... Kein Ende.. Sondern ein Anfa..."
Sabrina spürte einen Schlag. Sah Ramona zu Boden gleiten, bevor ihr das gleiche Schicksal überkam. Noch ein letztes Mal reichten sie sich die Hände. Es gang alles so schnell. Von einem Moment auf den Anderen. Beide sagten noch gleichzeitig die drei Worte, die sie schon immer aussprechen wollten, doch sich nie getraut haben... Dann wurde alles schwarz. Kohlrabenschwarz. Schwarz wie die Nacht... Der Mondschein fiel auf die Beiden weiterhin herunter.


Es war überall in den Nachrichten. Es schien, als würde nur noch von dem Tod der zwei Mädchen berichtet. Im Zimmer gefunden. Der Kopf war eingeschlagen. Ein grauenhafter Anblick. Überall war Blut. Selbst die besten Ermittler hatten keine Beweise gefunden. Absolut nichts… Weder Tatwaffe, noch Fingerabdrücke. Die Ermittler tappten im Dunklen…

Und so sollte dies auch immer bleiben…

Auf der Beerdigung der zwei Mädchen schien wieder der Mond. Ein letztes Mal, bevor sie zu Grabe getragen wurden. Als würde der Mond sich von den Zweien verabschieden wollen…
Kurz nachdem die Gräber zugeschaufelt wurden, verschwand der Mond hinter einer dicken Wolkenschicht und wurde an diesem Abend nicht wieder gesichtet.
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