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Internat? Nur über meine Leiche!

GeschichteHumor, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Russland Ungarn
05.01.2013
07.06.2013
34
49.095
3
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Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
05.01.2013 1.275
 
Hallo du da draußen, am anderen Ende des In...ter...net...s...  ... Äh? >.<'
*räusper* Nun, danke dass du dich hier her verirrt hast und ohne große Reden zu schwingen, fang ich doch gleich an.
Viel Spaß beim Lesen wünsch ich und über ein Review würde ich mich unheimlich freuen :D
*Kekse hinstell*

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Seufzend ließt du deinen Koffer auf den Asphaltboden knallen und starrtest das riesige Gebäude vor dir mit offenem Mund an.
Dein erster Gedanke: Teuer.
Dein zweiter: Ich will wieder nach Hause.
Dein dritter: Was genau mach ich hier nochmal?
Du starrtest auf den Flyer in deiner Hand. Du warst auf jeden Fall richtig, auch wenn das Gebäude etwas anderes aussah, als du es dir vorgestellt hattest. Mitten im nirgendwo. Mit dem Bus hattest du eine halbe Stunde von der Stadt aus gebraucht und du warst nochmal gefühlte zehn Kilometer gelaufen.
Das Gebäude hatte etwa drei Stockwerke, ohne Dachboden, aber der dürfte dich eh nicht interessieren. An den Seiten waren Anbauten, die nur zwei Stockwerke hatten und nach hinten verliefen. Zumindest laut Flyer. Links und rechts des Gebäudes war Wald. Das Feld, durch das du eben gelaufen bist, war hier ein gepflegter Rasen. Definitiv teuer.
Wieso mussten deine Eltern dich ausgerechnet in einen Luxusknast stecken? Klar, es gab schlimmeres, aber bei dem Gedanken die nächsten paar Jahre von Schnöseln und Kindern superreicher Eltern umgeben zu sein, wolltest du nur noch heulen. Und dann auch noch sowas: ‚Internationales Internat‘.
Ja, ein Internat. Deine Eltern hatten dich wirklich in ein Internat gesteckt. Nachdem deine Leistungen in der Schule nach einem Schulwechsel stark abgefallen waren, hatten sie keine andere Lösung mehr gefunden. Plötzlich hattest du das Gefühl, deine Beine würden wegklappen und Tränen benebelten deine Sicht. Ja, du hattest Mist gebaut und du hasstest dich selber dafür. Deine Eltern anscheinend auch. Die waren wahrscheinlich froh, dass du jetzt endlich weg warst. Du balltest deine Hände zu Fäusten. Du würdest ihnen beweisen, dass du dich bessern konntest.
Entschlossen griffst du wieder nach deinem Koffer und gingst auf den Eingang zu, doch mit jedem Schritt verblasste deine Entschlossenheit und Unsicherheit machte sich breit.
Was, wenn die anderen dich nicht mögen würden?
Was, wenn du keine Freunde finden würdest?
Was, wenn du am Ende wieder das Mobbingopfer sein wirst?
Was, wenn du dich wirklich nicht bessern würdest?
Was, wenn die Lehrer dich nicht mögen würden?
Mit Knien, so weich wie Wackelpuddig, betratst du die kleine Treppe. Schwer schluckend schautest du über das Klingelbrett. Mindestens zehn Klingeln waren hier angebracht. Wo solltest du da klingeln?
Du entschiedest dich einfach für ‚Sekretariat‘. Fest drücktest du auf den kleinen, goldenen Knopf und wartest. Keine zwei Sekunden später hörtest du eine Stimme aus dem Sprechgitter: „Ja?“
„Ähm, hallo mein Name ist [Name][Nachname]. Meine Eltern haben mich vor wenigen Wochen hier angemeldet.“
„Einen Moment bitte…“ Du hörtest, wie ein PC benutzt wird. „Ah ja, hier sind Sie ja. [Name][Nachname]. In Ordnung, Frau [Nachname], kommen Sie doch herein.“
Ein Brummen verriet dir, dass die Tür jetzt auf war. Schnell stemmtest du dich gegen sie und mit einem leisen Klicken öffnete sie sich. Du greifst dir deinen Koffer und tratst ein.
Und dir klappte prompt die Kinnlade runter. Die Eingangshalle sah nochmal teurer aus, als das Gebäude von außen. Ein riesiger Kronenleuchter hing von der hohen Decke und verteilte sanftes, goldenes Licht. Links und rechts waren zwei Gänge, wahrscheinlich zu den Anbauten. Zwei Treppen führten auf der anderen Seite des Raums auf eine Anhöhe, wo man mehrere Türen erkennen konnte. Unter der Anhöhe war eine Tür. Alles in allem, könnte das hier die Eingangshalle eines Schlosses sein. Selbst der glänzende Boden mit kunstvollen Mustern. Die zufallende Tür hallte im großen Raum und plötzlich fühltest du dich völlig verloren.
Glücklicherweise öffnete sich keine fünf Minuten später die Tür unter der Anhöhe. Eine Frau mittleren Alters trat heraus. Sie trug einen knielangen, schwarzen Rock und eine einfache weiße Bluse. „Frau [Nachname]?“
„Ja?“ Du gingst schnell zu ihr.
Die Frau lächelte. „Es freut mich Sie kennenzulernen. Mein Name ist Marion, ich bin die Sekretärin hier.“
Höflicherweise gabst du ihr die Hand und lächelst leicht gezwungen. Du fühltest dich gerade einfach verloren und verwirrt. Das ganze würde ganz schlecht enden, das fühltest du.
„Nun, am besten kommen Sie erst mal mit ins Sekretariat, damit wir die ganzen Formulare ausfüllen können.“
Du nickst und folgtest ihr stumm.  

Eine halbe Stunde später war alles ausgefüllt und du wusstest, dass damit dein Schicksal besiegelt war. Du würdest hier elendig verrotten, auf dieser Schnösel Schule.
Mit einem halbwegs ehrlichen lächeln nahmst du deinen Ausweis wieder entgegen und stecktest ihn in dein Portemonnaie zurück.
„Und damit ist das auch abgehackt. Herzlichen Glückwunsch Frau [Nachname] Sie sind jetzt offiziell Mitglied an der Schule. Ich hoffe doch sehr, dass es Ihnen hier gut gefallen wird.“ Die zweite Sekretärin packte deine Unterlagen zusammen und steckte sie in eine Klarsichtfolie.
„Das hoffe ich auch.“
„Heute haben Sie keinen Unterricht, nutzen Sie ihre Freizeit am besten damit, sich mit der Schule und der Umgebung vertraut zu machen.“ Die Sekretärin legte einen ganzen Haufen Blätter auf den Tisch. „Das sind Ihre Stunden- und Raumpläne, die Nachmittagsangebot, alle Lehrer und sonstiges Wissenswertes. Ihre Schuluniform können Sie heute Nachmittag abholen. Brauchen Sie eine Wegbeschreibung zu Ihrem Zimmer oder glauben Sie, dass sie es finden werden?“
„Ich… Eine Wegbeschreibung wäre nett.“ Hoffnungsvoll lächeltest du sie an, während du versuchstest, irgendwie den ganzen Papierkram in einem Arm zu halten.  
„Natürlich. Sie sind im Zimmer…“ Die Frau warf einen Blick auf einen Schlüssel, bevor sie ihn dir gab. „63. Wenn Sie in der Haupthalle sind, gehen Sie einfach nach rechts und folgen dem Gang. Sie müssen in den zweiten Stock.“
Stumm nickend nahmst du den Schlüssel. Das half dir nicht sonderlich, aber es war besser als nichts.
Zurück in der großen Halle folgtest du einfach der Wegbeschreibung und nachdem du irgendwie deinen Koffer die Treppe hochgehievt hattest, standest du in einem langen Flur mit links Türen und rechts Fenstern. Im vorbeigehen sahst du aus den Fenstern. Sah stark nach einem Innenhof aus. Ordentlich geschnittene Hecken, alle möglichen Blumen, Kieswege, selbst ein Brunnen. In einer Ecke konntest du ein paar Personen erkennen, die anscheinend rauchten. Na ja, zumindest waren hier nicht alle Schnösel. Trotzdem verzogst du bei dem Gedanken an Zigarettenrauch das Gesicht.
Schließlich fandest du dein Zimmer, oder eher neues Zuhause. Seufzend lässt du den Koffer fallen und wühlest mit deiner freien Hand in deiner Jackentasche, in der du den Schlüssel reingetan hattest. Du schlosst auf und wurdest erst mal vom Chaos begrüßt. Anscheinend hattest du eine Mitbewohnerin.
Das Zimmer war in zwei komplett gleich eingerichtete Teile aufgeteilt. Jeweils ein Bett, ein großer Schreibtisch, ein Kleiderschrank und ein normaler Schrank. In einer Ecke stand ein kleiner Kühlschrank.
Während die eine Hälfte des Zimmers fast komplett unberührt war, war die andere, an der Fensterseite gelegene, ein heilloses Chaos. Überall flogen Klamotten rum, Teller mit angetrockneten Speiseresten standen auf dem Schreibtisch, Bücher, Comics, Mangas und ähnliches lagen überall rum, ein Laptop und eine Bratpfanne lagen auf dem Bett, welches auch ein Chaos war und mit den leeren Flaschen könnte man ein kleines Vermögen machen, wenn man sie zurückbringen würde. Das Ganze andere Kleinzeugs, das überall verteilt war, nicht zu vergessen.
Seufzend tratst du ein und schlosst die Tür hinter dir. Deine Mitbewohnerin war eine Chaotin. Das hatte dir gerade noch gefehlt. Du legtest die Unterlagen auf den Schreibtisch, stelltest deinen Koffer und Rucksack neben das Bett und liest dich erst mal auf dieses fallen. Du musstest dich jetzt ausruhen, immerhin warst du seit vier Uhr morgens wach. Du schlosst kurz die Augen und ehe du dich versahst warst du eingeschlafen…
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