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Canadian Winter

GeschichteHumor, Parodie / P12
Lindsay Donner Peter Axon Professor Connor Doyle
05.01.2013
05.01.2013
1
5.552
 
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05.01.2013 5.552
 
Titel: Canadian Winter
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas
Pairing: Connor/ Lindsay, Sue/ Jack
Rating: 12
Kategorie: Humor, Mystery
Inhalt: In einer verschneiten Nacht macht das Team im tiefsten Kanada jagt auf ein mysteriöses Tier.
Anmerkungen: Was lernen wir aus dieser Geschichte? Richtig: Geht niemals alleine in den Wald. :-)


Canadian Winter

Es war ein später Nachmittag im kalten Januar. Das Wetter war in diesem Jahr denkbar schlecht und obwohl der Frühling praktisch vor der Haustür stand, war die kanadische Natur noch immer unter einer dicken Schneeschicht begraben.
Connor kramte ein wenig ratlos im Eisfach des Kühlschrankes, der im Aufenthaltsraum des Mobilen Labors stand. Dabei hatte er einen Arm auf eine Krücke gestützt. Während er das tat, fragte er sich, ob es draußen vielleicht noch kälter war, als in diesem Eisfach und wie weit sie eigentlich vom Polarkreis entfernt waren.
“Was machst du da?”, wollte seine Kollegin Lindsay von ihm wissen und blieb ihm Türrahmen stehen. Sie kam nicht näher, sondern beobachtete ihn skeptisch.
“Ich suche eine Lösung.“
„Die wirst du im Kühlschrank nicht finden“, versprach Lindsay ihm und gleichzeitig ahnte sie, welche Lösung er suchte, „Setz dich auf die Couch, ich hole dir einen Eisbeutel.“
Connor tat, wie ihm geheißen, humpelte mit seiner Krücke zur Couch zurück und setzte sich. Dort wartet er, bis Lindsay mit einem Eisbeutel für ihn zurückkehrte und den ein wenig unsanft auf seinen Knie platzierte. Sein Gesicht verzog sich vor Schmerz. Lindsay entschuldigte sich nicht einmal und in diesem Moment kam Peter herein. Er zog eine Mütze von seinem Kopf, stopfte sie in die Tasche seines dicken Wintermantels und beobachtete Connors unglückliches Gesicht. Peter war den ganzen Tag über unterwegs gewesen.
„Was ist passiert?“, fragte er.
„Connor wurde von einem Fahrradfahrer überfahren.“ Lindsay, die noch immer neben Connor saß, drehte sich zu ihm herum.
„Von einem Fahrradfahrer?“, wiederholte Peter ungläubig, „Wie kann das passieren?“ Peter sah, wie Connor ein wenig genervt mit den  Augen rollte.
Er wusste gar nicht, wie oft er diese Geschichte heute schon erzählt hatte: Zuerst erzählte er es der Polizei, dann dem Arzt in der Notaufnahme, einem weiteren Arzt in der Notaufnahme, einem Taxifahrer, Anton, Sue und Jack und nun Peter. Connor war heute Morgen in eine Bäckerei gegangen um sich ein Frühstück zu holen. Als er die Bäckerei verließ und eine Fußgängerampel überqueren wollte, übersah ihn ein Radfahrer, der aus dem Nichts angerast kam. Der Fahrradfahrer kollidierte mit Connor und beide fielen zu Boden. Einige Passanten halfen ihm, aufzustehen und weil sie den Unfall gesehen hatten, blieben sie, bis die Polizei gekommen war. Der Fahrradfahrer war eindeutig Schuld am Unfall, weil die Fußgängerampel grün gewesen war und der Radfahrer noch dazu auf der falschen Straßenseite unterwegs war. Die Polizei versuchte, Anton oder Peter zu erreichen und weil sie beide nicht an ihre Handys gingen, riefen sie schließlich bei Lindsay an. Sie war sehr verwundert, als sie aus dem Taxi stieg und ihn ein wenig antriebslos auf der Treppe zur Bäckerei sitzen sah. Lindsay brachte Connor ins Krankenhaus, wo sich sein schmerzendes Knie als Prellung entpuppte. Sie fuhren erneut mit dem Taxi nach Hause und der Taxifahrer löcherte sie unterwegs mit allerhand Fragen über Connors Knie, nachdem sie ihm die Geschichte erzählt hatten. Im Mobilen Labor trafen sie zuerst auf Anton, dann auf Sue und Jack, die alle ziemlich verwundert waren, warum Connor humpelte. Also erzählte sie die Geschichte noch einmal. Connor reichte Anton eine Krankmeldung aus der Notaufnahme, die besagte, dass er mindestens für eine Woche außer Gefecht gesetzt war. Peter war der letzte, der die Geschichte bis jetzt noch nicht kannte. Connor fragte sich, ob es eigentlich noch mehr Leute gab, denen er es erzählen musste. Wenn ja, könnte er eine Nachricht auf sein Handy sprechen und diese dann abspielen…..
„Du bist für eine Woche krankgeschrieben?“, fragte Peter, als er die Krankmeldung ebenfalls sah und Connor nickte. „Das ist schade“, sagte Peter dann, „Das heißt, du kommst nächste Woche nicht mit dem Team und mir Skifahren.“
„Ich kann euch vom Rand der Piste aus zusehen“, beruhigte Connor ihn, aber innerlich bedankte er sich dafür, dass Peter ihn daran erinnerte, dass er nicht an dem Spaß teilnehmen konnte.
Die Tür zum Mobilen Labor ging erneut auf, als Sue, Anton und Jack zu ihnen kamen. Sues Hund Levi bellte und setzte sich dann in den Korb, den das Team ihn gesponsert hatte. Nicht jedes OSIR- Team wurde von einem Hund begleitet, auch, wenn es Sues Gehörlosenhund war.
Jack trug auf seinem Arm sechs Pizzakartons, die Sue ihm dann abnahm. „Wir dachten, wir kümmern uns zumindest ums Abendessen, wenn Lindsay schon für Connor die Krankenschwester sein muss“, grinste Sue mit einem Augenzwinkern und teilte die Pizza aus.
Connor warf einen Blick in seinen Karton und als er feststellte, dass er Pizza Hawaii bekommen hatte, tauschte er mit Lindsay, deren Schachtel Mexican BBQ beinhaltete. Sue hoffte, dass sie mit ihrem Essen trotzdem zufrieden waren: Immerhin hatte alleine die Fahrt in die nächste Stadt fast zwei Stunden gedauert. Sie war noch nie einen ganzen Nachmittag unterwegs gewesen, um ein Abendessen für das ganze Team zu besorgen.
Nach dem Essen langweilten sie sich noch mehr, als es die verschneite Einöde überhaupt zulassen konnte. Sie fanden glücklicherweise die Spielkonsole, die sie Jack im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt hatten. Für das Geschenk hatten sie alle zusammen gelegt und es war sehr gut investiert, denn obwohl sie es nicht gerne zugaben, hatte die Spielkonsole ihnen bereits so manchen langweiligen Abend gerettet.
Peter schlug vor, dass sie anstelle von Autowettrennen genauso gut einen Film schauen könnten. Hier oben in der kanadischen Wildnis war der Empfang von Kabelfernsehen gleich Null, Sattelitenfernsehen wurde in Rahmen der neuen Sparmaßnahmen eingestellt.
Peter sagte, dass er zum Glück eine DVD im Gepäck hatte und er ging los, um diese zu holen.
„Ist das die DVD, die wir dir im vergangen Jahr zu Weihnachten geschenkt haben?“, fragte Lindsay, als er wiederkam.
„Das war die Folge von Star Trek: Voyager, in der Captain Janeway von den Borg assimiliert wird.“
Lindsay erinnerte sich noch sehr gut daran, dass sie die DVD sogar schon einmal mit ihm angeschaut hatten und wie entsetzt Peter gewesen war, als der Showdown im Weltall begann.
„Wir sollten lieber ein Spiel spielen“, schlug Sue vor. Sie hatten fünf unterschiedliche Videospiele zur Auswahl. Connor und Jack entschieden sich für ein Mulitplayer- Spiel namens „Eselwettrennen“ und bereits nach dem ersten Durchgang konnte Lindsay sehen, dass Jacks Esel auf dem Bildschirm ein wenig zurücklag. Dann bemerkte sie, dass Connors Esel über einen Stein sprang und seinen Reiter dabei abwarf. Anton beobachtete die spielende Meute skeptisch, während er über einem Buch saß und las.
„Bevor wir losgefahren sind, habe ich einen elektrischen Besen gekauft“, erzählte Lindsay und Sue, die neben ihr auf der Couch saß und ihren Hund Levi streichelte, widersprach geschickt: „So etwas nennt man heutzutage auch Staubsauger.“
„Nein, es ist wirklich ein elektrischer Besen.“
„Bist  du auf dem gleich hergeflogen?“, fragte Peter und Lindsay hörte Connor lachen, obwohl er noch in seinem Videospiel beschäftigt war.
„Das reicht jetzt“, sagte sie und eine lustige Melodie lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Bildschirm.
„Zu gewinnen ist ein wenig schwierig, wenn du vom Esel runterfällst!“, rief Jack schadenfreudig, sein Esel rannte als erster ins Ziel. Auf Connors Bildschirmhälfte erschienen die Worte „Game  over“ und frustriert legte er die Spielkonsole weg. Lindsay setzte sich nun wieder neben ihm.
„Wie geht es deinem Knie?“, fragte sie.
„Im Moment fühlt es sich an, als ob es verbrennen würde... Kann ich bitte noch einen Eisbeutel haben?“
„Männer“, Lindsay rollte mit den Augen, „Ihr tut immer so, als währt ihr unverwundbar aber sobald ihr auch nur einen leichten Schnupfen habt oder euch an einer scharfen Papierkante geschnitten habt, ist das so, als müsstet ihr gleich sterben“, während sie das sagte, kramte sie im Eisfach herum.
„Ich wurde von einem Fahrradfahrer dahingerafft“, erinnerte und verbesserte Connor sie.
„Und dann von einem Esel“, fügte Jack hinzu und Connor beschwerte sich.
Lindsay kam zurück und reichte ihm einen grünen Plastikbeutel.
„Was ist das?“, fragte Connor.
„Wir haben kein Eis mehr. Du musst Tiefkühlerbsen nehmen“, sie war fast ein wenig schadenfreudig, als Connor nach dem Beutel griff und ihn auf sein Knie legte. Dann entschuldigte sie sich um sich einen Tee zu machen und fragte ihre Kollegen, ob sie ihnen etwas aus der Küche mitbringen sollte. Sue hätte ebenfalls gerne eine Tasse Tee und Lindsay sagte ihr, dass sie ihr selbstverständlich etwas mitbrachte. Sie suchte in der Küche nach den Teebeuteln, als sie ein gleichmäßiges, klopfendes Geräusch registrierte. Lindsay lauschte einen Moment. Das Klopfen musste von einer Wand aus dem Nebenzimmer kommen. Aber dort war nichts, außer Ausrüstungsgegenstände. Sie ging sogar ins Nebenzimmer um persönlich nachzusehen, doch als die den Raum betrat, verschwand das Geräusch und hier drinnen konnte sie nichts unauffällig sehen: Keine losen Gegenstände, die gegen die Wand schlugen. Also musste das Geräusch von draußen kommen.
„Habt ihr das gehört?“, rief sie ihren Kollegen zu.
„Was?“, antwortete Peter, während er für Levi einen Tennisball durch den Aufenthaltsraum warf und sofort von Connor getadelt wurde, dass das Mobile Labor kein Spielplatz war.
„Ein Klopfen.“
„Das war bestimmt nur ein wildes Tier“, beruhigte Peter sie. Immerhin befanden sie sich hier oben im tiefsten Kanada.
Lindsay beschloss, dem Geräusch nicht allzu viel Beachtung zu schenken und kümmerte sich in der Küche  weiter um ihren und um Sues Tee. Für etwa eine Minute herrschte Stille.
Doch dann kam das Klopfen wieder. Diesmal klang es fast wie ein hilfesuchendes Klopfen und es kam direkt von der Wand, die sich hinter der steril eingerichteten Küchenzeile befand. Lindsay näherte sich dem Ursprung der Geräuschquelle und als sie die kalte Wand des Mobilen Labors berührte, konnte sie sogar das Pfeifen des Windes hören, der um den Truck herum fegte. Das Klopfen war vorbei und als sie sich ein wenig entspannte, tauchte das Geräusch plötzlich an einer anderen Stelle des Mobilen Labors wieder auf. Sie fragte sich, wer hier ein Spiel mit ihnen trieb und beschloss, dass sie so schnell wie möglich mit Connor reden musste. Sie dachte sich, dass es wirklich Zufall war, dass er nun ebenfalls in die kleine Küche humpelte, um sich etwas zum Essen zu holen.
„Ich sagte dir doch, ich könnte dir etwas mitbringen“, erinnerte sie ihn.
„War eine Spontanentscheidung“, antwortete Connor und zwinkerte ihr zu.
„Ich habe es schon wieder gehört“, sagte Lindsay zu ihm, „Das klopfende Geräusch. Es wandert: Wenn man die Stelle ausfindig gemacht hat, von der es eigentlich kommt, verschwindet das Geräusch und taucht an einer anderen Stelle wieder auf… Sag mir nicht, dass das von einem wilden Tier kommen soll“, beschwerte sich Lindsay und folgte ihm, während er wieder mit seiner Krücke und einem Sandwich zur Couch zurückhumpelte. Da sie deutlich mobiler war, als er mit seiner Krücke, war es nicht unbedingt schwierig, ihm zu folgen. Connor musste ihr also zuhören, ob er wollte, oder nicht.
„Ich finde wir sollten rausgehen und es uns ansehen“, sagte Connor.
„Genau. Wir sollten…“, Lindsay stoppte, denn sie war überrascht, dass er ihr zustimmte, „Sollten wir das?“ Ihn zu überreden war leichter, als sie gedacht hatte. Anhand des Schneesturmes, der draußen wütete, war sie ohnehin überrascht, dass er zustimmte.
„Wir teilen uns am Besten in zwei Gruppen auf: Peter führt die erste Gruppe, ich die zweite“, sagte Connor und ein wenig missmutig beobachtete Lindsay, wie er auf seiner Krücke zu einem Stuhl humpelte um sich dort seine Schneestiefel anzuziehen.
„Du willst doch nicht etwa mitkommen?“, fragte sie vorsichtig und Connor nickte. „Das kannst du nicht machen“, ihre Stimme war deutlich besorgt, „Falls wir dort draußen….“
„Es liegt an meiner Verletzung, richtig?!“, Connor war nicht dumm und wusste sofort, worauf sie eigentlich hinauswollte.
„Ich will damit nur sagen, dass es für dich ziemlich gefährlich werden kann“, Lindsay setzte sich neben ihn, „Außerdem hast du diese Krücke nicht für immer sondern nur für ungefähr eine Woche.“
„Sie hat Recht“, mischte sich Jack ein, der eine dicke Jacke aus seinem Spind holte, „Warum koordinierst du nicht die Teams? Ich bin sicher, wir kommen auch zurecht, wenn du uns über Funk Anweisungen gibst.“
Connor brauchte einen Moment, um eine Entscheidung treffen zu können. Schließlich nickte er. „Also schön. Dann machen wir es so.“

Sie trafen sich fünf Minuten später zu einer kurzen Lagebesprechung im Konferenzzimmer.
„Wir sind alle über Funk miteinander verbunden“, sagte Connor zu ihnen und reichte ihnen Headsets, „Sue und Jack gehen mit Anton. Das zweite Team bilden Peter und Lindsay.“
Sue bemerkte, dass das ziemlich ungerecht aufgeteilt war, denn sie hatten ihren Hund Levi noch bei sich und Connor beschloss, darauf nicht einzugehen.
„Ihr werdet euch spätestens alle fünf Minuten bei mir melden und mir eure genaue Position durchgeben“, Connor reichte jedem Team nun eine detaillierte Karte der Umgebung. Das Papier war gelb und als Peter ihn auf die Aktualität der Karten ansprach, antwortete Connor, dass der zuständige Ranger zumindest gesagt hatte, die Karten würden noch zutreffen.
Anschließend schob er Taschenlampen über den Besprechungstisch, sowie kleine Kameras, die aufzeichnen konnten, was sie sahen. Connor wusste nicht, was sie glaubten, dort draußen im Wald finden zu können, doch er hoffte, dass es wirklich nur ein harmloses Tier war, welches ihnen einen gehörigen Schrecken einjagte.
Sie machten sich auf den Weg zur Tür, nachdem sie ihre dicken Winterjacken angezogen und ihre Wollmützen aufgesetzt hatten. Das technische Equipment befestigten sie an ihrer Kleidung.
Lindsay verließ das Mobile Labor als Letzte und stieg die Schmale Treppe hinunter, während Connor an der Eingangstür zurückblieb. Die Stufen waren bestimmt rutschig und sie wollte nicht, dass er mit seiner Krücke auch noch hinunterstürzte. Nach dem Unfall mit dem Fahrradfahrer war heute ohnehin nicht Connors Tag.
„Sei vorsichtig, hörst du. Tu nichts, was ich nicht auch tun würde“, verabschiedete sie sich von ihm.
„Du weißt, das Mobile Labor ist nicht gerade eine Todesfalle“, er rollte mit den Augen.
„Ich weiß, dass es ziemlich hart für dich ist, uns gehen zu lassen...“
„Naja, ich habe manchmal das Gefühl, dass mich niemand mehr braucht.“
„Das ist nicht wahr. Ich brauche dich und das weißt du.“
Er bedankte sich nun für dieses Eingeständnis von Zuneigung. „Passt auf euch auf, okay?“
„Ja.“ Sie nickte und drückte strahlend einen Kuss auf seine Wange. Dann sprang sie die letzte Stufe der Treppe hinunter und lief eilig zu Peter, Anton, Sue und Jack, die mit Levi am Waldrand auf sie warteten.

Lindsay glaubte nicht daran, dass es heute Nacht noch kälter werden konnte, denn sie hatte das Gefühl, dass ihre Atemwölkchen in der Luft immer dichter wurden. Ihr Smartphone funktionierte hier oben in der einsamen Wildnis Kanada nicht, also brauchte sie gar nicht versuchten, im Internet die momentane Außentemperatur herauszufinden. Bis auf den Schein ihrer Taschenlampen war es stockdunkel und der Wald sah ziemlich beängstigend aus.
Sie hatten sich auf einer Waldwegkreuzung zum Bluewater Mountain getrennt um zwei Teams zu bilden: Während Peter und Lindsay zu besagtem Berg gehen wollten, machten sich Jack, Sue und Anton auf den Weg in die entgegengesetzte Richtung.
Der Schnee knirschte unter ihren kalten Füßen, als Lindsay plötzlich stehen blieb.
„Warte eine Sekunde“, sie griff nach Peters Arm damit auch er nicht mehr weiterlief.
„Was ist?“
„Das Geräusch.“
Peter lauschte und diesmal hörte er es auch: Es war ein gleichmäßiges, fast melodisches Klopfen.
„Denkst du noch immer, dass das von einem Tier kommt?“, wollte sie wissen und Peter schüttelte den Kopf. „Irgendjemand spielt hier einen ziemlich üblen Streich mit uns“, sagte er und Peter wollte wissen, wer sich so eine Frechheit erlaubte.
Bevor sie weiterliefen, teilten sie Connor und dem anderen Team mit, dass sie nach Nordwesten gehen würden um dem Geräusch zu folgen.

„Was ist, wenn es ein Wildschwein ist?“, wollte Sue nach einer Weile wissen und sie sprach diese Frage direkt in ihr Headset, während sie neben Anton und Jack durch den dunklen Wald ging. Jacks Taschenlampe huschte über einige kahle Baumstämme.
„Dann hoffe ich, du kannst schnell rennen“, antwortete Jack, „Die können ziemlich ungemütlich werden, wenn man sie stört.“ Er glaubte aber, dass Wildschweine momentan Winterschlaf hielten. Genau wusste er es aber nicht.
Bisher war das Team von Jack in die entgegengesetzte Richtung gegangen, doch als Lindsay über Funk durchgab, dass sie das klopfende Geräusch auch im Wald gehört hatte, waren sie nun ebenfalls auf dem Weg nach Nordwesten.
„Wir hätten ein Gewehr mitnehmen sollen“, beschwerte sich Peter über Funk und da Sue seinen Kommentar nicht hören konnte, erklärte Jack ihr, was er eben gesagt hatte.
„Wir können nicht einfach ein Tier erschießen“, widersprach sie.
„Das müssen wir der Forstverwaltung melden, ich weiß“, meldete sich Peter wieder über Funk.
„Dazu sind wir viel zu nett zu Tieren“, fiel nun Jack ins Wort und nachdem Sue gesehen hatte, was er gesagt hatte, nickte sie zustimmend.
„Hattet ihr keine Haustiere?“, fragte Sue und fasste Levis Leine kürzer, „Ihr habt kein Herz für Tiere.“
Connor sah sich in der Pflicht ihr zu widersprechen. „Meine Familie hatte einen Hamster, als ich ein Kind war“, erzählte Connor schließlich und hörte, wie Jack für Sue übersetzte, „Eines Tages war er weggelaufen. Zumindest dachte ich das, bis ich irgendwann Hamstermist unter der Couch entdeckte. Also sagte ich zu meiner Mutter, dass der Nager noch im Haus sein musste. Meine Mutter fand den Hamster: Er saß in der Mülltonne und hat einen Keks gefressen. Der kleine Kerl sah ziemlich abgewrackt aus.“
Lindsay lachte. „Was ist dann passiert?“, fragte sie ihn ihr Funkgerät.
„Der Hamster lebte nicht mehr lange und eines Morgens lag er im Käfig. Meine Mutter machte den Bleistifttest und dann hat sie ihn letztendlich doch in die Mülltonne gesteckt. Ich habe alles getan, um den Hamster zu retten, bis er schließlich eines natürlichen Todes gestorben ist.“
Sue und Lindsay lachten, als er seine Erzählung beendet hatte.
„Wo seit ihr jetzt?“, wollte Connor dann von ihnen wissen.
„Wir konnten den Ursprung des Geräusches noch nicht finden“, enttäuschte Lindsay ihn, während sie neben Peter herging. Dabei waren sie jetzt schon seit einer halben Stunde unterwegs.
Sie richtete ihren Blick nach oben an den Sternenhimmel, wo das Sternbild des Orion funkelte. Sie interessierte sich nicht besonders für Sterne und dieses Bild kannte sie nur, weil es, einmal abgesehen vom Großen und kleinen Waagen, von den anderen Sternbildern leicht zu unterscheiden war. Eine Gruppe Baumkronen versperrte nun die Sicht auf den Himmel, doch da war noch etwas anderes: ein großer runder Gegenstand mit vielen glitzernden Lichtern an der Unterseite.
Lindsay und Peter blieben stehen.
„Connor?“, fragte Lindsay in ihr Headset, „Siehst du auch, was ich sehe?“ Sie versuchte, die kleine Kamera etwas genauer auszurichten.
Im Mobilen Labor warf Connor einen Blick auf den Bildschirm, der die Videoübertragung von Lindsays Kamera darstellen sollte. Er sah jedoch nur ein Flimmern. „Tut mir leid, ich kann nichts sehen“, entschuldigte er sich bei ihr und in diesem Moment bemerkte er, dass die Funkverbindung zu Peter und Lindsay abgebrochen war. Also beschloss er, sich bei Anton, Jack und Sue zu melden.
„Wo seit ihr? Habt ihr Sichtkontakt zu Peter und Lindsay?“, wollte Connor von Jack wissen.
„Negativ. Wir haben sie zuletzt gesehen, als sie Richtung Bluewater Mountain gegangen sind“, antwortete Jack und im Mobilen Labor rollte Connor auf seinem Bürostuhl zu einer Landkarte, so gut es seine Verletzung zuließ. Der Bluewater Mountain war unspektakulär. Er fragte sich, warum die beiden dorthin gegangen waren.
„Achtung, Connor. Wir gehen jetzt einen Hügel hinauf, von dem aus man Sichtkontakt zum Bluewater Mountain hat“, sagte Jack und keuchende Geräusche drangen durch die Leitung.
Während er wartete, wurde Connor von einem Licht geblendet, welches definitiv von draußen kam. Auf seinem Bürostuhl rollte er zum Fenster um hinauszuschauen. Er rechnete nicht damit, dass sie jemand zu dieser späten Zeit besuchen würde. Was er saß, ließ seine Gliedmaßen schwach werden und ein kurzes Gefühl von Angst machte sich in seiner Magengegend breit. Die Kaffeetasse, die er in der Hand hielt, musste auf dem Fensterbrett abgestellt werden, sonst wäre das Stück Porzellan womöglich noch auf dem Boden gelandet.
„Meine…“, brachte er heraus und schaffte es nicht, den Blick von den glänzenden Lichtern, die sich zwischen den Baumkronen bewegten, abzuwenden.
„Connor? Connor, was ist los?“, fragte Jack in sein Headset und als er keine Antwort bekam, nahm er an, dass etwas mit der Technik nicht stimmte, also rüttelte er einmal am Mikrofon. „Connor, was ist los?“, wiederholte er, doch niemand reagierte. Jack hörte außerdem nur ein Rauschen.
„Ich höre auch nichts“, Anton schüttelte den Kopf und sie nahmen sogar Sues Headset weil sie glaubten, dass mit den ihren etwas nicht in Ordnung war, aber auch durch Sues Kopfhörer dröhnte ein monotones Rauschen.
„Was machen wir jetzt?“, wollte Sue von ihnen wissen. Sie waren stehen geblieben und ihre Füße verwandelten sich im kalten Schnee allmählich in Eisklötze.
„Wir sollten zum Mobilen Labor zurückgehen“, schlug Jack vor, doch Anton schüttelte den Kopf: „Ich finde, wir sollten zuerst nach Peter und Lindsay suchen. Die beiden könnten sich verirrt haben.“
„Aber Connor…“
„Connor geht es gut. Er sitzt im warmen Mobilen Labor und ist in Sicherheit.“
„Aber ohne die Funkverbindung könnten wir uns ebenfalls verirren“, beschwerte sich Sue.
„Wir stimmen ab“, beschloss Jack, „Wer ist dafür, dass wir zuerst zum Mobilen Labor zurückgehen und uns um funktionierende Technik kümmern?“ Als er diesen Satz zu Ende gesprochen hatte, hoben er und Sue jeweils eine Hand.
„Meine Stimme zählt doppelt, ich muss für Levi abstimmen. Damit haben wir die Mehrheit.“
Anton rollte ein wenig genervt mit den Augen und folgte ihnen ein wenig wiederwillig, als sie doch zu dem Truck zurückgingen, wo Connor auf sie wartete.

Sie brauchten etwa dreißig Minuten, bis sie den ganzen Weg durch den dicken Schnee zurückgelegt hatten und schließlich das Mobile Labor erreichten. Sie liefen ein wenig schneller, als sie sahen, dass die Eingangstür offen stand. „Connor?“, Jack rief nach ihm und eilte auf den Truck zu.
Sue blieb entsetzt stehen, als sie die Fußspuren im Schnee sah, die an einer Stelle plötzlich aufhörten. Sie wusste nicht, ob das daran lag, dass der Wind und der wiedereinsetzende Schnee die Spuren mittlerweile verweht haben könnten.
Mit einem gewaltigen Satz sprang Jack über die Treppe direkt ins Innere des Labors und suchte dort nach Connor. „Er ist nicht da!“, mit diesen Worten sprang er kurz darauf die Treppe wieder hinunter. Es war noch immer eiskalt und ihr Atem bildete weise Wölkchen in der Luft. Die Kälte schmerzte in seiner Lunge.
„Wo ist er hingegangen?“, Sue schaute sich suchend um, während Levi an seiner Leine zerrte und laut bellte. Anton fragte sich, ob Connor vielleicht mit einem Auto weggefahren war, doch die beiden zivilen Fahrzeuge, mit denen sie hergekommen waren, standen noch immer eingeschneit in einiger Entfernung zum Mobilen Labor.
„Das weiß ich nicht. Er hat keine Notiz hinterlassen“, antwortete Jack, „Aber das Mobile Labor sieht so aus, als hätte er es in Eile hinterlassen: Er hat seine Jacke nicht mitgenommen und hat die Funkanlage, sowie alle elektronischen Geräte nicht abgeschaltet.“ Connor war gegangen, ohne die Kaffeemaschine abzustellen und außerdem war das Labor nicht abgeschlossen.
„Das ist ein Alptraum!“, Sues Stimme klang verzweifelt. Peter und Lindsay hatten sich irgendwo im Wald verirrt und Connor war spurlos verschwunden.

Jack benötigte einen Moment um seine Gedanken zu sortieren. Connor hatte ihn zum Anführer dieser kleinen Gruppe gemacht und er musste nun entscheiden, was Priorität hatte. Sollte er zuerst nach Connor suchen, der womöglich schwer verletzt lag und noch dazu ohne Winterkleidung? Oder sollte er zuerst versuchen, Peter und Lindsay zu finden, zu denen sie schon seit einer halben Stunde keinen Funkkontakt mehr hatten? Eine gerechte Entscheidung zu treffen, war nicht einfach. Jeder von ihnen verdiente seine Hilfe gleichermaßen.
Levi begann, laut und ungehalten zu bellen und als er an seiner Leine zerrte, drehte Sue sich um. Sie wollte sehen, warum ihr Hund so aufgebracht war. Levi bellte lauter, schließlich riss er sich von ihr los und rannte mit seiner Leine zum Waldrand. „Levi!“, Sue rief nach ihm, doch er gehorchte nicht. Sie sah, dass seine Rute freudig hin und her wedelte und atmete erleichtert aus, als sie Peter und Lindsay aus dem Wald kommen sah.
„Wo seid ihr gewesen?“, wollte Sue wissen, „Warum ist die Funkverbindung zu euch abgebrochen?“
„Das glaubt ihr uns nie“, begann Lindsay und sie sah an Sues Gesichtsausdruck, dass sie sie beinahe dazu herausforderte, es trotzdem zu erzählen, „Wir haben über unseren Köpfen ein Raumschiff gesehen und ich vermute, dass das für den Zusammenbruch der Funkverbindung verantwortlich war. Es war  eine fliegende Untertasse und hatte viele bunte Lichter an seiner Unterseite, die wie Diamanten glitzern. Dass die Funkverbindung abgebrochen ist, habe ich zuerst gar nicht bemerkt.“ Sie sah nun ebenfalls, dass die Tür zum Mobilen Labor noch offen stand.
„Wo ist Connor?“, fragte Lindsay. Jack schüttelte den Kopf und rieb seine kalten Hände aneinander.
„Das wissen wir nicht“, gab er zu, „Als wir das Mobile Labor erreicht haben, stand die Tür sperrangelweit offen und Connor war nicht da.“
„Wir haben Fußspuren im Schnee gesehen“, berichtete Sue, „Definitiv von Connor. Aber plötzlich haben die Spuren aufgehört.“
„Das klingt nicht sehr vielversprechend“, meinte Lindsay, „Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen sollte.“
Sue überlegte für eine Sekunde, ob sie es ihr sagen sollte. Aber es war besser, mit offenen Karten zu spielen um sich einen reellen Zeitrahmen zu setzen, bis wann sie Connor finden mussten. „Er hat seine Jacke nicht mitgenommen.“
„Klingt, als wäre er geflohen“, sagte Peter. Aber wovor? Er ließ den Lichtkegel seiner Taschenlampe über die Außenwand des Mobilen Labors huschen und zufällig streifte das Licht einige Baumkronen.
„Die Bäume sind abgebrochen“, er hielt den Lichtkegel länger auf die Bäume, die direkt neben dem Labor standen, „Soweit ich mich erinnern kann, war das heute Morgen noch nicht der Fall gewesen.“
Er fragte sich, was Connor gesehen hatte, dass er das Mobile Labor so schnell verlassen musste und nicht einmal mehr die Zeit fand, sich eine warme Jacke anzuziehen.
„Wir müssen ihn suchen“, Jack fand, dass das selbstverständlich war. Sie würden kein Mitglied ihres Teams hier draußen zurücklassen. Aber sie mussten sich beeilen, denn  die Kälte und der vom Himmel fallende Schnee wurden immer schlimmer.

„Diese verfluchte Karte hilft uns kein bisschen!“, Lindsay knüllte das vergilbte Stück Papier in ihrer Hand zusammen, als sie feststellte, dass sie einen nicht eingezeichneten Waldweg erreicht hatten.
„Du musst ganz ruhig bleiben“, sagte Sue zu ihr, „Wenn wir jetzt die Nerven verlieren, helfen wir Connor kein bisschen.“
Lindsay nickte. Innerlich dachte sie sich, dass Sue überhaupt keine Ahnung hatte, wie es war, wenn ihr bester Freund plötzlich spurlos verschwunden war. Ihr Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen, als sie daran dachte, dass sie Connor möglicherweise niemals wieder sehen würde. Sie hatte ihm doch gesagt, er sollte keine Dummheiten machen. Warum lief er dann weg?
„Warum suchen wir nicht in Teams nach Connor?“, fragte Lindsay.
„Weil ich die Verantwortung habe, solange Connor nicht da ist“, antwortete Jack, „Unsere Technik funktioniert nicht und demnach habe ich keine Lust, dann auch noch nach einem weiteren verschollenen Teammitglied suchen zu müssen. Und wie du schon festgestellt hast, sind unsere Karten veraltet. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns wirklich verlaufen, ist also ziemlich groß.“
Er erhob seine Stimme und Lindsay bemühte sich, die Tränen der Wut in ihren Augen hinunterzuschlucken.
„Okay“, sie wollte versuchen, sich mit seiner Entscheidung abzufinden.
Während die beiden diskutierten, waren Anton, Jack und Sue ein Stück weiter gegangen. Plötzlich begann Levi, an seiner Leine zu ziehen und Sue musste sich bemühen, auf dem glatten Schnee nicht auszurutschen.
„Hier liegt jemand!“, rief Peter, als sie sich einem Haufen näherten, der einem menschlichen Körper verdächtig ähnlich sah. Sie beeilten sich und liefen schneller, bis auch der Rest des Teams den Schneehaufen erreichte, der mitten auf einer Lichtung lag. Mit seiner Taschenlampe leuchtete Peter zu dem Baumkronen: Auch sie waren abgebrochen. Genauso, wie die Bäume am Mobilen Labor. Er fragte sich, was zum Teufel hier eigentlich vor ging.
Lindsay stürzte zu der Gestalt und sie sah, dass es tatsächlich ein Mensch war. „Connor!“, sie heulte förmlich, als sie ihn aus dem Schnee ausgrub und ihn dann umdrehte. Sie musste Levi zur Seite schieben, der bereits aufgebracht an Connor schnupperte. Peter und Anton blieben erleichtert und gleichermaßen geschockt stehen. Sie murmelten etwas von einem Auto.
Seine Augen waren geschlossen und seine Haut war kreidebleich. Eine Hand hielt die Krücke noch immer fest umschlossen, doch Lindsay wollte seine Gliedmaßen nicht bewegen. Sie hatte Angst, dass sie ihm einen Knochen brechen könnte, wenn er bereits erfroren… Nein, sie mochte diesen Gedanken gar nicht zu Ende spinnen.
Anstelle ihn zu bewegen, drückte sie ihn an sich. Sue kam zu ihr und breitete eine Decke über ihm aus, die sie mitgebracht hatte. Levi setzte sich auf Connors Beine um ihn so zu wärmen. Sue versuchte, sich zu beherrschen und nicht auch noch wie Lindsay verzweifelt in Tränen auszubrechen. Tröstend griff sie nach Lindsays Arm und drückte sie fest.
Dann mussten sie warten, bis Anton, Jack und Peter die Zivilfahrzeuge aus dem Schnee ausgegraben hatten und zu ihnen gekommen waren, damit sie endlich ins Krankenhaus fahren konnten.

Connors Augenlider waren schwer und brannten wie Feuer, als er sie öffnete und seine Freunde wie durch einen Schleier sehen konnte. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch die einströmende Luft verursachte einen Hustenreiz. Außerdem steckte ein ziemlich breiter Schlauch in seiner Kehle, der ihn beim Schlucken behinderte. Er hörte, dass Lindsay nach der Krankenschwester rief während sie noch immer seine Hand hielt und sein Beatmungsschlauch wurde kurz darauf entfernt. Connor brauchte einen Moment um sich zu beruhigen.
„Wo bin ich?“, fragte er, als er wieder sprechen konnte und Lindsay reichte ihm einen Becher mit Wasser.
„Wir sind im Krankenhaus. Du warst halb erfroren, als wir dich gefunden haben. Wie geht es dir?“
Connor versuchte momentan, sich darüber selbst ein Bild zu machen: Er bewegte seine Finger und Zehen und griff nach seiner Nase und seinen Ohren. Vermutlich rechnete er damit, dass er sich in der Kälte ernsthafte Erfrierungen zugezogen haben könnte, die eine Amputation erforderlich machten. Erleichtert stellte er fest, dass er noch vollständig war.
„Was hast du dir nur dabei gedacht, ohne Winterjacke in diese Eiseskälte zu gehen?“, wollte Lindsay nun von ihm wissen.
„Entschuldige, ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht... Ich musste mich beeilen“, als Connor dies sagte, setzten Peter und Jack sich auf Stühle neben seinem Bett.
„Was ist passiert?“, wollte Peter wissen, „Wir haben dich fast zwei Meilen vom Mobilen Labor entfernt gefunden.“
Connor war überrascht, das zu hören. „Ich weiß noch, dass ich Funkkontakt zu Lindsay hatte und von einem Licht geblendet wurde. Ich schaute aus dem Fenster und sah über den Bäumen eine große, runde Scheibe schweben, die an der Unterseite viele bunte Lichter hatte. Die Lichter glitzerten, als würden sie zu einer Melodie tanzen“, während Connor sprach, sah er gespannt in die Gesichter seiner Freunde und er sah in Lindsays Augen, dass sie genau das Gleiche Flugobjekt gesehen hatte.
„Als die Lichter heller wurden, stand ich auf und humpelte aus dem Labor. Auf dem Weg nach draußen rutschte ich auf der Treppe aus und stürzte die letzte Stufe hinunter… Ich stand auf und dann lief ich, bis das helle, gleißende Licht irgendwann direkt über mir war“, er machte eine Pause und es schien so, als müsste er erst einen Moment nachdenken bevor er den Kopf schüttelte, „An mehr kann ich mich nicht erinnern. Ich habe keine Ahnung, wie ich so weit vom Mobilen Labor wegkommen konnte.“
Dafür hatte Peter bereits eine Ahnung, aber er sagte es nicht. Vielleicht würden sie zu einem anderen Zeitpunkt darüber sprechen.
Für eine Weile sagte niemand ein Wort. „Das macht nichts“, erklärte Anton schließlich, „Das Wichtigste ist, dass es uns allen gut geht.“
„Ja“, Connor nickte zustimmend, „Ich vermute fast, dass es mehrere Raumschiffe gewesen sind.“ Er konnte sich nicht vorstellen, dass ein und das Selbe Raumschiff gleichzeitig über Peter und Lindsay und über dem Mobilen Labor schweben konnte, welches einen halbstündigen Fußmarsch entfernt, abgestellt war. „Woran könnt ihr euch erinnern?“, Connor sah zu Peter und Lindsay.
„Nichts spektakuläres“, antwortete Peter wahrheitsgemäß, „Wir haben einige glänzende Lichter über unseren Köpfen gesehen und haben uns dann sofort auf den Rückweg zum Mobilen Labor gemacht.“ Er musste zugeben, dass er in diesem Moment das Geräusch, weswegen sie eigentlich in den Wald gegangen waren, völlig vergessen hatte. Und egal was es war, er wollte keine Sekunde länger dort draußen bleiben um es herauszufinden.
„Glaubt ihr wirklich, das waren außerirdische Raumschiffe?“, wollte Sue unsicher wissen.
„Ich bin sicher, dass es kein Flugzeug oder Helikopter gewesen ist“, sagte Peter zu ihr. Er verstand ihre Zweifel: Sie gehörte zu dem Teil des Teams, welches die Lichter nicht gesehen hatte.
Eine Krankenschwester schob einen ratternden Wagen mit einem Tablett mit Connors Frühstück herein. Es waren Haferflocken und ein Bagel mit Frischkäse. In den Gesichtern seiner Freunde sah er, dass sie ihn um dieses Essen nicht beneideten.
„Bestimmt bist du sehr müde“, begann Sue und tätschelte Levi, „Wir sollten gehen und dich schlafen lassen.“ Peter und Anton nickten und machten sich sogleich auf den Weg zur Tür.
„Ruh dich aus“, sagte Lindsay, bevor sie Connor noch einmal einen Abschiedskuss auf die Wange drückte, ihre Jacke nahm und dann zu ihren Freunden ging, die an der Tür auf sie warteten.
„Wir kommen morgen wieder“, versprach Jack ihm, „Bis dahin hast du hoffentlich ein wenig mehr Farbe im Gesicht.“
Connor nickte und grinste über Jacks Kommentar. Als seine Freunde gegangen waren, schloss er die Augen und versuchte zu schlafen.
Die grauenhafte Erinnerung kehrte zurück.
Stück für Stück.

Fin
 
 
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