Once upon a time in France

von anyrei
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
05.01.2013
01.03.2013
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(Anmerkung: Sorry, wegen der Verspätung. Hatte viel um die Ohren, aber jetzt geht es wieder zügig weiter. Vielen lieben Dank für die lieben Reviews!!!! *knuddeleuchalle*)

Kapitel 5: Aufgeschoben

„Der Ku Klux Klan! Das heißt die drei Leute waren Opfer des Ku Klux Klan?“, meinte John verblüfft.

Sherlock nickte und las den Artikel über die rechts-radikale Vereinigung weiter. Schließlich nickte er.

„Hier steht, dass das Markenzeichen des Klans war, als Todesdrohung Melonen oder Orangenkerne zu verschicken. Das passt zu dem was wir gefunden haben. Aber auch wenn wir jetzt wissen, dass die Briefe wahrscheinlich vom Ku Klux Klan stammen, wissen wir immer noch nicht, was dieser Capitän James Calhoun damit zu tun hatte oder die Lone Star.“

John nickte, „Wenn er nicht gerade ein Gründungsmitglied ist, wird es schwer sein, nachzuweisen, dass er damit zu tun hat. Vielleicht ist es auch ganz anders. Vielleicht ist er der Ermittler und mit den Opfern befreundet gewesen. Die Notizen sagen schließlich nicht eindeutig wie er mit den Fällen zusammenhängt.“

Sherlock nickte. „Das einzige was dafür spricht, dass er Captain eines Schiffes war und die Drohbriefe von verschiedenen Seehäfen verschickt worden sind. Aber das ist zu wenig. Wir bekommen nur antworten, wenn wir das Schiff finden.“

Auf einmal schaute John Sherlock erschrocken an. „Wie heißt eigentlich unser Schiff?“

Sherlock grinste: „Netter Gedanke, aber unser Schiff heißt Pluto und nicht Lone Star. In der großen Kiste war auch das Logbuch.“

„Hast du es gelesen?“

Sherlock schüttelte den Kopf. „Ich war zu beschäftigt mit dem anderen Fall. Ich hab nur kurz reingeschaut. Die Pluto war ein Frachtsegler aus Blyth. Der letzte Eintrag war im August 1892.“

„Das sind 7 Jahre nach dem letzten Mordfall. Ich frage mich, was diese Beweise auf diesem Schiff verloren hatten.“ John kratze sich am Kinn und fuhr sich danach durch seine blonden Haare, die nun endgültig kreuz und quer standen. Sherlock konnte den Impuls nicht mehr unterdrücken, griff nach Johns Haaren, um sie alle wieder in eine Richtung auszurichten. John war so überrascht, dass er erstarrte. Sherlock redete einfach weiter, als wäre es das normalste von der Welt über Johns Haare zu streichen.

„Ich nehme an, der damalige Ermittler hatte sie mit und das Schiff ist mit ihm auf tragische Weise gesunken. Vielleicht war es ein Fall, der nie beendet wurde. Vielleicht hat er auch auf dem Schiff nach diesem Captain gejagt. Das Problem ist, dass wir wahrscheinlich keine Chance haben diesem Fall mit unseren Mitteln auf die Spur zu kommen. Außer wir haben vielleicht noch mal zufällig Glück und ich finde die Lone Star in diesem Schiffsbuch, weil sie ein sagenumwobenes Piratenschiff war.“

Sherlock lehnte sich zurück und begutachtete sein Werk mit Johns Haaren. Anscheinend war er mit seiner Tat zufrieden und wand sich nun wieder dem Buch zu. John war immer noch zu verblüfft um etwas zu sagen. Als Sherlock anfing in seinen Haaren herum zu wühlen, war sein Kopf auf einmal wie leergefegt. Auch wenn er den Gedanken nicht wahrhaben wollte, aber die Berührung von Sherlock hatte ihm irgendwie Gefallen, und er fand es ein bisschen Schade, dass er schließlich damit aufgehört hatte. John versuchte sich zusammenzureißen. Sherlock war ein Junge und das ging doch nicht, dass er die Berührung eines Jungen gut fand, oder? John beschloss, dass das niemand wissen musste und versuchte sich darauf zu konzentrieren was Sherlock vor sich hin murmelte.

„Das sieht nicht gut aus. Die Chancen stehen wirklich nicht gut, dass wir das Schiff finden. Schau mal diese Bücher durch.“ Sherlock schob John zwei andere Bücher über Schiffe hin ohne aus seinem aufzublicken.
John nahm sie langsam, während er Sherlock Gedanken verlorenen musterte. Es war seltsam. Er kannte Sherlock erst seit zwei Tagen, aber es kam ihm vor, als würde er ihn schon ewig kennen. Obwohl Sherlock ein Mysterium für ihn war und er kaum etwas über seine Familie und sein Leben wusste, teilten sie beide eine ganz seltsame Verbundenheit. Er wusste nicht wieso, aber John fühlte eine tiefe Vertrautheit gegenüber Sherlock. Sie ergänzten sich in vielerlei Hinsicht perfekt. Aber da war noch etwas anderes. Etwas, über das John eigentlich lieber nicht weiter nachdenken wollte, denn ihm gefiel gar nicht, wo das hinführte. Es hatte mit dem aufkommenden Gefühl zu tun in seinem Herz und in seinem Bauch, jedes Mal, wenn Sherlock ihn mit seinen intelligenten hellblauen Augen ansah.


~~~~~~


Nach ein paar Stunden klappte Sherlock mit einem resignierten Seufzten sein letztes Buch zu.
„Es ist zwecklos.“

John nickte langsam. Er hatte seinen Kopf auf seine Hand gestützt und wirkte müde. Sherlock betrachtete John mit einem nachdenklichen Blick. John wirkte nicht wie ein Junge, der viel Zeit in einer Bibliothek verbrachte. Am Vortag hatte John Sherlock erzählt, dass er einige Sportarten machte und auch wenn John nicht besonders groß war, wirkte er trotzdem sehr athletisch mit seinen Oberarmmuskeln, die die Ärmel seines T-Shirts anspannten. Sherlock fragte sich, ob John wie sein Vater gesagt hatte, wirklich lieber ein Eis essen gegangen wäre oder den Tag am Strand verbracht hätte. Stattdessen war er Sherlock gefolgt. Sherlock wusste nicht wieso, aber der Gedanke hinterließ ein seltsames, warmes Gefühl in seiner Brust. Er hatte noch nie einen Menschen gefunden, der freiwillig Zeit mit ihm verbringen wollte. Mit der Zeit hatte er sich eingeredet, dass er die Einsamkeit schätzte. Doch jetzt mit John fühlte er, wie gut ihm die Gesellschaft eines anderen Menschen tat, der ihn tatsächlich respektierte und ihn sogar – für Sherlock etwas vollkommen Neues – als Freund betrachtete.

John war im Urlaub, und Sherlock hatte das Gefühl, er müsste sich für die Zeit, die sie in der Bibliothek verbracht hatten, revanchieren.

„Sollen wir ein Eis essen?“

John blickte überrascht auf und Sherlock grinste. „Es macht einfach keinen Sinn hier weiter zu suchen. Ich denke, wir müssen die Aufklärung dieses Falls erst einmal auf später verschieben.“

John lächelte. „Du meinst, auf die Zeit wenn du Piraten Captain bist und ich dein Schiffsarzt?“

„Genau.“

Sherlock stand auf und reichte John die Hand. Er ließ sich von Sherlock hochziehen und beide verließen die Bibliothek. John merkte glücklich, dass Sherlock seine Hand erst nach längerem Zögern wieder los ließ. Sie gingen sehr eng nebeneinander und manchmal strich Sherlocks Hand wie zufällig beim Laufen über seine.

John war unglaublich verwirrt über seine Gefühle. Er wusste wie es sich anfühlte verliebt zu sein. In seiner Schule gab es ein Mädchen, in das er einmal verliebt gewesen war. Er erinnerte sich noch gut an das Aufgeregtsein, das seltsame Bauchgefühl, wenn sie ihn angesehen oder angelächelt hatte und das Herzrasen. Aber Sherlock war ein Junge. Wie konnte er solche Gefühle für einen Jungen haben?

Abgesehen davon war ihre Freundschaft sehr wahrscheinlich auf diese Ferien begrenzt. Ob sie sich jemals wiedersehen würden, war wahrscheinlich sehr unrealistisch. Wenn er seinen Gefühlen nachgeben und die Zeit mit Sherlock einfach genießen würde, was wären die Konsequenzen? John erinnerte sich noch gut daran, wie sich Liebeskummer angefühlt hatte. Wollte er sich das wirklich zumuten? Seine Schwester hatte ja anscheinend kein Problem, sich im Urlaub zu verlieben. John seufzte tief, und Sherlock blickte ihn durchdringend an.

„Alles in Ordnung?“

John nickte. „Ja, ich bin nur ein bisschen angespannt von der ganzen Sitzerei. Sollen wir noch Schwimmen gehen?“

Sherlock nickte, und die beiden fuhren zurück zur Strandpromenade.

„Ich muss noch kurz ins Hotel und meine Schwimmsachen holen. Ich hoffe, ich begegne meinem Bruder nicht.“

„Ich könnte ihn verhauen, wenn er doof zu dir ist“, meinte John mit ernstem Gesichtsausdruck.

Sherlock musste daraufhin loslachen und John ließ sich davon anstecken.

„Ich komme auf deinen Vorschlag gern zurück“, meinte Sherlock außer Atem.

Auf dem Weg zum Hotel kauften sich beide noch ein Eis. Sherlock schien auf ausgefallene Eissorten mit extremen Farben zu stehen. Er entschied sich schließlich für ein „les Schtroumpfs“- Eis, dass so leuchtend blau war, dass John gar nicht wissen wollte, wie viele Chemikalien dem Eis diese Farbe gaben. John entschied sich für ein Zitroneneis. Er mochte den erfrischenden und etwas sauren Geschmack lieber als süße Sachen.

„Ist meine Zunge blau?“, Sherlock streckte John seine Zunge hin und John nickte lachend.

„Als hättest du einen Schlumpf gegessen.“


„Denkst du, meine Zunge wird grün, wenn ich an deinem Eis lecke?“

John zog eine Augenbraue hoch. „Ist das ein Versuch, auch noch mein Eis zu bekommen?“

Sherlock blickte ihn unschuldig an. „Nein, es wäre ein Experiment ganz im Sinne der Wissenschaft und Forschung.“

John hielt Sherlock sein Eis hin und war nicht wirklich überrascht, dass Sherlock ein großes Stück davon weg naschte. Er ließ es eine Weile übertrieben genüsslich auf der Zunge zergehen und streckte John, der sein Kichern kaum noch unter Kontrolle hatte, dann wieder die Zunge raus.

John schüttelte den Kopf. „Das Blau ist fast weg. Kein Grün zu sehen.“

„Sherlock! Wo bist du gewesen?“

Die beiden Jungs schauten sich überrascht um. Ein paar Meter vor ihnen stand Mycroft, der Sherlock missmutig ansah. Sherlock verdrehte die Augen und schaute John wehleidig an.

„Das ist mein Bruder Mycroft.“

John lächelte Sherlocks großen Bruder kurz freundlich zu und nickte. „Hi. Ich bin John.“

Mycroft erwiderte Johns Gruß kühl und wandte sich dann wieder Sherlock zu.

„Mummy sucht dich schon überall. Sie wollte heute mit dir Tennis spielen. Das hatte ich dir doch gestern mitgeteilt.“

„Ich hatte was Besseres vor.“

„So? Wärst du so freundlich mir zu sagen, was das war?“


„Das geht dich nichts an. Aber ich wollte sowieso grade zu Mummy gehen, also brauchst du mich auch nicht weiter zu belästigen.“

John musste sich zusammenreißen nicht über die beiden zu lachen. Er verstand sich auch nicht immer mit seiner Schwester, aber so schlimm wie zwischen Sherlock und seinem Bruder war es bei weitem nicht.

Sherlock zog John an Mycroft vorbei zum Hoteleingang.

„Sherlock!“, rief Mycroft ihm erzürnt hinterher.

„Bye Mycroft!“, winkte Sherlock nur grinsend zurück und entschied sich, Mycroft von nun an zu ignorieren.

„Denkst du, es ist okay, wenn wir noch an den Strand gehen?“

„Natürlich. Meine Mutter erlaubt mir alles.“

Sherlocks Mutter war genauso, wie sie sich John vorgestellt hatte. Eine sehr aristokratisch wirkende Frau mittleren Alters mit heller Haut und dunklen lockigen Haaren, die unter einem Sonnenhut hervorschauten. Sie saß aufrecht in einem dunkelblauen Kleid unter einem Sonnenschirm auf der Hotelterrasse und las ein Buch. Als Sherlock die Terrasse betrat, blickte sie auf und lächelte freundlich. Sie hatte die selben hellen Augen wie Sherlock.

„Sherlock! Ich habe dich schon vermisst.“

„Entschuldige, Mummy. Ich war mit meinem Freund John unterwegs. Wir wollten noch Schwimmen gehen.“

John trat auf Sherlocks Mutter zu und reichte ihr die Hand, die diese freundlich schüttelte.

„Hallo John, freut mich dich kennenzulernen.“


„Mich auch“, meinte John schüchtern. Mrs. Holmes wand sich wieder ihrem Sohn zu. „Natürlich kannst du noch Schwimmen gehen. Aber lass es bitte nicht zu spät werden. Du hast versprochen mir heute Abend noch etwas auf der Geige vorzuspielen.“

John blickte Sherlock überrascht an. „Du spielst Geige?“

Sherlock nickte. „Spielst du auch ein Instrument?“
„Klarinette“, meinte John verlegen.

Sherlock schaute ihn einen Moment überrascht an. „Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Ich hätte auf Gitarre getippt, oder Klavier. Irgendwas ist immer falsch“, murmelte Sherlock schließlich vor sich hin.

Er winkte John ihm zu folgen, und sie gingen zu Sherlocks Zimmer. Sherlock verschwand dort kurz im Bad um seine Schwimmsachen anzuziehen und ein Handtuch einzupacken. John blickte sich währenddessen in seinem Hotelzimmer um, dass er offensichtlich mit seinem Bruder teilte. Auf Sherlocks Bett lagen verschiedene Bücher, vor allem über naturwissenschaftliche Themen. Seine Geige lehnte auf einem Stuhl.

„Spielst du mir was vor?“, fragte John plötzlich, als Sherlock wieder aus dem Bad kam.

Sherlock blickte John kurz überrascht an und lächelte wortlos, als er seine Geige in die Hand nahm und anfing zu spielen. Es war ein langsames Stück, das sehr traurig wirkte. John setzte sich auf Sherlocks Bett und lauschte erstaunt der Musik. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Sherlock es fertig brachte, so viel Gefühl in dieses Stück zu legen. Er kannte diesen wunderbaren Jungen noch nicht so lange, doch hatte er schon schnell gemerkt, dass Gefühle und Zwischenmenschliche Dinge nicht seine Stärken waren. Um so überraschter war er dadurch, dass er mit seiner Geige so viele Gefühle transportieren konnte. John schloss die Augen und genoss die Melodie, die auf irgendeine Art und Weise sein Herz berührte. Als würde sie eine Geschichte erzählen, die mehr Inhalt hatte, als Worte sie beschreiben hätte können.

Als Sherlock die letzten Töne spielte, stellte er leise seine Geige wieder auf den Stuhl.

„Das war wunderschön, Sherlock“, meinte John leise.

„Danke. Ich hab noch keinen Namen dafür.“

„Du hast es selbst komponiert?“, fragte John verblüfft.

Sherlock nickte und nahm seine Tasche. „Lass uns zum Strand gehen, bevor die Sonne untergeht.“

Er griff nach Johns Handgelenk und zog den immer noch verblüfften John hinter sich her.
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